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zusammen. Die Zahl der Verwundeten ist noch nicht fest- Bestellt. Ob Tote vorhanden sind, weiß man noch nicht. Schweren Schaden hat der Erdstoß in Borgio Cesarniki, Sauvito, Soverato, Nicotera, Tropasa angerichtet, wo jedoch Menschenopfer nicht zu beklagen sind. In Gioja Tauro ist die Zahl der Toten noch nicht jestgestellt, und aus vielen Ortschaften Süd-Kalabriens stehen noch die Nachrichten auS, da die Verbindungen mit Reggio unterbrochen sind.

Rom, 28. Dezember. Soeben trifft die Nachricht ein, daß infolge eines Erd- und Seebebens halb Messina zerstört ist. In Hunderten von einstürzenden Häusern wurden Hunderte von Menschenleben vernichtet. Die Kabelver­bindungen mit Messina sind gestört. Der Kapitän des Tor­pedoboots meldet, das Unglück übertreffe alle Befürchtungen. Lakonische Telegramme aus Catania, Reggio, Palermo und kleineren Städten Siziliens lassen erkennen, daß das Zentrum .des Erd- und Seebebens Messina ist. Das Torpedoboot ^Spicca", das der Katastrophe entkam, brächte nach Nicotera folgende Nachricht:Ein Erdbeben zerstörte einen großen Teil Messinas. Zahlreiche Personen sind tot, Hunderte von Häusern sind zusammengebrochen. Die lokalen Mittel für das ungeheure Unglück sind ungenügend. Dreitausend Arbeiter sind für die Räumungsarbeiten nötig. Der Kapitän zur See Passino, Kommandant der Torpedoflotte, wurde unter den Trümmern begraben." Von dem Seebeben wurde die ganze Kalabrien gegenüberliegende Küste Siziliens von Messina bis Augusta betroffen. Entsetzliches Unheil wurde angerichtet. Von Genua fahren Schiffe mit Hülss- und Nahrungsmitteln ob, von Neapel ist ein bedeutendes Truppenkontingent abge­gangen. Das Unglück in Sizilien übertrifft bei weitem das in Kalabrien.

Weitere aus Palermo eingetroffene Nachrichten besagen, zwei Drittel Messinas seien zerstört, und die Menschenopfer feien Tausende. Von Messina wurden die ersten Verwundeten aus dem DampferWashington" nach Gatania gebracht. Morgen früh werden in Messina fünf Hilssschiffe der Navi- gazione Jtaliana eintreffen. Nähere Nachrichten wird man erst nach Herstellung der radiotelegraphischen Verbindungen erhalten, die morgen früh mit Ankunft des Geschwader- in Messina erfolgt. Da mehrere Kasernen eingestürzt sind, sind auch viele Soldaten umgekommen.

Das Erdbeben in Kalabrien, über daS oben berichtet wird, erweist sich nach den jetzt vorliegenden eingehenderen Nachrichten ebenfalls als eine Katastrophe, deren Folgen weit schwerer sind als die des Bebens im vorigen Jahre.

Die Stadt Palmi wurde fast ganz zerstört, ihre Bewohner irren halbnackt auf den Straßen umher. Canitello ist dem Erdboden völlig gleichgemacht. Zwischen Bagnara und Scilla haben schwere Erdrutsche stattgesunden. Der Tunnel zwischen Bagnara und Favezzina ist verschüttet, so daß die Eisenbahnlinie nach Reggio unterbrochen ist. Der Bürger­meister von Bagnara meldete die Zerstörung deS größten Teiles seiner Stadt mit vielen Opfern an Toten und Ver­wundeten. Auch die schon früher schwer heimgesuchte Stadt Stefanaconi ist dieses Mal völlig zerstört. Kein Haus ist mehr bewohnbar. Von Grund aus vernichtet sind gerade diejenigen Häuser, welche 1905 aus Kosten der Regierung wieder ausgebaut wurden. Die geringe Zahl an Toten ver­dankt man der neuen Dachkonstruktion, welche Auflage der Dachbalken auf Mauern vermied. Die Zahl der Ver­wundeten beträgt 76. 2000 Personen sind obdachlos; eS regnet in Strömen.

Grauenhaft in ihren Einzelheiten lauten die Berichte, die von den Schrecknissen des Unglücks erzählen. Eine um- passende Schilderung von der Katastrophe gibt nachstehender Bericht deS L. A.:

Die Drahtberichte der englischen Morgcnzeitungen malen ein furchtbares Bild von dem durch das Erdbeben heimge­suchten Land zwischen dem Vesuv und dem Aetna. Aus den verschiedensten Punkten aus dem Festlande Italien- von Neapel bis tief in das Innere der Insel Siziliens hat sich das Erdbeben mit mehr oder minder großer Heftigkeit ge­äußert. Am schlimmsten scheint aber Messina gelitten zu haben. Noch sind wenig Einzelheiten der Katastrophe in dieser unglücklichen Stadt bekannt, denn das Erdbeben hat säst jeden Verkehr unterbrochen; aber nach einer nach Rom gelangten drahtlosen Meldung des KriegsschiffesSpica", das zur Zeit der Katastrophe im Hasen von Messina lag, liegt wohl die Hälfte der 90 000 Einwohner zählenden Stadt in Trümmern. Derselbe Bericht besagt, daß der größte Schaden durch eine mächtige, das Erdbeben begleitende Flut­welle angerichtet wurde, die auch mehrere im Hafen liegende Schiffe vollkommen zerstörte. Der KreuzerSpica" kam gegen Abend mit etwa fünfhundert Verletzten auS Messina vach Catania. Später brächte ein anderes Schiff noch weitere 300 Flüchtlinge aus der unglücklichen Stadt. Die Leute, die ganz kopflos geworden, konnten natürlich keine An­

gaben machen, die daS ganze Unglück überschauen lassen. Sie meinen, eS müßten Tausende von Leichen unter den Trümmern Messinas liegen. Dieser Ansicht war auch der dieSpica" sührende Offizier, deren Kapitän selbst in der Flutwelle ertrunken war. Der Marinepalast und die Kais wurden durch die Erderschütterung zerstört. Zugleich stürzten in allen Stadtteilen Häuser ein und begruben es war morgens gegen 6 Uhr die Bewohner, die zu fest schliefen, um sich aus die Straße zu retten. Viele aber, denen es ge­lang, aus der Nähe der stürzenden Mauern zu flüchten, wurden von einer hohen Flutwelle überrascht, die bis tief in die Stadt eindrang, plötzlich wieder zurücktrat, um nochmals mit verdoppelter Gewalt zurückzukehren. Es werden wohl Tage vergehen, ehe man die Zahl der Unglücklichen, die dem Tode in ihren Häusern entgangen waren, um ein Wellengrab zu finden, feststellen kann. Eine fürchterliche Panik bemächtigte sich, nach den Erzählungen der Flüchtlinge, der überlebenden Bewohner von Messina. Schreiend liefen Frauen und Kinder fast nackt durch die Straßen. Fürchterliche Szenen sollen sich in den Gefängnisien und den Krankenhäusern abgespielt haben. Ein Zuchthaus wurde den tobenden Sträflingen von den Schließern einfach geöffnet, und alsbald kamen zu dem Elend, daS die gewalttätige' Natur über die arme Stadt gebracht hatte, noch die Greueltaten entmenschter Verbrecher. Feuer brach in einem Stadtteil aus, der Wind sachte es schnell an, und eS Mütcte gegen den kalten Regen und die schwachen LöschversAe der ganz kopflos gewordenen Menschen, die da ohnmächtig zusehen mußten, wie ihr Hab und Gut in den Häusern verbrannte, die noch nicht die Gräber ihrer Ange­hörigen geworden waren. Catania selbst, wo die aus Messina Geflüchteten Hilfe zu finden hofften, hatte stark unter der Katastrophe gelitten. Auch hier hotte das Unglück zu ebenso fürchterlichen Szenen wie in Messina Veranlassung gegeben. Die Leute liefen wie irrsinnig in den Straßen herum, fluchten und beteten und stürmten die Kirchen, so daß der Erzbischof schließlich versprach, den einbalsamierten Leichnam der heiligen Agathe in einer Prozession durch die Straßen zu tragen, aus daß sie die Stadt vor weiterem Unheil bewahre. Die heilige Agathe hat nach der Ansicht der Catanier die Macht, den unterirdischen Gewalten Ruhe zu gebieten. Auch Catania hat große Verluste an Menschenleben zu beklagen. Neben Wasser- und Feuerschaden bat die unmittelbare Nachbarschaft der Stadt noch ganz besonders durch Erdrutsche gelitten, die viele Anwesen zerstört haben. Nach Rom gelangt die Nach­richt, daß die 10 000 Einwohner zählende Stadt Bugnana vollkommen zerstört worden sei. Auch andere kleinere Orte sollen ganz von der Erde verschwunden sein. Sehr stark ge­litten haben ferner Stefanaconi, San Gregoria, Catanzaro und kleinere Orte in Consenza und Reggio. Das Erdbeben wurde nach vorliegenden Meldungen zu gleicher Zeit in Palermo, Foggia, Brindisi, Florenz, Pavia, Neapel und Turin wahrgenommen. Truppen und Proviant sind von Rom und anderen Städten nach den heimgesuchten Gegenden abgeschickt worden.

Die Zahl der Toten in Kalabrien wird aus 30 000 ge­schätzt. Nach einer Meldung der Tribuna sollen in Sizilien 75 000 Menschen umgekommen sein. Von 100 Postbeamten in Messina sind nur vier am Leben geblieben. Indirekte Nach­richten au- Messina melden den Untergang der Familie des Deputierten Fulci, der Quästor- und bei Bischofs von Messina Monsignor Errico. In Reggio ist kein Stein auf dem andern geblieben. Ein Telegramm bei Deputierten Deselice, der von Catania im Automobil nach Messina fuhr, besagt, er habe die Stadt nicht mehr vorgesunden, sie sei dem Erdboden gleichgemacht.

Der Kaiser sandte an den König Viktor Emanuel von Italien anläßlich der grausigen Katastrophe in Sizilien ein in den herzlichsten Worten gehaltenes Beileidstelegramm, da- die wärmste Anteilnahme und Sympathie bei Kaisers zum Ausdruck bringt. Desgleichen beauftragte der Reichskanzler Fürst von Bülow den deutschen Botschafter in Rom Grafen Monts, der italienischen Regierung den Ausdruck herzlicher Teilnahme im Namen der deutschen Regierung und des deutschen Volkes zu übermitteln.

Das i t a l i e n i s ch e K ö n i g S p a a r ist in das Erd­bebengebiet abgcreist. Der König hat für die Opser der Katastrophe 200 000 Lire gespendet.

Palermo, 29. Dez. Flüchtlinge auS Messina er« zählen, die Stadt sei dem Erdboden gleichgemacht worden. Von 160 000 Einwohnern retteten sich höchstens 12 000. Danach wären 148 000 Menschen allein in Messina der Kata­strophe zum Opfer gefallen.

H« Provinz i. Nachd-kgediet

* Personalchronik. Ernannt zu Amtsgerichtsräten: die Amtsrichter ZeddieS in Gelnhausen und Knauff in Mar­

burg, zum Ersten StaatSanwalt bei dem Landgerichte in Cassel: Vertreter des Oberstaatsanwalt in Königsberg i. Pr. Erster Staatsanwalt Ganslandt; zu Gerichtsasscssoren: Refe­rendare Winkelstern, Nentwig (Cassel).

* Hessischer Feuerwehrtag. Der nächste Feuer­wehrtag des Hessischen Feuerwehrverbandes findet in der Zeit vom 3. bis 5. Juli in Wolshagen statt.

V Rhina, 29. Dezember. Am vergangenen Sonntag den 27. b. Mts., abends 7 Uhr, veranstalteten die e v a n g. Privatfortbildungsschüler im Saale der Rohr- bachschen Wirtschaft einen Theaterabend, welcher von dem ein­heimischen und auswärtigen Publikum stark besucht war. Gegeben wurdeWeihnachtsglocken" von Edmund Braun. Die einzelnen Rollen wurden ohne jegliche Stockung tadellos gegeben, sodaß den Beteiligten reicher Beifall gezollt wurde. Bei Clavier und Geige blieb die frohe Jugend bis in die frühesten Morgenstunden beisammen.

Niederhone bei Eschwege, 28. Dezember. Gestern er­eignete sich hier ein Unglückssall. Der Knecht des Landwirts Keste stürzte beim Herunterwerfen von Heu in der Scheune so unglücklich, daß er nach kurzer Zeit seinen Geist ausgab.

Vacha, 29. Dezember. Herr Bäckermeister Frank hielt gestern in der ihm gehörigen Jagd von Hillartshausen Treib­jagd ab. Dabei wurde ein Wildschwein, ein starker Keiler, ausgescheucht, dessen Verfolgung sofort ausgenommen wurde. Das Tier nahm seinen Weg in das Dorf Hilmes, wo ihm die Einwohner, mit Aexten, Düngergabeln u. s. w. bewaffnet, entgegentraten. Ein wuchtiger Axthieb verletzte den Keiler schwer am Unterkiefer, aber auch derjenige, welcher den Schlag ausgeführt, wurde dabei verletzt Das seltene Wild flüchtete noch nach einem nahen Steinbruch, wo seine Erlegung gelang. Das Tier hat ein Gewicht von über 2 Zentner. Als Jagd­beute fällt es dem Pächter der Jagd von Hilmes, Herrn Steinweg-Hersfeld, zu. (Rh. Z.)

Cassel, 25. Dezember. Dem vierzehnjährigen Sohn Konrad des Schäfers Ehrhard in Kirchbauna bei Cassel war beim Viehhüten ein Schaf entlausen und von einem Automobil überfahren worden. Der Junge brächte die Heide in den Stall, lief dann fort und ertränkte sich.

Mansbach, 28. Dezember. Die Unsitte, bei Hoch­zeiten oder sonstigen Anlässen Freudvollste abzugeben, hat hier am zweiten Feiertage einen schwLS Unglückssall herbei- gesührt. Gelegentlich einer Hochzeit f^te ein junger Bursche mit einer Schußwaffe. Der Schießprügel ging los und daS Geschoß traf ein zur Hochzeit^ esellschast gehöriges junges Mädchen derartig in die Bru^ daß man für ihr Leben fürchtet.

Aus Thüringen, 25. Dezember. Beim Transport einer Zigeunersomilie, die zwei Bären bei sich führte, wurde der Feldjäger Möller aus Hildburghausen von einem Bären ersaßt und in große Lebensgefahr gebracht. Nach längerem Kampfe gelang es dem Begleiter des Transportführers, den Jäger aus den Klauen des Bären zu befreien.

Eisenach, 28. Dezember. Durch Explosion der Luft­druckanlage wurden Donnerstag nachmittag in der Nähe bei Tunnels bei Epichnellen ein Arbeiter getötet und zwei schwer verletzt. Die Luftdruckanlage dient zur Herstellung von Bohr­löchern für Sprengarbeiten.

Eisenach, 26. Dezember. Im Werratalbahntunnel wurde durch einen verspäteten Sprengschuß ein Arbeiter getötet. Zwei andere wurden tödlich verletzt.

Neustadt a. M., 25. Dezember. Eine unmenschliche Tat verübte hier derSchlcs. VolkSztg." zufolge, ein Schuh­macher. Er hatte seine 23jährige, an Krämpsen leidende Tochter in eine Kiste gesperrt und das Mädchen dort mehrere Wochen lang gefangen gehalten, bis die Polizei die Tat entdeckte und die Gefangene, die sich in erbarmungswürdigem Zustande be­fand, befreite.

Gießen, 29. Dezember. Ein Lustmord ist am heiligen Abend bei Gießen verübt worden. Ein Mann tötete den neunjährigen Knaben des Gemüsehändlers Abel. Das Kind, ein intelligenter Knabe, begab sich um 6 Uhr abends nach der Stadt, wo es um diese Zeit noch gesehen wurde, um in einem Wägelchen Gemüse abzuliesern. Das Wägelchen fand sich am Schiffberger Wege, wo es am ersten Feiertage der Stadverordnete Krumm bei einem Spaziergange nach dem benachbarten Schiffberger Walde entdeckte. Das Kind fand man dann in einer Schneise liegend tot aus. Als Täter ist der bereits dreimal wegen Sittlichkeitsverbrechen vorbestrafte 47jährige Schuhmacher Wilhelm Reis aus Niederspay bei Koblenz verhaftet worden.

Die Freitagsnummer erscheint Morgen (Donnerstag) abend.

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