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Grasen Paar am Bahnhof. Die Musikkapelle spielte die Vvikshymne. Um 2 Uhr 8 Minuten suhr der Zug unter den Klängen des Heil dir im Siegerkranz in den Perron ein. Der Kaiser trat dicht an den Bahnkörper heran. Der Kron­prinz in der Oberstenuniform seines Husaren-Regiments mit umgehängter Pelzattila entstieg dem Waggon, schritt aus den Kaiser zu und wollte ihm die Hand küssen. Der Kaiser wehrte ab, schüttelte dem Kronprinzen die Hand und küßte ihn dreimal. Nachdem der Kronprinz die Erzherzoge durch Händedruck begrüßt hatte, schritt er zur Rechten des Kaisers die Ehrenkompagnie ab. Hieraus fuhr der Kaiser mit seinem Gaste zur Hosburg. DaS vor dem Bahnhof in überaus großer Zahl angesammelte Publikum brach in brausende Hoch­rufe aus und auch längs deS ganzen WegeS vom Bahnhof zur Hofburg jubelte daS Publikum dem hohen Gaste zu. In der Hofburg begrüßten den Kronprinzen der erste Obersthof- Meister und der Zeremonienmeister und geleiteten ihn in die großen Fremdenappartements. Gleich nach feiner Ankunft stattete der Kronprinz den in Wien weilenden Erzherzogen Besuche ab.

Die neue Zeppelinsche Lustschisswerst - an loge in Friedrichs Hafen wird im Herbst in Be­trieb genommen. Sie umfaßt außer der Ricsenzelthalle ein Vorbild für Lustschiffbahnhöse, die Lustschiffbauhalle, Fabrik­gebäude und eine eigene Gasfabrik mit Gasometer. Letzterer kann bis 20 000 Kubikmeter Wasserstoffgas aufnehmen. Die Werstanlage ist so groß, daß sie den Bau von 510 Luft­schiffen im Jahre ermöglicht. Damit ist aus absehbare Zeit die Vorherrschaft Deutschlands im Luftschiffbau gesichert. Sämtliche Werstanlagen, die Eigentum der Zcppclin-Gesell- schast m. b. H. sind, werden ihre Haupttätigkeit in den Dienst des Reichs stellen.

Die Säuberung des südwest afrikanischen Schutzgebietes wird weiter eisrig betrieben, sowohl durch Patrouillen der Schutztruppe wie durch die Landespolizei. Meist handelt es sich um die Verfolgung von Vieh- und Wilddieben. U. a. war eine Patrouille des Oberleutnants Petter gegen Simon Copper-Leute erfolgreich. Er nahm ihnen nach kurzem Feuergefecht von den gestohlenen 20 Ochsen 14 wieder ab. Die flüchtigen Hottentotten wurden dann noch von Oberleutnant von Bocmken verfolgt. Bei den dauernden starken Regensällen ist es, wie die Deutsch-Südwest- afrikanische Zeitung meldet, außerordentlich schwer, die Spuren der Hottentotten, die sich hauptsächlich in daS Sandfeld ge­flüchtet haben, zu halten. Trotzdem gelang es der Patrouille Kaufmann, 24 Hereros gefangen zu nehmen. Auch von Waterberg aus wurden erfolgreiche Patrouillenstreiscn unter­nommen, die zum Teil mit fehr erheblichen Strapazen ver­knüpft waren. Die Patrouillen mußten meistens zu Fuß gemacht werden, da die Reittiere in dem tiefen Durchschlag stecken blieben. Erwähnt sei hier noch, daß zum ersten Mal eine Durchquerung der südlichen Namib von Bethanien aus nach der Spencer-Bai gelungen ist. Führer dieser Patrouille war Hauptmann von Rappard. Hierbei bewährten sich wieder ausgezeichnet die Kamele, die 13 Tage ohne Wasser aus­halten mußten; nur ein einziges Tier ging kurz vor Lüderitz- bucht zugrunde.

Aus Rom wird der Wiener Neuen Freien Presse von vorzüglich informierter Seite mitgeteilt, daß in den nächsten Wochen vermutlich eine Begegnung zwischen KönigEduard und König Viktor Emanuel und später eine Be­gegnung zwischen dem König von Italien und Kaiser Wilhelm stattfinden wird. Der genaue Zeitpunkt und der Ort dieser Entrevuen ist noch nicht bestimmt.

In N o r d p e r s i e n hat sich die Lage bedenklich zugespitzt. Mittelpunkt der dortigen Vorgänge, bei denen die Truppen des Schahs gegen die Ausständigen Vorgehen, ist fortgesetzt Täbris, dessen Bevölkerung durch Abschneidung der Nahrung-- zusuhr in Bedrängnis geraten ist. Rußland hat an den Schah die Forderung richten lassen, die Wege nach Täbris zu öffnen, damit ausreichende Lebensmittel in die Stadt ge­langen könnten. Da dieser Forderung nicht willsahrt wurde, ist der Statthalter des Kaukasus angewiesen worden, eine genügend starke Truppenabteilung in Eilmärschen nach Täbris zu entsenden. Gestern nachmittag ist ein Telegramm auS Täbris eingegangen, das besagt:Alle Bäckereien sind ge­schlossen. Es sind viele Fälle von Hungertod vorgekommen. Scharen von Frauen veranstalten Straßendemonstrationen. Sattar Khan versicherte wiederholt, daß er fest entschlossen sei, sich nicht zu ergeben. Er erklärte das Gerücht, wonach er die bewaffnete Intervention Rußlands willkommen geheißen habe, für unrichtig."

Ex-Präsident Castro von Venezuela ist, nachdem ihm der Aufenthalt aus den englischen, französischen und dänischen westindischen Inseln seitens der betreffenden Regierungen untersagt worden war, notgedrungen nach Europa, und zwar vorerst wieder nach Frankreich, zurückgereist. Er traf an Bord des DampfersVersailles" im Hafen St. Nazaire an der Loire-Mündung ein und reiste von dort nach Paris ab; wie es heißt, beabsichtigt Castro in Bordeaux mit seiner ebenfalls über den Atlandischen Ozean zurückkehrenden Gemahlin zusammenzutreffen; über seine weiteren Pläne ist noch nichts bekannt.

Der Rückzug der französischen Truppen aus Marokko beginnt allmählich. Der französische Ministerrat hat beschlossen, die Effektivstärke der Besatzung des Schaujagebietes um 3000 Mann zu verringern.

flii» Provinz u. Nackbargebiel

* (Prämiierung von Geslügelhösen.) Die Landwirtschastskammer beabsichtigt auch in diesem Jahre Prämien an die Besitzer gut geleiteter bäuerlicher Geflügelhöfc zu erteilen. Die betreffenden Züchter müssen landwirtschaftliche Nutzgeflügelzucht betreiben. Vorzugsweise sollen gerade kleinere landwirtschaftliche Betriebe berücksichtigt werden. Diejenigen Züchter, welche schon früher einen Preis erhalten haben, können nur dann eine Prämie erhalten, wenn sie weitere Fortschritte in der Geflügelzucht ausweisen. In diesem Jahre finden die Prämüerungen in den Kreisen Eschwege, Fulda, Gelnhausen, Gersfeld, Hanau, H e r s s c l d, Hünseld, Rotenburg, Schlüchtern, Schmalkalden und Witzenhausen statt. Meldungen aus diesen Kreisen sind bis zum 15. Juni an die Landwirtschaft-kammer zu richten.

1 Frielingen, 20. April. Herr Landrat von G r u n e l i u S erlegte heute iu den hiesigen von Baum- bach'schen Forsten einen starken Au er Hahn.

Rotenburg, 23. April. Gestern ereignete sich am hiesigen Bahnhof ein schwerer Unglückssall. Die Arbeiter von der Kunstmühle waren damit beschäftigt, Maschinen auszuladen, wobei dem Mühlenknecht Werner eine schwere Kiste mit Eisen­teilen auf daS Bein fiel, wodurch er einen zweimaligen Fuß­bruch erlitt. Nachdem Herr Medizinalrat Dr. Fabcr einen Verband angelegt hatte, wurde der Verunglückte in feine Woh­nung verbracht.

Schmalkalden, 23. April. In der Nähe von Werur- Haufen wurde der Herzogl. Forstbeamte Luther aus Helmers, der einen Mann beim Wildern antraf, von diesem angegriffen. Der Beamte erhielt mehrere Stiche in daS Genick, doch gelang eS ihm, dem Wilderer, der ein Reh geschossen hatte, die Büchse zu entreißen. Der Mann ergriff daraus die Flucht. Luther sandte ihm zwei Schüsse nach, konnte aber wegen des starken Blutverlustes die Verfolgung nicht aufnehmen.

Fulda, 25. April. Gestern abend von 10 bis 1 Uhr hatten wir hier daS erste schwere Gewitter. Der wolkenbruch- artige Regen war zeitweise mit Schloffen vermischt, die den jungen Pflanzen viel Schaden gebracht haben. Sehr heftige Blitze und Donner tobten besonders gegen 11 Uhr.

Über (Eichsseld), 22. April. Bei den AuSschachtungs- arbeiten für den Neubau der katholischen Kirche in Über wurden viele Massengräber gesunden; meterhoch lagen die Gebeine übereinander; auch einzelne Gräber, die eingemauert waren, wurden aufgefunden. Ei wird angenommen, daß in diesen Gräbern die Stift-Herren ruhten, welche früher die hiesige Gemeinde vom Martintstift in Heiligenstadt auS seelsorglich verwaltet haben. Urkunden sind nicht gesunden worden.

Hanau, 22. April. Bei der Eröffnung der Angebote zur Uebernahme der für die Herrichtung deS neuen Exerzier- Platzes erforderlichen Rodearbeiten ergaben sich geradezu un­begreifliche Preisunterschiede. Die Firma Kurt Kaiser in Hanau war mit 2300 M. pro Hektar höchstfordernd, während Gg. Bauer in Groß-Steinheim als mindestfordernde Firma 690 M. verlangt. Da die auSzuführende Arbeit 100 Hektar groß ist, schwanken die abgegebenen Offerten zwischen 230 000 und 69 000 M.

Groß-Steinheim bei Hanau, 22. April. Brauerei- besitzer Jung dahier hat den Grafen Zeppelin eingeladen, bei einem Besuch der internationalen Lustschiffahrtsausstellung in Frankfurt auch ihm in Groß-Steinheim einen Besuch abzu- statten. Die Ursache ist die folgende: Bei einem Patrouillen- ritt im 1866er Kriege wurde dem damaligen jungen Württembergischen Leutnant Zeppelin daS Pferd unter dem Leibe weggeschossen und er derartig in die Enge getrieben, daß ihm nichts anderes übrig blieb, als durch den Main zu schwimmen und so aus süddeutsches Gebiet zu retirieren. Er kam, vollständig durchnäßt, um Mitternacht in Groß-Stein» Heim an, woselbst schon aller mit Einquartierung belegt war. Der Leutnant Gras Zeppelin wurde bereitwillig von dem Brauereibesitzer Jung, dem Vater der jetzigen Inhabers der Firma, ausgenommen und verpflegt. Als Zeppelin dann das Quartier mit aufrichtigem Danke verließ, gab er daS Ver- sprechen, wenn er seinem Quartiergeber einen Gesallen erweisen könne, werde er dies tun. Bald war Gelegenheit für eine kleine Gegenleistung geboten. Bei der Bierlieserung an die durchziehende Württembergische Armee wurde in dem herrschen­den Durcheinander ein Lieferschein nicht unterschrieben, und der Brauereibesitzer hätte den Betrag sicherlich verloren, wenn ihm nicht Gras Zeppelin, an den er sich wandte, die erfolgte Lieferung bestätigt hätte, woraus der Betrag von 112 Gulden an den Brauereibesitzer Jung zur Auszahlung kam.

Frankfurt, 23. April. Gestern abend um 9 Uhr spielten mehrere junge Leute am Biegwald. Pötzlich trat ein Unbe­kannter auS dem Gebüsch und feuerte auS einem Revolver einen Schuß aus die Spielenden ab. Der 16jährige Mechaniker­lehrling Philipp Uhrig wurde von einer Revolverkugel in den Kops getroffen und stürzte sofort bewußtlos zusammen. Die Bockenheimer Rettungswache überführte den Schwerverletzten nach dem Städtischen Krankenhause. Sem Befinden ist sehr bedenklich.

Apolda, 23. April. Füns Scheunen und vier Stellungen sind in letzter Nacht in dem Nachbarorte Stobra niedergebrannt. Das Vieh ist gerettet.

Altenbeken, 23. April. Bei dem Schnüren eines Sprengschusses wurden bei Berlinghausen durch Entzündung des PulveS drei Arbeiter schwer verletzt, von welchen einer bereits durch den Tod erlöst worden ist.

Schleiz, 22. April. Die zurzeit hier tagende Straf­kammer des Landgerichts zu Gera verurteilte den Gutsbe­sitzer Heller aus Leuersmühle wegen fahrlässiger Tötung unter Zubilligung mildernder Umstände zu zwei Wochen Gefängnis. Der Angeklagte hatte das Anbringcn einer Schutzvorrichtung an einer Transmission versäumt. Dadurch hat vor einigen Wochen ein 13jähriges Mädchen den Tod gefunden.

Hannover, 23. April. Von einem Zuge übersatten wurden gestern abend aus der Leinebrücke zwei italienische Arbeiter, als sie sich vom Bahnhof Fischerstraße auf dem Heimwege besanden. Einer wurde sofort getötet, der andere schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Aus dem Güter­bahnhof Hainholz wurden dem Arbeiter Buck von einem Eisen- bahnwagen beide Beine abgefahren.

Halle, 24. April. Ein geheimnisvoller Selbstmord erregt in GröberS bei Halle Aufsehen. In den Kontorräumen eines dortigen Kaufmanns, der zumeist auswärts feinen Berufsge­schäften nachgeht, hielt sich eine junge, ortSsremde Dame ver­borgen, die jedoch von den Angehörigen deS KontorbesitzerS entdeckt wurde. Als man in dessen Abwesenheit daran ging, die Räume zu öffnen, krachte im Innern ein Schuß, dem bald ein zweiter folgte. Man fand die Dame in ihrem Blute schwimmend tot auf. Wahrscheinlich handelt es sich um den tragischen Abschluß eines LiebeSromanS. Die Unglückliche ist eine Bürgerstochter aus Delitzsch.

Das Erdbeben in Südeuropa.

Im Süden Europas wurde am Freitag ein Erdbeben ver­spürt, das besonders in Spanien und Portugal mit großer Heftigkeit austrat.

Lissabon, 24. April. DaS große Erdbeben, daS um 5 Uhr nachmittags entstand und mehrere Minuten dauerte, verursachte in Lissabon selbst und in der Umgebung eine große Panik. Die Bewohner versammelten sich aus den Straßen und den öffentlichen Plätzen. Man hörte plötzlich ein unter­irdisches Rollen, dem eine wellenförmige Bewegung folgte. Im nächsten Augenblick ertönten überall entsetzte Hilfeschreie, auS allen Häusern stürzten schreckensbleiche Frauen; sogar die Hospitäler leerten sich. Durch die Explosion von GaS ent­standen mehrere große Brände. Auch in der Deputierten» kämm er, die gerade Sitzung hielt, herrscht Aufregung. Die Session wurde unterbrochen, die Abgeordneten zerstreuten sich.

Madrid, 24. April. Gestern abend machten sich hier gegen 6 Uhr zwei heftige Erdstöße bemerkbar, die ungefähr je drei Sekunden dauerten. Die Richtung war von Norden nach Süden. In den hochgelegenen Teilen der Stadt be­mächtigte sich der Bevölkerung eine Panik. Einige Häuser der Callc Barquille wurden schwer beschädigt, und die Ein­wohner flohen entsetzt auS den Häusern. Auch der Königliche Palast erhielt einige Risse, und man fühlte die schwingende Bewegung der Erde ziemlich stark. Seit langer Zeit hat Madrid nicht einen derartig starken Erdstoß verspürt. Den ganzen Tag über war eS außerordentlich heiß gewesen. Im

Zentrum von Madrid brach an zwei Stellen Feuer auS.

CollareS, 24. April. Bestem gegen 5 Uhr wurde hier ein äußerst heftiges Erdbeben verspürt, daS jedoch keine Zerstörung angerichtet zu haben scheint. Während ich, schreibt der Berichterstatter beS B. A., in der Arbeit vertieft an meinem Schreibtische sitze, vernehme ich ein leichtes Dröhnen meines leichtgebauten Landhauses, begleitet von einem eigentümlich surrendem Geräusche, baS sich sehr rasch steigert und in den nächsten Sekunden zittern und vibrieren die Wände de» Hauses, während der Lärm fast den Ton einer unter vollem Damps arbeitenden Dreschmaschine erreicht. Die Vorhaustür wird von unsichtbaren Händen krachend aufgerissen. Der schreiende angst- volle Rus meiner alten DienerinTerramoto", bringt an mein Ohr und als wir flüchtend den Garten betreten, spürten wir noch vielleicht zwei Sekunden baS Schaukeln beS BodenS unter unseren Füßen. AuS der ganzen Nachbarschast hört man Angstgeschrei unheimlich übertönt von dem eigentümlich futreuben Getose. Sechs bis acht Sekunden dauert die Naturerscheinung an, den ganzen Ort mit Schrecken ersüllend. Die Erinnerung an die Erdbebenkatastrophe von 1755, dir den größten Teil Lissabons in Trümmer legte, hat sich hier durch die Gene- rationen lebendig sortgepflanzt. Man macht sich auf den er­neuerten Eintritt des Erdstöße« innerhalb der nächsten 24 Stunden gefasst.

Uermiscbtes.

(Wett marsch.) Der in DreSden über eine Strecke von 31 Kilometer augestellte Wettmarsch zwischen 180 Zivilisten und Militärpersonen, die sämtlich in seldmarsch- mäßiger Ausrüstung, mit Tornister, Gewehr und Seitengewehr (im Gewicht von 60 Psund) erschienen waren, hat mit dem Siege eines Zivilisten, beS bekannten DauerläuserS Emerich Rath auS Prag, geendet, der die Strecke in 4 Stunden llVa Min. zurücklegte. Rath ist Vegetarier, Anti-Alkoholiker und raucht nicht. Er kam ohne Zeichen irgendwelcher Ermüdung im flottesten Marschtempo am Ziele an. Aus dem ganzen Wege blieb er an der Spitze. Er verzehrte unterwegs etwa ein Dutzend Apfelsinen. Der folgende war Artur vom Komet" in Berlin mit 4 Stunden 21 Min. und erst der dritte war ein Soldat Paul von der 1 Kompagnie beS Schützen-Regiment« Nr. 108 mit 4 Stunden 30 Min. Un­mittelbar hinter ihm kamen Unteroffizier Krüger, Gefreiter Reiche! und Soldat Papst, sämtlich vom Grenadierregiment Nr. 101. Das Militär hat überhaupt bei dem Marsche sehr gut abgeschnitten. Trotz der warmen Temperatur gaben nur zwölf Teilnehmer wegen Ueberanstrengung den Marsch aus. Tausende von Menschen umsäumten den ganzen langen Weg und viele begleiteten die Marschierenden zu Fuß, zu Pferde, im Wagen oder auf dem Rade. Die Anteilnahme der Be­völkerung zeigte sich auch darin, daß sie den wackern Läufern überall erfrischende Getränke, wie Limonade, Scitert, anbot. Militärärzte folgten den Marschkolonnen im Automobilwagen, eS sind jedoch keine Unfälle vorgekommen, die eine ärztliche Behandlung nötig gemacht hätten. Nur ein Einjährig- Freiwilliger mußte, da er schlapp wurde, in dem nachfahrenden Lazarettwagen untergebracht werden, er erholte sich jedoch bald wieder. Zahlreiche hohe Militärs, an der Spitze der Kriegsminister Frhr. v. Hausen, ferner der vom König abgesandte Hauptmann v. Heygendorff, wohnten der Veran­staltung bei.

(Lebendig verbrannt.) Ein schwerer Unglücks­sall ereignete sich in der Familie deS Fabrikdirektor» Kubitzka in Böhmisch-Klokotschow. AI» ein Dienstmädchen Spiritus in einen Kocher goß, explodierte die Spirituskanne, und die brennende Masse überschüttete da» Mädchen sowie da» ein- jährige Kind beS Direktor«. Beide erlitten so surchtbare Brandwunden, daß sie bald daraus starben.

Letzte Nachrichten.

Berlin, 25. April. In der Nacht zum Sonntag wurde hier wiederum eine Falschmünzerbande, die dritte binnen kurzer Zeit, unschädlich gemacht. Es handelte sich um die Ausgabe falscher Zweimarkstücke, wobei drei Leute ertappt und festge­nommen wurden.

Berlin, 25. April. Ein am Sonnabend in Düsseldors aufgestiegener Ballon landete Sonntag früh nach 22ftünbiger Fahrt infolge Regenschauer in der Nähe vom Rixdorser Krankenhaus. Durch den heftigen Anprall kippte die Gondel um, wobei die Insassen, drei Offiziere, zu Boden geschleudert wurden, einer wurde schwer verletzt.

PariS, 25. April. Die Agence Hava« meldet aus Konstantinopel von 1 Uhr 46 Min. nachmittag: Die gesamte Besatzung deS Iildiz ergab sich und lieferte die Waffen auS. Torpedoboote kreuzen im Hafen, um ein Flucht beS Sultan» zu verhindern.

Rom, 25. April. Einer Meldung zufolge herrscht in Alexandrette zurzeit Ruhe, dagegen dauert daS Morden in der Umgebung fort. In dem Ort Dortyol werden die Armenier von den Aufrührern belagert, sollen aber jetzt aus Veranlassung der Kommandanten der fremden Kriegsschiffe durch ottomanischen Truppen, die zur Verstärkung eingetroffen sind, entsetzt werden. Von TareNt sind noch zwei Torpedo­bootszerstörer angekommen.

Kattowitz, 24. April. Aus einem Automobil, über das der Chauffeur die Führung verloren hatte, wurde Graf Franz Ballestrem, der dritte Sohn deS früheren ReichstagSpräsidenten herauSgeschleuvert und starb im Krankenhaus, ohne die Be­sinnung wieder erlangt zu haben. Auch der Chauffeur wurde lebensgefährlich verletzt.

Lissabon, 25. April. Der Ministerrat beschloß, für die Opser der Erdbebenkatastrophe einen HilsSdienst in das Leben zu rufen. In Benavente und Comoro de Correia wurden neue Erdstöße verspürt.

Konstantinopel, 25. April, 5 Uhr nachmittag«. Die Pforte ist völlig auSgeschaltet. Mahmud Echestek führt die unbeschränkte Militärdiktatur. Der Sultan befindet sich noch im Dildiz. Die diplomatischen Miffionen wurden von der Verhängung des Belagerungszustandes benachrichtigt. Der Präsident deS KriegtgerichtS ist der Artillericminister Hurschif Pascha.

K 0 n st a nti n 0 p el, 25. April. Die Mitglieder der Nationalversammlung, die heute den Belagerungszustand über die Stadt verhängten, haben fast einstimmig erklärt, daß die Absetzung des Sultans unerläßlich sei.