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Ruhe Europa» stören zu lassen, so wird eS doch schwer sein, jetzt noch mit Erfolg einen gemeinsamen Schritt der Mächte in Belgrad herbeizuführen.

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Die widersprechenden Meldungen auS Belgrad lassen einst- weilen kein klare» Bild über die wirklichen Absichten der ser­bischen Regierung gewinnen. Es scheint, daß man der Nach- richt von einer ablehnenden Haltung Serbiens gegen die Vorstellungen der Mächte nicht unbedingten Glauben schenken darf. Man wird daher weitere Meldungen abwarten müssen, bevor man zu einem abschließenden Urteil über die wahren Absichten der Belgrader Regierung gelangen kann. Vorläufig ist folgendes festzustellen:

Der Widerspruch in der verschiedenen DarstellungSweise erklärt sich, in einem Manöver, das daS serbische Ministerium beliebt hat. Wie berichtet wird, hat der serbische Minister deS Auswärtigen nicht vor dem etwa» ungewöhnlichen Trick zurückgescheut, den verschiedenen Vertretern der Mächte verschiedene Auskünfte über daS Verhalten seiner Regierung zu den Vorstellungen der Mächte zu geben. Welche praktischen Zwecke dieser Diplomat mit seiner Doppel- züngigkeit verfolgt hat, ist nicht aus den ersten Blick erkenn- bar, zumal dieses merkwürdige Spiel diplomatischer Verschmitzt­heit doch nur von äußerst kurzer Dauer sein konnte. Die Vertreter der fremden Mächte werden wohl ihre Schlüsse hieraus zu ziehen wissen, und die Mitteilungen deS serbischen Ministeriums von nun an mit größerer Vorsicht entgegen- nehmen. Der momentan kritische Stand der Dinge drängt jedenfalls zu einer Entscheidung; schon die nächsten Stunden können eine solche bringen.

Der Minister deS Auswärtigen Milowanowitsch beries sämtliche Redakteure der serbischen Zeitungen und teilte ihnen mit, daß die Antwort der serbischen Regierung auf die Rat­schläge Rußlands, die in äußerst freundschaftlichem Sinne gehalten waren, vom Geist eines friedfertigen Entgegenkommens in dem Maß erfüllt sei, als dies die Interessen Serbiens ermöglichten. ES liege deshalb keine Ursache zu einer Beun- ruhigung vor.-

Mr Jn- und Ausland.

S e. Majestät der Kaiser traf gestern vormittag in WilhelmShaven kurz nach 10 Uhr aus der Werft ein, wo Staatssekretär v. Tirpitz und Oberwerstdirektor Konteradmiral Dick Ihn empfingen. Unter ihrer Führung besichtigte der Kaiser den Neubau des Linienschiffes Ersatz Oldenburg, das Linienschiff Nasiau sowie die Maschinenbauwerkstatt und fuhr dann aus dem Wasserwege zur Strombauverwaltung zur Be­sichtigung der Jadekorrektion und der Neubauten am EmS- Jade-Kanal. Die Rückkehr aus die Deutschland erfolgte kurz vor 1 Uhr. Kurz nach 1 Uhr traf Se. Majestät im Slations- gebäude ein, um da» Frühstück bei dem Etationschef Admiral v. Fischel einzunehmen. Geladen waren ferner der Großherzog von Oldenburg und Prinz Heinrich von Preußen. Nach dem Frühstück lehrte der Kaiser aus die Deutschland zurück und er- ledigte dann RegierungSgeschäste. An dem Abends 8 Uhr beginnenden Bierabend des OffizierSkasinos nahmen Se. Majestät der Kaiser, Prinz Heinrich und der Großherzog von Oldenburg teil. Gegen 11 Uhr NachtS kehrte Se. Majestät der Kaiser mit dem Prinzen Heinrich und dem Großherzog von Olden­burg an Bord der Deutschland zurück. Heute morgen zwischen 8 und 9 Uhr unternahm Seine Majestät einen Spaziergang om neuen Hasen. Um 9 Uhr verholte die Deutschland nach der Kammeischlruse.

Ueber die wiederholt erwähnte, vom deutschen Kron­prinzenpaar gesammelte Radbod-Spende und deren Verteilung hat der Hosmarschall Graf von BiSmarck- Bohlen demBerl. $gbL folgende Mitteilung gemacht: Die Zeche Radbod ist vom Hofmarschallamt befragt, welche Ver­trauensleute sie namhaft machen wolle, denen die Spende überwiesen werden sollte. Die Zeche antwortete, der gesetzliche Arbeiterauischuß werde nach Berlin kommen. Das geschah auch, und der Kronprinz übergab dem AuSschusse das Ver- fügungSrecht über die Summe, die an die Sparkasse zu Hamm eingezahlt wurde. Mit der Uebergabe der Summe an den Arbeiterau»schuß war dak Versügungsrecht deS Kronprinzen er- loschen; nur der AuSschuß kann im Verein mit dem Knapp- schafttverein, der über die allgemeine Spende verfügt und deshalb mit zugezogen werden mußte, Bestimmungen treffen. Wettere Deputationen konnte der Kronprinz nicht empfangen, weil er sich nur an die gesetzliche Arbettervertretung halten konnte. Mit dem Großen Komitee hatte der Kronprinz nichts zu tun. Eine Anzahl Radboder Witwen hat nun tatsäch- lich die Hammer Sammelstelle aus sofortige HerauSzahlung der ganzen Spende verklagt.

Die Finanzkommission deS Reichstags nahm in erster Lesung mit 15 Stimmen der Blockparteien gegen 13 Stimmen dek Zentrums, der Sozialdemokratin und der Polen einen Antrag der Reichspartei betr. Erhebung von Besitzsteuern von den Bundesstaaten an. Nach dem Anttag der Reichspartei sollen Besitzsteuern von den Bundesstaaten erhoben werden, deren Betrag alljährlich durch den Rcich.hauShaltSetat bestimmt wird und bis zum 1. April 1914 100 Millionen nicht übersteigen darf. Die aus die BundeSstaaten entfallenden Beträge dürfen nur durch allge- meine Steuern auf Einkommen, Vermögen und Erbschaften ausgebracht werden. Einkommen bis 3000 Mark und Ver­mögen bis 20 000 Mark bleiben frei. Die Erhebung von Besitzsteuern soll spätesten» ab 1. April 1911 erfolgen. Die Vertreter der Blockparteien erklärten ihre vorläufige Zustimmung. Staatssekretär Sydow sah in dem Kompromiß die Absicht, vorwärts zu kommen, verzichtete aber aus die Kritik. Ein Beschluß deS Bundesrats liege noch nicht vor. Der bayerische BundeSratSbevollmächtigte schloß sich im Namen der übrigen Bevollmächtigten dieser Erklärung an. Am Schluß der Sitzung wurde der Anttag der Reichspartei mit 15 gegen 13 Stimmen angenommen. Damit ist . der Zentrumsantrag erledigt. Morgm Tabaksteuer.

EinmohammedanischerAgitatorinDeutsch- Ofiasrika, der Araber Zahor Ben Mohammed El Zebri, der dringend verdächtig war, in Taboro unter dem Deckmantel religiöfer Propaganda gegen die deutsche Herrschaft agitiert haben, ist aus Anordnung bei Gouvernement- nach der Insel Mafia deportiert worden. Die Anordnung soll aus eine Anzeige deutsch-freundlicher Mohammedaner geschehen fein.

Aus einer Konferenz der rheinisch-westsälischen Polizei- Inspektoren in Elberseld ist die Frage der Bekämpfung

* Schundliteratur eingehend besprochen worden. Von aucn Teilnehmern der Konferenz wurde sestgestellt, daß me Verbreitung der Schundliteratur einen ganz bedenklichen Umfang angenommen habe. Die Polizei-Inspektoren konnten auS ihrer BcrusStätlgkeit zahlreiche Fälle ansühren, in denen Verbrechen auf die Lektüre von Schundromanen zurückzusühten *«m. ES wurde aber auch festgestellt, daß da» Einschreiten

der Polizeibehörden gegen die Verbreitung der Schundliteratur fast zwecklos sei, da eine brauchbare gesetzliche Handhabe fehle. Schließlich wurde ein Antrag angenommen, daß alle Polizei- verwaltungen gleichlautende Eingaben an ihre Vorgesetzten Dienstbehörden richten möchten, damit die Regierung eine zweckmäßige GesetzeSvorlage zur Bekämpfung der Schundliteratur einbringe.

Eine traurige Truppenschau.

Man schreibt derKreuzzeitung" aui Rom: Vor einigen Tagen kündigte der in Reggio Calabria wohnende General Mazzitelli an, er wünsche vor seiner Abreise au» dem Erd- bcbengcbiet die von dem Unglück verschont gebliebenen Soldaten zu begrüßen. Ueber diese eigenartige Truppenschau, für die sich sonst nur Beispiele in den blutigsten Kriegen bieten, gibt folgende Zeitschrift bei jungen Artillerieoberleutnants Manlio Giglio an die ZeitungPreparazione" ein er greifende» Bild:

Heute früh, in der unsäglichen Traurigkeit eines bleiernen Wintertags, haben sich die Truppen auf den Weg gemacht, Abteilungen deS 22. Infanterieregiment», bei 3. Küstenartillerie- regimenti und der Karabinieri. Wir haben unsere Artilleristen sauber herau-gcputzt mit grauen Mänteln, neuen Mützen und gelbem Lederzeug, derart, daß die wenigen, welche die Trümmerstadt durchschlendern, sich erstaunt nach den unge- wohnt gut gekleideten, aber schweigsam, gebeugt, gleich Schattenbildern des Schrecken», der über sie hinweggesahren ist, ihre Straße ziehenden Soldaten umschauen. Langsamen Schritte» marschieren wir zum Exerzierplatz, ein eisiger Wind fährt uns übers Gesicht, und eine dicke Wolke steigt drohend am Gesichtskreise herauf. Kein Laut, kein Gesang . . . Noch fühlen wir uni den Lieben nahe, die vor wenigen Wochen jn Reihe und Glied mit uni denselben Weg machten beim Gesänge der leidenschaftlichen fizilianischen Lieder . . .

Aus dem Modena-Platze erblickten wir bereits eine unbe­wegliche dunkle Masse: ei ist die Infanterie, über welche die Sichel de» Tode- am erbarmungslosesten hingestrichen ist. Vor den um die Fahne sich gruppierenden Soldaten steht ihr Oberst Gras Trombi, wie eine Bildsäule, die Hand auf den Säbelknaus gestützt und den Blick in die Ferne gerichtet. Ein paar Kommando-, der Fahnengruß, inniger und trauriger als gewöhnlich, und auch wir sind auf unsern Posten. Kurz daraus erscheint Generalmajor de Chaurand, der den Befehl über die Truppen übernimmt. Dichter scharen sich die Wolken zusammen. Wie Blei ruhtt auf der trüben, schäumenden Flut der Meerenge. Nicht» unterbricht bai tiefe Schweigen. Nur von Zeit zu Zeit trägt der Wind uns in zitternden Miß- klängen den Anschlag der Glocken von Reggio herüber. Hier und da kommt ein Bauer vorüber und zieht, von dem Auf­tritt gepackt, den Hut. Auch wir lassen unsere Blicke voll ängstlicher Neugierde unsere Reihen entlang schweifen; ei ist da» erste Mal seit jenem Schrecken»morgen, daß wir alle bei­sammen sind, und so empfangen wir eigentlich erst eine Vor­stellung von dem furchtbaren Opfer, da» ein paar Augenblicke gefordert haben. O du vor zwei Monaten schönes Regiment, ihr stolzen Bataillone, wo seid ihr geblieben ?

Ein dreifaches Hornsignal, ein paar Befehle reißen un» auS unseren Gedanken. Seine Exzellenz ist eingetroffen, wir sehen ihn auS dem Automobil steigen, er schreitet langsam heran, grüßt ernst die Fahne und beginnt die Truppenschau. Die Truppenkörper, an denen er vorüberkommt, erweisen ihm die militärische Ehrenbezeugung. Alle Augenblicke bleibt er stehen, fragt und hört austnerkfvm die Antwort an . . . Zuweilen antwortet, wenn die Lippen deS Gefragten krampf­haft geschlossen bleiben, der Oberst, und man sieht, wie er auf die zerstörte Stadt weist . . . Endlich kommt der General auch an uns. Ein Hauptmann grüßt militärisch.

Und der Kommandant bei Bataillon- ?" hören wir ihn leise fragen.

Ist tot I"

Der Bataillon-adjutant?"

Zoll

DaS folgende Schweigen wirkt lähmend.

Diese paar Leute?"

Exzellenz, das ist meine Kompagnie!"

Der General schreitet leichenblaß an den elf Soldaten vorüber, die ihn starr, wie versteinert, anschauen. Ein unter­drücktes Schluchzen schnürt uni die Kehle zu. Jetzt steht der General vor uns. Er fragt un«, bringt aber kaum die Worte heraus.Sag mir, mein Sohn," wendet er sich an einem Rekruten,kanntest Du alle Deine toten Kameraden?"

Jawohl, Exzellenz", antwortete der Aermste kaum ver­nehmbar.

Und Du wirst sie nie vergessen, nicht wahr?"

Umsonst toartet man auf die Antwort. Die einzige Ant- Wort glänzt in den Tränen, die über die zuckenden Wangen perlen, die einzige Antwort ist der leise Aufschrei unser aller: Niemals!" Eine Weile später scharen wir Offiziere uni um den General, der un» gerufen hatte. Er beginnt, mit leiser Stimme von Dank und feinem Stolz aus unsere Leistungen zu sprechen, aber während er redet, geht die Stimme schließlich in einem verhaltenen Schluchzen unter. Ein Augenblick trau- rigen Stillschweigen» folgt. Aller Augen sind feucht. In allen Herzen erhebt sich noch einmal die stumme Klage der toten Kameraden und die laute der sterbenden . . . Dann befinden wir un», ganz von selbst, wieder aus unsern Plätzen. Abermals weckt bai dreifache Signal daS unbestimmte Echo der umliegenden Höhen, abermals kurze Kommandorufe und der General schreitet die Front ab, schaut uni alle an, langsam, feierlich. Plötzlich bleibt er stehen. Die Fahne weht klatschend im Winde zu einem letzten Gruße. Gewiß geht dem General die Erinnerung durch den Kops, wie die Soldaten in jenen SchreckenSstunden bei 28. Dezember das teure Zeichen auS dem Schütte hervorscharrten und wie die sterbenden Sol­daten auf bai breifarbene Tuch ihren letzten Kuß drückten und ihre letzte Zähre weinten. Die letzte Liebe gehörte der Fahne, als ob sie ihre Mutter wäre.

Oberst Trombi!" ruft der General mit weithin tönender Stimme. Der Oberst eilt herbei und steht, eine kriegerische Gestalt, hochaufgerichtet vor dem General, der ihm im Anblick der Fahne schweigend die Hand drückt. Da» ist der Abschied. Dunkel ward der Himmel. Einige große Tropfen peitscht der Wind in unser Antlitz. So verlassen wir die Stätte der letzten Parade, und schweigsamer noch als zuvor lenken wir unsere Schritte nach der Trümmerstadt zurück.

Aus Provinz u. Nachbargebiet.

* (Personal-Chronik.) Ernannt: der Seminar- lehrer, Pfarrer extr. Schüler zu Dillenburg aus Präsentation zum Pfarrer in Nassenersurth, Klasse Borken, der Pfarrer extr. Trübestein zum Hilfspsarrer in Melsungen. EtatSmäßig an- gestellt: die Telegraphengehilfinnen Loo» und Maria Mühl- Hausen in Eassel. Ueberwiesen: der ReginungS-ffessor Eiemon

in Hauau der Königlichen Regierung in Düsseldorf zur weiteren dienstlichen Verwendung. Versetzt: der Kreisbauinspektor Baurat Trimborn in Cassel an die Regierung daselbst als Landbauinspektor, der Kreisbauinspektor ScheSmer von Kammin nach Cassel, der Gerichtsvollzieher Günther in Nieder» aula an daS Amtsgericht in Mülheim (Ruhr).

*(Da» Wetter im März). Der diesjährige März soll unS nach den Wetterprognos n noch nicht den Frühling bringen. Eine derselben eröffnet recht schlechte Aussichten. Sie lautet: Vom Anfang bis zum 4. März stürmisches und schneeige» Wetter. Dann zwei schöne Tage, darauf vom 7. bis 9. Regen. Der 11. März soll von neuem Schnee bringen. Dann einige schöne aber kalte Tage. Die Tage vom 18. bii 20. sollen sogar sehr kalt sein. Auch Schneesälle sollen erneut einsetzen. DaS letzte Drittel bei Monats soll ebenfalls uni noch nicht die ersten Kinder Flora» bringen. Kalt und rauh soll e» bis zum letzten Tag des März sein. DaS ist gewiß keine erfreuliche Prognose, und wollen wir nur hoffen, daß sich der Wetterprophezeier geirrt hat.

* (Förderung des Obstbaues). Von der Königl. Regierung zu Cassel sind den Volksschulen unsere» Regierungs­bezirk» illustrierte Verzeichnisse der im Regierungsbezirk Cassel verbreiteten Kernobsthandelsorten unentgeltlich überwiesen worden. Man hofft auch dadurch einen günstigen Einfluß aus den Handel wertvoller Obstsorten auSzuüben. Die letzten Jahre haben deutlich gezeigt, wie außerordentlich nutzbringend der Obstbau werden kann, aber auch, wie wenig Deutschland bii jetzt noch imstande ist, seinen Obstbedarf im eigenen Lande zu gewinnen. DaS genannte Werkchen ist von dem Obstbauverein für den Regierungsbezirk Cassel herauSgegeben und von dessen Geschäftsführer bearbeitet. ES weist auch aus die vielfach nicht genügend beachtete Tatsache hin, daß man, um gute Sorten zu erzielen, vor allem auch darauf zu sehen hat, daß die Ler- edelungSreijer von tragbaren Bäumen, die bereit- Zeugnis von ihren guten Eigenschaften abgelegt haben, genommen werden müssen.

* Im Gelände bei Truppen-Uebung-- Platze» für das 11. Armeekorps bei Ohrdrus wird in diesem Frühjahr mit den Arbeiten zur Herrichtung bei Lager- (insbesondere den Au-schachtungSarbeitcn u. s. w.) der Ansang gemacht und schon in kurzer Zeit werden die Erdarbeiten, zu deren Bewältigung voraussichtlich eine erhebliche Zahl von Arbeitern erforderlich sein wird, in Angriff genommen. Die Erbauung einer Arbeiterkantine steht nahe bevor. Schienen zur Anlegung einer schmalspurigen Eisenbahn und Lowry» sind bereits eingetroffen und in das UebungsPlatzgelände, östlich von der Stadt, belördert worden. Zur Herbeiichaffung von Kie«, der bei den Straßenbauten rc. jedenfalls in erheblichen Mengen zur Verwendung gelangt, wird eine Feldbahn her» gerichtet, zu deren Anlegung die Vorarbeiten schon in Angriff genommen sind. In diesem Jahre werden voraussichtlich die Schießübungen im Monat Mai beginnen, doch dürften die Scheiben- bezw. Zielkommandos behufs Vornahme der von ihnen auSzuführenden umfangreichen Vorbereitungen schon zu einem früheren Zeitpunkt eintreffen und wieder auf dem vor­maligen Rittergut Heerda ihre Unterkunft finden. Während im vorigen Jahre nur jeweilig ein Bataillon Infanterie, in der Regel aus die Dauer von 3 Tagen, dort untergebracht wurde, um feine Scharsschießübungen auf den beiden Schießplätzen bei den früheren Gütern Hundsbrunn und Hesscrode vorzunehmen, werden diesmal zu den bezeichneten Uebungen die Truppen jeweilig in einer größeren Anzahl heran gezogen werden. j

):( Hersfeld, 5. März. Die Trauung der jüngsten^^ Tochter bei General-FeldmarschallS von Hahnke Fräulein Josephina von Hahnke mit Herrn Landrat Alexander von G r u n e l i u S fand, wie bereits berichtet, am Mittwoch nach­mittag in der Domkirche zu Berlin statt. Die Trauung voll- zog Militäroberpsarrer Goen». Eine Auszeichnung wurde der Braut zuteil, als ihr die K a i f e r i n durch eine Hofdame ein prachtvolle» Blumenbukett beim Eintritt in die Kirche über­reichen ließ. An die kirchliche Feier schloß sich ein Festmahl im Hotel Adlon, an dem nur die Familienangehörigen bei Brautpaare» und die Mitglieder der nächsten befreundeten Familien teilnahmen, darunter der Minister von Berhmann Hollweg und Gemahlin, Gras und Gräfin Ziethen-Schwerin, Herr und Frau von Schwerin-Hohenbrunzow, Oberpräsidialrat von Winterfeld und von Bülow, StaatSrat Frhr. von Harden- berg, Frau Gräfin Waldcrsce, Regierungspräsident Graf Bern- storff und Kammerherr von Carlowitz. Der erste Toast, auS- gebracht von dem Vater der Braut, galt dem Kaiserpaar. Auch den Trinkspruch auf das Brautpaar brächte Exzellenz von Hahnke in herzlichen Worten aui. Herrn Landrat v. G r u n e l i u i und seiner Gemahlin sind zu ihrer Ver- mählung sehr herzliche Glückwunschtelegramme bei Kaiser- paares zugegangen. Unter den zahlreichen weiteren Glück­wünschen befanben sich auch Telegramme der Landgräfin Anna von Hessen sowie bei Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen.

):( Hersfeld, 5. März. Wie im amtlichen Teil der heutigen Nummer bekannt gemacht wird, hält der Königliche Kreisbauinspektor am Donnerstag, den 11. d. MtS., mittags 12 Uhr, im Saale bei Hotel zum Stern einen Vortrag über die Ziele und das Wesen der Baupolizeiord­nung. Wir möchten alle Interessenten auf diesen Vortrag ganz besonders ausmerkjam machen.

§ Hersfeld, 5. März. (Allgemeine Ortskranke n- k a s s e z u H e r S s e l d.) Das Geschäftsjahr 1908 hat fol­gendes Ergebnis (die eingeklammerten Zahlen bezeichnen das Ergebnis bei Vorjahres): Durchschnittliche Zahl der Mitglieder 2095 (2276), ErkrankungSfälle mit Erwerbsunfähigkeit: männ­liche 1085 (946), weibliche 92 (70), KrankheitStage mit Er­werbsunfähigkeit: männliche 18 231 (16 794), weibliche 2368 (1686), Sterbefälle: männliche 12 (12), weibliche 2 (2). Ein- nahmen: Kasfenbestand vom Jahre 1907 3845 Mk. 84 Pfg., (2735 Mk. 7 Pfg.), Zinsen von Kapitalien 950 Mk. 95 Pfg. (784 Mk. 95 Pfg.), Eintrittsgelder 274 Mk. 10 Pfg. (302 Mk. 40 Pfg.), Beiträge 46 721 Mk. 92 Pfg. (44 250 Mk 29 Pfg.), Ersatzleistungen 640 Mk. 32 Pfg (694 Mk. 80 Pfg.) Zurückgezogene Kapitalien 3084 Mk. 05 Pfg. (3000 Mk.), Sonstige Einnahmen 1521 Mk. (1527 Mk. 45 Psg.). Aus­gaben : Aerztliche Behandlung 8466 Mk. 20 Psg. (7029 Mk. 85 Pfg.), für Arzneien 4984 Mk. 65 Psg. (3603 Mk. 09 Psg.), Krankengelder a. an Mitglieder 19 975 Mk. (16 848 Mk. 20 Ps.), b. an Angehörige 644 Mk. 07 Psg. (679 Mk. 42 Pfg.) Wöchnerinnen-Unterstützung 196 Mk. 05Pfg. (174Mk. 10 Psg.), Sterbegelder 686 Mk. (776 Mk.), Krankenhausverpflegung 6813 Mk. 70 Pig. (7827 Mk. 07 Psg.), Ersatzleistungen 86 Mk. 20 Pfg. (102 Mk. 98 Psg.), Kap talanlagen 7248 Mk. 85 Psg. (7500 Mk.), Vcrwaltungskvsten 2642 Mk. 88 Pig. (2430 Mk 23 Psg.), sonstige Ausgaben 324 Mk. 20 Psg. (336 Mk. 32 Psg.). Der Kassenumsatz (Einnahme und AuS- gäbe) betrug in 1906 88 952 Mk., in 1907 101544 Mk., in 1908 110 638 Mk. Der Reservesond betrug Ende 1908