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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bejugspreis beträgt sürHersseld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, m

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein- gespaltenen Stile lopfg., im amtlichen teilt 20 Psg. Reklamen die Seile 25 pfg. Bei Wiederholungen ein entsprechender Rabatt gewährt.*»^*»«

Herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 38.

Dienstag, den 30. März

1909.

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auf das

RersfcMer Kreisblatt

DasHersfelder Areisblatt", amtliches Organ des Areises Hersfeld ausgestattet mit Publikationskraft bringt außer den

amtlichen Bekanntmachungen alles wissenswerte über

Politik des In- und Auslandes.

Nachrichten aus der Stadt, dem Kreise und der Provinz, vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.

Ferner gelangen in jeder Nummer spannende Romane, Erzählungen ic. fortsetzungsweise jum Abdruck.

An Gratisbeilagen erhalten unsre Abonnenten jede Woche ein Illustriertes Sonntagsblatt" und alle (4 Tage eine ausgezeichnete Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage." Anfang IRai und Oktober je einen

Auszug aus dem Eisenbahn-Fahrplan.

Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld bei freier Lieferung ins Haus 1,40 Mk., für auswärts durch die Post bezogen 1,60 Mk. ausschl. Bestellgeld vierteljährlich.

Probenummern werden auf Verlangen kostenfrei zugesandt.

Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein

Die Expedition des Hersfelder Kreisblattes.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 26. März 1909.

Die Herren Vorsitzenden der Schulvorstände bezw. Vor­

Eies Schuld.

Erzählung von Elfe Krasst.

(Schluß.)

LiSbeth lief wie ein gehetzter Wild an Bernd vorbei, die Treppe hinauf und in ihr Zimmer. Zuerst sah sie sich um, alS müßte sie sich erst besinnen, wo sie war. Dann nahm sie plötzlich Hut und Mantel, schluchzte ein paarmal aus und schlich im Dämmerschein deS sinkenden Märztage» die Treppe hinunter.

Sie lief durch den Garten, durch die Hintere Pforte auf die Straße und dachte:Bernd ist viel schlechter als Papa! Und Mama auch. Und Do und Hans und alle, alle sind sie schlecht, und keiner ist da auf der weiten Welt, der mich versteht. Sie haben kein Herz. Zuerst die Leute, was die fremden Leute sagen. Kein gutes Wort für meine große Qual, kein bißchen Liebe für meine große Sehnsucht: nein, nein, sie können nicht gut sein, wenn sie nicht begreifen, daß ich ei tun mußte für Papa!"

War nun?

LiSbeth blickte sich verstört um. Nur nicht mehr zurück zu Mama und Bernd! Nur nicht mehr ihn Wieder­sehen, den sie haßte, seitdem er sie so brutal am Arm ge­nommen nur um Angst um seinen Namen oder seinen guten

Da drüben hielt ein Wagen der elektrischen Straßen­bahn.

BremenHorn" stand daraus.

Wenn sie eine Stunde suhr und dann von Horn nach Lilienthal zu Fuß laufen würde, o, sie kennt den Weg ganz genau I

WaS wohl Tante Senfen zu ihr sagen würde? Ob die alte Frau sich wohl freute? Ob sie wohl trotz der vielen Jahre, in denen Mama verboten hatte, mit den Verwandten auf Lilienthal zu verkehren, ebenso herzlich die Nichte bei sich ausnehmen würde, ihr ebenso mütterlich daS Gesicht streicheln würde, wie damals der kleinen, wilden Lie?

steher der Gefamtfchulverbände deS Kreiset verfehle ich nicht daraus aufmerksam zu machen, daß über die Einnahmen und Ausgaben deS Schulverbandes sür'S Rech­nungsjahr 1. April 1908/9 bezw. für die Folge stets eine b e- s andere Rechnung auszustellen und mit der Gemeinde- Rechnung für'« betreffende Rechnungsjahr jedesmal zur Prüfung zugleich vorzulegen ist.

In der Gemeinde-Rechnung sind für die Folge bei Einzel- fchulverbänden nur die G e f a m t - Ei n n a h m e bzw. Aus­gabe des Schulverbandes bei Gemeinden, die zu einem Gesamtschulverband gehören, nur die auf sie entfallenen An­teile an den Aufwendungen für die Schule der Verbandes nachzuweisen.

Die Rechnung ist von dem Raffen- und RechnungSführer der zuständigen Gemeinde bezw. deS GesamtschulverbandeS nach dem vorgeschriebenen Formular in zweifacher Aus­fertigung auszustellen und nebst den zugehörigen Belägen bis spätestens den L. Juli j. Js. zur Prüfung vorzulegen.

Die zur Ausstellung der Rechnung vorgeschriebenen Formu­lare sind in der Ludwig Funkischen Buchdruckerei hier käuflich zu haben.

I. I. 3229. Der Königliche Landrat.

I. B.: FelIinger,

RegierungS-Reserendar.

HerSfeld, den 15. Mai 1908.

Im Interesse einer gründlichen NahrungSmittelkontrolle weise ich die Ortspolizeibehörden an, den Verkehr mit Honig genau zu beachten. SS hat sich herauSgeftellt, daß daS Publikum sehr leicht und oft durch minderwertige, verfälschte und nachgemachte Erzeugnisse geschädigt wird. Falls Kunst­honig verkauft wird, so ist darauf zu achten, daß derselbe in unzweideutiger Weise alS solcher im Handel erkennbar ist. Der niedrige Preis allein genügt hier nicht, vielmehr müssen Aufschrift und Inhalt der Anpreisung zweifelsfrei die Art deS Honig» erkennen lassen. Besondere Aufmerksamkeit ist den herumziehenden Händlern in dieser Beziehung zu schenken. Bei etwaiger Probeentnahme ist die Person desselben gleich so genau festzustellen, daß beim Nachweis einer strafbaren Handlung die Strafverfolgung eintreten kann.

I. 2994. Der Königliche Landrat.

I. V.: Frllinger,

RegierungS-Reserendar.

Niederaula, den 18. März 1909.

Im HoSpitale zu Niederaula sind zur Zeit folgende Pfründen frei:

1. eine Pfründe der Klasse A, umfassend freie Wohnung (2 Stuben, 1 Kammer, Küche, Zubehör), 60 Mark JahreS-Rente, Gartenanteil. Einkaufsgeld 600 Mark. Offen für ältere», alleinstehende» Ehepaar oder Einzel­person.

2. 6 Pfründen der Klaffe E, umfassend freie Wohnung,

Und Heinz?

Wieder fühlte LiSbeth daS Blut so schnell und heiß in Stirn und Wangen fließen, alS sie an den blonden Vetter dachte.

Er hatte schon all Knabe so viel Aehnlichkeit mit Papa gehabt. Nicht dunkel, wie der eigene Vater, nicht die braunen Augen Onkel JensenS hatte er geerbt. Blond, blauäugig, schlank und groß, genau wie seiner Mutter Bruder sah er auS.

Damals, alS Do erzählte, daß sie die Verwandten getroffen, war schon diese dunkle Sehnsucht in LiSbeth ge- Wesen.

Tante Senfen Wiedersehen, Heinz, die Heide um den Hos herum und den Garten, den alten lieben Gatten, in dem Etrauchobst und Blumen wild durcheinander wuchsen!

Ob Heinz wohl noch ebenso scheu und wortkarg wir all Knabe war?

Sie wußte r» noch ganz genau: einmal hatte sie ihn in ihrem kindlichen Ungestüm beim Kopf genommen und ein paar­mal herzhaft aus den Mund geküßt.

Herrje, war der Vetter erschrocken! Dunkelrot, mit fliegendem Atem hatte er sie zuerst zurückgestoßen, um sie im nächsten Moment desto wilder in dir Arme zu nehmen.

Lie süße Lie!"

LiSbeth schrak in ihren Erinnerungen jäh zusammen.

Der Wagen, in den sie blindlings hineingestiegen war, hielt am Endziel, draußen über der Heide begann ei Abend zu werden, und sie mußte noch eine gute halbe Stunde querfelbein laufen, ehe sie an Tante JensenS Hau- war.

In plötzlicher Furcht vor dem Ungewissen lief sie vor­wärts. Sie kannte den Weg. Und doch, sie fürchtete sich. Nicht vor den beginnenden Abendschatten, die da von allen Seiten aus Baum und Busch emporstiegen, nicht vor den Nebeln über der Heide, die wie tanzende Frühling-elfen au-- fahen, nein, sie fürchtete sich Plötzlich vor sich selber, vor ihrer großen Schuld.

War ei eine Schuld? Hätte sie bai wirklich nicht dürfen,

36 Mark JahreSrente, Gartenanteil, freie ärztliche Be- Handlung und Arznei und, sobald erforderlich, freie Pflege aus Lebenszeit. Ohne EinkaufSgeld. Offen für arme, alleinstehende Personen.

Bedingungen für alle Pfründner:

a. Wohnsitz bisher in den Landgemeinden deS Kreise» HerSfeld,

b. evangelische Tonfession,

c. Alter mindesten» 45 Jahre.

Bewerbungen sind zu richten an den Vorstand deS Hos­pitals zu Niederaula.

Der Vorsitzende bei Vorstandes deS HoSpitalS in Niederaula.

I. B.: gez. Schröder, Pfarrer.

* * *

HerSfeld, den 23. März 1909.

Vorstehende Bekanntmachung deS Vorstandes bei HoS­pitalS in Niederaula wird veröffentlicht.

Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden bei hiesigen KreifeS haben etwa in Betracht kommende Personen auf, sie aufmerksam zu machen.

I. H. 12. Der Königliche Landrat.

I. V.: F e l I i n g e r,

RegierungS-Reserendar.

Reichstag.

Der Reichstag erledigte am Freitag in Fortsetzung der EtatSberatung zunächst die an die Budgetkommission zurück» gewiesenen Titel bei Etats bei ReichSamteS bei Inneren, bei Militäretats und bei Postetot», sie wurden sämtlich in der Kommission-fassung fast debattelo- genehmigt. In wenig be­merkenswerter Diskussion wurden hierauf die EtatS deS all­gemeinen Pension-fond- und deS ReichSinvalidenfondS nach ben Borschlägen der Budgetkommission angenommen, woraus der Reichstag noch den Resolutionen der Budgetkommission zu der vom BundeSrat aufgestellten neuen Fassung über die Grundsätze für die Besetzung von mittleren Beamtenstellen und mit Unterbeamtenstellen bei den Reichs- und Staatsbehörden und den Gemeindeverwaltungen mit Militäranwärtern zu» stimmte. In der hierauf folgenden zweiten Lesung bei Gesetz­entwurfes über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen gelangten sämtliche Paragraphen der Vorlagen in der Fassung der Kommission unter Ablehnung aller AbänderungSanträge zur Annahme. Auch die verschiedenen von der Kommission bean­tragten Resolutionen zu diesem Gesetzentwurf«, von denen eine daS Wett- und Dauerfahren von Automobilen auf öffentlichen Wegen und Plätzen künftig verboten wissen will, wurden ge­nehmigt. Am Sonnabend erledigte der Reichstag die Etats für Kiautfchau und die ostasiatijche Expedition und daS Auto- mobilgesetz in dritter Lesung.

Die durch da» bekannte Vorgehen bei konservativen Ab­geordneten v. Normann ausgedeckte Rrifii im konservativ-

der Mutter heimlich das Geld sottnehmen, um ei Papa zu geben ?

Sie hatte geglaubt, bai Geld gehörte ihr! Aber Mama und Bernd waren doch gewesen, als hätte sie ein Verbrechen begangen!

LiSbeth schüttelte sich plötzlich, alS sie an ihr Zuhause dachte. Nie mehr zurück, nie mehr Bernd sehen, der so häßlich schreien und sie so roh an den Schüttern schütteln kann mit den seinen, wohlgepflegten Händen! Wenn Tante Jensen und Heinz sie nicht bei sich behalten wollen, wenn sie auch sagen:Pfui, LiSbeth, wie konntest du nur?" dann weiß sie ganz genau, daß sie schlecht war. Dann will sie auch nicht länger leben . . .

LiSbeth weint plötzlich. Sie läuft schluchzend weiter nnd weiter, sie stolpert über den dunkeln Weg, sie zerreißt sich daS Kleid am Gestrüpp und Dorn, aber sie fürchtet sich nicht mehr.

Sie sieht ein Licht vor sich, und noch ein-, und da seitwärts an den großen Buchenstämmen neben der Hof­mauer wieder eins. Und ihr ist, als müsse sie lachen und weinen vor lauter Seligkeit, diese Bäume, diese Mauer wieder» zusehen.

Wie oft stand sie alS Kind mit Papa dort! Wie oft hatte dort in jenem Hause Tante Senfen ihr heimlich einen Riß im Kleide wieder zugestopft, damit Mama nicht böse wurde!

Mama war immer so streng! Aber Tante Jensen lachte immer und sagte:Tobt, Kinder, seid lustig und geht brauflo* in der schönen Wett! Wer weiß, ob ihr später noch so lache« könnt!"

Nun steht LiSbeth am Hostor. Ein Hundebellen wurde hörbar.

TyraS", denkt sie freudig erschrocken,bai ist TyraS. Do hat sich früher immer vor ihm gefürchtet, Do hat er auch einmal in den Fuß gebissen, und an mir ist er hochge­sprungen, so hoch vor Freude."

Sie kann aber nicht weiterbenten. Die Tür vor ihr geht aus, ehe sie daran gerüttelt. Im Dunkel steht jemand vor