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herchlder Armblatt

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Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 25.

Amtlicher teil.

Der Herr RegierungS-Präsident hat mich für die Zeit vom

2. März bis emschl. 12. April d. J. beurlaubt.

Mit meiner Vertretung ist der RegierungS-Reserendar §x Hinget beauftragt worden.

HerSfeld, den 25. Februar 1909.

I. 2078. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 24. Februar 1909.

Die Pächter des von Baumbachhchen Rittergutes in Kirchheim W Hold, Landwirt A. Berk u. Genossen daselbst haben an Stelle Per tm Aulafluß innerhalb der Gemarkung Kirchheim zwischen denBornwiesen" undIn der Gewanne" belegenen defekten Stauanlage eine

neue Stauanlage für Zwecke der Bewässerung ihrer Wiesen herstellen lassen.

Dies wird mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Einwendungen gegen die Anlage innerhalb 14 Tagen schriftlich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll bei mir angebracht werden können.

Später eingehende Einwendungen können keine Berück­sichtigung finden.

Die Zeichnungen zu der Stauanlage liegen in meinem Büro zur Einsichtnahme während der Dienststunden offen.

I. 2015. Der Königliche Landrat.

J. A.:

F e l l i n g e r, RegierungS-Reserendar.

Hersseld, den 19. Februar 1909.

Zur Abhaltung des diesjährigen Erfatzgeschäftes für den Kreis Hersseld sind folgende Termine bestimmt worden:

Sonnabend den 13. März d. Js., von morgens V28 Uhr an, und zwar imSaale des Gastwirts Geheb (früher Kronederg) zu Schentteugsfeld

Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. des Amtsgerichtsbezirk» Schenklengsseld.

Montag den 15. März d. Js., von morgenS 8 Uhr an, und zwar im Saale des Gastwirts Träger zu Friedewald, Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. des Amtsgerichtsbezirks Friedewald.

Dienstag den 16. März d. Js., von morgens V28 Uhr an,

und zwar im Saale des Gastwirts B. Bolender zu Hersfeld,

Musterung der Militärpflichtigen aus der Stadt Hersseld, Mittwoch den 17. März d. Js., von morgens V28 Uyr an, in demselben Lokale,

Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. des Amtsgerichtsbezirks Hersseld.

Donnerstag den 18. März d. Js., von morgens 7 Uhr an, und zwar im Saale des Gastwirte J^ubn zu Pfiederaula,

Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. des Amtsgerichtsbezirks Niederaula.

Freitag den 19. März d. Js., von morgens Vs9 Uhr an,

und zwar im Saale des Gastwirte B. Bolender zu

Rerefeld,

Losung, sowie außerdem Zurückstellung derjenigen Mann­schaften der Reserve, Landwehr und Ersatz-Reserve sowie der auSgebildeten Landsturmpflichligen deS zweiten Aufgebots, welche wegen häuslicher, gewerblicher oder Familienverhält» niffe eine Zurückstellung für den Fall der Einberufung zu den Fahnen beanspruchen wollen. (§ 123 der Wehrordnung vom 22. November 1888).

Die Herren OitSvorstände der Stadt- und Landgemeinden deS Kreises werden angewiesen:

1. die militärpflichtigen Mannschaften ihrer Gemeinden rc. und zwar:

a) die in der Zeit vom 1. Januar biS einschließlich 31. Dezember 1889 geborenen, soweit sie nicht bereits in das Militär eingestellt sind oder einen Ausstand erhalten haben,

b) die in den Jahren 1888, 1887 und 1886 oder früher Geborenen, welche bei den Ersatz-Gefchästcn des vorigen Jahres zurückgcstellt, überzählig geblieben oder nicht erschienen sind, und demnach über ihr MilitärverhältniS noch keine endgültige Entscheidung erhalten haben, zu den vorbezeichneten Musterungs­terminen vorzuladen.

2. dafür zu sorgen, daß diejenigen Personen, zu deren Gunsten eine ZurückneUuna bezm. Veneiunq vom

Sonnabend, den 27. Februar

Militärdienst beanspruch wird, sich im Musterungs- termine eveusalls einfindeu.

3. in den Terminen sich persönlich einzufinden und w lange zur Stelle zu sein, bis lamtlicbe Milnä'pfhchuqc der beti'ffenocn Gcmcmvc aemustrl sin". Im Falle einer Verbinde, ang ist sur Oie Anwesenheit eine» Stell­vertreters sorge zu tragen.

4. für rechtzeitige Gestellung der Militärpflichtigen rc. zum Ersatz-Geschäft Sorge zu tragen und denselben aus­drücklich zu eröffnen, daß sie mit sauberem Körper und reiner Wäsche zu erscheinen haben.

Militä-pflichtige, welche ohne genügenden Entschuldigungs- gründ im MuUcrunaSnrmili inctit enchriucu oder beim Aal- ruf ihrer Namen im MuHciuugslokale nicht anwesend sind, werden mit einer Gcldllraic bis zu 30 Mk. oder Halt bis zu drei Tagen bestreut, außerdem können ihnen die Vor­teile der Losung entzogen werden. Ist die VeisäumniS in böswilliger Absicht oder waderholl euolgt, so kann ihre alsbaldige EmneUuug zum MNitäidienst als unsichere Heeres- pflichtige ersvigeii.

Reklamationen Militärpflichtiger um Zurückstellung bezw. Besrelung vom Mitärdienst oder von Mannschaften der Reserve, Landwehr und Ersatz-Reserve sowie des Land­sturms zweiten AusgebotS um Zurückstellung vom Militärdienst im Falle einer Mobilmachung deS Heeres find schleunigst bei dem betreffenden Ortsvorstande anzubringen, welcher für ordnungsmäßige und vollständige Aussüllung des vorgeschriebenen in L. F u n k' S Buchdruckerei hier stets vor­rätigen Fragebogens sorgt.

Eine Beifügung von ärztlichen Attesten über den Gesund­heitszustand derjenigen Personen, (Eltern, Geschwister rc.) zu deren Gunsten eine ZurückneUnaa rc. vom MilitärdlenN beauipiucht tiirb, vedars es nicht, da sie im Musterung-termine mit zu erschiincn haben. Die ersorderlichen Feststellungen werden hier durch den anwesenden Militärarzt bewirkt, dessen AuSspruch allein maßgebend ist.

Sämtliche Reklamationen sind umgehend bis spätestens zum 5. März d. Js. hier einzureichen. Militäipflichtige, welche an Epilepsie zu leiden behaupten, haben auf ihre Kosten drei glaubhafte Zeugen bei dem Bürgermeister ihre- Wohnortes zu stellen, welcher dieselben an Eidesstatt protokollarisch darüber vernimmt, daß, wann, wie oft und in welcher Weise sie selbst die epileptischen Anfälle bei dem be­treffenden Militärpflichtigen wahrgenommen haben. Diese Protokolle nebst etwaigen ärztlichen Attesten über Fehler uno Erkrankungen, welche sich im Termine nur mit Schwierigkeit scststeUen lassen (z. B. geiltige Vcsch'änklbcil, VlnlUnNen Herz- leiden u. I. w.) sind gleirpialls umgehend einzureichen, bezio. den ReklanialionsverNandlungen beljusügen.

Die Herren OitSvorstände rc. haben Vorstehendes wieder­holt in ihren Gemeinden, insbesondere den gestellungspflichtigen Mannschaften und deren Angehörigen bekannt machen zu lassen, und daß dieser geschehen, bis zum 10. M ä r z d. I s. hierher zu berichten.

I. M. 315. Der Königliche Landrat.

I. A.: F e l l i n g e r, RegierungS-Reserendar.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Während der Berichtswoche hat die 16. Generalversammlung deS Bundes der Landwirte im ZirkuS Busch in Berlin getagt. In weit mächtigeren Scharen noch alS sonst waren die Land- Wirte auS allen Gegenden und Gauen deS deutschen Vater­landes zur JahreS-Heerschau herbcigeeilt. Bei der Bedeutung, die der im Bunde der Landwirte organisierten Macht deS wichtigsten vaterländischen ErwerbSstande» zukommt, ist es selbstverständlich, daß daS politische Urteil nicht achtlos an den Kundgebungen einer derartigen Organisation vorbeigehen darf. Au der diesjährigen Versammlung deS Bundes nun erscheint besonders bemerkenswert der begeisterte, warmherzige RoyaliSmuS. wie er sowohl in dem HuldigungStelegramm an den Kaiser als auch in den Reden der Führer zum Ausdruck kam. Es zeigte sich deutlich, daß die auf Errichtung der ParlamentShcrrjchaft abzielenden Bestrebungen, wie sie zurzeit von Liberalismus und Demokratie in unverhüllter Wci e ver­treten werden, im Bunde der Landwirte ihren entschiedensten und hartnäckigsten Gegner finden. Die drastische Kritik, die Herr von Oldenburg-Januschau am Parlamentarismus übte und seine der Sprache det Herzen» entstammenden Worte: In großen Krisen kann nur ein Mann den Einschluß soffen, und dar muß bei unS der Kaiser fein. Kaiserlich bleibt die deutsche Erde. DaS ist ein Ziel unser» Kampfe»" lösten einen wahren Sturm de» Beifalls und JubelS au». Wir stehen

1909.

nicht an, unserer herzlichen Freude über die hierin zutage ge­tretene Gesinnung Ausdruck zu geben und sind überzeugt, daß der Bund der Landwirte in dieser Hinsicht den gesamten wahrhaft monarchisch und patriotisch gesinnten Teil de» deut­schen Volke» hinter sich hat.

Aus der Balkanhalbinscl bleibt Serbien nach wie vor der Herd der Beunruhigung. Man verlangt hier fort und fort von Oesterreich angebliche Kompensationen, obwohl doch serbische Rechte ganz und gar nicht beeinträchtigt worden sind. Aus österreichischer Seite verharrt man bisher allen Anrempelungen und Anpöbeleien gegenüber in vornehm kühler Reserve, obwohl man anderseits nicht umhin gekonnt hat, für den Fall einer notwendig werdenden kriegerischen Lösung die erforderlichen militürifd)en Vorbereitungen zu treffen. Hoffentlich aber sehen die serbischen Schreier doch noch im letzten Augenblicke ein, daß es eine komplette Verrücktheit wäre, eS auf eine Ent­scheidung durch das Schwert mit einem so übermächtigen Gegner wie Oesterreich ankommen zu lassen. Ein großes Verdienst könnte sich die russische Diplomatie und Presse um die Erhaltung de» Friedens erwerben, wenn sie sorgfältig alle Schritte und Aeußerungen vermiede, die geeignet erfcheinen, den Serben Aussichten auf panjlawistljche Hilfe zu eröffnen, aber freilich gibt daS bi-herige Verhalten Rußland- in Dieser Hinsicht nicht gerade zu besonder- optimistischen Erwartungen Anlaß.

Die energische Haltung der österreich-ungarischen Regierung den Tschechen gegenüber, die bekanntlich zu einer Vertagung de- ReichSratS und Bildung eines fast nur deutschen Mini­steriums geführt hat, haben die Slawen mit der Bildung einer slawischen Union beantwortet, die aus 125 Abgeordneten be­steht. Aber die Regierung hat sich dadurch keine-weg- ein- schüchtern lassen, sondern geht jetzt .i Prag und im tschechischen Teile Böhmen- mit äußerster Energie gegen die während der Vertagung deS ReichtratS nicht immunen Abgeordneten vor, bei denen sie Teilnahme an der anläßlich der Truppenfendung an die serbische Grenze zutage getretenen antimilitaristischen Bewegung und an den deutsch-feindlichen Kundgebungen vermutet.

In Rußland ist da» Herrscherhaus durch da» Ableben bei Großfürsten Wladimir von einem schweren Verluste betroffen worden. Der verewigte Großfürst hat als Reichsrat-mitglied in umfassender Weise an der russischen Gesetzgebung mitgewirkt und sich auch auf den verschiedensten Gebieten der Kunst und Wissenschaft sowie durch Förderung von Wohltätigkeit-be­strebungen rühmlichst hervorgetan. Unser Kaiser und mit ihm daS gesamte HohenzollernhauS betrauert in dem Verewigten einen nahen Verwandten und wertgeschätzten Freund, der fast alljährlich als stets willkommener Gast einige Tage am Kaiser- Hose in Berlin verweilte und durch seine Persönlichkeit besonder» geeignet und berufen war, die in Verwandtschast und Ueber­lieferung wurzelnden Beziehungen zwischen den Herrscherfamilien Hohenzollern und Romanow zu pflegen.

Im Gegensatze zu den in Europa umlaufenben Nachrichten verlautet auS Amerika, daß die japanisch-amerikanischen Streitig­keiten in Kalifornien keineswegs beigelegt seien. Man fei aus kalifornischer Seite fest entschlossen, in den auS Staatsmitteln erhaltenen Schulen japanische Kinder nicht zuzulassen, zumal die Japaner noch den Anspruch erhöben, auf den Lehrplan einen Einfluß auSzuüben. In Britisch-Columbia und in Vancouver fei der Gegensatz noch viel schärfer und England stehe ganz machtlos der antijapanischen Gesetzgebung dieser Kolonien ge­genüber. Wieweit diese Gerüchte auf Wahrheit beruhen, ent­zieht sich unserer Kontrolle.

In Persien endlich scheinen sich die Verhältnisse so zuzu» spitzen, daß ein gemeinsamer Eingreifen Englands und Ruß­land- nicht ausgeschlossen ist. Trotzdem bisher bei aller Anarchie im Lande den Europäern noch nicht- BöseS wider­fahren ist, so hat doch die deutsche Gesandtjchast in Teheran sich veranlaßt gesehen, an die Mitglieder der deutschen Kolonie ein Zirkular zu senden, in dem sie für den Notfall die Räume der Gesandtschaft allen Deutschen alS sichere Zufluchtsstätte anbietet gewiß ein Zeichen, daß man die Lage für sehr ernst hält.

Reichstag.

Der Reichstag nahm am Mittwoch seine Verhandlungen nach Ablauf seiner mehrtägigen FastnachtSpausc wieder auf. Nach kurzer Debatte wurde zunächst der Spezialetat für den Rechnungshof des deutschen Reiche» im ganzen unverändert nebst einer hierzu beantragten Resolution der Budgetkommission genehmigt. Dann nahm da» HauS dcbattelos und enbgiltig die Novelle zum PostdampsersubventionSgcsetz in der Fassung zweiter Lesung an. Ebenfalls ohne Diskussion fand hieraus die Vorlage, bett, die Einwirkung von Armenunterstützung aus öffentliche Rechte, in dritter Lesung enbgiltig Annahme. Der Reichstag erledigte weiter Rechnungen und die Ueber­sichten über die Einnahmen und Äu-gaben der afrikanischen und australischen Schutzgebiete, was wiederum ohne Debatte geschah. Im letzten Teile der Sitzung wurden die Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben deS Kiautjchaugebicre» für 1906 und die Rechnung über den Hau-Halt der aftifanifchen Schutzgebiete für 1890/97 in zweiter Lesung in längerer