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wesenden Vertreter bei Reich-schatzamt- haben selbstverständ­lich keine zustimmende Erklärung abgegeben, da sie damit von der vom BundeSrat bisher eingenommenen Stellung abge- wichen wären.

Zuverlässigen Meldungen auS Hoskreisen zusolge läßt daS Befinden der Königs von England zu wünschen übrig. Der Monarch wird viel von starkem Husten geplagt und klagt über Schwäche. Jnsolgedessen sieht der König von allen be­vorstehenden Begegnungen mit anderen Staatsoberhäuptern ab. Auch die geplante Messinareise hat er ausgegeben. Die Aerzte verordnen die strengste Ruhe; wahrscheinlich dürste sich der König zu einem Aufenthalt an der See entschließen.

England beabsichtigt die Errichtung einer Reichsgeneralstabek und die Schaffung einer britischen Reichsarmee. Besonders be­merkenswert an diesem Plan ist, daß im Falle eines Krieges die englischen Kolonien das Mutterland unterstützen sollen. In einer in Newcastle gehaltenen Rede sprach Kriegsminister Haldane über die Errichtung eines Generalstabes sür das Reich und die Reorganisation der kolonialen Streitkräste. Er sagte, wenn die Reorganisation au-gesührt sei, werde das britische Gesamtreich über eine Armee von 46 Divisionen, gleich 23 Armeekorps, versügen. Haldane erklärte, eine solche Reichsarmee sei praktisch erreichbar, und man dürfe sich ver- nünstigerweise der Hoffnung hingeben, sie in die Wirklichkeit umzusetzen.

Die Situation zwischen Oest errerch-Ung arn und Serbien spitzt sich anscheinend immer mehr zu. Angeblich soll bereits vom Wiener Kabinett ein Ultimatum nach Belgrad abgegangen sein, wonach mit dem Einrücken österreichischer Truppen in Serbien gedroht wird, salls nicht die Abrüstung der serbischen Armee ersolge. Zugleich ist ein neuer gemein­samer Schritt der Mächte bei der serbischen Regierung auge- kündigt; letztere wird daraus aufmerksam gemacht, daß Serbien bei einem Kriege gegen Oestcrrreich bei keiner der Mächte aus irgend welche Unterstützung zählen könne. Unterdessen ist in Belgrad die schon lange signalisierte Demission des Kabinett« Wclimirowitsch ersolgt, von dem neuen Kabinett dürste es ab­hängen, welchen weiteren Verlaus der Konflikt mit Oesterreich nimmt. Die ausgetauchten Gerüchte von den angeblichen Ab- dankungSabsichten König PeterS bedürfen noch der Bestätigung. Unverändert scheint noch der Stand der türkisch-bulgarischen Krisis zu sein. Was die offiziöse Nachricht aus Sofia anbc- langt, Rußland, Frankreich und England hätten nunmehr die Anerkennung des unabhängigen Königreiches Bulgarien aus­gesprochen, so muß sie vorerst offenbar mit Reserve ausge­nommen werden. Allerdings heißt es, Fürst Ferdinand werde während seines Ausenthaltes in Petersburg, wo er aus Wien zur Teilnahme an der Begräbnisfeier des Großfürsten Wladimir eingetroffen ist, mit königlichen Ehren behandelt werden. Das Protokoll über die Verständigung zwischen Oesterreich- Ungarn und der Türkei soll endlich unterzeichnet worden sein.

Aus Prag, den 19., wird gemeldet: In Schlan sind 30 Unteroffiziere hiesiger tschechischer Regimenter bei einer antimilitaristischen Geheimversammlung überrascht und ver- hastet worden. Sie wurden dem Militärgericht eingeliefert. Im Zusammenhang mit den Vorfällen der letzten Zeit erregt diese Verhastung großes Aussehen.

Der Bundesgerichtshof hat nach Prüfung der gegen den Präsidenten Castro erhobenen Anklagen wegen Teilnahme an dem zur Ermordung der Vizepräsidenten Comez geschmiedeten Komplett dahin entschieden, daß genügend Be­weismaterial vorliege, um die weitere Verhandlung dem Kriminal- gericht-hos zu überweisen.

Die beiden neuen amerikanischen Schlacht, schiffe, die der Kongreß bewilligen wird, sollten ursprünglich 21 000 Tonnen groß werden. Nun aber hat der Senat, ent­gegen diesem Vorschlag der Kommission, beschlossen, daß die neuen Schiffe ein Deplacement von je 26 000 Tonnen haben sollen. Somit würden diese neuesten Schlachtschiffe der Union die größten Kriegsschiffe aller Flotten werden.

Den persischen Rebellen ist ein neuer Streich ge­glückt. Sie nahmen in Rescht den von einer Europareise zurückgekehrten Prinzen Schuah es Sultaneh, den Bruder des jetzigen Schahs gefangen. Für seine Freilassung verlangen die Revolutionäre angeblich ein Lösegeld von tausend Pfund (20 000 Mark). Auf die militärische Lage zwischen den Re­bellen und den persischen Regierungstruppen ist indessen dieser Vorfall ohne Einwirkung.

Aus Provinz n. Nachbargebiet.

* Zur Linderung derNot imUeberschwemmungs- gebiet der Altmark hat der Preußische Herr Minister der öffentlichen Arbeiten folgendes ungeordnet:Liebesgaben jeder Art, die nach der Altmark zur Linderung der Not im Ucberschwemmungsgebiet bestimmt sind und an das Landruts- amt in Osterburg oder an die mit Verteilung oder Weiter­beförderung der Gaben betrauten öffentlichen KomiteeS oder Sammelstellen zur Eisenbahnbeförderung aufgegeben werden, werden auf preußisch-Hessischen Staatsbahnen frachtfrei befördert.

Treysa, 18. Februar. Einem aus Posen stammenden Mädchen, das in Frankfurt a. M. Stellung suchte wurde unterwegs ein Fingerglied durch eine Tür des Zuges, die plötzlich zugeschlagen wurde, buchstäblich abgequetscht, so daß der Teil des Fingers aus den Bahnsteig fiel. Das Mädchen wurde von den Beamten verbunden und nach Frankfurt ins Krankenhaus gebracht.

Bon der Diemel, 19. Februar. Aus Station Krag- Hammer (Ruhrtalbahn) stieg der Anstreicher Holzhauer gestern abend von der verkehrten Seite aus dem Zuge und wurde von einem Güterzuge zermalmt. Ein von der Ehefrau Brand zu Alleringhos zu nahe an den Ofen gestellter Kinder­wagen geriet gestern früh, als die Mutter sich aus dem Zimmer entfernte, in Brand, Das IV2 Jahre alte Kind starb unter den gräßlichsten Schmerzen. Gutsbesitzer Funke aus Köttighausen wurde bei einer Schlittenfahrt aul dem Schlitten geschleudert und erlitt einen Schädelbruch.

Fulda, 20. Februar. Hinter dem Frauenberg ereignete sich gestern abend ein ernster Unfall aus der Rodelbahn. Eine junge Dame, die Tochter eines Kaufmanns in der Nähe der Bahnhofftraße, kam mit zwei Herren in der unteren Hälfte der Bahn zu Falle und blieb auf der Strecke liegen, sodaß der nachfolgende Schlitten, der nicht mehr einhalten konnte, ihr mit voller Wucht in die Seite fuhr. Es dauerte nahezu eine halbe Stunde, bis die Verletzte wieder zum Bewußtsein gebracht werden konnte und mußte dann in einem herbeigeholten Wagen nach Hause gefahren werde«. Es ist zu befürchten, daß sie schwere innere Verletzungen davongetragen hat.

Laasphe, 21. Februar. In der Grube,, Ameise" im Leimbachthal wurde der 30 Jahre alte Bergmann Daub aus Flammersbach dadurch getötet, daß er beim Ausziehen aus dem Schacht mit dem Kopfe an die Wand stieß. Der Verunglückte wollte die Grube verlassen, weil ihn ein Schwächeanfall be- troffen hatte.

Frankfurt a. M., 20. Februar. Nach einer im Jahre 1907 zum erstenmale angefteCten Zählung der verkrüppelten Kinder unter 15 Jahren befinden sich in der Provinz Hessen- Nassau 2767 ganz oder teilweise unglückliche Kinder. Bei weitem der größte Teil derselben entbehrt jegliche Fürsorge, obwohl die Fortschritte der Chirurgie und Orthopädie für etwa 70 Prozent Heilung und Ausbildung verschaffen könnten. In Hessen-Nassau besteht bis jetzt nur die auch erst in Entwickelung begriffene Abteilung für verkrüppelte Kinder bei der evangelischen Anstalt der Hessischen Brüder. Einer für März in Frankfurt a. M. vorgesehenen Versammlung zur Organisation der Krüppel- fürforge in Hessen-Nassau wird Se. Exzellenz der Herr Ober­präsident Hengstenberg beiwohnen.

Altenbeken, 20. Februar. Auf dem Bahnübergang unweit Dieringhausen wurde ein Einjpänncrwagen ersaßt und zertrümmert, wobei das Pferd zermalmt wurde. Der Eigen­tümer Schürseld rettete sich durch rechtzeitige- Abspringen. Die Ehefrau des Dampfwäschereibesitzers Hcmpel zu Karsol hat sich, wie man annimmt, in geistiger Umnachtung von einem Zuge überfahren lassen. Ein 13jähriges Kind ver­schluckte ein Teilchen von einer Blechflöte in einem unbewachten Augenblicke. Trotzdem es einem Arzte gelang, den Gegenstand wieder zu entfernen, starb das Kind doch alsbald. Der Gutsbesitzer Funke aul Köttighausen wurde bei einer Schlitten­fahrt mit noch mehreren Herren infolge Scheuwerdens bei Pferdes aul dem Schlitten gegen einen Baum geschleudert. Er starb alsbald.

Vom Eichsfelde, 19. Februar. Dem Zugführer bei um 7,18 Uhr in Großbodungen eintreffenden Zuges von Blcicherode bot sich gestern früh ein gräßlicher Anblick: Nahe dem Uebergange am sogen. Linienwege bei Bleicherodc lag die gräßlich verstümmelte Leiche eines jungen Mannes. Der Kops war vom Rumpfe getrennt, die Füße waren abgefahren. Nur mit Hilfe der Vorgefundenen Papiere konnte man den Toten all den etwa 16jährigen KaufmannSlehrling Karl Demme rekognoszieren. Die Fußspuren, wie überhaupt der ganze Be­fund lassen kaum einen Zweifel, daß der junge Mensch den Tod gesucht und sich deshalb abends auf die Schienen gelegt hat, wo er von dem 10 Uhr 33 Min. von Bleicherode-Stadt abführenden Zuge übersahren worden ist. Nach den einge- zogenen Informationen dürste der früh entwickelte junge Mann eines der vielen Opfer der modernen Schundliteratur sein. Er hat auch aus feinem letzten Wege solche Bücher bei sich ge­tragen und der unheilvolle Einfluß dieser Echristen soll sich in seinem phantastischen, zerfahrenen, aufgeregten Wesen schon seit längerer Zeit bemerkbar gemacht haben.

Heiligenstadt, 19. Februar. Ein größeres Fischsterben wurde kürzlich wieder in der Leine beobachtet. Hunderte toter Forellen wurden in der Nähe der Brücken beim Liesebühl vor- gesunden. Die angestcllten Ermittelungen haben ergeben, daß durch den Bruch bei im Zuge der Lcincgasse unter dem Leinebett hinweggehenden Kanalisationsrohre- die Flüssigkeiten aus dem Rohr in die Leine gedrungen sind und das Fisch­sterben veranlaßten.

Göttingen, 18. Februar. Die durch bal Hochwasser in Göltingen verursachten Schäden werden nach den Schätzungen der hierfür eingesetzten Kommission auf etwa 350 000 M. angegeben.

Vom Harze, 18. Februar. Mehrere Knaben vergnügten sich auf dem oberhalb der Stadt Ostcrwieck gelegenen Wehr der Ilse mit Schlittschuhlaufen. Dabei brachen zwei ein und gerieten unter die Eisdecke. Zwei andere versuchten sie zu retten, alle vier ertranken.

Mühlhause» (Thüringen), 21. Februar. Bei einem Brande, der in vergangener Nacht die Dorsschenke von Effelder auf dem Eichsfelde einäscherte, wurden durch Ein­stürzen der Decke des Torwege« fünf Menschen getötet, darunter drei Familienväter.

Weimar, 18. Februar. Der kugelsichere Schädel. Drei- nTal in den Kops geschossen hat sich neulich abends der Hand­arbeiter B. in der Watzdorsstraße. Schwerverletzt wurde er in das Krankenhaus gebracht. Daß die Geschosse nicht tödlich wirkten, hat er wohl seinem harten Schädel zu verdanken; alle drei Kugeln waren platt gedrückt.

Eisenach, 19. Februar. Mit dem Bau eines Aeroplans ist die hiesige Armaturen-Jndustrie Wilhelm Fiedler beschäftigt. Der Verjuchsaeroplan, bet mit einem Pikkolomotor montiert ist, wird noch Angaben bei als Fachmann bekannten Inge­nieurs Wcndland konstruiert. In einigen Wochen hofft man in Eisenach mit Probeflügen beginnen zu können.

Gera, 19. Februar. Im hiesigen städtischen Kranken­hause starb unter großen Schmerzen der 62 Jahre alte Arbeiter Gustav Böttger aul Ronneburg. Dem Manne war beim Essen ein Knöchelchen in die Luftröhre geraten, daS trotz aller ärztlichen Bemühungen nicht entfernt werden konnte.

Hschwasstr.

S e e h a u s e n, 19. Februar. DaS Wasser ist hier etwas gefallen. Die Bewohner bauen an der Grenze des Ueber- fchwemmuugSgebictS auS allem möglichen Material Brücken, um im äußersten Falle sich und ihr Vieh retten zu können. Die Bewohner der überschwemmten Ortschaften haben sich in die obersten Stockwerke geflüchtet. In Pontons bringt man den Bedrängten Lebensmittel. DaS Vieh muß ersaufen. In Falkenberg und Schalluhn sieht ei, wie die Magdeb. Zeitung meldet, am schlimmsten auS. Aus dem Rittergut Niegenselde stehen 400 Schafe, 20 Pferde und 50 Kühe im Wasser. An Rettung ist nicht zu denken. Die Arbeiten der Pioniere sind lebensgefährlich. Die Braven müssen sich täglich sünsmal um- ziehen. Der Friedhos ist zum größten Teil überschwemmt. Der ganze Wildbestand ist vernichtet. Vom Zentralkomitee vom Roten Kreuz in Berlin ist eine Baracke zur Verfügung gestellt und sofort nach Seehausen abgesandt worden.

Osterburg, 19. Februar. Bei Osterburg ist bal Wasser um lVs Meter gefallen. Heute vormittag sprengten die Mag­deburger Pioniere bei Krüden den Alanddeich und die Berg­brücke, um eine Entlastung des Alands herbeizuführen, mal ihnen euch gelang. Nun ergoß sich das Wasser in der Rich­tung nach Windenberg, Warenberg, Havelland usw., wo nun­mehr die Rettungsaktionen des Militärs einsctzen.

Ihre Majestät die Kaiserin hat dem Vater­ländischen Frauenvcrein der Provinz Sachsen 1000 Mark für die Ueberschwemmten überweisen lassen.

Wie aus Wiesbaden gemeldet wird, hat die Frau Grvßherzogin-Regcntin von Luxemburg für die in Nassau durch Hochwasser Geschädigten dem Vaterländischen Fraueu- Verein 1000 Mark zur Verfügung gestellt.

Vermischtes

Gelsenkirchen, 20. Februar. In dem benachbarten Crange ereignete sich heute nachmittag ein Unglücksfall. Der Damm deS neuen EmcherbetteS war dort anscheinend durch Hochwasser unterspült. AlS Arbeiter mit Rollwagen die be­

treffende Stelle passierten, senkte sich der Boden. Die SBagetr stürzten den Damm hinunter, wobei drei Arbeiter getötet und zwei schwer verletzt wurden. Die Arbeiter find sämtlich Italiener.

(L S w enp l a g e in Deutsch 0 stafrika.) Ein dort ansässiges Mitglied der auch in unseren Kolonien stark verbreiteten Gesellschaft der NaturfreundeKoSmoS" berichtet in deren Vereinsorgan:Aus den Dörfern der Baumwollfarm Schuberthof am Rufidschi sind vom Ende Januar bil Ende August nicht weniger als 28 Schwarze von Löwen geschlagen, teilweise sogar aus ihren Hütten herauSgeholt worden, obgleich diese hier ziemlich solide aul Holz und Lehm erbaut sind. Vor Ausstellung meines Wellblechhauses wohnte ich im Zelte, das von einer dichten Dornhccke umgeben war, innerhalb welcher bei Nacht auch meine Reitesel untergebracht wurden, die augenscheinlich eine große Anziehungskraft aus die Löwen ausübten. So hatte ich bal zweiselhaste Vergnügen, bis zu 6 Löwen gleichzeitig dringend Einlaß begehren zu hören, und meine verflixten Esel beantworteten diese Forderung auch noch mit einem lautenIa*. Dazu Hyänengeheul, ab und zu daS tiefe Grollen einer Leoparden, daS Gegrunze der Fluß- pferde kurz, wie in einer Menagerie, nur mit dem Unter­schiede, daß ich im Käfig saß und die lieben Tierchen draußen Hcrumspazierten. Selbst bei den festen Europäerhäusern in Mhanganga kamen die Löwen in dunklen Nächten bis an die Veranda. Während wir auf dieser saßen, wurde ein Arbeiter 150 Meter davon gleich weggeholt. Da» ging so schnell, daß wir, an Ort und Stelle geeilt, nur noch im benachbarten Schilf das Knochenknirschcn hörten, ohne etwa- dagegen tun zu können. Immerhin kamen die Löwen nur in ben dunkelsten Nächten in greifbare Nähe, so daß alle Versuche, einige auf dem Anstande zu erlegen, fehlschlugen, wie sie auch die ausgestellten Fallen, in denen sich Leoparden, Hyänen, Zibetkatzen usw. leicht fingen, gewandt zu umgehen wußten. Nur eine starke Löwin ging eines Abends gegen 9 Uhr in die Falle, nur 80 Meter von meinem Hause, trotzdem die Straßen­laternen brannten, ich und meine Angehörigen auf der Veranda saßen und mein Hund anschlug."

Letzte Nachrichten.

Magdeburg, 21. Februar. Bei Aken an der Elbe stürzte während einer Gefecht-Übung der Bataillon-kommandeur Major v. Freyhold vom Pferde und starb noch während der Nacht im Garnisonlazarett zu Dessau.

Berlin, 21. Februar. In einem Hotel in der Koppen- straße stürzten sich der Tischlermeister Weide und seine Frau vom dritten Stockwerk in den Hof hinab. Sie wurden schwer verletzt in das Krankenhaus gebracht. Ursache der Tat ist schlechter Geschäft-gang.

Berlin, 21. Februar. Die 15jährige Martha Prasch wurde in der Pcstalozzistraße in Charlottenburg von einem 20jährigen Messerstecher angegriffen. Da- Mädchen wurde nicht verletzt, sondern nur da- Kleid zerstochen. Der Täter entkam.

Berlin, 22. Februar. Ein Revolverattentat verübte gestern nachmittag ein 18jähriger Russe gegen den Former­meister Schubert, bei dem er wohnte. Ihm war gekündigt worden, weil er gegen den Willen Schubert- mit dessen Tochter ein Liebe-Verhältnis unterhielt. Um sich zu rächen, verwundete der Russe Schubert durch zwei Revolverschüsse schwer. Der Täter wurde verhaftet.

Berlin, 21.Februar. Aus dem Kostümfest bei Verein- der Rheinländer erlitt ein Fräulein Kiackow schwere Brand­wunden durch Ueberspringen einiger Funken eine- abgebrannten Feuerwerk-körpers, wodurch daS Kostüm in Brand gefetzt wurde.

K 0 n st a n t i n 0 p e l, 21. Februar. Aus der Pforte wurde heute erklärt, die Regierung habe durch das Kommissariat in Sofia eine offizielle Bestätigung der Nachricht erhalten, daß Rußland die Unabhängigkeit Bulgariens anerkenne. ES ver­lautet, daß die Pforte gegen die Anerkennung einen Protest vorbereite. Bezüglich deS österreichisch-türkischen Protokoll- verlautet, der Text deS Protokoll- werde zur Kenntnitnahme durch den neuen Minister deS Aeußern nach London gesandt werden. Die Unterzeichnung dürfte jedoch nicht vor der An­kunft der Ministers in Konstantinopel erfolgen.

Seehausen, 21. Februar. DaS Hochwasser in der Altmark ist noch wenig gefallen. Der Bahnkörper zwischen Osterburg und Geehausen steht noch 75 Zentimeter unter Wasser.

Prag, 21. Februar. Gelegentlich des Bummel- der deutschen Studenten mußte die Polizei wiederholt einschreiten, um auf dem WenzelSplatz die Studenten vor einer mehrere tausend Köpfe starken Menge zu schützen.

B r e s l a u, 22. Februar. Die durch den Kindesunter» schiebungSprozeß bekannte Gräfin Kwilecka ist gestern an Influenza gestorben.

Kiew, 21. Februar. Auf den Südwestbahnen ist der Güterverkehr infolge SchneesturmeS auf einer Strecke von 3000 Werft ganz eingestellt. 20 000 Arbeiter find beschäftigt die Linie vom Schnee zu säubern. Im Laufe von zwei Tagen sind 30 Züge stecken geblieben. Der Schnee erreicht die Dächer der Wagen. Einige Züge sind entgleist. Die Billet- ausgabe nach Orten im Süden ist hier eingestellt. DaS Schneegestöber ist heute schwächer.

B u e n 0 S A i r e S, 21« Februar. Der Fracht- und Poffa» gierdampfer Presidente Roca ist auf der Fahrt von Süd- Argentinien hierher zwischen San Antonio und Puerto Madrin bei der Halbinsel Valdez in Brand geraten und untergegangen Man glaubt, daß olle Passagiere und die ganze Besatzung, zusammen zweihundert Personen, umS Leben gekommen sind.