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Herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 30.

Donnerstag, den 11 März

1909.

Amtlicher teil.

HerSscld, den 4. März 1909.

Die Herren Bürgermeister der Streife«, welche meine Ver- sügung vom 31. Mai 1881 Kreirblatt Nr. 45 be­treffend Bericht über die stattgehabten polizeilichen Revisionen der Lokale, in denen Nahrunglmittel pp. seilge- halten werden, noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist von 8 Tagen erinnert.

I. 2267. Der Königliche Landrat.

I. V.: Fellinger,

Regierungs-Reserendar.

Nachdem nach Beschluß der Gemeindevertretung hier vom 23. Februar 1909 der

AmtiMe- MMt 10 Nr. 207 in einer Größe von 5 Ar 75 O Mtr., soweit derselbe an das Grundeigentum deS Ackermanns Nicklaus Ernst I. und Ehefrau Katharina Elisabeth geborene Eaam zu Friede­wald grenzt, alS für den öffentlichen Verkehr entbehrlich be­zeichnet worden ist, soll dieser als öffentlicher Weg

eingezogen werden.

Gemäß § 57 des Zuständigkeit»gesetzeS vom 1. August 1883 ergeht hierdurch die Aufforderung, etwaige Einsprüche gegen die beabsichtigte Einziehung zur Vermeidung des Aus­schlusses binnen 4 Wochen vom Tage der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung im Regierung-amtsblatt an gerechnet, bei der unterzeichneten Polizeibehörde, bei welcher auch der Lageplan ein gesehen werden kann, geltend zu machen.

Friedewald, den 10. März 1909.

Die Wegpolizeibehör-e Budesheim. nichtamtlicher teil.

Reichstag.

Der Reichstag beendigte am Montag die Beratung deS Postetat» nach sünstägiger Dauer. ES wurden an diesem letzten Tage der Postdebatte zunächst die Zulagen für die ReichS-Post» und Telegraphenbcamten in den Ostmarken gegen die Stimmen deS Zentrums, der Polen, der Sozial- demokraten und einiger Freisinnigen bewilligt. Eine längere Diskussion rief der TitelVergütung an auswärtige Post- und Telegraphengesellschasten, Dampferlinien usw. 27 300 000 Mark" hervor. Abg. Erzbergcr (Zentr.) verlangte eine nähere Spezialisierung der einzelnen Posten dieser Ausgabe, wobei

Die Rotdornmühle.

Novelle von Adolf Stern.

(Nachdruck verboten.)

(Fottsetzung.)

Als Hans wieder au- dem Hause trat, war Hedwigs Gesicht der Tür zugekehrt und obschon ihm diesmal nicht ent­ging, wie bleich und düster sie trotz des friedlich verlaufenen Lenznachmittags in die Welt hinauSsah, so meinte er, jede Bemerkung unterdrücken zu müssen, um ihr nicht aufs neue wehe zu tun.

Sie blieS ihm ein Stäubchcn vom seidenen Halstuch, brach einen zierlichen Blütenbüschel vom Rotdorn und steckte ihn ins Knopfloch feines RockcS.

Nun geh', Han-", mahnte sie,mach' uns Ehre und grüße auch von mir, wer meiner im guten gedenken will 1*

Und damit schob sie den Bruder, der wieder unschlüssig zu werden schien, gegen den Brückensteg hin, raffte ihre Leinwand von der Bank und ging in« Hau» zurück.

> Hans Brieger verfolgte den Pfad am Flusse empor und hörte schon von fern, daß daS Fest im großen Garten von Fassolds Schänke im vollen Gange war. Der leise Ostwind, der über die saststrohenden Halme seiner Felder grüne Wellen- furchen zog und recht- da- blitzende Wasser kräuselte, trug die Töne eines Haydnschen Chors an sein Ohr; der junge Mühl- Herr erinnerte sich seiner Teilnahme an den Uebungen de» Gesangvereins zu Breitburg und eS fuhr ihm zunächst durch den Sinn, wie gut eS beim Stand der Dinge daheim ge- Wesen sei, daß er sein Herz an keine- der hübschen blühenden Mädchen verloren habe, die er dort kennen gelernt hatte. Der warme Maiabend und da- dichte Baum- und Buschgrün am Flußuser vor ihm ließen ihn nicht nach der Mühle zurück- sehen; es mutete Hans an, all sähe er hier, wo er doch jede Rasenecke und jeden Schlekdornbusch kannte, etwa» Neue».

Wie geblendet hielt er die Hand vor seine Augen, der

er allerhand bemängelte, namentlich die langsristigen Verträge mit den ausländischen Schiffahrtsgesellschaften. Staatssekretär Kraetke suchte die stark oppositionell gefärbten Darstellungen Erzbergers zu entkrästen, woraus sich zwischen ihm und dem ZentrumSmann eine ziemlich lebhafte Polemik entwickelte, in die auch der Freisinnige Gothein wiederholt eingrlff. Die Diskussion endete damit, daß der Reichstag den genannten Titel auf Antrag Gothein» an die Budgetkommission zurück verwies. Im weiteren Verlaufe der Montag-beratung machte sich anläßlich des Beschlusses der Kommission, von der Regierungssorderung für Fernsprechzwecke in Höhe von 45 Millionen Mark 3 Millionen Mark zu streichen, eine Ab­stimmung mittels Hammelsprungs notwendig, da der Abge­ordnete Gothein die Wiederherstellung der RegierungSposition beantragte, die Abstimmung über diesen Antrag ergab zunächst ein zweiselhaste» Resultat. DerHammeltiprung" brächte die Annahme des AntrageS Gothein mit 122 gegen 94 Stimmen, wobei die Parteigruppierung eine ganz ungewohnte war, denn neben den Parteien der Rechten und den Frei­sinnigen traten auch die Eozialdemokratcn aus die Mchrheitt- leite, während als Minderheit Zentrum, Nationalliberale und Polen zusammenhielten. Weiter rief ein Antrag Gothein, die Portosreiheit der regierenden Fürsten auf Briefsendungen ihrer Gemahlinnen und Witwen zu beschränken, eine nochmalige Debatte über das Tbema der landessürstlichen Portosreiheit hervor, sie endete mit Ablehnung des Antrages. Nach Er- ledigung des Restes des Postetats wurde noch der Etat der Reichtdruckerei debattelo» genehmigt. Am Dienstag beschäftigte sich der Reichstag mit dem Weingesetz in zweiter Lesung.

Die Finanzkommission des Reichs tags setzte heute die Beratung des Entwurfs eines Tabakverbrauchs- steuergesetzes fort. Mehrere R>'<'erung-vertteter traten in wiederholten eingehenden Darlegungen für die Vorlage und ihre Einzelheiten ein, wogegen von mehreren Rednern der Linken, namentlich das Banderolesystem bekämpft wurde. Ein konservative- Mitglied konstatiert, daß bisher seine Partei die einzige sei, die für die Regierungsvorlage und für die Be­willigung der Steuer in der von dieser vorgeschlagenen Höhe eingetreten fei. Ein ZentrumSmitglied präzisiert den Stand­punkt deS Zentrums dahin, daß diese- tiefgehende Bedenken gerade gegen diese Vorlage habe. Staat-sekretär Eydow ver­teidigt die Ausführungen der Regierung-kommissar-, Ein etwaiger Konsumrückgang nach dem Inkrafttreten deS Gesetzes könne nur vorübergehend sein und aus der vorherigen regel­mäßigen Ueberproduktion vor dem Inkrafttreten beruhen. Seit 1882 habe sich die Tabakindustrie und der Konsum sogar er­heblich ausgedehnt. DaS Rauchen nehme zwar nicht quantitativ, aber qualitativ zu. Die Zuckersteuerherabsetzung sei eine Bedingung für daS Zustandekommen der 'Zuckerkon- vention gewesen und könne nicht wieder ausgehoben werden. Die Verbündeten Regierungen bestanden unbedingt auf der Gewinnung eines Mehrbetrages in der von ihnen vorge­

lichte Abendhimmel, die gelben Rapkscldrr am Saume deS Dorfe», die weißen Apfelblüten, die den Garten deS Wirts- hause» überschneiten, die farbigen Sommerkleider der Mädchen, die jenseit» deS HcckenzauneS schimmerten, alle» leuchtete ihm in die Augen und weckte seine Lust, teilzunehmen. An lachenden Zurufen, an Händen, die ihm entgegengestreckt wurden und an Mädchenköpsen, die zusammensuhren, merkten mit einemmal, daß er schon mitten drinnen sei, er war zu spät gekommen, um erst still anzuhörcn. Jetzt galt eS jungen Schulkameraden von den Bänken der Dorsschule her und älteren Nachbarn, die den neuen Rotdornmüller begrüßten, Rede zu stehen und nachher, als der Gesang seinen Fortgang nahm, entweder einzustimmen oder stumm beiseite zu treten. Da» Getümmel um ihn her, die allgemeine Zuversicht, daß er gekommen sei, um teilzunehmen, hinderte ebensowohl sein Sträuben, alS jede Ueberlegung. WaS jetzt noch gesungen werden sollte, waren vierstimmige Volkslieder, die Han» von alterSher vertraut waren.

Und da er sich nicht gewaltsam au» dem ihm umringen- den Schwärm hinau-drängcn mochte, sich plötzlich zu den Tenören geschoben sah, die eine Verstärkung dringend nötig hatten, so blieb er, wo man ihm Platz gemacht hatte. Und er blieb um so lieber, alS er sich gegenüber auf den Reihen der Mädchen die blauen Augen und die erglühten Wangen der Kantorstochter Susanne sah. Ihr Anblick besing ihn so. daß er zum LiedeAugentrost, mein lieber Schatz, Du hast mich ganz verlassen!" zu spät einsetzte und drüben in der Reihe der Soprane schien da» Gleiche geschehen zu sein im raschen kräftigen Weitersingen war jedoch daS Schwanken eines Augenblicks nicht mehr zu spüren. Aber die beste Sängerin blickte seit dem Liedanfang zu Boden und Hans Brieger konnte sich am matten, weichen Gold ihre» Haare» und am zierlichen Wuch» der jungen Gestalt zugleich satt weiden.

Er fühlte, daß mit einemmal der Jugendmut, ja der Ueber- mut wieder auflebte, der ihn noch vor einem Jahre erfüllt hatte. So machte Han» Brieger auch keinen Versuch mehr, sich den Alten zuzugesellen, hielt au» bis zum letzten Liede und fangKein Feuer, keine Kohle kann brennen so heiß, all

schlagenen Höhe aus dem Tabak. Die Verhandlung wird morgen durch Verweisung der Tabaksteuer an die Eub- kommission fortgesetzt und vermutlich zunächst beendet werden.

Abgeordnetenhaus.

Dem Abgeordnetenhaus lag am Dienstag wiederum der Gesetzentwurf zur Abänderung deS GesetzeS betr. den Woh- nungSgcldzuschuß an die Beamten vor. Wie schon neulich berichtet, ist nach vielem Hin und Her ein Kompromiß in der Kommission zustande gekommen, durch daS ein Provisorium bis zum 1. April 1911 geschaffen wird. Die jetzigen Woh- nungSgeldzuschüsse sollen um 33Vs v. H. erhöht und diejenigen Ortschaften, die durch den Gesetzentwurf der Regierung in eine nie ere Klasse alS bisher gekommen waren, wieder so klassifiziert werden wie zuvor.

DaS Hau» ist gut besucht; auch auf den Tribünen hat sich ein zahlreiches Publikum alS sonst eingesunden. Der Kommission-beschluß wird zunächst sehr eingehend von dem Berichterstatter Abg. Dr. Schroeder (natl.) begründet. Die nun einsetzende Debatte bewegt sich in sehr ruhigen Bahnen, sind doch alle Parteien darin einig, daß die geplante Aus­besserung der Beamtenschaft nunmehr mal zu Ende gesührt werden muß. Der erste Redner, Abg. Freiherr v. Maltzahn (kons.), lobt die feste Grundlage de- KompromißvorschlageS gegenüber dem Gesetzentwurf der Regierung und sieht in dem Provisorium auch die Möglichkeit, die endgültige Regelung der Frage den Verhältnissen im Reich anzupassen. Der solgende Redner Abg. Schmedding (Zentr.) ist gleichsall- mit dem Kommission-beschluß einverstanden. Dann ergreift Minister von Rheinbaben da- Wort zu der kurzen Erklärung, daß er eS für eine Pflicht der Regierung halte, so rechtzeitig ein neues Gesetz vorzulegen, daß sei«. Rechtskraft vom 1. April 1911 an eintreten könne. Hierauf erklären sich auch die Abgg. HauSmann (natl.) und Brütt (freik.) für den Kommiffion-- Vorschlag, freilich nicht ohne verschiedene Bedenken zu äußern.

Nachdem noch der Abg. Gyßling (steif. Vp.) und Pelta- sohn (freif. Vgg.) sich ebenfalls auf dem Boden des Kom­mission-beschlusses gestellt hatten, kam noch der Abg. Ströbel (Ezd.) zu Wort, der in ihm eine Benachteiligung der kleinen Beamten sah und heftig gegen die Rechte polemisierte. Schließlich wurde der Kommissionsbeschluß unter Ablehnung aller AbänderungSanträge mit großer Mehrheit angenommen.

Jas SonferensDroblem und Sie niMitt Teilung her Streitfragen zwischen Lesierreich nnS verdien.

Da sich die angebliche Nachgiebigkeit Serbiens nur als ein neuer russisch-serbischer Schachzug gegen Oesterreich herau-ge- stellt hat, in dem Serbien wie Rußland die Lösung der

heimliche Liebe, von der niemand nicht» weiß!" so ftisch und anteilnehmend mit, als wüßte er etwas Besondere» darum. Und doch durchschauerte ihn gerade während diese» Liede- eine Erinnerung an die verflossene Gewitternacht und Hedwig» Geständnisse.

Der Schauer und der Gedanke an Vergangenes verflog rasch, HanS spürte die Gewalt der frohen Stunde; der heiße Atem der jetzt zum Tanzsaal drängenden Burschen und Mädchen wehte ihn an und berauschte den Nüchternen; er wäre mitten im Schwärm die Treppe, die vom Garten nach dem Saale sührte, mit emporgetragen worden, hätte er nicht Plötzlich Susanne Lindner erblickt, die sich vom Arm zweier drängenden Gespielinnen loSlöste und in einem der rebcnüber- sponnenen Gänge de» GartenS verschwand. Ohne sich Rechen- schast über sein Tun zu geben, besann sich HanS Brieger, daß er im Saale eben nicht» zu schaffen habe und nicht daran denke, zu tanzen.

Da sich in der hinaushastenden Schar im Grunde keiner um den anderen kümmerte, sand er er leicht, den AuSgang inS Grüne wieder zu gewinnen; ein paar Stimmen, die ihn mitSo komm doch I" undWaS willst Du noch draußen, Rotdornmüller!" ermutigten, hörte er nicht und vier oder sechs Helle Mädchenaugen, die ihm über das Treppengeländer bedauernd nachblickten, sah er nicht.

Draußen aber, wo eS eben dämmrig und kühler wurde, ohne daß heute eine Wolke herauszog, atmete er frisch aus, daS Getümmel hatten ihn warm gemacht. HanS sah hinüber nach den FelSstirnen im Talhintergrunde, zwischen denen gestern abend daS dunkle Gewitter gestanden hatte; e» war nicht seine Schuld, daß der Rebengang längs dessen grünen blattreichen Ranken ein weißer Kleid Hinstrich, in der gleichen Richtung lag.

Er ging dem Mädchen nach, da», all e» ihn nahen sah, sich rasch besann und ihm entgegentam. Er besann sich, daß er ihr noch seinen guten Abend zu bieten habe, und fügte, all sie rasch ihre Hand wieder zurückzog, unbe­dacht hinzu :

Sie tanzen nicht, Susanne?"

Nein", sagte sie, über die Frage betroffen.Wir haben