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herM-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 151. Donnerstag, den 34. Dezember 1908.

Erstes Blatt.

Amtlicher teil.

Verordnung der Ministerien des Innern, des Handels, der Finanzen und des Ackerbaues vom 23. Juli 1908, betreffend

die Beschränkung der Einfuhr von Tauben.

Auf Grund des Artikels VII des Vertrags-Zolltarises der beiden Staaten der österreichisch-ungarischen Monarchie (An­lage A des Gesetzes vom 30. Dezember 1907, R. G. Bl. Nr. 278) wird im Einvernehmen mit der königlich ungarischen Regierung die Einfuhr von lebenden Tauben in das Vertrags- Zollgebiet der beiden Staaten der österreich-ungarischen Monarchie von der Beibringung einer ausdrücklichen behördlichen Be­willigung abhängig gemacht.

Diese Bewilligung ist unter Angabe des Namens und Wohnortes des Absenders und Empfängers, sowie der Art und Zahl der Tauben und des Zweckes der Einsuhr bei der politischen Landesstelle des Bestimmungsortes einzuholen.

Die Bewilligung ist bereits beim Grenzübertritte beizu- bringen. Ohne Bewilligung einlangende Sendungen sind zu- rückzuweisen.

Uebertretungen dieser Verordnung werden, abgesehen von einer eventuellen gesällstrasrechtlichen oder nach dem allgemeinen Strafgesetze eintretenden Verfolgung nach Maßgabe der kaiser­lichen Verordnung vom 20. April 1854, R. G. Bl. Nr. 96, geahndet.

Diese Verordnung tritt sofort in Kraft.

Hersfeld, den 16. Dezember 1908.

Vorstehende Verordnung der zuständigen K. K. österreichischen Ministerien vom 23. Juli 1908 teile ich Interessenten des Kreises zur Kenntnisnahme mit.

J. I. 11845 a. Der Königliche Landrat.

I. A.: Fell in g er, Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 21. Dezember 1908.

Unter der Schafherde des Gutspächters Beyer zu Otters­bach. Kreis Ziegcnhain, ist die Räude ausgebrochen.

I. I. 13 043. Der Königliche Landrat.

I. A.: F ell in ger,

Regierungs-Referendar.

nichtamtlicher Ceil.

Weihnachten!

Ganz leise sank die Nacht hernieder, Die heilige, geweihte Nacht; Und aller Herzen rührt sie wieder Mit ihrer alten Zaubermacht.

*

Mit Tannen duft und Kerzenstrahlen

Vetter Heinrich.

Novelle von E. R a t h m a n n.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Von dem Wohnsitz des Oberforstmeisters von Lestwitz trabte schon gegen zehn Uhr ein Hegereiter vor das Haus, der drei Briefe, an Frau Martha Hagen, Herrn Franz Hagen und Fräulein Erika v. Gravenreuth adressiert, abgab und darnach im Gastzimmer des Erdgeschosses und unter Martins Beihilfe einen Offizierskoffer zu packen begann. Und mitten

y Weser Geschäftigkeit erschien Heinrich Hagen, der in Mner -Wohnung zum Morgengruß ein zweites Schreiben seiner Cousine Christine erhalten hatte, nach dem er den von ihr ge­wünschten Besuch nicht länger verzögern mochte.

Der junge Fabrikherr stand nach seinem Eintritt in die Erhalle ein paar Augenblicke still und bemerkte mit einiger Jenvunderung, daß sich keiner der Diener zeigte. Indem er nach der Treppe ging, wurde im Gange links von dieser eine Tür ausgerisien, sein Vetter Franz, in der einen Hand den Hut, in der anderen einen offenen Brief, zeigte sich aus der Schwelle und rief:Du hier, Heinrich? Komme sogleich zu mir herein!"

£Ich wollte zu Christine, die mich erwartet!" entgegnete Hemrich.

Einerlei kommst noch zeitig genug, ihren nassen Jammer zu sehen. Nur ein paar Minuten, Du sollst Wunder­dinge hören", rief Franz.

Heinrich sah in Franzens Zügen einen Ausdruck von Er- 9ung und Verstörung, der ihm in diesem selbstzufriedenen Gesicht ganz neu war.

Er folgte dem Vetter in seine Gemächer und hier sprudelte 'hm Franz, der sich kaum die Zeit ließ, seinen Hut wegzu-

Kam sie auch in das ärmste Haus,

Und tauschte still des Alltags Qualen Mit ihrem holden Frieden aus.

*

Die Liebe schwebt auf gold'nen Schwingen Herab vom hohen Himmelszelt, Und helle Weihnachtsglocken klingen Die Freudenbotschaft in die Welt!

*

O, glücklich, wer im Kreis der Lieben Sich freuen darf der heil'gen Nacht O, glücklich, wem ein Herz geblieben, Das seiner liebevoll gedacht !

Doch wo mit liebeleerem Herzen Ein Mensch, vergessen, einsam wacht, Dem strahlt von fernen Weihnachtskerzen Ein Schimmer in des Herzens Nacht!

Herbert Berthold.

*

Die Weihnachtsglocken klingen in die Welt hinaus, und wir fühlen wieder den mächtigen Zauber des Weihnachtsfestes, in dem deutsches Gemütsleben, nordische Poesie und die hehren Lehren des Christentums eine so innige, die Herzen erhebende und befreiende Vermählung feiern. Die kleinlichen Sorgen des Alltagslebens sind vergessen, die Rücksichtslosig­keiten, die der rastlose, unerbitterliche Kampf ums Dasein zeitigt, haben die Menschen aus eine kurze Zeitspanne wie ein verschlissenes Gewand abgestreist. Wenn am buntgeschmückten Tannenbaume die Lichter im milden Glänze erstrahlen, dann erwärmt sich auch das Herz des Abgehärteten, des noch so arg von den Stürmen des Lebens GeschÄtelten, dann kommt etwas von jenem Weihnachtszauber über ihn, der schon seit einigen Tagen in dem stillen Winkel des Hauses nistete, der uns bei unsern hastigen Straßenwanderungen grüßte und unbemerkt fröhlicher und zufriedener stimmte; es ist ein Stück von jenem Weihnachtszauber, den der Dichter so tresflich in den Versen schildert:

Nun sinnt und sorgt die Liebe,

Und süß ist ihre Müh, Man spürt ein still Getriebe Im Hause spät und früh.

Es ist ein eigenartiges Fest, das liebe Weihnachtsfest, von dem Lenau den berühmten Dominikaner Savonarola predigen läßt:

O Weihnacht, Weihnacht, höchste Feier, Wir fassen ihre Wonnen nicht;

Sie hüllt in ihre heil'gen Schleier Das seligste Geheimnis dicht.

Und etwas Geheimnisvolles ist's in der Tat um dieses Fest, das schon wochenlang vorher eine freudige Bewegung in uns auslöst. In süßer Erinnerung an unserer Kindheit Tage schauen wir zum strahlenden Weihnachtsbaum empor, und mit bewegten Herzen stimmen wir in den Gesang ein, den freudig erregter Kinder Mund ertönen läßt:Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!"

Freilich jener Friede, wie er als ein ewiger, ununter­

legen und dem Eintretenden die Hand zu bieten, hastig ent­gegen:Ich wollte soeben zu Dir hinüber. Was sagst Du, was denkst Du? Ja so Du weißt noch von nichts, ich dachte, Christine hätte Dir schon alles geklagt. Erinnerst Du Dich, was ich Dir gestern über das sogenannte Fräulein Münter erzählte? Eine Menschenfischerin! Menschen- fischerin der gefährlichsten Art, das hat sich rasch ausgewiesen. Stelle Dir vor, daß sie sich unter falschem Namen bei uns eingeschlichen hat, daß sie die Schwester des kahlen Leutnants v. Gravenreuth ist, den wir schon im Hause hatten, daß der Herr Bruder gestern abend den Versuch machte, mir das Fräulein Schwester zur Frau aufzudringen und daß er eben jetzt, nachdem ich sein unerhörtes Ansinnen gebührend zurück­gewiesen, mich vor die Pistole fordert! Was meinst Du zu dem netten Stücklein, Heinz?"

Nichts meine ich, bis ich wenigstens den Brief des Leut­nants gelesen habe", entgegnete Heinrich ruhig, ohne das Miß- gefühl, das ihn ergriff, verbergen zu wollen. Er nahm den Brief, den Franz noch immer in feiner Linken schwenkte. Letz­terer machte zwar eine Bewegung, als ob er den Bries lieber zurückhalten wollte, überließ ihn aber doch dann seinem Vetter.

Heinrich durchlief die Zeilen rasch: der Leutnant v. Gra­venreuth schrieb in dem Briese, daß er als einzige, obwohl unzureichende Entschuldigung der frevelhaften Beleidigung, die Herr Franz Hagen gegen seine Schwester verübt, den Umstand ansehe, daß Fräulein v. Gravenreuth als Fräulein Erika Münter unter dem Namen ihrer Mutter im Hagenschen Hause verweilt habe. Doch auch, wenn die junge Dame eben ein Fräulein Münter und eine beliebige Gesellschafterin des kranken Fräuleins Christine Hagen gewesen sei, würde er Herrn Franz Hagens Verhalten unritterlich und unwürdig finden, sich die Freiheit nehmen, es überall so zu be­zeichnen und stehe, sofern sich der Empfänger dieses Briefes

brochener, von keinen Leidenschaften und Zank und Streit, ge­trübter der Menschheit verheißen, von ihm sind wir ja leider noch recht weit entfernt. Aber den Frieden im engeren, kleineren Kreise, den Frieden in uns selbst zu schaffen, dazu ist so recht das Weihnachtsfest geeignet. Inneren Seelenfrieden, der aus einem zufriedenen Herzen, aus ruhigem Gemüte, aus einer gefestigten und von genügsamer Freudigkeit durchzogenen Lebensanschauung entspringt, der weder den Reichtum be­neidet noch der Armut vergißt, der die Unebenheiten des Lebens als das Natürliche, Unabänderliche ansieht und neben ihnen sich der zahlreichen sonnigen Tage, die es jedem Menschen bietet, zu ersreuen vermag. Für diese Menschen, die sich weder Pessimisten noch Optimisten, weder Idealisten noch Realisten nennen, die einfach Menschen unter Menschen sein wollen, wird auch das Weihnachtsfest seines goldigen Schimmers nimmer entbehren, sür sie wird es ein wahres Fest des inneren Seelenfriedens sein und bleiben.

Und den Menschen ein Wohlgefallen!" Das Weih­nachtssest ist auch das Fest der allgemeinen Menschenliebe, jener Menschenliebe, die in Wort und Tat zum Ausdruck kommt; es ist das Fest, an dem die Herzen höher schlagen und die Augen freudiger leuchten in dem erhebenden Gefühle, seinen Mitmenschen Freude zu bereiten und so der höchsten Freude teilhaftig zu werden. Denn der Menfch ist nie fo gut, als wenn er fröhlich ist, und die schönste, herzinnigste Fröhlichkeit, sie entspringt dem Wohltun, der werktätigen Nächstenliebe. Gerade dadurch, daß wir an dem Feste, das für uns selbst ein Tag der Freude ist, auch der Freudelosen, der Armen und Darbenden gedenken, erhält das fröhliche Weihnachtssest seine schönste Weihe. Darum

Klingt, ihr hellen Weihnachtsglockeu, Klinget in die Welt hinaus! Tragt der Nächstenliebe Frieden, Traget ihn in jedes Haus!

Mag der Herzen zages Bangen Unter eurem Klang vergeh», Mag aus heller Weihnachtsfreude Frisches Leben froh erstehn!

Südwestafrika.

In Rehoboth ist am 15. November die neue St. Paulus- Kirche, zu der am 13. Juni 1907 der Grundstein gelegt wurde, eingeweiht worden. Wie die Windhuker Nachrichten mitteilen, tritt das vom Missionsbautechniker Diehl erbaute Gotteshaus an die Stelle der im Jahre 1847 vom Missionar Kleinschmidt erbauten Kirche. An der Einweihung, die Missionar Eich vollzog, nahm Major v. Heydebreck, als Stellvertreter des Gouverneurs, mit Gemahlin teil. Der Turm, der auf Kosten der Gemeinde erbauten Kirche ist 30 Meter hoch, die Länge des Gebäudes beträgt 35 Meter, die Breite 12,50 Meter, die Höhe bis zur Dachfirst 11 Meter. Für 800 Personen sind Sitzplätze vorhanden. Die Bausumme beträgt 30 000 Mk., mit den Leistungen der Gemeinde bei Herbeischaffen des Baumaterials rc. etwa 45 000 Mk. Ein Lager gediegenen Schwefels ist bei Warmbad gefunden. Seine Mächtigkeit und Abbauwürdigkeit ist aber bisher noch nicht festgestellt. Die Lagerstätte ist der Absatz einer alten

dadurch beschwert finde, ihm zu Diensten und erwarte eine bezügliche Botschaft Herrn Hagens binnen der nächsten beiden Tage im Hause des Obersorstmeisters v. Lestwitz zu Wolfeck.

Heinrich hatte augenblicklich den Eindruck, daß die Dinge sich anders verhielten, als der vor ihm stehende, vor Zorn zitternde Vetter sie erzählt hatte, glaubte auch zu erraten, in welcher Weise Franz den jungen Offizier und dessen Schwester beleidigt habe, immer aber blieb die Tatsache bestehen, daß die Dame unter einem andern als ihrem eigentlichen Namen ins Haus eingetreten sei.

Der Fabrikherr wußte sich selbst nicht klar zu machen, was ihm hierbei so besonders peinlich sei und ihn gleichsam per­sönlich schmerze. Ein dunkles Gefühl geheimer Teilnahme, die ihm vorgestern beim ersten Begegnen der Leutnant v. Graven­reuth eingeflößt hatte, der Name Erika, der ihm heilig war und den er durch keine schlimme Erinnerung und nicht ein­mal durch den Zufall des Alltags entweiht sehen mochte, ein paar rätselvolle Stellen aus dem Brief, den ihm gestern abend Christine noch geschrieben hatte, Gedanken, die erst in der letzten Minute erwacht waren, Mitleid mit der herben Ent­täuschung, die Christine erfahren haben mußte--alles wogte zu einer Erregung zusammen, die ihn plötzlich durch- drang.

Dazwischen hörte er Vetter Franz in verächtlichem Tone weiterreden:Der Narr kann zwei Jahre bei dem alten Bären in Wolseck warten, wenn er meint, daß ich mich als Scheibe für seine Kunst im Pistolenschießen stellen soll! Ich werde mir auf eine andere Weife Genugtuung verschaffen, die Herrn Bodo v. Gravenreuth etwas empfindlicher sein soll, als ein Duell, da§ er wohl mehr oder minder zu seinem Handwerk rechnet."

Heinrich Hagen hörte die Drohworte und spürte nicht