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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bejugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, n»

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I Der Anzeigenprei, beträgt für den Raum einer tm> I gespaltenen Zeile lO pfg., im amtlichen Teil» 20pfg.

Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen n wird ein entsprechender Rabatt gewährt.*»^*»«

hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 39.

Donnerstag, den 1. April

1909.

AdmmMMMW

auf das Umfelder Kreisblatt

DasHersfelder Areisblatt", amtliches Organ des Areises Hersfeld ausgestattet mit Publikationskraft bringt außer den

amtlichen Bekanntmachungen alles wissenswerte über

Politik des 3n- und Auslandes, Nachrichten aus der Stadt, dem Kreise und der Provinz, vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.

Ferner gelangen in jeder Nummer spannende Romane, Erzählungen re. fortsetzungsweise zum Abdruck.

An Gratisbeilagen erhalten unsre Abonnenten jede Woche ein Illustriertes Sonntagsblatt" und alle {4 Tage eine ausgezeichnete Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage."

Anfang Mai und Oktober je einen Auszug aus dem Lifenbahn-Fahrplan.

Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld bei freier Lieferung ins Haus 1,40 Mk., für auswärts durch die Post bezogen 1,60 Mk. ausschl. Bestellgeld vierteljährlich.

Probenummern werden auf Verlangen kostenfrei zugesandt.

Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein

Die Erpedition des Hersfelder Kreisblattes.

Amtlicher teil.

Herrseld, den 26. März 1909. Er ist vorgekommen, daß Personen den Namen und bat

Die ködere Macht.

Novelle von F. S u t a n.

(Nachdruck verboten.)

Sehr entzückt bin ich nun gerade nicht von dieser Be- suchSauSsicht! Eine junge Dame, die unterhalten sein will, auf Geselligkeit Ansprüche macht, soll auf Deine Einladung auf längere Zeit in unser HauS kommen? WaS soll da aus all meinen großen Plänen werden? Der Termin der PreiS- bewerbung um den monumentalen Brunnenbau in der Residenz rückt immer näher. Namen und Künstler werden schnell ver­gessen in unser schnellebigen Zeit, wenn man sich nicht oft in Erinnerung bringt. Wird mein Name nicht bald einmal wieder genannt, dann zähle ich auch nächstens zu den Ver­gessenen."

Eo seufzte und klagte Heinz Lehnert, der junge Bildhauer und steckte sich während dieser Worte eine Zigarette an. Da­bei blickte er mißmutig auf Marianne, seine junge Gattin, welche mit einem eigenen forschenden Ausdruck ihrer schönen blauen Augen zu ihm aussah. Dieser Durst nach Ruhm und dabei keine Ausdauer, keine alles bezwingende Begeisterung bei ihrem Gatten kam der jungen Frau wie ein krankhafter Ehr­geiz vor.

Seit ihrer Verheiratung vor nun beinahe zwei Jahren hatte er noch nichts Großes wieder in seiner Kunst geleistet und sich nur mit großen Plänen getragen, ohne ordentlich zu arbeiten.

Die junge Frau war über diesen Zustand bei ihrem Manne sehr unglücklich, und bisweilen hatte sie den bösen Gedanken, daß die Heirat bei genialen Bildhauer» mit ihr feinen hohen Künstlerflug gehemmt habe und sie sagte sich oft in diesem irrenden bösen Gedanken:Du bist trotz deiner großen Liebe zu Heinz nicht die rechte Künstlersrau; e» fehlt dir daS rechte Verstehen für seine große Absichten, du ver­magst nicht vollständig aus seine Kunstideen einzugehen.

Diese Gedanken waren so trostlos, so niederschlagend

Werk der Kinderheilanstalt zu Bad Gooden a. d. W. dadurch mißbrauchen, daß sie sich all Kollektanten der Anstalt auSgeben um Gaben einzusammeln, die sie dann für sich ver­wenden.

Die Anstalt selbst unterhält keine Kollektanten und erhebt auch keine Kollekten.

Die Kreireingesessenen werden vor diesen Kollektenschwindlern gewarnt.

Die Ortrpolizeibehörden und die Königliche Gendarmerie der Kreise» ersuche ich, ihr besondere» Augenmerk daraus zu legen und dafür zu sorgen, daß alle etwa betroffenen Kollek­tanten zur Anzeige gebracht werden.

I. 3225. Der Königliche Landrat.

I. B.: Fellinger, Regierung»-Reserendar.

HerSfeld, den 26. März 1909.

Diejenigen Herren Bürgermeister, welche mit der Ein­sendung de» Gemeindevoranschlag» für da» Rechnungsjahr 1909/10 noch im Rückstand« sind, werden hieran nochmals erinnert.

Ich sehe der Vorlage desselben nunmehr bestimmt innerhalb 8 Tagen entgegen, eventuell ist, soweit noch nicht geschehen, Fristbericht zu erstatten.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

A. 1662. H. I. V.: Fellinger,

RegierungS-Referendar.

Nichtamtlicher teil.

Stern 1. April

Zwar ist der Geburtstag BitmarckS, deS ersten Kanzler» de» neuerstandenen Deutschen Reiche», nicht im Sinne de» Geburtstage» Seiner Majestät ein nationaler Festtag, denn ihm fehlte und fehlt da» äußere Gepräge. Dennoch ist und bleibt eS unbestritten, daß da» gesamte deutsche Volk diesen Tag in seinem Herzen gefeiert hat, daß e» ihn trotz mancherlei Gegenströmungen feiern wird, so lange da» Werk de» großen Kanzlers, da» einige Deutsche Reich, grünt und blüht. Was ist BiSmarck dem deutschen Volke, wa» ist er dem Vaterlande gewesen, und wie unendlich viel hat er beiden ge­geben !

AlS im Jahre 1848 der revolutionäre Sturm auch über Preußen brauste und die Säulen bei Staate» niederzureißen drohte, da war eS BiSmarck, der daS schwankende Königtum zu erhalten wußte und wenn heute der monarchische Gedanke im deutschen Volke fortlebt, wenn wir immer mehr zu der richtigen Erkenntnis kommen, daß unsere Kraft und Stärke allein in der Erhaltung einer festgefügten Monarchie liegt, so ist eS nur richtig, wenn wir hierin ein Werk BitmarckS

für die junge Frau, daß bei ihr der Entschluß gereift war, die Jugendfreundin Gabriele Hagen einzuladen.

Gabriele Hagen besaß die Gabe bei Eingehen» auf die Gedanken anderer Menschen. Dabei hatte sie jene» geistig an­regende hinreißmde Wesen universeller Geister. E» ging eine belebende Krast von ihr au». Schon all sie noch auf der Schulbank saß, war ei so gewesen. Stet» gab fir den Ton an in den Mädchengesellschaften, hatte immer neue Einfälle, und wo sie nicht war, ging el oft wie ein Zug der Lange­weile durch die Mädchenschar. Bald nach der Schulzeit hatte Gabriele die Heimat verlaffen, um sich ein wenig in der Welt umzuschen, wie sie sagte. Sie war verwaist, dabei reich und unabhängig und konnte e» sich leisten, die ganze Welt in Be­gleitung einer rüstigen Tante zu bereisen. Als die Freundin Hochzeit machte, hatte sie aul Rom ihre Grüße gesandt. Nun aber schien sie etwas reisemüde zu sein, sonst hätte sie wohl kaum die Einladung der jungen Künstlersrau ange­nommen.

Lerne Gabriele Hagen nur erst kennen", sagte diese jetzt zu ihrem Mann,wer weiß, ob Du e» nicht noch beklagst, wenn sie wieder abreist."

Schwerlich", brummte Lehnert.Ich kann sie mir leb- hast vorstellen diese junge Weltenbummlerin, nervös, blasiert und anspruchsvoll im höchsten Grade. Stelle nur den Echaukelstuhl mit Kissen versehen hier aus die Veranda, da wird sie dann stundenlang in wohlaurstudicrter berechnender Haltung liegen, die weißen wohlgepflegten Hände lässig im Schoß liegend, denn Handarbeiten machen ja derartige Damen nicht. Mit müdem, gelangweilten Blicken wird sie auf unser bißchen Gegend, den Fluß und die Hügelreihe hinüberstarren, alle» namenlos triste und armselig finden, wo sie so viel Weltschönheit schon schauen durste. Diese modernen, über­sättigten, nervösen Geschöpfe sind eine wahre Plage unserer Zeit, nie hätte ich ein solche» zur Gattin erwählt. Gott sei Dank, daß Du frische» natürliche» Landkind keinen Schimmer davon hast", wandte sich Lehnert jetzt freundlich zu seiner Frau,auch ich werde dem Schicksal ewig dankbar sein, daß er mich damals direkt au» der Residenz in Deine Wald- Heimat führte. Der grüne Wald, du mein Waldröschen und

sehen, daS auch heute, 10 Jahre nach seinem Tode, noch in unS lebt und wirft.

AlS aber daS monarchische Bewußtsein immer tieferen Boden gewann, da waren eS wahrscheinlich nicht die schlechtesten, die von einer deutschen Einheit unter Führung Preußen» träumten. Der staattmännische BiSmarck mit feinem Adlerblick hielt die Zeit indes noch nicht gekommen, denn noch war Preußen nicht stark genug, um an die Spitze Deutsch- landS zu treten; war doch biet Ziel nur durch den Schwert- schlag zu erreichen, gehörte doch dazu ein stärket Heer. Dat mußte erst geschaffen werden, und all der damalige König, spätere Kaiser Wilhelm I., BiSmarck mit der Führung seiner Regierung betraute, da setzte letzterer entgegen der parlamen- tarischen Weigerung die von dem König für dringend nötig befundene Umgestaltung de» Heere» durch. Dann folgte da» Jahr 1866, da» freilich durch den Bruderkrieg, aber doch in eiserner Notwendigkeit Preußen zum Herrn in Nord- deutschland machte und die Einigung Deutschlands vorbereitete, da die Süddeutschen sich allmählich von der Zweckmäßigkeit der Polittk BitmarckS überzeugten. So fand Frankreich bei der Kriegserklärung im Jahre 1870 die deutschen Staaten schon geeinigt, und BitmarckS Weck empfing am 18. Januar 1871 im Schlöffe von Versailles die Krone, König Wilhelm wurde Deutscher Kai,:r.

Welch ein außergewöhnlicher Scharfblick gehörte dazu, um diesen Weg zu erkennen, und welch eine sittliche Kraft, welch eine Entschlossenheit,? ja welch eine eiserne Stärke gehörte dazu, ihn zu betreten und auf ihm trotz der mancherlei schweren Hindernisse zu beirren! Wenn wir unS da» alle» vcr- gegenwärtigen, wa» dieser eine Mann in seiner umfassenden Liebe zum Vaterlande vollbracht hat, so können wir nicht aufhören, ihn zu bewundern und ihm in heißer, muhet neuer Dankbarkeit ein ehrende» Andenken zu bewahren und im Volke zu erhalten.

So wollen wir dmn am 1. April geloben, allezeit da» Unsrige zu tun, um den Wunsch, dem Fürst Bülow bei der Enthüllung bei Birmarckoenkmal» in Berlin im Jahre 1901 Ausdruck verlieh, seiner Erfüllung näher und näher zu bringen, den Wunsch:So möge denn bei großen Mannes Name all Steuersäule vor unserm Volke herziehen in guten und bösen Tagen. Möge sein Geist für immer mit unS fein, mit uns und unserer Fahne Flug. Möge unser deutscheS Volk seiner hohen Zukunft in Frieden und Freiheit, in Wohl­fahrt und Stärke entgegengehen unter Führung bei glorreichen HohenzollernhauseS, auf dessen Schultern die Zukunft der Nation ruht."

Urft Mv 8ttr Hit aMrtize Sogt.

Im Reichstage gab der Reichskanzler Fürst Bülow bei der zweiten Beratung des Etat» bei Auswärtigen Amt» in großzügiger Rede einen Ueberblick über die auswärtige Politik. Er ging auS von dem Besuche deS englischen Königtpaare»

der Ozon, der Walderdust und Waldetsrieden, wie mich alles anmutete nach dem heißen Odem, den die Großstadt au»- strömt. Die hastende Großstadtmenschheit, die koketten blassen Frauen, die blasierten Männer, der Tanz um da» goldene Kalb, alle» war mir aus einmal dort zuwider. Da kam denn zur rechten Zeit die Aufforderung Deiner Vetter», ihn nach Eurer Waldeinsamkeit zu begleiten und ich sand Dich, mein liebes Weib."

Ja, ja, so kam ei!" sagte Marianne mit leiser Stimme.

Ihre frische Jugend, ihre Natürlichkeit, der Zauber bei WaldcS, der Kontrast mit der Großstadt, alle» das hatte ihn ihr zugeführt. AnsangS glaubte sie, nur die Liebe fei eS ge­wesen, jetzt sah sie jedoch klarer. Aber er ist ein Künstler, man darf ihn nicht mit demselben Maßstab messen, wie andere gewöhnliche Sterbliche, sagte sich Marianne fast jeden Tag und suchte sich mit dem Schicksale an seiner Seite besten! abzufinden, denn sie liebte ihn von ganzem Herzen.

Ach, und wäre ei auch nur eine Künstlerlanne gewesen, die ihn dazu bestimmt, sie zu seiner Gattin zu machen, glück­lich hatte er sie damal» doch gemacht. Liebe ist allein Glück und sie liebte ihn. Sie glaubte auch noch fest an seine Gegenliebe, denn sie war so namenlos glücklich, daß dieser Glück wohl auch jene Stunden de» Zweifels an seiner Gegen- liebe auszuheben vermochte.

Ist sie eigentlich hübsch, diese Gabriele?" fragte ihr Mann j'tzt plötzlich.

Hübsch, nein da» kann man nicht sagen. 811 Kind und all ganz junge» Mädchen war sie ek wenigsten» nicht und ei ist nicht gerade anzunehmen, daß sie sich in den letzten Jahren sehr verschönt hat."

Wer weiß, ob Du sie dann eingeladen hättest, wenn sie hübsch, oder gar schön wäre, daS könnte ja für meine Künstleraugen, für meine Herzensruhe gesährlich werden", spöttelte er.

So wenig sollte ich Dir trauen ?" sagte Marianne ruhig.

Ja, wir Männer und besonders wir Künstler find