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hersMer Kreisblatt

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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 148.

Donnerstag, den 17. Dezember

1908.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 11. Dezember 1908.

Die Herren Bürgermeister des Kreises mache ich aus die in einer der nächsten Nummern des Amtsblatts zum Abdruck kommende Anweisung des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe vom 15. November 1908 betr. das Verfahren vor den unteren Verwaltungsbehörden in Jnvalidenversicherungs- sachen (§ 57 bis 64 des I. V. G.) mit dem Ersuchen aufmerksam, sich mit ihr alsbald vertraut zu machen. Sie tritt an Stelle der Anweisung v. 15. November 1904 und findet auf alle nach dem 31. Dezember d. Js. eingehenden Anträge Anwendung.

I. 12599. Der Königliche Landrat.

I. A.: Fellinger, Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 14. Dezember 1908.

Der Herr Oberpräsident hat dem Magistrat zu Fulda zu der am 4. März 1909 beabsichtigten Verlosung von Pferden, Wagen, Ackergeräten, landwirtschaftlichen Mafchinen, Haus­geräten und Fahr- und StallUtensilien zum Besten der Hebung des Fuldaer PferdemarkteS die Genehmigung erteilt.

Der Vertrieb der Lose findet in den Kreisen Fulda, Geln- hausen, Hanau, Stadt und Land, Gersseld, Schlächtern, Hünseld, H e r s f e l d, Rotenburg und Eschwege statt.

Die Ortspolizeibehörden ersuche ich, dafür zu sorgen, daß dem Vertrieb der Lose im hiesigen Kreise keine Hindernisse bereitet werden.

I. 12 739. Der Königliche Landrat.

I. A.: Fellinger, Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 10. Dezember 1908.

Der Bürgermeister Groll von Gittersdorf hat fein Amt als Schlachtvieh-, Fleisch- und Trichinenbeschauer niedergelegt. An seine Stelle ist der Landwirt Adam Groll von Gittersdorf heute eidlich verpflichtet worden.

I. 12 660. Der Königliche Landrat.

J. A.: Fellinger, Regierungs-Referendar.

Hersseld, den 12. Dezember 1908.

Unter dem Schweinebestande des J. Eckhard zu Niederaula ist die Rotlaufseuche ausgebrochen. I. 12 722. Der Königliche Landrat.

I. A.: Fellinger,

Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 12. Dezember 1908.

Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Wilhelm Kothe zu Hersfeld ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 12680. Der Königliche Landrat.

I. A.: Fellinger, Regierungs-Referendar.

nichtamtlicher teil.

Die Diamantensunde in Deutsch-Südwest- Astika.

Als seinerzeit die Kunde zu uns kam, daß bei Lüderitz- bucht in unserer südwestafrikanischen Kolonie Diamanten ge­sunden worden seien, tauchten zunächst mehrsach Zweifel an der Richtigkeit dieser Nachricht aus, oder man war auch wohl der Meinung, daß es sich nur um vereinzelt vorge­kommene Diamanten von geringem Wert handele. Als dann weitere Funde gemacht wurden, schwächten sich die erhobenen Zweifel schon erheblich ab, und nach den neuesten Meldungen scheinen die Diamantenfunde bei Lüderitzbucht doch von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit zu sein. So hat kürzlich ein Windhuker Bürger die Diamantenselder besucht und das dort Gesehene alsunglaublich großartig" bezeichnet. Ueber die gewonnenen Eindrücke hat er denWindhuker Nachrichten" berichtet, und seine Mitteilungen sind so interessant, daß wir einiges daraus mitteilen.

Insgesamt arbeiten jetzt vier Syndikate aus den der Kolonialgesellschast für Südwestasrika gehörenden Schürs- gebieten. Auf dem Schürffelde Charlottental ist ein Weißer mit sechs Ovambos tätig; auf dieser Seite werden täglich bei gutem Wetter durchschnittlich 70 Karat Diamanten gewonnen; es sind über auch bereits 84 Karat an einem Tage gewonnen worden. Dabei ist die Methode der Gewinnung sehr primitiv. Sie besteht darin, daß der aus Kies und Sand bestehende Grund der Oberfläche mit Schaufeln gegen ein schräg stehen­des Sandsieb geworfen wird. Der grobe Stoff wird dann 111 einem runden Siebe in einer Wasserwanne durchgeschüttelt und durchgewaschen; dadurch gelangen die nur kleinen Dia­manten auf den Boden des Siebes. Dann wird der Inhalt

umgestülpt und die Diamanten, die nun obenauf liegen, aus­gelesen. Wie viele Diamanten auf diese Weise dem Sucher entgehen, zeigt der Umstand, daß aus der Schürsstelle des Bahnmeisters Stauch, wo bereits mit einer Handwaschmaschine gearbeitet wird, die tägliche Ausbeute mehr als Doppelte, nämlich 150 bis 200 Karat beträgt.

Die Größe der Diamanten ist zwar gering, höchstens sieben achtel Karat Gewicht das Stück, doch werden auch Steine von einem halben Karat in genügender Menge ge­funden. Die Qualität ist erstklajsig, die Farbe ein klares, ungetrübtes Weiß, oft mit leicht gelblichem Anhauch. Ein kapischer Händler Herz, der in Lüderitzbucht wohnt, ist der Käufer; er zahlt 21 Mark für das Karat. In einem Monat wurden im ganzen 2687 Karat zum Preise von 56427 Mark verkauft. Wie aus der Art der Gewinnung hervorgeht, sind ihre Kosten im Verhältnis zum Gewinn ganz geringe. Schwierigkeiten bildete anfangs die Beschaffung des Wassers zum Waschen der Steine und auch zum Trinken für Mensch und Tier; Bohrversuche aus b;m Diamantenfelde haben aber ein ganz erstaunlich günstiges Ergebnis gehabt und Wasser in genügender Menge zutage gefördert. Allerdings war das Wasser anfangs salzhaltig, hat aber, je mehr es ausgeschöpft wurde, immer mehr an Salzgehalt verloren, so daß es wenigst ns für Tiere genießbar ist.

Das bis dahin ganz wertlose Gelände beim Bahnkilometer 15 hat natürlich jetzt einen unbezahlbaren Wert erhalten. Für ein Schürffeld, für das ursprünglich 63 Mark gezahlt wurden, werden jetzt 10000 Mark geboten; aber kein Inhaber gibt das seinige her. Selbstverständlich ist jetzt, da das ganze Diamantenfeld belegt und cMesteckt ist, auch das Lüderitz- buchter Diamantfieber erloschen. Lüderitzbucht hat sein ge­wöhnliches Alltagsaussehen wiedergewonnen; auch die glück­lichen Inhaber von Schürsscheinen gehen ruhig, als wäre ihnen kein Glückslos in den Schoß gefallen, ihrer gewohnten täglichen Beschäftigung nach. Nur die amtlichen roten Warnungs­plakate an den Straßenecken, die den Ankauf von unrecht­mäßig erworbenen Diamanten auf Grund des Hehlereipara- graphen des Strafgesetzbuches mit Strafen bis zu fünf Jahren Gefängnis bedrohen, weisen darauf hin, welches ungeheure Wunder sich in der Nähe der Stadt ereignet hat.

Aus ]n- und Ausland.

Berlin, den 15. Dezember 1908.

Se. Majestät der Kaiser speiste gestern abend in Potsdam bei dem Offizierkorps des Leib-Gardehusaren- regimentS. Heute vormittag hörte Se. Majestät im Neuen Palais bei Potsdam die Vorträge des Chefs des Marinekabinetts und des Chefs des Admiralstabes der Marine. Zur Frühstückstasel bei Ihren Majestäten war Staatssekretär v. Echoen geladen.

Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Beratung der Lehrerbesoldungsgesetze trat heute vormittag in die Beratung des § 4 a ein, der unverändert blieb. Die §§ 5 und 6 wurden einstimmig angenommen. Die Alterszulagen für Lehrer betragen danach 2mal 200, 2mal 250, 5mal 200 M., für Lehrerinnen 3mal 100, 5mal 150, 1mal 200 M. Eine längere Debatte entspann sich über § 8, die Alterszulagenklaffe betreffend. Schließlich wurde aber der Kompromißantrag an­genommen. Ohne wesentliche Debatte wurden auch die §§ 9, 10 und 11 angenommen. Zu § 11 (Anrechnung der Dienst­zeit an Privatschulen) lag ein Antrag vor, daß auch solche Schulen, welche über das Ziel der Volksschulen hinausgehen, sofern sie die Gegenstände der Volksschule mit behandeln, die Vergünstigung haben sollen, daß ihren Lehrern der Uebertritt an die Volksschulen gegen Nachzahlung der Alterszulagenkassen- beträge gestattet fein soll. Die §§ 12 bis 15 wurden ohne Debatte angenommen.

Zur Konkurrenzklausel wird derNat.-Ztg." von zuverlässiger Seite mitgeteilt, daß in dieser Reichstagssession eine entgültige Entscheidung der verbündeten Regierungen über die künftige Gestaltung der Klausel nicht mehr zu erwarten sei. Die Frage ist über das Stadium der Er­wägungen noch nicht hinausgekommen. Erst nach Beratung der Reichsfinanzresorm und des Etats tritt das Reichsjustizamt der Frage der Konkurrenzklausel wieder näher.

Vor kurzem hat sich ein Kammergerichtsurteil eingehend mit der Abstellung übelriechender Benzindüfte bei Automobilen befaßt. Das Urteil besagt, daß der Kraftwagensührer während der Fahrt sich dauernd zu überzeugen hat, daß fein Fahrzeug nicht derartige Gerüche von sich gibt. Sobald er bemerkt, daß in dieser Beziehung nicht alles in Ordnung ist, muß er den Wagen zum Halten bringen und sofort für Abstellung des Uebelstandes sorgen. Gelingt es ihm nicht, hierin Wandel zu schaffen, so muß er unverzüglich nach Hause fahren. Vom gesundheitlichen Stand­punkte aus ist dies Urteil nur mit Freude zu begrüßen.

Von der französischen Fremdenlegion an der algerisch-marokkanischen Grenze wird ein meuterischer Akt ge­meldet. In dem befestigten Grenzplatze Colomb-Bechar hielten 50 Fremdenlegionäre einen Eisenbahnzug, in welchem sich

General Vigy befand und zwangen ihn zum Zurückfahren, worauf sie flohen. Sie wurden hierbei von einem ihrer Ka­meraden gejährt, welcher eine gestohlene Leutnantsuniform trug. Ihre Flucht ging über die marokkanische Grenze; die zu ihrer Versolgung entsandten Truppen verhafteten vier der meuterischen Fremdenlegionäre, die übrigen sind wahrscheinlich entkommen. Ueber die Meuterei werden noch folgende Einzel­heiten berichtet: Der Zug war um 1 Uhr Nachts in der Nähe der Station Bu Reschid eingetroffen, als der Lokomotivführer auf dem Gleis eine rote Laterne erblickte und den Zug bremste. In demselben Augenblicke tauchten zu beiden Seiten des Zuges bewaffnete Fremdenlegionäre auf; die einen umzingelten die aus der Lokomotive befindlichen Zugbediensteten; die anderen besetzten mit ausgepflanztem Bajonett sämtliche Waggonausgänge. Einer der Legionäre trug eine Leutnantsunisorm. Unter den aus Militär- und Zivilpersonen bestehenden Reisenden entstand eine große Bestürzung. General Vigy, welcher in Zivil war, rief den Meuterern zu, er wolle mit ihrem Führer sprechen. Doch kümmerte sich niemand um seine Aufforderung. Oberst Bouillon, welcher Uniform trug und gleichfalls mit den Auf­rührern verhandeln wollte, wurde mit dem Bajonett bedroht und gezwungen, in den Wagen zurückzukehren. Der Anführer der Meuterer befahl hierauf dem Maschinisten zurückzufahren, und als dieser einen schriftlichen Auftrag verlangte, schrieb der Anführer eine Note, welche er mitDe Pal, Leutnant 25. Kompagnie des 2. Fremdenregiments" unterzeichnete. Die Fremdenlegionäre bestiegen hierauf den Zug, der die Rück­fahrt antrat. Gegen 3 Uhr morgens, kurz vor El Bilda, gab der angebliche Leutnant Befehl, zu halten. Alle Legionäre stiegen aus. Die Meuterer verschwanden dann in geschlossenen Reihen in südwestlicher Richtung. Der Zug, der alles Brenn­material aufgebraucht hatte und mit Bahnschwellen geheizt werden mußte, setzte nun die gewaltsam unterbrochene Fahit nach Oran fort, wo er gegen 1 Uhr mittags eintraf. Die Untersuchung hat bisher ergeben, daß die Fremdenlegionäre am Sonntag abend Ain el Hadjar verlassen, zwei Kisten mit Patronen mitgenommen und Telegraphendrähte zerschnitten hatten. Ihr Führer hatte eine vollständige Leutnantsunisorm gestohlen. Zahlreiche Gendarmen und Truppen wurden auf­geboten, um in Eilmärschen die Legionäre zu verfolgen. Vier von ihnen sind bereits festgenommen. Sie erklärten, daß die übrigen Kameraden, 45 an der Zahl, sich bis zum letzten Blutstropfen verteidigen würden.

Nach einer Meldung aus Buenos Aires wird Konter­admiral Scott, der mit einem englischen Geschwader von fünf Kreuzern in Montevideo eingetroffen ist, demnächst auch Buenos Aires einen Besuch abstatten, um die argentinische Regierung zu begrüßen. Daily Telegraph meldet: Mit Rück­sicht daraus, daß die britische Flagge an den beiden Küsten von Zentralamerika gezeigt wird, und wegen des bemerkens­werten Erfolges der Kreuzfahrt des ersten Kreuzergeschwaders unter dem Vizeadmiral Scott, hat die Admiralität Befehl ge­geben, daß noch zwei Geschwader in den südamerikanischen Gewässern kreuzen sollen. Shearwater und Algerine werden an der Westküste von Zentralamerika kreuzen, Cambrian und Flora werden die mehr südlich gelegenen Häsen der pazifischen Küste von Südamerika anlaufen. Ebenso wird der Kreuzer Pelorus, der auf der Heimfahrt von Südafrika begriffen ist, die Ostküste Südamerikas besuchen. Diese Schiffe stellen ein größeres und mächtigeres englisches Geschwader par, als es je in diesen Gewässern gesehen worden ist.

Das Standrecht für Prag und Vororte und das gleichzeitig erlassene Verbot des Farbentragens für die dortigen deutschen Studenten sind am Dienstag wieder ausgehoben worden. Einstweilen halten die Präger Tschechen noch Ruhe.

Aus London, den 14., wird berichtet: Von dem ge­schützten Kreuzer Amethyst, der in Portmouth für seine Aus­fahrt im Anfang nächsten Jahres zum Dienst an den Küsten Südafrikas und Südamerikas bereitgestellt wird, sind Teile der Visierapparate eines 12 Ztm.-Geschützes über Bord ge­worfen worden. Als der Tat verdächtig wurden drei Mann verhaftet. Eine allgemeine Mißstimmung scheint an Bord des Amethyst nicht zu bestehen. Die Visierapparate find bereits wieder geborgen worden.

Nachrichten aus Serbien zusolge haben sich die serbischen Kriegs rüst ungen letzter Tage derart verschärft, daß bereits in den nächsten Wochen ein Einfall nach Bosnien zu erwarten ist. Die meisten Truppen haben durch die Einberufung der Reservisten bereits volle Kriegs­stärke erhalten. Die Freiwilligenkorps werden eifrig aus­gebildet. Zahlreiche Agitatoren, worunter englische Agenten, bereisen das Land, wiegeln die Bevölkerung auf und verbreiten die Ansicht, daß die österreichischen Truppen für einen Winter- feldzug ungeeignet seien.

Präsident Castro von Venezuela ist am Montag abend aus Paris über Köln kommend, in Berlin ein­getroffen. Der interessante exotische Gast wurde bei der An­kunft auf dem Bahnhose vom diplomatischen Vertreter Vene­zuelas und vom Konsul Nachod empfangen und fuhr dann nach seinem Absteigequartier, dem Hotel Esplanade, wo er die aus 35 Zimmern bestehende Fürstenwohnung bezog. Er