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hersfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 3.
Donnerstag, den V. Januar
1909.
Bestellungen auf das ßersfelder Kreisblatt 'erben für das
1. Quartal 1909
von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher teil.
Hersfeld, am 5. Januar 1909.
Gemäß der §§ 25 und 45 der Wehrordnung vom 22. November 1888 haben alle diejenigen Personen männlichen Geschlechts, welche
1. in dem Zeitraum vom 1. Januar 1889 bis ein- schliesslich 31. Dezember 1889 geboren find,
2. dieses Hiter bereits überschritten, aber sich noch nicht vor einer 6rsatz-ßehörde zur Musterung bezw. Hushebung gestellt,
3. sich zwar gestellt, aber über ihr JMsilitärverhält- nis noch keine endgültige entscbeidung erhalten haben,
sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Febrnar d. Js. zur Rekrutierungs-Stammrolle zu melden und dabei die über ihr Alter sprechenden sowie die etwaigen sonstigen Bescheinigungen, welche bereits ergangene Bestimmungen über ihr Militärverhältnis enthalten, mit zur Stelle zu bringen.
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden einschließlich der Gutsvorsteher des Kreises haben demgemäß im lausenden Monat folgende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise wiederholt zu erlassen.
„Jeder Militärpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht eine endgültige Entscheidung der Ersatzbehörden noch nicht erteilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. Js. bei dem Ortsvorstande seines Wohnortes zur Rekrutierungs-Stammrolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachteile.
Für solche Militärpflichtige, welche ohne an einem anderen Orte im Deutschen Reiche einen dauernden Hufent: baltsort zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- oder Fabrikherrn die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachteile."
Uetter Heinrich.
Novelle von E. R a t h m a n n.
(Nachdruck verboten.) (Schluß.)
Als Erika dem selig Dreinblickenden ihre Lippen bot, sagte Heinrich mit leisem Bedauern: „Warum mußten wir Jahre verlieren, Erika — warum habe ich damals am Fuße der Wartburg die eine Frage an Dich nicht getan?"
„Sei stille, lasse Dir nichts leid sein, Heinrich!" antwortete sie, feine Küsse willig erwidernd, und mit jauchzendem Erwachen alles Lebensgesühls, aller Zuversicht ihrer Jugend. „Es kommt Dir zu gut, Liebster, für jeden Tag der verlorenen Jahre muß ich Dir einen Tag doppelten Glückes geben! Und nun laß uns nicht zögern, Hinüberzugehen, damit alles klar zwischen mir und Deinen und Christines Verwandten wird."
Sie schritten mit verschlungenem Arm über den Vorflur nach dem Salon hinüber, dessen Tür Herr von Lcstwitz, als er Christine herüberbrachte, nur angelehnt, nicht geschlossen hatte.
Von drinnen hörten sie Tante Cordulas Stimme: „Ich habe es ja immer und immer gefürchtet, daß der Heinrich uns einmal eine Braut bringen wird, die nicht aus unserem Boden gewachsen ist und die mit all ihrer Schönheit und Liebenswürdigkeit der Familie stets sremd bleiben wird."
„Ach Gott, Du Aermster!" flüsterte Erika, ehe sie ein- traten, aber ihr ganzes Gesicht war lachende Anmut und glückseliger Uebermut und die Liebenden traten rasch ein, um Christine und dem Obersorstmeister jede Entgegnung zu ersparen.
* *
*
Anderen TagcS, als der große Schlitten von WolsSeck Erika v. Gravenreuth, der ihr Bräutigam Heinrich Hagen ent- gegengeritten war, abermals zum Besuch Christines herüberbrachte, trennten sich die Verlobten schon an der Schwelle der Hagenschen Villa.
Die sodann genau nach der Instruktion des Herrn Ober- Präsidenten vom 16. Mai 1876 (Amtsblatt pro 1876, Seite 109 und 110) auszustellenden Rekrutierungs-Stammrollen pro 1889 sind mir nebst den bei den Anmeldungen zur Stammrolle aus den betreffenden Jahrgängen vorgelegten Attesten rc. und den beiden Rekrutierungs-Stammrollen der Jahre 1887 und 1888 bis spätestens zum 5. februar d. Js. unter der Bezeichnung „Heeressache" einzureichen.
Bei Anfertigung der neuen Listen ist insbesondere noch folgendes zu beachten:
Die Einträge sind, wie im § 46,2 der W.-O. vorgeschrieben, genau in alphabetischer Reihenfolge zu machen. Sollten Militärpflichtige inzwischen verstorben sein, so bedarf es der Ausnahme in die Rekrutierungs-Stammrolle nicht, wenn hierüber eine Sterbeurkur^e des zuständigen Standesbeamten beigefügt wird. Sollten Militärpflichtige mehrere Vornamen haben, so ist der Rufnamen zu unterstreichen.
Zugleich spreche ich die bestimmte Erwartung aus, daß die Stammrollen sauber ausgestellt und die in Betracht kommenden Rubriken derselben vollstäi dig ausgefüllt werden, insbesondere ist anzuzeigen, ob die Eltern des Militärpflichtigen noch leben oder nicht. Auch muß der Stand deS Letzteren, sowie derjenige seiner Vaters bezeichnet werden. (Die mit diesseitiger Verfügung vom 29. Januar' 1902 J. H. Nr. 247, im Kreis- blatt Nr. 13, veröffentlichte Anweisung ist genau zu beachten.) Bei Militärpflichtigen, welche nicht im diesseitigen Kreise geboren sind, ist außer dem Geburtsort auch der Kreis, zu welchem derselbe gehört, anzugeben. Etwaige Bcstrasungen sind unter Bemerkungen einzutragen. Zweiselhaste Eintragungen dürfen nicht gemacht werden Die betreffende Spalte ist vielmehr alsdann überhaupt nicht auszufüllen.
Ferner haben die Herren Ortsvorstände pp. des Kreises die in ihren Gemeinden sich aushallenden, zum einjährig-srei- willigen Dienst berechtigten Militärpflichtigen, welche in das militärpflichtige Aller eintreten, bezw. eingetreten find, und ihrer aktiven Dienstpflicht noch nicht genügt haben, resp, von der Aushebung noch nicht zurückgeftellt worden sind, daraus aufmerksam zu machen, daß sie in Gemäßheit deS § 93 pos. 2 der Wehrordnung sich bei der Ersatz-Kommission ihres Gestellungsortes schriftlich.oder mündlich zu melden und unter Vorlegung ihres Berechtigungsscheines ihre Zurückstellung von der Aushebung zu beantragen haben.
Der Königliche Landrat.
I. A.: F e l l i n g e r,
J. M. Nr. 9. Reg.-Reserendar.
HerSfeld, am 5. Januar 1909.
Die Zinsen für das Kalenderjahr 1908 von den bei der hiesigen städtischen Sparkasse angelegten Kapitalien der Schul- stellen des hiesigen Kreises liegen zur Abhebung durch die empfangsberechtigten Schulstellen-Jnhaber dahier bereit.
Die Herren Ortsschulinspektoren des hiesigen Kreises er
Heinrich war von seinem Vetter Franz, den er gestern nicht erblickt hatte, um eine kurze Unterredung ersucht worden und begab sich in dessen Gemächer, Erika aber stieg rasch die Treppe empor und ließ sich von Martin in Evas Zimmer führen.
Die Unterredung der Vettern war sehr kurz: „Ich muß Dir auf meine Kosten Glück wünschen, Heinz!" hob Franz an und versuchte vergebens die ironische, siegesgewisse Miene wieder auszusetzen, die ihm sonst eigen war. „Der Vater ist der Meinung, daß ich meine Glückwünsche an Fräulein Erika Deine Zukünstige, besser bis zu meiner Rückkehr aus London »ersparen werde. Ich soll trotz Don Arboledas schlechtem Englisch an Deiner Stelle hinübergehen — also Gott besohlen ! Wir werden ja nun wohl mit der Familie von Gravenreuth doppelt verschwägert?"
„Das weiß ich noch nicht, das wird die Zeit lehren — glückliche Reise Franz!" antwortete Heinrich kühl und eilte nach oben, um seine Braut auszusuchen. Martin wies ihn zu Eva und als er in das zierlich ausgestattete kleine Gemach seines Väschens trat, sah er dieses, einen Bries in der Hand, in Tränen, und Erika bemüht, sie zu beruhigen. Die kleine Dame stampfte unmutig den beblümteu Teppich und sagte halb lachend, halb schluchzend: „Zwei Jahre ist viel — zwei Jahre will ich ihn erwarten, aber verlaß Dich daraus, Erika, wenn es auch Dein Bruder ist — nicht einen Tag länger! Kommt man denn aus dem abscheulichen Ostasrika überhaupt heiler Haut wieder heim?"
Erika zog das jugendliche Mädchen an sich und sagte „Ich will Dir ein Geheimnis verraten, Evchen. Bodo will allerdings nach Afrika, aber Herr von Lcstwitz und Heinrich sind der Meinung, daß es nicht nötig sein wird. Er foll um Versetzung in eine andere Provinz einkommen, die zwei Jahre werden ihm und Dir wohltun. Ihr habt es noch immer besser als wir, ihr kennt einander und hört von einander. Heinrich und ich haben uns drei Jahre geliebt, ohne eines vom anderen nur zu wissen, wer wir sind, und sind nun doch so glücklich, als Menscheck zu fein vermögen!"
suche ich ergebenst, die in Betracht kommenden Lehrer ihres Bezirks gefälligst veranlassen zu wollen, die fraglichen Beträge baldigst, spätestens aber bis zum 20. b. Mts., entweder selbst dahier in Empfang zu nehmen, oder durch Beauftragte, die sich jedoch schriftlich ausweisen müssen, in Empfang nehmen zu lassen.
Der Königliche Landrat.
I. V.: F e l l i n g e r.
nichtamtlicher teil.
Die Erdbebenkatastrophe in Süditalien.
AuS der Totenstadt M e s s i n a lausen immer noch Berichte mit der Schilderung einzelner erschütternder Episoden ein. Ungeheure Schuttberge machen an vielen Stellen die Ausgrabungen unmöglich. ES fehlen auch genügend Steinpicken und Beile. Gestern kam der sozialistische Deputierte Dino Rondana mit Hauptmann Pozzo und einigen Freiwilligen nach Uerma, um feine verschüttete Familie aus den Trümmern zu holen. Nach langwierigen, unsäglichen Mühen stand man vor einem entsetzlichen Anblick. Der Körper der Frau Rondana war vollkommen zermalmt, daneben lagen die drei Kinder tot und unkenntlich verstümmelt. Am 3. d. M. wurde ein zehn Monate altes Kind unversehrt aufgefunden, es schluckte mit Gier Weißbrot und Milch. Als der Besitzer einer Weberei des vom Erdboden verschwundenen Cannitello zu den Trümmern seines Besitztumr» gatü-Zth ', jünd er Banditen vor, ike die Seidenvorräte ausräumten. Er bat sie mit Tränen in den Augen, vom Plündern abzulassen, worauf einer der Banditen ihn mit dem Revolver bedrohte. Da sprangen plötzlich die beiden mächtigen Hofhunde des Besitzers hervor, welche das Besitztum umkreisten und rissen den Banditen buchstäblich in Stücke. Aus Messina wird erzählt, daß sich dort Verbrecher in Soldaten- und Finanzuniformen stecken, um ungestört plündern zu können. Die Sterblichkeit unter den Verwundeten ist sehr groß. Vortreffliche Dienste leistet der von Deutschen, Engländern, Russen in Giargini und in Taormina eingerichtete Hilfsdienst. Dort ist längerer Aufenthalt der Verwundetentransporte und der Flüchtlinge, die mit Fleischbrühe, Wein, Brot, Käse, Früchte von der Fremdenkolonie versorgt werden. Für die vielen Kinder steht Milch bereit. — Nach Messina und Reggio sind Eisenbahnzüge mit mehreren tausend Tonnen Kalk unterwegs.
Minister Orlando, der das Königspaar aus der ganzen Reise begleitet hat, erzählt rührende Szenen von der Aus- opferung und Hingabe der Königin. Sie errichtete sofort ein Hospital auf dem Panzer „Regina Elena", in dem sie alle verwundeten Frauen und Kinder vereinte. Sie selbst hals mindestens 200 Verwundete verbinden. Der größte Teil der
Her Herr Don Lmuzdors.
Roman von Maximilian M 0 e g e l i n.
Hast Du aus Deiner Fahrt durch die Mark, wenn Dein Ziel vielleicht die nordöstlichen Provinzen unseres Vaterlandes waren, vom hohen Bahndamm zur Rechten hinabgeschaut auf die weite grüne Niederung da, wo Netze und Warthe sich begrüßen? wo das Hochwasser zu Zeiten den ganzen Erntesegen mit sich nimmt, um ihn ein andermal reichlicher darzubringen, wo man mit Ergebung oder finster trotzig dann nach dem Himmel blickend schließlich dennoch empfindet: der Herr hat's gegeben, der Herr hals genommen. — Oder, wo zur Linken auf sanft dahinziehenden Höhen malerisch Felder und Wälder wechseln?
Ja, wenn in tiefster Seele diese herrliche Landschast mit ihren sreundlichen Wohnstätten an deinem äußeren und inneren Auge vorüberzog, dann, ja dann wirst du vielleicht verstehen, daß in jenem Menschenschläge, der hier seine Scholle hat. ein hohes HeimatSgcsühl wohnt, das schwerlich übertroffen wird.
Hier in dieser Gegend des Netze- und Warthebruchcs, von Zantoch über die nicht weit entfernte hügeliche Landschaft nach Lorenzdors, da wollen wir nun verweilen und dir, lieber Leser sei Dank für das freundliche Begleiten.
* * ♦
Zwischen Zantoch und Friedeberg war der Sonnenball majestätisch emporgeftiegen und unzählige Sauperlen glänzten an Halm und Strauch, während auf der Höhe ein Mann in seinen besten Jahren, von derber, fester Gestalt. ein wenig vornübergeneigt und angetan mit grobem blauem Rocke, langsam und bedächtig auf einem Brachacker eine Furche nach der anderen zog, indes sein Knecht auf der mehr emporsteigenden Fläche, sein Pferd oft ermunternd, dasselbe tat. Er steuerte mit festem Griffe seinen Pflug und schien wenig Sinn zu haben für seine Felder, für die Landschaft ringsum und für die emporfteigenben Lerchen, die dem neuen Tage so freundlich entgegenjubelten.