Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch unL) Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich
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herrsel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 153.
Donnerstag, den 31. Dezember
1908.
Mmmnts-EinIadiiH
auf das
Btrsfcldcr Kreisblatt.
Das „Hersfelder Kreisblatt", amtliches Organ des Kreises Hersfeld — ausgestattet mit publifationsfraft — bringt außer den
amtlichen Bekanntmachungen alles wissenswerte über
Politik des In- und Auslandes, Nachrichten aus der Stadt, dem Kreise und der Provinz, vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.
Ferner gelangen in jeder Nummer spannende Romane, Erzählungen rc. fortsetzungsweise zum Abdruck.
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Die Expedition des Kersfelder Kreisblattes.
Uetter Heinrich.
Novelle von E. R a t h m a n n.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Sie würden lachen, sagte Erika, „wenn ich Ihnen alles sagen wollte, das sich für mich an die Stunden eines unvergeßlichen Reisetages knüpfte, müßten es unbegreiflich finden, daß mir ein junger Mann, dessen Namen und Lebensstellung ich nicht kannte, als der Mann erschienen ist, dem ich vor Hunderten, die an mir vorüber gegangen sind, den Vorzug gegeben haben würde. Ich knüpfte keine Erwartung, keine Hoffnung an jede Bewegung an, und doch — doch — ? Aber wozu das alles? Nun denn, Herr v. Lestwitz, jenen ? habe ich vor einigen Stunden wiedergesehen und — ^odo — fiel aus seinen Blicken auf mich ein Blitz ent- r peter Verachtung, eines Abscheus, der mich darniederwirst, /wer YMeids, das mir das Herz. ja jeden Blutstropfen Part. Und das alles — alles hat mein Bruder in seinem Er« Leichtsinn verschuldet und ich, ich darf ihm nicht E er wirklich zu sich selbst gekommen ist. Mpn $ J™se wie ich darnach, wenn Bodo fort, werde leben und das Erlebte werde tragen können.» sinn™ wollen nur mit mir, nicht mit Christine Sie^ hm16 »olle Freundschaft verdient, besprechen, was und r "ssen sollen. Erika?« fragte Herr v. Lestwitz teilnebmpnh^f11- ^eräugen blickten so forschend als ChristK Quf l^e Regung ihres Gesichtes. „Sie haben rade ^'gesagt, wieder zu ihr zu kommen, und ge- Jhres ^ geschehen ist und um jede Mißdeutung Sie firfi Eir ^ ‘«'^«St'W« ©aufe abzuschneiden, müssen
) entschließen, diese Freundin wiederzusehen." »”ÄÄS btÄ^ und * W zu »ie W^t nicht. „Als ich Christine versprach, wieder so |anl . ommen, war alles, alles anders. Und wenn noch verkaum ^ ^id) f^ — Wenn ich selbst von ihr würde, ich will nicht zum zweiten Mal mich dem
Amtlicher teil.
Hersseld, den 15. Dezember 1908. Ltsstütlicht Stlornitmo^no.
Einkommensteuerveranlagung für das Steuerjahr 1909.
Auf Grund des § 25 des Einkommensteuergesetzes wird hiermit jeder bereits mit einem Einkommen von mehr als 3000 Mark veranlagte Steuerpflichtige im Kreise Hersseld aufgefordert, die Steuererklärung über sein Jahreseinkommen nach de n vorgeschriebenen Formular in der Zeit vom 4. Januar 1909 bis 20. Januar 1909 dem Unterzeichneten schriftlich oder zu Protokoll unter der VersicheruM ^jugeben, daß die Angaben nach bestem Wissen undWewpftn gemacht sind.
Die oben bezeichneten SteuerpflichMen sind zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet, auchswenn ihnen eine besondere Aufforderung oder ein Formular nicht zugegangen ist. Die Zusendung der vorgeschriebenen Formulare wird in den nächsten Tagen erfolgen. Die Formulare» werden auch von heute ab in den Amtsräumen des Unterzeichneten kostenlos verabfolgt.
Die Einsendung schriftlicher Erklärungen durch die Post ist zulässig, geschieht aber auf Gefahr des Absenders und deshalb zweckmäßig mittels Einschreibebrieses. Mündliche Erklärungen werden von dem Unterzeichneten in seinen Amtsräumen, Stift 671, während der Geschäftsstunden von 10 bis 12 Uhr Vormittags zu Protokoll entgegengenommen.
Wer die Frist zur Abgabe der ihm obliegenden Steuererklärung versäumt, hat gemäß § 31 Absatz 1 des Einkommensteuergesetzes neben der im Veranlagungs- und Rechtsmittel- versahren endgültig festgestellten Steuer einen Zuschlag von 5 Prozent zu derselben zu entrichten.
Wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben oder wissentliche Verschweigung von Einkommen in der Steuererklärung sind im § 72 des Einkommensteuergesetzes mit Strafe bedroht.
Gemäß § 71 des Einkommensteuergesetzes wird von Mitgliedern einer in Preußen steuerpflichtigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung derjenige Teil der auf sie veranlagten Einkommensteuer nicht erhoben, welcher auf Gewinnanteile der Gesellschaft mit beschränkter Haftung entfällt. Diese Vorschrift findet aber nur auf solche Steuerpflichtige Anwendung, welche eine Steuererklärung abgegeben und in dieser den von ihnen empfangenen GeschäftSgewinn besonders bezeichnet haben. Daher müssen alle Steuerpflichtigen, welche eine Berücksichtigung gemäß § 71 a. a. O. erwarten, mögen sie bereits im Vorjahr nach einem Einkommen von mehr als 3000 Mark veranlagt gewesen sein oder nicht, binnen der oben bezeichneten Frist eine, die nähere Bezeichnung des empfangenen Geschästsgewinnes auS der Gesellschaft mit beschränkter Haftung enthaltende Steuererklärung einreichen.
aussetzen, was mir dort widerfuhr! Der Mann, von dem ich sprach und dessen Bild ich mir töricht genug bewahrt hatte, ist Christines Vetter und vertrauter Freund — Heinrich Hagen. Und nun bitte ich Sie, nichts mehr und nie mehr davon, Herr v. Lestwitz. Gönnen Sie mir, mich zu sammeln, einige Tage unter Ihrem gastlichen Dache, Sie sollen sehen, daß ich mich, sobald wir BodoS Angelegenheiten ordnen, zu finden und zu fassen weiß. Auch für mich, um die es freilich übel steht, werde ich Rat finden — wenn meine Freunde nur etwas Geduld haben."
Der Oderforstmeister hatte den Namen Heinrich Hagen wie einen längst erwarteten Klang vernommen, er nickte und seine Züge erhellten sich sichtlich. Er trat vor dem erschütterten jungen Mädchen hinweg in das Eckfenster und schien nicht nur Fräulein v. Gravenreuth Ruhe zu gönnen, sondern auch mit sich zu Rate zu gehen, was er unter diesen Umständen tun und sagen dürfe.
Mit einmal und mit einem Blick, als sei ihm eine Eingebung geworden, kehrte er sich wieder zu seinem schönen Gast und rief munter :
„Mein Dach soll Sie schirmen, Erika — so lange Sie selbst mir die Ehre geben wollen, hinter den alten Giebeln zu weilen. Ja, wenn Ihnen wirklich zumute ist, wie Sie sagen, so weh, so ratlos, so hilflos, so wüßte ich wohl einen Ausweg. Meine Obersorstmeisterei und zumal mein Haus ist ohne Herrin — ich habe Ihnen schon vor Jahren, als wir uns bei Ihrem Onkel, Werner v. Gravenreuth, trafen, gesagt, daß ich, so alt ich bin, eine Hausfrau wie Sie jeden Tag an meinen Herd führen würde, und, alles andere beiseite gesetzt, so glauben Sie doch wohl, daß aus die Gemahlin des Ober- sorstmeisterS v. Lestwitz nicht der leiseste Schatten ’von Verleumdung, von gemeinem Argwohn der Welt fallen kann."
Erika fuhr aus ihrem Nachsinnen 'empor, sie sah zu spät nach dem Erkersenster hin, den Zug von Jägerlist wahrzunehmen, der um die dünnen Lippen und die Augen des Oberforstmeisters schwebte.
Und jetzt stand ihr Lestwitz gegenüber: straff, stattlich auf- gerichtet, in ritterlicher Haltung, mit ernster, gleichsam demütiger Miene.
Es wird gebeten, mit der Abgabe der Steuererklärungen nicht bis zu den letzten Tagen zu warten, sondern die Erklärungen möglichst frühzeitig innerhalb der Frist einzusenden.
Der Vorsitzende der EinKommensteuer- Veranlagungs-Kommission:
von Grunelius.
nichtamtlicher Ceil. politische Iahresruudschau.
Bei einer Rückschau auf das zu Ende gehende Jahr 1908 gedenken wir zunächst unseres deutschen Vaterlandes und vor allem unseres Kaiserhauses. Ein srohes Doppelfest in der Kaiserfamilie zeitigte der 22. Oktober, denn an diesem Tage wurde der 50. Geburtstag der Kaiserin Auguste Viktoria und zugleich die Vermählung des Prinzen August Wilhelm, des vierten Sohnes des Kaiserpaares, mit der Prinzessin Alexandra Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücks- burg gefeiert. Im Frühjahr unternahm das Kaiserpaar, begleitet von dem Prinzen August Wilhelm und von der Prinzessin Viktoria Luise, eine Reise nach Korsu zum Besuche der kaiserlichen Besitzung Achilleion; hierbei hatte Kaiser Wilhelm in Venedig eine Begegnung mit König Viktor Emanuel von Italien. Im Sommer setzte der Kaiser wieder seine gewohnte Nordlandsreise ins Werk. Bald darauf stattete er im Vereine mit der Kaiserin dem schwedischen Königspaare in Stockholm den Gegenbesuch für den Antrittsbesuch ab, welchen vorher König Gustav r^d seine Gemahlin in Berlin gemacht hatten. Im weiteren Verlaufe des Sommers fand eine Zusammenkunft des Kaisers mit seinem Oheim, dem Könige Eduard von England, in Schloß Friedrichshof statt. Zweimal traf Kaiser Wilhelm mit seinem greifen Freund und Verbündeten, dem Kaiser Franz Joses zusammen. Am 7. Mai erschien der Kaiser aus seiner Rückreise von Korsu in Schloß Schönbrunn und gratulierte, vereint mit den hervorragendsten deutschen Bundesfürsten, dem österreichischen Kaiser zu seinem 60jährigen Regierungsjubiläum. Im November stattete er dann dem Kaiser Franz Josef nochmals einen kurzen Besuch in Schloß Schönbrunn ab.
Aus dem Kreise der regierenden deutschen Bundes- f ü r st e n rief der Tod den Herzog Ernst von Sachsen-Alten- burg ab; ihm folgte sein Neffe Ernst in der Regierung nach. Ferner verschied Herzogin Elisabeth von Mecklenburg-Schwerin, die Gemahlin des Herzog-Regenten Johann Albrecht von Braunschweig. Ein Regentenwechsel fand in Reuß statt, Fürst Heinrich XIV. von Reuß jr. L. legte infolge vorgerückten Lebensalters die von ihm geführte Regentschaft des Fürstentums Reuß ä. L. nieder, die nun von seinem Sohne, dem Erbprinzen Heinrich XXVII., der schon seit säst fünfzehn
Aus ihren blauen Augen zuckte ein langer prüfender Blick sie schauerte in sich zusammen, aber nur flüchtig, kaum sichtbar, dann richtete sie sich ganz entschlossen auf, tat einen Schritt nach dem alten Herrn hin und sagte mit fester klarer Stimme: „Ist das Ihr Ernst — Ihre klare Meinung, Herr v. Lestwitz, so sage ich nicht nein — doch überlegen Sie wohl, was Sie tun und wagen. Daß ich mit einem Ehrenmann wie Sie in einer Ehe nichts wage weiß ich."
Sie streckte ihm ihre Hand entgegen, die er bewegt und achtungsvoll küßte. An der Einwilligung in seine Werbung ermaß er erst die Tiefe ihres Leides — die krankhaste Ueber« reizung ihres ganzen Innenlebens.
Er fügte daher ernst hinzu: „Ich darf nehmen, Erika, was Sie mir frei und offen gewähren. Aber ich bedinge mir zweierlei, einmal, daß Sie bis morgen auch gegen Bodo über das schweigen, was hier zwischen uns vereinbart wird, er soll in den Beratungen über seine Schritte und sein Geschick nicht meinen, daß ich mir eine andere Autorität über ihn anmaßen will, als die des Freundes seines Vaters und seines eigenen väterlichen Freundes. Und sodann die Schritte, die zunächst getan werden müssen, um im nächsten Revier Klarheit zu schaffen — die bestimme ich! Sie wollen der Rückkehr in das Hagensche Haus ausweichen — und ich sage Ihnen, dies muß dadurch geschehen, indem man erfährt, daß Sie meine Verlobte sind. Je weniger wir zögern, um so besser wird es sein und Sie müssen, wenn es Ihr Ernst ist, mein Geschick zu teilen, sich morgen oder am liebsten noch heute Fräulein Christine Hagen, die auch meine große Freundin ist und darnach dem ganzen Hause des Kommerzienrates von mir als meine Braut vorstellen lassen. Ich weiß, was ich damit meine und will: zuerst Fräulein Christine, darnach die anderen — Sie) haben die Entscheidung in Ihrer Hand, Erika!«
Sie sah ihn bange und fast mißtrauisch an, ihre fest auf- einandergepreßten Lippen versagten einem Widerspruch den Durchlaß.
Und wie sie diese Lippen öffnete, erwiderte sie leise und doch merkwürdig fest: „Ich habe die Entscheidung schon in Ihre Hand gelegt, Lestwitz. Wo Sie mich als Ihre Braut