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herrfelder Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 5.
Dienstag, den 13. Januar
1909.
Bestellungen
aus das
Bersfelder Kreisblatt
werden für das
1. Quartal 1909
von allen Kaiserlichen Postanstalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Ceil.
Hersfeld, den 11. Januar 1909.
Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche meine Verfügung vom 1. Dezember 1908, I. A. Nr. 6257 — Kreisblatt Nr. 144 — betreffend Mitteilung des Steuererhebungssolls nach dem Stande am 1. Januar d. Js. noch nicht erledigt haben, werden hieran erinnert.
Der nunmehrigen Einreichung des geforderten Berichts sehe ich bestimmt binnen 5 Tagen entgegen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. 6257 II. I. A.: Fellinger, Regierungs-Reserendar.
nichtamtlicher teil.
Ostafrika.
Ueber den Tod des Sultans Kisabo von Urundi teilt daS D. Kol.-Bl. folgendes mit: Der bejahrte Sultan Kisabo hatte dem Verwalter der Residentur Urundi mitgeteilt, daß er dem Residenten einen Besuch abstatten wollte. Krankheitshalber konnte er aber zunächst nicht kommen. Dann ließ er sagen, er könne jetzt überhaupt nicht kommen, die Sonne sei zu heiß usw, Hauptmann Fonck ließ ihm sagen, eö wäre ihm lieb, wenn er käme, er würde sich sehr freuen, ihn zu sehen, es hätte aber keine Eile, und er solle nur warten, bis er wieder gesund sei. Gleichzeitig schicke er ihm einige Nummern einer illustrierten Zeitschrift und einen mit vielen großen Abbildungen aller möglichen Gegenstände versehenen — Katalog einer Stahl- warenhandlung. Diese Sendung hatte den unerwarteten Er- solg, daß sich Kisabo alsbald aus die Reise machte und dem Hauptmann Fonck durch vorausgesandte Boten sagen ließ: Er komme schnell, er habe große Angst, denn in dem „Buche" (dem Katalog) seien viele Messer abgebildet; es scheine ihm
$tr Herr m LmuDf.
Roman von Maximilian Moegelin.
(Fortsetzung.)
Als an jenem Tage etwa zwei Stunden später ihr Vater nach Hause kam, hatte Line wiederum die Fensterladen geschlossen, aber den Stubenschlüssel hatte ihr die Schwester abgenommen mit dem Bemerken, daß sie den Vater diesmal versorgen werde.
Line ahnte nichts Gutes, aber ihr Bitten, es nach wie vor geschehen zu lassen, lehnte Mine aufs bestimmteste ab. Sie geleitete dann auch ihren Vater in die Stube, verschloß diese und überließ ihn ruhig feinem Schicksale.
Während Line in der Giebelstube aus ihrem Bette lag und still vor sich hin weinte, schritt Mine in tiefem Grimme durch die Ställe nach dem Garten. Erst gegen Mittag, als es in der Stube lebendig wurde, öffnete sie diese und trat festen Schrittes hinein. Ihr Vater, der auf der Diele gelegen hatte, war im höchsten Zorn und wollte gerade zu einem Donnerwetter ausholen, als ihm seine Tochter fest entgegentrat und mit Augen, die er lange nicht gesehen hatte und in einem Tone, den er längst nicht mehr vernommen hatte, in fester Sprache sagte: „Heute war's das letzte Mal, Vater, sonst gibts ein Unglück", und ihre Rechte schlug dröhnend auf den Tisch, und ihre Augen schienen ihn zu durchbohren.
Und dieser Mann, den kein Mensch zu bändigen verstand, der eben wie zum Schlag ausholen wollte, — dem Blicke seiner Tochter vermochte er nicht stand zu halten, ihren Worten nichts zu entgegnen. Wie vom Blitze getroffen berührte ihn beides — das war nichts anders, als der Geist seiner eigenen seligen Mutter, den er verjüngt urplötzlich vor sich stehen sah. Wie ein Schauer rieselte es durch seine Seele, er fiel zurück auf einen Stuhl und verharrte lange in tiefem Schweigen, in dumpsem Sinnen.
Als er sich endlich aufraffte, war Mine längst hinaus, aber ihn litt es nicht länger im dumpfen Raume, nicht auf
daher, als ob Hauptmann Fonck ihn bekriegen wolle, er komme also umgehend, trotzdem er krank sei. Einen Tagemarsch von Usumbura wollte er dann wieder umkehren, da er erstens wirklich krank war und dann auch wohl sehr besorgt um sein Leben gewesen sein muß. Fonck beruhigte ihn aber, und er kam. Am 20. August tras Kisabo mit vielen seiner stattlichen Söhne und einer Menge festlich geschmückter Leute in Usumbura ein, Er lag aus einer Tragbahre und war derart schwach und erregt, daß der Resident besorgte, er würde in seinem Zimmer sterben. Der ganze Besuch verlies nun unter vielen Ruhepausen und dauerndem freundlichen Zureden völlig zu- ftiedenstellcnd. Kisabo war außer stande, sich zu erheben, und blieb in einer Decke eingehüllt aus seiner Bahre liegen. Er sagte mehrfach, die Hand Foncks ergreifend: „Ich sterbe jetzt bald und empfehle Dir meine Söhne." Kisabo hatte sich allmählich beruhigt, etwas geschlafen und war dann erheblich zutraulicher und zuversichtlicher geworden. Hauptmann Fonck besprach mit ihm verschiedene Angelegenheiten und besonders eingehend und dringend die Notwendigkeit seiner Hülfe im Kampfe gegen die Schlafkrankheit. Er versprach, alles zu tun, was er könne, und ließ sich nach etwa dreistündigem Verweilen wieder forttragen. Die üblichen Geschenke wurden ihm gesandt. Die Ausregung vor dem Besuch und dieser selbst waren aber zuviel für Kisabo gewesen. Sein alter, bereits verfallener Körper hielt das nicht mehr aus. Am 21. August starb Kisabo, vier Stunden von Usumbura entfernt, aus dem Rückmarsch.
In ilriltait Kirischiflskries Mische« Ie«Ischli«L null in Schweiz.
Der Müllerkrieg, der zwischen 'Deutschland und der Schweiz schon seit mehreren Monaten gesührt wird, droht einen Wirtschaftskrieg zwischen Deutschland und der Schweiz hcrbei- zuführen. Die Führer der Müllecbewegung haben nämlich in ihrer letzten Versammlung in der Schweiz beschlossen, daß für die ganze Schweiz die Einsuhr deutschen Getrcidet^durch einen Boykott der deutschen Müller verhindert werden soll. Aber nicht genug mit dieser Maßregel, gehen die Führer der schweizerischen Müllerbewegung noch weiter und wollen einen allgemeinen Boykott deutscher Waren in der Schweiz durch- führen, wenn die Einsuhr deutschen Mehles in die Schweiz noch sortdauert. Nun nehmen ja eine Anzahl großer schweizerischen Zeitungen diesen Versuch der schweizerischen Müller einen allgemeinen Boykott gegen die deutschen Waren einzuführen, nicht ernst, und er ist auch wahrscheinlich, daß die schweizerische Bundesregierung sich gegen einen solchen Boykott erklären wird. Dennoch bleibt die Angelegenheit ein AergerniS, welches dazu angetan ist, die guten Beziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz zu vergiften und dem Handel beider Länder Schaden zuzufügen, denn so lächerlich auch der Versuch der schweizerischen Müller erscheint, einen allgemeinen Boykott deutscher Waren in der Schweiz durch-
feinem Hofe. Hinaus, weit hinaus drängte es ihn auf seine entferntesten Felder. Allein, nur allein sein! Und ein Hämmern und Summen ging durch fein Hirn, arbeitete in seiner Seele und in grellen Farben verfolgte er nun seine Tage zurück, zurück bis in seine jüngste Jugend, und da war es seine Mutter, die er immer und immer wieder erblickte, die zürnend vor ihm stand, als wäre sie dem Grabe entstiegen.
Niemals, auch nicht mit einem Worte wurde im Hause dieses Auftrittes gedacht, aber feit jenem Abend als Friedrich Lorenz wieder nach Hause kam, war mit ihm jene Umwandlung geschehen, die im ganzen Dorf und weit hinaus nicht zu begreifen war. Und vollends erst, ■ wenn er nun öfter den Friedhos aufsuchte und der Kirche seltener sernblieb, da schüttelte man doch bedenklich den Kops und der Pastor pries im stillen das göttliche Walten. Ein Jahr später wählte man ihn als Kirchenältesten, und als zwei Jahre später der Schulze starb, da wurde er einstimmig der Nachfolger seines Schwiegervaters, der noch die Beruhigung mit ins Grab nahm, daß fein ihm so nahe stehender Nachfolger sich endgültig nun die tollen Hörner abgelausen hatte.
Doch kehren wir nun unter den Birnbaum zu unserem Schulzen zurück, der inzwischen ausgestanden war und langsam aus dem Garten schritt. Er ging nun in den Stall, wo er Mine in dem Verschlage der Schweine wußte, wo eine Bewohnerin gerade dabei war, die Welt mit einigen Nachkommen ihresgleichen zu beglücken. Er ging nicht sogleich dorthin, sondern schritt langsam nach dem entgegengesetzten Ende nach der Pserderause und machte sich dort zu schaffen, als ob sein Knecht nicht alles dort in bester Ordnung längst erledigt hätte, dann schritt er den Futtergang der Kühe entlang, und überall fand heute seine ordnende Hand etwas zu schaffen.
Mine hörte dies alles, obschon sie ihn nicht sah, aber sie wußte längst, daß er etwas wollte — das machte er stets so, ob im Stall oder im HauS oder sonstwo. Ja, sie wußte bereits auch, waS er wollte, denn auch sie hatte von Wilhelm, ihrem Vetter, einen Bries empfangen, in dem er gewissermaßen um „Gut Wetter", um ihre Fürsprache bei dem Vater be
zusetzen, so darf man doch nicht verkennen, daß die schweizerischen Müller sich mit einer außerordentlichen Zähigkeit und Leidenschaftlichkeit für ihre Forderung verbunden haben, daß kein deutsches Getreide und kein deutsches Mehl in der Schweiz mehr eingesührt werden dars. Vom völkerrechtlichen Standpunkte und nach dem zwischen der Schweiz und Deutschland bestehenden Handelsverträge ist diese Forderung ja durchaus unberechtigt, und Deutschland müßte dann auch mit einem Zollkrieg antworten, wenn die Forderung der schweizerischen Müller erfüllt werden sollte. Vom Standpunkte der schweizerischen Müller muß aber auch anerkannt werden, daß die deutsche Großmüllerei und der deutsche Getreide- und Mehlhandel infolge seiner machtvollen Stellung auf dem Weltmärkte die Müllerei in der Schweiz sowie den gesamten Mehl- und Getreidehandel in der Schweiz in eine schwere Bedrängnis gebracht hat, weil Deutschland das Getreide und Mehl viel billiger liefert, als es die schweizerischen Müller zu tun vermögen. Die deutsche Großmüllerei hat also das Müllerei- gewerbe in der Schweiz aus den Sand gesetzt. Zum Glück liegen in diesem Konflikte die Verhältnisse für Deutschland sehr günstig. Zwar ist die Ausfuhr deutscher Waren nach der Schweiz doppelt so groß wie die Ausfuhr schweizerischer Waren nach Deutschland, aber von allen ihren Ausfuhrartikeln setzt die Schweiz gerade das meiste nach Deutschland ab, und ist daher zu hoffen, daß die großen schweizerischen Industrien, zumal die Uhren- und die Schockoladenindustrie sehr bald dagegen protestieren werden, wenn der Müllerkrieg zwischen Deutschland unb der Schweiz einen allgemeinen Zollkrieg herbeizusühren droht. Menschlich muß man es ja sehr bedauern, daß die schweizerische Müller- und Mchlindustrie durch Deutschlands große Müllerindustrie in der Konkurrenz vollständig besiegt wo-den ist, aber das Naturgesetz der allgemeinen Konkurrenz ocstcht )ut die ganze Welr l muß auch von Deutschlands Handel und Industrie gegenüber dem Auslande ertragen werden. Diese bittere Tatsache wird natürlicherweise die schweizerischen Müller nicht beruhigen und der Mülleikrieg wird wahrscheinlich noch längere Zeit die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz beeinträchtigen.
Aus ]n- und Ausland.
Berlin, den 10. Januar 1909.
S c. Majestät der Kaiser nahm heute im Jagdschloß Hubertusstock den Vortrag deS Chess des Marine- kabinetts, Vizeadmirals v. Müller entgegen. Auf Allerhöchsten Befehl Sr. Majestät des Kaisers und Königs finden am Montag, den 11. d. M., anläßlich des 60jährigen Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich als Chef des Kaiser-Franz-Garde-Grenadierregiments Nr. 2 eine Feier statt.
Einige statistische Feststellungen über die bisherige R e d e - tätigkeit des B l o ck r ei,ch s ta g s, sind gewiß jetzt, da
züglich seiner Geldklemme bat. Auch nach ihrer Ansicht verbrauchte er ein bißchen zuviel, aber sie urteilte darüber doch völlig anders als ihr Vater, und im übrigen war ihr wohl bewußt, daß jener getrost noch mehr verbrauchen könne, wenn — ihr Vetter sich doch entschließen könne, den Willen ihres Vaters zu erfüllen und ihr die Hand zu reichen. Dafür bedankte sich Mine aber, denn, obschon sie ihren Vetter, einfach „so als Mensch" genommen, sicherlich sehr gern hatte, als ihren zukünftigen Mann — nein, den erträumte sie sich vorerst überhaupt nicht, aber wenn sie wirklich einmal daran dachte, so sah ein solcher in ihren Augen denn doch sehr viel anders aus.
Endlich kam ihr Vajxr zu ihr. Er legte die Ellbogen auf die Brüstung des Verschlages, sein Kinn ruhte auf den flach übereinander gelegten Händen, und so blickte er schweigend einige Zeit aus sie. Aus einem niedrigen Schemel, der auf reinem ausgebreiteten Stroh stand, saß seine Tochter und vor ihr lag der Länge nach ein Borstenvieh von beträchtlicher Größe, das hin und wieder in jenen Tönen grunzte, die bei ihm Freud und Leid auSmachten. Mine stützte ihr Haupt auf ihre Linke, und träumend sah sie vor sich bin. Ihr Gesicht war voll und frisch wie ihre ganze Gestalt, um die sie manches Stadtkind wohl beneiden konnte. Aus ihren Zügen, die ungemein sympathisch waren, sprach ein unbestimmtes Etwas, das man am besten mit Willenskraft und Selbstän» digkeit bei einer vornehmen Art von Rube deuten konnte. Wer dieser Tochter des Dorfes mit ihren hellen blauen Augen und der Fülle ihres blonden Haares in der Stadt begegnete, der würde sie sich schwerlich in einer folgen Situation denken können, wie der hier bargebotenen, bei einer Arbeit, die man wo anders in törichter Weise oftmals dem Gesinde überträgt. Der märkische Bauer aber ist klug genug, gerade diese Arbeit schon beizeiten seinen Kindern zu übertragen, da er sich wobl bewußt ist, daß jede salsche Scham, die ohnehin niemals Segen bringt, hier wenig am Platze fei.
„Wie vill sin schon, Mine?" fragte ihr Vater nach einer Weile, indem er die Arme von der Brüstung nahm, die stm: bereits zu ersterben drohten.
„Acht", entgegnete diese, ohne auszusehen.