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machen werde. Die konservative Partei wäre bereit, etwa 400 Millionen indirekte Steuern zu bewilligen und etwaige fehlende Beträge sollten durch Matrikularumlagen aufgebracht werden. Unter keinen Umständen würden die Konservativen einer Besitzsteuer oder einer Nachlaß- und Erbschaftssteuer zu. stimmen. Der konservative Führer, der diese folgenschwere Erklärung abgegeben hat, ist Herr v. Normann, und er hat bei seiner Erklärung in Abrede gestellt, daß sie eine Kündigung der Blockpolitik bedeute, denn für nationale Zwecke könne der Block ja noch bestehen bleiben. Die Reichsfinanzresorm ist aber doch auch im hohen Maße eine nationale Ausgabe, und es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die nationalliberale Partei diese Haltung der Konservativen als eine Kündigung der Blockpolitik angesehen wissen will. Der freisinnigen Partei und der Zentrumspartei ist übrigens von der konservativen Partei die gleiche Erklärung übermittelt worden. Man muß diese Haltung der Konservativen in hohem Maße im Interesse einer nationalen Politik bedauern, denn die Reichsfinanzresorm wollen auch die übrigen Blockparteien, sie wollen aber diese dringende Finanzreform mit solchen Mitteln durchsetzen, die sie für gerecht und billig halten und wollen nicht das Volk mit einer ungeheuerlich großen neuen indirekten Steuer belasten. Er kommt dazu, daß die Einführung einer ReichSerbschajts- stener als eine durchaus gerechte Belastung des größeren Be­sitzer allgemein im deutschen Volke immer mehr gewünscht wird, und daß auch die größten Autoritäten der National­ökonomie und deS Recht-wesen- die Einführung der Erbschafts­steuer für durchaus zweckmäßig erachten. Man darf auch nicht vergesten, daß die ReichSregierung selbst die Einführung einer Nachlaß- oder Erbschaftssteuer wünscht. Nach der ganzen Haltung der konservativen Partei soll aber die Reichsfinanz­resorm nur nach ihrem Rezepte und unter Ausschluß der Be­steuerung des größeren Besitze- erfolgen. Praktisch betrachtet, können aber die Konservativen jetzt nur mit der Zentrumspartei noch eine Mehrheit für die Reichsfinanzresorm bilden, und man darf nur begierig sein, war für Vorschläge der Regierung be- züglich der Reichsfinanzresorm gemacht werden! Soll nun der nationale Ring, der mühsam bei den letzten ReichstagS- wahlrn für den Reichstag durch die Bildung des Blocks er­rungen worden ist, ohne weitere- wieder zersprengt werden! ? Der Reich-kanzler selbst hat doch die Bildung einer Reichs­tag-mehrheit in diesem Sinne gewünscht und eine Abhängig­keit der Regierungsvorlagen von der Zustimmung der Zentrums­partei für höchst gefährlich und bedenklich erachtet. Man steht der neuesten parteipolitischen Entwickelung im deutschen Reichs­tage gegenüber wie vor einer Ucberraschung und einem Ver- hängnifse, denn viel Gutes kann dem Deutschen Reiche doch wahrhaftig nicht daraus entstehen, wenn plötzlich die Reichs- tagSmehrheit, aus die sich die Regierung stützen wollte und sollte, in die Brüche geht und schließlich die alte parlamentarische Misere wieder eintritt. Man darf auf die Haltung des Reichs­kanzler- in dieser kritischen Frage gespannt sein.

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Die kritische Zuspitzung der innerpolitischen Lage hat der Regierung Veranlassung gegeben, ihren Standpunkt in der Reichsfinanzresorm noch einmal klarzustellen. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung bringt in ihrer heutigen Nummer folgende halbamtliche Erklärung:

Die Preste ergeht sich in Vermutungen über die Stellung der Verbündeten Regierungen zu den die Reichsfinanzresorm betreffenden Beschlüffen der Reichstag-kommission. Hierzu be­merken wir folgendes: Die Regierungen hFtsn daran fest, daß der Bedarf an neuen Einnahmen nicht ritt durch die Be- steuerung von Genußmitteln, die dem Mc, enverbrauch unter­liegen, sondern auch durch eine allgemeine Belastung deS Be­sitzes aufgebracht werde. Sie lehnen es ab, diese Besitzbelastung in der Hauptsache durch Matrikularbeiträge oder sonst in einer Weise geschehen zu lassen, welche die für die eigenen Aufgaben der Bundesstaaten unentbehrlichen Steuerquellen (Einkommen­steuer, Vermögenssteuer) angreist. In der Erweiterung der Erbschaftssteuer erblicken sie nach wie vor die zweckmäßige Form der Besitzbelastung. Sie vertrauten daraus, daß es gelingen wird, aus der Grundlage ihre- Programms in gemeinsamer Arbeit mit dem Reichstage der Finanznot des Reiches ohne Zeitverlust Abhilfe zu schaffen.

Kronprinz Georgs Verzicht auf die Thronfolge.

Belgrad, 25. März. Kronprinz Georg hat in einem Schreiben an den Ministerpräsidenten auf die T h r o n s o l g e verzichtet. Ueber die Motive zu diesen Schritt wird be» kannt, daß der Kronprinz durch die heftigen Angriffe einiger serbischer Blätter gegen seine Person wegen der Todes seines Diener- Kolakowitsch sich veranlaßt sah, durch diese Verzicht­leistung die Regierung von jeder Rücksichtnahme auf seine Person zu entbinden. Heute nachmittag wird der Ministerrat über die weitere Behandlung diese- Aktes des Kronprinzen die Entscheidung fällen.

ES mag sein, daß der jugendliche Kronprinz seinen unge- wöhnlichen Schritt mit den Vorgängen in seinem Anklcide- Zimmer begründet. Daß jedoch in ruhigen Zeiten die Miß­handlung eines Dieners den Erben der serbischen Krone nicht zu so weitgehenden Entschlüssen bestimmt hätte, dars man bei allem, war über die Gemüt-art dieses hoffnungsvollen König-sohne- bisher bekannt geworden ist, wohl ohne weitere- vorauSsetzen. Im Zusammenhänge mit der kritischen Lage, in der daS Land sich zurzeit befindet, gewinnt die Abdankung der Kronprinzen unzweijelhast eine große internationale Be­deutung. Einen stärkeren Beweis ihrer Friedensliebe konnten König Peter und seine obersten Ratgeber allerdings nicht liefem, alr daß sie daS anerkannte Haupt der Krieg-partei mit kräftiger Hand unschädlich machten. Dieser ganze Szrnenwechsel kommt fast zu überraschend, alS daß man den Nachrichten unbedingten Glauben schenken möchte. Weiter- gehende Gerüchte missen sogar bereits von einer Flucht beS Kronprinzen aus der serbischen Hauptstadt zu berichten.

WaS die allgemeine Balkanlage selbst anbetrifft, so dauert die Ungewißheit noch immer an. Die Verhandlungen zwischen dem englischen Botschafter in Wien und Freiherm von Aehrenthal werden zur Stunde noch fortgesetzt, ob sie aber zu einem Resultat führen, ist auch jetzt noch ungewiß. Immer- hin liegen heute, infolge deS russischen Einlenkens, Anzeichen einer Besserung der Lage vor. Auch in Wien scheint sich zetzt größere Zuversicht Bahn brechen zu wollen.

Aus ]n- und Ausland,

~ <n> U X A°E"' den 25. März 1909.

, ®e- f Rats er nahm heute vormittag

im Neuen V^lais bet Potsdam die Vorträge deS Kriegs­ministers, Generals der Kavallerie von Einem, des ChesS deS Generalstab- der Armee, Generals der Infanterie von

Moltke, und der Chefs des Militärkabinetts, Generalleutnant- Frhrn. von Lyncker entgegen.

Die W i r k u n g d e S B o y k o t t S der P i l f e n e r Biere ist, wie dieAlldeutschen Blätter" erklären, eine außerordentlich starke. Es ist, so heißt eS dann weiter, ein erfreuliches Zeichen nationaler Empfindlichkeit im Reiche, daß der Boykott eine Aufnahme gesunden hat, die alSverheerend" für das tschechische Bier bezeichnet wird, ein Beweis gleichzeitig für die wachsende nationale Selbstzucht im Reiche. Neben der Tatsache, daß seit dem Boykott daS Bürgerliche Brauhaus und die Genossenschaft-brauerei eine Einbuße an Absatz zu verzeichnen haben, die sich um eine Million Kronen bewegen soll, wird als weitere Wirkung gerühmt, daß der tschechische Uebermut, als er gerade zu offenen Ausschreitungen übergehen wollte, rechtzeitig gedämpft wurde. Hoffentlich geht die Wir­kung weiter!

Trotz des Ernste- der auswärtigen Lage kam eS am gestrigen katholischen Feiertage in Prag abermals zu Aus­schreitungen der Tschechen. Anläßlich deS Feier- tages war der obere Teil des Wenzelplotzes schon kurz nach 10 Uhr von einer nach Tausenden zählenden Menge angesüllt. Von deutschen Studenten waren etwa 20 Farbentragende an­wesend. Die Polizei hatte umfassende Vorsichtsmaßregeln ge- troffen. 250 Mann zu Fuß und 50 zu Pferde sorgten für Aufrechterhaltung der Ordnung. Um HV2 Uhr, nachdem sich die meisten Studenten entfernt und nur noch drei zurück­geblieben waren, kamen auk ihrer Versammlung Tausende von Klofathsianern. Sobald sie der Studenten ansichtig wurden, begannen sie zu pfeifen und zu brüllen und umzingelten die Studenten. Diese gerieten in große Gefahr, aber auch die Wache wurde arg bedrängt und mußte die Säbel ziehen. Da die Situation immer bedrohlicher wurde, rückte Gendarmerie an und nahm mit den berittenen Polizisten die Räumung des Platzes vor. Am Kaiser-Franz-Joses-Bahnhos wurde die Wache mit Steinen bombardiert, doch konnten die Exzedenten überall ohne ernstere Zwischenfälle zerstreut werden.

Inder gestrigen Sitzung des englischen Unter­hauses verlas Premierminister Asquith unter lautem Beifall beS Häuser ein Telegramm der Regierung von Neuseeland, in dem diese sich erbietet, die Kosten für den sofortigen Bau und die Bewaffnung eines Schlachtschiffes erster Klasse vom letzten Typ durch die englische Regierung zu tragen, wenn spätere Ereignisse es notwendig erscheinen ließen, auch die für ein zweites Schlachtschiff desselben Typs. Die Antwort der englischen Regierung, die von Asquith ebenfalls verlesen wurde, gibt der wärmsten Anerkennung und der Dankbarkeit für das patriotische und hochherzige Anerbieten Ausdruck.

Seit vielen Monaten hat sich der Gegensatz zwischen den Armeniern und den von den Franziskanern geleiteten römisch- katholischen Christen in Jerusalem immer mehr verschärft. Es war daher für den Kenner der Verhältnisse kaum ver­wunderlich, daß die traditionellen Kämpfe, die hier um baS Osterfest fast alljährlich zwischen den verschiedenen Konfessionen stattzufinden pflegen, diesmal besonders früh und heftig aus- gebrochen sind. Gestern kam es hier zu einem scharfen Zu­sammenstoß zwischen den Armeniern und Latinern, bei dem 100 Tote und Verwundete aus dem Kampfplätze blieben.

Zu den Revolutionswirren in Persien meldet Reuter- Bureau, daß in Teheran eine sehr ernst ge­haltene gemeinsame Note des russischen und englischen Ge­sandten überreicht worden ist, die gegen die barbarische KriegS- sührung Rakhim Khans protestieren, der unfähig fei, eine wirk­same Tätigkeit gegen TäbriS auszuüben, und der wehrlose Dörfer in der Nachbarschaft von Dschulsa plünderte. Beide Gesandtschaften verlangen sofortige direkte Befehle des Schahs an Rakhim Khan, dies Verfahren einzustellen. Die Wache des russischen Konsulats ist um 50 Kosaken verstärkt worden. Der Haupthasen PersienS Buschir ist dem Beispiel von Bender Abbas gefolgt und zu den Nationalisten übergegangen. In beiden Fällen erfolgte der Uebertritt ohne Kamps. Das Zoll- amt von Bender AbbaS ist von den Revolutionären besetzt; die Besetzung deS HauptzollamtS von Buschir wird erwartet. In der Nähe von Teheran ist ein furchtbarer politischer Massenmord verübt worden. Vier nationalistische Geistliche wurden aus dem Hinterhalt getötet, und die Volksstimme be­zeichnet Getreue des Schahs als Mörder.

Der eigenartige Streik der Post- und Tele­graphenbeamten in Paris und in verschiedenen sran- zösischen Provinzialstädten ist nunmehr dank der nachgiebigen Haltung der Clemenceauschen Regierung gegenüber den Streikenden wieder beendigt. Die Regierung hat sich in dieser Affäre nicht weniger als mit Ruhm bedeckt und ihr schwäch­licher Auftreten kann nur dazu dienen, daS Machtgefühl der Post- und Telegraphenangestellten zu stärken.

DaS ncugewählte italienische Parlament ist am Mittwoch vom König Viktor Emanuel mittels Thron­rede eröffnet worden. Die Thronrede verleiht zunächst den Dankgefühlcn des KönigS anläßlich der werktätigen Teilnahme der gesamten gebildeten Welt an der Erdbeben-Katastrophe von Messina Ausdruck, weist dann auf die des Parlamentes harrenden wichtigen sozialen und wirtschaftlichen Ausgaben hin, betont die Notwendigkeit der modernen Ausgestaltung des VolkSunterrichts und empfiehlt weiter die Entwickelung der Schlagfertigkeit von Heer und Flotte der besonderen Beachtung des Parlamentes. In ihrem von der auswärtigen Politik handelnden Passus hebt die Thronrede hervor, daß Italien treu am Dreibünde sesthalte und streift ganz flüchtig die kritische Balkanlage.

An der t ü r k i s ch - b u l g a r i s ch e n Grenze hat ein Zwischenfall stattgefunden, der nach den ersten Nach­richten hierüber in bedrohlichem Lichte erschien, denn eS war in ihnen von einem Kampfe zwischen türkischen und bulga­rischen Grenztruppen bei Dschumai-Rala die Rede. In einer weiteren Meldung wird zwar auch noch von einem Feuer- gesccht zwischen türkisch-bulgarischen Grenzposten gesprochen, doch zugleich erklärt, es fei auf die Festnahme bulgarischer Schmuggler durch die türkische Grenzwache zurückzuführen; der Zwischensall dürfte demnach keine weiteren Folgen zeitigen.

Die Macht deS Sultans M u l a y H a f i d steht auf un­sicherem Fundamente. Er ist jetzt genötigt, feine Hauptstadt Fez aufzugeben. AuS Fez wird gemeldet, daß die Vorbe­reitungen zur Abreise deS Sultans schon tüchtig vorgeschritten sind. Ein Teil deS Harems ist bereit- noch Rabat unterwegs. Die Einwohnerschaft erwartet die Abreise mit Ungeduld, um sich der Steuerlast endlich entledigen zu können. HafidS Be­fehl, besondere Nachtposten zur Sicherung gegen einen etwaigen Uebersall deS Roghi auSzustellen, wurde von mehreren Quartier- chesS der Stadt nicht befolgt. An die Spitze von Hafids Gegnern hat sich der au- Fez geflüchtcte Scheris El Kittani gestellt, der Führer der Revolte, die Abdul Asis stürzte. Hafid wollte den gefährlichen Mann zwangsweise mit sich nach Rabat sühren. El KittaniS Entweichen wird den Sultan vielleicht zum Verbleiben in Fez bestimmen.

Aus Provinz u. Nackbargebiel.

* (Fortfall d e S A n k u n f t S st e m p e l S bei Briefe n.) Nach einer Verfügung deS Reich-postamt- an sämtliche Postanstalten soll vom 1. April an der Ankunft-stempel auch bei den Briesen Wegfällen. Es gilt dies sowohl für ge- wöhnliche wie für eingeschriebene Briefe. Auf einen deut­lichen Abdruck des Ausgabestempels soll aber umso größere- Gewicht gelegt werden. Durch die Maßnahme wird nicht nur die Aushändigung beschleunigt, sondern auch der Dienst wird wesentlich vereinfacht. Mit dem Ankunftsstempel bedeckt werden dann nur noch Nachnahmesendungen und Postausträge wegen der bei diesen Sendungen wahrzunehmenden Frist.

* (Personal-Chronik.) Ernannt: die Rechts- anwälte Brunner in Arolscn, Heinemann in Corbach und Förster in Bad Wildlingen zu Notaren in den Fürstentümern Waldeck und Pyrmont, der RechtSkandidat Keck zum Referendar, der Hilsspsarrer Bierschenk zu Niederaula, Klasse Hersfeld, zum Pfarrer in Calden, Klasse Grcbenstein, der RegierungSsupernumcrar Liersch zum Kreissekretär bei dem Landratsamt in Ziegenhain, der Taubstummenlehrer Dr. phil. Richter zu Soest i. W. vom 1. Mai d. I. ab zum Direktor der Taubstummenanstalt in Homberg, der SekretariatshilsS- arbciter Mandler bei der Landeshauptkasse in Cassel zum Sekretär vom 1. April d. I. ab. Uebertragen: dem Regierungs- und Forstrat Hermes in Oppcln die Öbersörster- stclle Marburg vom 1. April d. I. ab. Versetzt: der Forstmeister v. Bismarck zu Marburg auf die Obersörsterstclle Nimkau, Reg.-Bez. BreSlau, der diätarische Meliorationsbau- wart Albrecht Jmmel beim Meliorationsbauamt zu Cassel zum 1. t'ipril d. J. an dasjenige zu Czarnitau, der Polizei­bureaudiätar Home von Aachen an die Polizeidirektion in Cassel unter Ernennung zum Polizeisekretär zum 1. April d. J. In den Ruhestand versetzt: der Direktor der Taubstummenanstalt in Homberg, Münscher, der Lander- Hauptkassenbuchhalter Wagner in Cassel und der Straßen- meister Kranz in Cassel, vom 1. Mai 1909 ab. Entlassen: der Referendar Freiherr von Minigenrode auf Antrag aus dem Justizdienst.

* (Neue Gewerbeinspektion in Hanau.) Am 1. April 1909 wird für den Regierungsbezirk Cassel eine neue Gewerbe-Inspektion mit dem Amtssitz in Hanau errichtet. Gleichzeitig werden die Bezirke der Gewerbeinspektionen beS Regierungsbezirks Cassel wie folgt abgegrenzt: 1. Gewerbe­inspektion in Cassel, umfassend den Stadt- und den Landkreis Cassel und die Streife Frankenberg, Fritzlar, Wolshagen, Hof- gcismar und Grafschaft Schaumburg. 2. Gewerbcinspektion in Fulda, umfassend die Streife Schlüchtern, GerSseld, Fulda, Hünfeld, Hersfeld, Ziegenhain und Herrschaft Schmalkalden.

3. Gewerbcinspektion in Eschwege umfassend die Streife Hom­berg, Weisungen, Witzenhausen, Eschwege und Rotenburg. 4. Gewerbcinspektion in Hanau, umfassend den Stadt- und Land­kreis Hanau und die Streife Gelnhausen, Marburg und Kirchhain.

) :( Hersfeld, 26. März. Herr Landrat von GruneliuS wurde zum Rittmeister der Reserve im 1. Garde-Dragoner-Regiment besördert.

) ( Hersfeld, 26. März. Die Bautätigkeit im Streife Hersfeld scheint in diesem Jahre eine überaus rege zu werden. AuS fast allen Gemeinden beS KreiseS liegen Bau- gesuche vor, deren Zahl bereits 1000 überschritten hat. Natür­lich befinden sich hierunter auch eine ganze Anzahl kleine^ Anbauten, Stallungen usw.

h Mengshausen, 25. März. Der Maurer Jakob GieS dahier fanb beim Ausschachten einer Grundstückes zwecks Neubau eines Hauses bis jetzt 20 Silbermünzen aus dem 16. Jahrhundert. Die Geldstücke, von denen einige die Größe eines FünfmarkstückeS haben, sind noch wohl erhalten und lassen deutlich Jahreszahl und Bildnis erkennen.

Hanau, 24. März. Der in einer Bijoutericsabrik bc- schästigte 2ljähriSe Hau-bursche Gregor Lang erhielt gestern den Auftrag, 800 M. bei einer Bank abzuheben und dem Geschäft abzuliefern. Im Besitze dieser Summe, meinte der junge Mensch jedenfalls, nunmehr ein KrösuS zu sein und verschwand damit. Die Polizei stellte alSbald, selbst in Frankfurt, Nachforschungen an, die aber bis jetzt resultatloS verliefen.

Rotenburg, 24. März. Von einer plötzlichen Ueber- schwemmung wurden gestern nachmittag kurz nach 3 Uhr die Nachbardörfer Atzelrode, MünderShaujen und daS Rittergut Wüstscld heimgesucht. Um diese Zeit ging an dieser Stelle ein wolkenbruchartiger Regen nieder, der die vorhandenen Schnee- massen schnell zum Schmelzen brächte. Im Verlaus einer halben Stunde standen die genannten Orte vollständig unter Wasser.

Rotenburg, 23. März. Der Schuhmachermeister und Gemeindeverordnete E. in dem nahen B. hatte die dortige Lehrerin Frl. T. auf der Straße angehalten und gröblich be­leidigt, weil dieselbe angeblich fein Kind in der Schule ungerecht behandelt haben sollte. DaS hiesige Schöffengericht diktierte ihm hierfür eine Strafe von 30 Mk. zu, außerdem hat er die Kosten deS Verfahrens zu tragen.

Sontra, 24. März. Vor einigen Tagen erlitt die Ehe­frau eines hiesigen Einwohners einen Unfall von Hexenschuß. Der besorgte Gatte befragte sich nun nach Heilmitteln. Von einem Nachbarn erfuhr er, daß die Krankheit durch Schreck zu vertreiben sei. Dies billige Mittel leuchteten dem Ehemann ein, und bald brächte er es auf seine Art zur Anwendung. Als sich die vom Schmerz geplagte Gattin allein im Zimmer befand, schlich er sich behutsam hinein und oerf etzte der Ahnungslosen einen heftigen Fußtritt gegen eine gewisse ab. gerundete Körperfläche. Sofort tat das Mittel seine Wirkung. Unter einem lauten Schrecken-ruf stürzte die Getroffene zusammen. Der Heilkünstler aber schmunzelte über den Erfolg AIS jedoch die am Boden liegende Gattin kein Leben-zeichen von sich gab, wurde ihm bang ums Herz. Seiner eigenen Kunst nicht mehr trauend, holte er schnell einen wirklichen Arzt herbei. Diesem gelang dann, die Aermste nach längerem Bemühen wieder zum Bewußtsein zu erwecken.

Pfieffe, 24. März. Von einem schweren Unglückksall wurde heute ein hiesiger landwirtschaftlicher Arbeit er betroffen. Der Mann war an einer abschüssigen Stelle der Straße, als er die Geschirre der Pferde zurecht rückte, unter die Räder seines eigenen WagenS geraten, die ihm über Brust und Leib gingen.

Langenselbold (Kr. Hanau), 24. März. EineMilch- pantscherei" hatte heute daS hiesige Schöffengericht abzuurteilen. Die Ehefrau Wilhelmine Pfeiffer auS Langenselbold hatte im Dezember v. J.Wasser, welcher mit Milch angesetzt" war, alS Vollmilch in den Handel gebracht. Die Milchmesser, die von den Beamten zur Milchkontrolle verwandt werden, ver­sagten angesichts dieser Leistung den Dienst, denn nicht weniger alS lOOo/o Wasserzusatz stellte der Gutachter fest. Dementsprechend fiel auch die Strafe aus. DaS Urteil lautete aus 150 M. Geldstrafe.