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der Reichstag bald wieder zusammentritt. nicht ohne Interesse. DaS allgemeine Resultat ist: ES ist viel geredet worden in den zehn Monaten, die der Reichstag bis zu den WeihnachtS- sericn absolviert hat. Am 19. Februar 1907, wenige Wochen nach den stürmischen Blockwahlen, hielt der Reichstag seine erste Sitzung ab, am 11. Dezember 1908 seine 181. und die letzte vor Weihnachten. Von den 397 Abgeordneten haben 325 im Plenum gesprochen. Also nur 72 Volksvertreter schritten nicht zur Rednertribüne. Täglich reden muß natürlich Graf Stolberg-Wenigerode, der Präsident. Er hat diesmal 15 Ordnungsrufe zur Verteilung gebracht. Die beiden Vize­präsidenten, Herr Paasche und Herr Kaempf, brachten es auf 16 Ordnungsrufe. Sie ließen sich auch 15 Mal 'als Abge­ordnete vernehmen. Von den Abgeordneten war Herr Erz- berger der Sieger. Er sprach 50 Mal. Es folgen Singer (Eoz.) 49, Bassermaun (ntl.) 38, Dr. Spähn (Ztr.) 32, Frhr.

v. Gamp (Rp.) 29, Bebel (Soz.) 29, Dr. Müller-Meiurugen

28, Gröber (Ztr.) 27, Dr. Wiemer (fr. Vp.) 26, Dr. Arendt 24, Dr. Stresemann (ntl.) 24, Ledebour (Soz.) 22, Lieber- mann von Sonnenberg (Wirtsch. Vgg.) 22, Frhr. v. Richt- Hosen (kons.) 20, Dr. Junck (ntl.) 20, Trimborn (Ztr.) 20, Werner (Resp.) 20. Mehr als 10 Reden hielten 25 Ab­geordnete. Von Regierungsvertretern sprachen am häufigsten der Staatssekretär deS Innern von Bethmann-Hollweg und sein Vorgänger Gras PosadowSky, Fürst Bülow ergriff nur 14 Mal das Wort.

Während die Armeeverwaltung von jeher in den Sommer­monaten zahlreiche Mannschaften auf Ernteurlaub ge­schickt hat, um die Landwirte während der Hauptarbeitszeit zu unterstützen, soll jetzt nach derMil.-pol. Korrsp." der ländlichen Bevölkerung noch weiteres Entgegenkommen bewiesen werden. Die Zeiteinteilung für die größeren Truppenübungen, die in den ersten Monaten eines jeden JahreS festgesetzt wird, wird in Zukunft den in Betracht kommenden Zivilbehörden mitgeteilt werden. Diese werden dadurch in die Lage versetzt, der Bevölkerung bekannt zu geben, zu welchen Zeiten sich die einzelnen Truppenteile in den Standorten, auf Märschen, Truppenübungsplätzen oder in den Herbstübungen befinden, und an welche Regimenter sich die ländlichen Besitzer mit ihren Gesuchen um Leutezestellung zu wenden haben, wenn dir in ihrer Nähe stehenden Truppenteile ausgerückt find.

DerReichsanz." veröffentlicht eine offizielle Er- k I ä r u n g, die besagt, daß die Ansprache des Kaisers an die kommandierenden Generale beim Neujahrscmpsang sich ledig­lich auf militärische Fragen bezogen habe; die politischen Ge- danken und Ausführungen des Artikels derDeutschen Revue" seien in den Ausführungen deS Kaisers nicht in Betracht ge­kommen. Auch sei die Ansprache nicht für die Oeffenlichkeit bestimmt gewesen.

Der ErlöS auS Beitragsmarken für die Invaliden­versicherung bei den Versicherungsanstalten belicf sich für den Monat November auf 13,6 Millionen Mark. Da im gleichen Monat deS Jahres 1907 der Erlös 13,9 Mill. Mk., also 0,3 Millionen Mk. mehr ausmachte, so zeigt sich jetzt auch in diesen Zahlen eine Abnahme des Beschästigungs- umfange» in Deutschland.

Die wieder eingetretene günstigere Wendung in den Ver- ständigungSverhandlungen zwischen Oesterreich-Ungarn und der Türkei hält an. Es heißt nunmehr, ein baldiger befriedigender Abschluß der Verhandlungen stehe zu erwarten, eS ist sogar von einer Annäherung der Türkei an Oesterreich- Ungarn die Rede. Nicht so gut steht es mit den türkisch- bulgarischm Verhandlungen, ihre Wiederaufnahme ist noch immer nicht erfolgt, weil die Pforte- eine bedeutend größere finanzielle Entschädigung für den Wegfall des ostrumclischen Tributs und für die von Bulgarien weggenommenen Orient­bahnstrecken verlangt, als sie Bulgarien zugestehen will. Auch die Schwierigkeiten zwischen der Türkei und Griechenland wegen KretaS sind noch nicht beseitigt. Die türkischen Blätter in Konstantinopel erklären einmütig, die Türkei werde Kreta nie­mals aufgeben. Freilich ist nicht ersichtlich, wie die Türkei den enbgiltigen Verlust Kretas mangels einer leistungsfähigen Flotte verhindern will.

In Marokko ist in den lebten Tagen eine weitere Klärung der Verhältnisse insofern eingetreten, als am 5. d. MtS. dem Tangerer Vertreter deS Sultans Mulay Hafid eine Note der Mächte überreicht worden ist, durch die Mulay Hafid als rechtmäßiger Sultan von Marokko anerkannt wird. Die in Privatmeldungen aus Tanger berichtete Ueberschreitung deS Um-er-Rebia-Flusses durch französische Truppen hat, wie inzwischen bereits sestgestellt wurde, nicht stattgesunden. In dankenswerter Weise hat eine Mitteilung der Agence Havas bereits am 5. d. M. die bezüglichen Nachrichten für unzu­treffend erklärt. Ebenso bemerkte der Temps in seiner Aus-

Wieder Pause.

Er räusperte sich hin und her und sagte dann:Willem hat geschrieben!"

Soo!" sagte Mine, den Kopf hebmd und ihrem Vater voll inS Gesicht sehend.

"Geld will er haben, gibt aber nichts, verfluchte- Bummel- lebm!" entgegnete ihr Vater ärgerlich und schwer fiel seine Faust auf die Brüstung.

Es gibt Geld!" sagte daraus Mine ruhig, aber bestimmt, und sah ihn an mit einer Gebärde, alS gäbe eS an ihrem AuSfpruche nichts mehr zu ändern.

Und eS gibt doch nichts I" erwiderte er trotzig und ging.

Mine schwieg und hörte die Stalltüre zufliegen. Langsam erhob sie sich, wie erlahmt waren ihre Füße, sie reckte ihre Glieder, und ihre Hände strichen an ihrem groben Rocke herab.

Dann ließ sie sich abermals nieder und wie ein Kamm fuhren ihre Finger sanft durch die Sorten des vor ihr liegen- den Tieres. -

Nach einer Weile öffnete sich die Stalltüre und ohne viel näher zu kommm, rief ihr Vater:Mine, morgen fahre ick nach Modderwies."

Darauf Schweigen. Bald wiederholte er etwas zögernd noch einmal seine Worte.

»Fahr hin, Vater", klang die Entgegnung.Nimm Onkel Zechow mit Ottilie soll Herkommen!"

Det will ick woll duhn soll rüber kommen, Mine", Aar die Antwort und nun ging er endlich fort mit einem Gefühl großer Erleichterung; dar Gleichgewicht seiner Seele war wieder über ihn gekommen.

Frühzeitig am anderen Morgen fuhr der Schulze, der merkwürdig guter Laune war, fort, von Wilhelm und seinen Wünschen wurde nicht mehr gesprochen. Line und Mine gaben bis zum Hoftor ihrem Vater das Geleit und blickten noch so lange über den Gartenzaun, bis der Wagen ihren Blicken entschwunden war. An der Ecke der Landstraße ließ

gäbe vom 6. d. M., daß die französische Regierung keinerlei Bestätigung jener Meldungen besitze, die jeder'Wahrscheinlich­keit entbehren und den Weisungen deS Kriegsministers an General d'Amade widersprechen würden. Am Mittwoch hat sich der französische Miiristerrat mit den Bedingungen, unter denen die Räumung des Schaujagebiets vor sich gehen soll, besaßt. Nach einer Pariser Drahtmeldung vong estern nach­mittag hatten Ministerpräsident Clemenceau, Minister des Aeußern Pichon, Kriegsminister Picquart und General Lyautey eine Besprechung über Marokko.

Die Erdbebenkatastrophe in Süditalien.

Ueber die Ursache der Katastrophe hat der Leiter der seiS- mographischen Station in Catania aus Grund eingehender Studien eine neue Theorie ausgestellt. Professor Ricco, Direktor deS Observatoriums in Catania, der in Messina die Erdbeben- erscheinungen studiert, hat seine Studien darüber noch nicht beendet, glaubt aber, daß das Erdbeben durch unterseeische Zusammenbrüche erfolgte. Dieses Beben hat, wie Pros. Ricco äußerte, seine seit langer Zeit ausgestellte Hypothese eines Bruchs des Meeresbodens in der Meerenge von Messina gerechtfertigt. In der Tat ist die Senkung an beiden Seiten der Küste un­leugbar, die Kais von Messina haben sich an einigen Stellen bis drei Meter gesenkt und sind viele Meter weit vom Wasser bedeckt. Ein longitudinaler Bruch am ganzen Gestade ist fest- gestellt. ES handelt sich also, nach Professor Ricco, um eine geologische Verschiebung durch Bruch der beiden Küsten, dessen Umfang ohne Instrumente nicht sestzustellen ist.

Die italienische Deputiertenkammer setzte in ihrer gestrigen Sitzung die Beratung des Gesetzentwurfs betreffend Maßnahmen zur Linderung des durch das Erdbeben verursachten Elends fort. Ministerpräsident Giolitti erklärte, die vorgeschlagenen Maßnahmen seien unumgänglich notwendig und feien der erste Schritt, um von feiten der Regierung und des Parlaments die ausdrückliche Verpflichtung zum Wiederaufbau von Messina und Rcggio auszustellen. Die Verhängung deS Belagerungs­zustandes sei eine schmerzliche Notwendigkeit gewesen, werde aber so kurz wie möglich dauern, da jedermann wünsche, daß der normale Rechtszustand wiederhergestellt werde. Die Depu­tierten Furnari, Majorana und Baron Giunti stimmten den Ausführungen Giolittis und den Vorschlägen der Kommission zu, die daraus zur Annahme gelangten.

Aus Messina wird der Voss. Ztg. gemeldet: Sogar heute noch fanden Offiziere und Soldaten eine sünsunddreißigjährige Frau und zwei Kinder unter den Ruinen. Die gleichen Sol- daten entdeckten auch mehrere Millionen. Die Feuerwehr von Bologna löschte einen in der Filiale der Banca d'Jtalia aus­gebrochenen Brand, wodurch sich die Gelegenheit ergab, einen Geldschrank mit 42 Millionen zu retten. Die Trajektboote zwischen Messina und Reggio sind wieder im Betrieb. Un­geheuer ist die Menge der unbestellbar gewordenen Postsachen aller Art. Die Eisenbahndirektion übernahm es, 10 000 Ba­racken zur Ausnahme der 50 000 Ueberlebenden des gesamten Erdbebengebietes zu errichten. Von Palermo ist bereits daS Material zum Bau der Beamtenbaracken eingetroffen.

Nur Provinz n Dachbargebiet.

* Das Kaisermanöver wird in diesem Jahre zwischen dem Xm. (Württembergijchen) Armeekorps und XIV. (Bavischen) Armeekorps stattfinden. AlS Gelände wird voraus­sichtlich die Gegend zwischen Stuttgart und Hcilbronn in Frage kommen. Für daS Manöver werden auch wieder Truppen deS bayerischen Kontingent- herangezogen werden.

* (Eine Verfügung' über die Neuauflagen von Lehrbüchern.) In einer Verfügung, Neuauflagen von Lehrbüchern für höhere Knabenschulen betreffend, hat das Kgl. Provinzialschulkollegium in anerkennenswerter Weise ver­fügt, daß schon mit Rücksicht aus die den Eltern der Schüler sonst erwachsenden, mitunter recht erheblichen Mehrkosten, die Schule über den gleichzeitigen Gebrauch verschiedener Auflagen eines BucheS nicht zu engherzige Anordnungen treffen soll. Die in den Händen der Schüler befindlichen Lehr- und Ucbungsbücher mit hier und da etwas abweichenden Fassungen vermöchten den Erfolg des mündlichen Unterrichtes nur wenig zu beeinträchtigen. Für schriftliche Uebersetzungen müsse zwar der Wortlaut der letzten Auflage maßgebend sein, indes werde sich ein etwas anders geformter Text der früheren Auflage in der Regelunschwer" danach abändern lassen.

* (Internationale Ballonsahrt.) Am Mon­tag, Dienstag und Mittwoch den 11., 12. und 13. Januar

er indes halten Stabenow, der mit einer Fuhre Ziegel an- gefahren kam und eben in feinen Hof einbiegen wollte, ver- sperrte ihm den Weg.

Jul, hast die Ziegel ball ranner?" begrüßte er den Krug- Wirt, der inmitten seines HostoreS anhielt.

Woll, Schulze, fährst nach ModderwieS?" fragte dieser und sah den gutgelaunten Freund verschmitzt an.

Na ja", erwiderte jener, nickte ihm vielsagend zu und wie- mit dem Daumen über die Schulter dahin, wo er eben hergekommen, was ungefähr heißen sollte: Laß dich einmal so ganz unauffällig aus meinem Hose blicken. Na, Julius Stabenow verstand den Wink. Er nickte beifällig und sagte: »Na, denn reis' glücklich, Schulze, grüß deinen Bruder nimmst Zechow mit?"

Der Schulze blinzelte ihm zu, dann sagte er:Na adjes ooch, Jul", und dann ging die Fahrt weiter.

ES war ein herrlicher Tag Anfang Juni. Alles grünte, reiste und jubelte in der Natur und in der Seele dieses Mannes sah es heute nicht viel anders aus. Verschmitzt lächelte er vor sich hin, als stände ihm für seinen Plan eine Anzahl guter Trümpfe zur Versügung, mit denen er allen, vor allem aber seiner Mine zu imponieren gedachte. Er sah in seiner gehobenen Stimmung auch so aus wie etwa ein Mann, der ledig aller Last nach einem Jahre reichlichen Schaffens nun einige Tage im Urlaub der wohlverdienten Ruhe oder richtiger des Vergnügens sich erfreuen wollte.

In dem Plane, den er jetzt auszusühren gedachte, mußte unbedingt etwas Erheiterndes liegen, wenn nicht anders die vermeinte Fahrt mit Zechow, den er in Zantoch sich mitzu- nehmen gedachte, nur eine Art Strohwitwerfahrt, froh und ungezwungen sein sollte, denn die häuslichen Augen und Ohren und viel mehr noch jene der getreuen Nachbarn, die gewissenhaft aller wahrnahmen und getreulich, aber stark ver­größert weitergaben, kamen hier nicht in Frage.

Karl", sagte der Schulze nach einer Weile zu seinem Knechte, der vor ihm auf einem Bunde Stroh saß, über dem eine Pferdedecke lag.Karl, der Roggen steht hie gut?"

»Ja. ja, Herr", war die Entgegnung dieses Getreuen, der

finden in den Morgenstunden internationale wissenschaftliche Ballonausstiege statt. Es steigen Drachen, bemannte oder unbemannte Ballons in den meisten Hauptstädten Europas aus. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der jeden Ballons beigegebenen Instruktion gemäß den Ballon und die Instrumentesorgfältig birgt und an die angegebene Adresse sofort telegraphisch Nach­richt sendet.

p Hersfeld, 11. Januar. Eiskristalle funkeln wie Demant­sterne, und aus den Gewässern hat der Frost wieder eine herr­liche Bahn geschaffen für den gesunden, nervenstärkenden Eis- laussport, den Klopstock, der Sänger des Messias, in einer seiner schönsten Oden verherrlicht hat, so daß Altmeister Goethe von ihm sagte, er habe das Schlittschuhlaufen durch geistige Anregung zu veredeln und würdig zu verbreiten ge­wußt. Auch Goethes Freund Herder widmet dem Schlitt­schuhlaufen in seinemEistanz" begeisterte Verse:

Wir schweben, wir wallen aus hallendem Meer, Auf Silberkristallen dahin und daher;

Der Stahl ist uns Fittich, der Himmel das Dach, Die Lüste sind heilig und schweben uns nach.

So gleiten wir, Brüder, mit fröhlichem Sinn Aus eherner Tiese des Lebens dahin.

Der Eislauf ist ein altnordischer Brauch und wurde schon von den Pfahlbauern geübt. Freilich waren damals die Schlittschuhe noch sehr primitiver Art, sie waren aus Holz gefertigt und glichen Schlittenkufen, oder es wurden geglättete Rinder- und Pferdeknochen verwendet, die unter der Schuh­sohle befestigt wurden. In neuerer Zeit sind eS die Holländer gewesen, die den Eislauf zu neuem frischen Leben erweckt haben, und Holländer-Schlittschuhe galten noch vor etwa fünfzig Jahren auch bei uns als die besten. Bei uns in Deutschland hat sich gegenwärtig der Eissport zu hoher Blüte entwickelt, und während früher das Schlittschuhlaufen ein ein­faches ruhiges Vorwärtsgleiten war, wird jetzt darin eine oft erstaunliche Kunstfertigkeit entwickelt: Reigensahren und undHolländern", Schnelläufen und Eisquadrillen wechseln mit dem einfachen Tourenlausen ab und schaffen aus der Eisbahn ein buntbewegtes Bild. Der Hauptwert des Schlitt­schuhlaufens liegt aber in seiner gesundheitlichen Bedeutung. Wie röten sich die Wangen der bleichen Großstadtkinder in der frischen Winterlust! Wie kreist das Blut in den Adern, wie erhöht sich Lebenslust und Freude, wie bekommen die matten Augen wieder Glanz! Der Eislauf ist sicher ein probates Mittel gegen frühzeitige Nervosität. Und selbst die Alten, deren Glieder schon zu ungelenk und unbeholfen ge­worden sind, freuen sich über das srisch pulsierende Winter­leben. Darum hinaus jetzt, wo des Winters schönste Freuden locken!

):( Hersfeld, 11. Januar. Gestern mittag gegen 12 Uhr traf Se. Exzellenz Generalseldmarschall von H a h n k e, Generaladjutant Sr. Majestät des Kaisers, in Be- gleitung von Familienangehörigen hier ein, und stieg in der Wohnung des Herrn Landrats von Grunelius ab. Im Lause des Nachmittags fuhren die Herrschaften wieder weiter.

§ Hersfeld, 11. Januar. Nächsten Dienstag nachmittag 4Uhr wird eine Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung im Rathaussaale abgehalten werden. Tagesordnung: Sparkassenrechnung für 1907. Ankauf, Verkauf und Austausch von Grundeigentum. Ergänzungs­wahl für die Armenverwaltung. Wahl eines Ausschusses zur Vorprüsung der Stadtkasserechnung. Kostenbewilligungen. Erlaß einer Freibankordnung. Sonstiges.

(!) Hersfeld, 11. Januar. Bei der städtischen Sparkasse betrug der E i n l a g e n b e st a n d Ende 1907 7 780 289,10 Mk. Im vergangenen Jahre wurden neu ein­gelegt 1 602 417,05 Mk., an Zinsen zugeschrieben 253 225,70 Mk., zusammen 9 635 931,85 Mk. Von den Einlagen wurden zurückgezahlt 1 469 380,74 Mk.,jo daß am Schluß des Jahres 1908 ein Einlagenbestand von 8166 551,11 Mk. verblieb.

):( Hersfeld, 11. Januar. Der R o d elsp ort wird in diesem Jahre hier ganz besonders reichlich ausgeübt. Am gestrigen Sonntage konnte man an allen geeigneten Stellen in der Nähe der Stadt zahlreiche Personen sich mit diesem Sport vergnügen sehen. Leider ist es aber dabei nicht ganz ohne Unglücksfälle abgegangen, von denen einige sogar recht ernster Natur waren. So kam an der Wippershainer Höhe ein junger Mann so unglücklich zu Fall, daß er einen doppelten Beinbruch erlitt.

):( Hersfeld, 11. Januar. In der Nacht vom Sonn­abend zum Sonntage wurde in einer hiesigen Metzgerei und Gastwirtschaft ein Einbruchsdieb stahl verübt. Der Dieb erbrach sowohl die Laden- wie die Büffetkasse und plünderte sie aus, wobei ihm ca. 30 Mark Kleingeld, welche-

im Lorenzdorfer Schulzenhof eine Art Hausinventarium aus­machte.

Und der Weizen drüben ooch!"

Ja, ja, Herr", klang abermals die Erwiderung, ohne daß der Antwortgeber, der, nach vorn gebeugt, lässig seine Peitsche hielt, sich mit seiner Wahruehmuug sonderlich beeilte.

Karl", sagte der Schulze nach einer Pause, während der sich seine Stirn plötzlich in Falten legte, die indes bald wieder schwanden.Karl, uff zurück nimmst de Ottilie mit hörst Karl?"

Ja, ja, Herr", klang abermals die stereotype Antwort.

Und mit solchen welterschütternden Fragen und Antworten ging die Fahrt vor sich durch Jahnsselde und Gralow, bis der Wagen über das Bahngeleise von Zantoch rollte und bald daraus vor Zechows Hause hielt.

(Fortsetzung folgt.)

Aus Büdingen wird dem Lothringer geschrieben: Das Opfer eines Gaunerstreiches ist hier eine Familie gewordrn. Kam da dieser Tage mit Eleganz ein Gauner, der stch als großer Grundbesitzer aus Pange ausgab, und dem­jenigen, der ihm bis zu seinem Tode freie und reichliche Be­köstigung gewähren würde, sein Hab und Gut zu vermachen versprach. Dieses Versprechen wirkte verlockend und eine hiesige Familie ging aus den Leim. War doch die Realisierung des Versprechens nicht zu bezweifeln; der Gutsbesitzer trat ja zu unbefangen auf. Einen vollen Monat über lebte nun der Pseudogutsbesitzer bei der Familie wie der Fisch im Wasser. Eines Tages ließ er sich noch 200 Mk. geben, um, wie er sagte, die offizielle Urkunde bezüglich des abschließenden Kon­traktes zu holen. Er bekam unverzüglich die 200 Mk., kam aber nicht mehr zurück. Eine Nachfrage über seine Person ließ den leichtgläubigen Leuten die Augen ausgehen.

EineBestialität verübte bei TongreS in Belgien ein Mann gegen seinen bisherigen Freund, den er beschuldigte, ihn in einer Zeugenaussage fälschlich belastet zu haben. Er machte ihn durch Messerstiche wehrlos und warf ihn dann in eine Kalkgrube.