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hersMer Armblatt

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Fernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 22

Sonnabend, den 20. Februar

1909

Amtlicher Ceil.

Hersseld, den 16. Februar 1909.

Gemäß § 8 Abs. 3 deS Reglements zur Aussührung des Reichsimpsgesetzes vom 4. März 1875 Amtsblatt Nr. 15 ersuche ich die Herren Ortsvorstünde des KreiseS, mir das vorgeschriebene Verzeichnis derjenigen noch nicht geimpften Kinder, welche in den Gemeindebezirken nicht geboren, sondern dahin verzogen sind, bis zum 1. März d. Js bestimmt ein« zureichen.

I. 1139. Der Königliche Landrat.

I. A.: Fellinger, Regierungs-Reserendar.

Hersseld, den 12. Februar 1909.

Ein von dem Landwirt Philipp Stackhard zu Kohlhausen der Körung-kommission vorgestellter Bulle, Simmentaler Rasse, Gelbschack, weißen Kops, 16 Monate alt, ist von dieser zu Zuchtzwecken für tauglich befunden worden.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

A. 895. I. A.: Fellinger,

Regierungs-Reserendar.

Hersseld, den 15. Februar 1909.

Unter den Schafen der Witwe Helmke zu Roßbach, Kreis Hünseld, ist die Räude ausgebrochen.

I. 1707. Der Königliche Landrat.

I. A.: Fellinger,

Regierungs-Reserendar.

nichtamtlicher Ceil.

Politischer Wochenbericht.

In unserer Reichshauptstadt hat die alljährlich um diese Zeit stattfindende landwirtschaftliche Woche mit den Verhand­lungen des Landesökonomie-Kollegium- und des Landwirt­schaft-rates ihren Anfang genommen. Welchen hohen Wert man an maßgebender Stelle auf diese Beratungen legt, geht wohl am besten daraus hervor, daß Kaiser Wilhelm selber an einer Sitzung des Landwirtschastsrates teilnahm, und daß der Reichskanzler Fürst Bülow die Gelegenheit ergriff, um aus dem Festmahl der genannten Körperschaft eine hochbedeutsame Rede zu halten. In dieser Rede kam Fürst Bülow auch auf die Rcichifinanzresorm zu sprechen und betonte dabei aufs neue, daß von der Lösung des Finanzproblems die Ehre, die Wohlfahrt, die Macht und die Sicherheit des Lande- abhängen. Die Wertschätzung, die Kaiser und Kanzler sonach den geordneten Vertretungen der deutschen Landwirtschast ent­gegenbringen, gilt selbstverständlich am letzten Ende dem land­wirtschaftlichen Gewerbe selber, und das ist auch nicht mehr als recht und billig. Bei der Landwirtschaft handelt es sich nicht um ein Gewerbe wie jedes andere, vielmehr sind mit der Landwirtschast die Gesamtintcressen des Deutschen Reiche- auf? engste verknüpft. Nur eine leistungssähige Landwirtschast vermag unserem Vaterlande äußere Unabhängigkeit und innere Wohlsahrt zu sichern. Alle Patrioten werden es deshalb auch unserem Kaiser und seinem obersten Ratgeber von ganzem Herzen Dank wissen, daß sich beide von der Ueberzeugung deS unersetzlichen Wertes einer blühenden Landwirtschast durch­drungen zeigen und dieser Ueberzeugung durch tatkrästigc Unterstützung und Förderung landwirtschaftlicher Interessen Ausdruck geben.

Unter den Ereignissen der auswärtigen Politik wäre zu­vörderst die Eröffnung deS englischen Parlaments zu nennen. Sowohl in der Thronrede wie in der Adrcßdebatte nimmt die Würdigung deS Besuche- de- englischen Königspaares in Berlin eine hervorragende Stelle ein. Die Thronrede hebt denstarken Eindruck" hervor, den die Wärme des EmpsangeS in Berlin seitens aller Klassen der Bevölkerung auf den König gemacht, und diehohe Genugtuung", mit der sie ihn erfüllt habe. Außerdem spricht Eduard VII. die Ueberzeugung auS, daß das herzliche Willkommen, daS ihm in Berlin geboten worden fei, dazu beitragen werde, die freundschaftlichen Ge­fühle zwischen beiden Nationen zu stärken. Den bezüglichen Aeußerungen der Thronrede aber entspricht auch die Stellung­nahme der verschiedenen Redner im Verlaufe der Adreßdebatte. Der Wortführer der liberalen Mehrheit sprach die Erwartung aus, der begeisterte Empfang des Königspaares in Berlin werde dahin wirken, jedes Mißverständnis und jede falsche Auffassung zu beseitigen, die hinsichtlich der Beweggründe deS gegenseitigen Tuns und LasscnS aus beiden Seiten der Nord­see bestanden hätten, und fügte hinzu, er sei überzeugt, daß die Mehrheit der beiden Nationen ein aufrichtiges Verständnis und gegenseitiges Einvernehmen wünsche. Noch emphatischer aber äußerte sich der Führer der konservativen Opposition im Oberhause Lord LanSdowne: er glaube nicht viel zu sagen, wenn er bemerke, daß kein neues Ereignis vom britischen Volke mit größerer Freude zur Kenntnis genommen sei als der glänzende Verlaus des Besuche- de- Königs und der Königin in Berlin. Eine solche Art der Wertung der Berliner

Tage aus englischer Seite übertrifft in der Tat unsere kühnsten Erwartungen und läßt eine optimistische Auffassung der künf­tigen Gestaltung des Verhältnisses zwischen Deutschland und England durchaus gerechtfertigt erscheinen.

Die Türkei ist während der BerichtSwoche der Schauplatz einer Ministerkrisis gewesen. Der bisherige Großwesir, der alte Kiamil Pascha, ist vom Parlamente durch Erteilung eines Mißtrauensvotums zum Rücktritte genötigt und an seiner Stelle Hilmi Pascha vom Sultan zum Großwesir und Minister des Innern ernannt worden. Dieser Personenwechsel bedeutet einen Sieg des Jungtürkentum-, und ihm ist bereit- Bildung eines homogenen jungtürkischen Ministeriums gefolgt. Im übrigen gehört der neue Großwesir zu den anerkannt tüchtigsten Staatsmännern der Türkei und hat sich während seiner Amts­tätigkeit als Generalinspektor der drei mazedonischen Vilajet- bei Einheimischen und Fremden gleichermaßen Achtung zu er­werben gewußt. Seine Ernennung berechtigt daher zu den besten Hoffnungen aus eine gedeihliche Fortentwicklung der türkischen Zustände.

In Serbien will das KriegSgerassel noch immer kein Ende nehmen, vielmehr haben sich die alarmierenden Gerüchte neuer­dings wieder verstärkt. In Belgrad scheint man eine anti- dynastische Revolution zu sürchten und sucht nur das Feuer durch einen auswärtigen Krieg abzulenken und so vielleicht den Bestand der Dynastie zu retten. Die Seele dieser Krieg-- treibereien ist offenbar der Kronprinz, der sich im Kriege au?« zuzeichnen hofft, und feine nähere Umgebung. DaS ist aber ein sehr gefährliches Spiel und zeugt zudem von wenig echtem Königssinn; denn ein solcher würde die Interessen des Volker sicherlich nicht dem persönliche Eigennutze opfern. Dem serbischen Volke aber wäre dringend zu wünschen, duß es bei Zeiten den Abgrund erkennt, dem es zugetrieben werden soll.

Reichstag.

Die Plenarverhandlungen des Reichstages fließen zurzeit ohne sonderliches Interesse für weitere Kreise dahin. Am Mittwoch beriet der Reichstag bei sehr schwach besetztem Hause in zweiter Lesung zunächst den Gesetzentwurf betreffend die Rückwirkung von Armenunterstützung auf öffentliche Rechte' Nach kurzer Debatte wurde der Entwurf in der KommissionS- sassung unter Ablehnung eines sozialdemokratischen Ab- änderungSantrageS angenommen. Fast debatteloS beschloß hieraus daS Haus, den zur zweiten Lesung vorliegenden Ge­setzentwurf über die Doppelbesteuerung zur näheren Prüfung doch noch an eine Kommission zu verweisen. Die weitere Sitzung wurde durch die erstmalige Beratung der Novelle zum Reichsbankgesetz, betr. die Vermehrung der eigenen Mittel der Reichrbank, die Erhöhung des steuerfreien Notenkontingents usw. auSgesüllt.

Am Donnerstag wurde die erste Beratung des Bankge- setze- mit einer Rede des Abgeordneten Kaemps fortgesetzt. Der Vertreter der freisinnigen Volk-partei rühmte die Ver­dienste des früheren Präsidenten und sprach seine Anerkennung aus, daß der gegenwärtige Präsident die Politik seines Vor­gängers in großen Linien innehalte. Der Redner ging dann auf die Vorlage selbst ein und erklärte seine Genugtuung, daß die Organisation der Reichsbank nicht geändert und die deutsche Goldwährung ausrecht erhalten bleiben soll. Nach ihm ergriff der Präsident deS Reichsbankdirektoriums, Haven» stci», das Wort, der seiner Genugtuung über die im großen und ganzen günstige Aufnahme der Vorlage aussprach.

Abgeordnetenhaus.

Am Mittwoch wurde die erste Beratung der Berggesetz­novelle zu Ende geführt. Wie die Redner der andern Par­teien, mit Ausnahme der Sozialdemokratie, begrüßte auch Abg. Kapitza (Pole) die Vorlage als einen großen Fortschritt. AlS letzter drückte Abg. Wolff (sr. Vg.) seine freundliche Stellung­nahme zu der Borlage auS, die sodann einer besondern Kommission überwiesen wurde. Hierauf wurde mit der zweiten Lesung det Bergetats begonnen, zu dem die Abgg. v. Kessel (kons.) und Sauermann (Z.) sprachen. Zum Schluß kam r? noch zu einer GeschästSordnung-debatte, die der Abg. Hoffmann (Soz.) hervorries.

Am Donnerstag wurde die zweite Lesung deS Etats der Berg-, Hütten-, und Salinenverwaltung beim KapitelEin­nahmen auS den Bergwerken" fortgesetzt. Abg. Macco (natl.) sührt das auffällige Zurückstehcn der Resultate deS fiskalischen Bergbaue- gegenüber denen der Privatunternehmungen daraus zurück, daß in den StaatSbergwerken nicht, wie im Privat- betrieb, Beamte angestcllt werden, die dauernd die Betriebs­leitung innehaben wollen und dadurch in der Lage sind, ihre Gruben besser kennen zu lernen. In der Einsetzung einer ständigen Bergbaudeputation erblickt er einen gewissen Fort- schritt. Die Preisschwankungen des KohlenmarkteS will er durch Regulierung der Förderung und Einschränkung der Aus- suhr vermieden wissen. Diese Preisregulierung vorzunehmen, sei aber daS Kohlensyndikat nicht mächtig genug. Die un- gerechte Behandlung der technisch-industriellen Beamten, bc- sonders in Oberschlesien, durch die ChefS und das Gesetz be­handelt Abg. Dr. Schlepp (freif. Vp.), während Abg. Leinert

(Sozd.) eine große Reihe von Bemänglungen bezüglich der Arbeitszeiten, der Sicherheit-einrichtungen u. a. vorbringt. HandelSminister Delbrück beantwortet die Ausführungen deS Abg. Macco mit der Erklärung, die niedrigen Preise der eng- lischen Kohle hätten die Zurückhaltung des FiSkut mit seinen Offerten im Saarrevier veranlaßt, die Verhältnisse seien unter­dessen aber gebessert.

Sie letzte koloniale Leakschrist, die unlängst erschienen ist, behandelt die wirtschaftlichen Ver­hältnisse unsere- gesamten Kolonialbesitzes im allgemeinen und beweist, welche große Bedeutung unsere Kolonien bereit- jetzt für da- Mutterland haben, und welche große Zukunft-Hoffnung man nach den wirtschaftlichen Ergebnissen der wenigen Jahre, in denen wirklich an ihrer Erschließung gearbeitet worden ist, für die Zukunst hegen darf. Die weiße Bevölkerung im ge­samten Schutzgebiete belies sich am 1. Januar 1908 aus 13 858 Personen gegen 12 305 im Vorjahre, ist also in einem Jahre um 1553 Personen gewachsen. Ersreulich ist auch die Zunahme der weiblichen Bevölkerung, deren Zahl sich im Be­richtsjahre von 2688 aus 3438 gehoben hat. Die Zahl der eigentlichen landwirtschaftlichen Produzenten, der Ansiedler, Pflanzer, Farmer und Gärtner, ist von 1047 aus 1612 ge­stiegen. Diese Vermehrung der weißen Bevölkerung ist, wie eine der Denkschrift beigegebene Statistik ergibt, ein seit Jahren sich vollziehender stetiger Vorgang, der gerade wegen seiner Stetigkeit zu guten Hoffnungen für die Zukunft berechtigt. Seit dem Jahre 1901 hat sich die weiße Bevölkerung^ in unseren Kolonim mehr als verdoppelt, indem sie von 5571 aus 12 454 gestiegen ist, und die Zahl der Reich-angehörigen sich fast verdreifacht, indem sie von 3760 aus 9439 ge­stiegen ist.

Große Hoffnungen setzt die Denkschrift aus die weitere Er­schließung der Kolonien durch Eisenbahnen, und zwar be­sonder- nach der Seite, daß durch die Eisenbahnen der Ueber- gang von der bloßen Sammeltätigkeit von Naturerzeugnissen zum Anbau von Wirtschaft-erzeugnissen sich vollziehen wird. UeberaH in Asrika hat sich gezeigt, daß die Möglichkeit des Absatzes und die Erlangung eine? guten Preises in hohem Maße anregend auf die wirtschaftliche Betätigung der Einge­borenen wirken. Die Richtigkeit dieser Sätze beweist besonders die steigende Au-suhr der wichtigsten in den Kolonien ge­wonnenen Rohstoffe. So ist der Wert der Kautschukerzeugnisse in den Jah'en 1903 bis 1907 von 4,88 Millionen aus 10,79 Millionen Mark, der der BaumwollauSfuhr von 44 000 auf 456 000, der Sisal- (Faserstoff) Ausjuhr von 324 000 auf 2 16 Millionen Mark und der Kakaoaussuhr von 935 000 auf 2,88 Millionen Mark gestiegen. Geringer ist die Steige­rung der Palmkern- und Palmölau-fuhr, nämlich von 4.57 Millionen aus 5,58 Millionen Mark, baK die Pflanzungen längere Zeit bis zur Tragfähigkeit gebrauchen. Zu den bis­herigen Erzeugnissen ist im Berichtsjahre außerdem noch eine AuSsuhr von Phosphaten (Düngstoffcn) in der Höhe von 710 000 Mark, von Kupfer in der Höhe von 1,28 Millionen Mark getreten.

Der Gesamthandel hat im Berichtsjahre infolge der Krisen, die ein großer Teil unseres Kolonialbesitzes zu überwinden hatte, sich nur wenig gesteigert, nämlich von 120 Millionen Mark auf 123 Millionen Mark. Die Einsuhr ist in diesem Jahre sogar um 7Va Millionen zurückgegangen, die AuSsuhr dagegen um rund 10 Millionen Mark gestiegen. Der Anteil Deutschlands am Gesamthandel betrug im Jahre 1907 62,46 v. H., an der Einsuhr 60,08, an der Aussuhr 67,56 v. H. Er ist gestiegen von 28 Millionen Mark im Jahre 1903 auf 67 Millionen Mark im Jahre 1907.

Der Eisenbahnbau ist im Berichtsjahre ebenfalls um ein großes Stück vorwärtSgekommen. ES befanden sich am 1. Januar 1908 1752 km im Betriebe, Ende 1908 1988 km; im Bau waren begriffen zu Ansang 1908 348 km, Ende 1908 1552 km. Der Zuwachs an BetncbSlänge in dem einen Jahre betrug also 236 km oder 13Va v. H., an Bau- und Betriebklänge 1440 km oder 68Va v. H. Erfreulich ist, daß diese Bahnen, trotzdem sie noch lange nicht die Gebiete erschlossen haben, für die sie bestimmt sind, bereits Nutzen bringen, und zwar warf die Usambarabahn 2Vs v. H., die Bahn von Lome bis Paline 3Vs v. H. ab, während bei der Otavibahn der Ueberschuß sogar 14 v. H. betrug.

Für die Entwicklung der Kolonien spricht auch ihr Geld­bedarf. An Münzen wurden im Berichtsjahre 5Va Millionen Mark dorthin abgesandt, wobei daS Reich einen Prägegewinn von 830 000 Mark gemacht hat. Insgesamt dürste daS Deutsche Reich bei der Münzenprägung 5Va Millionen Mark verdient haben.

Aus In- und Ausland.

Berlin, den 18. Februar 1909.

Se. Majestät der Kaiser nahm vorgestern vor- mittag, wie der Reichsanzeiger meldet, im hiesigen Königlichen Schlösse die Vorträge des Ches- deS MilitärkabinettS ~ al-