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hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt' und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-^nschlutz Nr. 8

Nr. 15.

Donnerstag, den 4. Februar

1909»

Amtlicher teil.

Her-feld, am 1. Februar 1909.

Im Monat Januar d. I«. sind diesseits den nach- benannten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:

A» Jahres-Jagdscheine:

1. entgeltliche:

am 4/1. dem Tuchsabrikanten Friedrich Rechberg in HerSfeld,

7/1. Occonomen Fritz Zobel in Her-feld,

11/1. Lehrer Ackert in Hersfeld,

28/1. Bäckermeister Hermann Huth in Her-feld.

2. unentgeltliche:

4/1. von Baumbach'schen Unterförster Johanne- Kegelmann in Frielingen,

5/1. Königlichen Förster Herterich in Hersa,

25/1. Königlichen Förster Kurth in Bengendorf.

B. Tages-Jagdscheine:

Keine!

Der Königliche Landrat.

I. A.: F e l l i n g e r,

RegierungS-Reserendar.

nichtamtlicher Ceil.

Sorgen in England.

Bit

Trotz der äußerst vorsichtigen und von richtigen finanziellen und kaufmännischen Grundsätzen geleiteten englischen Finanz­politik, die vor allen Dingen die laufenden Au-gaben auch durch laufende Einnahmen zu decken bestrebt ist und sich so leicht nicht auf uferlose Anleihen stützt, ist die englische Re- gierung doch für daS neue Budget in rechte Schwierigkeiten geraten, und die daraus entstehenden finanziellen Sorgen deS großen englischen Handelsvolkes können tatsächlich eine der Ursachen sein, daß England immer wieder den Plan einer allgemeinen Abrüstung aus der Friedenskonferenz der Groß­mächte erörtert sehen will, und daS England in Deutschlands starker Rüstung ein Hindernis für die allgemeine Abrüstung erblickt und deshalb immer wieder neue Anfeindungen Deutsch- lands in den englischen Zeitungen auftauchen. Doch die Ab- rüftungssrage und der Argwohn zwischen England und Deutschland stehen jetzt im Hintergründe. In erster Linie erscheint jetzt wichtig, scstzustellen, daß tatsächlich England auch finanzielle Sorgen hat, und daß das englische Ministerium eine sehr schwierige Ausgabe lösen muß, um das neue englische Budget in Ordnung zu bringen. Zwar hat der englische Kriegsminister schon vor längerer Zeit erklärt, daß die Ausgaben für das Heer im neuen Jahre eher kleiner als größer werden würden, aber diese Erklärung deS englischen Krieg-minister- hat für das englische Budget fast gar keine Bedeutung, da der englische Marineminister die gewaltige Summe von 120

$er Herr in RiimM

Roman von Maximilian Moegelin.

(Fortsetzung.)

Herrgott richtig!" fiel der Referendar ein. Er eilte nach der Küche und brächte den Kober, über dem ein nasse- Tuch lag.

Siehste Junge", sagte der so froh gestimmte Spender und blickteden Jungen" ganz glücklich an,die laßt euch schmecken!"

Er hob den Deckel und der Referendar blickte interessiert hinein.

Aha!" sagte er,Krabben! Nein Krebse!"

Zechow und der Schulze sahen sich völlig überrascht an. »Sollen wohl kultiviert werden! Verehrtester Herr Zechow scheinen mit dem Gendarmen sehr befreundet allerliebste Dinger", bemerkte der Referendar und weidete sich an den verdutzten Blicken der Alten.Nach Strafgesetzbuch Para- graph so und so bei dieser Größe, na, der Herr Schulze wissen es ja am besten nicht unter so und so zu be­strafen !"

Merkst du was?" fand Christian Zechow zuerst das Wort.Der Lump von Kronprinzenwirt! oh warte nur!"

Nein", entgegnete der Herr von Lorenzdorf lebhaft protestierend.Der Schützenwirt war e-, der immer noch vor sich hinlachte, al- er wie rasend uns zur Bahn fuhr!"

Nein solche Rüpelei", bemerkte Bornim und schüttelte wie in höchster Verwunderung den Kops.

Na gut", sagte Christian Zechow, der sich unwillig seinen angeblichen Fang ansah, wo auch die Brathechte in finger- lange Plötzen sich verwandelt hatten.Na gut also ein anber Mal", fuhr er fort und drückte Wilhelm al- Entschädi­gung etwas in die Hand, indem seine Rechte lebhaft jede- Wort ablehnte.

Und Wilhelm Lorenz dachte:So man zu!" Er

Millionen Mark mehr im neuen Jahre für die Marine ver- langt, fodaß da- englische Marine-Budget die riesige Höhe von fast 800 Millionen Mark im neuen Jahre erreichen dürfte. Nun ist ja möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß daS englische Parlament wegen der schlechten Geschäftslage in England diese hohe Forderung der Marineminister- nicht bewilligen und eine ganze Anzahl Millionen von dieser Forderung ab­streichen wird, dabei bleibt aber immer die Tatsache bestehen, daß die englische Marine den größten Teil d'er englischen Einnahmen in Anspruch nimmt. Die liberale Regierung England- hält eS nun für durchaus nötig, für die armen Arbeiter in der großen englischen Industrie endlich eine Alters­versorgung einzuführen, für welche der Staat einen sehr hohen Zuschuß zu gewähren hat. AuS der Mehrsorderung für die englische Marine und auS der Einführung der Altersversorgung in England ergibt sich nun die Aufgabe für die englische Re­gierung, mindesten- 300 Millionen Mark neuer Einnahmen zu schaffen. Da naturgemäß diese neuen Einnahmen in der Hauptsache durch neue Steuern ausgebracht werden müssen, so sieht man auS diesen Umständen, daß England fast dieselben finanziellen Schwierigkeiten zurzeit zu überwinden hat, al« Deutschland, England ist nur insofern günstiger gestellt al- Deutschland, weil eS nicht so viele Jahre lang durch An- leihen daS Defizit gedeckt hat. Für England haben die finanziellen Schwierigkeiten aber auch noch eine große doppelte politische und wirtschaftliche Bedeutung, denn wenn eS der englischen Regierung nicht gelingt, dem englischen Parlamente ein annehmbare- Budget demnächst zu unterbreiten, so kann darau- eine politische Krisi- entstehen, das liberale Kabinett zum Rücktritte veranlassen und die Auflösung de« Parlamente- vom Könige beschlossen werden. Durch den Sturz des liberalen englischen Kabinett» steht für England aber auch eine Um­wälzung der bisherigen Freihandel-politik in Frage, denn in den konservativen Kreisen Englands ist vielfach die seinerzeit vom Minister Chamberlain begünstigte Anschauung vertreten, daß England zur Schutzzollpolitik übergehen müsse, um seine Finanzen zu verbessern und fein wirtschaftliche- Leben zu stützen. Man wird darau» die große Bedeutung der englischen Finanzsrage erkennen.

Neues von -er Luftschiffahrt.

Berlin, 2. Februar. Zur Uebernahme deS Zeppelin I reisten gestern Major Groß und Hauptmann V. Jena nach Friedrichshasen. Ein Kommando deS Lustschifferbataillon» hat sich bereits vor einiger Zeit dorthin begeben.

DemHamburger Fremdenblatt" wird auS Frankfurt a. M. gemeldet: Zur LuftfchiffahrtSauSstellung, die vom 10. Juli bis 10. Oktober hier stattfindet, haben nun auch Graf Zeppelin und Major von Parfeval ihr Erscheinen zugesagt und zwar wird daS in der Weise geschehen, daß unsere

schwelgte beinahe im Mammon und hätte nichts einzuwenden gehabt, wenn allmonatlich solcher Besuch käme.

AlS die alten Herren nun eben mit dem Neuesten von zu Hause beginnen wollten, da öffnete fich die Tür und Mine Lorenz erschien auf der Bildfläche.

Dem Referendar war eS ein Opfer, ernst zu bleiben. Nach feinem Empfinden hätte ein Momentphotograph nie paffender kommen können als in diesem Augenblicke.

Der Schulze prallte förmlich zurück und Onkel ZechowS Gesicht mit dem Echifferbarte wurde zusehends länger.An­blick für Götter", so empfand auch Wilhelm.

DaS ist ja wirklich heiter", war ihre Begrüßung, nach­dem sie den ersten Schreck, ebenfalls kaum ernst bleibend, vorüberließ.

Aber warum sagtest du denn nicht« von solcher Fahrt, und waS in aller Welt soll ich denn hier? Ja, warum schriebst du, daß ich nach hier kommen sollte?"

Ich nein", entgegnete ihr Vater bestimmt,davon weiß ich nicht-."

Dann ist eS freilich noch viel schlimmer", bemerkte sie und gab ihm eine Karte, aus der er laS:Komm nach Berlin, liebe Mine." Und weiter unten:Wir sind hier versammelt zu fröhlichem Tun."

Ringsum standen viele Namen und in der Mitte thronte in nicht sehr vornehmer Stellung mit einem Dutzend Krügen in der Hand eine gütige Hebe auf einem Fasse.

Verdrießlich schüttelte der Schulze den Kopf e» war seine Schrift, da- ließ sich nicht leugnen. Er blickte aus den Sohn seines LandrateS, der nur langsam dir Achseln hob und so tat, als wisse er nicht- davon.

DaS ganze Dorf ist voll davon", fuhr Mine Lorenz fort, und was soll die Martha hier? Da« möchte ich auch wohl wissen!"

Dabei stieß sie die Tür aus und Martha Teschner trat ein.

Wieder ein Bild zum Malen, daS empfanden die an­gehenden Juristen und Bornim biß sich auf die Lippen. Martha Teschner begrüßte jeden der Reihe nach und ging dann zu Mine Loren- zurück. Auch sie hatte eine «arte er­

starren und unstarren Luftschiffe von FriedrichShasen bezw. von Bitterseld au» den Flug nach Frankfurt hin unternehmen und dann vier kleinere Paradesahrten vorführen, aus denen auch Passagiere mitgenommen werden sollen. Die Zeppelin- Gesellschaft macht ihre Beschickung nur von der Errichtung einer Halle für ihre Luftschiffe, etwa unweit Frankfurt-, ab­hängig. Sie würde aber, wenn ihr diese Halle gebaut würde, geneigt sein, Frankfurt zu einer Art Zentrum für ausgedehntere Passagiersahrten, etwa den Rhein hinaus bis zum Bodensee­gebiet und hinunter zu machen. In Düsseldorf ist man bereit, eventuell einen Aufnahmehasen für rheinabwärtS kommende Lustschiffe herzustellen. Wie da» Blatt zuverlässig erfährt, wird auch Hamburg als Endpunkt einer Route in Frage kommen, wenn hier ebenfalls eine Bergung-Halle errichtet würde. Wie daS Blatt weiter erfährt, hat heute ein dem Zeppelin-Unternehmen nahe stehender Hamburger Herr die Docks bei Blohm u. Boß besichtigt, um festzustellen, ob diese eventuell zur Bergung deS nach Hamburg fliegenden Luft­schiffe- geeignet sind.

Berlin. 2. Februar. Nach den bisher mißlungenen Flugversuchen aus dem Tempelhoscr Feld konnte Armand Zipfel gestern mit dem Doisinschen Apparat die ersten Erfolge verzeichnen. Nach größeren Sprüngen und einem freien Flug über 300 Meter in ein Meter Höhe gelang der zweite Ver­such gegen zum Teil sehr srischen Wind. Der Apparat kam bald nach dem Start frei und flog, ohne den Boden zu be­rühren, etwa 1500 Meter, davon 300 Meter in einer Höhe von 15 Metern.

Aus Jn- und Ausland.

Berlin, den 2. Februar 1909.

Der Reich«- und Staat-anzeiger veröffentlicht folgenden Erlaß Sr. Majestät des Kaiser - undKönig-: Au» Anlaß der Vollendung Meines fünfzigsten Leben-jahre- sind Mir schriftliche und telegraphische Glück- und Eegent- wünsche in besonders großer Zahl von nah und fern zugegangen. Mein Geburtstag ist in Stadt und Land von Behörden, Vereinen und Korporationen durch Veranstaltungen mannigfacher Art festlich begangen worden. Auch die im Auslande lebenden Deutschen haben sich vereinigt und Mir ihre Treue und An­hänglichkeit zum Au-druck gebracht. Diese Kundgebungen ver­trauensvoller Zuneigung haben Meinem Herzen wohlgetan und eS ist Mir eine angenehme Pflicht, allen, welche Meiner an diesem Tage mit freundlichen Glückwünschen und treuer Fürbitte gedacht haben. Meinen wärmsten Dank au«zusprechen. Ich ersuche Sie, diesen Erlaß zur öffentlichen Kenntuit zu bringen.

Berlin, den 30. Januar 1909.

Wilhelm, I. R. An den Reichskanzler.

S e. Majestät der Kaiser nahm heute vormittag

halten, die jener anderen ähnlich sah, worauf der Schulze sehr unwillig den Kopf schüttelte und Zechow sich hinterm Ohr kraute.

Aber da du nun einmal hier bist, Martha, so ist e» gerade gut. Dort ist Wilhelm und meinen Segen habt ihr!"

Jetzt war auch Mine überrascht und fand, daß ihre Her- fahrt doch etwas Gutes gestiftet hatte. Und als aller Blicke diesem Paare galten, erschien still Ottilie im Tür­rahmen und sagte:Und waS in aller Welt soll ich denn hier?"

Wieder schüttelte der Schulze in völliger Ueberraschung sein Haupt; denn auch sie hatte eine Karte empfangen, aber ihn konnte bald nichts mehr überraschen und ihr Vater lachte, daß ihm die Hellen Tränen in die Augen traten.

Nein da hört doch die Weltgeschichte aus!" sagte er noch immer lachend,aber recht so wo wir sind, da könnt auch ihr sein."

Dann stellte er dem Referendar seine Tochter vor und als im gegebenen Augenblick in der anderen Tür auch Fritz Krüger erschien, da war daS Lustspiel fertig.

Unten in seinem Schreibtisch fand der Referendar noch einige Gclbgesicgelte und bald war die ganze Landsmannschaft in sehr vergnügter Stimmung.

AlS nun Frau Benz erschien, so schweigsam wie immer, da glaubte des Schutzes Tochter ihren Vater nicht recht zu kennen, indes nicht anders es ihm seiner Tochter gegen­über erging, die wie zufällig neben dem Herrn von Bor- nim saß.

Und wann gedenkst du abzureiscn?" fragte sie ihren Vater, dem solche Frage jetzt recht wenig angebracht er­schien.

Er winkte abwchrend, als wollte er sagen:Noch lange nicht!", und Christian Zechow war völlig seiner Meinung.

So!" sagte Mine Lorenz,und das hier hattest du wohl ganz vergessen?"

Sie reichte ihm ein Schreiben, eine Aufforderung zum Termin, die er las, während sein Kopf ordentlich rot wurde.