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Eint Junggesellen st euer in Bulgarien ist die neueste Errungenschaft deS neuen Königreichs. Aus Antrag eines oppositionellen Abgeordneten hat die bulgarische Sobranjc beschlossen, Junggesellen über 30 Jahre mit einer besonderen Taxe von 10 Francs jährlich zu besteuern. Mit den verschiedenen Gemeinde- usw. Zuschlägen kommt die neue Steuer aus etwa 16 FrancS pro Kops. Da» aber, wa« sie in der Steuergeschichte besonders auSzeichnen dürfte, ist der Umstand, daß sie von der Kammer einstimmig votiert und von den Betroffenen mit ziemlichem Humor ausgenommen wurde.

Abgeordnetenhaus.

Am Freitag wurde der KommissionSantrag, Etrasantrag gegen den sozialdemokratischen Agitator Helbig au» Leipzig wegen Beleidigung deS Abgeordnetenhauses zu stellen, ange­nommen. Zwei Initiativanträge wegen schärferer Besteuerung der Filialen und anderweitiger Vertretung der Detaillisten in den Handelskammern wurden einer Kommission überwiesen. In vorgerückter Stunde wurde schließlich noch mit der zweiten Lesung deS Etat» der HandelS- und Gewerbeverwaltung be­gonnen.

Reichstag.

Der Reichstag setzte auch am Freitag die allgemeine Debatte über den Postetat noch fort, ohne endlich irgend­welche Positionen desselben erledigen zu können. Abg. Böhme (wirtsch. Vereinig.) drückte seine Besriedigung mit den Leistungen der ReichSpostverwaltungen auS, während Abg. Kaemps (fr. VolkSp.) mehr kritische Töne anschlug und namentlich die neue Fernsprechgebührenordnung absällig kriti- sierte. Auch Abg. Struve von der freisinnigen Vereinigung hatte allerhand an der Postverwaltung zu bemängeln, be­sonders griff er daS Verhalten deS Kieler Oberpostdirektor» in der bekannten Wahlaffäre scharf an. Staatssekretär Kraetke antwortete ziemlich erregt aus die Struve^chen Anzapsungen. Im übrigen sprachen in dieser Sitzung noch die Abgeordneten Werner (Reformp.), Duffner (Zentr.) und Stresemann (not. lib.).

Mr Provinz u. Nachbargebiel.

* Seit kurzer Zeit verkehren auf einigen Strecken der Preußisch-He jsif chen Eisenbahn, so auf der Strecke Franksurt am Main-Hanau, neue Wagen 4. Klasse, die mit Linoleumteppichen belegt sind. Auch die Beleuchtung wurde verbessert und vermehrt, da sie zum Teil auS dem hell- brennendenHänge-GaSlicht" besteht. Ferner sind auch die Fenster größer und breiter gemacht, so daß auch am Tage die Wagen einen durchaus freundlichen und angenehmen Eindruck machen.

* (Vom Reichsgericht.) Wegen Gläubigerbe- günstigung hatte daS Landgericht Caffel am 16. Oktober v. I. den Maurermeister Wilhelm M. zu 150 Mark Geld­strafe verurteilt. Der Angeklagte, der Bauunternehmer ist, stand mit dem Borschußvercin in Verbindung, wo er Vor­schüsse erhielt. Aber auch anderweitig erhielt M. Darlehen und hat, alt er in Zahlungsschwierigkeiten geriet, mehreren dieser Darleher Möbel, Rüstzeug und andere Sachen ver- pfändet, so daß andere Forderungen dadurch benachteiligt wurden. Gegen daS Urteil hatte der Angeklagte Revision eingelegt, die aber daS Reichsgericht all unbegründet ver- worfen hat.

* Verliehen wurde dem Regierung-rat Georg Lom- matzsch, Mitglied der Generalkommission in Caffel, der Charakter als Geheimer RegierungSrat, dem Vermessung-inspektor bei der Generalkommission Emil Deubel in Caffel der Charakter al» Oekonomierat.

) :( Hersfeld, 8. März. Aus der Rodelbahn an der Wippershainer Höhe ereignete sich am Sonnabend ein be­dauerlicher Unfall Ein mit drei Herren besetzter Rodelschlitten stieß am Fuße der Wippershainer Höhe mit voller Wucht gegen einen Baum. Hierbei erlitt einer der Herren einen schweren Unterschenkelbruch und ein anderer eine tiefe Fleischwunde am Oberschenkel, während der Dritte mit dem Schrecken davon kam. Am gestrigen Sonntage wanderten wieder Hunderte von Rodlern und Zuschauern nach der Wippershainer Höhe. Besonders am sogenanntenKnie- brecher" entwickelte sich ein regeS Leben. Trotz der großen Menge von Rodelschlitten ging eS gestern ohne jeden ernsteren Unfall ab.

) :( Hersfeld, 8. März. In einem Garten an der Simon Haunestraße konnte man gestern eine in Schnee modellierte Damen-Figur sehen, welche ihrer famosen natur­getreuen Nachbildung wegen die Bewunderung aller Passanten erregte. Leider wird die Sonne diesem Kunstwerke bald ein jrühes Ende bereiten.

) :( Hersfeld, 8. März. In recht ungebührlicher Weise benahmen sich in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag zwei junge Leute, so daß dieselben mit zur Polizei­wache genommen werden mußten. Einer derselben hatte u. a. in einer Wirtschaft mit der Faust ein Fenster eingeschlagen und sich dabei eine blutende Verletzung zugezogen.

V Untergeis, 6. März. Gestern hatte Herr Fabrik­besitzer Ludwig Braun von HerSseld das seltene Jagd­glück einen starken Hirsch an der Obergeiser Grenze zu erlegen. Weidmannsheil I

Caffel, 5. März. (Schwurgericht.) In der am Montag den 15. März beginnenden ersten diesjährigen Schwur- gerichtSperiode des LandgerichtSbezirkeS Caffel, deren Verhand­lungen Herr Landgerichtkdirektor Dr. Schröder als Vorsitzender leiten wird, kommen die solgenden Strassachen zur Verhand- lung und Aburteilung: 1. Montag den 15. März, vormittagS 972 Uhr, gegen daS ledige Dienstmädchen Martha Bader von hier wegen KindcSmordS. 2. an demselben Tage mittag-: gegen den Johannes WolserS aus Emmen wegen wissentlichen MeineidS. 3. Dienstag den 16. März, vormittags 9 Uhr, gegen den Dienstknccht Köhler auS Wetterburg im Fürstentum Waldeck wegen schweren Verbrechens wider die Sittlichkeit auS §§ 176 und 177 deS ReichSstrafgefetzbuchek. Mittwoch den 17. März, vormittags 9 Uhr, gegen den Wilhelm Dellnitz auS Caffel wegen Verbrechen» wider die Sittlichkeit. Vorau». sichtlich werden nur noch 12 Straffälle spruchreif, um dem diesmaligen Schwurgericht zur Aburteilung überwiesen werden zu können, so daß die Verhandlungen nur eine Woche in An­spruch nehmen werden.

Bom Eichsfelde, 6. März. Ueber ein schnurrige» Jagderlebnis wird derEichrfeldia" au» einem eichsseldischen Dorfe folgendes berichtet: Beim Revidieren seiner ausgestellten StaftenfaKe bemerkte ein Landwirt in dieser ein zappelnde» ^roai, da- nach Größe und Regsamkeit nur ein stattlicher Marder sein konnte. Voller Freude wurde der Fang mit Hülse «ine» Nachbarn in der üblichen Weise in den Sack gelockt und

in demselben elendiglich zu Tode geprügelt. Al« man dann erwartungsvoll den Sack auSschüttelte, um den Marder ge­bührend bewundern zu können, stellte sich'» herau», daß ein harmloser Kater da» Leben gelassen hatte.

Aus der Rhön, 4. März. Aus dem Kreuzberg und der Wasserkuppe herrschten gestern starke Schneewehen bei 7 biS 9 Grad Celsiu». Der Schnee liegt 1 bi» 1.50 Meter hoch, bei rapider Schneeschmelze wird wiederum Hochwasser befürchtet.

Hammelburg (Rhön), 5. März. Al« der Müller-sohn Andrea- Röder in der Neumühle, Gemeinde Windheim, da- Rad vom Eise besreien wollte, kam jene- dabei inS Lausen, und der junge Mann fiel in die kalten Fluten. Infolge der wiederholten Umdrehungen erlitt er leben-gesährliche Ver. letzungen, ein Bein wurde ihm abgequetscht.

Ältenbeken, 5. März. In Wicken wurde dem 18jährigen Fabrikarbeiter M., welcher beim Rodeln die Gewalt über den Schlitten verlor und an einen Baumstamm schlug, der Schädel zersplittert.

Klofter-Alleudorf, 5. März. Vergangene Nacht brannte die Scheune der ZimmermannS Büchner nieder. Unter den Trümmern wurde die Leiche der schwachsinnigen Bier- kutscherS Munkewitz gesunden. Man nimmt an, daß derselbe da» Feuer angezündet hat.

Wellerode, 6. März. Gestern abend ereignete sich im Steinbruch am Oelgraben ein schwerer UnglückSsall, dem ein Menschenleben zum Opfer gefallen ist. Durch herabstürzendeS Steingeröll wurde der Arbeiter W. Werner verschüttet und getötet. Der Verunglückte hinterläßt eine Witwe mit zwei Kindern.

Vöhl, 6. März. In dem benachbarten Dorfittel stürzte bei einet Festlichkeit ein junger Mann die Kellertreppe herunter und verletzte sich derart, daß der Tod eintrat.

Marburg, 6. März. Auch in diesem hierfür so günstigen Winter werden wieder eine Anzahl Mannschaften deS Jäger- bataillon- im Schneeschuhlausen au-gebildet.

Hanau, 6. März. Nach einer hierher gelangten Mit- teilung gedenkt die Heere-verwaltung auf dem großen Exerzier- platz in Hanau da- Bekleidung-amt bei 18. Armeekorp» zu errichten.

Bad Wildungen, 6. März. Heute nachmittag ist aus der hiesigen, hinter der Georg-Bictor-Quelle aus dem Rein­hard-häuser Wege angelegten Rodelbahn ein junger Mann verunglückt. Er fuhr in einem lenkbaren Schlitten, welcher umkippte. Hierdurch zog er sich einen komplizierten Bein- bruch zu, sodaß er in- Krankenhau« übergesührt werden mußte.

Aus Thüringen, 5. März. 600 Meter von Helm»- dors, nach Grebstedt zu, waren am Sonnabend 6 Dynamit. Patronen mit Zündern neben die Schienen gelegt worden. Sie waren zusammengebunden und so an der innereren Schiene ausgestellt, daß der Spurkranz der Lokomotive unbedingt die Zünder treffen mußte. Als nach 9 Uhr vormittag- ein Güterzug von Grebstedt nach Helm-dors suhr, hörte der Lokomotivsührer einen Knall. Man hielt, sah nach und fand die Patronen. Zum Glück hatte sich nur ein Zünder ent- laben, und zum andern waren die Patronen durch den Rad­kranz beiseite geschleudert, so daß sie nicht zur Explosion kamen. Die Staattanivaltschast nahm Untersuchungen an Ort und Stelle vor.

Oeffentliche Lehrstellenvermittlung für das Haildwerk.

Der Mitteldeutsche Arbeit-nachwei-verband zu Frankfurt a. M. schreibt un<:

Die herannahende Osterzeit, die für die schulentlassene Jugend den ersten Schritt ins Leben bringt, gibt Veranlassung, auf die Lehrling-au-bildung im Handwerk einzugehen. Daß im Handwerk und Gewerbe eine Lehrling-not besteht, darüber ist man sich einig. Einerseits mögen die Handwerker selbst Schuld an der Lehrling-not tragen, auf der anderen Seite aber auch ist e- die Unersahrenheit der jungen Leute bei der Berufswahl und noch mehr die Gleichgültigkeit der Eltern und Vormünder, die eS vorziehen, ihre Kinder oder Pflege- befohlenen al- jugendliche Arbeiter in die Fabrik eintreten oder gar nur Laufburschen werden zu lassen, um von vorn- herein zu verdienen. Daß ei Fälle gibt, in denen der Knabe nach seiner Schulentlassung sofort auf daS Verdienen ange­wiesen ist, ist unbestritten. Eltern aber, denen eS möglich ist, ihren Sohn in eine ordentliche Lehre zu geben, sollten biet nicht versäumen, weiter sich aber auch über die Aussichten bei für ihren Sohn gewählten Handwerkes oder Gewerbes vergewissern. ES tritt für alle, die ei mit dem Handwerk gut meinen, die Notwendigkeit hervor, diesem geeigneten Nachwuchs zuzusühren. DaS kann geschehen mit Hilft der Presse und Schule, die nicht genug darauf Hinweisen können, welche große Bedeutung für die schulentlassene Jugend die BerusSwahl, insonderheit die Erlernung eines Handwerkes hat. Um aber den jungen Leuten geeignete Lehrstellen zuweijen zu können, ist eine Organisation bei LehrftellenvermittlungSwesenS not- wendig. Alle öffentlichen Arbeitsnachweise in Hessen, Hessen- Nassau und Waldeck besassen sich deshalb mit der kostenlosen Lehrstellenvermittlung. Die Arbeitgeber, welche Lehrlinge ein- zustellen wünschen, melden eS bei dem Arbeitsnachweis, wo ihre Gesuche als offene Stellen eingetragen werden; Eltern, die ihre Kinder ein Handwerk erlernen lassen wollen, können auf den öffentlichen Arbeitsnachweisen die offenen Stellen er- fahren. Da die Handwerksmeister häufig auswärtige Lehrlinge lieber nehmen, so ist ei sehr zweckmäßig, wenn Eltern, die ihre Söhne nach au-wärtS in die Lehre geben wollen, dies eben- salls gleich eintragen lassen, sallr sie nicht schon gleich eine passende Stelle finden, denn die einzelnen öffentlichen ArbeitS- nachweise in Hessen, Hessen-Nassau, Waldeck und den an- grenzenden Gebietsteilen stehen miteinander in regelmäßiger Verbindung und geben fich gegenseitig wöchentlich davon Kenntni-, wo offene Lehrstellen und wo junge Leute sind, die in die Lehre treten wollen. Für Franksurt und Umgegend hat der VereinJugendsürsorge" die Lehrstellenvermittlung bereit- seit Jahren mit bestem Ersolg in die Hand genommen.

Vermischtes

Die Verzweiflungstat einer Mutter wird aus Reim- gemeldet. Eine Arbeiterfrau namenS Gerard begab sich, während ihr Mann sich aus Arbeit befand, zum Bäcker, um Brot auf Kredit zu verlangen. Als dieser sich weigerte, ihr ohne Geld Ware zu Verabfolgen, nahm sie sich bai so zu Herzen, daß sie ihre Kinder von 9, 7 und 4 Jahren in» Bett legte, dann einen Kohlenosen anzündete und mit ihren Kindern den Erstickung-tod starb. AlS ihr Mann nach Hause kam, fand er nur noch die vier Leichen vor.

(800,000 MarkGeldstrafe.) Ein Lotteriekollekteur in Hamburg vertreibt Prospekte für ausländische Lotterien in der Weise, daß er die postfertig hergerichteten Sendungen an

Mittelspersonen in günstig gelegenen Großstädten schick mit dem Austrage, die Briese in kleinen Posten einem Brieskasten zu überantworten. Dieser Umweg wurde gewählt, weil bei Aufgabe einiger tausend Drucksachen von einem Postamt aus leicht Verluste eintreten sollen. Zur Uebernahme der erwähnten Vermittlerolle ließ sich auch ein Bureaubeamter in Stettin bereitfinden, ihm wurde dasür eine Heine Entschädigung gezahlt. Die Folge war jedoch eine Anklage wegen LotterievergehenS. DaS Schöffengericht sprach den Beschuldigten frei, die Stettiner Straskammer aber hob gestern alt Beruf-instanz da- erste Ur- teil auf und erkannte wegen LotterievergehenS in 8000 Fällen (so viel Briese waren von dem Angeklagten besördert worden) auf 100 M. Geldbuße für jeden Fall, waS einen Gesamt- betrag von 800,000 M. ergibt. An Stelle der Gcldstrase wurde ein Tag GesängniS für je 15 M. sestgesetzt mit der Einschränkung, daß die Gefängnisstrafe den Höchstbetrag von zwei Jahren nicht überschreiten dars.

Schwere Lawinenstürze habm im Alpengebiet eine Anzahl Häuser verschüttet und ihre Bewohner unter den Trümmern begraben. Von den Höhen des Vicentin bei Belluno stürzte eine Lawine herab und verschüttete acht Bauernhäuser, in denen sich dreizehn Personen, nämlich vier Greise, drei jüngere Männer und sechs Kinder befanben. Von Belluno ist eine HilsSexpedition abmarschiert. Jm Doü« Gaimberg im Unterpustertale wurde von einer Lawine ein Wohnhaus sortgeriffen, ein zweite» Hau» wurde eingedrückt, drei Menschen sind tot. Der Bahnverkehr zwischen Pusterthal und Valsugana wurde insolge der Schneemassen eingestellt.

Wien, 6. März. Die N. Fr. Pr. meldet au» Klagensurt: Der Schneesall nimmt immer mehr den Charakter einer Katastrophe an. Im ganzen Land stockt der Verkehr. Sehr gesährdet ist der Ort Bleiberg durch Lawinenstürze. Bei Kreutzen in Oberkärnten wurden vier Arbeiter getötet. Bei der Ortschaft Grubitsch wurden drei Bauerngehöfte verschüttet, wobei ein Bauer und ein Knabe den Tod sanden.

Abazzia, 5. März. Bei einem Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen wurden acht Personen schwer vnletzt, eine ist bereits gestorben.

(Schwerer Unfall auf einer eng­lischen Werst.) Eine Abteilung war bei Ausgrabungen am Fuße eines 54 Fuß hohen DammeS tätig, alS plötzlich daS auf der anderen Seite befindliche Wasser durchbrach und sämtliche Arbeiter unter einer Masse von Erde und Waffer begrub. Drei wurden lebend gerettet, 16 Arbeiter sind um» gekommen, ihre Leichen sind noch nicht ausgefunden worden.

Stuttgart, 6. März. In dem Sauerstoffwerk in Maubach entstand auf bisher unaufgeklärte Weise in dem Moment, alS der Fabrikbesitzer nach einem Kessel sah, eine hestige Explosion. Durch den surchtbaren Luftdruck wurde der Direktor in die Höhe durch daS Dach hindurchgeschleudert und gräßlich verstümmelt. Mehrere Nachbargebäude erlitten schweren Schaden.

(Bettlergeschäfte in Pari».) Wie erttagreich da» Geschäft einer Bettlers in PariS ist, beweist folgende merkwürdige Annonce, die sich dieser Tage in einer Zeitung der sranzösischen Hauptstadt besand:Eilt sehr! Ein sehr guter Platz mit großer Einnahme für einen einbeinigen Bettler auf der place de l'Etoile ist sofort zu vergeben, da der jetzige Inhaber sich zur Ruhe setzt und auf da» Land zieht. Arbeit», zeit täglich von 2 bi» 7 Uhr nachmittag«. Tägliche Ein­nahme 12 bis 15 Frank«. Der Platz ist von lebhaftem Verkehr. Einheimische, Kinder und Fremde promenieren hier und geben Almosen. Ernsthafte Reflektanten wollen sofort schreiben unter Expreß an die Exped. diese« BlaUei." Man sieht darau«, daß da« Bettlergewerbe in Pari« nicht nur ein gute« Geschäft ist, sondern auch die Form einer Monopol- wirtschaft angenommen hat, bei der der Bettler eine» besonder- guten Bezirke» sich nicht von irgendeinem beliebigen Kollegen Konkurrenz machen läßt.

(WinterelendinMessina.) Anhaltende Regen­güsse machen seit einigen Tagen den in Messma Kampierenden daS Leben zur Qual. Glücklich find nur etwa tausend Per­sonen, die in den Güter- und Personenwagen ihre Nächte ver- bringen dürsen. Noch glücklicher find die Beamten, daS mili- täusche Wachkommando, die Polizei und die wohlhabenden Kaufleute, die in den spärlichen Baracken schlasen und da» Ende der Regengüsse abwarten. Die übrige Bevölkerung ist allen UnbUden der Witterung hilflos auSgesetzt. Sie kam­pieren zumeist unter primitiven Zelten aus durchweichtem Boden. Denn die versprochenen Barackenbauten kommen wegen det Holzmangel» nicht vom Flecke. Alle« Elend trat klar zutage, alS am Freitag abend ein neuer heftiger Erdstoß die Tausende geängstigter Zeltbewohner Meffina» bei Sturm und Regen inS Freie trieb. AlleS ruft nun, da die Behörden nicht helsen, nach dem König. Tausendfach wird er bestürmt, nochmals nach Meffina zu kommen und zu helfen.

London, 6. März. Aus der Südostbahn stießen gestern vormittag bei Tonbridge zwei Züge zusammen. Zwei Personen wurden getötet. Der von der Victoria-Station abgelassene Sonderzug deS KönigS wuide infolge diese» Zusammenstöße» bei Bickley angehalten. Der König setzte feine Reise nach Dover über Chatham fort.

Letzte Nachrichten.

Wien, 7. März. Im Anlaustal ist eine Arbeiterbaracke mit 3640 Mann von einer Lawine verschüttet worden. BiS heute vormittag 10 Uhr waren sechs Leichen und elf Schwer­verletzte auSgegraben.

Wiesbaden, 7. März. Auf der Rodelbahn in der Nähe von Wiesbaden fuhr ein mit sechs Personen besetzter Schlitten mit voller Wucht gegen eine Telegraphenstange, wobei eine junge Dame getötet und zwei Personen schwer und zwei leicht verletzt wurden.

Belgrad, 7. März. In ganz Belgrad herrscht große Ausregung über eine Spionageaffaire, die die Belgrader Polizei angeblich entdeckt hat. Ein pensionierter serbischer Artillerie- major namenS Jankowitsch soll der österreichisch-ungarischen Regierung Spionagedienste geleistet haben. Jankowitsch soll bereit» ein Geständnis abgelegt haben. In die Affaire sollen mehrere höhere Beamten und Offiziere verwickelt sein.

B ö ck st e i n, 7. März. Bis sechs Uhr abend» wurden von den im Gasteiner Tal durch eine Lawine verschütteten Sirbeitern 15 tot und 12 lebend geborgen.

Pari», 7. März. Weil eine Anzahl französischer Offiziere bei Ballonfahrten in Deutschland landeten, hat der Kriegs­minister durch ein Rundschreiben verboten bei Ballonfahrten die Grenze zu überschreiten.