30 Jahre» nicht mehr und der Sultan war nur noch dem Namen nach der Souverän dieser Ländchen, und dafür, daß er aus seine fadenscheinige Souveränität über BoSnien und die Herzegowina verzichtet, erhält er nun von Oesterreich ungefähr 50 Millionen Matt. Ganz ähnlich liegt ja der Fall zwischen der Türkei und Bulgarien, denn Bulgarien samt Ostrumelien war ja auch schon längst für die Türkei so gut wie verloren, und wenn die Türken von Bulgarien auch nicht die verlangten 8 Millionen türk. Pfund sondcm wahrscheinlich nur 5 oder 6 Millionen Pfund, also etwa 100 Millionen Mark von den Bulgaren erhalten, so haben die Türken wiederum ein sehr guter Geschäft gemacht, sie werden den Aerger mit Bulgarien und Ostrumelien los und erhalten eine ganze Menge Geld. Die ganze innere Reform in der Türkei gewinnt durch diese Art der Lösung der Orientftagen offenbar sehr an Kraft, zumal man weiß, daß es in der Türkei immer an Geld fehlt, und die Jungtürken, welche in der Türkei jetzt die politische Macht in den Händen haben, sind offenbar klug genug, die Vorteile einzusehen, welche eine derartige Lösung der Orient- fragen für die Türkei bringt. Vom Standpunkte SerbienS und Montenegros, die gern etwa« größer werden möchten, kann man ja ein gewisses politische« Mitleid mit der Lage dieser kleinen Staaten haben, und ist die Aussicht vorhanden, daß Oesterreich und die Türkei den Serben und Montenegrinern inbezug aus Handel und Verkehr einige Konzessionen machen werden. In Oesterreich wird man auch sehr froh sein, daß man wegen der leidigen Orientftagen keinen Krieg zu führen braucht, der in einer Woche schließlich mehr gekostet hätte, als wa« die Türkei an Entschädigung für BoSnien und die Herzegowina bekommt. Die Großmächte selbst, zumal England, Rußland und Frankreich, bleiben aber aus ihrer Forderung bestehen, daß die ganze Lösung der Orientftagen von einer Konserenz der Großmächte gebilligt und sanktioniert werden muß, und diese diplomatische Forderung wird auch Oesterreich erfüllen, um die letzten Zankäpfel in Europa wegen der Zwischenfälle auf der Balkanhalbinscl zu beseitigen, denn die Zukunft BoSnienS und der Herzegowina, sowie auch daS Ver- hältni« zwischen der Türkei und Bulgarien sind völkerrechtlich im Berliner Vertrage von 1878 festgelegt worden, und dieser Vertrag muß eben in den betreffenden Punkten eine Amderung erfahren, da Oesterreich mit der Türkei sich verständigt hat, und ein Vergleich zwischen der Türkei und Bulgarien nahcbevor- zustehm scheint, so wird die Konserenz der Großmächte bei der Revision und neuen Ratifikation aus keine großen Schwierig- keften mehr stoßen.
Reichstag.
Im Reichstage begann am Freitag die erste Lesung einer nicht unwichtigen sozialpolitischen Vorlage, des GesetzeS über die Errichtung von ArbeitSkammem. Die Debatte hierüber wurde vom Staatssekretär deS ReichramteS deS Inneren v. Bethmann-Hollweg mit einer großzügigen Rede ein geleitet. In derselben gedachte er der erheblichen Meinungsverschieden- Heften, welche in der Frage der Arbeit-kammern von allem Anfang an bestanden haben. Herr v. Bethmann-Hollweg wies dann in eindrucksvoller Weise die Zweifel, ob überhaupt die Organisation von Arbeit-kammern ein Bedürfnis sei, zurück, und hob die wichtigen Ausgahen hervor, welche dm Lrbeftrkammem namentlich als vermittelnde Organe zwischen Unternehmern und Arbeitern zusallen würden. Der StaatS- sekretär variierte nun daS Thema vom möglichsten AuSgleich der Differenzen zwischen Unternehmentmn und Arbeiterschaft mittels paritätisch und sachlich gegliederter ArbeitSkammer deS längerm, und betonte, die verbündeten Regierungen hätten den vorliegenden Gesetzentwurf in der Hoffnung eingebracht, daß er die große sozialpolitische Frage wenigstens um einen Schritt ihrer Lösung näher bringen werde. Im Verlaufe seiner Darlegungen wandle sich der Staatssekretär auch gegen die Behauptung, er sei vom Zentralverband der Industriellen abhängig, was Herr v. Bethmann-Hollweg als ein alte« Märchen bezeichnete. Er schloß seine vom Hause mit lebhaftem Beifall aufgenommene Rede mit einem Apell zur Verständigung über die Frage der Arbeitskammern. Als erster Redner aus dem Hause sprach der ZentrumSabgeordnete Trimbom, welcher die Bereitwilligkeit seiner politischen Freunde hervorhob, daran mitzuwirken, daß aus dem vor- liegenden Entwürfe ein wirklich gute« Gesetz werde. Ihr Einverständnis mit der Tendenz und den Grundlagen deS Gesetzentwurfes erklärten ferner die Abgeordneten v. Winter- feld (kons.), Freiherr Hehl zu HerrnSheim (nat. lib.) und voller (fr. Volksp.); nur der Sozialdemokrat Legien hatte allerhand an der Vorlage zu bemängeln.
Die Steuettommission der Reichrtaget lehnte am Freitag
ganz den Aeußerungen von Pastor« Emil, den Neffm deS Lormzdorfer Pfarrers, der auch hier wohnte.
„Treten Sie nur bitte ein“, bat Frau Benz nach der üblichen Begrüßung und Vorstellung, denn sie vermutete sogleich die Tochter deS Lorenzdorfer Schulzen.
„Sie wollen augenscheinlich ihrm Vetter überraschen", bemerkte sie lächelnd, „und er wird auch recht erfreut sein, — sehen Sie, da ist er auch schon."
Wie angewurzelt stand Wilhelm Lorenz vor den drei An- kömmlingen und wußte im Augenblick gar nicht, wie ihm geschah.
„Aber Kinder", platzte er dann heraus, „einsach großartig — richtige Überrumpelung!" —
»Du", sagte Mine, der die Begrüßung mit Martha ein wenig zu lange erschien und ergriff ihn am Arme, „da Vater dir kein Geld gesandt, so erhältst du es von mir, — Line schickt es dir!"
DaS war nun freilich nicht die Wahrheit, denn die Hälfte kam au« ihren Ersparnissen. „Aber du, Vetter Leichtfuß, das kann ich dir nur sagen ..." toeiter kam sie nicht in ihrer wohlgesetzten Predigt — da öffnete sich die Tür.
„v. Bornim, Reserendar — Base Wilhelmine Lorenz — Fräulein Zechow — meine Braut."
Der Referendar, der etwas Burschikoses an sich hatte, schlug die Hacken zusammen und vemeigte sich leicht, indem « sagte: „Sehr angmehm", währmd sein Blick auf Mine Lorenz Haftm blieb.
„Der tausend", dachte er, „da« also ist die vielberühmte Mine, der eigentliche Schulze von Lorenzdors — der geborene Landrat!" und Mine Lorenz, die sonst gewohnt war, ruhig
zu ertragen, sie wußte nicht, wie ihr geschah, ihr Gesicht, das ohnehin schon von besonderer Frische war, ward purpurrot.
Wilhelm hätte platzm mögen vor Vergnügen, laut aus- lachen hätte er können, seine Mine urplötzlich so zu erblicken, aber - nur nicht« merken lassen, sie hätte er sür Verhöhnung gehalten und ihm nimmermehr verziehen. —
„Aber, wollen die Damen nicht näher treten?" bat der Referendar, öffnete weit die Tür deS gemeinsamen
den Vorschlag der Regierung, die Fahrkartensteuer in Hinblick aus die geplanten neuen Reichssteuern wieder auszuheben, gegen die Stimmen der Freisinnigen, Sozialdemokratin und wirt- schastlichen Vereinigung ab. Dafür wurde ein Zentrumt- antrag angenommen, die Regierung möge dem Reichstage einen Gesetzentwurf wegen einer Reform der Fahrkartensteuer vorlegen.
Der Reichstag führte am Sonnabend die erste Beratung des ArbeitskammergesetzeS zu Ende. Sämtliche Redner der bürgerlichen Parteien, die Abg. Dr. Hoeffel (ReichSp.), BehrenS (wirtsch. Vgg.), Kulci-ki (Pole) und Potthoff (sreis. Bgg.), sprachen sich für die Vorlage auS, und nur der Sozialdemokrat Severing dagegen. Aus verschiedene Anfragen erklärte der Direktor im ReichSamt de« Innern Caspar, daß zu der Errichtung von Kammern für Handlungsgehilfen, technische Angestellte usw. die Regierung erst nach den Kommissions- verhandlungeu Stellung nehmen werde. Die Vorlage wurde einer Kommission von 28 Mitgliedern überwiesen. Nachdem der Präsident Graf Stolberg noch von dem Tode des ZentrumSabg. Dr. Rügenberg Mitteilung gemacht hatte, vertagte sich da« HauS auf Montag 1 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des JustizetatS.
5er Iiehsiaü in IM-SMchsrik«.
ES sind einige Zahlen über die letzte Viehzählung in D eu t s ch-S lldw e staf rik a eingegangen, die ein ganz erfreuliches Bild von der Entwickelung deS dortigen Viehstandes liefern. Die Viehzählung von 1907 hatte eine Gesamtzahl von 52531 Stück Rindvieh ergeben, darunter 16 965 Ochsen, meist Treckochsen, 18 471 Stück Mutteroieh, 7126 Stück Färsen, 9261 Stück Kälber. An Wollschafen waren nur 3526 Stück vorhanden gewesen, ein sehr bescheidener Anfang der Wollschafzucht. Zur Hebung der Viehzucht hat das Gouvernement vom April 1907 bis Slpril 1908 eingeführt 66 Bullen, 2112 Kühe und Färsen, 31 Kälber, 6100 Wollschafe, 6900 Fleischschafe, 1400 Ziegen, 250 Angoraziegen. Von den Rindern waren 47 erstklassiger Zucht aus Deutschland: auch 12 Karakolschafe, deren Lämmer das Persianer Pelzwerk geben, wurden eingeführt. Zu der Regierungseinfuhr kam eine lebhafte Einfuhr von privater Seite, so daß die Viehzählung von 1908 schon 73 331 Stück Rindvieh ergeben hat gegen 52 531 Stück im Vorjahre. Das Mutteroieh vermehrte sich von 18471 auf 26122 Stück, die Zahl der Färsen stieg von 7126 auf 9071. Wir dürfen danach hoffen, in diesem Jahre an 45000 Stück tragfähige Kühe in Südwestafrika zu haben und 1912 oder 1913 über 100000 Stück. An Riesenherden fteilich ist noch lange nicht zu denken; aber wir dürfen in 4—5 Jahren auf einen zwar noch kleinen, aber entwickelungsfähigen Export rechnen. In den ersten Anfängen steckt ttotz der lebhaften Tätigkeit des verflossenen Jahres immer noch die Wollschafzucht. Die Zahlung von 1908 ergab zwar 11753 Wollschafe gegen 3526 in 1907 ; aber von dem ersten Hunderttausend sind wir noch sehr weit entfernt. Ob eS 1913 erreicht sein wird ? Sehr erheblich gewachsen ist die Zahl der Fleischschafe, von 98070 auf ca. 190000; damit ist der Stand des Jahres 1903 mit 182 600 Fleischschafe wieder erreicht. Für den Export haben diese Tiere aber verhältnismäßig wenig Bedeutung; es fragt sich sehr, ob Deutschland einmal gefrorene Hammel aus Südwest abnehmen wird. Fleischschafe und Ziegen (ihre Anzahl stieg von 100000 auf runb 150000) dienen der Ernährung der weißen und Eingeborenenbevölkerung in Südafrika selber; eine Vermehrung über den lokalen Bedarf hinaus würde nur einen starken Preissturz zur Folge haben. ES ist aber sehr natürlich, daß die südwestafrikanischen Landwirte sich zunächst anf Züchtung solcher Produkte verlegen, für die im Lande sofort Absatz vorhanden ist. Deshalb ist die Zucht der Fleischschafe und gewöhnlichen Ziegen der der Wollschafe und Angoraziegen (1908 ca. 4500 gegen 3696 im Jahre 1907) weit voraus. Für das Vorwärtskommen der Kolonie aber ist die Heranzüchtung von Exportprodukten von größter Wichtigkeit; sie muß an den Weltmarkt liefern, um Geld ins Land zu ziehen. So muß künftig mehr Nachdruck gelegt werden auf die Vermehrung deS Bestandes an Wollschafen, Angoraziegen, an trag, fähigen guten Kühen und an Färsen.
Mt > und Ausland.
Berlin, den 16. Januar 1909.
Das Krönungs- und OrdenSsest begann heute im Königlichen Schloß bald nach 9 Uhr vormittags mit der Versammlung der neu zu Dekorierenden in der ersten braun« schweigischen Kammer, der gegen 10 Uhr die Verleihung der neuen Auszeichnungen in der zweiten braunschweigischen Kammer folgte. Seine Majestät der Kaiser, der morgens eine Ausfahrt gemacht hatte, begab sich mit Ihrer Maje- stä t der Kaiserin und den Prinzen und Prinzessinnen unter großem Vortritt nach HVa Uhr nach dem Rittersaal zur Abnahme der Cour über die vorzustellenden neu ernannten Ritter deS Roten Adler-OrdenS, des Kronen-Ordens und der Hau«ordens von Hohenzollern. Die Majestäten traten vor den Thron, die Prinzen und Prinzessinnen zu dessen Seiten; die Ritter deS Schwarzen Adler-Ordens, die StaatSminister,
Zimmers und feine Rechte beschrieb einladend einen halben Bogen.
„Sie sind sehr gütig!" entgegnete Mine Lorenz und nahm neben Ottilie aus dem Sofa Platz, während der Referendar einen Stuhl an MineS Seite zog.
„Wir hörten vorhin so entzückender Klavierspiel", sagte Ottilie Zechow und sah auf den Referendar.
„Ja so — aber wo steckt denn unser Genie — wir sind hier unser drei."
Bei diesen Motten war er aufgesprungen und öffnete die Nebentür. „Heda, Krüger, Prosessorchen, mal antanzen, — haben Besuch bekommen."
»Ah!"
„Sie gestatten, Herr Krüger von Vorbruch, Student der edlen Musika — Fräulein Lorenz — Fräulein Zechow und — Fräulein Teschner, die Verlobte unseres hochverehrten Herrn Kommilitonen, des zukünftigen LandratS von Schrimm- Schroda, Neutomischel oder sonst wo."
Alle lachten und Mine fand Gefallen an der Art des stattlichen Manne« mit dem energischen, bestimmten Wesen, daS sie bei aller Liebenswürdigkeit zu erkennen vermeinte.
„Nun", bernertte sie und blickte auf ihren Vetter, „so weit ist eS ja längst noch nicht."
„Aber hoffentlich, hoffentlich", fiel der Referendar schnell ein, „und daß er statt dabei ist, wird Ihnen das da be- zeugen!"
Er zeigte auf ein aufgeschlageneS Buch — eS waren „Er- gänzungen zur Gemeindeordnung."
„Und jene» da", fiel Wilhelm ein und zeigte nach einem Aktenstück, das aus dem Schreibtisch lag, „dar sind die Vor- studien zum kommenden Etaat-anwalt."
„Abwarten, abwarten", fiel überlegen lächelnd der Referendar ein und Mine Lorenz empfand die wohltuende Gewißheit, daß beide unentwegt mit Fleiß ihren Zielen zu- strebten.
Das war nun freilich ein furchtbarer Irrtum. Vier Tage lang; hatten sie herumgesumpft — wie sie er nannten und heute, gerade heute am Ruhetage gewissermaßen, da sie wirklich einmal — ochsten, wie Bornim sich gewöhnlich aurzu-
die Hoschargen und die Gefolge waren an den Längsseiten des Saales plaziert. Um 12Va Uhr setzte in der Schloßkapelle der Domchor mit Psalm 95 „Kommet herzu I Lasset uns dem Herrn frohlocken" ein. Der Einzug des Hofes erfolgte unter Vorantritt der Pagen und dem Vortritt der sämtlichen Hoschargen. Nach Gemeindegesang und Liturgie predigte Hof- und Domprediger Kritzinger über Psalm 58 Vers 12: „ES ist ja noch Gott Richter auf Erden." Nach Gebet und Segen, und nachdem daS Niederländische Dankgebet verklungen war, setzten die Bläser mit dem „Wilhelmus von Nassau" ein. Die Majestäten begaben sich in den Marinesaal und von hier nach dem Weißen Saal, wo um 2 Uhr die Tafel begann. Bei dem Einzug des Hofes spielte die Musik den Pappenheimer Marsch. Im Verlauf des Mahles erhob sich Seine Majestät der Kaiser zu dem Toaste: „Ich trinke auf daS Wohl der neu» «nannten und der früheren Ritter." Die Musik spielte den Hohenfriedberger Marsch. Nach der Tafel hielten die Majestäten Cercle.
Ihre Kaiserlichen Hoheiten der Kronprinz utfb die Kronprinzessin erlassen folgende Mitteilung: „Veranlaßt durch unseren Aufruf zur Unterstützung der Hinterbliebenen der aus der Zeche Radbod Verunglückten sind uns aus allen Kreisen der Bevölkerung unseres Vaterlandes sowie auch auS dem Auslande so viele und reiche Gaben zugegangen, daß wir uns leider außer stände sehen, den hochherzigen Spendern persönlich für ihre Opsersreudigkeit danken zu können. Die bei unserer Sammlung eingelaufenen großen Summen haben die Zukunft der Hinterbliebenen in weitestem Maße sichergestellt. Es bleibt uns daher nur übrig, durch Veröffentlichungen in den Zeitungen allen freundlichen Gebern hiermit unsern auf« richtigsten und herzlichsten Dank auszusprechen." — Die Sammlung des kronprinzlichen Paares sür die aus Zeche Radbod Verunglückten hat in einer Höhe von 300 000 Mk. ihren Abschluß gesunden. Bei der großen Anzahl der einzelnen eingegangenen Beträge ist es nicht möglich gewesen, allen hilss- bereiten Spendern den Empfang der Summen besonders zu bestätigen. Die kronprinzlichen Herrschaften haben sich daher zur Veröffentlichung HöchstchreS Dankes in der Presse entschlossen. Eine Quittungsleistung der einzelnen Beträge wird demnach nicht mehr geschehen. Zur Uebergabe der Sammlung ist heute eine Deputation von Arbeitern der Zeche Radbod im kronprinzlichen Palais empfangen worden, welche den hohen Herrschaften Vorschläge über die Verwendung der Geldmittel unterbreitet hat. Die auS den Kreisen der Spender geäußerten Wünsche werden so weit wie möglich berücksichtigt werden.
Die Verleihung des preußischen Luisen-Ordens an die Königin von Italien sür die Aufopferung, mit der Königin Helena auf den Schreckensstätten von Messina sich bemühte, das ihrige zur Linderung der furchtbaren Not bei« zutragen, hat in Italien große Freude hervorgerufen. Das römische Blatt „Popolo Romano" schreibt, dieser liebenswürdige und spontane Entschluß des befreundeten und verbündeten Herrschers werde von allen Italienern ohne Ausnahme mit aufrichtiger Befriedigung ausgenommen werden.
Ueber eine deutsche Gewehrlieserung für Argentinien wird aus Buenos Ayrcs gemeldet, daß die argentinische Regierung den Abschluß eines Vertrages mit der Gewehrfabrik Ludwig Löwe u. Co. in Berlin betreffend die Lieferung von 200 000 Mausergewchren neuesten Systems angeordnet hat. Es ist wesentlich, daß gerade die südamerika- nischen Republiken neuerdings bei Waffenbestellungen die deutsche Industrie bevorzugen.
Der Erfolg des Zehnpsennigsbriess nach Amerika macht sich schon jetzt bemerkbar. Seit dem 1. d. M. ist im Bricsverkchr nach den Vereinigten Staaten bekanntlich insofern eine Verbilligung eingetreten, als für Briese mit der Ausschrist „Auf direktem Wege" für die ersten 20 Gramm nicht wie bisher 20, sondern 10 Psg. Porto erhoben werden. Diese Erleichterung hat eine große Vermehrung der nach Amerika versendeten Briefe zur Folge gehabt. Schon mit dem ersten Dampfer, dem am 5. d. M. von Bremerhaven abgelaffenen „Prinz Friedrich Wilhelm", wurden 35 000 Briefe über den „großen Teich" geschickt. Bemerkt sei noch, daß für Postsache», Drucksachen und Warenproben die Verbilligung nicht gilt.
Der „Mehlkrieg" zwischen der Schweiz und Deutschland ist nunmehr tatsächlich in die Erscheinung getreten. Nach einer Meldung des Pariser „Eclair" aus Bern hat am 15. Januar in der Schweiz der Boykott deutscher Produkte wegen des MehIstreitcS begonnen. Die Schweizer täten in« dessen im ureigensten Interesse gut, diesen törichten Boykott schleunigst wieder einzustcllen.
In Portugal scheint ein republikanischer Putsch gegen die königliche Familie und die Regierung geplant zu sein,
drücken pflegte, da erschien Mine Lorenz zur Inspektion, — erwünschter hätte sie niemals kommen können. Ja, manchmal glückts, empfand der zukünftige Landrat von Neutomischel. Also wird der Grund, daS Geld beständig zur Anschaffung von Wetten, Gesetzessammlungen usw. verwenden zu müssen, wie ihr Vetter schrieb, auch wohl seine Richtigkeit haben, so dachte Mine Lorenz nun.
In diesem Augenblick trat Frau Benz mit dem Präsentier- brett ein, auf dem sie den Kaffee brächte.
„Wir machen Ihnen, liebe Frau Benz, aber wirklich viel Umstände", bemerkte Ottilie Zechow, die an der Seite des Musikdirektors in spe saß.
„Aber nein, ich bitte recht sehr", entgegnete jene in ihrer gewinnenden Art.
(Fortsetzung folgt.)
— (Den Jagdsreund ersch ossen.) Der Ritter- gutsbesitzer SigiSmus v. Chlapowski erschoß infolge eines unglücklichen Zusalls während der Jagd einen seiner Gäste, den Herrn v. Mankowski. Der unglückliche Schütze konnte nach der Tat nur mit Mühe gehindert werden, sich selbst zu töten.
— Di e Cholera in Petersburg, von der man in letzter Zeit fast gar nichts mehr hörte, hat in diesen Tagen wieder zugenommen. Seit gestern sind 34 Personen neu er- krankt und neun gestorben; insgesamt befinden sich 228 Per- fönen in ärztlicher Behandlung. Eine große Panik entstand heute im adligen Witwenheim, das beim Smolna-Jnstitut ge- legen ist. Dort erkrankten zehn alte Frauen an Cholera, weshalb ein ganzer Stab von Aerzten und Desinfektoren dorthin gesandt wurde.
— New Y ork, 16. Januar. 1000 Meilen vom Cap Virginia fuhr ein Schiff im Bereiche des GolsstromeS in einer großen Fläche gelbgefärbten, einen üblen Geruch verbreitenden Wassers. Man glaubt, daß dieses von einem Seebeben herrührt.
— Denver (Colorado), 16. Januar. Bei einem Zusammenstoß eines Passagierzuges der Denver-Rio-Grande- Eisenbahn mit einem anderen Zuge, der gestern abend bei Glaswordspring- erfolgte, wurden 18 Personen getötet und 30 verletzt.