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Herchlder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 48. Dienstag, den 27. April 1909.

Amtlicher teil.

HerSscld, den 22. April 1909.

Nachdem die Schneeschmelze nunmehr beendet ist und die infolge des Hochwassers an den nicht schiffbaren Wasserläusen und an den Meliorationsanlagen veursachten Schäden sich vollständig übersehen lassen, muß zu den erforderlichen Wieder- Herstellung-arbeiten durch die UnterhaltungSpflichtigen geschritten werden, damit einer weiteren Zunahme der Schäden vorge- beugt wird.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher werden an­gewiesen, den etwa an sie ergehenden Anordnungen des Königlichen MeliorationSbauamtS in Fulda, wegen Wieder­herstellung von im Lause dieses Winters innerhalb des Gemeindebezirks eingetretenen Hochwasserschäden, unverzüglich nachzukommen.

I. 3821. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

nichtamtlicher teil.

Abgeordnetenhaus.

Im Abgeordnetenhause wurden am Sonnabend vor fast leeren Bänken und Galerien sowie leeren Tribünen kleinere Vorlagen verhandelt. Zunächst stand der Entwurf eines Ge­setzes über den Bergwerk-betrieb ausländischer juristischer Per­sonen und der Geschäftsbetrieb außerpreußischer Gewerkschaften zur Verhandlung. Nach kurzer Debatte wurde der Entwurf einer Kommission von vierzehn Mitgliedern überwiesen. Dann wurde die Abänderung der Kreisordnung in den alten Provinzen weiter diskutiert. Es handelt sich um eine derartige Vertretung der Stadt- und Landgemeinden aus dem Kreistag. Diese wird in drei verschiedenen Anträgen von den Konservativen, dem Zentrum und den Freisinnigen gefordert. Nach längerer Debatte gehen alle drei Anträge an die verstärkte Gemeinde- kommission. Ein Antrag des Grasen Praschma (Zentr.) aus zeitweise Herabsetzung der Eisenbahntarife für Spreu und Futter­stroh in Schlesien wurde aus Wunsch der Konservativen und der Nationalliberalen dahin erweitert, daß diese Ermäßigung in der ganzen Monarchie Platz greifen möchte. In dieser Form findet der Antrag Annahme. Dann folgt die Beratung von Petitionen, die nach den Beschlüssen der Petitionskommission erledigt werden. Das HauS beschäftigte sich am Schluß seiner Sitzung mit einer Petition um Einführung der geheimen Stimmabgabe bei Landtags- und Kommunalwahlen. Die Kommission hatte hierzu beantragt, diesen Gegenstand der Regierung als Material zu überweisen. Dagegen protestierte der Abg. Hoff (freif. Vgg.). Er wurde von mehreren Abgeord­neten des Zentrum- und der Linken darin unterstützt, während die Abgg. von Pappenheim (kons.) und Dr. von Woyna

Die höhere macht.

Novelle von F. Suta n.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Heinz bemühte sich jetzt mit Aufbietung aller seiner Kräfte das Ufer zu erreichen, aber der Kahn wurde von den tosenden Wellen immer wieder zurückgeschleudert und all sein Bemühen war vergebens.

Wir werden zu gründe gehen an diesem herrlichen Naturschauspiel!" rief Heinz dann plötzlich im Tone der Verzweiflung,denn ich vermag keine Rettung mehr zu bringen!"

Es wäre ein jäher Tod!" versetzte Gabriele.Gott sei -uns gnädig, wenn es unsere letzten Minuten sind, die wir leben! Für mich Einsame und Verlassene könnte es ja freilich fast nichts Besseres geben, als rasch zu sterben I"

Sie schrak zusammen. Gott im Himmel, war hatte sie gesagt. Wie konnte dies gedeutet werden. Ein scheuer Blick Gabrielcns streifte das totenblasse Antlitz Mariannens, die zitternd im Kahne saß.

Gabriele stand wie in ihr Schicksal ergeben im schwan­kenden Kahn.

Um Gottes willen, setzen Sie sich nieder und halten Sie sich im Kahne fest, Fräulein Gabriele", schrie Heinz. Einsam und verlassen haben Sie sich genannt. DaS ist nicht wahr, Sie sind nicht verlassen, so lange ich lebe. Aber setzen Sie sich doch nieder, die nächste Welle bringt unS die höchste Gefahr!"

Und bei diesen letzten Worten ließ Heinz daS Ruder los und umfaßte Gabrielen, um sie im schwankenden Kahn zu halten.

Ein surchtbarer Donnerschlag und eine drohende Flutwelle hatten Heinz zu dieser Tat getrieben. Das Gewitter hatte seinen Höhepunkt erreicht, unaufhörlich zuckten Blitze und der Donner rollte.

(freikons.) baten, eS bei dem KommissionSbeschluß zu belassen. Schließlich wurde dem freisinnigen Anträge entsprechend diese Petition der Regierung nicht alS Material, fonbern zur Be­rücksichtigung überwiesen. Hierauf vertagte sich daS Hau- aus Montag 12 Uhr (KultuSetat.)

Reichstag.

Das Reichstag-Plenum befaßte sich am Freitag mit der ersten Lesung der Novelle zum Strafgesetzbuch. Die Vorlage enthält einerseits gewisse Milderungen der bisherigen strasge» setzlichen Bestimmungen bei Hausfriedensbruch, Arrestbruch, Siegelbruch und Vereitelung der Zwangsvollstreckung, ferner der Strafen für geringfügige Diebstähle und Unterschlagungeu und schränkt den Wahrheitsbeweis bei BeleidigungSprozessen ein; anderseits verschärft sie die Strafen für Tierquälereien und Kindermißhandlungen. Der Staat-sekretär bei ReichS- justizamteS Dr. Nieberding begründete und erläuterte in längerer Rede die Einzelheiten deS Regierung-entwurfes, hier­bei betonend, er beruhe auf Forderungen deS sozialen Frieden» und der sozialen Fürsorge. In der Debatte äußerte man sich auf allen Seiten des HauseS zustimmend zu den von der Vor­lage ausgesprochenen Strafminderungen, während betreff- der Straserhöhungen teilweise eine noch weitere Verschärfung ge- sordert wurde. In der Di-kussion wurden auch der Hauprozeß und die Eulenburgaffäre berührt.

Am Sonnabend wurde die Beratung de» Entwurf» eine» Branntweinsteuergesetze- bei § 42 (Betrieb-auflage) fortgesetzt. Gleichzeitig wurde damit eine Generaldiskussion über die Be- triebSauflage und den Durchschnitt-brand (Brennrecht) ver­bunden. Der Entwurf sieht eine progressive BetriebSauflage vor, beginnend mit 3 Mk. bit zu 50 Hektoliter und steigend bis 10 Mk. bei mehr al» 2000 Hektoliter Alkoholerzeugung. Ein nationalliberaler Antrag wünscht eine Erhöhung der Sätze auf 4 Mk. bezw. 11 Mk. Ein Regierung-kommissar hält diesen Antrag für dirkutabel. Die Rechte beantragt eine noch weiter fortschreitende Progression über 2000 Hektoliter hinaus, um den Brennsteuersonds aus den Mitteln der großen Bren­nereien möglichst stark zu süllen und den kleinen Brennereien damit zu Hilfe zu kommen, während die Linke und da» Zentrum eine Schädigung des Gewerbes befürchten und daher eine Ermäßigung der Sätze der Vorlage mit einem Höchstsatz von 8 Mk. über 1600 Hektoliter (Freisinn) oder 2000 Hekto­liter (Zentrum) beantragen. Der Zentrumsantrag will jedoch im Gegensatz zur Vorlage und den übrigen vorliegenden An- trägen die Erzeugung bir zu 50 Hektoliter Alkohol ganz frei lassen und wird dahin erweitert, bei etwaiger Annahme der Vorlage oder eines der Anträge für alle Fälle die Erhebung der BetriebSauflage erst bei einer Erzeugung über 50 Hektol. eintreten zu lassen. Ein Regierung-kommissar erklärt dies für annehmbar unter der Bedingung, daß dann für die Brenne­reien, die bik zu 50 Hektoliter Alkohol erzeugen, ein Durch- schnittSbrand festgesetzt wird. Bei der Abstimmung wird unter

Sind Sie von Sinnen!" rief Gabriele.Lassen Sie mich loS! Sehen Sie denn nicht die Gefahr! Dort die hohen Felsensteine, die au» dem Wasser emporragen. Die Wellen werden den Kahn herantreiben, und er wird zer­schellen."

Angesichts der ihnen drohenden Lebensgefahr blickte Gabriele todesmutig und klar. Mit aller Geiste-gegenwart handelte sie und mit größter Schnelligkeit machte sie sich loS aus den sie umschlingenden Armen Lehnert-, der Gabriele im Kahne sesthalten zu müssen glaubte und griff nach den Rudern, die Heinz zum Unglück hatte fallen lassen.

ES war zu spät, der Kahn wurde gegen die Felsen ge­schleudert und zerschellte.

Marianne, Gabriele und Heinz versanken im See und trieben, Hülferuse mit gurgelnden Tönen auSstoßend, nach oben und verschwanden dann wieder in den Wellen. Dann fühlte sich Gabriele aus einmal von kräftigen Armen gefaßt und über Wasser gehalten.

Lassen Sie mich sinken", schrie Gabriele bei voller Be- sinnung.Retten Sie Ihr Weib, retten Sie Marianne! Wo ist fiel Sie muß gerettet werden!" schrie Gabriele immer wieder und versuchte sich au» den Händen ihres Retters zu befreien.

Heinz, o Heinz, rette mich", tönte inzwischen vergeblich in Todesangst und Verzweifelung durch Donner und Brausen Mariannens Stimme an die Ohren Gabrielens und LehnertS, der mit den Wogen kämpsend, Gabriele zu retten suchte.

Weit, weit von Lehnert ragte ein weißer Arm, ein blonbeS Haupt noch einmal aus den Wellen empor und dann war die arme Marianne versunken.

Sturm und Gewitter hatten jetzt nachgelassen und zu Tode erschöpft waren Gabriele und Heinz aus dem rettenden Ufer niedergesunken.

Dort standen Menschen; der Oberförster, Emmy, Eberhardt und zwei Holzknechte. Verzweifelt blickten sie alle nach der Stelle, wo Marianne verschwunden war. Sie machten rasch ein Boot flott, der Oberförster und Eberhard sprangen

Ablehnung aller übrigen Anträge der freisinnige Antrag ange­nommen, der den § 42 und die darin enthaltene Skala fol­gendermaßen festsetzt: Außer der Verbrauch-abgabe wird von der erzeugten Alkoholmenge eine Betrieb-auflage erhoben und zwar für die Erzeugung bi- zu 50 Hektol. je 2 Mk., über 50 bis 100 Hektol. 2,50 Mk., 100 bi- 150 Hektol. 3 Mk., 150 bi» 200 Hektol. 3,50 Mk., 200 bi- 300 Hektol. 4 Mk., 300 bis 400 Hektol. 4,50 Mk. und von da ab für je 200 Hektol. mehr 50 Pf. mehr, also bei 1800 bi- 2000 Hektol. 9 Mk., über 2000 Hektol. 10 Mk. Daraus wird ein Antrag der Reich-partei angenommen:Wenn Branntwein, der unter amtlicher Ueberwachung steht, durch Verdunstung oder sonst durch natürliche Einflüsse verloren geht, so bleibt derselbe in Bezug auf die Berechnung der BetriebSauflage außer Be­rechnung."

At RnPmWrWsorilms.

Bereit- seit langem war da- Bedürfnis zutage getreten, die großen sozialen Versicherung-gesetze, die bisher nebeneinander bestanden hatten und mehrfach geändert waren, zusammen» zusassrn, zu vereinheitlichen und miteinander in Einklang zu bringen. Diese Aufgabe hatte schon feit Jahren dat ReichS- amt deS Innern beschäftigt, und wenn da- große Werk erst jetzt al- ein vom Reichstage noch zu genehmigender Entwurf der Oeffentlichkeit vorliegt, so hat da- seinen Grund darin, daß die Regierung bestrebt gewesen ist, da» große Werk bet Arbeiterversicherungen auch äußerlich durch Ergänzungen nach manchen Seiten zu einem wirklichen Abschluß zu bringen.

Wie groß die Ausgabe war, ergibt sich daraus, daß dir Reich-versicherungtordnuno nicht weniger al» 1793 Para­graphen enthält, die in 7 Büchern geordnet find. Bon diesen 7 Büchern enthält dat erste die gemeinsamen Vorschriften und Bestimmungen über die für alle Zweige deS ReichSversicherungS- wesen- tätigen Behörden, da» zweite bis vierte die besonderen Bestimmungen für die Krankenversicherung, die Unfallversicherung und die Invaliden- sowie die neuhinzugettetene Hinterbliebenen- vcrficherung, während da» fünfte und sechste die gegenseitigen Beziehungen der verschiedenen Versicherung-zweige regeln und die Bestimmungen über da» Verfahren in allen Versicherungs- angelegenheiten enthalten. Durch die neue Ordnung ist das ganze Gesetz trotz der zahlreichen Paragraphen weit übersicht­licher geworden, als es bisher war.

Neu hinzugekommen ist, wie gesagt, die Hinterbliebenen- Versicherung. Sie ist an die Invalidenversicherung angegliedert. Ihre Beträge sollen gleichzettig mit den Beträgen der Jnvalidm- Versicherung erhoben werden, und zwar in der Weise, daß die birherigen Beitragsmarken um durchschnittlich ein Viertel erhöht werden. Außerdem sieht da» Gesetz für gewisse Kreise des Mittelstände- die Einführung einer freiwilligen Zusatzversicherung vor, die in einfacher Weise durch daS monatliche Einkleben einer sreiwilligen Zusatzmarke im Werte von einer Mark bewirkt wird. Wer beispielsweise vom 25. bis zum 55. Leben-alter

hinein und ruderten nach der Stelle bei See», wo sie Mari­annen zum letzten Male mit den Wogen kämpsend gesehen hatten.

»Eirhst Du noch etwa», Eberhard, dort drüben an den Steinen?" frug dann der alte Herr mit bebender Stimme. O mein Kind, mein Kind."

»Ich sehe nicht« mehr!" versetzte Eberhard mit Tränen.

Sie ist verloren, jammervoll ertrunken", klagte der Ober- förster und die Männer wandten da» Boot zurück nach dem User.

Emmy, die an einem Baumstamm lehnte, schaute nach dem Boote. Ihr Gesicht erschien in dieser Stunde um Jahre gealtert und wie im Schmerz erstarrt waren ihre jugendlichen Züge.

Plötzlich aber blitzte e» aus in ihren blauen Augen in Aufregung und Zorn, wie man e» noch niemals bei ihr ge­sehen hatte.

Warum hast Du sie nicht gerettet, Marianne, Deine Frau?" rief sie vorwurfsvoll und mit grollenden Augen Heinz entgegen, der sich eben mit der gänzlich erschöpften Gabriele mühsam durch da» Schilf am User hindurch ar­beitete und festen Fuß mit der Geretteten am User zu fassen suchte.

Lehnett stand wie versteinert und wußte aus die mit ver­nichtenden Blicken auf ihn gerichtete Frage seiner Schwägerin keine Antwort zu geben. Freilich war die ganze Situation auch schwerlich dazu angetan, solche Fragen an einen Mann zu Achten, der mit den Wellen ringend eine andere Person vom Tode der Ertrinkens gerettet hatte. Um den entsetz­lichen Bann zu brechen, der aus allen lag, stieß Gabriele hervor:

Ja, warum warum haben Sie mich gerettet? Hätten Sie mich doch in den Fluten versinken lassen, alle» wäre vorüber und da oben käme mir mein Mütterchen ent­gegen und nähme mich in ihre Arme. Sie sänge mir ein himmlische» Lied und ich durste auSruhen von allem Erden- leide !"

Aber Lehnert beantwortete auch diese Frage nicht. Sie hatten beide daS feste Land jetzt erreicht und wurden