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großzügiger Weise, klar und überzeugend die Ziele der deutschen Politik unter den heutigen schwierigen Verhältnissen darlegt.

Abgeordnetenhaus.

Die verstärkte Budgetkommission des preußischen Ab­geordnetenhauses hat die Einführung einer Gefellschastssteuer gegen die Stimmen der Konservativen abgelehnt. Im Mantel- gesetz wurde der Vorschlag der Regierung, schon für 1908 30 Millionen Mark an Steuerzuschlägen zu erheben, ebenfalls gegen die Stimmen der Konservativen abgelehnt, dafür aber die bei dem Steuergesetz beschlossene Erhebung von Zu­schlägen zur Einkommen- und Ergänzungssteuer für 1909/10 eingefügt.

Aus ]n- und Ausland.

Berlin, den 8. Dezember 1908.

Se. Majestät der Kaiser hörte heute vormittag im Neuen Palais die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts und des Chefs des Marinekabinetts und empfing die zur Neubearbeitung des Exerzierreglements für die Kavallerie ver­stärkte Kavalleriekommission. Se. Majestät empfing ferner den chinesischen Gesandten Sung Pao Ki in Abfchiedsaudienz und den brasilianischen Gesandten Dr. Jtibers da Cunha in Antrittsaudienz.

Ihre Majestät die Kaiserin empfing heute im Neuen Palais im Anschluß an die Audienzen bei Sr. Maje­stät dem Kaiser und König den abberufenen chinesischen Ge­sandten Sung Pao Ki sowie den neuernannten brasilianischen Gesandten B. Jtibers da Cunha.

Von der Reserveflotte, die nach dem Flottenge­setz zur Hälfte in Dienst gehalten werden soll, werden auch im neuen Etatsjahre wieder nur drei Schiffe (zwei Küsten- panzer und ein Linienschiff derBrandenburg"-Klasse) in Dienst gehalten werden und, eine Hälfte ihrer Besatzung zur Besetzung je eines zweiten Schiffes ihrer Klasse ausbilden, so daß auch weiterhin immer erst sechs im Kriegsfalle zu ver­wendende Stämme statt der im Gesetz vorgesehenen 17 vor­handen sein werden. Außer zur Ausbildung der Stämme werden die KüstenpanzerAegir" undFrithjof", die Stamm­schiffe der Reserveslotte in der Ostsee mit Danzig als Haupt­liegehasen, sowie das LinienschiffKurfürst Friedrich Wilhelm", das einzige Stammschiff der Reserveflotte in der Nordsee mit Wilhelmshaven als Hauptliegehafen, nach Anweisung des Staatssekretärs des Reichs-Marineamts auch zu Artillerie- und Torpedoversuchen herangezogen.

Obwohl von Wiener offiziöser Seite aus hartnäckig die Gerüchte über eine teilweise Mobilisierung österreichisch-ungarischer Truppen gegenüber Serbien und Montenegro dementiert werden, sährt die öster­reichisch-ungarische Regierung doch mit ihren militärischen Maßnahmen fort, welche einer teilweisen Mobilmachung recht ähnlich sehen. Die in der Herzogowina und in Bosnien auf­gestellten Truppen befinden sich schon jetzt so gut wie auf dem Kriegsfuße, todtere Verstärkungen stehen in Aussicht.

Auf die öffentliche Meinung Frankreichs hat die Maßregelung des Admirals Germinet, welcher von der Regierung wegen seiner sensationellen Aeußerungen über die Lücken in den Munitionsvorräten der sränzösischen Flotte seines Postens als Kommandant des französischen Mittelmeerge­schwaders enthoben worden ist, einen sehr ungünstigen Ein­druck gemacht. Dies vor allem, weil Germinet als einer der fähigsten Marineosfiziere Frankreichs gilt; man findet allge­mein, daß seine Disziplinarbestrafung eine zu strenge ist, zu­mal er ja nur die Wahrheit gesprochen hat. Die Regierung dürfte bei den zu erwartenden Kammerdebatten über den Fall Germinet einen schwierigen Stand haben.

Die italienische Regierung wird der Depu- tiertenkammer eine umfassende Militärvorlage zugehen lassen. Sie bezieht sich auf die Reorganisation der Feld­artillerie, die Anlage von Befestigungswecken längs der öster­reichischen Grenze, die Einrichtung von Garnisonen an den Hauptalpenpässen, die Vermehrung der Kavallerie, die Aus­bildung eines neuen Gebirgsartillerieregimentes und seiner Genieabteilungen, die Anlage verschanzter Lager bei der Lagune von Venedig, in Mittelitalien und bei Castrogiovanni (Sizilien), Beschaffung von guter Munition, bessere Bewaffnung der Landwehr usw.

Die englischen Frauenrechtlerinnen riefen in einer Versammlung, in welcher der Minister Lloyd George als Redner austrat, arge Skandalszenen hervor. Kaum hatte der Minister einige Sätze gesprochen, als ein Höllenskandal losbrach. Eine Frau nach der andern unterbrach den Minister und wurde von den Portiers unter lautem Geschrei und nach heftigen Kämpfen hinausgettagen. Die Frauen enthüllten Banner mit Ausschriften wie:Stürmt das Kabinett!" und dergleichen. Viele Damen warfen ihre Uebermäntel ab und zeigten sich in Gefängniskleidung. Einige schloffen sich mit Ketten an die Bänke. Andere zogen Peitschen hervor und hieben aus die Portiers ein. Lloyd George machte an­gestrengte Versuche, zu Worte zu kommen. Eine Zeitlang gab er sie mit dem Bemerken auf, es sei nutzlos, gegen Verrückt­heit und Hysterie zu kämpfen, worauf er zu seinem Sitze zurückkehrte. Schließlich gelang es ihm, seine Rede fortzusetzen.

Daily Mail" erfährt as Lissabon, daß der König bei seiner Rückkehr von Oporto nach der Hauptstadt müde und bleich ausgesehen habe. Der königliche Wagen fuhr in vollem Galopp, aus allen Seiten von Kavallerie umgeben. Selbst monarchische Blätter sprechen von einem panikartigen Einzüge des Königs. Der junge Monarch wurde von der Bevölkerung mit eisiger Kälte empfangen. Offiziös wird aus Lissabon gemeldet: Der König hütet infolge einer Er­kältung das Bett und wird morgen den Festgottesdienst in der Kathedrale nicht besuchen.

Aus Provinz u. Naeddargebiet.

* (Förderung des deutschen Turnens durch den preußischen Kultusminister.) An der Landesturnanstalt in Berlin soll aus Veranlassung des preußischen Kultusministers ein Ausbildungskursus für preußische Turnwarte und Vorturner von Turnvereinen der deutschen Turnerschaft stattfinden. Zur Teilnahme werden in erster Linie Turner, die schon als Turnwarte oder Vorturner tätig gewesen sind und von denen zu erwarten ist, daß sie geeignet und gewillt sind, auch später die Leitung von Turnübungen in Männerabteilungen und besonders auch in Jugend- und Zöglingsabteilungen zu übernehmen, zugelassen. Den Teil­nehmern an diesem Kursus wird, soweit sie die preußische Staatsangehörigkeit besitzen, für dessen Dauer zu den ihnen entstehenden Kosten eine Beihilfe von täglich vier Mark be­willigt und ihnen außerdem die Kosten der Eisenbahnsahrt

von ihrem Wohnorte nach Berlin und zurück erstattet. Der erste Kursus wird vom 8. bis 27. März 1909 stattfinden.

* (Vom Truppenübungsplatz des XI. Armeekorps.) Im neuen Reichsetat werden zur Er­werbung eines Truppenübungsplatzes für das XI. Armeekorps bei Ohrdrus sowie zur Errichtung von Baracken zur Unter­bringung von Mannschaften und Pferden usw. und zur Herstellung der zugehörigen Nebenanlagen als 6. Rate (noch für Grunderwerb, ferner für Platzherrichtung, Wegeverlegung und Lagerbau) 1 300 000 Mark gefordert.

* Ueber Saaten st and und Hackfruchternte vom 1. Dezember d. J. macht die Preisbericktstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats folgende Angaben: Wie bereits im Novemberbericht bemerkt wurde, ist ein Teil der Hackfrucht- ernte dem Frost während des Monats Oktober zum Opfer gefallen. Da der Umfang dieser Frostschäden am 1. November noch nicht zu übersehen war, hat die Preisberichtstelle eine Um- srage nach den tatsächlichen Frostschäden veranstaltet, die zu folgendem Ergebnis geführt hat: Verlust durch Erfrieren bei Kar­toffeln in Preußen 7,4, in Bayern 5,7, im ganzen Reich 6,6 pCt., bei Futterrüben 29,6 (Preußen), bezw. 25,6 (Bayern), im ganzen Reich 25,7 pCt. Empfindliche Verluste sind hier­nach besonders bei den Futterrüben zu beklagen, während Kar­toffeln, die zum größten Teil vor dem Frost geborgen werden konnten, und Zuckerrücken mit geringeren Schäden davop ge­kommen sind. Doch steigt in einzelnen Bezirken, wie Branden­burg, Posen, Schlesien und der Pfalz der Prozentsatz der er­frorenen Kartoffeln über 10 pCt. der Ernte, und der Frost- fchaden bei Futterrüben beträgt in Brandenburg und im Königreich Sachsen sogar über die Hälfte der Ernte und in der Provinz Posen, Schlesien, Sachsen, Hannover, sowie in ganz Bayern, über 20 pCt. Nur durch schnelle Verarbeitung und Versütterung konnte noch ein Teil der erfrorenen Früchte Verwertung finden. Was den Stand der Wintersaaten be­trifft, so lagen die Verhältnisse bis Mitte November so un­günstig wie selten zuvor. In manchen Gegenden waren seit ungefähr acht Wochen keine meßbaren Niederschläge gefallen und der Boden so ausgetrocknet, daß die besonders bei Weizen sehr rückständige Bestellung unterbrochen werden mußte. Von den um diese Zeit in der Erde befindlichen Saaten war nur der frühzeitig bestellte Roggen gut ausgelaufen. Die später bestellten Saaten zeigten kaum Anfänge einer normalen Ent­wicklung, meist lagen sie wochenlang im Boden, ohne zu keimen. In der zweiten Hälfte des November trat dann endlich der lange ersehnte Umschwung zu milder und feuchter Witterung ein, so daß in vielen Bezirken die Wintersaat, wenn auch verspätet, noch in die Erde gebracht werden konnte. Immerhin ist mit der Tatsache zu rechnen, daß besonders bei Weizen ein erheblicher Teil der Anbaufläche in wichtigen Produktions­gebieten vorraussichtlich nicht mehr bestellt werden wird. Eine dahingehende Umsrage der Preisberichtstelle hat ergeben, daß von der für die Wintersaat bestimmten Fläche voraussichtlich nicht mehr zur Bestellung kommen wird: Weizen 5,9 pCt. in Preußen, 3,1 in Bayern, 5,8 im ganzen Reich, Roggen 2,8 in Preußen, 1,5 in Bayern, 2,8 im ganzen Reich. In der Provinz Sachsen steigt die nicht bestellte Weizcnfläche auf 15 pCt., in Rheinland auf 11 pCt., in Anhalt aus 21 pCt., in Braunschweig auf 19 pCt. und in Untersranken auf 13 pCt. Aus einzelnen kleineren Bezirken sind sogar Aussälle bis zu 30, 40 und 50 pCt. gemeldet. Haben die beiden letzten Wochen die Situation also etwas gebessert, so ist der Stand nichts­destoweniger immer noch ein unsicherer, wenigstens was die spät bestellte Saat betrifft, die überhaupt erst nach Eintritt der feuchten Witterung zu keimen begann und eine Beurteilung daher auch heute noch nicht zuläßt. Während die Weizensaaten im allgemeinen ungünstig beurteilt werden und sogar mehrfach die Notwendigkeit einer späteren Umpflügung befürchtet wird, haben sich die Roggensaaten leidlich gehalten und bei der feuchten und milden Witterung erholt. Vor allem ist den empfindlichen Saaten bei eintretendem Frost eine schützende Schneedecke vonnöten, die Ende November bei der milden Witterung in ganz Deutschland fehlte.

* (Fuhrwerke ohneErkennungstasel.) Wenn ein Polizeibeamter auf der Straße ein Fuhrwerk ohne Erkennungstasel angetroffen hat, so wird nach der Vorschrift der meisten Polizei-Verordnungen gewöhnlich der Besitzer des Fuhrwerks als Schuldiger angesehen und bestraft. Das Kammergericht hat kürzlich derartigen Polizeivorschriften die Rechtsgültigkeit abgesprochen und die Verantwortlichkeit für die fehlende Tafel dem Wagenführer auferlegt. Von dieser Verantwortlichkeit werde er auch dadurch nicht befreit, daß er keinen vorschriftsmäßigen Wagen erhalten, oder daß er bei etwaiger Verweigerung der Fahrt seine Entlassung zu gewärtigen gehabt hätte.

p Hersfeld, 9. Dezember. (Das Weihnachts­paket.) In der Weihnachtszeit gehen begreiflicherweise Pakete häufiger als sonst verloren. Wir weisen deshalb auf die ge= setzllchen Bestimmungen bett. Entschädigung hin. Die Post­verwaltung vergütet bei Verlust oder Beschädigungen von Paketen den wirklich erlittenen Schaden, jedoch nie mehr als 3 Mark für jedes Pfund. Ebenso, wenn durch Verschulden der Post eine Verzögerung herbeigeführt wurde, durch welche die Sendung verdorben oder an ihrem Werte dauernd ge­schädigt worden ist. Reklamationen sind beim Aufgabe-Post­amt anzubringen. Der Ersatz steht gesetzlich dem Absender zu, doch kann dieser durch eine schriftliche Erklärung den Anspruch aus den Adressaten übertragen. Will man bei der Ver­sendung von Paketen ganz sicher gehen, so empfiehlt es sich, diese cinzuschreiben. Eingeschriebene Pakete erreichen namentlich bei größeren Entfernungen den Bestimmungsort früher als gewöhnliche, da für die Ueberleitung auf die Anschlußstrecken an den Unterwegsstationen besondere Vorkehrungen getroffen sind. Da ihnen außerdem eine sorgsamere Behandlung zuteil wird und im Verlustsalle die Ersatzsumme ohne Unterschied des Gewichts 42 Mk. beträgt, so sollte man die geringe Ein- schreibgebühr von 20 Psg. nicht scheuen.

Röhrigshof, 7. Dezember. Auf ergangene Einladung hatte sich am Sonnabend Abend imGasthof Glück aus!" eine größere Anzahl Herren aus Philippsthal, Röhrigshof, Nippa, Heimboldshausen, Ransbach usw. zusammengefunden, die sich die Gründung eines Kasinos zur Aufgabe gemacht hatte. Das Kasino wurde gegründet und zwar wurde Herr Gutsbesitzer Kämmerer-Nippa zum Vorsitzenden, Herr Buch- Halter Krenzer zum Kassierer und Herr Pfarrer Heßler-Philipps- thal zum Schriftführer gewählt. (Rh. Ztg.)

Fulda, 8. Dezember. Die Stationskaffen der Rhönbahn FuldaTann in Jßlar, Biederstem, Langenbieber und Wiesen wurden in vergangener Nacht von Dieben erbrochen. Glück­licherweise fielen denselben keine großen Geldbeträge in die Hände. Gestohlen wurden u. a. ein Fahrrad, eine Anzahl Servietten und eine Anzahl von Eisenbahnsreimarken und Expreßmarken rc. Den Tätern ist man auf der Spur.

Büdingen (Oberheffen), 6. Dezember. Im benachbarten Dorfe Düdelsheim ereignete sich am Freitag nachmittag gegen 6 Uhr eine schreckliche Bluttat. Der dem Trunke ergebene

Landwirt Heinrich Karl Manz, der demnächst dem Arbeitshause überwiesen werden sollte, erschoß seine Frau. Als die Gen­darmerie eintraf, hatte sich der Mörder bereits erhängt.

Dingelstädt, 7. Dezember. Ein entsetzliches Unglück er­eignete sich hier am Freitag nachmittag. Von einem Dünger­wagen wurde das dreieinhalbjährige Kind des Tischlers I. Schuchardt überfahren. Das Hinterrad des Wagens ging dem Kinde über den Hals und führte sofort seinen Tod herbei.

Frankfurt a. M., 7. Dezember. Der Kassierer der Frankfurter Bank, der am 15. August auf einen gefälschten Scheck 58 000 Mark bei seiner Firma erhoben hatte, und flüchtig geworden war, ist gestern in Triest verhaftet worden.

Heiligenstadt, 6. Dezember. Die Witwe Kambartel hier hatte am Ofen Kinderwäsche zum Trocknen aufgehängt und sich dann aus der Wohnung entfernt, um Einkäufe zu machen. Bei ihrer Rückkehr fand'sie die Stube voller Rauch und das Kind erstickt vor.

Beckerhagen, 6. Dezember. Ein tötlicher Unglücksfall trug sich heute morgen in dem benachbarten Bodenwerder zu. Der Sohn des Stellmachers Reese aus Pegestorf fiel vom Scheunenboden in die Tenne herab und brach das Genick.

Altenbeken, 7. Dezember. Der Fuhrmann Wilhelm Franke zu Niederbergheim, welcher vor etwa 4 Monaten dem sicheren Tode entgangen war, als sein Geschirr von einem Güterzuge üb erfahren und zwei wertvolle Pferde getötet wurden, ist jetzt bedauerlicherweise einer Blutvergiftung zum Opfer gefallen, die er sich beim Reinigen eines Pferdegeschirres infolge einer frischen Rißwunde am Arm zugezogen hatte.

Uermiscbtes.

M ü n ch e n, 7. Dezember. In der Nacht auf Sonntag machten vier Arbeiter in angetrunkenem Zustand eine Kahnpartie auf dem Ammersee, wobei das Boot umkippte. Ein Insasse ertrank, die anderen wurden gerettet.

(130,000 Mark unterschlagen.) Der beim be­kannten Leipziger Bankhaus Frege und Co. angestellte 38jäh- rige Kassierer Oswald Bormann wurde verhaftet, weil er nach und nach 130,000 Mark unterschlagen hat. Das Geld hat er zum Teil verspekuliert, zum Teil für sich verbraucht.

(Ende gut, alles gut.) DieBresl. Nachr." erzählen: Ein Bauer in Suhrental führte eines Landstreisens wegen einen kostspieligen Prozeß, gewann ihn aber durch die Tüchtigkeit seines Advokaten. Der RechtSmann beglück­wünschte feinen Klienten zum Urteil und sagte hocherfreut: Ende gut, alles gut!" Zur Schweineschlachtezeit ließ nun der Bauersmann seinem Helfer ein umsangreiches Paket zu­kommen. Nach der Entfernung zahlreicher Papierhüllen fand der Advokat nur einSäuschwänzlein" mit einem Papierstreisen: Ende gut, alles gut!"

(Kaiser und Lotse.) Dem Pester Lloyd teilt ein Leser folgendes nette Geschichtchen mit: Der deutsche Kaiser kam im Sommer dieses Jahres mit feiner JachtHohen- zollern" in einen norddeutschen Hafen. Wie üblich, übernahm vor der Einsahrt ein Lotse die Führung des Schiffes und postierte sich an dem Hauptstcuerrad. Der Kaiser, der feine Geschicklichkeit auch im Führen des Schiffes erproben wollte, stellte sich an das daneben befindliche Aushilfssteuerrad, und bemühte sich, die Richtung des Schiffes ein wenig abzuändern, woraus er von dem Lotsen, der offenbar nicht wußte, wen er vor sich hatte, mit den nicht sehr höflich betonten Worten angefahren wurde:Bischt Du der Lotse oder ich?" Der Kaiser verließ das Steuerrad und begab sich in seine Apparte­ments; er kam aber gleich daraus mit einer Kiste Zigarren zurück, legte diese auf die Bank neben dem Lotsen, klopfte ihm auf die Schulter und sagte:Du bist der Lotse."

Berlin, 6. Dezember. Nach einem häuslichen Streite verübte der Stellenbesitzer Schefer in Rörsdorf dadurch Selbstmord, daß er sich mit Petroleum übergoß und anzündete.

Berlin, 6. Dezember. Der 12jährige Erich Messe aus Rahnsdorf spielte gestern in der Nähe der Woltersdorser Schleuse aus dem zugesrorenen See. Plötzlich brach das Eis und der Knabe ertrank.

Allenstein, 7. Dezember. Wie die Allenst. Ztg. meldet, ist der am 31. Dezember 1907 gegen Frau v. Schönebeck erlassene Haftbefehl nunmehr ausgehoben worden. Frau v. Schönebeck ist bereits aus der Hast entlassen.

Ueber eine Eisenbahnfahrt HannoverBerlin ohne Lokomotivwechsel macht Geh. Baurat Schäfer in der Zeitung des Vereins d. Eisenbahnverw. Mitteilungen, die auch für das reisende Publikum für Interesse sind. Er schreibt: Am 26. November d. I. wurde der Schnellzug D 21 zum ersten Male aus der 254,1 Kilom. langen Strecke Hannover Berlin Zoologischer Garten, ohne unterwegs anzuhalten und ohne unterwegs das Tenderwasser zu ergänzen, befördert, und zwar fahrplanmäßig mit der Vierzylinder-Atlanticlokomotive Nr. 901, die den ersten Tender mit 31 Kubikmeter Wasserinhalt erhalten hat. Abfahrt von Hannover 12 Uhr 20 Min., An­kunft Berlin Zoologischer Garten 3 Uhr 36 Min. Eine Fahr­geschwindigkeit von 100 Kilom./St. wurde wiederholt erreicht, die Stärke des Zuges betrug 38 Wagenachsen mit einem Eigen­gewicht von 343 To. Bei der Ankunft des Zuges aus dem Schlesischen Bahnhof in Berlin betrug der Wasservorrat im Tender noch etwa 9 Kubikmeter, es waren also nur etwa 22 Kubikmeter Wasser auf der 263,1 Kilom. langen Strecke ver­braucht, wobei indessen zu erwähnen ist, daß bis zu etwa 2/s der Fahrt günstiger Westwind und nur während eines Teiles des letzten Drittels der Fahrt ziemlich hestiger Seitenwind von vorn mit Schlagregen herrschte. Ein Mehrverbrauch an Kohlen und Briketts war bei der Fahrt mit dem 31 Kubikmeter- Tender gegenüber den Fahrten mit 21 Kubikmeter-Tendern nicht eingetreten. Wie aus den weiteren Mitteilungen zu ersehen ist, ist die Probe mit dem 31 Kubikmeter-Tender aus Antrag des Geh. Baurats gemacht worden. Dieser spricht die Ueberzeugung aus, daß nunmehr die teuren, mit mancherlei Unannehmlichkeiten verbundenen Ramsbottomschen Fülltröge aus den deutschen Bahnen entbehrlich seien. In England würde allerdings sogar die 363,6 Kilometer lange Strecke LondonPaddingtonPlymouth ohne Aufenthalt durchfahren, doch liege in Deutschland wohl kaum ein Bedürfnis vor, eine mehr als 263 Kilometer lange Strecke wie Berlin (Schles. Bahnhof) Hannover ohne Aufenthalt zu durchfahren.

(Deutsche Polizeihunde in Rußland.) Veranlaßt durch die starke Zunahme der Verbrecher hatte sich vor einiger Zeit ein kurländischer Kreispolizeichef, Baron Rohden in Mitau, aus Braunschweig zehn bewährte Polizeihunde vom dortigen Polizei-Inspektor Busenius verschrieben. Die zehn Hunde (meist deutsche Schäferhunde, Dobermans usw.) trafen in Kurland unter Führung eines Instrukteurs, eines Braun­schweiger Polizeiwachtmeisters ein, und haben sich, ganz vor­züglich bei der Aufdeckung von Verbrechern bewährt. Am meisten hervorgetan hat sich der SchäferhundHarras DA von dessen Erfolgen der Franks. Ztg. aus Riga berichtet wird. Bald nach Ankunft der Polizeihunde wurden in einem Bauern-