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herrfel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-5lnschlutz Nr. 8
Nr. 46. Dienstag, be« 20. April 1909.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 15. April 1909.
Nach den früheren Beobachtungen und den angefleilten Ermittelungen ist in diesem Jahre in einem großen Teile der Regierungsbezirks Cassel ein stärkerer Maikäserflug zu erwarten.
Unter Bezugnahme aus daS AuSschreiben vom 1. Mai 1899 I Nr. 2608 — Kreisblatt Nr. 52 — ersuche ich die Ortspolizeibehörden der Kreises die evtl. erforderlichen Anordnungen zu treffen.
I. 3746. Der Königliche Landrat.
I. A.:
T h a m e r.
Hersseld, den 15. April 1909.
Die ForderungSnachweise von Mitgliedern der Vorein- schätzungS-Kommissionen sind aus die hiesige KreiSkasse zur Zahlung angewiesen.
Die Herren Ortsvorsteher haben die Empfangsberechtigten zu benachrichtigen.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Deranlagungs-Kommission.
I. Nr. 777. I. V.: Fenn er.
HerSfeld, den 15. April 1909.
Nach Mitteilung der Plankammer der Königlichen Landesaufnahme zu Berlin N. W. 40 Herwarthstraße 2/3, vom 2. d. MtS. ist nunmehr auch das Meßtischblatt Nr. 2986 und 2987, betreffend die Sektion Niederauka und Neukirchen (Kreis Ziegenhain) neu erschienen.
Interessenten mache ich mit dem Hinzufügen daraus aus. merksam, daß der Preis des Blattes 1 Mk. beträgt. Für den dienstlichen Gebrauch bei allen Staats- und Kommunalbehörden ist er aus 0,50 Mk. ermäßigt. Anmeldeformulare sind durch die Plankammer und die Verlagsbuchhandlung R. Eisenschmidt, Berlin N. W. 7 Dorotheenstraße 70 a oder auch durch jede Buchhandlung zu beziehen.
I. 3995. Der Königliche Landrat.
J. A.:
T H a m e r.
HerSfeld, den 14. April 1909.
Diejenigen Herren Bürgermeister der Landgemeinden sowie die Herren Gutsvorsteher des hiesigen Kreises, die meine Verfügung vom 2. d. MtS I. A. Nr. 2072 im Kreisblatt Nr. 41, Kreis-Hundesteuer-Zugänge betreffend, noch nicht erledigt haben, wollen dieS nunmehr noch bis s p ä t e st e n s z u m 20. d. Mts. tun.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
A. 2072 von GruneliuS.
Die höhere macht
Novelle von F. S u t a ».
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Morgen, schon morgen soll es geschehen", erklärte Heinz, „sonst entweicht Fräulein Gabriele vielleicht und zieht hinaus in die weite Welt, um ihr reizendes Lachen wieder zu finden, und ich habe als Künstler das Nachsehen."
„O, wir lassen sie nicht ziehen, ehe Dein Werk nicht ganz fertig geworden", sagte Emmy mit Nachdruck. „Es ist eine heilige Mission, die Du zu erfüllen hast, Gabriele", rief sie dann, sich an diese wendend, „die Kunst fordert Deinen Dienst, Du sollst beitragen zu der Vollendung eineS Kunst- Werks. DaS ist doch gewiß etwas Großes und Schönes. Wir beiden Schwestern sind solcher Ehre noch nicht gewürdigt worden. Wir können nicht schön lachen, und Grazie besitzen wir, wie eS scheint, auch nicht genug, wir tauchen einfach nicht zu künstlerischen Vorbildern."
Emmy bemerkte in ihrer Unbefangenheit garnicht, daß aus ihr Geplauder kaum noch geachtet wurde und sie sich in Gesellschaft von Menschen besand, deren Inneres zu dieser Stunde, trotz des Waldsriedens ringsherum, sich im großen Gegensatze zu der Stimmung befand, die Emmy scherzend und lachend erwecken wollte.
Heinz besonders wurde von Minute zu Minute aufgeregter. Marianne, sein schönes, gutes Weib, hing mit aller Liebe an ihm. Das wußte Heinz nur zu gut. Und wie leuchteten heute Mariannens Augen. Sie wollte sich ihr Glück aus keinen Fall entreißen lassen. Diese glänzenden Augen gaben sogar Mariannens Schönheit einen ganz neuen, eigenartigen Charakter, der Heinz klar machte, daß er in Mariannen eine wirklich schöne Frau besaß. Aber freilich Gabrielen» blasse- Antlitz würde sie ihn doch nie vergessen lassen, und wäre sie auch die Schönste der Frauen. Heinz war zuviel Künstler, um von diesen Empfindungen nicht ganz hingerissen zu werden.
HerSfeld, den 16. April 1909.
Die unter der Schafherde der Schäfers Weppler zu Nieder» jossa auSgebrochene Räude ist erloschen.
I. I. 3797. Der Königliche Landrat.
I. A.:
T h a m c r.
Bekanntmachung.
In Schenksolz ist eine Tclcgraphenanstalt mit Unsallmelde- dienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten. HerSfeld, den 15. April 1909.
I. 3936. Der Königliche Landrat.
I. A.:
T h a m e r.
nichtamtlicher Ceil.
$n§ KaiserMar aus Koch.
Die Jacht Hohenzollern mit JhrenMajestäten dem Kaiser und der Kaiserin sowie dem Prinzen Oskar an Bord ist in Begleitung von Hamburg und Sleipncr bei sehr schönem, warmem Wetter nach einer günstigen Seefahrt an der dalmatischen und albanischen Küste entlang heute vormittag ll1/^ Uhr in Korfu eingetroffen.
Gestern vormittag passierten die Kaiserschiffe in Höhe von Pola die österreichischen Panzer Hab-burg und Babenberg, welche Schießübungen abhielten. Die österreichischen Schiffe und die Hamburg wechselten Salut.
Heule früh 11 Uhr beim Einlaufen wechselte die Hamburg Salut mit den Forts und zwei im Hafen von Korfu liegenden griechischen Krieg-schiffen. Die Hohenzollern ging gegenüber dem Königspalast vor Anker. Die Majestäten empfingen alsbald an Bord den Besuch deS Königs der Hellenen, der Kronprinzessin, der russischen Großfürstin Georg Michailowitsch, ferner deS deutschen Gesandten in Athen Frhrn. v. Wangen- heim, des Präfekten Metaxa, sowie der Spitzen der griechischen Marine und des griechischen Militärs. — Zur Tafel aus der Hohenzollern um 12 Uhr 30 Min. waren geladen die genannten Fürstlichkeiten, sowie Frhr. V. Wangenheim mit Gemahlin und der Präfekt.
Se. Majestät der Kaiser trug bei der Ankunft die Uniform eines griechischen Admirals, der König die eine- deutschen Admirals. Nach dem Frühstück begaben sich zuerst die griechischen Herrschaften an Land, um dort die bald nachfolgenden deutschen Majestäten zu empfangen. An der mit Teppichen und Blumen festlich dekorierten Landungsstelle fanden sich außerdem zum Empfang ein: Ministerpräsident Theotokis, der Bürgermeister von Korsu Collas, der deutsche Konsul und Vizekonsul, die Offiziere der Garnison und die Geistlichkeit. Eine Ehrenwache von der Reserveoffizierschule war ausgestellt, eine Kapelle spielte die deutsche Hymne. Der König führte die Kaiserin zum
Die Damen und Herren standen jetzt am User des Waldsees, im Schilfe rauschte eS träumerisch, weiße Wasserrosen wiegten sich auf dem in der Abendbeleuchtung fast schwarz erscheinenden Gewässer. Tiefe Stille herrschte ringsum, die Luft war schwül, fast drückend, und eine dunkle Wolkenschicht ballte sich jenseits des Sees zusammen. Gleich einem Druck, fast wie ein Ahnen dunkler Schicksalsstunden, legte es sich auf die kleine, in tiefem Schweigen verharrende Gesellschaft ; sogar über Emmys helles Antlitz flog es wie ein Schatten.
"Wenn ich nur wüßte, was Ihr habt", begann sie jetzt wieder. „Der See ist heute schon sehr melancholisch, Ihr aber seid es noch mehr. Ist vielleicht Eure ganze Fröhlichkeit schon ganz hineingezaubert in die Statue des Lachen», und Ihr habt schon alle das Lachen verlernt."
„Wäre es der Fall, eS sollte mich nicht kümmern!" rief Hklvz, „wenn das Kunstwerk nur wirklich groß und rühm» bringend wird!"
®>n stolzes Aufleuchten ging über seine Züge. Die große Trösterin, die Kunst, sie sollte ihn über alles Schwere in seinem Leben hinweghelfen, sagte sich Gabriele, der dieses Aus- leuchten in LehnertS Gesicht nicht entgangen war. Aber diese Hoffnung, welche Gabriele, daS edle Mädchen, für Lehnert hegte, machte sie selbst säst trostlos.
Das Höchste in der Seelenschönheit hatte sie in den letzten Tagen hier erlebt und auch das Bitterste dabei em« psunden und nun mußte sie ohne große Hoffnung und ohne innere Befriedigung bald wieder hinauSziehen in die weite, weite Welt, die ihr jetzt aus einmal so leer und einsam vorkam.
Es schien Gabrielen, als müsse sie alles, was ihr wertvoll im Leben war, hier zurücklassen. Vergessen würde sie diese lctztvcrgangencn Wochen in Freud und Leid wohl nie und nimmer, aber mit der Zeit wohl hoffte sie doch alles zu überwinden, wieder Freude am Leben zu gewinnen, daS jetzt so trostlos,schal und nichtig vor ihr zu liegen schien. Ach, vieler Stunden würde sie später gedenken, die sie hier in größter Erregung durchlebt Halle. Sie war ja kein Alltagskind und sogar der Hauch der Romantik umgab jetzt ihr
Automobil; der Kaiser folgte mit dem Ministerpräsidenten Theotokis. Die Stadt war reich beflaggt. Die in großer Zahl anwesende Bevölkerung bereitete den Majestäten stürmische Ovationen. Der Kaiser, die Kaiserin und Prinz Oikar mit ihren Umgebungen begaben sich in Automobilen nach dem Achilleion, wo sie Wohnung nahmen.
Achilleion (Korsu), 17. April. Die Einwohner deS DorseS Gasturi bei Achilleion begrüßten die Majestäten bei der Ankunft herzlichst; die Häuser waren mit Fahnen ge- schmückt. Die Terrassen deS Schlosse» Achilleion sowie die Parkanlagen bis zum Heine-Denkmal hinunter find durch wundervolle Blumenbeete - bedeutend verschönert worden.
Schloß Achilleion (Korsu), 18. April. Seine Majestät der Kaiser hielt heute vormittag in der Schloßkapelle Gottesdienst ab. Gegen mittag hatte die Geistlichkeit und die Bevölkerung von Gasturi eine große Prozession veranstaltet. die, wie im Vorjahre, am Schloß vorbeizog. Das Wetter ist sehr schön und warm.
RtiPsinMchm unä krWsiste- ^tutrung.
Empfehlenswerte Veränderungen an den Regierungsvorlagen.
Es ist der Nachweis geliefert, daß die Erbfchast-steuer nicht ungerecht ist und Vorkchmngen zum Schutz der Eigenart der landwirtschaftlichen Gewerbe getroffen sind. Immerhin kann man über die Einzelheiten der Ausgestaltung derselben im Zweisel fein, und er sind im Lause der letzten Monate durch die eingehende Erörterung eine Reihe von Gesichtspunkten zutage gebracht, dir bei endgültigen Redaktion noch zu berücksichtigen sein dürsten.
Allgemein ist der Widerspruch gegen eine Umlage der Steuer aus den Nachlaß ohne Rücksicht auf die Zahl der Erben, speziell also bei der Deszendentenbesteuerung auf die Kinderzahl. Für eine Nachlaßsteuer sprach zunächst die Möglichkeit, bei einer solchen den Nachlaß als ganze Vermögens- masse einheitlich zu ersassen. Ferner ist es bei einer Besteuerung deS reinen Nachlasses eher möglich, von vornherein gewisse Teile des VermögenSbestandes, wie Haushaltungs- gegenstände, Familienbilder und andere Erinnerungen usw., von der Steuer freizulassen. Außerdem war aber maßgebend noch der Wunsch, mit einer solchen Nachlaßsteuer gleich die Wehrsteuer zu verbinden, indem man von dem Nachlaß derjenigen, der nicht gedient hatte, eine höhere Steuer erhob als von dem, der seiner Militärpflicht genügt Halle. Dadurch waren weitere 14 Millionen Mk. eingebracht.
ES ist jedoch unverkennbar eine Hätte, daß genau die gleiche Summe erhoben wird, gleichgültig, ob ein Kind 30000 Mark oder fünf Kinder je 6000 Mark erben. Es ist daher nicht ohne Grund von den Vertretern der Reichrpartei als eine Bedingung für die Zustimmung zum Gesetz eine
Leben und ließ neue Saiten in ihrer Seele erklingen, wenn auch schon das Leid darüber zitterte. Aber tausendmal besser schien eS ihr, ein solches Leid zu tragen, als in einen Abgrund zu stürzen oder in müder Gleichgültigkeit herab zu steigen tiefer und tiefer von des Leben- Höhen, aus denen man später dann nie wieder stehen wird. Noch glaubte Gabriele hoch oben zu stehen und seelische Höhenluft zu atmen, aber sie dürste nicht mehr länger hier verweilen, sonst konnte sie sich schließlich nicht mehr auf der Höhe halten und der dann drohende Sturz wirlle erschreckend auf sie.
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Die Statue der Lachen», die Heinz am nächsten Tage wirklich nach der Obersörsterei gebracht hatte, erregte dort die größte Bewunderung. Es war ein echtes Kunstwerk, das den Stempel der Genies nicht verleugnete. Durchaus als eine neue große eigenartige Schöpfung erschien die Statue. Etwas derartiges hatte die Welt wohl nicht gesehen. So urteilten alle. Gabriele selbst stand oft bewundernd vor dieser Statue der lachenden Lebenslust, die ihr Lachen verkörperte, aber doch dabei noch viel mehr verkündete.
Gabriele stand auch jetzt vor der Statue. Die Fenster der großen Zimmer-, in welchem Heinz im Forsthause zu arbeiten pflegte, waren geöffnet, im Walde draußen rauschte eS so geheimnisvoll, ein grünes Dämmerlicht herrschte im Zimmer.
GabnelenS Augen hingen wie gebannt an der Statue, dabei wurde eS ihr klarer und klarer, daß sie bleiben mußte und nicht eher in die weite Welt ziehen durfte, als bis das Kunstwerk vollendet war.
Sie dachte in ihrem Vorhaben an Heinz nur als an den Künstler, alle anderen Gedanken und Gesühle schwiegen in ihr, eine förmlich weihevolle Stimmung hatte sie erfaßt und in dieser wollte sie ihre Mission erfüllen/
Da trat Heinz in das Zimmer, er hatte den Leinewand» kittcl an und schien weiter an der Statue deS Lachens arbeiten zu wollen.
„Ah, Sie hier, Fräulein Gabriele!" rief er erfreut, „das ist ja herrlich, ich bin in der richtigen Schaffen-stimmung und