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Herzfelder Armblatt
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Kernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 14. Dienstag, den 2. Februar 1909.
Amtlicher teil.
Herrfeld, den 26. Januar 1909.
Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher deS Kreises ersuche ich, mir die Hebelisten über Landwirtschastskammer- Beiträge umgehend einzusenden.
I. 881. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, RegierungS-Referendar.
Hersfeld, den 28. Januar 1909.
Der bisherige Bürgermeister JohS. Klotzbach in Wehrs- Hausen ist als solcher für einen weiteren 8jährigen Zeitraum wiedergewählt worden. Ich habe diese Wiederwahl bestätigt. A. 547. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, RegierungS-Referendar.
nichtamtlicher teil.
Was sagt tetelM wem Hit ReiWmz- refm schtilert?
Die Steuerkommission des Reichstages hat nun bald zwei Monate getagt und bis jetzt kein positives Ergebnis, auch nicht für einen einzigen der Steuerentwürse, geliefert. Daß eS da schon Leute gibt, die das Scheitern der Resorm prophezeien, ist nicht zu verwundern. An Versicherungen der Opjerwillig- keit der Parteien hat es nicht gefehlt. Begreiflicherweise; denn jede möchte die schwere Verantwortung und das Odium für das Mißlingen der Reichsfinanzreform von sich abwälzen und wenigstens daraus Hinweisen können, daß sie guten Willen gezeigt' haben. Allein von bloßen Versicherungen hat das Reich nicht gelebt, mit Worten allein kann die Reichsfinanzreform nicht gemacht werden. Hier heißt es, die notwendigen Opfer zu bringen, sich selbst zu überwinden und Parteigrundsätze und Parteidogmen unter die Pflicht zu beugen, das Reich finanziell wieder aus eigene Füße zu stellen. Von einer Einigung der Parteien über die Grundlagen der Resorm sind wir noch weit entfernt. Wesentliche Bestandteile des Entwurfes, die von großen Parteigruppen als unerläßlich für ihre Zustimmung bezeichnet werden, werden von anderen großen Parteigruppen mit derselben Entschiedenheit verworfen, und so droht mit jedem Tage stärker die Gefahr eines Fiaskos dieses von der übergroßen Mehrheit des deutschen Volkes als nationale Notwendigkeit erkannten Werkes.
Welchen Eindruck wird das Scheitern der Finanzresorm im Ausland machen, wo man den Verlaus der Verhandlungen mit größter Spannung verfolgt, weil man darin den Grad
$er Herr M Lorenzdors.
Roman von MaximilianMoegelin.
(Fortsetzung.)
„Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang", fuhr der Schulze fort, „zog ich meine schwarzen, tiefen Furchen, — vergeblich; denn immer wieder stand dies Bild so still und rein vor meiner Seele. Dann kam das Spiel und dann — und daS war dann das Schlimmste — der Trunk! Doch nirgends — niemals fand ich Ruhe, — ich konnte ihr Bild nicht aus dem Herzen reißen und alles war mir gleich; Gott und die Welt! Und dennoch gibt eS einen Gott! — Du hast es selbst gesagt, du treue Seele. Ach könnte ich dich wiederholen! — Nichts wollte ich sehen mehr, auch nicht den Schulzenhof. Von früh bis spät wollt ich mein Brot ve» dienen, nur Mine, dich haben und Ruhe und Frieden im Gewissen!"
Er schwieg, indes sein Haupt wie weltvergessen sich geneigt hatte, aber ruhig und tonloS, als spräche er zu sich selbst, fuhr er gleich fort: „Wie der Fluch zog es hinter mir — ein Betäuben war es, um dann die Erinnerung lebendiger zu gestalten! Das war mein Leben — bis zu dieser Stunde!"
Und er ballte die Fäuste, grub sich die Nägel tief in die Hände und stumm und teilnahmlos blickte er vor sich hin . . .
Die Frau ihm gegenüber schien kein Herz zu haben, kein Mitgefühl zu kennen, sie schwieg. Oder war es dennoch anders? Den Trauernden still seinem Schmerz überlassen, das ist daS letzte Mittel; das Herz muß in sich selbst zur Ruhe kommen, das ist der beste Trost, denn so hatte sie eS auch empfunden. Sie schwieg, und ihre Hände ruhten wie zum Gebet in ihrem Schoße. Feierliches Schweigen war in dem trauten Zimmer, nur die Weckeruhr aus dem Spinde ge- mahnte an die Welt; an Werden und Vergehen. Und als der Schulze tiefaufatmend seinen Blick erhob, stand die Frau wehmütig lächelnd aus und sagte: „Lassen Sie el nun genug
messer für die innere Stärke und die Konsistenz des Deutschen Reiches erblickt? Die Unhaltbarkeit der jetzigen finanziellen Lage in Deutschland hat man nicht bloß bei uns, sondern auch im Ausland mit voller Klarheit erkannt. Wenn nun trotzdem der Versuch der Regierung, eine gründliche Finanzreform durchzuführen, mit einem Mißerfolg endet, so wird man sich im Auslande sagen: entweder wollen die Deutschen nicht ihre Finanzen aus eine solide Basis stellen, oder sie können eS nicht. Im letzten Falle findet das Ausland alles bestätigt, was von den grimmigsten Deutschfeinden über den bevorstehenden wirtschaftlichen Ruin des Reicher, von einem finanziellen Sedan, einer ökonomischen Entkrästung gefabelt ist. Ein Deutschland, das sich eine unbedingt notwendige Finanzresorm nicht leisten kann, wäre in der heutigen Zeit der ausschlaggebenden Bedeutung der wirtschaftlichen Kräfte eines Volkes kein den andern Großmächten ebenbürtiger Rivale mehr, und die politischen Folgen einer solchen Lage würden nicht lange aus sich warten lassen. Für die richtigeren Beurteiler aber, die wohl wissen, daß daS deutsche Volk reich genug ist, um die Reichsfinanzen zu ordnen, wäre das Scheitern der Beweis dafür, daß es uns Deutschen an patriotischer Opserfreudigkeit und an einheitlichen, folgerichtigem Zusammenwirken der berufenen Faktoren fehlt. Dieser Eindruck im Ausland wäre noch schlimmer als jene Annahme, daß wir mit unseren wirtschaftlichen Kräften am Ende sind. Denn dann ist die politische und sittliche Reise des deutschen Volkes in Frage gestellt.
Ein Scheitern der Reform wird also in jedem Falle einen tiefen und bleibenden Eindruck aus daS AuSland machen, der die Schätzung der deutschen Macht und Leistungsfähigkeit aus lange hinaus aufS schädlichst« beeinflussen wird.
Reichstag.
Der Reichstag trat am Freitag in die Beratung der Interpellation des Zentrums über die „schwarzen Listen" der Unternehmer, hauptsächlich der Zechenverwaltungen ein. Abg. Gicsberts begründete die Interpellation seiner Fraktion, hierbei betonend, wie die „schwarzen Listen" eine schwere Gefahr für die Existenz des Arbeiters bedeuteten. Der Zentrumsredner brächte auch noch andere gegen die Grubenbesitzer gerichteten Beschwerden und Klagen vor und berührte auch das Eingreifen der oberschlesischen Zechenverwaltungen in die Koalitionsfreiheit der Beamten. Er warnte davor, an dieser Praxis noch weiter festzuhalten. Der Staatssekretär deS Reichsamtes des Innern v. Bethmann-Hollweg verbreitete sich in seiner Beantwortung der ZentrumSinterpellation zunächst über die rechtliche Seite der ganzen Frage und widersprach der vom Abgeordneten GieSbertS geäußerten Ansicht, daS von den Arbeitgebern angewandte Sperrsystem stelle einen Verstoß gegen die Gewerbeordnung dar. Der Staatssekretär bezeichnete vielmehr die häufigen Kontraktbrüche in der Arbeiterschaft, namentlich unter den Bergarbeitern, als den wahren Grund der Arbeitersperre
sein. Sie haben schwer gekämpst", und leicht berührte sie seine Schulter.
Er blickte aus; ihre Stimme wirkte beruhigend, eigenartig und ihre Blicke begegneten sich voll.
„Und wenn diese Mine, von der Sie eben sprachen, nun nicht — gestorben ist?"
Der Schulze sprang auf bei diesen Worten und sah sie durchdringend, fragend an.
„Ja, mein Gott!" rief er hastig und ergriff bebend ihre Hände. „Ja, ja — Mine, bist du es wirklich, wirklich! — Ja, ja, du bist es — Mine!"
Und er blickte sie immer und immer wieder an, als könne er es nicht glauben, und eine frohe Hoffnung ergriff ihn.
„Mine", rief er in der beseligenden Gewißheit, daß sie es wahrhaftig sei, daß er sie wiederfand, und daß nun Ruhe und stiller Friede in sein schwergeprüftes Herz einziehen könne. „Mine — komm mit, komm mit mir nach dem Schulzenhof, aller, alles soll dein sein", bat er flehentlich.
Sie nahm die dargebotene Hand, die er nicht loslicß, die er drückte, der sich nun freute wie ein Kind.
„Still", sagte sie, „niemand soll es vorher wissen. Und nun ruhig. Ihr — Verzeihung —, dein Neffe ist nun da, und jetzt 'wasche ihm einmal gründlich den Kopf, so wie der Herr von Lorenzdors eS zu tun gedachte."
Der Schulze lächelte nur, in seinem Herzen war keine Fehde mehr. Eine völlig neue Welt lag sonnenklar und wie ein friedliches Gefilde nun vor ihm und still und ruhig verließ er tief ausatmend da? Zimmer.
Als er in die Stube seines Neffen trat, hatte jener seine Nase so tief in das Strafgesetzbuch gesteckt, als müsse er sich heute noch die ganze Prozeßordnung nebst Kommentaren an- eignen, er ließ sich durch das Eintreten seines Onkels nicht im geringsten stören.
Erst als dieser: „Na, guten Tag ooch, Wilhelm", sagte, da drehte er sich hastig um und spielte die ihm zugefallene Rolle des Ueberraschten nicht ohne Geschick.
„Onkel!" rief er verwundert. „Ist ja einzig — endlich mal rauSgerappelt! — Wirst deine Kaiserstadt kaum noch
und der „schwarzen Listen". Er behandelte dann diesen Gegenstand noch ausführlicher und kam zu dem Schlüsse, daß auf dem Wege einer Spezialgesetzgebung sich das System der „schwarzen Listen" nicht beseitigen lassen würde. Dafür bcsür- wortete er die Ersetzung des bisherigen heimlichen Verfahrens der Arbeitgeber durch die Oeffentlichkeit des Verfahrens und trat daneben für eine fortschreitende gegenseitige Verständigung zwischen den Koalitionen der Arbeitgeber nnd der Arbeitnehmer ein. In der nun einsetzenden Debatte stellten sich die Abgeordneten Stresemann (nat.-lib.), Wagner (kons.) und v. Dirksen (ReichSp.) im großen und ganzen auf den Standpunkt der Staatssekretärs, während der Sozialdemokrat Sachse oppositionelle Töne anschlug, von der Hartherzigkeit der Unternehmer und der Mitschuld der Staatsbehörden sprach und die rücksichtslose Ausrottung des „meuchlerischen" Systems der „schwarzen Listen" forderte. Am Sonnabend führte der Reichstag diese Verhandlungen weiter.
Aus Jn- und Ausland.
S e. Majestät der K a i s e r hat heute, am Todestage der Kronprinzen Rudolf, dem österreichisch-ungarischen Botschafter v. Szögyeny einen Besuch gemacht. Seine Maje- stät blieb über eine Stunde in der K. u. K. Botschaft und hatte die Gnade, auch der Gemahlin des Botschafters einen kurzen Besuch abzustattcn. Seine Majestät nahm heute vormittag im hiesigen Königlichen Schlosse die Vorträge deS Staatssekretärs deS ReichSmarineamtS, Admirals v. Tirpitz I und deS Chefs des Mari^ekabinettS, Vizeadmirals v. Müller entgegen.
Eine neue Verordnung über die Förderung und Verwertung der Diamanten in Deutsch-Südwest» asrika ist jetzt im „Rcichsanz." bekannt gemacht worden, welche bestimmt, daß die Verwertung der Steine durch eine nur von Reichsdeutschen zu bildende und zu leitende Gesellschaft unter staatlicher Aufsicht geschehen darf. Zu dieser Gesellschaft haben sich bereits neun Zehntel aller in Frage kommenden Interessenten zusammengeschlossen. An die Stelle des Fixzolles soll künftig ein Wertzoll treten, der ein Drittel des Verkaufserlöses betragen soll.
Die Durchschnittspreise der wichtigsten Lebensmittel im Kalenderjahre 1908 betrugen nach der „Etat. Korrespondenz" für 1000 Kilogramm in Mark: Weizen 204 gegen 200 im Vorjahre, Roggen 180 (186), Gerste 165 (168), Hafer 162 (179), Erbsen 263 (249), Speisebohnen 301 (314), Linsen 484 (579), Eßkartoffeln 60,4 (64,3), Richtstroh 49,1 (52,1), Heu 65,8 (62,2), Rindfleisch im Großhandel 1225 (1277) Mark; für ein Kilogramm Fleisch im Kleinhandel in Pf. bei Rindfleisch von der Keule 158 (162), vom Bauche 134 (138), Schweinefleisch 151 (151), Kalbfleisch 160 (164), Hammelfleisch 159 (162), in-
wiedererkennen! Aber wie gchts denn — Line und Mine — nein, aber so was." ,
„Danke — alles in Ordnung", entgegnete der Onkel Schulze und lachte so eigenartig und auf seinem Gesicht malte sich eine so seltsame Ruhe, so glückliche Zufriedenheit, daß sein Neffe höchlichst erstaunt war und gar nicht begriff, was eigentlich mit ihm vorgegangen war, denn daß Bornim dicS alles veranlaßt haben könnte, daS vermochte er kaum zu glauben.
„Ich wollte — so mal sehen!" sagte der Schulze und legte die Rechte aus seines Neffen Schulter.
Wilhelm war sprachlos — das hatte er noch nicht erlebt. Und als der Onkel ihm gleich daraus die erbetenen hundert Mark gab mit dem Bemerken: „Es soll dir an nichts fehlen!", da wußte er vollends nicht, was er denken sollte.
„Und noch eins", fuhr er fort und blickte seinen Neffen wahrhaft väterlich an. „Die Martha — bleibt dein —wenn sie auch^arm ist."
War der Schulze seinem Neffen nun schon vorher ein Rätsel durch diese freundlichen Worte, so wußte letzterer nun bezüglich der Martha jetzt nicht mehr, was er denken sollte und wirklich erfreut ergriff er seines Oheims Hand und gab ihm, was er für alle Fälle für geraten hielt, einen Ver- söhnungSkuß.
In diesem Augenblicke traten Herr Christian Zechow und der Referendar ein, die sogleich merkten, daß hier eine Art Friedensengel durch das Zimmer gegangen.
Wieder mußte Wilhelm die Rolle deS Ueberraschten spielen und er fand, daß auch Onkel Zechows Stimmung äußerst gehoben war, er ließ eigentlich gar keinen zu Worte kommen.
Kaiser und Fürsten, Fahnen und Standarten hatte er gesehen und — sein Franzer-Regiment zu guterletzt, das war der Höhepunkt. „Schade nur", so meinte er, daß Ottilie nicht hier ist — schade."
Und zu Wilhelm Lorenz gewandt, sagte er: „Und dir hab ick wat mitgebracht — Krebse."
(Fortsetzung folgt.)