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herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 20.

Dienstag, den 16. Februar

1909»

Amtlicher teil.

Iagdverordnung.

Für den Umfang der Regierungsbezirks Cassel wird aus Grund der §§ 39 und 40 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907 für das Jahr 1909 und die folgenden Jahre bis aus weiteres die Schußzeit für w i l d e E n t e n bis 15. März einschließlich ausgedehnt.

Cassel, den 1. Februar 1909. (Siegel).

Der Bezirksausschuß zu Cassel. Graf von Bernstorfs *

HerSfeld, den 11. Februar 1909.

Wird veröffentlicht.

Der Königliche Landrat.

I. A.: F e l l i n g e r, Regierungs-Reserendar.

Hersseld, den 11. Februar 1909.

Der VereinJugendfürsorge" in Plauen i. V. hat ein Merkblatt über die englische Krankheit (Rachitis) herausgegeben, das in kurzer und allgemeinverständlicher Fassung die Ent­stehung, Erkennung und Verhütung dieser gefährlichen Kinder­krankheit zutreffend behandelt und geeignet ist, die Mütter und angehenden Mütter in entsprechender und zweckmäßiger Weise zu beraten, sowie richtige Anschauungen über diese für die Entstehung zahlreicher Krüppelgebrechen bedeutsame Erkrankung zu verbreiten.

Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich, die Bevölkerung in geeigneter Weise aus daS Merkblatt aufmerksam zu machen und sich die sonstige Verbreitung angelegen sein zu lassen.

ES ist von Otto Reis in Plauen i. V. Lützowstraße 54 zum Preise von 30 Pfg. -für 10 Stück, 2,50 Mk. für 100 Stück, 22,50 Mk. für 1000 Stück zu beziehen.

J. I. 1528. Der KöniglichetzLandrat.

J. A.: Fel,ling,er,

RegierungS-Reserendar.

nichtamtlicher Ceil.

Her englische Kiinigsbesnch ist zu^ allseitigen Zufriedenheit verlausen. )Es war von vorn­herein kein Ueberschwang, keine Uebertreibung^dabei, aber viel guter Wille auf beiden Seiten. Die Berliner Bevölkerung nahm die Gäste mit Ehrerbietung aus und erwärmte sich mehr und mehr, als sie bemerkte, wie einfach.sich der König gab und wie ihm daran zu liegen schien, Sympathie zu erwerben. Während der intime Familienverkehr von großer Herzlichkeit war, trat in den öffentlichen Kundgebungen klar die Absicht

Ler HmMHreHorf.

Roman von M a x ijm i l i a n Mjo e g e l i n.

(Fortsetzung.)

Willenlos ließ Ottilie es geschehen,^ und wie erlösende Ruhe kam es über sie. Plötzlich aber sprang sie aus, denn von draußen erklang es laut und vernehmlich:

Bekränzt'mit Laub den^liebevollen Becher, Und trinkt ihn fröhlich leer.

In ganz Europa, ihr Herrn Zecher,

Ist solch ein Wein^nicht mehr."

Es waren die Studenten, die zu zweien anmarschiert kamen, und deren Stöcke wie Schläger durch die Luft jausten und hinter diesen folgten zweitzWagcn.

Daß der Kuckuck diesen Schwärm auch gerade jetzt her- sührte, so dachte Krüger im Augenblicke seiner Seligkeit un­willig, indes Ottilie ihr Haar hochstrich und fester die Nadeln in ihre dicken Flechten schob.

Dann aber ging ein sonniges Lächeln über sein Gesicht er gedachte seines lieben Bornim, den eben diese selbe Garde ja auch im schönsten Augenblicke störte, wobei er, Krüger, zum Ueberfluß seinen Beifall noch in Blechmusik auS- klingen ließ.

Ottilie schien mit der Ruhe, die nun ihr Herz so hoff- nungsvoll erfüllte, im Augenblick ihr lebhaftes Wesen wieder­erlangt zu haben.

Zum Zeichen völligen Schweigens legte sie hastig den Finger auf ihren Mund und sagte:Nichts verraten bleib heute noch und morgen."

3n diesem Augenblicke riß Wilhelm Loren; die Tür auf, und würdevoll trat der Lorenzdorfer Schulze, auf dessen Zügen eme siegesfrohe Zuversicht sich zeigte, am Arme seiner Zukünf- tigen, denen Mine Lorenz und der Referendar nicht minder frohgestimmt folgten. Dann kam der Herr deS HauseS, dem ausgelassen, wie Fohlen aus der Weide, die Studentenschaft singend folgte.

hervor, die politischen Beziehungen beider Länder freundlicher zu gestalten. König Eduard drückte sowohl in seinem Trink- spruch im Schloß als auch bei seinem Besuch im Rathaus den Wunsch und die Absicht auS, einem freundschaftlichen Verhältnis zwischen beiden Reichen zu dienen.

Auch in den politischen Unterredungen, die der Reichs­kanzler Fürst Bülow und der Staatssekretär von Schön mit dem englischen Unterstaatssekrotär Hardinge und dem Kolonial- sekretär Carl os Crowe hatten, stellte sich ein vollständiges Einvernehmen inbezug auf die gegenwärtig wichtigste europäische Angelegenheit, die Behandlung der Oricntkrisis, heraus. Die englischen Staatsmänner ließen durch Reuters Bureau ver­künden, daß sie das politische Ergebnis der Reise als außer- ordentlich befriedigend ansähen und sich davon eine ausge­zeichnete Wirkung aus die deutsch-englischen Beziehungen ver­sprächen. Namentlich wird auch anerkannt, daß mit dem deutsch-französischen Marokkoabkommen ein schweres Hindernis für freundschaftliche Geschäfte zwischen Deutschland und England hinweggeräumt ist. Solange der deutsch-französische Gegensatz wegen Marokko fortdauerte, bestand auch die Gefahr einer Störung unsere? friedlichen Verhältnisses zu England, da dieses verpflichtet ist, sich bei jedem marokkanischen Zwischenfall und jeder neuen Reibung zwischen Deutschland und Frankreich auf die französische Seite zu stellen. Ek besteht kein Zweifel, daß das englische Kabinett diesen Zustand schon lange als unbequem empfunden hat, und daß daher die englische Be­friedigung über die Beseitigung dieses Hindernisses für gute englisch-deutsche Beziehungen aufrichtig ist.

Man braucht nun nicht zu erwarten, daß sich der günstige Eindruck der Reise des englischen KönigSpaares an dein deut­schen Kaiserhose sofort in konkrete Abmachungen umsctzrn werde. Es fehlte ja auch bisher an bestimmten Streitobjekten, für die ein Ausgleich erforderlich wäre. WaS die beiden Länder lange Zeit entfremdete, lag vielmehr in den Stim­mungen der Völker alS in gegensätzlichen Ansprüchen: drüben Mißtrauen gegen die deutsche Flotte, JnvasionSsurcht, hüben Sorge vor der Einkreisung-Politik. Die Dauer deS erfreulichen Ergebnisses des KönigSbesuches wird daher vor allem von dem Verhalten^der öffentlichen Meinung auf beiden Seiten ab­hängen. Die Herrscher und die Regierungen haben ein gutes Stück Aufklärungsarbeit verrichtet, Parlamente und Presse mögen desgleichen tun.

*

Gestern nachmittag um 5zUhr 10 Min. haben König Eduard und Königin Alexandra Berlin verlassen.

Der Hof und die Umgebungen verabschiedeten sich von den Majestäten schon im Königlichen Schlosse nach der Tafel, die Mitglieder der kaiserlichen Familie vor der Abreise in den Gemächern der Königin. Die Fahrt zum Lehrter Bahnhof erfolgte in Automobilen. Der Kaiser geleitete den König, die Kaiserin die Königin. Der Kaiser trug englische Uniform, der König preußische Dragoneruniform. Trotz der strengen Kälte Hattejisich zahlreiches Publikum angesammelt, das die Maje­

Sei uns gegrüßt, Frau Musika", begrüßte Bornim über­mütig Ottilie, fchritt sofort anS Klavier und spielte die Be­gleitung zum angefangenen Liede, daS nun fröhlich weiter­klang :

Er kommt nicht her aus Ungarn.snoch auS Polen,

Noch wo man sranzmännisch spricht;

Da mag Sankt Veit, der Ritter,;Wein sich holen, Wir holen ihn da nicht!

Nun gab es auch hier ein fröhliches Begrüßen. Fritz Krüger aber nahm Bornim beiseite und sagte:Ich sahre erst morgen fei aus dem Bahnhose muß dich auf der Durchfahrt sprechen: Ein Trauerspiel gehtbald durch dieses Haus."

Der Referendar war wie aus den Wolken gefallen, aber Krüger ließ ihm zur Segenfrage keine Zeit, sondern ergriff seinen Arm und raunte ihm zu:Vergnügt sein, spiele tüchtig aus ich kann es nicht."

Und der Reserendar tat das menschenmögliche selten sah man ihn so ausgelassen, während bange Un­gewißheit fein Herz zusammenzog: Niemals im Leben hatte er bessere Komödie gespielt, als eben in dieser Stunde.

* *

*

Am anderen Tage saßen OttiliefsZechow und derMusik- studierende am Ufer der Netze ihr Vater war schon früh- zeitig nach der Alt-Karber Papiermühle gefahren und malten sich nun die Bilder ihrer Zukunft. Nicht helle und frohe Farben waren eS, in die der Pinsel ihrer Phantasie tauchte; nein, nur in dunklen Farben und in den schlichtesten Tönen lag daS Bild ihrer Zukunft vor ihnen. Aber beiden war es eben so recht; zeigte es doch ein stille? Glück, eine Ruhe und Zufriedenheit, die sich selbst genug schien.

Und weiter spannen sie die Fäden ihrer ZukunstSpläne, die unentwegt von Herz zu Herzen gingen, sie gedachten auch ihres nunmehr gemeinsamen Vaters, dem eS, soviel an ihnen lag, an nichts fehlen sollte.

stäten lebhaft begrüßte. Mit den Majestäten kamen Prinz und Prinzessin Heinrich und Prinz und Prinzessin Adolf zu Schaumburg zum Bahnhof, ebenso der Ehrendienst.

Aus dem Bahnsteig hatten sich zur Verabschiedung einge- funden Botschafter Sir Edw. Goschen mit Gemahlin und die Herren der englischen Botschaft, Reichskanzler Fürst Bülow und Gras Metternich, sowie Mitglieder der englischen Kolonie. Der Kaiser führte die Königin den Bahnsteig entlang, der König die Kaiserin. Die Verabschiedung der Majestäten war sehr herzlich, die Monarchen küßten einander wiederholt, ebenso küßte der König die Kaiserin auf Wange und Hand. Der König und die Königin winkten noch auS dem Fenster deS Salonwagens den Zurückbleibendcn lebhaft zu.

Ueber das Ergebnis des englischen KönigSbesuches hat sich Reichskanzler Fürst von Bülow hoffnungsvoll geäußert und folgendes erklärt:

Der Verlauf der Besprechungen zwischen den englischen und deutschen Staatsmännern habe auch aus deutscher Seite ausrichtige Befriedigung hervorgerufen und die Zuversicht be­gründet, daß durch den Besuch deS Königs das Vertrauen in die beiderseitige Loyalität das Verständnis für die politischen Ziele der beiden Reiche auf beiden Seiten gefestigt worden sei. Bei der Behandlung der Balkansrage habe sich eine weitgehende Uebereinstimmung ergeben, sowohl der auf die Erhaltung des Friedens gerichteten Bestrebungen Englands und Deutschlands, als auch in der Haltung beider Regierungen gegenüber dem neuen Regime in der Türkei. Er hoffe, daß die öffentliche Meinung in beiden Ländern dem von den Herrschern und Staatsmännern gegebenen Beispiel ehrlicher, sriedlicher Absichten und aufrichtigen gegenseitigen Verstchens folgen werde.

Aus London, 12. o., wird gemeldet: Der Berliner Korrespondent des Reuterschen Bureau- ist ermächtigt worden, mitzuteilen, daß der König über den herzlichen und begeisterten Empfang, der ihm von allen Klassen der Berliner Bevölkerung dargebracht wurde, außerordentlich erfreut und von dem Erfolg seines Besuchs sehr befriedigt ist.

Ferner ist, laut Londoner Meldung, der Berliner Korrespondent deS Reuterschen Bureaus ermächtigt worden, mitzuteilen, daß auf englischer Seite das Ergebnis der politischen Besprechungen, die zwischen den englischen und deutschen Staatsmännern in Berlin stattgesunden haben, als außerordentlich befriedigend angesehen wird und augenscheinlich aus die deutsch-englischen Beziehungen eine ausgezeichnete Wirkung auSgeübt hat. Es wurde dem Reichskanzler ver­sichert, daß die britische Regierung das deutsch-französische Marokko-Abkommen uneingeschränkt und herzlich billige, daS als ein solches begrüßt werde, welches dahin ziele, ein gutes Einvernehmen zwischen Frankreich und Deutschland zu pflegen und dadurch auch einen wesentlichen Einfluß auf die Festigung freundlicher Beziehungen zwischen England und Deutschland auSzuüben. Es wurde erklärt, daß die Bestrebungen der britischen auswärtigen Politik im nahen Osten aus Wahrung deS Friedens und auf Aufrechterhaltung des Status quo ge-

^Endlich^indes schienen ihre Lustbauten vollendet, sie blickten sich so selig an, als hätten sie sich jetzt so ganz verstanden, alS würden sie in aller Zukunft auch ein Herz und eine Seele sein.

»Wie einst im Traum 1 sagte Ottilie lächelnd und zog Wcidcnzwcige auf ihn herab.

»Der nun erfüllt ist", entgegnete er, und selig im Vorge- !ühl eines unsagbaren Glückes saßen sie geraume Zeit; ver­gessen war die Welt ringsum . . .

Ein Zug, der weit hinter ihnen auf dem hohen Bahn­damm dahinsauste, führte sie zurück zur Prosa des Lebens. Sie erhoben sich und langsam schritten sie den Fluß hinaus dem Bahnhöfe zu.

Und als sie Abschied nahmen mit einer Welt voll Selig­keit im Herzen, da gab Ottilie ihm einen Bries, auf dem die Worte standen:In Ruhe daheim zu lesen. . ."

Bald fuhr er dahin, dem Lause der Zeit folgend, die zu allen Zeiten nur recht wenig Sinn für Poesie gegeigt hatte.

Als der Zug dann in der Kreisstadt hielt, harrte bereits der Referendar auf dem Bahnsteig der Antwort, die sein Freund, dessen geheimnisvolle Andeutung ihn gestern recht be­unruhigte, ihm nun bringen würde.

Da er jenen nun aber so glückstrahlend erblickte, wie nie zuvor, da begriff er im Augenblicke nicht, was den Wechsel jener Stimmung wohl veranlaßt haben könnte. Aber freilich, alS Fritz Krüger in seinem idealen, überschwenglichen Empfinden voller Wonne vor ihm stand, da glaubte er genug zu wissen.

Und als jener ihm dann sagte, daß Herr Zechow wirklich am Bettelstäbe wäre, und Krügers Züge bei dieser Mitteilung eher Genugtuung als Verstimmung verrieten, da ging über Bornims Antlitz eine finstere Wolke und unwillig schüttelte er den Kopf.

AlS Krüger, an feinem Ziel angelangt, auf sein Zimmer kam er wohnte jetzt im Zentrum der Stadt, wo er den er- krankten Organisten der St. Georgenkirche vertrat da war seine Stimmung sehr gehoben; nur einen Augenblick ruhte /ein Blick auf einer Brandmalerei, die er nicht ohne Ge-