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und zwar Handwerker aller Art, vornehmlich Beschlag- schmiede, Schuhmacher, Maurer und Zimmerleute beim König­lichen Bezirk-kommando in Her-feld melden.

Die Au-reife erfolgt etwa in der ersten Hälfte deS Monat- Mai d. JS. Die Meldung muß sofort und zwar persönlich ersolgen, damit gleichzeitig die militärärztliche Unter­suchung aus Tropendienstsähigkeit erfolgen kann. Reisekosten können nicht erstattet werden.

Die zum Eintritt in die Schutztruppe sür Südwestafrika bereiten Mannschaften müssen sich für die normale Zeit­dauer von 3Va Jahren zum Dienst in der Schutztruppe ver­pflichten.

Die Bestimmungen über die Bedingungen und Ver- günstigungen der Schutzttuppen-Angehörigen können beim Königlichen Bezirk-kommando in Her-feld eingesehen werden.

E- wird noch autdrücklich daraus aufmerksam gemacht, daß et unzweckmäßig ist, lediglich auf die Meldung zum Eintritt hin bereits die Stellung zu kündigen oder sonstige Vorbereitungen zu treffen. (M. 545.)

HerSfeld, den 5. März 1909.

Königliche- Bezirk-kommando.

Nichtamtlicher teil.

Der Wille zur Tat

Wir sind jetzt im vierten Monat der Beratungen der Finan^ommission deS Reich-tage-, und noch immer ist kein einziger der Gesetzentwürfe ganz durchberaten, noch immer keine Verständigung unter den Mehrheitsparteien erzielt, die geeignet wäre, eine Lösung der Hauptschwierigkeiten zu ver­bürgen.

Ein- allerdings ist erreicht, aber weniger durch die Be­mühungen der Abgeordneten, als durch Wort und Schrift außerhalb der Reichstage-, daß nämlich über die Höhe deS Bedarfs, über die Notwendigkeit, die von der Regierung ge» fordetten 500 Millionen Neueinnahmen zu beschaffen, in allen Parteien kein ernsthafter Zweifel mehr besteht. Der ZentrumS- führer Spähn, bekannte kürzlich in der Kommission, daß die anfangs von seiner Fraktion befürwortete Beschränkung aus 300 Millionen in der Tat hinter dem Bedarse zurückbleibe. Nun also! Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Aber der Wille ist leider immer noch durch Rücksichten aus Programme, Dorftrinen und die Wünsche interessierter Kreise gehemmt. Für den schleppenden Gang der Beratungen die Regierungen verantwortlich zu machen, geht nicht an. DaS vorgeschlagene Verkaufsmonopol sür die Besteuerung deS Trinkbranntweins ist von der Subkommission durch einen anderen Entwurf ersetzt worden, der bestimmt nicht besser ist alS dat Monopol. Der vorgeschlagenen Bandcrolestcu« auf Tabak scheint es ähnlich gehen zu sollen. Die Nachloßstcuer ist in der Kommission abgelehnt worden, und die Beratungen unter den Fraktionen drehten sich während der letzten Wochen hauptsächlich darum, welche Besitzsteuer an Stelle der Nach- laßsteuer treten könne. Obgleich der Reichskanzler Fürst Bülow gerade gegenwärtig eine schwierige diplomatische Arbeit zur Verhütung einer Verschärfung der OrientkrisiS mit ihren mög- lichen kriegerischen Folgen zu leisten hat, wirkte er doch per­sönlich im geeigneten Zeitpunkt auf die Vertrauensleute der Blockparteien ein, um den Ernst der Lage klar zu machen und eine Verständigung in der infolge der auswärtigen Schwierig­keiten erst recht dringlichen Finanzreform herbeizuführen.

Wenn daS Kompromiß, das darauf zustande gekommen ist, auch noch einen unbefriedigenden Inhalt hat und in feiner vorläufigen Gestalt kaum die Zustimmung der verbündeten Regierungen finden wird, so ist eS doch wenigstens ali Aus- druck der Willen- zur Tat auftichtig zu begrüßen. Die Mängel, der sogenannten Kompromisse- bestehen hauptsächlich darin, daß er die Finanzhoheit der Sinzelstaaten beträchtlich schmälert und ein verwickelte- System von Belastungen deS Einkommen- und Vermögen- an Stelle der viel einfacheren und gerechteren Erweiterung der Erbschaft-besteuerung im Reiche setzen würde. Ek wird also noch größerer Einsicht, weiterer Nachgiebigkeit von recht- und links, stärkeren Willens zur Beseitigung bet Finanzmisere bedürfen, ehe man gewiß sein darf, daß der m einer Zeit nationaler Bewegung gewählte Reichstag die Er- Wartungen der Wähler rechtfertigen werde.

Kilt DemiWe Soft an Lecken.

Der ewigen Winkelzüge müde, mit denen die serbische Regierung einer bündigen und klaren Mitteilung ihrer wahren Absichten au-zuweichcn sucht, hat daS Wiener Kabinett nun­

mehr seinerseits die Initiative ergriffen, um endlich mit der kleinen Nachbarmonarchie in- reine zu kommen.

Der österreichisch-ungarische Gesandte in Belgrad Gras Forgach hat den Auftrag erhalten, der serbischen Regierung mitzuteilen, daß die beiden Regierungen der Monarchie infolge der Haltung Serbien- während der letzten Monate zu ihrem Bedauern sticht in der Lage sind, den Handel-Vertrag mit Serbien der parlamentarischen Erledigung zuzuführen. An- knüpsend hieran wird Gras Forgach die Mitteilung machen, daß die österreichisch-ungarische Regierung die bestimmte Hoff­nung hegt, daß Serbien, welches, wie allgemein verlautet, dem Rate der Mächte folgend, seine Politik in Betreff Bo-nienS und jber Herzegowina zu ändern entschlossen ist, die Entschließung sowie seine Absicht, mit Oesterreich-Ungarn friedliche und sreundnachbarliche Beziehungen zu unterhalten, ihr zur Kenntnis bringen wird. Sobald die österreichisch­ungarische Regierung hiervon verständigt sein wird, wäre sie bereit, über die Handels- und Verkehrssragen zwischen der Monarchie und Serbien in Verhandlung zu treten.

In Belgrad wird man nun wohl wissen woran man ist und sich danach richten müssen. Die Sprache der österreichischen Regierung ist bei aller Zurückhaltung und Bestimmtheit doch frei von jeder provokatorischen Beimischung. Sie wird in Serbien ihren Eindruck nicht verfehlen, sofern man dort über­haupt noch imstande ist, alle Illusionen abzuschütteln und fremden Einflüsterungen sein Ohr zu verschließen.

Die türkische Regierung hat ein Durchfuhrverbot von Waffen nach Serbien erlassen, dar sich bereit- für Serbien in unangenehmer Weise fühlbar macht.

Die türkische Regierung verweigerte die Durchfuhr der für Serbien in Liverpool bestellten Munition von 170 Tonnen. In dieser Sendung befinden sich auch 733 Stück Bomben.

Noch zwei JllustrationSsakten zur Weiterdauer der Krieg-- stimmung liegen in folgenden Berichten vor: Kronprinz Georg von Serbien wollte sein Leben bei Budapest« Versicherung-- gcsellschasten auf eine Million Kronen versichern lassen, waS ihm indes nicht gelang, und Kriegsminister General Ziwko- witsch erklärte nach einer Meldung des Belgrader BlatteS Zvono, er denke an keine Abrüstung.

Aus > und Ausland.

Berlin, den 7. März 1909.

AuS Bremerhaven wird gemeldet: Der Kaiser blieb heute vormittag bis 10V< Uhr an Bord deS Linien­schiffes Deutschland. Dann begab er sich, während die KriegS- schiffe Salut feuerten, an Land, um den im Kaiserhafen liegenden Schnelldampfer Kronprinzessin Cecilie zu besichtigen. Hierbei hatten der Vizepräsident bei Aussicht-rate- dc- Nord­deutschen Lloyd Konsul Acheli- und Oberinspektor Engelbarth die Führung übernommen. Nach Beendigung der Besichtigung wird der Kaiser, ohne vorher noch an Bord zurückzukehren, um 11 Uhr 40 Min. die Fahrt nach Bremen antreten. Se. Majestät der Kaiser traf in Begleitung de- Prinzen Heinrich und deS Gefolges im Sonderzuge von Bremerhaven kommend um 12 Uhr 13 Minuten in Bremen ein und wurde auf dem Bahnhöfe von den Bürgermeistern Pauli und Marcus, sowie den Senatoren empfangen. Der Kaiser begab sich mit seinem Gefolge in Automobilen nach dem Ratskeller, wo daS Früh­stück eingenommen wird.

Ueber eine Anfprache deS Kaiser- an die jungen Matrosen in Wilhelm-Haven berichtenHamb. Nachr.": Der Kaiser sprach von der Treue bis in den Tod. Er erinnerte an die großen Taten der Armee und an die Marine in Ost­asien und Afrika, an den Untergang derUnbine" und der FregatteGneisenau", an dat KanonenbootJltiS". Ob der Tod im Kampfe mit den Elementen oder in der See» schlacht an die Matrosen herantrete, immer sei eS ein Helden­tod. Weit« wieS der Kaiser auf die hohe Bedeutung des Maschinen-Personals hin. Die Maschine stelle den Lebens­nerv des Schiffes dar, daS verloren sei, wenn die Maschine stockte. Matrosen und Heizer seien gleichwertig, beide ganze Soldaten. Der Kaiser schloß:Unb nun, Rekruten, geht hin und tut Eure Pflicht."

In d« heutigen Sitzung der verstärkten Budget­kommission deS Abgeordnetenhauses wurde unter Zustimmung der Staatsregierung ein Gesetzentwurf nebst Tarif angenommen, der folgendes besagt. Sämtliche Städte und Ortschaften bleiben in ihrer bisherigen ServiS- klaste. Sämtliche Rang- und Ortsklassen erhalten zu dem bisherigen Wohnungsgeld einen Zuschuß von 33Vs Proz. Die indirekte Besteuerung der Junggesellen durch Verkürzung des WohnungsgeldzuschusseS sällt weg. Die Annahme erfolgte

gegen die Stimmen der Socialdemokraten bei einer Stimm­enthaltung.

Der landwirtschaftlicheUnterrichtimHeere hat im Herzogtum Anhalt, wo er kürzlich eingesührt worden ist, bisher einen günstigen Erfolg gehabt. Von den beiden Bataillonen in Dessau meldeten sich 52 Teilnehmer, vorn Bataillon in Zcrbst 20 und vom Bataillon iu Bernburg 128. Außerdem erklärten sich 5 Offiziere bereit, dem Unterricht bei» zuwobnen, der vom Generalsekretär der anhaltischen Lande-» fammer, von einem Tierzuchtinspektor und von Assistenten der landwirtschaftlichen Versuchsstation erteilt wird.

Die Agitation gegen die neu «Fernsprechgebühren» o r b n u n g nimmt groteske Formen an. Die Zentrale der Propaganda ist Berlin. Von dort auS sollen namentlich die kleinen" Fernsprechteilnehmer, Handwerker und MittelstandS- leute darüber belehrt werden, wie sehr gerade ihnen der Fern- sprechverkehr durch die neueurreaktionäre" undverkehrs- seindliche" Borlage verteuert werden soll. DieseBelehrung" aber beruht auf täuschenden Angaben. Von einer allgemeinen Verteuerung der Telcphonverkehr- ist gar keine Rede. Nach dem Entwurf ergibt der neue Tarif für die Reichrpostkasse nur eine Mehreinnahme von rund iVs Millionen Mk. Da aber die Gesamteinnahme auS den Fernsprechgebühren 91V2 Mil­lionen ausmacht, so würde dieVerteuerung" etwa anderthalb vom Hundert betragen und durchschnittlich jeden der fast 500 000 Fernsprechteilnehmer mit noch nicht 3 Mk. jährlich be­lasten, wenn eine allgemeine Gebührenerhöhung einträte. DaS kann man doch nicht eine Verteuerung deS Telephonverkehrs nennen! Dadurch, daß fortan eine Gesprächsgebühr erhoben werden soll, werden jedoch alle diejenigen Fernsprechteilnehmer entlastet, die von dem Anruf keinen allzu starken Gebrauch machen. Schon jetzt zahlen freiwillig über 200 000, also 40 v. H. der Teilnehmer Gesprächsgebühren von je 5 Psg., fortan soll der Satz aber nur 4 Pfg. betragen. Dabei ist zu beachten, daß nicht etwa, wie die Agitatoren glauben machen wollen, jede- Gespräch gebührenpflichtig, sondern daß da» Gespräch nur von dem Anrusenden zu zahlen ist. Eine höhere Gebührenordnung werden für ihren Telephonverkehr freilich fortan diejenigen Teilnehmer in Städten mit großen Fern­sprechnetzen leisten müssen, die einen ausgedehnten Gebrauch von den Anschlüssen machen. E» gibt solche Teilnehmer, die über 50 000 mal im Jahre ihren Anschluß benutzen und das sind meist solche, die ihren Fernfprecher der Kundschaft gratii zur Verfügung stellen. Diese verteuern nicht nur denkleine­ren" Angefchlossenen den Verkehr, sondern erschweren ihn auch, indem sie hauptjächlich schuld daran sind, daß in Orten mit großen Fernsprechnetzen so oft vergeblich angeklingelt werden muß (in Berlin geschieht dies durchschnittlich in 20 von 100 Fällen). Diesen mag ruhig der Telephonverkehr verteuert werden, da» entspricht der Gerechtigkeit. Dagegen haben die an kleinere Netze Angeschlossenen berechtigten Anspruch darauf, billigere Gebühren zu zahlen alS bie bevorzugteren und starken Verkehr pflegenden Teilnehmer.

Zum deutsch - schwei zerisch en Mehlzoll­kon s l i k t wird aus Bern, 5. d., gemeldet: Die Vorn BundeSrat einberufenen Zollkommissionen bei Nationalrates und deS Ständerate» nahmen gestern und heute in gemein­schaftlichen Sitzungen den Bericht bei BundeSrateS über den Verlauf und den Stand deS MehlkonflikteS mit Deutschland entgegen. Da der BundeSrat zurzeit noch verschiedene Mittel zum Schutz der schweizerischen Müllerei erwägt, und die An­gelegenheit nicht aus dem Punkt steht, wo ein Beschluß der ^*k Kommissionen oder eine Aktion der Bunderversammlung un­mittelbar geboten wäre, wurde keine Resolution gefaßt. Dem Bundesrat wurde daS volle Vertrauen auSgedrückt.

Einen neuen Erlaß über die Ausführung deS Verein-gesetze- hat der preußische Minister bei Innern an die untergebenen AussührungSorgane gerichtet. Er enthält zunächst sehr entgegenkommende Bestimmungen über die Aus­wahl der für die öffentliche Anzeige zu bestimmenden Zeitungen und ordnet dann an, daß das behördliche Einschreiten, soweit daS Gesetz bafür Raum läßt,niemals in kleinlicher und un­nötig rügender Weise" erfolgen, sondern nur dann eintreten darf, wenn es zum Schutze ein:» erheblichen staatlichen Interesses tatsächlich nötig ist und nur in dem zur Erreichung dicjes Zweckes gebotenen Umfange. Auch auf Umwegen soll daS Vereinsrecht durch die Behörden nicht beinträchtigt werden. Er fei einMißbrauch der Amt-gewalt", wenn ein Beamter lediglich aui der Tatsache, daß Personen an Versammlungen bestimmter politischer Parteien teilgenommen oder den Raum dafür hergegeben haben, den Grund entnimmt, eine gewerb­liche Konzession, die Ausdehnung der Polizeistunde, die Er« laubnir zur Abhaltung von Lustbarkeiten usw. zu beschränken oder zu entziehen.

hätte der Motte, die wie verloren von HedwigS Lippen fielen: Ich wüßte niemand, ben ich hier lieber an meine Stelle treten sähe!" gar nicht bedurft, um Hans Bneger erraten zu lassen, war in der Seele seiner Schwester vorging.

Seine Erwiderung:ES soll aber niemand an Deine Stelle treten, denke an nicht-, als daß ich mich auf Dich ver- laste!" klang scharf, beinahe heftig nnb ihr folgte abermalS Stillschweigen.

Die Antwort schien jedoch gefruchtet zu haben am Nachmittag war e- Hedwig, die sich mit einem Stück Lein- wand und ihrem Nähzeug auf der Holzbank vor der Mühle niederließ, über die sich der Rotdorn wie eine schmale Laube wölbte.

Fabian, der sie zuerst dort erblickte, nachdem er seinen jungen Herrn durch ben Mahlraum geleitet hatte, unterdrückte einen Au-ruf der Ueberraschung.Dort hat sie nicht ge- festen, feit Base Dore starb", sagte er leise und fügte hinzu: ,Et wird langsam ftischer, Herr verlosten Sie sich da­raus!" '

HanS mußte wohl glauben, war ihm vor Augen stand mit einem plötzlich erwachenden Wohlgefühl setzte er sich zu seiner Schwester und so tief wirfte das friedliche Behagen dieser Stunde, daß er, ohne ein Wort zu sagen, die Finger HedwigS am Saum der Leinwand hingleiten sah und dann die Äugen schloß, leise den altvntrautcn Hauch in sich sog und die Bimen, die um die roten Blüten freisten, über sich hinfummen ließ.

Und wiedn war- jetzt Hedwig, die den Anfang zu einem Gespräch machte, wie er eS seit seiner Heimkehr umsonst er­sehnt hatte. Sie zeigte, daß sie um den Stand deS Geschäft- und die Bedürfnisse der Mühle besser Bescheid wußte alS Han- itgenb vorau-gesetzt hatte. Mit ihren kurzen Bemer­kungen löste sie ihm die Zunge, eifrig teilte er ihr mit, wa- er von femer Schule heimgebracht hatte und zur Verbesserung des ganzen Betriebes al-bald und in den nächsten Monaten tun wollte.

Sie liess sich erzählen und erklären nur einmal, a» er von den großen Rädern sprach, merkte er ein verräterischer Zuckm in ihrem Gesicht. Doch gleich nachher schien sie

wieder ruhig, lauschte teilnehmend seinen Plänen, gab auch selbst ein verständiges Wort drein. Sie verließ ihn den langen sonnigen Nachmittag hindurch nur einmal, um ihm einen frischen Trunk aus dem Keller zu holen; ein paar Stunden lang hätte Hans wähnen können, nun sei alles, wie er eS in der Fremde gewähnt hatte. Er wurde selbst kühn und kündigte Hedwig an, daß er mit ihr im Lause der Woche nach Dobbnenz, einem Nachbarflecken sahren wollte, wo von ben Geschwistern noch ein väterlicher Verwandter lebte. Sie hörte ihn ohne ein Zeichen deS Widerstreben- an und ant­wortete aus seine Aeußerung, man müsse der Welt zeigen, daß in der Rotdommühle alle- vernünftig und nach Recht zugehe, mit einem flüchtigen Lächeln, daS ihm wie ein warm« Strahl da» Herz «wärmte.

Eine kleine Weile später aber hob Hedwig an:Du siehst, Han», ich mache den Ansang, nach Deiner Weise vernünftig zu sein. Nun mußt Du selbst ein übriges tun. Die Nach­barn dürsen nicht glauben, daß Du um meine- Unglücks willen Dich versteckst und ihnen aus dem Wege gehst! Mir und Dir zulieb mußt Du Dich heute abend beim Mai­tanz blicken lassen. Du brauchst ja nur eine Stunde dort zu bleiben, ab« man muß sehen, daß ich Dich nicht zurück- halte."

Sie stockte und sah wieber aus ihre Arbeit hinab, als scheue sie dem festen, scharfen Blick deS BruderS zu be­gegnen.

Doch Hont hatte sie nicht scharf, sondern nur erstaunt angeblickt.

Ihre Aufforderung traf mit einem heimlichen Wunsche zusammen, der sich in ihm regte, seit er Hedwig so gesaßt und umgewandelt sah. Er verlangte ihn selbst aui der Stille hier hinweg in frische brausende Leben-wellen zu tauchen.

Mit einmal trat die schlanke Mädchengestalt, die ihm diesen Morgen begegnet war, wieder vor seine Augen. Wäre die- nicht der Fall gewesen, so hätte er eben jetzt die Glut innerer Erregung aus den blaffen Wangen HedwigS und einen Autdruck schwer atmend« Spannung wahrnehmen müssen.

So aber sagte er unbekümmert und leichthin:Wenn Du meinst könnte ich wohl eine Stunde zu Fassoldts hinüber­gehen!" und lachte dann zu dem fieberhaften Eifer, mit dem sie ihm empfahl, sich schön zu machen. HanS musterte flüchtig seinen braunen städtischen Rock und versetzte lachend, der Anzug, in dem er zur Kirche gegangen sei, werde wohl auch für FassoldtS Gartensaal genügen.

Er achtete dabei doch mehr auf sich selbst all auf Hedwig, ging geschäftig in sein Zimmer und wechselte auS dem Fenster heraus mit der Schwester noch ein paar gleich­gültige Worte.

Er wollte nicht vespern und wenn er rechtzeitig zum Abendessen heimkomme, genüge ihm ein Butter­brot und ein GlaS Bier. Er sah nicht, wie Hedwig zu seinem rasch erwachten Eifer befriedigt nickte und dann einen sehnsüchtigen Blick nach den Wellen der Ohra hinüber- schickte, die zwischen dem großen Wehr und am Brückensteg im Nachmittag-sonnenscheine beweglich glitzerten.

^Fortsetzung folgt.)

(Die Mörderin ihres Manne-.) Ein surcht» bareS Ehedrama spielte sich in Paris ab. Ein junger Ehe­mann kam mit seiner Frau wegen bei mißlungenen Mittag­essens in Streit, der zu einer Schlägerei zwischen Mann und Frau führte, wobei der Gatte einen Revolver ergriff und jagte:WaS tätest du an meiner Stelle, wenn du den Re­volver hättest?Ich würde dich töten," erwiderte die Frau. Der Mann gab seiner Frau den Revolver in die Hand, woraus die wütende Frau ben Mann durch einen Schuß tötete. Daraus stellte sie sich der Polizei.

Stendal, 6. März. Der Eisenbahnbetrieb auf der Strecke Osterburg-Seehausen in der Altmark wird Montag wieder ausgenommen werden.

-- M ü n ch e n, 6. März. Die Gebrüder Wilbur und Orville Wright haben in Anerkennung ihr« zielbewußten Lösung bei FlugproblemS von der hiesigen Technischen Hochschule bie Würde eine» Doktors der technischen Wissenschaften ehrenhalber erhalten.