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Erzfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 16.
Sonnabend, den 6. Februar
1909.
Amtlicher Ceil.
Hersseld, den 3. Februar 1909.
Die Herren Bürgermeister der KreiseS, welche meine Ver- fügung vom 9. Februar 1884, I. Nr. 1721 — KreiSblatt Nr. 20 — betreffend Bericht über die stattgehabten Revisionen der Feuerungs-Anlagen noch nicht erledigt haben, werden hieran nochmals mit Frist von 5 Tagen erinnert.
I. 622 II. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, RegierungS-Reserendar.
HerSseld, den 3. Februar 1909.
Unter der Schafherde deS Kausmanns Joses Lühn zu Hünseld ist die Räude auSgebrochen. I. 1159. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, RegierungS-Reserendar.
Hersseld, den 29. Januar 1909.
Unter den Schweinebeständen der Landwirte Schmidt in Allendors, Schwarz und Schott H in Kleba ist die Schweine- seuche ausgebrochen.
I. 901. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger,
RegierungS-Reserendar.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Indem wir, getreu unserm alten Brauche, auch den vorliegenden Wochenbericht mit einer kurzen Betrachtung der derzeitigen inneren Politik Deutschlands beginnen, müssen wir leider gestehen, daß eine solche Betrachtung nicht besonder- erfreuliche Resultate darbietet. Die ReichStagS-Verhandlungen zeigen das alte, widerwärtige Bild, an das sich die Oeffent- lichkcit nun allerdings bereits seit Jahren gewöhnt hat: es geht eine Flut von Interpellationen aus daS HauS hernieder, und jede dieser Interpellationen wird in ausgedehntester Weise mit einer unsagbaren Schwatzhastigkeit behandelt. Sieht man näher zu, so gewahrt man mit Leichtigkeit, daß das ganze Treiben dem Buhlen um die Gunst der Arbeitermassen entspringt. Nur deshalb wird die kostbare Zeit mit so unsinnigen und aussichtslosen Forderungen wie der Verleihung des Streikrechts an die Landarbeiter und ähnlichen Dingen vergeudet, und nur deshalb werden die wichtigen parlamentarischen Zeitausgaben, die, wie gegenwärtig die Reichsfinanz- rcsorm, nach Erledigung geradezu schreien, in unverantwortlicher Weise vernachlässigt. Ob es hierin unter der Herrschast des geltenden Wahlrechts jemals besser wird, wir wagen es kaum noch zu hoffen.
In wesentlich günstigerem Lichte erscheinen demgegenüber die Beratungen des preußischen Abgeordneten- Hauses. Hier herrscht ein richtiges Verständnis für das Wesentliche und Notwendige und eine dementsprechende Konzentration der Tätigkeit auf die drängenden Aufgaben deS Tages. Eine erfreuliche Wirkung dieses Verfahrens stellt der Gang dar, den die parlamentarische Erledigung der so über- aus schwierigen Beamten-BesoldungSvorlage bisher genommen hat. Es war über dieselbe innerhalb der verstärkten Budget- Kommisiion zu einhelligen Beschlüssen innerhalb der bürgerlichen Parteien gekommen, und diese Beschlüsse sind nunmehr vom Plenum, wie vorauszusehen war, in zweiter Lesung glatt akzeptiert worden. Damit war das widerliche demagogische Wettlaufen der Parteien um die Gunst der Beamten aus den Plenarverhandlungen von vornherein ausgeschaltet. Daß bei einer so weitschichtigen Materie und so zahlreichen Beamten- kategorien nicht alle Wünsche ersüllt werden konnten, liegt klar aus der Hand. Im großen und ganzen aber haben sowohl Regierung wie Abgeordnetenhaus sich bei ihrer Arbeit von regstem sozialpolitischen Eiser sür das Wohl der Beamtenschaft leiten lassen und in heißem gemeinsamen Bemühen ein Werk Zustande gebracht, dessen Anerkennung sich schließlich auch der gesunde Sinn unseres BeamtentnmS aus die Dauer nicht wird entziehen könnnen. .
Die nationalen Streitigkeiten in Oesterreich wollen leider immer noch kein Ende nehmen, und in Böhmen tobt der Kamps zwischen Deutschen und Tschechen ungeschwächt weiter. Das Ziel der tschechischen Bestrebungen ist neuerdingS die Tschechisierung deS böhmischen Postwesenk. Die dadurch bedingten Unzuträglichkeiten haben bereits dazu geführt, daß die deutsche Reichspostverwaltung sich weigert, Postsäcke aus Böhmen mit andern alS deutschen Ausschristen im internationalen Verkehr zu übernehmen. Von der österreichischen Regierung ist inzwischen der Versuch gemacht worden, durch Einbringen von Borlagen, die teils eine gesetzliche Regelung der Sprachensrage, teils eine anderweitige Organisation des Behördenwesens in Böhmen zum Ziele haben, den Hader der Nationalitäten zu schlichten. Diese Vorlagen haben
indessen bei ihrer erstmaligen Beratung im österreichischen Abgeordnetenhaus« seitens der Tschechisch-Radikalen eine derartige ungünstige und tumultuarische Ausnahme gefunden, daß es kaum angängig erscheint, von ihnen die gewünschte Wirkung zu erhoffen.
In den Ba lka n w i rren ist eine neue und überraschende Wendung eingetreten, indem sich Rußland erboten hat, die zwischen der Türkei und Bulgarien schwebenden finanziellen Verhandlungen durch eigenes Eingreifen zu einem günstigen Abschlüsse zu bringen. ES soll die« in der Weise geschehen, daß sich Rußland dem bulgarischen Staate als Schuldner der Türkei substituiert, den von Bulgarien an die Pforte zu zahlenden Geldbetrag auf eigene Rechnung übernimmt und ihn dann mit der Türkei aus die seit dem letzten russisch-türkischen Kriege und dem Vertrage von San Stefano rückständige Kriegsentschädigung verrechnet. Der Vorschlag ist unzweifelhaft eigenartig, und eS bleibt abzuwarten, wie sich die unmittelbar beteiligten Staaten zu ihm stellen werden. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten scheint aus ihrer Seite Neigung zu seiner Annahme vorhanden zu sein.
Im äthiopischen Kaiserreich A b e s s i n i e n scheinen ernste Tage bevorzustehen. Nach neueren Nachrichten soll der Zustand deS NeguS Menelik II., beffen Gesundheit schon seit längerer Zeit erschüttert ist, hoffnungslos sein, so daß seine Gemahlin Taitu die Leitung der Regierung übernommen habe. Man besürchte sür den Fall deS TodeS MenelirS den AuSbruch ernster Unruhen, namentlich in der abeffinischen Hauptstadt, die sür die dort befindlichen Europäer gefährlich werden könnten. Zwar ist im vorigen Jahre ein Thronsolger in der Person eines Enkels ernannt worden, aber trotzdem ist zu befürchten, daß daS Hinscheiden MenelikS daS Signal zu Kämpfen um die Thronfolge zwischen den einzelnen RaS gibt.
Abgeordnetenhaus.
DaS Abgeordnetenhaus ehrte am DoNnerStag vor Eintritt in die Verhandlungen daS Andenken deS kürzlich verstorbenen nationalliberalen Abgeordneten Jürgcnfen in der üblichen Weise. Zum ersten Gegenstand der Tagesordnung: dritte Beratung der Besoldungsvorlage liegt ein von sämtlichen Parteien unterzeichneter Antrag vor, der das Höchstgehalt der Lehrerinnen bei den Gesängnissen der Justizverwaltung und bei der Straf- anstaltSverwaltung von 2400 auf 2500 erhöht wissen will. Abg. von Schneckendorff (natl.) verlangt, daß die Turnlehrer den Zeichenlehrern im Gehalt gleichgestellt werden, waS Geheimrat Tillmann vom Regierung-tische aus wegen der grö- ßcren wissenschaftlichen Vorbildung der Zeichenlehrer für nicht tunlich erklärt. Abg. WollkowSki (kons.) drückt den Wunsch seiner Partei auS, die Beamten so gut, wie es im Rahmen der StaatSfinanzen möglich ist, zu stellen, und polemisiert gegen die Forderungen der Sozialdemokratie. Nachdem Abg. Foltin (Zentr.) eine Gleichstellung der Gerichtssekretäre mit den Regierung-sekretären gesordert, nimmt Unterstaatssekretär von Dombois dat Wort: Die Gerichtssekretäre erhalten in der Vorlage eine Ausbesserung deS Endgehalts um 700, die Ver- waltungSsekretäre nur 300 Mk. Wir würden diese, die erst viel später zur Anstellung gelangen, tatsächlich schlechter stellen, wenn wir die Gerichtssekretäre ihnen im Gehalt gleichstellen. Abg. Ernst (freif. Vgg.) bedauert, daß eine Reihe von Beamten zu schlecht weggekommen sind, namentlich die Tors-, Wiesen-, Wege- und Flußmeister, sowie die Zeichenlehrer und Seminarlehrer. Abg. Ströbel (Soz.) bemängelt, daß die neue Besoldungsordnung die unteren Beamten viel weniger be= denke, als die höheren. Nachdem Abg. v. Pappenheim (kons.) seinem Vorredner völlige Unkenntnis des SachvcrhaltS ziffernmäßig nachzuweifen gesucht hat, wird die allgemeine Besprechung geschloffen. Der Antrag von Hennings wird dahin erweitert, daß auch die Buchhalterinnen in Gesängnissen der Justizverwaltung daS erhöhte Endgehalt von 2500 Mark erhalten sollen. In der Gesamtabstimmung wird die Vorlage einstimmig angenommen.
Reichstag.
Im Reichstag begann am Donnerstag die zweite Beratung deS Etats sür das Rcichsamt deS Innern. Wie gewöhnlich entspann sich dabei eine allgemeine sozialpolitische Debatte, die der Zentrum-abgeordnete Trimborn mit einer mehr als einstündigen Rede einleitete. Er begründete darin vier von seiner Partei eingcbrachte Resolutionen, in denen gewünscht wird: die Gewährung von Einsuhrscheinen an die Inhaber reiner Walzwerke, Eisen- und Stahlgießereien rc., sodann Erweiterung deS ArbeiterschutzeS in der Großeisenindustrie, Ausdehnung der Konzession-pflicht aus den Flaschenbierhandel und Einsührung der Verhältniswahl bei der Reform der Kranken- Versicherung. Nach ihm ergriff das Wort der Abg. Baffer- mann für die Nationalliberalen, die in einer Resolution Reichszuschüsse zum Ausbau der deutschen Handwerk-blatte- fordern.
Sie teilen ie§ Kaisers in Azilien.
Wie bekannt, hatte Se. Majestät der Kaiser sür Sizilien 6 Baracken gestiftet, die mit dem Dampfer „Jllyria" nach ihrem Bestimmung-ort abgesandt worden waren.
Der Leibarzt deS Kaisers, Stabsarzt Dr. Niedner, sollte die Ausstellung der Baracken leiten, S. M. großer Kreuzer „Victoria Luise", der vor Corsu lag, erhielt Befehl, ihn dabei zu unterstützen. Am 17. Januar abend- traf der Kreuzer, der zurzeit als Schulschiff für Kadetten und Schiff-jungen dient, vor Palermo ein, am nächsten Vormittag der Dampfer „Jllyria".
Schon nachmittags um 3 Uhr konnte mit dem Ausbau der Baracken begonnen werden; als Bauplatz war die „Piazza dell' Jndependenza" gewählt worden, wo alle vorbereitenden Arbeiten wie Planieren, Einrichtung und Kanalisation, Anlage der Wasser- und Lichtleitung durch Stab-arztDr. Niedner und dem deutschen Konsul schon getroffen waren. Die Besatzung der „Victoria Luise" war trotz des ungünstigen kalten und regnerischen Wetters mit Lust und Freude bei der ihr ungewohnten Arbeit, so daß die Baracken in kürzester Frist unter Dach waren und dann nur noch die allerdings etwas zeitraubende Inneneinrichtung zu besorgen war. Der Ausbau der Baracken wurde von der Bevölkerung Palermo- mit lebhafter Aufmerksamkeit verfolgt, auch der aus einer Inspizierung-reise befindliche Herzog von Genua besichtigte die Baracken und äußerte sich sehr ersreut über das schmucke Aussehen der Bauten unb ihre Hellen lustigen Räume.
Daß da- Geschenk unseres Kaiser- sowie die Tätigkeit unserer blauen Jungen- auch in der Preffe lebhafte Anerkennung sand, geht i'diig dem nachfolgenden Artikel bei „Giornale di Sicilia" hervor:
Die Baracken aus der PiaW dell' Jndependenza.
Seit gestern bewegt sich ein beständiger Pilgerzug von Bürgern nach der PiaW dell' Jndependenza, wo sich die sechs großen Barocken erheben, die der Deutsche Kaiser geschenkt hat, um den Flüchtlingen von Messina Unterkunft zu gewähren. ES sind dieselben Baracken, welche — wie gesagt wird — Wilhelm II. sür seine letzte Reise nach Jerusalem an» sertigen ließ.
Sie sind zerlegbar und nach den modernsten Grundsätzen des Barackenbaues konstruiert. Sie sind mit weißer Emaillefarbe gemalt und empfangen ihre Jnnenbelcuchtung durch GlaSfenster. Sie haben einen sehr soliden und undurchdringlichen Fußboden, der sich über dem Erdboden befindet, über dem eine Schicht Kieselsteine gelegt ist. Jede Baracke enthält 12 Betten und einen Toilettenraum, welcher mit einem hygienischen Wasserklosett ausgestattet ist.
DaS Personal des deutschen Schulschiff- „Victoria Luise" hat unter der Leitung der Beamten vom deutschen Roten Kreuz mit großem Eifer die Errichtung jener Baracken bcwerk» stelligt, welche wie durch Zauber entstanden.
Auch heute abend wurde bei Fackellicht gearbeitet, und wahrscheinlich werden alle Baracken noch im Lause bei Abends fertig gestellt werden. Die städtischen Behörden haben die Arbeiten durch Herstellung der Abzugskanäle und der Wafser» leitung unterstützt und werden noch sür die Herstellung der elektrischen Beleuchtungsanlage sorgen.
Die Bevölkerung hat dem raschen Ausbau dieser Baracken beigewohnt und die Emsigkeit und den Enthusiasmus bewundert, mit dem die Matrosen und das Personal bei deutschen Roten Kreuzes an diesem Bamherzigkeit-werk menschlicher Solidarität gearbeitet haben.
Aus Jn- und Ausland.
Berlin, den 4. Februar 1909.
S e. Majestät der Kaiser nahm heute vormittag wie der Reich-anzeiger meldet, im hiesigen Königlichen Schlosse die Vorträge des Generalinspekteurs der Kavallerie, Generals der Kavallerie v. Kleist, des Kriegsministers, Generals der Kavallerie v. Einem, des Chefs des Generalstabes der Armee, Generals der Infanterie v. Moltke, und des Chefs hei Mili- tärkabinetts Frhrn. v. Lyncker entgegen. Ihre Majestät die Kaiserin besuchte heute vormittag mit Ihrer Hoheit der Prin- zessin Adelheid zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg und Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Oskar von Preußen die Schadow-Ausstellung in der Akademie der Künste.
Der Fleischverbrauch in Deutschland kann aus verschiedenen Gründen nur annähernd geschätzt, nicht genau berichtet werden. Daher kommt es, daß selbst die amtlichen Angaben über den Konsum schwanken. Nach dem „Reichsarbeitsblatt" stellten sich die Berechnungen über den Fleischverbrauch aus den Kops der Bevölkerung wie folgt: 1904/05 (vom 1. Juli ab gerechnet) 50,12 Kilogramm, 1905/06 47,32 Kilogramm, 1906/07 48,37 Kilogramm und 1907/08 51,17 Kilogramm. Nicht unbeträchtlich höher sind die Angaben bei Kaiserlichen Gesundheitsamtes, die sich allerdings auf die Kalenderjahre beziehen. Danach kommen auf den Kops der Bevölkerung im Jahre 1904 52,05 Kilogramm, im Jahre 1905 51,39, im Jahre 1906 50,29, im Jahre 1907