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herrfel-er Kreisblatt
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Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 41.
Dienstag, den 6. April
1909.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 1. April 1909.
Im Monat März d. JS. sind diesseits den nachbenannten Persönlichkeiten Jahresjagdscheine ausgestellt worden: am 3/3. dem MaurerpolierKonradHerrmanninUnterncurode, „ 15/3. „ Lehrer Neeb in Motzseld, „ 26/3. „ Ackermann Johannes Jäger III. in Motzseld.
Der Königliche Landrat.
J. V.: Fellinger,
Regierungs-Reserendar.
Hersfeld, den 1. April 1909.
Den Ortsvorständen gehen in diesen Tagen die Steuer- zuschristen über die Staatssteuer- u. Gewerbesteuer-Veranlagungen für 1909 zu.
Ich ersuche, die Aushändigung unverzüglich zu veranlassen und die bescheinigten Listen über die erfolgten Zustellungen innerhalb der bestimmten Fristen zurückzureichen.
Der Vorsitzende der (Einkommensteuer: Veranlaaungs-kommission.
Nr. 720. I. V.: Fellingcr,
Regierungi-Referendar.
Hertseld, den 24. März 1909.
Am 21. April 1909 von vormittags 10 Uhr ab findet im Sitzungszimmer im hiesigen Landratsamt-gebäude eine Kreistag-sitzung mit nachfolgender Tagesordnung statt.
1. Feststellung des Krei-hau-halts-EtatS für da- Rech. nungSjahr 1909. (§ 84 der KreiSordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 7. Juli 1885).
2. Beauftragung einer Kommission auk den Mitgliedern deS Kreistags mit Prüfung der demnächst aufzustellenden Kreiskommunalkasien-Rechnung für daS Rechnungsjahr 1/4. 1908/09. (§ 87 der KreiSordnung für die Provinz Heffen- Nasiau von 7. Juni 1885).
3. Wahl von je 7 Vertrauensmännern für den Ausschuß bei den Amtsgerichten Friedewald, Hersfeld, Niederaula und Echenklengsfeld zur Mitwirkung bei der in 1909 stattfindenden Auswahl der Schöffen und Geschworenen für daS Jahr 1910. (§ 40 des GerichtSversaffungS-Gesetzes vom 27. Januar 1877, R. G. Bl. E. 49 und § 35 des AussührungS-Gesetzes hierzu vom 24. April 1878, G. S. S. 237).
4. Bewilligung einer Beihülfe zu den Kosten der Verlegung des Landweges HerSfeld-Kirchheim innerhalb der Gemarkungen Reckerode und Kirchheim an die baupflichtigen Gemeinden.
I. A. 1881. Der Königliche Landrat von GruneliuS.
Her-feld, den 2. ^pril 1909.
Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden und die
Die höhere macht
Novelle von F. Suta n.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Aber ach, Du wankelmütiges Frauenherz! Ohne daß et Marianne gewollt, geahnt, geträumt hatte, war doch schon der Funke der Eifersucht in ihre Seele gefallen und in derselben regte sich schon der ungastliche Wunsch, Gabriele, der Wandervogel, möchte davon fliegen, weit, weit.
Schäme Dich, Marianne. Ist das Freundschaft? Ist daS Liebe? Zwei Jahre schon bist Du Heinz Lehnerts Frau und hast noch so wenig Verständnis für seine Künstlerfeele, sahst nicht, daß es echte Kunstbegeisterung war, die ihn erfaßte und ihn mit Gabriele hinüber trieb nach dem Atelier! Solche Gedanken quälten die junge Frau inzwischen und sie wurde bald von dieser Qual erlöst.
„Dein Mann hat mich entlassen."
Mit diesen Worten klang plötzlich Gabrielen« heitere Stimme an Mariannens Ohr. „Er will allein sein mit seiner Muse. Stören wir ihn also nicht. Komm, Marianne, wir gehen hinunter in den Garten, dort wollen wir so recht nach Herzenslust von alten Zeiten plaudern. Hier oben könnten unsere Stimmen deinen Mann doch erreichen und ihn bei der Arbeit stören!"
„Ist Heinz schon fertig mit der Skizze?" fragte Marianne erstaunt.
„Ja, mein Lachen hat er wohl schon skizziert. Er will es nun vorläufig mit Knetmasse modellieren. Wunderbar, daß ich ihn zu einem Kunstwerk begeistert haben soll, ich, die ich doch gar nicht hübsch bin", sagte Gabriele lachend.
„Du besitzt andere Gaben, die mehr wert find» alS ein hübscher Gesicht", bemerkte Marianne.
„Du meinst mein bißchen Mutterwitz und daS von Euch so geschätze Lachen", rief Gabriele heiter.
„Nein, daS ist el nicht allein, waS Dich ziert", sagte
Herren Gutsvorsteher des hiesigen Kreises haben mir bis spätestens zum 8. d. M t S. anzuzeigen, ob in der Zeit vom 6. Februar d. Js. bis Ende März d. Js. etwa noch Hunde neu beschafft worden sind, die in der bereits eingereichten Hebeliste noch nicht ausgesührt sind und für daS Rechnungsjahr 1908 noch nachträglich zur Kreishundesteuer zu veranlagen wären.
Der Termin ist genau einzuhalten. Eventuell ist Fehlanzeige zu erstatten.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
I. A. 2072. I. V. Fellinger,
RcgierungS-Referendar.
Hersfeld, den 2 April 1909.
Mit Bezug aus die Bestimmungen im § 15 der Dienstanweisung für die Gemeinderechner in den Landgemeinden vom 22. März 1898, wonach diese alsbald nach Schluß deS Rechnungsjahres (31. März) mit der Ausstellung der Jahresrechnung zu beginnen und die fertig gestellte Rechnung in zweifacher AuSsertigung spätestens -bis zum 15. Mai dem Bürgermeister vorzulegen haben, weise ich die Herren Bürgermeister unter gleichzeitigem Hinweise auf mein Ausschreiben vom 13. Oktober 1906 — KreiSblatt Nr. 122 de 1906 — hiermit an, streng daraus zu halten, das die JahreSrechnung zum gedachten Termin ihnen vorgelegt wird.
Bis zum 22. Mai d. Js. ist mir anzuzeigen, daß die Rechnung rechtzeitig zur Vorlage gebracht worden ist.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die vorgelegte Rechnung alsbald unter Zuziehung der Schöffen der vorgeschriebenen Vorprüfung zu unterziehen und sie daraus mit den gezogenen Erinnerungen der Gemeindevertretung (Gemeindeversammlung) zur Prüfung, Feststellung und Entlastung vor- zulegen.
Die Herren Bürgermeister wollen ferner dafür sorgen, daß die Abhörung und Feststellung der Rechnung durch die Gemeindevertretung (Gemeindeversammlung) tunlichst bald nach ihrer Vorlage erfolgt und mir sie nach der vor- geschriebenen AuSlegung von 2 Wochen sofort mit den Belägen und P r ü f u n g S v e r h a n d l u n g e n pp. zur Oberrevision vorlegen, damit diese von mir so zeitig bewirkt werden kann, daß die geprüfte Rechnung bei Ausstellung des Voranschlags für daS kommende Rechnungsjahr bestimmungsmäßige Verwendung finden kann.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
I. A. 2069. J. V.: Fellinger, Regierungs-Reserendar.
Hersfeld, den 29. März 1909.
Der Schlachthosverwalter Tierarzt Fricderich hier ist zum ständigen Vertreter des Königlichen Krei-tierarztcS für die Fälle der Ergänzungsbeschau im hiesigen Kreise bestellt worden, in denen Letzterer durch anderweite Abhaltung (Krankheit, Ab-
Marianne zu Gabriele ausblickend. „Du besitzt die Gabe der Inspiration, Du hast geistigen Einfluß aus die Menschen. Als wir noch Kinder waren, spürte man daS schon ganz deutlich."
„AlS wir noch Kinder waren", sagte Gabriele träumerisch. „Komm, Marianne, reden wir von jenen seligen Zeiten, wo wir noch alles vom Leben erhofften und so sicher aus unser Glück bauten. Du hast es ja auch gefunden, das volle Menschenglück. Dein Mann sagte mir vorhin: Eure Ehe sei aus reiner Neigung geschlossen, 'keine anderen Interessen hätten mitgespielt, Sehen und Lieben sei, so zu sagen, ein einziger großer Moment gewesen. Nun und solch eine echte Liebe soll doch das Schönste aus Erden sein. Ich werde solch ein Glück ja wohl nie kennen lernen."
In Mariannens Gesicht war eine heiße Blutwelle ge- stiegen, sie schämte sich ihrer kleinlichen Gedanken, die vorhin in ihr ausgestiegen. Von ihrer Liebe hatte er, Heinz, zu Gabriele gesprochen, während er die Skizze entworsen und Gabrielen- schönes Lachen vor Augen gehabt hatte. Und in ihr hatte sich fast die schwächlichste Eifersucht geregt.
„Warum sollst Du eS nicht auch noch kennen lernen das volle Menschenglück", sagte Marianne jetzt, während eS in ihrem Gesicht glückselig auflcuchtete.
„Weil ich nicht zu den Frauen gehöre, die ein Mann so plötzlich, so groß, so selbstlos liebt, daß das große reine Glück daraus entließen könnte."
„Aber warum soll dies denn nicht möglich sein", erwiderte Marianne, „eS muß nur der richtige kommen, der Dich voll zu schätzen versteht."
„Meine Hand hat man ja schon begehrt, alle« Werben aber galt nur meinem Vermögen, an Liebe lernte mich noch keiner der Freier recht glauben. Wahrer Liebe würde ich jedeS Opser bringen können, sogar zur HauSsrau könnte ich mich noch auSbilden, am Kochherd stehen und alle« tun, waS der Haushalt ersordert. Mein ganzes Sein würde dieses eine große, übermächtige Empfinden umwandeln, was man eine echte Liebe nennt. Doch was rede ich da für Unsinn, fast so, als wäre ich noch ein Backfisch und nicht eine welter- sahrene Dame, die auf der Höhe der Situation zu stehen
kommandierung u. s. w.) verhindert ist, sie persönlich aukzu- führen.
I. 2894. Der Königliche Landrat.
I. V.: Fellinger, Regierungs-Reserendar.
Hersfeld, den 30. März 1909.
Die Herren Bürgermeister des Kreises mache ich aus die in Nummer 11 deS Amtsblatts zum Abdruck gekommene Polizeiverordnung betr. daS Haltekinderwesen aufmerksam. I. 2950. Der Königliche Landrat.
I. V.: Fellinger, Regierungs-Reserendar.
Her-feld, den 31. März 1909.
Die unter der Schafherde des Schäfers Glebe in Bcier-- hausen au-gebrochene Räude ist wieder erloschen.
I. 3386. * Der Königliche Landrat.
I. V.: Fellinger,
Regierungs-Reserendar.
Gefundene Gegenssande.
Eine Peitsche. Meldung des Eigentümer» beim OrtSvor- stand zu Beier-Haufen.
nichtamtlicher teil.
Abgeordnetenhaus.
Am Freitag wurde die Beratung der Sekundärbahnvorlage beendigt. Am Ende der Beratung erklärte der Vertreter deS Eisenbahnministeriumk Unterstaatssekretär Fleck, daß die Regierung die vorgebrachten Wünsche sorgfältig prüfen wolle. Die Borlage ging an die Budgetkommission. Dann vertagte sich daS HauS bis zum 21. April.
Reichstag.
Der deutsche Reichstag ist am 2. April in seine Oster- fetien gegangen, nachdem er vorher den ReichshauShaltSctat definitiv erledigt hatte. Doch machten sich auch an diesem letzten VcrhandlungStage vor der parlamentarischen Osterpause nochmals zwei Sitzungen nötig, und zwar deshalb, weil sich bei der Abstimmung über die zum Etat eingebrachte ZentrumS- resolution wegen Erlasses eines Reich-gesetze- gegen die Abonnentenversicherungen der Zeitungen die Beschlußunfähig- keit deS HauseS herauSstellte. In der deshalb abgehaltenen weiteren Sitzung gelangte dann die erwähnte Zentrum-- resolution zur Annahme, auch die weitere Zentrum-resolution betrefft der Aufhebung der geheimen Qualifikationen wurde angenommen, dagegen lehnte der Reichstag die Resolution
pflegt. DaS liegt wohl hier an der stillen Umgebung und dem Frieden der Natur. Dabei ist die Residenz mit all' ihren Reizen und dem Großstadtlärm so nahe. Den Winter verlebt Ihr doch wohl meisten- in der Residenz?"
»Das erlauben unsere Mittel nicht", entgegnete Marianne. „Heinz fährt ja oft hinüber und bisweilen begleite ich ihn auch, um einmal eine Oper oder ein gute- Konzert zu hören, da ich, wie Du weißt, die Musik so sehr liebe."
„Die Mittel eineS Künstlers müßten eigentlich nicht so beschränkt sein, keine Alltag-sorgen sollten den Künstlerflug hemmen", bemerkte Gabriele.
„DaS sind ja ideale Gedanken von Dir, die ganz und gar nicht mit der Wiiklichkeit übereinstimmen", versetzte Marianne lächelnd, „ich glaube dagegen, Not und Sorgen gehören zu einem Künstlerleben, da gerade das Kämpfen und Ringen mit der N»t des Lebens ja oft die schönsten Werke zeitigen hilft, weil es die höchsten Kräfte entfacht."
„Du magst Recht haben. im Kampfe erprobt man erst seine Kräfte", erwiderte Gabriele. „Auch ich möchte einmal meine Kräfte so im rechten Kampfe erproben, aber waS gibt es in einem solchen Dasein, wie daS n eine, wohl für Kämpfe, noch nicht einmal einen Herzenskampf habe ich erlebt. Vielleicht steht er mir noch bevor, vielleicht verliebe ich mich auch noch einmal in einen Künstler, in einen Maler oder Dichter, der etwas Große-, über dem Alltage stehendes in seinem Wesen hat. Du Marianne, hast ja das Glück gehabt, einen Künstler zum Manne zu bekommen. Du bist eben ein Glückskind. Aber wa- hast Du, Marianne, Du siehst mich auf einmal so ganz erschrocken an? Denkst Du vielleicht, ich wollte Dir Deinen Mann rauben? Der gehört Dir, Dir allein. Ueberhaupt habe ich immer daS Unglück, daß ich die Herren, die meine Hand begehren, nicht leiden mag und wenn mich einmal einer fesseln könnte, dann will er sicher nichts von mir wissen. ES ist noch ganz so wie in unserer Tanzstundenzeit, wo ich Deinen Verehrer, den dunkellockigen Primanerjüngling, auch so ungeheuer interessant fand. Nur einmal mit ihm tanzen, war mein brennender Wunsch, aber er tanzte mit Dir und allen anderen jungen Damen in der Tanzstunde, aber nie hatte er einen Tanz für mich übrig. So wie damals habe