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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 146. Sonnabend, den 12. Dezember 1908.

Erstes Blatt.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 9. Dezember 1908.

Die Herren Bürgermeister des Kreises, welche meine Ver- sügung vom 24. v. Mts. I. 11915 Kreisblatt Nr. 141 betr. die Einreichung der tabellarischen Aufzeichnungen über die Ergebniffe der diesjährigen polizeilichen Maaß- und Gewichts- Revisionen noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist von längstens 5 Tagen erinnert.

I. 11915. * Der Königliche Landrat.

I. A.: F e l l i n g e r, Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 7. Dezember 1908.

Unter dem Schweinebestande des Rittergutsbesitzers v. Bodenhausen in Kleinensee ist die Rotlausseuche ausgebrochen. I. 12 447. Der Königliche Landrat.

J. A.: F e l l i n g e r, Regierungs-Referendar.

An der Königl. Lehranstalt für Wein-, Obst- und Garten­bau zu Geisenheim a. RH. finden im Jahre 1909 folgende Unterrichtskurse statt: 1. Oeffentlicher Reblaus-Kursus am 18., 19. und 20. Februar, 2. Obstbau-Kursus vom 18. Februar bis einschl. 10. März, 3. Baumwärter-Kursus vom 18. Februar bis einschl. 10. März, 4. Obstbaunachkursus vom 26. bis einschl. 31. Juli, 5. Baumwärternachkursus vom 26. bis einschl. 31. Juli, 6. Obstverwertungskursus für Frauen vom 2. bis 7. August, 7. Obstverwertungskursus für Männer vom 9. bis 19. August, 8. Analysenkursus vom 4. bis 14. August, 9. Hefe- kursus vom 16. bis 27. August. Das Unterrichtshonorar be­trägt : für Kursus 1: nichts, für Kursus 2 und 4: für Preußen 20 Mk., für Nichtpreußen (auch Lehrer) 30 Mk. Preußische Lehrer sind frei. Personen, die nur am Nachkursus (Nr. 4) teilnehmen, zahlen 8 Mk., Nichtpreußen 12 Mk., für Kursus 3 und 5: Preußen sind frei; Nichtpreußen zahlen 10 Mk. und wenn sie nur am Nachkursus (Nr. 5) teilnehmen 5 Mk., für Kursus 6 und 7: für Preußen je 6 Mk., für Nichtpreußen je 9 Mk., für Kursus 8 und 9: für Preußen je 20 Mk., für Nichtpreußen je 25 Mk., wozu noch 20 Mk. für Gebrauchs­gegenstände und 1 Mk. für Bedienung kommen.

Anmeldungen sind zu richten bezüglich der Kurse 2 bis 7 an die Direktion der Königl. Lehranstalt, bezüglich des Kursus 9 an den Vorstand der pflanzenphysiologischen Versuchsstation der Königl. Lehranstalt und bezüglich des Kursus

8 an den Vorstand oenochemischen Versuchsstation der Königl. Lehranstalt.

Wegen Zulassung zum Reblauskursus (Nr. 1) wollen sich Preußen an den Herrn Oberpräsidenten der Provinz ihres Wohnsitzes, Nichtpreußen an ihre Landes-Regierung wenden.

Weitere Auskunft ergeben die von der Anstalt kosten­frei zu beziehenden Satzungen.

Geisenheim» den 18. November 1908.

Der Direktor Professor Dr. W o r t m a n n, Geh. Reg.-Rat.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Der d e u t s ch e R e i ch s t a g ist in die Weihnachtsferien gegangen. Kurz zuvor erreichten seine Verhandlungen noch den Höhepunkt des verflossenen Tagungsabschnittes mit einer Rede des Reichskanzlers Fürsten v. Bülow über die auswärtige Lage. Wie alle politischen Reden des Fürsten Bülow, so war auch diese wieder ein Meisterstück vorsichtiger und wohldurch­dachter Darlegung der Gesamtverhältnisse. Wer freilich von ihr sensationelle Enthüllungen erhofft hatte, der ist nicht auf seine Kosten gekommen, aber gerade in ihrer Nüchternheit und Sachlichkeit entsprachen die Ausführungen des Reichskanzlers durchaus den Erfordernissen der Situation und den Interessen unseres Vaterlandes. Bemerkenswert erscheint der warme Freundschastston gegenüber Oesterreich sowie die Friedenstendenz, die das Ganze durchzog. Ganz naturgemäß hat daher die Rede unseres Reichskanzlers auch besonders in Oesterreich einen freudigen Widerhall gesunden, aber auch die Preßorgane des übrigen Auslands sowie des Inlands sind fast durchweg aus Anerkennung und Billigung gestimmt.

Im europäischen Orient erscheint die Lage nach wie vor gespannt. Der Boykott der österreichischen Waren seitens der Türkei dauert fort und hat neuerdings sogar noch dadurch eine Verschärfung erfahren, daß nunmehr auch die anderswo erzeugten Waren, sofern sie nur auf österreichischen Schiffen transportiert werden, der Boykottierung unterliegen. Ebenso erhält Serbien seine provokatorische Haltung gegen Oesterreich aufrecht und unterstützt Montenegro mit Waffen und Geld. Ob überhaupt und eventuell wann ein Kongreß

stattfinden werde, steht noch keineswegs fest. Kurz, das alles gibt ein unklares und unerfreuliches Bild, das für Oesterreich durch die inneren Wirren noch mehr verdüstert wird. Gerade im gegenwärtigen Augenblicke, wo das Donaureich die Konzen­tration aller seiner Kräfte nötig hätte, ist die Ansachung natio­naler Leidenschaften unverantwortlich, und man kann dem österreichischen Ministerpräsidenten Freiherrn von Bienerth die zornige Erregung nachsühlen, mit der er jüngst im österreichischen Abgeordnetenhause gegen die Urheber des nationalen Haders ausgetreten ist. Aber freilich Worte allein tun es nicht. Besser vielmehr kann es auf die Dauer nur werden, wenn die öster­reichische Regierung ein für alle Mal mit dem System des steten Zurückweichens vor der tschechischen Insolenz bricht.

In den Vereinigten Staaten von Nordamerika hat Präsident Roosevelt dem Kongreß eine Botschaft zugehen lasten, in der die mannigfachsten Gegenstände ihre Erörterung finden. Für die Behandlung der Trusts wird der Gesetzgebung die mittlere Linie empfohlen und jedes radikale Vorgehen verworfen. Ferner enthält die Botschaft einen starken sozialpolitischen Ein­schlag, und es wird eine Reihe von Forderungen zur Auf­besserung der Lage des Lohnarbeiterstandes geltend gemacht. Insbesondere richten sich die Bestrebungen Roofevelts aus Schaffung einer ausreichenden Unsallsürsorge. Interessant ist das in dieser Hinsicht gemachte Geständnis:In keiner andern Beziehung ist unsere Gesetzgebung, sowohl die der Staaten als auch die des Bundes, so weit hinter der ganzen zivilisierten Welt zurück wie in der Frage der Haftung und der Ent­schädigung bei gewerblichen Unfällen." Unsere Lobredner der Republik können aus folchem Eingeständnisse wieder einmal lernen. Zum Schlüsse en^M -Lird in der Botschaft die Ver­mehrung der amerikanischen Flotte verlangt. Die Friedens- schallmeien Berta v. Suttners und ihres Anhanges scheinen also auch jenseits des Ozeans noch immer kein williges Gehör zu finden.

In I t a l i e n endlich hat die große parlamentarische Rede­schlacht um die auswärtige Politik einen Verlauf genommen, mit dem man auch in Deutschland wohl zufrieden sein dars. Der Minister des Auswärtigen Tittoni hat seine Sacke und die Italiens mit gewohnter Sicherheit, Klarheit und Gründ­lichkeit geführt und den verdienten Lohn in Form eines feier­lichen Vertrauensvotums empfangen. Die Bedeutung der Ab­stimmung über die auswärtige Politik wird erhöht durch die Umstände, unter denen sie erfolgte: trotz der Erregung der öffentlichen Meinung Italiens durch die Wiener Unversitäts- Streitigkeiten, trotz der wochenlangen Hetze gegen Oesterreich wegen der Angliederung Bosniens hat der Minister, der bei diesem letzteren Ereignis dem verbündeten Staate ohne Zaudern seinen Beistand lieh, ein Vertrauensvotum erhalten. Die Volks­vertretung Italiens hat damit gezeigt, daß sie weiß, wie man Politik machen muß, nämlich nicht im Ueberwallen der Empfindung, sondern mit klarem Kopf.

Reichstag.

Der Reichstag genehmigte am Mittwoch debattelos daS deutsch-österreichische Uebereinkommen über den gegenseitigen Rechtsschutz in dritter Lesung. Dann trat er in die dritte Lesung des vom Schutze der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter handelnden Teiles der Gewerbeordnungsnovelle ein. Es fand zunächst eine allgemeine Debatte statt, in welcher namentlich die sächsischen Abgeordneten Günther (fr. Volksp.) und Stresemann (nat. lib.) Klagen und Wünschen der sächsischen Industrie betreffs des vorliegenden Gesetzentwurfes Ausdruck verliehen. In der Spezialberatung genehmigte das Haus § 137 (Maximalarbeitszeit für Arbeiterinnen an Sonn­abenden) in der Kommissionsfassung, hieß also den acht­stündigen Arbeitstag gut, ebenso den von der Kommission neubeschlossenen § 137a (Mitnahme von Arbeit nach Hause), gleichfalls in der Kommissionsfassung. Nach längerer Er­örterung der in den Paragraphen 138a und 139a mit ent­haltenen Bestimmungen über die Ausnahmstage wurden diese Paragraphen nach einem Anträge ManzStresemann ange­nommen, dem zufolge die Höchstzahl der Ausnahmetage für verlängerte Arbeit auf 50 im Jahre festgesetzt wird. Der Rest des Entwurfes wurde ohne wesentliche Debatte ange­nommen, worauf der Reichstag den Entwurf mit den be­wirkten Abänderungen in der Gesamtabstimmung definitiv ge­nehmigte. Hieraus wurde die allgemeine Etatsdebatte fort­gesetzt. Sie führte an diesem Tage neben dem freisinnigen Abgeordneten Schrader nicht weniger als drei Regierungsver­treter auf den Plan. Der Staatssekretär des Innern von Bethmann-Hollweg legte in längerer Rede seine Auffassung vom Vereinsgesetze und speziell vom Spracheuparagraphen dar, der Staatssekretär des Reichspostamtes Kraetke wies mehrere Angriffe gegen sein Ressort zurück und der Kolonial- staatssekretär Dernburg ließ sich über die englische Blätter­nachricht aus, er habe versucht, während seines Aufenthaltes in Deutsch-Südwestafrika die Walfisch-Bai für Deutschland käuflich zu erwerben. Herr Dernburg bezeichnete diese Nach­richt als dreiste Erfindung. Am Donnerstag beriet der Reichstag den Etat in allgemeiner Debatte weiter.

Die" Reichstagskommission für die Reichs­

finanzreform nahm am Mittwoch bei der weitergeführten Be­sprechung der Frage der Matrikularbeiträge die freisinnige Resolution betreffs einer Veredelung der Matrikularbeiträge an. Im übrigen sprach sich die Kommission einhellig dafür aus, daß die Matrikularbeiträge der Jahre 1906, 1907 und 1908 in Gesamthöhe von 1443A Millionen Mark aus der Bedarfsberechnung des Reichsschatzsekretärs auszuscheiden seien, ohne indessen gleichzeitig Beschlüsse über die Deckung dieses Ausfalles zu fassen.

Der Reichstag ist nach Schluß der Donnerstag-Sitzung in feine Weihnachtsserien gegangen, nachdem er zuvor den Etat in erster Lesung durchberaten hatte. In dem kurzen Abschnitte seiner Tätigkeit von seinem Wiederzusammentritte am 4. November bis zum Beginne der parlamentarischen WeihnachtsPause sind vom Reichstage im wesentlichen neben der allgemeinen Etatsberatung noch die ersten Lesungen der Reichsfinanzresorm, des Weingesetzes, der Vorlagen über die Automobilhaftpflicht und die Reform des Amtsgerichtsver­fahrens, ferner die Jnterpellationsdebatten über das Kaiser­interview und über das Unglück von Radbod, sowie die Ver­handlungen über die Anträge betreffs der Ministerverantwort- lichkeit erledigt worden. Definitiv verabschiedet und erledigt wurden die Vorlage über den Schutz der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter und einige kleinere Sachen. Jedenfalls wird erst der Sensationsabschnitt nach Neujahr die parla­mentarische Hauptarbeit für den Reichstag bringen.

Abgeordnetenhaus.

Das Abgeordnetenhaus '.schästigte sich, am Donnerstag mit der Interpellation des Zentrumsabgeordneten Trimborn, betreffend die Linderung der Arbeitslosigkeit, und den An­trägen der Abgg. Aronsohn und Genossen (freis. Vgg.) be­treffend die schleunige Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten zur Hebung des Arbeitsmarktes, sowie des Hospitanten der konservativen Partei Abg. R a h a r d t, betreffend die schleunige Vergebung öffentlicher Arbeiten. Das Interesse des Hauses an der brennenden Frage verriet sich durch starken Besuch. Am Regierungstisch wohnten Handelsminister Delbrück und der Minister der öffentlichen Arbeiten Breitenbach den Ver­handlungen bei. Auf Vorschlag des Abg. v. HeYdebrand (kons.) beschloß das Haus zunächst die Besprechung der Inter­pellation mit der der beiden Anträge der schnellen Erledigung halber zu verbinden. Minister Delbrück erklärte sich zur so­fortigen Beantwortung der Interpellation, nicht aber auch der Initiativanträge bereit, da die Regierung zu solchen Anttägen nicht sofort bei ihrer Beratung Stellung zu nehmen Pflege.

Aus Jn- und Ausland.

Berlin, den 10. Dezember 1908.

Se. Majestät der Kaiser machte gestern vormittag noch einen Ausritt. Zur Frühstückstafel bei Ihren Maje­stäten waren geladen Oberpräsident Frhr. v. Schorlemer und Botschafter Gras v. Bernstorff. Heute vormittag hörte Se. Majestät der Kaiser im Neuen Palais bei Potsdam die Vor- träge des Kriegsministers, des Chefs des Generalstabes der Armee und des Chefs des Militärkabinetts.

Eine soziale Verordnung des preußischen Kriegs Ministeriums verfügt, daß von den Direktionen der Militärwerkstätten in Spandau alle dort beschäftigten Ar­beiterinnen, die als junge Mütter ihre Säuglinge selbst stillen, täglich einen dreistündigen Urlaub erhalten müssen. Zugleich hat der Minister angeordnet, daß diese Arbeiterinnen ttotzdem den vollen Tagelohn erhalten. Ein Lohnabzug darf für die Stillzeit unter keinen Umständen erfolgen.

Ueber den deutschen Handel mit Argentinien sind soeben die amtlichen Daten veröffentlicht worden. Danach sind in den letzten neun Monaten für ungefähr 117 Millionen Mark Waren von Deutschland in Argentinien eingesührt und für ungefähr 105 Millionen Mark aus Argentinien nach Deutschland ausgeführt worden. In Wirklichkeit sind diese Ziffern höher, da in ihnen der Durchgangsverkehr über Ant­werpen und Rotterdam nicht einbegriffen ist. Die Gesamt­einfuhr Argentiniens betrug 811 Millionen Mark, die Gesamt- ausfuhr 1205 Millionen Mark. Die Einwanderung nimmt zu; allein im Oktober sind 48 510 Einwanderer ange­kommen.

Die Sammlung des Kronprinzen und der Kronprin­zessin für die Hinterbliebenen der Verunglückten aus Zeche Radbod schließt am 15. d. M., damit vor Weihnachten noch das Resultat sestgestellt werden kann.

Der tschechische Schul streik in Nordwestböhmen ist jetzt in vielen Gemeinden ein vollständiger, während in den Bezirken Aussig und Teplitz 90 v. H. der tschechischen Kinder dem Unterricht fernbleiben und damit den Schulbetrieb un­möglich machen. Die nun von einzelnen tschechischen Blättern versuchte Ableugnung der Tatsache, daß die tschechischen Ab­geordneten hinter der Bewegung stehen, wird durch andere Meldungen entkräftet. Der parlamentarische Klub der tschech­ischen Agrarier gab 10000 Kronen, jener der tschechischen