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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis betrügt für hersfeld vierteljährlich

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HerMder Kreisblatt

Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 3.

Dienstag, den 5. Januar

1909.

^ommt*finliiliiing

auf das Umfelder Kreisblatt

DasHersfelder Areisblatt", amtliches Organ des Areises Hersfeld ausgestattet mit Publikationskraft bringt außer den

amtlichen Bekanntmachungen alles wissenswerte über

Politik des In- und Auslandes, Nachrichten aus der Statt, dem Kreise und der Provinz, vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.

Ferner gelangen in jeder Nummer spannende Nomane, Erzählungen rc. fortsetzungsweise zum Abdruck.

An Gratisbeilagen ^ erhalten unsre Abonnenten jede Woche ein Illustriertes Sonntagsblatt" und alle 14 Tage eine ausgezeichnete

Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage,"

Anfang Mai und Oktober je einen

Auszug aus dem Tisenbahn-Fahrplan, sowie mit Beginn des neuen Jahres einen

KmUsleiiStt ii. ein

Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld bei freier Lieferung ins Haus 1,40 Mk.^ für auswärts durch die Post bezogen 1,60 Mt. ausschl. Bestellgeld vierteljährlich.

Probenummern werden auf Verlangen kostenfrei zugesandt.

Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein

Die Expedition des Dersfelder Kreisblatte».

Letter Heinrich.

Novelle von E. Rathmann.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

In Lestwitzs Zügen merkte Erika nichts von Spott, nur Teilnahme für sich und eine heitere Entschlossenheit, die auch ihr neue Zuversicht einflößte und den Vorsatz erweckte, allen Gliedern der Familie Hagen Christine allein ausgenommen mit ruhigem Stolze zu begegnen. Sie alle und vor allem einer sollten sehen und ersahren, daß Erika v. Gravenreuth in diesem Hause nichts gesucht habe, als eine ernste Pflicht, an deren langer und treuer Uebung sie ein un­verschuldetes Verhängnis gehindert hatte.

Das Bewußtsein hiervon prägte sich in Haltung und Miene der jungen Dame auS, die jetzt, auf den Arm des Obersorstmeisters gestützt, den wohlbekannten Borflur der Villa betrat und ohne zu beben über die Stelle hinweg schritt, an der ihr vor wenigen Stunden so Bitteres wider­fahren war.

Martin stand auf dem mittleren Treppenabsatz und be­grüßte die Ankommenden freudestrahlend, aber doch wie er­wartete Gäste, denn er rief Erika schon von oben entgegen: Fräulein Christine sind im Wintergarten und werden sich un­endlich freuen, gnädiges Fräulein!"

Und sobald, unbemerkt von Erika, der Oberforstmeister einen Blick mit Martin getauscht hatte, sagte er ruhig:ES wird am besten sein, Erika, Sie gehen sogleich zu Fräulein Christine hinaus und ich melde uns vorläufig bei FrauKom- merzienrat an. Ich bin in wenigen Minuten gleichfalls oben und dann stellen Sie mich Christine in meiner neuen Eigen­schaft vor."

Erika empfand eine besondere Zartheit in diesem plötzliche, Entschluß, sie drückte dankbar die Hand des alten Freundes und eilte, neben Martin, daS obere Geschoß und die Tür deS Wintergartens zu erreichen, all fürchte sie so willkommen Lestwitzs Vorschlag gewesen war jetzt plötzlich noch irgend wem außer Christine zu begegnen.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 4. Januar 1909.

Den Herren Standesbeamten des Kreises übersende ich in den nächsten Tagen die Formulare zu den AuSzügen auS den CivilstandS-Registern gemäß § 46/7 der Wehrordnung vom 22. November 1888. Die AuSzüge sind alsbald anzufertigen. Diejenigen auS den Geburtsregistern sind den Ort-vorständen der betreffenden Gemeinden zum 15. Januar 1909 zu über­senden. Diejenigen auS den Sterberegistern sind mir einzu- reichen. Ich mache besonders daraus aufmerksam, daß jür jeden einzelnen Sterbesall ein besonderer Auszug anzufertigen ist. Der Geburtstag der Verstorbenen, auch unter Angabe des Jahres, ist in SpalteBemerkungen" einzutragen, falls das genaue Datum, welches au» dem Sterberegister nicht hervor- geht, anderweit bekannt geworden ist.

I. M. Nr. 7. Der Königliche Landrat.

I. B.: T h a m e r.

Hersseld, am 2. Januar 1909.

Im Monat Dezember 1908 sind diesseits den nachbe- zeichneten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:

A. Jahresjagdscheine:

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a. entgeltliche:

3/12. dem Gutsbesitzer Adolf Reinhard in Unterweisenborn, 3/12. Bürgermeister Arnold Rüger daselbst, 7/12. . Gastwirt Johann Georg Schilling in Unter­breitzbach,

9/12. Landwirt Adam Roos in Kerspenhausen, 9/12. Bildhauer Adam Karpenstein in Sieglos, 9/12. rc. Heßler in PhilipPSthal,

11/12. Landwirt Johannes Both in Kerspenhausen, 11/12. Königlichen Gymnafial-Oberlehrer, Professor Wassermeier in HerSseld,

11/12. Gastwirt Adam Wettlaufer in Gershaujen, 12/12. Gastwirt Peter Mosebach in AuSbach, 12/12. Domänenpächter Rabe von Pappcnheim zu Wilhelmshof,

14/12. Kaufmann Ludolf Schuchard in Niederaula, 16/12. , Inspektor Heinrich Ruppel in Oberlengsseld, 16/12. Bäckermeister Konrad Frank in Vacha, 18/12. Landwirt Jakob Schäfer in Mengshausen, 21/12. Bürgermeister Johs. Bornemann in Reim- boldShausen,

21/12. Major Kutscha in Hersseld,

21/12. Kand. phil. Heinrich Dietrich in HerSseld,

23/12. Fabrik-Direktor Johs. Sauer daselbst, 23/12. Karl Reinecke zu Hof Heisenstein,

24/12. , Malermeister Friedrich Bätza in HerSfeld, 28/12. Rittergutsbesitzer von Bodenhausen in Kleinensee,

Und nun tat sich die Tür auf Erika sah die gebrech­liche Gestalt der Gelähmten an ihrem gewohnten Platz vor dem Tannengrün, daS der Eintretenden dunkler und buschiger erschien, als sie eS im Gedächtnis hatte. Aber über Christines Gesicht ging ein so glückseliges Leuchten, die Arme der Kranken breiteten sich ihr so bittend entgegen, daß Erika aus nichts anderes mehr achten konnte und nur zu Christines Sitz hinflog, sich herabbeugte und sich von diesen Armen um» schließen ließ.

Und als sie in der nächsten Minute vom Geräusch eines leichten Trittes erschreckt wurde, beim Umsehen sich erbleichen fühlte, als ob alles Blut zu ihrem Herzen zurückströmte hielten Christines Arme sie fest und der herzugetretene Vetter Christines, Heinrich Hagen, vermochte ein Wort an sie zu richten, ohne daß eine Flucht der Angesprochenen möglich war.

Und sie wäre auch nicht entflohen, denn ein Gesicht blickte ihr entgegen, das anders und wie anders! auf sie schaute als diesen Morgen.

Ein Gesicht, besten frische Männlichkeit und ernste Güte jetzt wundersam durch einen Ausdruck brennender Scham, de­mütigen ZagenS überschattet war und das sie doch so gut über die Jahre hinweg wiedererkannte.

Fräulein v. Gravenreuth", sagte die zwischen Schmerz und verhaltenem Jubel wundersam zitternde Stimme Heinrich HagenS,ich bitte Sie hundertmal um Verzeihung, daß ich Ihnen hier ungerusen gegenüberstche, tausendmal, daß ich unter dem Einfluß böser Gestirne heute morgen Sie nicht so be­grüßte, wie ich eS seit Jahren ersehnt hatte. Fragen Sie meine Cousine Christine, wie ich des Reisetages mit Ihnen gedachte, welche Bedeutung jene Stunden für all mein Leben und Hoffen gewonnen hatten und vergessen Sie, was ich in dem unseligen Augenblicke litt in dem ich, wie ich nun leider weiß, auch Ihnen unsäglich wehe getan I Vergeben Sie mir!"

Um Gotteswillen, Hen Hagen, hören Sie aus. Sprechen Sie nicht zu mir, nicht so zu mir!" bat Erika, die sich jetzt aus dem sesthaltenden Arm Christines befreit hatte und vom Stuhl ihrer Freundin gegen daS große Fenster zurückwich.

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28/12. dem Referendar Ernst Schmeißer in Hersfeld,

29/12. Hauptmann Beyer in Hersseld,

29/12. Leutnant Eduard Zimmermann, z. Zt. in Hersseld,

30/12. Wilhelm Rechberg in Hersseld,

30/12. Gastwirt Heinrich Eichmann in MengShausen. b. unentgeltliche:

9/12. dem Königlichen Forstausseher Hamprecht in Kathus,

16/12. Oberjäger Radeck, z. Zt. im ForsthauS HilmeS.

23/12. Gefreiten zAndreas, z. Zt. in Wippershain B. Tagesjagdscheine:

10/12. dem Baron Friedrich von Fulte in Dippach, 10/12. Postverwalter Schmidt in Berka a/W., 10/12. Dr. Willy Sander in Eisenach, 10/12. Schmiedemeister Heinrich Volkenand in Heringen,

14/12. Gutsbesitzer Richard Ungerecht in Meiningen, 17/12. Landwitt Georg Thornagel in Lengers, 24/12. Goldarbeiter Ernst Brehm in Eisenach, gültig am 27.29. 12. 08,

27/12. Leutnant von Kamele in Philippsthal, 27/12, Chemiker von Kameke daselbst, 27/12. Leutnant von Kameke daselbst,

29/12. , Hugo Groß in Vacha,

30/12. Kaufmann Max Schmidt in Hersseld.

Der Königliche Landrat.

I. V.: T h a m e r.

nichtamtlicher teil.

Das Wirtschaftsjahr V)0S.

In ihrem Jahresbericht hat die Berliner Handelskammer auch diesmal einen Ueberblick über das Wirtschaftsjahr 1908 gegeben, in dem zunächst dargelegt wird, daß die gesamte ge­werbliche Tätigkeit, die in den Vorjahren eine überaus rege gewesen war, im Jahre 1908 aus nahezu allen Gebieten eine Abschwächung erfahren hat. Mag der Grad der Abschwächung auch verschieden sein, unberührt von dem Einfluffe der sinkenden Konjunktur ist kaum ein einziges der großen Gebiete deS ge­werblichen Lebens geblieben. Die Depression war nicht in allen Branchen gleichzeitig und gleichmäßig fühlbar; sie ver- schärste sich im Lause des Jahres. Diese Beobachtung findet eine Bestätigung in der Statistik des Eisenbahngüterverkehrs. Während im ersten Vierteljahr 1908 die Einnahmen der deutschen Bahnen aus dem Güterverkehr die Einnahmen des gleichen Abschnittes deS Jahres 1907 noch um 7 Millionen Mark überragten, blieben sie im zweiten Vierteljahr um 12 Millionen, im dritten um 17 Millionen Mark hinter den Er­gebnissen des Vorjahres zurück. Im Oktober und November betrug das Minus 17 Millionen Mack.

Einen Augenblick war sie erglüht und nun stand sie wieder hochausgerichtet, aber so blaß, wie am gestrigen Abend und am heutigen Morgen den Beiden gegenüber.

Du mußt ihm verzeihen mußt ihn hören, Erika!" rief Christine.Ich habe Dich ja seit Jahren gekannt, längst ehe ich Deinen Namen gehört warst Du mir die schöne Unbekannte, die Heinrich wiederzusehen verlangte und die er gesucht hat, mehr und treuer, als Du ahnen kannst I Roch in voriger Woche und unmittelbar vor dem Weihnachtsseste ist er ausgezogen, um Deine Spuren in Schlesien wicderzu- finden!"

Christine sagt dies alles nur, um es gegen meine jüngste Schuld in die Wagschale zu legen", nahm Heinrich wieder das Wort, der mit Bestürzung wahrnahm, wie der Ausdruck von Erikas schönem Gesicht immer düsterer und starrer wurde. Ich habe kein Recht, Fräulein Erika, augenblickliche Ver­zeihung zu hoffen. Aber das Leben ist so arm und kurz, daß ich dem Schicksal dankbar bin, Ihnen schon heute sagen zu dürsen: Wenden Sie sich nicht ab von mir, ohne den Ver- such, mich kennen zu lernen. Christine hat Ihnen verraten, daß Ihr Bild seit Jahren in mir lebt, daß die Erinnerung an Sie nicht erlischt und nun fleh ick Sie an, geben Sie mir die Möglichkeit und Gelegenheit zu erweisen, daß ich es wert war, mich Ihrer zu erinnern!"

Sie sprechen umsonst, Herr Hagen", sagte Erika leise. Regen Sie sich und mich nicht schmerzlich auf ich bin nur hierher gekommen, um Christine zu sagen, daß ich mich dem alten Freunde meines Vaters, dem Obersorstmeister v. Lestwitz, verlobt habe."

Sie barg ihr Gesicht in den Händen und der Blick, den Heinrich und Christine wechselten, entging ihr. Aber da die Tür deS Wintergartens sich wiederum öffnete und in der Tür die Gestalt deS Obersorstmeisters erschien, eilte Erika, ohne nach Vetter Heinrich und Christine zu sehen, ihm entgegen, legte ihre Hand in die seine und rief,Gut, daß Sie kommen, Lestwitz Sagen Sie diesen, daß ich Ihre Braut bin daß"

Gewiß, gewiß will ich's sagen", versetzte Lestwix mit einem Gesicht, dessen Stirn und Augen von hohem Ernst