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Herzfelder Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 153.
Dienstag, den 39. Dezember
1908.
Abmments-EiMW
auf das Bersfelder Kreisblatt.
Das „Hersfelder Kreisblatt", amtliches Organ des Areises Hersfeld — ausgestattet mit Publikationskraft — bringt außer den
amtlichen Bekanntmachungen alles wissenswerte über
Politik -es In- und Auslandes, Nachrichten aus der Stadt, dem Kreise und der Provinz, vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.
Ferner gelangen in jeder Nummer spannende Nomane, Erzählungen rc. fortsetzungsweise zum Abdruck.
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, »Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage,"
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Die Erpedition des Her-felder Kreisblattes.
Uetter Heinrich.
Novelle von E. R a t h m a n n.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Christine veranlaßte ihren Vetter Heinrich mit einer bittenden Gebärde, ihren Krankenstuhl an den Tisch bei der Tannen- gruppe zurückzuziehen und sich neben sie zu setzen. Mit ihrer klaren eindringlichen Stimme hub sie an, ihm die Ereignisse der letzten beiden Tage im Hause Hagen und ihren Zusammenhang mit dem Vorleben Erikas v. Gravenreuth zu erzählen.
Die Dinge waren so einfach überzeugend, daß er mit lautloser Spannung in seinen Zügen und mit immer sichtlicher werdender Erschütterung dem Berichte seiner Base lauschte. Zuletzt und wie er sein ganzes Unrecht übersah, rief er aufspringend und stöhnend: „So bin ich denn wahnsinnig und der Schänder meines eigenen Tempels gewesen. Aber alles, alles kann gut werden, ich weiß jetzt, wer sie ist und wollte ihrer Spur um die Welt folgen, wenn es sein müßte. Nun rate und hilf, Du immer Hilfreiche, sage mir nichts mehr, als was ich zunächst tun muß."
„Ich verlasse mich auf nichts als aus Erikas Wort", ent- gegnete Christine und ihre Augen suchten den Boden und lullten sich mit Tränen. „Auf ihr Abschiedswort: Heut oder morgen bin ich wieder bei Dir, Christine!"
Während Heinrich Hagen aus Mienen und Blicken seiner che Christine verstehen lernte, wie schwer in ihren Augen
Verhalten von vorhin wog und wie sie jetzt von Hoff- r Ä äsendem Zweifel zugleich beunruhigt ward, wäh- reno ihn der Gedanke, einen ganzen Tag oder länger warten
devor er nur den ersten Schritt zur Sühne seines Unrechts, seiner haltlosen Bestürzung versuchen dürfe, mit jeder wurde, fuhr Erika v. Gravenreuth durch SÄ % Wmterlandschast und den großen Forst, der die dahin '^uken H^'Sthal von dem Flecken Wolfeck trennte,
Sie war in schlafloser Nacht und noch am Morgen dieses
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 19. Dezember 1908.
Durch die neuen Bestimmungen über die Fleischbeschau und Schlachtungsstatistik, die an Stelle der bisherigen Bestimmungen mit dem 1. Januar 1909 in Kraft treten und bereits bei der Bearbeitung der Statistik für das Jahr 1908 zu berücksichtigen sind, ist eine Aenderung in den einzu- reichenden statistischen Zusammenstellungen — Anlage A., B. und C. — ein getreten.
Das Postkartensormular Anlage D (früher Anlage B.) für den Nachweis der in jedem Kalenderviertcljahre der Schlachtvieh- und Fleischbeschau unterstellten Tiere ist jedoch unverändert geblieben.
Den Schlachtvieh- und Fleischbeschau«» des Kreises werden die neuen Formulare rechtzeitig zugehen. Die bereits übersandten Formulare sind zu vernichten.
Die den Formularen aufgedruckten Anweisungen für die Eintragungen sind sorgfältig zu beachten.
J. I. 12 756. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, Regierungs-Reserendar.
Cassel, den 12. Dezember 1908.
Nach der in letzter Zeit ständig festgehaltenen Rechts- sprechung des Königlichen Kammergerichts gehören Tellersammlungen und sonstige Sammlungen in öffentlichen Versammlungen nicht zu den Kollekten im Sinne des § 11 Nr. 4 e der Instruktion für die Oberpräsidenten vom 31. Dezember 1825 und bedürfen daher nicht der Genehmigung des Oberpräsidenten.
Es kann daher in Zukunft die Bezirkspolizeiverordnung vom 11. Juni 1876 betreffend das Kollektenwesen (A. Bl. S. 151) auf diese Arten von Sammlungen nicht mehr angewendet werden. Ebensowenig dürfen aber nach der in letzter Zeit ständig festgehaltenen Rechtsprechung des Kammer- gerichts derartige Sammlungen in öffentlichen Versammlungen von einer vorgängigen ortspolizeilichen Genehmigung abhängig gemacht werden. (A. U. 8563.)
Der RegierungS-Präsident. gez.: B e r n st o r f s.
Hersfeld, den 22. Dezember 1908.
Vorstehendes teile ich den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Kenntnisnahme und Beachtung mit.
I. I. 13 063. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, Regierungs-Reserendar.
HerSfeld, den 23. Dezember 1908.
Die unter dem Schweinebestandc des Bürgermeisters Rößing in Kerspenhausen ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 13 169. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, Regierungs-Reserendar.
Tages, als es galt, Christine das am Abend zuvor Geschehene mitzuteilen und ihr zu sagen, daß sie wenigstens für den Augenblick die Villa Hagen verlassen müsse, trotz ihres Kummers leidlich gefaßt geblieben, ja sie war fähig gewesen, die Tränen der kranken Freundin, die zum Abschied und zum Zeichen ihres rückhaltslosen Vertrauens das Du mit ihr getauscht hatte, siegreich zu besprechen und glückliche Zukunftsbilder mit ihr zu entwerfen. An einen Waffengang zwischen ihren Brüdern hatten, in richtiger Schätzung des Herrn Franz Hagen, weder Erika noch Christine geglaubt und so schien es nicht unwahrscheinlich, daß den Besuchen des Fräuleins v. Gravenreuth von Wolseck aus nichts im Wege stehen würde. Erika hatte sich ohne allzutiefe Erschütterung von der neuen Schwester getrennt, aber die völlig unerwartete Begegnung und Wieder- erkennung beim Verlassen des Hauses, die Mißachtung, ja der erschrockene Abscheu, den ein Mann gegen sie gezeigt, den sie feit dem einen Reisetage mit ihm nicht zu vergessen vermocht, hatten ihre Fassung und ihr klares Denken überwältigt. Umsonst versuchte sie während der Fahrt, ihre Gedanken von dem Verhängnis, in das sie der Leichtsinn, die unverantwortliche Selbstsucht ihres Bruders Bodo verstrickte, hinweg zu lenken.
Sie hatte die reinsten Absichten gehegt und ging jetzt pit bitteren Erfahrungen und einem Schatten auf ihrem Mädchen- ruf aus den Erlebnissen der letzten Tage hervor. Was sie mit opservollem, mutigem Entschluß begonnen hatte, endete wie ein schlimmes Abenteuer — und verdunkelte ihr die lich. teste Erinnerung ihres Lebens. Sie mußte jede Kraft ihrer guten Natur und Erziehung aufbieten, um nicht laut aufzu- schreien, der Kutscher, der vorIihr saß und sich von Zeit zu Zeit nach ihr umblickte, hatte den Eindruck, daß eine schwer Kranke zwischen den Pelzdecken seines Schlittens sitze und beschleunigte die Fahrt, so viel er irgend vermochte. — Erika v. Gravenreuth hatte keinen Blick nach dem Hagenschen Hause zurückgewoesen, als er von einer Stelle der aufsteigenden Straße, von der man Herbisthal überblicken konnte, daraus hingewiesen hatte.
Sie blickte auch jetzt nicht auf, als die Oberforstmeisterei von Wolfeck mit ihren beiden hohen Giebeln und dem kleinen
nichtamtlicher teil.
Südwestafrika.
Berlin, 23. Dezember. Aus Deutsch-Südwestafrika wird amtlich gemeldet: Am 19. Dezember überraschten 32 übergetretene Hottentotten bei Springputz eine Jagdgesellschaft, die aus dem Farmer Struller aus Springpütz und drei Buren bestand. Der Bur Olivicr wurde erschossen. Fünf Gewehre, viel Munition und drei Pferde wurden von den Hottentotten erbeutet. Die Feinde wichen nach Norden aus. Am gleichen Tage wurde die Farm Fettkluft, etwa 40 Kilometer westlich Davignab, von 20 bis 30 bewaffneten und berittenen Hottentotten überfallen. Die Führung hatte wahrscheinlich Abraham Rolf, ein Unterkapitän Morengas. Die Farmer Schmiedecke, Kube und Bolis sind gefallen. Erbeutet wurden von den Hottentotten Jagdbüchsen und zwei Pistolen. Ferner wurde am 18. Dezember die Pferdewache der sechsten Gebirgs-Batterie bei Heidamm durch Hottentotten angegriffen, wobei der Sergeant Fehlings und der Reiter Zimmermann fielen. Am Tage daraus wurde ein Leerkarren derselben Batterie bei Fettklust von Hottentotten überfallen, wobei der Reiter Rabbe fiel. Waffen und Wagen nebst Bespannung wurden geraubt. Ein am 20. Dezember früh auf den Viehposten von Fonteinkluft durch Hottentotten auSgesührter Uebersall wurde von der Besatzung ohne Verlust zurückgeschlagen. Drei Hottentotten wurden schwer verwundet. Ob die genannten Uebersälle von ein und derselben Bande herrühren, ist bis jetzt nicht sestgestellt. Der Kommandeur des Südbezirks hat sofort die Verfolgung der Räuberbande ausgenommen.
Aus In- und Ausland.
Berlin, den 27. Dezember 1908.
Auf Anordnung des Kaisers sind die bestehenden Vorschriften für die Bekleidung derOssiziere beim Besuch von Festlichkeiten dahin geändert worden: Bei Kirchen- oder Denkmalseinweihungen sowie Fahnenweihen, denen der Kaiser bzw. der Landesherr oder ein zur Vertretung befohlenes Mitglied des regierenden Hauses beiwohnt, ist Paradeanzug vorgeschrieben, bei sonstigen Festlichkeiten sowie bei der Geburtstagsfeier des Kaisers oder des Landesherrn ist Gesellschaftsanzug, bei anderen Veranstaltungen der Kriegervereine usw. „kleiner Dienstanzug" anzulegen.
Ueber die Wiederzunahme der amerikanischen E in- wanderung enthalten die New-Iorker Zeitungen interessante Angaben. Danach hat die größte Zahl von Auswanderern, die bisher während dieser Saison an einem einzelnen Tage auf Ellis Island eingetroffen ist, kürzlich immerhin schon wieder 2623 Köpfe betragen, wozu freilich die gleichzeitige Ankunft von sechs großen Ozeandampfern verschiedener
Türmchen auf dem Satteldach des Hauses sichtbar wurde und Engler die Peitsche deutend erhob. Und sie erwachte aus ihrer dumpfen Befangenheit und schweren Sorge tatsächlich erst, als von der steinernen Vortreppe und an der mit Hirschgeweihen geschmückten Eingangstür des alten Jagdhauses eine kräftige, klare Stimme ihr zurief: „Tausendmal willkommen, liebes Fräulein Erika. Das ist eine glückliche Ueberraschung und ein froher Tag trotz allem!" sagte der stattliche Herr des Hauses, der ihr zu Ehren das grüne, goldstrotzende Galakleid angelegt hatte, sie aus den Decken und dem Schlitten selbst heraushob.
In diesem Augenblick war's ihr, als ob sie den Fuß aus wilden Wassern an sicheres Land setzte, und wie erwachend richtete sie dankbare Blicke aus Herrn v. Lestwitz, den Jugendfreund ihres Vaters, der den Kutscher des Hauses Hagen in den Hos der Oberforstmeisterei wies und sie „zum Austauen", wie er lachend sagte, in ein großes, wohl erwärmtes Zimmer links vom Eingang führte, auf dessen Schwelle sie mit Bodo zusammcntraf, dessen Blässe und düsterer Gesichtsausdruck ihr sagten, daß er den Ernst der Lage fühlte, wenn er auch nicht ahnen konnte, wie Schweres ihr dieser Morgen zu allem anderen auferlegt hatte.
Der Obersorstmeister verschwand durch eine zweite Tür und man hörte ihn laut gastliche Befehle für Kutscher und Pferde des Schlittens von Herbisthal rufen. Er wollte offenbar die Geschwister bei ihrem Wiedersehen allein lassen.
Bodo v. Gravenreuth hals beflissen seiner Schwester die dunkle Hülle ablegen, trat aber betreten ein paar Schritte von ihr hinweg, als er die bläulichen tiefen Ringe unter ihren Augen, die bleichen Lippen und die eingefallenen Züge der jugendlich schönen Erika wahrnahm.
„Ich bitte Dich, Erika — Du ziehst es zu hoch, was geschehen ist! Ich habe Herrn Franz Hagen das Nötige bereits wissen lassen!"
„Was kümmert er mich ?" sagte Erika verächtlich, während sich ihre Augen sehr wider ihren Willen mit Tränen süllten. „Ich will Dir keine nutzlosen Vorwürfe machen, Bodo, aber wenn Du vorgestern getan hättest, was Du solltest und