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herchloer Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 55*
Dienstag, den 11. Mai
1909t
Amtlicher teil.
Polizeiverordnung
betreffend Abänderung der Polizeiverordnung über die äußere Heilighaltung der Sonu- und Feiertage vom 7. Dezember 1907.
Auf Grund bet §§ 137 und 139 de» Gesetze- über die allgemeine LandeSverwaltung vom 30. Juli 1883 (G. 6. ®. 195), deS GesetzeS vom 9. Mai 1892 (G. S. S. 107), sowie der §§ 6, 12 und 13 der Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen LandeSteilen vom 20. September 1867 (G. 8. S. 1529) wird mit Zustimmung der Bezirkkau-fchuffeS für den Umfang deS Regierungsbezirk» nachstehende Polizeiverordnung erlassen.
§ 1. Der § 7 Abs. 1 der Polizeiverordnung über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage vom 7. Dezember 1907 (Amtsblatt Seite 379) wird ausgehoben und durch folgende Bestimmung ersetzt:
DaS Aushängen und AuSstellen von Waren und Gegenständen irgend welcher Art zu gewerblichen Zwecken insbesondere zur Veranschaulichung gewerblicher Leistungen in und vor den Ladentüren und vor den Schaufenstern ist an Sonn- und Feiertagen nur während der zulässigen VerkausS- zcit gestattet. Außerhalb dieser Zeit müssen die Ladentüren geschlossen oder, sofern sie zugleich zur Wohnung führen, ein- geklinkt sein.
§ 2. Vorstehende Bestimmung tritt mit dem Tage der Verkündigung in Kraft. (A. II. 292 b.)
Cassel, am 14. April 1909.
Der Regierungspräsident.
I. V.: Rieß von Scheurnschloß. * ♦
Herkseld, den 3. Mai 1909. Wird veröffentlicht.
I. I. 4772. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
HerSfeld, den 6. Mai 1909.
Zum Zwecke der Voraccordierung der Lieferung und Anfuhr von Basaltsteinen und Sand zur außerordentlichen Jnstand- fetzung der Landwegestrecken
Malkomes-Schenklengsseld \ und Friedewald-Schenklengsfeld/ Pr0 iyuy find nachfolgende Termine angesetzt:
*. Schenklengsfeld am 10. Mai d. 3s. nachmittags 3 Uhr in die Steinhauer'sche Gastwirtschaft — für die OrtSgemeinden MalkomcS—Schenholz-Schenklengsfeld—Oberlengsfeld und Wehrshausen.
Die höhere macht
Novelle von F. Suta n.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Heinz hat aus dem großen KünstlermaSkenseste in der Residenz Gabrielen an ihrem wunderbaren Lachen erkannt, eS ist ihm auch gelungen, sich ihr zu nähern, aber nach einem kurzen Gedankenaustausche muß die Differenz und die Ablehnung dagewesen sein, ich möchte beinahe glauben, durch eine Taktlosigkeit deS leidenschaftlich erregten Heinz", berichtete Emmy.
„Wie, eine Taktlosigkeit soll für Heinz das Unglück bei dem Wiedersehen mit Gabrielen herbeigeführt haben", sagte Eberhard zornig und zog finster die Augenbrauen zusammen» „Was sich doch so ein Herr Künstler herauSnimmt! Jetzt wird mir auch klar, weshalb damals vor drei Jahren Gabriele förmlich vor ihm geflohen ist. Sie fürchtete feine Taktlosigkeiten und wollte ihren guten Ruf nicht von ihm kompro- mittiert wissen. Ich traue jetzt auch Heinz nicht mehr wegen deS entsetzlichen Unglückes aus dem Waldsee, daS Mariannen da- Leben kostete. Na, warte nur, Heinz, mit Dir rede ich noch ein sehr ernstes Wort. Ich werde jetzt auch mit Gabrielen sprechen, vielleicht öffnet sie jetzt den Mund über Vor- gänge, die sie damals verschweigen zu müssen glaubte, und dann ist eS meine Pflicht, unsere atme Marianne an Heinz zu rächen."
„Aber Eberhard, wohin führt Dich denn plötzlich Dein finsterer Argwohn dein unglücklichen Heinz gegenüber", rief Emmy und legte besänftigend ihre Hand auf Eberhard- Schulter. „Heinz ist wirklich jetzt unglücklich und elend, er befindet sich sogar wegen seiner Nervenkrankheit bereit- seit langen Wochen in einer Heilanstalt und hat sich nur einen Tag Urlaub geben lassen, um mit mir einmal über seinen unglücklichen Gemütszustand zu sprechen."
„Ja, all« diese Beobachtungen waschen ihn aber doch von seiner früheren Schuld nicht frei“, erklärte Eberhard.
b. Friedewald am 10. Mai d. 3s. nachmittags 3/<5 Uhr in der Zinn'schen Gastwirtschaft für die OrtSgemeinden HilmeS— Motzfeld und Friedewald.
Ich ersuche die beteiligten Herren Ort-vorstände Vor- stehende- alsbald auf ortsübliche Weise zur Kenntnis der Ortseingesessenen zu bringen.
I. A. Nr. 2900. Der Königliche Landrat
von GruneliuS.
Her-feld, den 5. Mai 1909.
Die Herren Bürgermeister deS Kreises erinnere ich nochmals an die Erledigung meiner Versügung vom 18. Dezember 1878 I. Nr. 12 674 — Kreisblatt Nr. 102 — betr. verwahrloste Kinder mit einer Frist von längstens 8 Tagen.
I. 3392. Der Königliche Landrat
von GruneliuS.
Hersfeld, den 7. Mai 1909.
Der ^Landwirt Ernst Diel in Lander-hausen ist für den Forstort Ringberg Distrikt 1—3 der Kgl. Oberförsterei HcrS- feld-WiPpershain und den Wölfer Gemeindewald all Forst- schutzgchülse verpflichtet worden.
I. 4688. Der Königliche Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 7. Mai 1909.
Der aus Donnerstag, den 13. Mai d. I«. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekanntge- gebenen Bestimmungen abgeha'ttn. Mit dem Austrieb darf um 6 Uhr morgens begonnen werden.
Nach § 1 der Polizeiverordnung vom 25. April 1904 ist dak Handeln mit Vieh und da- Mustern von Vieh zwcck- Handeln- innerhalb de- Stadtbezirkes vor und während der Dauer deS Markte- verboten.
I. 4852. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
nichtamtlicher Ceil.
Abgeordnetenhaus.
DaS Abgeordnetenhaus beendete am Sonnabend endlich nach 12tägiger Beratung den Kultusetat. Der interessanteste Teil der Verhandlungen war die Debatte über daS Mädchen- schulwesen.
Im Mittelpunkt de- Interesse- stand die Rede de- Ministcrialdirektoi- Dr. Echwartzkopff, der die Grundzüge und Grundsätze der Mädchenschulrcform darlegte. Die ausführliche und mit bekannter rethorischer Gewandtheit vorgetragene Rede
„Wer konnte denn Heinz damals eine Schuld Nachweisen", entgegnete Emmy erregt. „Da- muß Heinz mit seinem Ge- wissen abmachen, warum er Gabrielen und nicht Mariannen aus den Sturme-wogen gerettet hat, wenn überhaupt die Wahl seine- Rettung-werke- damals in seiner Macht ftanb. Und hat nicht der Arzt gleich erklärt, daß Marianne nicht ertrunken, sondern an einem He zschlag gestorben war. Wäre sie nicht am Herzschlage gestorbe ', so hätte sie vielleicht auch ge- rettet werden können. Und für Gabrielen- makellose Haltung in der damals so entsetzlich verwickelten Lage trete ich unbedingt ein. Eberhard beruhige Dich! Laß da- Vergangene ruhen und reiße keine alten Wunden auf, die schwer genug und vielleicht nur schlecht geheilt finb.“
„Ja, ja, wir wollen diese Sache jetzt ruhen lassen", erwiderte jetzt Eberhard und stützte grübelnd und finster seinen Kopf in die Hände. „Dein Vater soll von meinem Argwohn nichts erfahren, denn da- könnte nur sein Leben verbittern und für unser Glück wirkt dieser Argwohn gegen Heinz auch wie ein Gift. Schließlich ist tl aber doch auch meine Sache und auch mein Recht, einmal mit Heinz und auch mit Gabrielen über die ganzen Vorgänge zu reden und mein Argwohn kann auch noch zerstreut werden."
„DaS hoffe ich sogar ganz bestimmt", bemerkte Emmy beschwichtigend, „denn ich habe ja von Heinz die Mission über- nommen, auch sobald wie möglich mit Gabrielen über deren Ablehnung zu sprechen."
„Nun, da begegnen wir uns ja bis zu einem gewissen Grade in unseren Absichten", meinte Eberhard, „freilich habe ich mit Heinz noch ein paar andere Wörtchen unter vier Augen zu reden."
„Dar kannst Du halten wie Du willst, aber sonst wollen wir die Sache gemeinsam zu behandeln suchen. Jetzt aber wollen wir von Heinz und Gabrielen ganz schweigen, sonst verderben wir unS noch den Rest Deiner Besuch-zeit, denn Du willst doch noch heute wieder in Deiner Oberförster« eintreffen
„DaS will ich allerdings, denn mein Dienst verlangt et", entgegnete Eberhard, „und wenn wir den Kaffee getrunken haben, gehen wir Deinem Vater nach dem Vorwerke entgegen,
fand den Beifall aller Seiten bei Hauset. Der Ministerialdirektor fand später noch wiederholt Gelegenheit, in die Debatte einzugreifen, bis endlich infolge einet Schlußantraget dieser Gegenstand für erledigt erklärt wurde. Bei der Abstimmung über eine Petition, die die autnahm-weise Zulassung der Mädchen zu den Knabenschulen betraf, trat die Stellungnahme des Hause- zu dieser Frage klar zutage. Denn man lehnte den Antrag Friedberg-Eickhoff, der diese Petition der tierung zur Erwägung überweisen wollte, mit den Stimnp^rossen techten und de- Zentrum- ab. Au- dem weiteren ?dn Kutschepitzung ist noch eine etwa- erregte Debatte zwischetern ft^og, Friedberg (natl.) und Ministerialdirektor Echwartzkopff hervorzuheben; der nationalliberale Abgeordnete beschwerte sich darüber, daß die Unterricht-verwaltung den Katalog der Gesellschaft für Volksbildung nicht empfohlen habe, wo biel mit anderen der- artigen Vereinen geschehen sei. Der Ministerialdirektor wie- nach, daß ganz korrekt verfahren sei; man empfehle solche Gesellschaften, wenn sie die Kataloge der Unterricht-verwaltung vorlegten. Von einer Uebergehung könne nicht dir Rede sein. Damit war endlich da- umfangreiche Gebiet bei Rultul« ministeriumS erschöpft und daS Hau» vertagte sich auf Montag 11 U$rv
Im Abgeordnetenhaus wird zu der am Mittwoch statt- findenden Beratung bei Lehrerbefoldung-gesetzeS ein von sämtlichen Parteien, abgesehen von den Sozialdemo- kraten, unterzeichneter Kompromißantrag eingebracht werden, nach welchem die Regelung der Lehrergehälter überall so bleiben soll, wie nach den ersten Beschlüssen bei Abgeordneten- hauset. Insbesondere sollen die Zulagen für erste und alleinstehende Lehrer von 100 Mk. bleiben und auch die Altn-zu- lagen sollen der Stufenfolge der ersten Beschlüsse bei Abgeordnetenhauses wftoerhergestellt werden. Nur bei den in der Borlage vorhergesehenen Minimolsätzen bei der Miet- entschädigung, muß infolge der voraussichtlichen Abänderung deS WohnungSgeldzuschusteS für die Beamten, gleichfalls eine Verringerung eintreten, die sich indessen nur auf die Minimal- sätze bezieht, höhere Sätze für die einzelnen Schulverbände also keineswegs auSschließen. Bezüglich der Verteilung der StaatS- zuschüsse werden den Beschlüssen det Herrenhauses Konzessionen gemacht. Die staatlichen Beiträge sollen gemäß der ursprüng- liehen Regierungsvorlage und auf Grund der bisherigen Gesetze beibehalten bleiben. Jedoch sollen in denjenigen Städten, in denen die Staat-beiträge und Aussollentschädigungen nicht mehr als 2 v. H. deS staatlichen Veranlagung-solls zur Ge- meindceinkommensteuer betragen, und zwar nach dem Stand deS Rechnungsjahre» 1908/09, die Staatsbeiträge endgültig fortfallen. Ebenso sollen die StaatSbeiträge und Ausfallent- schädigungen in den Echulverbänden fortfallen, bei denen der kommunale Zuschlag zur Einkommensteuer nicht mindestens 100 v. H. beträgt. Wenn aber in diesen Gemeinden die StaatSzuschüsse mehr ali 5 v. H. bei Einkommeufteuersoll» betragen, bann sollten auch in diesen Gemeinden unter 100 v. H. die StaatSzuschüsse Wegfällen.
denn er scheint heute längere Zeit all gewöhnlich dort zu tun zu haben."
„Wenn mein Vater in einer Viertelstunde nicht eintrifft, dann laufen wir ihm entgegen", sagte Emmy lachend, „und wenn ich ihm erzähle, daß Heinz einen kurzen Besuch im Forsthanse gemacht hat, so bezähmst Du Deinen Arg- wohn gegen Heinz und verdirbst dem Vater den Abend nicht."
Der Mond war schon ausgegangen, alS sich Eberhard un» gcsähr gegen halb zehn Uhr im Forsthause von dem Ober- sörster und seiner Braut verabschiedete und mit schnellen Schritten die Richtung nach seiner Obersörsterei Großdabbern «»schlug.
So ein Marsch durch den nächtlichen Wald hatte für einen Forstmann nicht- Aengstliche- an sich und ruhigen Gemüte- lenkte Eberhard seine raschen Schritte durch den weiten Forst. Auf seinem Wege mußte er aber an dem im Mondlichte märchenhaft glänzenden Waldsee vorüber und der Anblick der schimmernden Wellen und der Besuch de- Bildhauer- Heinz Lehnert im Forsthause im Zusammenhänge mit dessen Begegnung mit Gabrielen auf dem Maskenbälle in der Residenz weckten in Eberhard» Seele doch alle schmerzlichen Erinnerungen an die vergangenen schweren Tage so stark, daß auch sein finsterer Argwohn gegen Heinz Lehnert wieder in seinem Herzen emporstieg.
Eberhard konnte den Gedanken nicht lo» werden, daß Heinz sich schon damal» nicht vorwurf»frei benommen hatte, als Gabriele erst in bei Bildhauer» Hause und dann im Forsthause wellte, wohin sie förmlich vor Heinz geflohen zu sein schien. Und dann das Unglück auf bet ver- hängnirvollen Bootfahrt! Hierauf wieder ein Fliehen Gabrielen» vor Heinz und jetzt nach drei Jahr«; deren Absage für Heinz.
In solchen Beobachtungen und Erfahrungen glaubte der argwöhnische Eberhard genug Beweise für die Schuld von Heinz erblicken zu können. Er reiste daher in ihm der Entschluß, Heinz zur Rechenschaft zu ziehm und ihn zu einem