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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 21

Donnerstag, den 18. Februar

1909

Amtlicher teil.

Hersseld, den 12. Februar 1909.

Die unter den Schasheerden zu Burghaun, Arzell und Großenbach, Kreis Hünseld, auSgebrochene Räude ist erloschen. I. 1402. Der Königliche Landrat.

I. A.: Fellinger, Regierungs-Reserendar.

nichtamtlicher teil.

Abgeordnetenhaus.

Am Montag wurde nach erheblicher Debatte das Lehrer- besoldungSgesetz in dritter Lesung einstimmig angenommen. Ministerialdirektor Dr. Schwarzkopff betonte in der Debatte den Wunsch der Regierung, die kleinen Städte bis zu 25 Schulstellen möglichst zu berücksichtigen und mit Zuschüssen zu bedenken. Mit der Ausbesserung der Lehrcrgchälter sei stets eine Erhöhung des Fonds für die emeritierten Lehrer ver­bunden und diese Haltung werde die Regierung auch diesmal einnehmen. Ferner gelangte eine Resolution der Rechten zur Annahme, in der ein Erlaß über die Beschaffenheit der Dienst­wohnungen bei Neubauten gefordert wird. Eine Resolution Eickhoff (fr. Vp.) aus Erhöhung bei Unterstützung-fonds für Lehrerwitwen und »Waisen sowie eine Resolution Jderhoff (srkons.) aus Erhöhung des Unterstützungsfonds für die auS- geschiedenen Lehrer und Lehrerinnen wurden an die Budget- kommission verwiesen.

Das Abgeordnetenhaus beschäftigte |td) am Dienstag mit der ersten Beratung der Berggesetznovelle. Die Vorlage for­dert Regelung der Verantwortlichkeit der Betrieb-beamten, Be­stellung vonSicherheitsmännern" durch Wahl der Arbeiter, Regelung der Kündigungsfristen für die Betriebsbeamten, Er­richtung einer Bergbaudeputation als gerichtliches Organ für Bergbausragen für den Umfang bei ganzen StaateS. In Verbindung mit der Vorlage werden die Anträge der Abge­ordneten Dr. Szumann (Pole), Aronsohn (freif. Vp.), Jmbusch (Zentr.) und Krause-Waldenburg (srkons.) beraten, deren For- derungen sich im wesentlichen mit den Hauptpunkten der Vor­lage decken. Handelsminister Delbrück leitete mit einer ein- staubigen, mehrfach vom Beifall des Hauses unterbrochenen Rede die Beratung ein.

Reichstag.

Der Reichstag erledigte am Montag zunächst die Vorlage, laut welchem dem Norddeutschen Lloyd eine Subvention in Höhe von 500 000 Mk. zwecks Verbesserung der Postdampser- Verbindungen zwischen Neu-Guinea, dem Australischen Fest­land, Hongkong und Singapore zugewendet werden soll.

Her Herr voll Lorevzdorf.

Roman von Maximilian Moegelin.

(Fortsetzung.)

Der folgende Tag war ein Sonntag. AuS der Kon» kordia-Kirche der Kreisstadt, die ganz im Grünen lag, strömten die Andächtigen mit einem Gottessrieden, der ihnen über die Gesährnisse der kommenden Woche hinweghelfen sollte, ihren Wohnungen zu.

Der Landrat, der mit den Seinen zu den ständigen Be­suchern des Gotteshauses gehörte, blickte beim Ausgange, wie er es meist zu tun pflegte, sinnend auf das Denkmal des großen Theologen Schleiermacher, der hier den Geist der Liebe und des Friedens einer lauschenden Gemeinde gepredigt hatte.

Das Landratsamt, daS neben der Kirche lag, war bald erreicht, man war noch immer in ruhiger feierlicher Stim­mung, und diese hatte der Referendar sich ausersehen, die Eltern mit seinem stillen Verlöbnis zu überraschen. Der feudale Landrat hatte sich eben im Sessel niedergelassen, um den Reichsanzeiger zu studieren, der mit einem Berge von Post­sachen unlängst anlangte indes seine Gemahlin nach Privat- briesen suchte da sagte ihr Jüngster, am Tische stehen bleibend:Meine lieben Eltern! Eine höchst wichtige Mit­teilung habe ich Euch zu machen." Und nun erzählte er, was sein Herz bewegte.

Voller Ueberraschung fiel dem alten Herrn der Zwicker von der Nase, und ein Blick, als hätte er soeben Unglaub­liches vernommen, ruhte durchdringend auf seinem Sohn. Frau von Bornim schlug die Hände zusammen und fand in diesem Augenblick auch nicht ein einziges Wort.

Noch ehe die Eltern aus dieser Ueberraschung kamen, hielt ihr Sohn ihnen, seine Sache ins hellste Licht stellend, einen Vortrag, aus den ein hoher Gerichtshof wohl ein sreisprechen- deS Urteil hätte fällen müssen, aber der Landrat sagte nur: Niemals!" Wohl war ihm jener Mann aus der Höhe nicht unbekannt, dessen derbe Art ihm oft mißfiel, aber er

Der Berichterstatter der Budgetkommission, Abg. Gras Oriola (nat. lib.), empfahl die unveränderte Annahme der Vorlage, in welchem Sinne sich auch die Abgeordneten Lattmann (wirtsch. Verein.), Edler zu Puttlitz (kons.), Hormann (sr. Verein.), Erzberger (Ztr.) und Dr. Arning (nat. lib.) äußerten, während der Sozialdemokrat NoSke als Gegner der Vorlage auftrat. Sie wurde schließlich vom Hause unverändert ge­nehmigt. Bei der hieraus fortgesetzten EtatSberatung kam zuvörderst der Etat des Reichstage», also die eigenste Ange­legenheit deS HauseS zur Erörterung. Von den verschiedenen Seiten bei HauseS wurden bei dieser Gelegenheit die mannig­fachsten Wünsche, Anregungen und Beschwerden vorgetragen. Nach Genehmigung dieser EpezialetatS trat daS Haus in die Beratung des Etats des Reichseisenbahnamtes ein, doch er- folgte nach kurzer Debatte Schluß der Sitzung.

Die Sitzung am Dienstag begann mit der Fortsetzung der zweiten Beratung des Etats für da- Reich-eifenbahnamt. Der erste Redner, der sozialdemokratische Abgeordnete Stolle, beschäftigte sich vor einer Korona von noch nicht 20 Abge­ordneten damit, ein großes statistisches Material über Unfälle im Eisenbahnbetrieb vorzusühren. Insbesondere ging er ein aus dat Verhältnis der befahrenen Strecken zu der Zahl der Unfälle. Im vergangenen Jahr allein seien 7,4 Unfälle auf etwa 100 Km. zu befahrender Strecke zu verzeichnen gewesen. Weiterhin rügte der Redner die allzulange Dienstzeit der Eisen- bahnbeamten, die oft 1214 Stunden hintereinander be­schäftigt feien. Die Ausführungen bei Abgeordneten Stolle gaben dem Präsidenten vom RcichSciscnbahnamt Schultz Ver­anlassung zu einer kurzen Erwiderung.

Hie mtdifenhe MoStMr zwischen verdien und Lesitrreich-IIngnrn.

Nach den neuesten Nachrichten auS Serbien scheint in Belgrad und in den übrigen serbischen Ortschaften alle Ver­nunft und ruhige Ueberlegung auf politischem Gebiete durch die Wut und den Haß gegen Oesterreich in den Hintergrund gedrängt worden zu sein, denn die Krieg-lust der Serben ist in den letzten Tagen bis zum Wahnwitz gestiegen, und dies kommt hauptsächlich daher, weil der König Peter jeden Einfluß aus die politische Stimmung in Serbien verloren zu haben scheint, und der Kronprinz Georg gegenwärtig die einfluß­reichste politische Persönlichkeit in Serbien ist. Der Kronprinz hält fortwährend Ansprachen, in welchen er verkündet, daß Serbien die Annexion BoSniens durch Oesterreich als das größte Unrecht und die größte Schmach empfände. Auch stellt der Kronprinz Georg die Behauptung aus, daß diese Annexion BosnienS durch Oesterreich eine Verletzung der völkerrechtlich verbürgten Rechte Serbiens fei, und daß deshalb Serbien mit den Waffen Widerspruch gegen eine solche Vergewaltigung seiner Rechte einlegen müsse. Ferner behauptet der Kronprinz von Serbien, daß bei einem Kriegkausbruche da» serbische

wußte auch nur zu gut, daß gerade jener um seine Gemeinde insbesondere in kultureller Hinsicht, sich soviel Verdienste er- worben hatte, wie kaum ein zweiter; und willig rechnete ihm das der Landrat hoch an. Allein von einer Verbindung mit ihm er begriff seinen Sohn gar nicht da könne niemals die Rede fein . . .

Der Referendar war wie zerschmettert; er stand bald da­rauf in seinem Zimmer und drückte die heiße Stirn voller Unruhe ans Fenster; bald aber verließ er das HauS und fuhr nach Lorenzdorf.

Zwar hatte er Mine Lorenz gesagt, daß er erst morgen zu erwarten fei, indeS schien eS ihm ratsamer, schon heute von ihrem Vater zu erfahren, waS er im Grunde dazu dächte. Der Schulze, der in HemdSärmeln gemächlich auf dem Sofa saß und die Zeitung laS, war höchlichst überrascht, den Refe­rendar in so feierlichem Auszuge vor sich zu sehen, und glaubte nicht anders, als daß er bei einer Fahnenweihe oder dergleichen irgendwo seinen Vater zu vertreten habe; um so größer war sein Erstaunen, alS er sogleich um die Hand seiner Tochter anhielt.

Bedauere!" sagte der Schulze in voller Verwunderung, die Mine ist gar nicht hier sie sind nach der Forst ge» fahren!"

Macht nichts, denn mit Ihrer Tochter bin ich längst schon einig", fuhr der Referendar zu des Schulzen größter Ueberraschung fort.Mir wäre ei nur lieb, wenn Mine viel­leicht ein Jahr in ein exquisite» HauS' käme ich meine zur Erleichterung ihrer kommenden Pflichten; ich glaube, Sie verstehen."

Der Schulze, der aufmerksam gelauscht hatte, begriff das nicht sofort.

Plötzlich aber loderte der Helle Zorn in ihm auf und er sagte:Ah, jetzt verstehe ich! Meine Tochter ist Ihnen nicht gut, nicht gebildet genug! Nein, Herr von Bornim, meine Tochter bekommen Sie nicht, und damit basta!" und seine Faust fiel drohend aus den Tisch.

Da bäumte sich in Bornim auch der Stolz aus und kurz entschlossen verließ er daS Hans.

Fahre nur allein nach Hause, ich laufe", sagte er dem

Volk nicht allein stehen werde und an England, Frankreich und Rußland Helfer in der Not haben würde. Diesen Be­hauptungen widersprechen aber die amtlichen diplomatischen Noten der Großmächte und gilt ei sogar als sicher, daß Rußland und England und Frankreich den Serben in einem Kriege gegen Oesterreich keinen Beistand leisten werden. Die kühnste Behauptung bei serbischen Kronprinzen besteht aber darin, daß er von dem neuesten Siege der Jungtürken und der Neubildung des türkischen Ministerium» erwartet, daß die Türkei den Vertrag mit Oesterreich über die Abtretung Bos­nien» widerrufen und BoSnien als türkische» Besitztum reklamieren werde. Man Feht auS dieser misten politischen Hetze in Serbien, daß der Krieg zwischen dem kleinen serbischen Königreiche und Oesterreich jeden Augenblick autbrechcn kann. AlS einzige FriedenShoffnung kann schließlich noch die Furcht der Serben vor Oesterreich gelten, denn daß die Serben unter die Donaubrücke zwischen Semlin und Belgrad auf der serbischen Userseite Minen angelegt haben, daß beweist doch wohl, daß sich die Serben durch eine Sprengung der Brücke vor einem Angriff Oesterreichs auf ihre Hauptstadt schützen wollen. Man kann auch garnicht annehmen, daß daS serbische Heer einen Angriff aus Oesterreich plant, denn dieser Angriff würde wahrscheinlich mit- bet Gesangennahme bei serbischen HeereS durch 3 oder 4 österreichische Armeekorps enden. Wohl ist aber zu befürchten, daß die Serben einen Einfall in BoSnien und wohl auch die Montenegriner einen Einfall in die Herze­gowina planen und in den nächsten Wochen zur Ausführung bringen wollen. Wenn et daher nicht den vereinten Be­mühungen der Großmächte und der Türkei gelingt, die fanatische Krieg»lust der Serben schleunigst zu dämpfen, so ist die Kriegsgefahr zwischen Serbien und Oesterreich in eine sehr bedenkliche Nahe gerückt. ei ist auch davon die Rede ge­wesen, daß sich Oesterreich ein Mandat von den Großmächten zur Beruhigung det Orient» erbitten und Serbien durch einige Armeekorpt dann besetzen werde. Ein solcher Schritt würde ober die Situation in keiner Weise verbessern, denn er würde offenbar sofort zum Kricg-au-bruche zwischen Serbien und Oesterreich führen.

Aus ]n- und Ausland.

Berlin, den 16. Februar 1909.

Seitens der preußisch-heffischen Eisenbahnverwaltung wurde angeblich sämtlichen Eisenbahndirektionen empfohlen, bei den Personenzügen die 1. Wagenklasse allmählich au»zu- schalten. Dieses Bestreben der Verwaltung ist daraus zu- rückzuführen, daß seit dem Inkrafttreten der Fahikartensteuer daS Abströmen der Reisenden von der höheren in die niedrigere Wagenklasse immer mehr zunimmt, sodaß die Rentabilität der 1. Wagenklasse ernstlich in Frage gestellt ist.

In Bestätigung der Meldung über eine von Deutschland und England in Aussicht genommene Festsetzung der Süd-

harrenden Kutscher und mit dem bitteren Verdruß auch von dieser Seite ging er die Landstraße hinab. Geraume Zeit saß er, wie unlängst Fritz Krüger, aus dem Kilometerstein und schaute in» Bruch hinab, dann aber lachte er hell auf und steuerte der Stadt zu.

Am andern Morgen fuhr der Landrat in seinen Kreis. Anfangs war er willen» gewesen, jenseit» der Warche inS Bruch zu fahren, schließlich aber kamen ihm wohl andere Ge­danken und er befahl dem Kutscher:Jahnsfeld, DorfZechow, und Lorenzdorf."

AlS er in die ersten Dörfer kam, fanden sich die Vorstcher ein, um ihm Bericht zu erstatten von diesem und jenem zum Nutz und Frommen ihrer Gemeinden, nicht so in Lorenzdorf, alS gegen 4 Uhr in leichtem Trabe der Wagen dort einfuhr. Der Schulze stand gerade in seinem Scheunentor und sah ben ihm wohlbekannten Jagdwagen schon von weitem kommen. Mit finsterem Gesicht und die Hände tief in den Hosentaschen blieb er gelassen, fast herausfordernd stehen und dachte: Wenn er waS will, dann wird er ja wohl kommen." Bald darauf hielt der Wagen vor seinem Hause und der Landrat kam erhobenen Hauptes aus den Hof. Nun ging der Schulze ihm gemessenen Schrittes entgegen.

Nach einer durchaus formellen Begrüßung bemerkte der Landrat, sich vom Fortschritte des Landstraßenbauer überzeugt zu haben, der wohl demnächst beendet fein würde und sagte schließlich, daß die jungen Eichen zu beiden Seiten sich recht gut anließen.

Ja, ja", erwiderte der Schulze gedehnt aus diese Mit­teilung, die ihm nichts Neues sagte. AuS seinen anscheinend ruhigen Augen blitzte eine gewisse stille, aufmerksame und ab­wartende Klugheit.

Ja, Herr Gemeindevorsteher Lorenz, waS ich noch sagen wollte", fuhr der Landrat ganz in geschäftlichem Tone fort, mein Sohn erzählte mir da von seinem Empfinden für Ihre Tochter. Mir scheint bei aller Hochachtung natürlich e» gerade heraus gesagt, wie eine Torheit, eine Jugendtorheit, so ganz ganz unbegreiflich."

Natürlich", entgegnete der Schulze voller Ueberzeugung mir scheint es ebenso wie eine rechte Eselei!" Dabei fuhr,