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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 50. Donnerstag, den 29. April 1909.
Amtlicher teil.
Herrfeld, den 26. April 1909.
Die Herren Bürgermeister und GutsbezirkSvorsteher des KreiseS mache ich aus dir der Nr. 13 des RegierungsamtS- blatteS de 1909 beiliegenden AuSführungsbestimmungen über die Einziehung und Kürzung der Zivilpensionen, Hinterbliebenen- bezüge und Wartegelder bei Wiederbeschästigung oder Wieder- anstellung der Pensionäre und Wartegeldempsänger hierdurch besonders ausmerksam.
I. 3673. Der Königliche Landrat.
3. V.:
Thamer.
Der Saatenstand Mitte April 1909.
Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld.
Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 — gut, 3 = Mittel, 4 = gering, 5 = sehr gering
Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.
— I B c 9476 M. f. L. — l b 3646 M. d. J. -)
Fruchtarten usw.
Durchschnittsnoten für den
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten
Staat
Reg.-Bez. Cassel
rH
G<J
7
M
ist
4
Winterweizen .
Sommerweizen . Winterspelz (Dinkel) . Winterroggen . Sommerroggen.
Svumuc^^ts .
Hafer ....
Erbsen
Ackerbohnen
Wicken
Kartoffeln . Zuckerrüben Winterraps u. «Rübsen Flachs (Lein) .
Klee ....
Luzerne
Wiesen mit künstlicher Be-(Ent-)w äfferung
Andere Wiesen .
3,2
2,7
3,1
3,5
2,9
2,9
3,2
3,3
3,3
2,8
3,7
2,6
2,7
3,0
3,2
1
3
1
1
1
2
1
3
2
1
3
1
2
1
2
1
1
1
3
Königlich Preußisches Statistisches Landesamt. Dr. Blenk, Präsident.
. HerSseld, den 23. April 1909.
Den OrtSvorständen gehen in diesen Tagen die BetriebS- steuer-Rollen zu. Die BetriebSsteuern sind bis zum 20. Mai d. JS. an die hiesige Kreiskommunalkasse abzuführen.
3. Nr. 840. Der Königliche Landrat
von GruneliuS.
In Conrode, Kreis HerSfeld ist eine Telegraphenanstalt
Die höhere macht
Novelle von F. Euta n.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Gabriele war wie in einer Erstarrung zurückgeblieben. Wagen und Menschen hatte sie an sich vorüberziehen lassen und stumm und still dem traurigen Zuge zugeschaut. Schwer hingen die nassen Gewänder um ihre Glieder, aber sie achtete nicht darauf. Marianne tot! Die schönen blauen Augen der lieben Freundin geschlossen für immer I Diese» entsetzliche Ereignis ruhte zu schwer aus GabrielenS Seele. Und „Heinz! Heinz!" hatte Mariannens Stimme Hilfe flehend gerufen. Und Gabriele vernahm wieder den verzweifelten Ruf und Todesschrei. Tag und Nacht würde er an ihre Ohren tönen, bis auch ihre Todesstunde schlagen würde. Ein Frösteln ging durch GabrielenS Glieder.
Sie sühlte sich schwach und unwohl.
Drohte ihr nach dem Sturze in den See Krankheit und Tod? — Sollte sie auch sterben! Ja, sie stürbe jetzt auch gern, obwohl das Leben ihr noch so vieles schuldig geblieben war. Marianne hatte wenigstens den kurzen Traum vollen Menschenglücks träumen können und war nach dem Worte, wen Gott lieb hat, nimmt er früh zu sich, bald gestorben. Gabriele war aber trotz ihres ererbten Reichtums vom Lebens- glück nicht bedacht worden. Ohne Elternliebe hatte sie aus- wachsen müssen. Heimat- und ruhelos war sie durch die Welt geirrt, daS Glück suchend und nicht findend. Hier im Forsthaus und vorher im Künstlerhause hatte sie daS Glück nur von ferne ahnen können und nun wollten die Schatten bei Unglücks nicht von ihr weichen. Die schöne edle Freundin, die tote Marianne, die in dem dunklen Wasser hier den Tod gefunden hatte, würde immer zwischen ihr und dem Mann stehen, der wahrscheinlich nun ihre Hand begehren würde. In dieser Stunde bitterster Seelenqual wurde Gabrielen da» klar.
Es dunkelte, ein Nachtvogel kreiste über dem Wasser,
mit Unfallmeldedienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten.
Cassel, den 24. April 1909.
Kaiserliche Ober-Postdirektion. I. V.: B u ch h o l z.
Zugelaufen: ein schwarzer Hund mit weißem HalS. Meldung des Eigentümers bei dem Ort-vorstand zu Aua.
nichtamtlicher teil.
WWGmr und LMwirtMt.
Die Bestimmungen der Erbschaft-steuergesetzgebung, in denen sich die besondere Fürsorge für die landwirtschaftlichen Verhältnisse auSspricht, sind noch lange nicht so bekannt im Lande, wie eS für die Entscheidung über dieses wichtige Gesetz unbedingt notwendig wäre. Ueber den Umfang und die Tragweite der in dem Nachlaßsteuerentwurs für den Landbesitz vorgesehenen Erleichterungen und Vergünstigungen bestehen noch vielfach Zweifel, Unklarheiten und falsche Auffassungen, aus denen die Widersprüche gegen die Nachlaßsteuer, soweit sie noch ausrechterhalten werden, fast ausschließlich ihre Nahrung saugen. Wir möchten deshalb hier nochmals zur Aufklärung weiterer Kreise aus die wichtigsten Bestimmungen der Gesetzes Hinweisen, auS denen unzweideutig hervorgcht, daß in ihm den Interessen der Landwirtschaft in solchem Umfange Rechnung getragen wird, daß dadurch für jeden objektiv Urteilenden die Gefahr einer einseitigen Belastung oder Schädigung der Landwirtschaft durch die Nachlaßsteuer als vollständig beseitigt er- scheinen muß.
Die Nachlaßsteuer beginnt erst, wenn der schuldenfreie Reinwert deS Nachlasses eine Höhe von 20 000 Mk. erreicht. Wichtig ist nun vor allem, wie dieser Wert ermittelt wird. Zunächst bestimmt § 10: „Kleidungsstücke, Betten, Wäsche und HauSgerät deS Erblasser- bleiben, soweit diese Gegenstände nicht zum Erwerb oder zum Verkäufe bestimmt sind, bei Be- rechnung der Steuer außer Betracht." Sodann sagt § 12: „Bei Feststellung des ReinwerteS deS Nachlasses kommen be= husS Berechnung der Nachlaßsteuer in Abzug die vom Erblasser herrührenden Schulden, die Bestattung-- und Testamentskosten im weitesten Sinne, die Kosten der Wertermittlung selbst und die Kosten der für den Nachlaß gesührten Rechtsstreite.
Diese Bestimmungen gelten allgemein; für landwirtschaftliche Grundstücke insbesondere aber ist im § 11, Absatz 3 bei Gesetzentwurfes aus die Vorschriften dek ErbschastssteuergcsetzeS über die Wertermittelung Bezug genommen. In diesen Vorschriften, insbesondere in dem § 16 deS ErbschaftSsteuergesetzeS, wie ihn die Novelle neu regelt, liegt der besondere Vorzug für die Landwirtschaft. Dort heißt eS:
„Bei Grundstücken, die dauernd land- oder forstwirtschaftlichen Zwecken zu dienen bestimmt sind einschließlich der dazu gehörenden denselben Zwecken dienenden Gebäude und deS
gleich der ruhelosen Seele GabrielenS, die da zwischen Himmel und Erde schwebte und den Stern der Ruhe und deS Glückes nicht finden konnte. Würde ihre Seele für alle Zeiten ruhelos so herum schweben ? Wo gehötte sie denn jetzt noch hin?
So frug sich entsetzt Gabriele. Sollte sie nach dem Forsthau» zurückkehren? Wie würde man ihr dort begegnen? Solche Fragen drängten sich durch das Hirn Gabrielen-, während ihre Augen unausgesetzt auf den dunkeln Vvgel, der über dem Wasser schwebte, gerichtet waren. Dieser unheimliche Vogel schien da» einzige lebende Wesen in der Stille zu sein, die Gabriele umgab.
Da nahten Schritte.
„Gabriele, bist Du noch hier?" tönte Emmy» Stimme an ihr Ohr.
Gabriele schrak zusammen.
„Emmy, Du bist es — Du suchst mich!" stammelte sie freudig erregt. „Du verabscheust, Du verdammst mich nicht?"
„Nein, Gabriele!" entgegnete Emmy ernst und feierlich. „Ich stand vorhin allein in dem Zimmer, wo wir Marianne unter Blumen gebettet, und als ich in daS liebe stille Antlitz der toten Schwester schaute, da kam ein solcher Frieden über mich, daß ich sie nicht mehr beklagen konnte, denn Marianne ist aus höheren Ratschluß dem irdischen Leben entrückt, das ihr nur noch Sorge und Qual sein konnte. Und da kam über mich ein unendlich Lieben und Erbarmen. DaS trieb mich dazu, Dich zu suchen und Dir zu sagen, daß ich keinen Groll gegen Dich hege. ES ist, als ob etwa- von der alle- verzeihenden Heilandsliebe von der lieben Verstorbenen auk- ginge, daS unsere Seelen emporhebt über alles Irdische. Auch Dir wird eS noch so ergehen. Und nun komm, Du mußt die nassen Kleider ablegen und etwas WarmeS trinken, Deine Gesundheit ist sonst gefährdet."
Sie legte den Arm um Gabriele und zog sie mit sich fort nach dem Forsthaus.
„Wie gut Du bist, Emmy", sagte Gabriele, ihr willenlos folgend.
Im Forsthause brächte Emmy Gabrielen sofort auf ihr
Zubehörs, wird der ErtragSwert zugrunde gelegt. Als Er- tragSwert gilt daS Zwanzigfache deS Reinertrages, den die Grundstücke nach ihrer bisherigen wirtschaftlichen Bestimmung bei ordnungsmäßiger Bewirtschaftung nachhaltig gewähren können. Soweit die Grundstücke zum Zweck« der Beleihung vor dem Eintritt bei ErbsallS durch öffentlich-rechtliche Kreditanstalten oder durch amtlich dazu berufene öffentliche Behörden abgeschätzt sind, dars der zugrunde zu legende Wert diese Schätzung nicht übersteigern“
Eine weitere Erleichterung enthält § 14 deS Gesetzentwurfes für den Fall, daß innerhalb kurzen ZwischenraumS ein wiederholter Erbsall eintritt, indem er bestimmt:
„Gehören zum Nachlaß Grundstücke, die dauernd land- oder forstwirtschaftlichen Zwecken zu dienen bestimmt sind, so bleibt dieser Teil bei Nachlasse» insoweit von der Steuer befreit, als die Grundstücke im Laufe der dem Anfall vorhergehenden 5 Jahre zu einem nach diesem Gesetz steuerpflichtigen Nachlaß gehört haben. Soweit der frühere Steuerfall mehr alt 5 Jahre, aber nicht mehr al< 10 Jahre zurückliegt, bleibt der auf die Grundstücke entfallende nach den Vorschriften biefei Gesetzt- berechnete Steuerbetrug zur Hälfte un- erhoben."
Vielfach besteht der irrtümliche Glaube, daß, wenn ein Nachlaß nach dem Tode dek Mannes erst an die Frau und dann an die Kinder fällt, beide Male Nachlaßsteuer bezahlt werden müßte. DaS ist aber keineswegs der Fall. Dem- gemäß wird es auch keine allzu erheblichen Schwierigkeiten bieten, wenn, entsprechend den Wünschen weiter Kreise, die Heranziehung von Ehegatten, die Kinder haben, zur Zahlung der Erbschaftssteuer völlig unterbleibt.
Wir sehen also ir -"?'" in Betracht kommenden Pursten eine weitgehende Berücksichtigung der menschlichen Leben-- und speziell der landwirtschaftlichen Verhältnisse. Wir find über- zeugt, daß, wenn die landwirtschaftliche Bevölkerung dar Erb- schaftSsteuergesetz mit den vorgeschlagenen und von der Regierung als annehmbar bezeichneten Abänderungen, — z. B. der Berücksichtigung der Zahl der Erben rc. — genau kennen lernt, sie ihren Widerspruch noch mehr alS bisher fallen lassen würde.
ES gibt doch zur Ueberlegung Anlaß, daß auf dem Ver- bandStage der Steuer- und WirtschastSresormer unter dem Vorsitz des Grafen Mirbach der KönigSberger Nationalökonom Gerlach, der selbst auS der Landwirtschaft hervorgegangen ist und zu den besten Kennern unserer östlichen Landwirtschaft gehört, ausdrücklich erklärt hat, daß vom Standpunkte landwirtschaftlicher Interessen gegen ein Gesetz wie daS vorliegende nach Vornahme einiger Abänderungen keine Schädigung zu befürchten wäre.
Jede objektive Aufklärung über den Inhalt der geplanten Maßregel wird ihr zweifellos weitere Freunde zuführen.
Zimmer, half ihr die nassen Gewänder auSziehen und als sie dann in ihrem weichen warmem Bette lag, holte sie eine Taste heißen Tee.
„So, nun versuche zu schlafen", sagte sie, indem sie sich über sie beugte und einen Kuß auf ihre Stirn drückte. Gabriele aber war ei, ali müsse dieser Kuß von so reinen Lippen sie bem Leben wieder gewinnen. Aber welch einem Leben? Welch eine engelhafte echte Frauennatur besaß doch dieses junge Mädchen. In wie kurzer Zeit hatte Emmy sich durch- gerungen zum Frieden, zum Verzeihen, zur höchsten und edelsten Auffassung deS LebenSschicksalr. Freilich, da- Schrecklichste, Grausigste weiß Emmy wohl nicht! Deutlich stand daS Bild wieder vor ihrer Seele, wie Lehnert sie, alles vergessend, im Tosen und Brausen bei Sturme» bei Gewitter« ersaßt und fest in den Armen gehalten hatte, um sie, nur sie zu retten. Vor den Augen seiner Frau war eS geschehen. Und da sah Gabriele wieder daS totenblasse Gesicht Mariannens, hörte ihren letzten verzweifelten Ruf: „Heinz, o Heinz!"
Aber diesen AuSgang der SchreckenSszene auf dem vom Sturme bewegten See hatte Gabriele ja nicht gewollt. Sterben, untergehen hatte sie wollen, um Mariannen zu retten und glücklich zu machen. Und nun war ei ohne ihre Schuld ganz anders gekommen. Ein Paradies war ja die Erde nicht für die schuldbeladenen Menschen. Deshalb erschien der glückslosen Gabriele immer noch das Sterben besser wie daS Leben.
So gingen die Gedanken durch Gabrielen« erregtes Hirn, bis sie endlich in einen unruhigen Schlummer verfiel. Dann nahte der Morgen. Goldig strahlte die Sonne aus blauem, wolkenlosem Himmel hinein in daS Trauerhaut. Im Garten bei ForsthauscS blühten und dufteten die Blumen, muntere« Vogelgezwitscher drang auS dem Walde und ei schien fast so, alt wollte die Natur dem Leid der Menschen spotten.
Scheu und gedrückt begegneten sich Heinz und Gabriele an diesem sonnigen Morgen. Hin und wieder flammte in LehnertS Augen ein banges Fragen auf, aber von Gabrielen