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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 44. Donnerstag, den 15. April 1909.

Amtlicher Ceil

Hersseld, den 8. April 1909.

Die Herren Bürgermeister haben die Loosungsscheine, welche Ihnen in den nächsten Tagen zugehen, den Militär­pflichtigen alsbald auSzuhändigen. DaS beigefügte Verzeichnis ist mir, nach Vollziehung der vorgerichteten Bescheinigung, alsbald zurück zu senden.

M. 791. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger,

RegierungS-Referendar.

Die Zimmerlehrlinge der Kreise Herrfeld und Hünscld, welche ihre Gesellenprüfung ablegen müssen, werden auf« gefordert sich bei dem Unterzeichneten zu melden und nach, stehende Papiere einzusenden:

Gesuch um Zulassung zur Gesellenprüfung. Einen eigen- händig geschriebenen Lebenslauf. Zeugnis des Lehrmeisters. Zeugnis der Volksschule. Zeugnis der Fortbildungsschule. Den Lehrvertrag oder den Nachweis der Eintragung in die Lehrlingsrolle.

Die Prüfung findet am 4. Mai vormittags 8 Uhr aus dem Geschäft-Platz deS Unterzeichneten statt.

HerSfeld, den 8. April 1909.

Der Vorsitzende deS Prüfungsausschusses.

G. Lämmerzahl, Zimmermeister.

nichtamtlicher Ceil.

WhomlMÄ

In der Nacht vom 5. zum 6. Februar 1864 hatten die Dänen unter Hinterlassung einer großen Menge schwerer Ge­schütze, Munition, Waffen und Kriegsvorräte aller Art die Danewerke geräumt und den Rückzug nach Norden in die verschanzte Stellung bei Düppel fortgesetzt, wo sie nach einem ungünstigen Gesicht bei Ocversee noch am Abend des 6. ein« trafen. Die Stellung, mit allen Mitteln der neueren Be­festigungskunst verstärkt, bestand aus 10 teils offenen, teils geschlossenen Schanzen, die in zwei Reihen hintereinander lagen, und zwar derart, daß die zweite Reihe an der weitesten Stelle nur 400 m von der ersteren entfernt war. Zu der Stellung gehörten auch der etwa 15002000 m hinter den Schanzen gelegene Brückenkopf und die aus der Insel Alsen befindlichen Befestigungen. Vor den Schanzen hatten die Dänen noch nach dem Angriffsfelde zu im Bereiche des wirk­samsten Kartätsch- und Gewehrfeuers die mannigfachsten Hinder­nisse, wie Drahtzäune, spanische Reiter, Wolfsgruben usw., angebracht, um die Annäherung zu erschweren.

Am 10. Februar setzten die Verbündeten den Vormarsch fort; die preußische kombinierte Gardedivision besetzte mit den

Die höhere macht

Novelle von F. S u t a n.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Solche bangen Fragen laß aber bitte heute beiseite, Heinz", rief Emmy,und sei fröhlich wie sonst. Ihr kommt mir heute überhaupt verändert vor. Habt Ihr Euch vielleicht gezankt, Du und Marianne? DaS wäre denn das erste Mal in Eurer Turteltaubenehe."

Wo denkst Du hin, Emmy!" rief lachend Heinz, aber dabei dachte er: Du ahnungsloser Engel Du, was weißt Du von Sorgen, Kämpfen und Leidenschaften, die alles, alles in uns auswühlen, den ganzen Menschen umwandeln. Du bist noch nie heraus aus Deinem Waldsrieden in die Welt ge­treten. Er hätte Marianne auch hier in diesem Waldsrieden lassen und die Welt durchziehen sollen, bis er die Line ge­sunden, die nun zu spät seine Wege gekreuzt hatte. Die eine, derentwegen er die größten Torheiten begehen könnte! Und sie war doch gar nicht hübsch. Ein scheuer Blick schweifte hinüber zu Gabriele.

Ihre Augen waren mit einem so seltsamen weltsremden Ausdruck auf das Blättcrgewirr der Linden über ihr gerichtet. Woran mochte sie wohl denken? An die Welt, die weite, schöne, in die cS sie ja doch wieder hinauSziehen würde? Und die kleine Episode hier, sie würde von ihr wohl bald vergessen werden und dar war ja auch gut so. Und er? Nun, er mußte auch alles überwinden, denn er war ja ein erfahrener moderner Mensch, der wohl wußte, daß man im "ben aus vieles verzichten muß, wenn man in keinen Abgrund geraten will.

»Gezankt habt Ihr Euch also nicht", klang da Emmys A m ^'to' Stimme nochmals in seine Gedanken hinein, auch Marianne hatte Emmys Frage verneint.

Dann muß eS etwas anderes fein, was Euch so ver- wandelt hat", fuhr Emmy fort.Nun hoffentlich hat es Euch nicht den Appetit verdorben, ich sehe dort die Mamsell

österreichischen Truppen das nördliche Schleswig und Prinz Friedrich Karl mit dem kombinierten preußischen KorpS daS Sundevitt mit dem Befehl, Düppel einzuschließen und zu stürmen. Am 22. Februar griffen nun die Preußen an und vertrieben die Dänen dauernd auS den vor den Verschanzungen liegenden Gehölzen, doch blieben letztere in dem Besitz der Dörfer Düppel und Rackebüll. Das Ergebnis dieses Gefecht- war die Erkenntnis, daß ein Angriff auf die verschanzte Stelle mit Rücksicht auf die geringe Stärke und ohne schwere Geschütze nicht rätlich war, auch hatte man erkannt, daß sich vor dem rechten Flügel der Schanzen ein breiter Grund befand, der von Alsen aus stark beschossen wurde.

So wurde denn schwere Artillerie herangezogen, und am 15. März richteten die Batterien ihre Feuer auf Schanze 1 und 2 sowie auf Sonderburg. Am 17. erfolgte die Er­stürmung der Dörfer Düppel und Rackebüll, so daß die preußischen Vorposten bis in die Linie Freudenthal-PytthauS- Sille Mölle vorgeschoben werden konnten. Nach dem Ein­treffen von Verstärkungen war in der Nacht zum 30. März die erste Parallele in einer Entfernung von 10001200 m von den Schanzen gegen diese eröffnet worden, und in der Nacht zum 7. April wurden weitere Batterien gebaut, die um 7 Uhr morgens das Feuer eröffneten und während des ganzen Tages fortsetzten. So wurden bis zum 10. April das Barackenlager in Brand geschossen, viele Blockhäuser zerstört und die Düppelmühle niedergelegt. Als dann in der Nacht zum 11. April auch die zweite Parallele auSgehoben und in der Nacht zum 15. die dritte Parallele fertig war, wurden die dänischen Vorposten in die Schanzen zurückgezogen. Am 18. April erfolgte nach vorangegangenem fortgesetzten Geschütz- feuer der Sturm, der bekanntlich. mit dem Fall der Stellung, in der sich die Dänen fast volle zehn Wochen behauptet hatten, endigte.

Es würde zuweit führen, auf die höhere Führung näher einzugehen, aber so viel sei gesagt, daß die Bedeutung der Düppelstellung viel mehr ausgenutzt werden konnte und mußte; vor allen Dingen hätte die Stellung als Ausgangspunkt eines vielleicht erfolgreichen Angriffs nachdrücklicher verwertet werden sollen. Daß dies leicht geschehen konnte, erhellt schon daraus, daß den Verbündeten die zur Eroberung der Stellung nötigen schweren Geschütze fehlten und erst aus der Heimat hcrbei- geschafft werden mußten, so daß in den kriegerischen Unter­nehmungen eine Pause von fünf Wochen eintrat.

Was aber den 18. April und die vorausgegangene Be­lagerung für unsere Truppen zu einem unverwelklichen Lorbeer- reis in ihrem Ruhmeskranze machte, das ist die hervorragende Ausdauer und Selbstüberwindung, mit der sie die lange winterliche Belagerung mit allen ihren Anstrengungen und Entbehrungen in Frost und Schneetreiben ausgehalten haben; daS ist der Mut und die Tapferkeit, mit der sie ungeachtet der sie grüßenden TodeSboten ihrem Eide getreu zum Sturme jchritten und die feste, noch während der Belagerung immer mehr auSgebaute Düppelstellung zu Fall brachten.

nahen, sie wird uns zu Tische bitten wollen. Drei Herren, drei Damen, da macht die Tischordnung ja kein Kopfzerbrechen, ich bitte zu Tisch zu führen."

Die beiden jüngeren Herren sprangen eifrig aus und folgten dem Zuge ihres Herzens. Der Forstassessor stand neben Mari­anne, Heinz neben Gabriele.

Nun, Väterchen, dann mußt Du nun schon mit mir für- lieb nehmen", scherzte Emmy,eine große Abwechslung ist es gerade nicht für Dich!"

Lachend hing sich Emmy an deS Vaters Arm.

Der alte Herr Oberförster hatte sich etwas schwerfällig erhoben und dann mit einer tiefen Verbeugung seiner Tochter den Arm gereicht.

ES sollte scherzhaft aukschen, das Gesicht der Oberförsters aber blieb zu ernst dabei. Mit ganzer Seele hing er an seinen Kindern, ihr Glück war das seine, und nun sah er über dem Lebenshimmel des einen dunkle Wolken herausziehen. O, daß er sich täuschte und in seiner sorgenden Liebe zu schwarz sah. Heinz war ja ein guter nobler Charakter und einer Schlechtig­keit nicht fähig. Aber wenn verhängnisvolle Leidenschaften über einen Menschen kommen, hat er dann immer die Kraft, die Festigkeit, sie zu bekämpfen?

Diese Frage legte sich der Oberförster immer und immer wieder im Stillen vor und vermochte sie nicht zu seiner Zu- sricdenhcit zu beantworten.

DaS Eßzimmer, welches die kleine Gesellschast jetzt betrat, machte mit seinen getäfelten Wänden, den Flügeltüren, den hohen Fenstern, der einfachen, aber gediegenen Einrichtung einen ganz vornehmen Eindruck.

Alles ist hier eben noch so wie früher", sagte Gabriele, indem sie sich aus einen der hochlehnigen, geschnitzten Stühle niederließ. Und begeistert fuhr sie fort:Vor dem Fenster blühen noch die Rosen, drüben schimmert der grüne Wald Hub hier im Hause heimcln die alten Möbel mich an, ordent­lich heimatlich mutet mich daS alle- an, mich, den heimatlosen Wandervogel."

Bleibe doch hier, Gabriele, denke, eS fei Deine Heimat hier", sagte Emmy,dann streifen wir wieder durch die Wälder und rudern auf dem See."

Diese selbstverleugnenden Leistungen verdienen um so mehr hervorgehoben zu werden, als die Armee nach fast 50jähriger Waffenruhe zum ersten Male wieder einem Feinde gegenüber- stand und damals Winterübungen noch völlig unbekannt waren. Darum wollen wir in dieser Zeit und namentlich am 18. April der Kämpfer um Düppel gedenken, der toten und ge­fallenen Helden in stillem Gebet, der noch lebenden aber mit einem von Herzen kommenden dreifachen Hoch und dem Ge­lübde, daß wir, wie sie, dem Kaiser und dem Vaterlande die Treue halten wollen bis zum letzten Atemzüge, sei eS Friede oder Krieg.

Sie MilitiickligliAtit in W<

Auch die neueste Uebersicht über die Ergebnisse dek HeereS- ergänzungSgeschästS, die sich auf daS Jahr 1907 bezieht, stellt die größere Militärtauglichkeit bei auf dem Lande geborenen und dort beschäftigten männlichen Nachwuchs gegenüber dem städtischen fest. Leider ist lediglich der Unterschied zwischen Stadt und Land gemacht. Wären auch die zahlreichen kleineren Landstädte, die einen durchweg agrarischen Charakter tragen, dem Lande statt der Stadt zugezählt, so würde sich erst recht die größere militärische Tauglichkeit der in ländlichen Verhältnissen herangewachsenen und lebenden männlichen Jugend gegenüber der städtischen, namentlich der großstädtischen, ergeben. Aber auch auS dieser nach dem alten Schema vor- genommenen Verteilung ergibt sich nur eine relative, sondern auch eine absolute Ueberlegenheit bei Lande-, trotzdem seine Bevölkerung-zahl zugunsten der Stadt noch weiter abge­nommen hat.

Die Zahl der Gestellungspflichtigen ist aus 1 189 845 gegen 1 145 386 im Vorjahre und 1 088 801 im Jahre 1905 gestiegen, also in drei Jahren um 101044 Mann zuge- nommen. Von diesen 1 189 845 wurden 860 ausgeschlossen, 35802 ausgemustert; dem Landsturm übermiefen wurden w-gen bürgerlicher Verhältnisse 374, als Ucberzählige 13 und aus anderen Gründen 122 632; der Ersatzreserve wurden überwiesen 7993 wegen bürgerlicher Verhältnisse, 1948 als Ucberzählige, 78137 auS anderen Gründen; zur Marine» Ersatzreserve kamen 67 wegen bürgerlicher Verhältnisse, 8 alS Ucberzählige und 1726 aus anderen Gründen. AuSgehoben wurden 223 035 gegen 219 995 im Vorjahre.

Diese verteilten sich folgendermaßen: Aus das Heer kamen 209 564 gegen 207 935 im Vorjahre zum Dienste mit der Waffe, und zwar auf die Truppen mit dreijähriger Dienstzeit 13159, mit zweijähriger Dienstzeit 194 212 und aus die Trainsoldaten mit einjähriger Dienstzeit 2193. Ferner wurden zum Dienst ohne Waffe 3097 Mann für da- Heer auSgehoben. Für die Marine wurden auSgehoben 10374 Mann gegen 8902 im Vorjahre, von denen 6456 der Land­bevölkerung und 3918 der seemännischen und halbsee­männischen Bevölkerung entstammten. Freiwillig traten in daS Heer ein 11553 Einjährig-Freiwillige, 960 Volksschul-

Ach ja, das möchte ich schon!" entgegnete Gabriele.

Der Oberförster sah, wie Heinz einen erschrockenen düsteren Blick auf seine Nachbarin warf, atmete aber doch wie er­leichtert aus, denn er deutete sich Gabrielen- Wunsch so, daß sie sobald als möglich selbst fort aus Mariannens HauS wolle.

Dann sprach der Oberförster Gabrielen selbst sehr herzlich zu, im ForsthauS zu bleiben. Er .erhob sogar ein Glas und rief:Stoßen wir daraus an, Fräulein Gabriele, daß Sie glückliche Tage hier bei uns verleben."

Und meine Statue! Was soll auS der werden?" stieß Heinz erschrocken hervor.

Ach ja, die Statue des Lachens soll auch fertig werden ! Da müßt Ihr denn schon alle drei Euch hier niederlassen", sagte Emmy, die stets gern unbeschränkte Gastfreiheit auS- übte.

Du hast ja hier schon öfter gearbeitet, Heinz, oben in dem Eckzimmer. Vielleicht modellierst Du mich dann alS Gegen- stück zur Statue des Lachens alS Statue deS Weinens, ich verstehe vielleicht schön zu meinen."

Emmy zog dabei die schmale, von blonden Söckchen be« schüttete Stirn in krause Falten und machte ein allerliebste- weinerliches Gesichtchen.

Alle lachten, und die anfangs etwas schwüle Stim­mung schwand jetzt ganz und gar, dank bei Gegenwart einer so harmlosen, heiteren Persönlichkeit, wie Emmy eS war.

EmmyS Vorschlag hatte auch Heinz kolossal imponiert und innerlich befriedigt. Ganz hier in» ForsthauS überfiebeln, die Schönheit der Wälder genießen, auf dem See rudern, be« rauschender Gedanke!

In den Augen des Bildhauer- leuchtete ei auf. Das Kunstwerk sollte dann begeistert vollendet werden, angeregt durch die Natur und Umgebung, wie kaum je in seinem Leben.

»Ja, daS wird dar Beste, daS Einfachste sein, ich vollende die Statue des Lachen- hier in der Waldeinsamkeit!" rief er und eine tolle Lustigkeit kam über ihn. Er lachte und scherzte mit Emmy, nannte diese seine gütige Fee, die düstere Sorgen