Weiter genehmigte das HauS, entsprechend einem konservativen Anträge, die Forderung sür da- Reitende Feldjäger-Korp-, welcher nach einem Vorschläge der Budgetkommission am 1. Oktober d. I. ausgehoben werden sollte; die Bewilligung erfolgte, nachdem Staatssekretär v. Schön dar lebhafte Interesse der Auswärtigen AmteS an der Erhaltung dieser militärischen Institution bekundet hatte. Im weiteren Verlause der Sitzung gelangten noch eine ganze Reihe anderer Positionen der Mili- tärctatS zur Erledigung, sie wurden vorwiegend nach den Kommission-beschlüssen genehmigt.
Aus der Tagesordnung der Dienstag-Sitzung derBudgetkom- mission deSReichStageS stand der Etat der Reichskanzlers. 8115 erster Reimer nimmt der nationalliberale Dr. Seniler daS Wort. Er kommt aus die Anfrage bezüglich der englischen Mitteilungen über die FlottenverständigungSversuche zurück, weist aber gleich daraus hin, daß nach den neuesten englischen Meldungen' der englische Premierminister sich anders ausgesprochen babe, als zuerst berichtet wurde, und daß schon nicht mehr von einem offiziellen Angebot die Rede ist, sondern daß eS sich nun in sehr wesentlich eingeschränkter Form nur noch um Anregungen handele. Er fragt, waS an diesen Meldungen richtig sei, und betont für seine Person und für seine Partei, daß unbedingt an dem gegenwärtigen Flotten- Programm festgehalten werden müsse. Eine andere Frage sei eS, zu erwägen, ob nicht, wenn man zu einem handelspolitischen Uebereintommen gelangt sei, etwas geschehen könne in bezug aus ein Hand-in-Handgchen mit England.
Staatssekretär Freiherr von Schön verliest nunmehr folgende Erklärung des Reichskanzlers:
Die englische Regierung habe keinen formellen Antrag an die deutsche Regierung bezüglich der Einschränkung der Flottenausgaben gestellt, sondern sei lediglich in unverbindlicher Weise, in anregender Form an die deutsche Regierung herangetreten. Es habe also nur ein unverbindlicher Meinungsaustausch stattgefunden. Dabei habe die deutsche Regierung die Meinung vertreten, daß daS deutsche Flottenbauprogramm lediglich dem Echutzbedürfnis des Deutschen Reiches entspreche und sich gegen reine bestimmte Macht richte. In der Er- klärung befindet sich ferner u. a. der Satz: Derartige Anträge werden von einer Macht nicht an eine anbere gestellt, wenn sie Gefahr laufen muß, daß die andere Seite sie ablehnt.
Abgeordnetenhaus.
Das preußische Abgeordnetenhaus beriet auch am Montag den Eisenbahnetat noch weiter, ohne indessen die Debatte hierüber am genannten Tage endlich zum Abschlüsse bringen zu können.
Ae $tr$iiim der WWdW im Srieot
Die politische Welt ist seit Wochen voller Befürchtungen über den Autbruch eines Weltkrieges wegen der Streitigkeiten im Orient und besonder- wegen des Konfliktes zwischen Oesterreich und Serbien, und dabei wird die ganze Lage durch täglich sich mehrende widerspruchsvolle Nachrichten nur noch mehr verdunkelt. So soll man in Belgrad jeden Augenblick den AuSbruch einer Revolution zur Beseitigung des Königs Peter und zugunsten der Erhebung der Kronprinzen Georg aus den serbischen Thron befürchten. So sollen ferner aus Rußland und Bulgarien schon massenhaft Freiwillige nach Serbien abgereist sein, um sich für die serbische Sache in die serbische Armee einreihen zu lassen. Dazwischen wird natürlicher- weise auch fortwährend von neuen Rüstungen Oesterreichs und Serbien» gesprochen und berichtet und dabei die Behauptung ausgestellt, daß gerade Serbien die Verschleppung der Entscheidung sehr angenehm sei, weil es inzwischen Zeit gewinne, noch mehr Mannschaften militärisch auSzubilden. Eine kinderische Art über die Vorbereitungen zu einem großen Kriege zu sprechen, ist wohl kaum möglich, denn einer Großmacht wie Oesterreich, die in wenigen Tagen Serbien mit 300 000 Mann angreifen kann und die serbische Hauptstadt Belgrad schon durch ihre Donaukriegsschiffe in Schach halten kann, wird man durch die rasche Ausbildung von noch einigen Tausend Serben für den Krieg wohl niemals- imponieren können. Irrtümlich und übertrieben sind auch alle Nachrichten über eine wesentliche Verschlimmerung der Lage, denn da es bis jetzt weder zu einer Kriegserklärung noch zu einem blutigen Zusammenstöße zwischen den streitenden Parteien gekommen ist, so geht doch daraus deutlich hervor, daß auf Seiten der verschiedenen Parteien eine große Vorsicht geübt wird, und daß man offenbar bestrebt ist,
den Krieg zu vermeiden und die Streitfrage, wenn irgend möglich friedlich zu schlichten. Man kann auch gewisse Richtlinien in der Politik der Großmächte erkennen, welche die Richtigkeit dieser Anschauungen bekräftigen. So arbeitet Frankreich jetzt mit diplomatischem Hochdruck in Petersburg und Belgrad für die gütliche Beilegung bei Streite-, da Frankreich sein Schicksal nicht an die serbische Großmacht angeknüpft sehen und sür Serbien und Rußland die Kastanien auS dem Feuer holen will. In einem russischen Ministerrate soll ja auch schon sestgesetzt sein, daß der Au-bruch eines Weltkriege» und die Beteiligung Rußlands an demselben den russischen Interessen jetzt durchaus entgegen sei, auch wird behauptet, daß der Zar Nikolaus durchaus für die Erhaltung deS Friedensei. Man muß sich dabei allerdings nur wundern, daß Ruß- land unter diesen Umständen die Kriegklust in Serbien nicht schon lange gezügelt hat. Bedeutsam ist auch, daß England sich jetzt noch mehr als bisher der friedlichen Mission bet Großmächte angeschlossen hat. Und von Oesterreich sind sogar vom Ministerpräsidenten Baron Bienerth Erklärungen bekannt, nach welchen Oesterreich noch einmal Serbien Zeit lassen will, friedlichen Ratschlägen der Großmächte Gehör zu schenken und billigen Anforderungen Oesterreichs zu entsprechen. Die Verzögerung in bet Entscheidung der schwierigen Streitfrage ist daher zunächst wohl mehr all ein Versuch, die Lage zu verbessern, als eine Verschlimmerung anzusehen, und es bleibt immer noch die Hoffnung, daß jetzt Serbien nachgibt und eine Konferenz der Großmächte alle orientalischen Streitfragen löst.
Wien, 23. März. Der KriegSkorrespondent der Reichs- Post meldet seinem Blatte aus Belgrad: Nach einer größeren Demonstration am Vormittag fanden gestern abend in Gegenwart des Kronprinzen noch kleinere Demonstrationen gegen Oesterreich statt. In Belgrad herrscht große Bewegung, allgemein erwartet man für DienStag die Ueberreichung der österreichischen Antwortnote. DaS Gerücht, daß Gras Forgach alsdann sofort Belgrad verlassen werde, ist unwahr, ebenso das Gerücht, daß österreichische Truppen gegen Serbien marschieren.
Wien, 23. März. Der Berichterstatter der „Daily Telegraph" hierselbst kabelt seinem Blatte, daß man dort wenig Hoffnung auf die von England angeregte neue Aktion der Mächte setze, im Gegenteil, eS heißt in der Depesche: „Alle Anzeichen deuten aus ein blutiges Ende dieses Streiter." Serbien rüstet jedenfalls weiter, bei Valjevo in West-Serbien ist ein starkes Fort mit Schützengräben und Schanzen errichtet worden. Aus dem Bahnhose von Belgrad steht noch immer der Zug des KönigS bereit, um diesen, sobald der Krieg auS- gebrochen ist, nach Nisch zu führen. An der österreichischen Grenze wimmelt es von serbischen Banden und Spionen.
Wien, 23. März. Gestern hatte nach Meldungen aus Belgrad König Peter mit dem Kronprinzen Georg eine mehr als einstündige Unterredung. Er verlautet aus der Umgebung deS KönigS wie au- Verschwörerkreisen, daß der König dem Kronprinzen scharfe Vorstellungen wegen seines Auftretens gemacht hat. Der König sagte dem Kronprinzen, der französische und der russische Gesandte hätten in ihren jüngsten Audienzen die dringende Bitte an ihn gerichtet, daß der Kronprinz seine agitatorische Tätigkeit für den Krieg einstellen möge. Die Unterredung zwischen dem König und dem Kronprinzen endete mit einem scharfen Konflikt. Der Kronprinz erklärte: „Ich teile die Ansichten deS gesamten serbischen Volke- und trete für da-selbe ein, weil ich^ein zukünstiger König bin. Die Meinungen, eines unaufrichtigen Ministers wie MilowanowitschS kann ich nur aufs tiefste verachten." Hierauf begab sich der Kronprinz ins Kriegsministerium, wo er mit dem Kriegsminister eine längere Unterredung hatte. Immer deutlicher stellt sich heraus, daß der Kriegsminister Zivkowitsch alS Intimus des Kronprinzen die treibende Feder der serbischen Kriegspartei ist.
Hus > und Busland.
Berlin, den 23. März 1909.
S e. Majestät der Kaiser nahm gestern vormittag, wie der Reichsanzeiger meldet, im hiesigen Königlichen Schlosse den Vortrag des Verketers des Chefs beS Zivilkabinetts, Geh. Oberregierungsrats v. Eisenhart-Rothe entgegen. Heute sprach Se. Majestät der Kaiser beim Reichskanzler vor und wohnte vormittags den Schlußbesichtigungen der Offiziersreitstunden bei dem Garde-Kürassier-, dem 2. Garde-Dragoner- und dem 2. Garde-Ulanen cegiment bei und frühstückte beim Offiziers-
korp» bei letzteren Regiments. Nachmittag» begibt sich Se. Majestät nach dem Neuen Palai», ebenso Ihre Majestät die Kaiserin. »
Der Arbeit-markt im Februar zeigt kein einheitliches Bild. DaS anhaltend kalte Wetter hielt in einer Reihe von Großindustrien eine Belebung zurück. So waren vor allem das Baugewerbe und die von ihm abhängigen Ge- werbSzweige nach wie vor schlecht beschäftigt. Auch im Ruhr- kohlengebiet war die Lage unverändert schlecht. Teilweise trat noch weitere Abschwächung ein. DaS Stilliegen her Schiff- sahrt wirkte lähmend auf den Absatz. Ebenso war in der Metallindustrie eine Besserung nicht zu bemerken, wenn dort auch nunmehr ein Stillstand in der RückwärtSbewegung ein- getreten zu sein scheint. Andererseits machen sich die Einflüsse der beginnenden Frühjahr-saison in einer Reihe von Industrien belebend geltend, so in der Kleider- und Wäschekonsektion und in der Hausindustrie, jedoch ist zu bemerken, daß Vielsach die Steigerung der Beschäftigung schwächer war, als im Vorjahre.
Die deutsche überseeische AuS Wanderung ist im Jahre 1908 gegen daS Vorjahr, wo sie noch 31 696 Personen betrug, um 11813 zurückgegangen und erreichte hiermit von allen seit 1871 vorliegenden Ziffern den geringsten Stand. An der Gesamtzahl der deutschen Auswanderer im Jahre 1908 (19 883) sind als Auswanderung-gebiete beteiligt: Brandenburg mit Berlin mit 2159 Personen, Posen, Hannover, Rheinland, Königreich Bayern, Königreich Sachsen mit je über 1000, Westfalen und Königreich Württemberg mit über 900 Personen.
Ueber die deutsch-englische Freundschaft brächte Lord Weardale bei dem alljährlichen Diner der internationalen Schiedsgerichtsliga einen Trinkspruch auk, in dem er sagte, niemand könne gegenüber der unglückseligen Bewegung blind sein, welche durch die maritimen Wettrüstungen verursacht würden. Niemand in England könne leugnen, daß die insulare Lage es verpflichte, die Üeberlegenheit zur See aufrecht zu erhalten. Anderseits dürfe man keinen Moment vergessen, daß das ansehnliche Wachstum der Industrie und beS Handel» dem Deutschen Reiche eine Verpflichtung auferlege, gleich jener Englands, nämlich seine Flotte in einer Stärke zu erhalten, die der Verteidigung diese» Handel» angemessen ist.
Die streikenden Po st- und Telegraphen- b e a m t e n hielten am Montag in Stärke von ca. 6000 Mann eine Versammlung ab, in welcher nach lebhaster Debatte der mit Stimmenmehrheit gefaßte Beschluß deS Streikkomitee», wonach am Dienstag die Arbeit der Post- und Telegraphenbeamten wieder ausgenommen werden sollte, verworfen und die Fortsetzung des AuSstandeS beschlossen wurde. DaS Komitee hat sich für die Wiederaufnahme der Arbeit aus Grund der entgegenkommenden Versprechungen entschieden, welche ihm vom Ministerpräsidenten Clemenceau und vom Arbeit-minister Barthou gemacht worden waren, nur zu der von den Streikenden geforderten Entlassung des Unterstaatssekretärs Simyan konnten sich die genannten RegierungSvertreter nicht verstehen. Trotz des von einem Teile der streikenden Beamten und Hilfsarbeiter gefaßten Beschlusses, im AuSstande zu beharren, glaubt man indessen doch, daß die Streikbewegung allmählich abflauen werde.
Im englischen Unterhause beschäftigt man sich noch immer mit dem deutschen Flottenbauprogramm. In der Montag-sitzung richtete der Abgeordnete Faber die Ansrage an den Premierminister A-quith, ob er eine Erklärung über etwaige Verhandlungen zwischen der englisch«—--- und der deutschen Regierung betreffs einer Herabsetzung der beiderseitigen Marineausgaben abgeben könne. In seiner diplomatisch gehaltenen Erwiderung beschränkte sich Mr. Asquith auf die Versicherung, daS Londoner Kabinett habe in Berlin keine Vorschläge in der gedachten Richtung gemacht, weil der englischen Regierung von der deutschen zu verstehen gegeben worden sei, Deutschland könne sich in sein Flottenbauprogramm von England nicht hineinreden lassen. Im übrigen verwies er aus die zu erwartenden Ausschlüsse des deutschen Marinestaatssekretärs v. Tirpitz in der Sache. — Im Lande geht die Agitation zugunsten der Erbauung neuer Dreadnougths über die im Marinebudget vorgesehene Zahl hinaus fort.
Bus Provinz u. Nackbargebiel.
* (Die vorjährigen U e b e r s ch w e mm u n g S - schäden in unserer Provinz.) So gewaltigen Schaden, wie in diesem Jahre haben feit langem nicht die Flüsse angerichtet und noch kann man nicht wissen, ob nicht bei eintretendem Tauwetter durch Schnecschmelze und EiS-
LiSbeth jühlte plötzlich, wie ihr das Blut heiß in die Stirne stieg. Sie selber hatte ja gar nicht so viel Geld!
Und heute morgen hatte sie so zuversichtlich und stolz zu Papa gesagt: „Ja, Papa, ich bringe dir die dreihundert Mark."
Morgen würde er wieder abreifen, bis dahin mußte er eS haben — LiSbeth lies immer schneller den Weg nach Hause. Sie war grenzen!,» ausgeregt. Im stillen rechnete sie ihre Barschaft zusammen. Im Portemonnaie sünszehn Mark und fünfunddreißig Pfennige. Zu HauS in ihrem kleinen Schreib- tisch noch ein Zwanzigmarkstück, ihr monatlicher Handschuhgeld von Mama und — mein Gott, das waren ja noch lange keine dreihundert Mark zusammen.
Ob sie Bernd darum bat? Aber nein, nein, sie hätte sich totgeschämt. Er würde eS ihr vielleicht geben, aber da hätte sie ihm auch sagen müssen, wozu sie es haben wollte, und sie konnte doch nicht zu ihm sagen: „Papa, mein Papa, den du gar nicht kennst, er wartet heimlich aus mich im Bürgerpack! Er hat keine Stellung jetzt, und ich habe ihn, trotz dem alle, alle ihn verachten, doch immer noch so lieb, so — so lieb —*
Nein, Bernd wäre der letzte, der das wissen durste!
AlS LiSbeth endlich zu HauS war, saß Mama im Erker, der schwer von Maiblumendust angefüllt war, und stickte an einem Deckchen.
Sie sah sehr zufrieden und heiter auS und schien auf LiSbeth gewartet zu habm.
, »Denke dir, Kind, der Baumeister war eben hier. Er meint, euer HauS würde bereit» im Mai fix und fertig sein. Wir können schon morgen die Zimmer sehen, hier sieh mal, hier ist der Plan, damit wir die Einrichtung der Möbel danach taufen und auch Bernds eigenhändige Zeichnung für den Garten. Ende Mai könnt ihr heiraten, Juni und Juli bleibt ihr an der See, wie Bernd eS wollte und im August ist alles
« m ^B eingerichtet im Hause. Sieh mal her, prachtvolle Räume! Das Speisezimmer, der reine Saal! Aber waS hast du denn? Du bist ja ganz erhitzt! Ist» so warm draußen
LiSbeth beugte sich so tief über die Zeichnung, daß die Mutter ihr Gesicht gar nicht mehr sehen konnte.
„Ja — Tauwetter, Mama."
Sie sah gar nichts von den anschaulich dargestellten Plänen. Sie dachte immerzu nur baS eine: „Woher nimmst du die dreihundert Mark für Papa?"
„Und der Garten, LiSbeth, sieh bloß mal an, was Bernd für ein Zeichentalent hat. Hier der kleine See mit der Schwaneninsel, dort die Lawn-Tennirplätze und hier wieder die Grottenlauben — aber wo siehst du denn hin? Das ist ja gar nicht Bernd» Zeichnung. Sonderbare- Mädchen! Interessiert dich denn gar nicht» mehr von alledem? Mir machts so viel Freude! DaS HauS wird fürstlich, Likbeth! Und die schönste Lage am Wall! Wenn Bernd heute abend kommt, können wir gleich über den Termin der Hochzeit sprechen. Und nächstens, ich denke im März, taufen wir die Möbel, es muß doch vorher noch viele» geändert und neu an» gefertigt werden. Du sollst dir alles selber aussuchen, LiSbeth, damit du nachher nicht auch wie Do mir noch Vorwürse machst, daß dir der Stil nicht gesällt."
»Ich überlasse eS dir gern, Mama", meinte LiSbeth scheu. „Ich verstehe ja nicht soviel davon wie Do. Ich brauche auch gar nicht acht Zimmer. Bei Do kommt eS mir immer so öde vor — so viel Räume bei zwei Menschen."
„Das verstehst du nicht", sagte die Mutter kühl. „Du hast überhaupt nie Geschmack gehabt. Bernd verlangt unbedingt acht Zimmer. Sein Haus wird vollständig eingerichtet, das gehört sich so. Für Dorothee habe ich zwanzigtausend, für dich ebenso viel für die Möbel bestimmt. Seit gestern liegt auch da» Geld für die WäscheauSstattung in meinem Schreibtisch. Du siehst, ich tue, waS ich kann. Mein Bankier wundert sich schon über meine Verschwendung. Aber komm mal her, Kind, waS fehlt dir denn?" Die Dame lächelte. „Regt dich das alles auf, Schäfchen? Du bist eine sonderbare Braut. Ich verstehe dich oft nicht. Do war viel resoluter. Die hat genau gewußt, waS sie wollte und sogar noch an ihrem Hochzeitstage nachgerechnet, ob die Firmen un» auch nicht übervorteilt haben. Du träumst und träumst in den Tag hinein und dir ist alles gleich. Wie Bernd eS will sagst du immer. Allzu gefügig darf man aber auch dem Manne gegenüber nicht sein" — sie seufzte und räumte mechanisch die umhergestreuten Papiere vor sich zusammen —
„na, du bekommst wenigstens einen Ehrenmann, Kind. Leichtsinnig ist Bernd auf keinen Fall, gewissenhaft bis ins tz. Sei froh, LiSbeth
LiSbeth nickte, sie zitterte jetzt am ganzen Körper. Sie wußte plötzlich, wo sie Geld herbekommen konnte.
In Mamas Schreibtisch lag eS. Viele, viele hundert Mark gewiß. AlleS für ihre Ausstattung, für ihre Wäsche, für un« zählige unnütze und überflüssige Sachen. ES gehörte ihr also — dieS Geld!
Wenn sie dreihundert Mark davon nahm — Mama würde eS vielleicht gar nicht merken. Und Papa würde morgen sehr glücklich sein, würde sie vielleicht, ganz so wie damals daS Kind, in die Arme nehmen und küssen: „Lie, mein kleines, gutes Mädchen." —
(Fortsetzung folgt.)
— (Explosion eines Dampfers im Hamburger Hasen). Eine folgenschwere Kesselexplosion hat sich aus unbekannter Ursache auf einem der ElbeschiffahrtS- Gesellschaft gehörigen Dampfer im Hamburger Hasen ereignet. Der Bugsierdampfer „Eduard" war beordert worden, eine Schute von einem vor dem Schuppen 25 liegenden englischen Dampser „Greenland" fortzubringen. AlS er sich dem Fahr- zeug näherte, erfolgte eine fürchterliche Explosion aus dem „Eduard", die den Kessel zerriß und das Schiff völlig demolierte. Die Explosion war so stark, daß Schiffsteile bis aus den Kai geschleudert wurden. Der an Bord befindliche Ewervice Müller hat eine schwere Verletzung erlitten. Der Maschinist wurde stark verbrannt, und der Führer Brüggner, der mit den Genannten in die Elbe geschleudert wurde, wird vermißt. Der Docksmann blieb dagegen wie durch ein Wunder unverletzt. Das Schiff ist vollständig unter Wasser gesunken» so daß bis jetzt noch nicht einmal die Ursache der Explosion feftgeftellt werden konnte.
— Ein furchtbare« Verbrechen wurde in P e t e r S g r u n d verübt. Nacht- drangen Einbrecher in die Wohnung der Witwe Krause und zündeten da» HauS an. Dabei fand in der oberen Giebelstube die schlafende Besitzerin den Tod in den Flammen. Nachbarn, die die HauStür mit einet Axt einschlugen, fanden die Frau völlig verkohlt im Bette liegend.