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herchl-er kreirblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 43.

Donnerstag, den 8. April

1909.

Amtlicher teil.

Bekanntmachung.

Die diesjährige FrühjahrS-Kontrollversammlungen im Kreise HerSfeld finden wie folgt statt:

3u Hersfeld l.

(Turnplatz an der Hainstraße) Mittwoch, den 14. Hpril 1909, Vormittags 9 Uhr für sämtliche Reservisten aus der Stadt HerSfeld.

Zu Hersseld II.

(Turnplatz an der Hain st roß c) Mittwoch, den 14* Hpril 1909, Vormittags 11 Uhr für sämtliche Wehrleute I. Aufgebots sowie die Ersatz-Reservisten auS der Stadt HerSfeld.

Zu Hersfeld III.

(Turnplatz an der Hainstraße) Mittwoch, den 14. Hpril 1909, /Nachmittags 3 Uhr für die Mannschaften auS den Gemeinden Kathus, Gutsbezirk Oberrode, Petersberg mit Kühnbach, GutSbezirk Wilhelmshof, Sorga mit Sölzerhöse, GutSbezirk BingarteS mit Johannesberg, Meisebach, Kalkober, Gutsbezirk Eichhof, Eichmühle, Hecnes, HermannShof und Wehneberg.

Zu Friedlos (bei Gastwirt Lehn)

Donnerstag, den 15. Hpril 1909, Vormittags 9 Uhr für die Mannschaften auS den Gemeinden Friedlos, Reilos, Mecklar, Meckbach mit Kneipmühle, Gerterode, Rohrbach, Tann

Zu Obergeis (bei Gastwirt Ernst)

Donnerstag, den 15. Hpril 1909, /Nachmittags 3 Uhr für die Mannschaften auS den Gemeinden AllmerShausen mit Hof Hählgans, Aua, Biedebach, GitterSdorf, ObergeiS und UntergeiS.

Zu Heimboldshausen (bei Gastwirt Echtermeyer) Mittwoch, den 21. Hpril 1909, Vormittags 9V2 Uhr für die Mannschaften auS den Gemeinden Hcimboldshausen, Ausbach, Harnrode, Gethsemane, PhilippSthal, RöhrigShos mit Nippe und Unterneurode.

Zu Heringen

(aus dem Platz beim HotelGlückauf") Mittwoch, den 21. Hpril 1909, /Nachmittags 2V2 Uhr für die Mannschaften auS bet* Gemeinden Bengendors, Heringen mit Hof Füllerode, Leimbach, LengcrS, Widdershausen und WölserShausen. Die Mannschaften aus Kleinensee erscheinen in Hönebach am Donnerstag, den 20. Hpril 1909, Mittags

12 Uhr in der Nähe v 0 m Bahnhof, Dorfstraße.

Zu Friedewald (auf dem Schloßplatz)

Donnerstag, den 22. Hpril 1909, Vormittags 10 Uhr

Die höhere macht

Novelle von F. Satan.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Gabriele hatte ihre Toilette längst vollendet, aber sie zögerte noch, hinunter zu gehen. Sinnend stand sie am Fenster deS kleinen FremdenstübchenS, daS Marianne so be- haglich für die Freundin hergerichtet hatte. DaS friedliche LandschaftSbild da vor dem Hause, der schimmernde Fluß, die alten Weidenbäume an seinen Usern, im Hintergrund die Wälder, immer und immer wird es ihr in einsamen Stunden vor den Augen stehen, wie man eben die Stätten nie vergißt, wo de» Schicksal- Flügelschlag uns umrauschte, deS Lebens voller Zauber sich unS offenbarte.

Ja, er hatte sich ihr offenbart, de» Leben» voller Zauber, aber deS Schicksals dunkler Flügelschlag hatte sie dabei ver­hängnisvoll umraufcht. O daß sie nie hierher in dieses stille Haus gekommen wäre, dann wäre eS noch so wie sonst mit ihr, dann wäre sie noch der sröhliche, sorglose Wandervogel, der die Welt durchstreift und sich überall an ihrer Schönheit erfreut.

Nun aber nahm sie etwaS schwer Ueberwindbares, Unver- gesseneS mit sich fort und ihr Lachen, ihr sorgloses, glückliches Lachen, das ließ sie hier zurück. In kaltem Marmor wurde eS festgebannt für alle Zeiten, aber sie hatte es verloren, die Tage aber, wo da» geschehen, sie waren zum Inhalt ihres LebenS geworden. Da» mit einer Anzahl Skulpturen dekorierte Atelier, dessen breite» Fenster dieselbe Auksicht bot, wie daS, an welchem sie jetzt lehnte, die geschickte schlanke, weiße Künstlerhand, die da an dem Kunstwerke modellierte und formte, der sein geformte dunkellockige Kops, die großen grauen Augen, von den so auffallend langen Wimpern verschleiert, würde eS ihr nicht alle» immer und immer vor Augen stehn, fast zu jeder Stunde der kommenden Tage, sie mochte weilen, wo sie wollte, und möchten Hunderte von Meilen zwischen ihr und diesem stillen Hause liegen. Und der entsetzte Blick heute

für die Mannschaften aus den Gemeinden Friedewald mit Hof Weißenborn, Herfa, Lautenhaujen mit Hof Oberneurode und HillartShausen.

Zu Schenklengsseld

(bei Ga st wirt Geheb)

Donnerstag, den 22. Hpril 1909, /Nachmittags 3 Uhr für die Mannschaften auS den Gemeinden Courode, Dünkcl- rode, MalkomcS, Motzfeld, Oberlengsfeld, Ransbach, HilmeS, Lampertsfeld, Landershaujen, SchenklengSfeld, Schenksolz, Unter- weisenborn, Wehrshausen und Wüstseld.

Zu Oberhaun

(bei G ast w i rt Kiel)

Dienstag, den 27. Hpril 1909, Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Eitra, Hilperhausen, Kohlhausen, Oberhaun, Roßbach, Rotensee, Sieglos, Unterbaun und Wippershain.

Zu Niederaula (K i r ch p l 0 tz)

Mittwoch, den 28. Hpril 1909, Mittags 12 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Asbach, Beiershaufen, Hattenbach. Kerspenhausen, Solms, Stärklos, GutSbezirk Engel- bach mit Hos Sternberg, KruspiS, Mengshausen, Niederaula, Niederjosfa und Holzheim.

Zu Kirchheim (bei Gastwirt Nuhn)

Mittwoch, den 28. Hpril 1909, /Nachmittags 3V2 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Allendorf, Frielingen, Gersdorf, Gershausen, GoßmannSrode mit Hof Siebenmorgen, HedderSdorf, Kemmerode, Kirchheim mit Weich und Eichmühle, Kleba, Reckerode, ReimboldShausen, Rotterterode mit Hof BeierSgraben und WillingShain mit Hof Löscher.

Zur strengen Beachtung für die Beteiligten fügt daS Be- zirkSkommando folgende Bemerkungen hinzu:

1. Zu den Frühjahrskonttollverfammlungen haben sich alle Mannschaften, welche der Reserve und Marine-Reserve, Land- wehr und Seewehr ersten AufgebotS, der Ersatzreserve und Marine-Ersatzreserve angehören, sämtliche zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen, sowie die zur Disposition der Truppenteile und Marineteile beurlaubten Mannschaften zu ge- stellen. Ferner sämtliche Invaliden und Rentenempfänger der Reserve und Landwehr I mit Ausnahme der dauernd abge- fundenen Ganzinvaliden und der als dauernd untauglich auS- gemusterten Rentenempsänger. Nur diejenigen Wehrmänner und Secwehrmänner, welche in der "Zeit vom 1. April bis 30. September 1897 eingetreten sind und deshalb bei den diesjährigen Herbstkontrollversammlungen zur Landwehr zweiten Aufgebots übertreten, sind von der FrühjahrSkontrollversammlung dieses Jahres entbunden.

2. Die Einberufung zu den Kontrollverfammlungen findet lediglich durch diese öffentliche Aufforderung und durch Aus­rufen in sämtlichen Ortschaften statt. Die Nichtbesolgung der Berufung zu den Kontrollverfammlungen hat Arrest zur Folge.

der zu ihr hinüber geflammt war, als sie vom Abreisen ge­sprochen ! Ganz fassungslos war sie einen Moment gewesen. Dann aber war es ihr um so klarer geworden, daß ihre» Bleibens hier nicht länger sein konnte, daß sie fort mußte, un- bedingt, so rasch wie möglich fort mußte, um keine Schuld auf ihre Seele zu laden und sich und die Freundin nicht un­glücklich zu machen. Nimmermehr durfte sie mit einer solchen Schuld ihre Seele belasten.

Es klopfte jetzt an der Tür. Gabriele fuhr empor auS ihrem Sinnen.

Bist Du fertig ? Darf ich hereinkommen?" ertönte Mari­annens Helle Stimme draußen.

Ach, verzeihe Marianne, ich habe Dich wohl warten lassen", versetzte Gabriele, indem sie die Tür öffnete.

Ach, in Weiß bist Du gekleidet, Marianne. Wie reizend Du auSsichst, wirklich wie eine Achtzehnjährige."

Voll aufrichtiger Verwunderung blickte Gabriele die Freundin, die wirklich reizend auSsah und heute in voller Schönheit geradezu strahlte. Waren da Gabrielen- Gedanken von vorhin nicht Torheit, Selbstvcrblenduug und überflüssige Sorge. Dieses junge Weib voll unbeschreiblichen Liebreiz, konnte sie niemals verdunkeln in den Augen eines Künstlers, der so ganz und gar der Schönheit huldigte. Sie, die im Grunde genommen häßliche Gabriele Hagen, vermochte dies sicher nicht. "

Und die» war Gabriele auch ganz recht, denn sie wollte hier im Hause der Freundin weder absichtlich noch fahrlässig die GlückSzerstörerin werden. An Lächerlichkeit, an Wahnsinn grenzten also auch alle diesbezüglichen Befürchtungen Gabrielens. Nein, wegen der Sorge, hier ein Eheglück zu stören, brauchte sie gewiß nicht so rasch abzureisen. Mochte er sein Kunstwerk ruhig noch vollenden, sie würde noch bleiben, der Kunst zu dienen, das war ja eine schöne, hohe Mission, die sie über­nommen hatte und nun zu Ende führen mußte, denn eS wäre ja unvernünftig, wenn sie vorher abreise. Wenn daS Kunst- werk dann vollendet war und dem Künstler, wie er ja be­stimmt hoffte, Ruhm und Gold eingebracht hatte, dann hotte sie ja auch nicht ganz umsonst gelebt, und etwaS, wenn auch nur indirekt, für die Kunst getan und der Freundin auch noch

3. Die Mannschaften auS einzelnen hier nicht genannten Höfen und Mühlen 2c. gehören zu den Ortschaften, zu deren Gemeinden sie zählen.

4. Die Mannschaften haben den Militärpaß und das Führungsattest mit zur Stelle zu bringen.

5. Gesuche um Befreiung von der Kontrollversammlung sind rechtzeitig bei dem Hauptmeldeamt deS Königlichen Be- zirkSkommandoS in HerSfeld anzubringen und können nur durch daS Bezirkskommando genehmigt werden.

Wer vor der Kontrollversammlung keinen Bescheid erhält, hat sich dennoch zu stellen.

6. Etwaige plötzliche Krankheit oder sonstige Verhinderungs­fälle müssen entweder durch ärztliche Atteste, oder durch Atteste der Orts- oder Polizeibehörde, welche spätestens aus dem Kontrollplatze abzugcben sind, bescheinigt werden.

In allen ärztlichen Attesten ist die Krankheit anzugeben. Atteste, welche nur die Bemerkung erhallen, daß ein Mann am Erscheinen zur Kontrollversammlung gehindert ist, ohne Angabe des Grunde», find ungültig und werden nicht ange­nommen.

7. Es wird noch ausdrücklich bemerkt, daß diejenigen Mannschaften, welche zur Fahrt nach dem Kontrollverjamm- lungSort tue Eisenbahn benutzen, keinerlei Anspruch aus Ber» abjolgung einer Militärsahrkarte seitens der betteffenden Eisen­bahnstation haben.

8. Alle Mannschaften gehören während deS ganzen TageS, zu welchem sie zur Kontrollversammlung einberusen sind, zum aktiven Heere und sind demnach dem Militär-Straf-Gesetzbuch untermalten.

9. Die kontrollpflichtigen Mannschaften werden aufgeforbert vor dem Erscheinen rur Kontrollversammlung ihre KriegSbe- orderung oder Paßnottz falls sie dieselben noch mcht zugrftellt erhalten haben beim Bürgermeisteramt abzuholen und in die Pässe einzukleben.

Die Pässe werden daraushin nachgesehen.

HerSfeld, den 15. März 1909.

Königliches Bezirkskommando. *

HerSfeld, den 19. März 1909.

Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher deS Kreises haben die vorstehende Bekanntmachung in ihren Gemeinde- bezirken alsbald wiederholt zur öffentlichen Kenntnis zu bringen und namentlich den betteffenden Mannschaften noch bcionderk mitzuteilen.

Der Gendarm, zu dessen Bezirk der Konttollort gehört, hat zwecks Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung bei den Kontrollverfammlungen zugegen zu fein.

I. M. Nr. 626. Der Königliche Landrat.

I. V.: FeIlinger,

RegierungS-Reserendar.

Zur Erhaltung einer geordneten Kassenverwaltung ist e» erforderlich, daß die den fiskalischen Kassen obliegenden Zahlungen

einen Dienst erwiesen, denn Marianne hatte eS ihr ja schon hundertmal gesagt, daß sie, Gabriele, ihrem Mann zu einem neuen Kunstwerk begeistern solle.

Unten rollte inzwischen der Wagen vor, den Mariannen? Vater von der Oberförsterei geschickt hatte. Gabriele griff nach ihrem Hut.

So, nun bin ich zu der herrlichen Fahrt in den Wald bereit", sagte sie lachend, aber daS alte, schöne Lachen wie vorher war eS wirklich nicht mehr. Ein fast herber Zug lag während der Fahrt um Gabrielen- Lippen, den sie früher nicht.gehabt.

Heinz Lehnert saß den beiden Damen gegenüber in dem offenen Wagen. Er plauderte lebhaft und heiter, denn er hatte inzwischen ersahren, daß Gabriele erklärt hatte, daß sie noch einige Zeit ihre Abreise verschieben wollte. Lehnert freute sich darüber wie ein Kind und wurde dabei ausgelassen und übermütig.

Marianne neckte er mit ihrem Vetter, seinem Freund, dem Forstassessor. Der sei ihre erste Liebe gewesen, behauptete Lehnert. Piarianne bestritt dicS aber lebhaft und er­klärte, sie hätte stets nur Cousinengejühle für den Vetter ge­habt.

Gabriele, auf den heiteren Ton eingehend, forderte da plötzlich Lehnert auf, von seiner ersten Liebe zu be« richten.

Wo beginne ich da?" rief er lachend.Wir Künstler begeistern uns so leicht für alle Schönheit und leben und lieben, bis eS dann einer Tage» gleich einer Offenbarung über unS kommt und unS mit Allgewalt das Hohelied der Liebe so ganz ersaßt und mit seinen Zauberklängen umrauscht, und wir nur die eine für immer zu besitzen be­gehren."

DaS war der Tag, wo sie Marianne jum ersten Mal sahen", entgegnete Gabriele so unbefangen wie möglich, dabei hatte sie aber daS Gefühl, alt müsse sie au» dem Wagen springen und gleich jetzt sorteilen, weit, weit in die Welt hinaus. Noch war sie ja frei von aller Schuld, noch konnte niemand einen Stein aus sie werfen.

(Fortsetzung folgt.)