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Herrfelder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8 ,

Nr. 33. Donnerstag, den 18. März 1909.

Amtlicher teil.

Herrfeld, den 10. März 1909.

Nachstehend veröffentliche ich dar Körungsergebnis zweier von der Körungs-Kommission besichtigten Bullen der Gemeinde Unterweisenborn und deS Landwirts Johannes Fischer zu Stärklos.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

A. 1521. I. B.: Felling er, Reg.-Referendar.

DeS BullenhalterS

Rasse

Des Bullen

Farbeu.AbzeichensAlter

Befund

Name

Wohnort

Gemeinde Unter, toeifenb.

Unterweisen­born

Simmen- taler

Falbschäck w. Kopf

16 Mon.

gut

I. Fisch«

Stärklo-

Simmen- taler

Rotschäckvieh- weiß

16 Mon.

brauch bar

HerSfeld, den 16. März 1909.

Gemäß meiner Verfügung vom 27. April 1907, I. I. Nr. 3813, Kreisblatt Nr. 51, sind alle im Kreise vorhandenen angekörten Bullen alljährlich im Frühjahr einer Nachschau zu unterziehen. Teils haben jedoch die Herren Ortsvorstände in ihren, aus die Verfügung vom 15. April 1886 Nr. 4578, im KreiSblatt Nr. 46, hin eingereichten Berichten, nicht zum Aus­druck gebracht, ob Bullen in dex» Gemeinden vorhanden sind, die zur Nachschau vorzustellen sind.

Ich veranlasse die Herren Ortsvorstände daher, mir all­jährlich biS spätestens zum 5. März ein Ber- zeichniS der

a. zur Körung und

b. zur Nachschau

vorzustellenden Bullen nach dem in meiner Verfügung vom 29. Februar v. JS., I. A. 1160, Kreisblatt Nr. 26, vorge- schriebenen Muster einzureichen.

Für dieses Jahr sehe ich der Vorlegung diese- Verzeich- nisseS bestimmt bis zum 28. d. MtS. entgegen.

Der Vorsitzende des Kreisäusschuffes:

I. A. 1670. I. V.: Fellinger,

RegierungS-Reserendar.

Nichtamtlicher Teil.

Abgeordnetenhaus.

Im Abgeordnetenhaus stand am Dienstag der Etat der Bauverwaltung zur Beratung. DaS HauS beschloß, bei den Einnahmen die Frage der Schiffahrtsabgaben zu behandeln. Bekanntlich hat Preußen vor kurzem dem BundeSrat den Ent­wurf eines EchiffahrtsabgabengesetzeS eingereicht, der eine Konsequenz der Beschlüsse der Abgeordnetenhauses darstellt.

Die Kotdornmühle.

Novelle von Adolf Stern.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

HanS Brieger sah hastig über Susannes gesenkten Nacken hinweg und heftete seine Blicke auf die beiden Dorsmädchen, die gleichmütig Haselnußtrauben von den Zweigen streiften und den stattlichen Rotdornmüller neugierig ansahen. Und zum zweiten Male schlug eine flammende Röte zur Stirn deS jungen Mannes empor, er fühlte, daß nur die Anwesenheit dieser Kinder ihn davor bewahrte, gegen Susanne mit allem hervorzubrechen, was sie nie nein niemals erfahren durfte.

Verwirrt sagte er:Verzeihen Sie, daß ich Sie hier störe ich muß erst nach meiner Brettermühle zurück habe etwas zu bestellen vergessen I Guten Morgen, Fräulein Susanne kommen Sie bald einmal zu Hedwig!"

Hans brach wieder durch daS Buschwerk, durch daS er gekommen war, beinahe wie ein gehetzter verfolgter Mensch. Und doch stand er, sobald die Zweige hinter ihm zusammen» schlugen, alsbald wieder still, um seinem hochklopfenden Herzen Zeit zur Beruhigung zu lassen, und es zwang ihn über die Büsche hinüber nach der Waldwiese zu spähen, und er sah, daß daS junge Mädchen ihm nicht nachblickte, aber daß sie bleich und mit großen Tropfen in den blauen Augen dort stand.

Er ertrug es nicht und lies jetzt quer durch den Wald in so wilder Hast dahin, daß er den Pfad verfehlte, wo eS zur Ohra und j inem Sägewerk hinüberging. Im Grunde war'S gleichgültig, und wenn er bis dorthin floh, konnte er eben»

Fast sämtliche Redner, auch der Nationalliberale Hirsch, sind mit dem Grundgedanken der in Aussicht stehenden Regelung der SchiffahriSabgaben einverstanden, und sie gaben, insbesondere der Abg. von Pappenheim (kons.) der Hoffnung Ausdruck, daß die anderen Bundesstaaten ihren zum Teil noch be­stehenden Widerstand gegen eine Regelung der Frage durch daS Reich aufgeben werden. Nur der Abg. Kindler (freis. Vp.) betonte den ablehnenden Standpunkt seiner Partei, der die grundsätzliche Freilassung der natürlichen Wasserstraßen von irgendwelchen Abgaben fordert. Minister von Breitenbach konnte in einer längeren Erörterung über die Echiffahrtrab- gaben nicht eintreten, da die Vorlage bereits dem Bundesrat vorliege. Nur erklärte er ausdrücklich, daß keineswegs die Absicht bestehe, die Flößerei zu belasten, und daß außerdem jedes Stromgebiet für sich behandelt werden soll nach Maß­gabe seiner Leistungsfähigkeit. Die preußische StaatSregierung sehe dem Verlaus dieser bedeutsamen Aktion mit Ruhe und voller Zuversicht entgegen. Der Debatte über die SchiffahrtS­abgaben folgte eine solche über die Baupolizei. Auch hier bietet daS Haus dasselbe Bild: nur eine kleine Schar von Abgeordneten ist anwesend, recht hohl schallt dir Stimme der Redner von der Tribüne. Kein Beifall, kein Widerspruch, fast Grabesstille im Hause.

6in ernster StMi)| für unsere Marine.

Rasende Orkane (Stürme) von furchtbarer Gewalt und Wirkung sind in der Südsee nur zu häufig, zumal in den Sommermonaten, welche dort in die Zeit vom Januar bis März fallen. Es war am 16^.März 1889, als jener fürchter­liche Orkan loSbrach, der noch in vieler Erinnerung lebt. Unglücklicherweise war im Hafen von Apia eine bedeutende Flottille von Kriegsschiffen versammelt, außer den deutschen SchiffenOlga",Adler" undEber", die amerikanischen SchiffeTrenton",Vandalia" undNipsic" und der Eng­länderCalliope"; ferner mehrere Segelschiffe. Als der Orkan plötzlich ausbrach, war es den Schiffen nicht möglich, sich nach der offenen See in Sicherheit zu bringen. ES mußte also der Kampf mit dem furchtbaren Wetter im Hafen selbst ausgenommen werden, aus denkbar engstem Raume inmitten verderbenbringender Korallenriffe. Alle Schiffe hatten ihre Maschinen unter Feuer, um der Gewalt der Windstöße aus die Ankerketten entgegenzuarbeiten.Eber" undVandalia" verloren zuerst ihre Anker, konnten sich aber durch äußerste An­spannung ihrer Maschinen noch von den Korallenriffen entfernt halten. Ein in Strömen niedergießender Regen gestaltete die Lage noch beängstigender. Aus allen Schiffen kämpfte man heldenmütig; aber gegen drei Uhr morgen- konnte keines von ihnen ber Gewalt der Windstöße mehr standhalten. Wie Nuß­schalen wurden die mächtigen Schiffe in dem engen Hasen umhergeschleudert. Zusammenstöße waren unvermeidlich. Die User des Hasen- von Apia wimmelten von Menschen, die aber kaum die Bewegungen der Schiffe verfolgen konnten. An Hilfeleistung war überhaupt nicht zu denken.

Bei Tagesgranen bemerkte man, daß die Schiffe ohne Ankerhalt waren. Der starke Nordostwind trieb sie den Riffen zu, obgleich schwarze Rauchwolken bewiesen, daß die Komman»

sowohl ein. paar tausend Schritte mehr machen und vollends nach Hause gehen.

Und in ihm schrie eine hörbare Stimme auf, ob er denn ein Daheim habe, ob das, waS er dort finde, sein Daheim sein müsse!

Wie er den Flur der Rotdornmühle betrat, merkte HanS, daß er besser getan haben würde, sich draußen zu sammeln und zu fassen. Hedwig, die vor der großen Vorratstruhe bei der Küchentür stand und Erbsen in die Truhe schüttete, erriet auf der Stelle, daß etwas Ungewöhnliches mit ihrem Bruder vorgegangen fei.

Sir setzte den Erbsensack halb geleert aus die Steinplatten des FlureS und kam HanS in fein Zimmer nach, wo er sich halb bewußtlos in den Rohrsessel vor dem Schreibtisch ge­worfen hatte.

Er sah, daß ein Schatten aus die lichte Fläche vor seinen Augen fiel, aber er blickte sich nicht nach der Schwester um und als diese fragte:Was ist'S, HanS? Was hat's ge­geben ?" schwieg er erst und dann fuhr er, seiner selbst noch nicht wieder mächtig, leidenschaftlich heraus:

Was braucht'- Dich zu kümmern? Die KantorS- t^chter die Susanne, tritt mir überall in den Weg! Ich werde nächstens keinen Fuß mehr in den Wald setzen können!"

Jetzt rötete sich auch Hedwigs blasses Gesicht vor zorniger Erregung:

Schäm Dich, HanS! ES ist arg genug, daß Du dem lieben Mädchen gehässig bist. Ich rede nicht von mir, ich habe kein Recht mehr dazu aber wahrhaftig, schon um meinetwillen sollst Du Gottholds Schwester ein anderes Ge- sicht zeigen."

HanS richtete sich hoch aus, Hedwigs Worte brausten ihm vor den Ohren, er vergaß in dem Gesühl deS bitteren Un­rechte-, daS ihm angetan wurde, alles, was er monatelang

deure die verzweifeltsten Anstrengungen machten, ihre Schiffe vor dem Untergänge zu bewahren. Einige Schiffe waren nur noch wenige Meter von den Riffen entfernt. Am meisten ge­fährdet schien der kleineEber", ein Kanonenboot von nur 570 Tonnen Verdräng. Bei feinem letzten verzweifelten Ver­suche, dem Verderben zu entgehen, stieß er mit derNipsic", dann mit derOlga" zusammen. Während der Anprall mit dem deutschen Kanonenboot ohne erhebliche Folgen für beide Schiffe verlies, wurde derNipsic" durch das Vorderteil des Eber" ein Teil der Brüstung weggerissen. Die Widerstands­fähigkeit desEber" war nunmehr gebrochen. ^Gewaltige Sturz- wellen trieben ihn unaufhaltsam dem Riffe zu. Augenblicke atemloser Spannung unter den Zuschauern am Ufer folgten. Dann brach ein Schrei der Entsetzen- lo-: Eine ungeheure Welle hatte daS Fahrzeug emporgehoben und mit der Bre feite gegen das Riff geworfen. Ein furchtbare- Krachen mach sich hörbar, dann neigte sich da- Schiff aus die Seite ur verschwand im tiefen Wasserschlund. Wie hingetrieben stürzte«, die Leute am Ufer in daS brausende Wasser, um Hilfe zu leisten, wo eS noch möglich war. Tollkühn drangen die Ein­geborenen weit in die Brandung vor und warteten ängstlich, ob nicht einige der Schiffbrüchigen wieder austauchen würden. Aber nur vier Leute von der ganzen Mannschaft sonnten den Wogen entrissen werden außer dem Leutnant zur See Gaedeke, der sich im Augenblick des Unterganges gerade aus der Kom- mandobrücke befunden hatte. Nicht weniger als 67 wackere Seeleute fanden den Tod in den Wellen.

DerAdler" war inzwischen ebenfalls in eine gefährdete Lage geraten. Der Orkan hatte ihn durch die ganze Bucht getrieben. Nach :i/em Zusammenstoß mit derOlga" besand auch er sich in unmittelbarer Nähe des Riffs und nicht weit von der Stelle, wo derEber" untergegangen war. Wie der Eber" wurde derAdler" mit der Breitseite auf das Riff geschleudert. Er legte sich auf die Seite, mit dem Deck nach dem User und blieb dort fest liegen. Fast die gesamte Mann­schaft wurde in- Meer geschleudert; jedoch konnte deren größter Teil an dem günstig liegenden Wrack Rettung finden. Dennoch gingen auch hier 20 Mann zugrunde. Alle Offiziere kamen mit dem Leben davon. Die Eingeborenen verstanden es, einen Teil der Schiffbrüchigen an- Land zu schaffen; ein anderer Teil mußte jedoch einen Tag und eine Nacht in seiner schreck­lichen Lage aushalten.

DieOlga" hatte einige Zusammenstöße mit derNipsic" und derTrenton" au-zuhalten, bei denen sie gut fortkam. Da ihr aber schließlich doch dasselbe Schicksal, wie ihren Schwesterschlffen bevorstand, so beschloß Kapitän von Erhard, das Schiff auf den Strand zu setzen. Er ließ die Maschinen mit äußerster Anstrengung arbeiten, und bald lag dieOlga" sicher im östlichen Teile des Hasens eingebettet in dem weichen Sande. Kein Mann von der Besatzung hatte sein Leben ein­gebüßt.

Die amerikanischen Schiffe kamen verhältnismäßig besser weg. DieNipsic" lief etwa 100 m vom Riffe aus den Strand. DieVandalia" stieß nicht weit von derNipsic" hart auf und sank. DieTrenton" trieb dicht neben der Vandalia" auf den Strand. Im ganzen büßten von dem amerikanischen Geschwader 4 Offiziere und säst 100 Mann ihr

in sich erwogen und beschlossen hatte, er maß die Gestalt der Schwester vom Kopse bis zu den Füßen:

Um Deinetwillen? Für wen tue ichs denn, daß ich Susanne fliehe und mein Verlangen nach ihr unter die Füße trete, wenn nicht für Dich: Nein, nein, 's recht so, eS muß so sein, Hedwig, wir beide gehören zusammen. Aber Du Du solltest mir'S nicht noch schwerer machen, als eS ist!"

Erschrocken hielt er inne er meinte noch den Widerhall seiner törichten Worte zu hören und fand sich plötzlich allein. Er hatte Hedwig nicht hinauSgehen sehen, sie mußte davon geglitten sein wie ein Schatten.

Und jetzt kam ihm zum Bewußtsein, waS er getan hatte, er war zweimal im Verlaus einer Stunde kläglich erlegen. Er hätte die Kraft haben müssen, dem Mädchen, der er nicht mehr fein wollte und durste als der Bruder Hedwig-, fteund» lich ruhig zu begegnen und vor allem hätte er zu seiner Schwester nicht so sprechen dürfen, wie eS eben geschehen war. Hans fühlte sich tief beschämt und die Sorge bejärlich ihn, daß er in einem unbewachten Augenblicke alles zerstört habe, waS in Monaten mühselig gewonnen war. Er stand auf um Hedwig zu suchen. Er fand sie schon im Flur bei der Arbeit, von der er sie vorhin hinweggestört hatte.

Ihr Gesicht war tief in die offene Truhe gezeugt, er konnte den Ausdruck ihrer Züge und ihrer Augen nicht sehen. Aber alS er sie ansprach:

Laß eS gut sein, Hedwig, mir war übel zu Mute und ich redete töricht. Wir gehören zusammen und bleiben zusammen, das weißt Du, ohne daß ich's sagen muß!"

Gewiß HanS, mache Dir keine Gedanken um mich I" klang die Antwort, ohne daß Hedwig emporblickle. Aber etwas war in ihrem Tone, das ihn ausmerken ließ und ihn an den schwülen Abend seiner Heimkehr mahnte.