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herrs Her Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 144. Erstes Blatt.
Dienstag, den 8. Dezember
1908.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 21. November 1908.
Nachstehend veröffentliche ich das Verzeichnis über die Ergebnisse der zur Herbstkörung vorgestellten Bullen.
Die Ortspolizeibehörden und die Königlichen Gendarmen
des Amtsbezirks haben streng darüber zu wachen, daß die für untauglich befundenen sowie die nur bedingungsweise zugelassenen Bullen zur Nachzucht nicht oder nur insoweit verwendet werden, als dies seitens der Körungskommission eingeräumt worden ist. Zuwiderhandlungen sind aus Grund der Polizei-Verordnung vom 17. Januar 1879 zur Bestrafung zu bringen. Hierbei bringe ich gleichzeitig mein Ausschreiben
vom 7. Mai 1907 I 4141 Kreisblatt Nr. 56 in Erinnerung. Bei Bullen, die noch nicht mit einem Nasenring versehen sein sollten, muß derselbe noch alsbald angebracht werden.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
J. A. Mr. 6105. . I. V.: Fellinger.
Verzeichnis
der im Kreise Hersfeld im Herbst 1908 zur Körung vorzustellenden Bullen.
Gemeinde.
Anzahl der
Bullen.
Namen
der Bullenhalter
1
Asbach
1
Orth Andreas,
2
Ausbach
1
Rudolph Johannes,
3
Beiershausen
1
Schüler Adam,
4
Friedewald
X 3
Setzkorn Wilhelm,
5
Hof Weisenborn
/
Hoßbach August,
6
Hattenbach
2
Pape Wilhelm,
7
Hersfeld
1
Schimmelpfeng Otto,
8
Hersseld
1
Steinweg Peter,
9
Hilperhausen
1
Altmüller Bürgermeister,
10
Landershausen
Reinyardt Otto,
11
Niederjossa
i
Steinberg Johannes,
12
Solms
i
Eidt Ludwig,
13
Widdershausen
2
Ruch Konrad v,
14
Wippershain
1
Otter Johannes
15
Mecklar
1
Claus, Gastwirt
16
Kerspenhausen
1
Grentzebach Valentin
17
Wölfershausen
1
Gliemroth Georg
18
Beiershausen
1
Neuber Carl
19
Meisebach
1
Frank
20
Niederaula
1
Rohrbach Johannes
21
Kohlhausen
1
Glebe
22
Kleinensee
1
Zierdt Georg
23
Sorga
1
Schott, Adam
24
iSorga
1
Schott Adam,
Resultate der Körung.
Datum der
Körung.
Alter und Race der Bullen.
Farbe und Abzeichen.
Befund.
Abstammung
Bemerkungen.
14.11. 08.
16 Monate Simmentaler
Gelbrotschack w. Kops
gut
Z. G. Gersfeld
über den durch Vermittlung
der Körungskomm. angek-
Bullen des rc. Ort ist Entsch-
zu treffen.
17.11. 08.
23
Gelbrotschack w. Sttrn
nicht angekört
14. 11. 08.
15
Gelber Kops m. w. Stirn
genügend
erst dann gekört, wenn
Zuchtb esch einig, vorgelchat.
16. 11. 08.
20
Gelbschack
genügend
Z. G. Alsseld
16.11. 08.
13
Gelb
genügend
wie vor
16.11. 08.
15
Rotschack
nicht angekört
14. 11.08.
21
Gelbschack w. Kopf
genügend
Z. G. Hünse^d
14.11. 08.
14
Gelbschack w. Kopf
genügend
wie vor
14. 11. 08.
16
Gelbrotschack w. Kopf
gut
Z. G. Gersfeld
17.11. 08.
17
Gelbrotschack v. weiß
genügend
14.11. 08.
12
Gelbrotschack w. Kopf
genügend
Z. G. Gersfeld
dars vor Januar 1909 nicht
springen, weil noch zu jung
17. 11. 08.
16
Gelbrotsch.r.w.,w.Kops
gO
Z. G. 5?^;
14. 11. 08.
14 '
Gelbschack w. Kopf
genügend
Z. G. Laurervach
14. 11. 08.
16
Gelb weißer Kopf
genügend
gekört, w. Zuchtbesch. vorg.
16. 11. 08.
18
Rotschack weißer Kopf
genügend
erst dann gekört, wenn
Zuchtbescheinig. vorgel. hat
16. 11. 08.
20
Gelbrotschack
nicht gekört
nicht rasserein
17.11. 08.
19
Hellgelbschack
gut
Z. G. Hünfeld
13.11. 08.
14
Gelbschack weißer Kopf
gut
Z. G. Schlüchtern
14. 11. 08.
20
Gelbschack weiße Stirn
genügend
Z. G. Alsfeld
14. 11. 08.
14
Gelbschack weißer Kops
gut
wie vor
16.11. 08.
18
Gelbschack v. w. w. Kops
gut
wie vor
14. 11. 08.
18
Hellgelb weißer Kopf
genügend
erst dann gekört, wenn
Zuchtbescheinig. vorgel. hat
13. 11. 08.
15
Gelbschack weißer Kopf
gut
Z. G. Fulda
14. 11.08.
18
Rotgelbsch.v.w.w.Kops
sehr gut
wie vor
14. 11.08.
15
Gelbschack
nicht gekört
Z. G. Hersfeld
16. 11. 08.
17
Gelbrotschack w. Kopf
gut
Z. G. Gersfeld
14. 9. 08.
18
//
Gelbschack weißer Kops
genügend
14. 9. 08.
16
H U
gut
Unter Heinrich.
Novelle von E. R a t h m a n n.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
In diesem Getümmel fand Fräulein Erika Gelegenheit mit einem Blick ihrem Bruder deutlich zu machen, daß sie ihn ungestört von andern zu sprechen wünsche. Obschon der junge Offizier zunächst mit einer unwillig abwehrenden Bewegung antwortete und sich scheinbar um so eifriger mit der älteren der beiden Fräulein Oberdörffer unterhielt, die bei Tisch nicht neben ihm gesessen hatte, so fühlte er doch einen unwiderstehlichen Zug zu der Ecke zwischen der verhängten Tür in dem Garten und dem großen buntflitternden Weihnachtsbaum, nach der sich seine Schwester zurückgezogen hatte. Plötzlich stand er neben Erika, die von ihrem Platz aus den Saal und die durcheinander hastenden Gestalten gut beobachten konnte. „Was willst Du noch?" fragte er leise.
„Nichts als was Du weißt, Bodo", entgegnete das Mädchen. „Du mußt abreisen, mußt es in jedem Falle. Nun ich das Kind gesehen habe, das Du mit Deiner Werbung beehrst, weiß ich, daß Du im Begriffe bist, ein schweres Unrecht zu begehen. Unrecht, wenn Du nach ihrer Hand bloß um des Vermögens willen strebst. Sie ist ein Kind, das nicht weiß, nicht ahnt, was Leben und Ehe und ein Frauen- schicksal bedeutet. Und noch mehr Unrecht, wenn Du wirklich eine warme Neigung für sie empfindest. Du könntest und dürftest höchstens hoffen, daß sie in einigen Jahren eines ernsten Mannes Liebe verstehen oder erwidern wird. Selbst Du bist zu jung und vollens dies Kind, sieh sie doch an, ob sie die Frau sein würde, die Deinem Leben Halt gäbe. Reise morgen hier weg und laß mich brieflich wissen, was Dich so blind und selbstsüchtig gemacht hat, daß Du auch nur den Gedanken hegen konntest, dieses Mädchen jetzt an Dich zu reißen!"
Bodo war einige Schritte von der Warnerin weggetreten, in deren Ton sich Mitleid und Zürnen seltsam mischte. Er ries ganz laut und als ob er vom Gleichgültigsten in der Welt spräche. „Sie können Recht haben, ich finde es auch so, Fräulein Münter", und fuhr dann noch leiser, als sie gesprochen hatte, aber scharf und gereizt heraus: „Du nimmst Deine Rolle hier im Haus als Gouvernante verzweifelt ernst. Db mir die kleine Eva wie sie ist genügt, ist am Ende doch meine Sache und ich sage Dir noch^ einmal, daß ich hier bleiben oder weiter gehen muß, als Dir lieb sein wird."
Sie erschrak vor der Härte seiner Antwort und beinahe gleichzeitig vor der Stimme eines Dritten, des jungen Fabrik- Herrn Franz Hagen, der mit einer raschen Wendung von den Gabentischen her plötzlich neben dem seltsamen Paare stand und mit unverkennbarem Spott sagte: „So eitrig, meine Herrschaften? Fast im Streit und alles über unsere arme Tanne, die ganz nach Christines Geschmack gewählt, gefällt und angeputzt wurde?" Herr Bodo suchte vergebens nach einem raschen.Scherzwort, Fräulein Erika aber antworte ruhig: „Herr v. Gravenreuth und ich sprachen nicht von dem Weihnachtsbaume. Ich danke Ihnen, daß Sie mich an meine Pflicht erinnern, ich muß zu Fräulein Christine — gute Nacht, Herr Hagen 1"
Sie kehrte zu dem jungen Mädchen zurück, küßte Eva, die sich mit einer Umarmung von ihr verabschieden wollte, aus die Stirn und war aus dem Gartensaal entschwunden, während sich die beiden jungen Männer noch gegenüber standen. Die Miene des Offiziers verwandelte sich aus einer verlegenen in eine trotzige, der Gesichtsausdruck Franz Hagens auS einem höhnisch-vergnügten in einen zugleich forschenden und drohenden, ehe sie schweigend auseinander gingen.
Fräulein Erika stieg inzwischen die Treppe zum oberen Geschoß und den Zimmern Christine Hagens hinauf. Die Erregung der letzten Minuten zitterte so in ihr nach, daß sie ein paarmal inne halten mußte, um sich nur einigermaßen zu beruhigen. Klar sah das ernste Mädchen in dem Gewühl schmerzlicher Empfindungen, schwerer Besorgnisse und harter Selbstanklagen nur eins, daß sie hier in einer Lage war, die nicht andauern durfte und die ihrer Natur, wie ihrer Selbstachtung entschieden widersprach.
Erika fühlte eine Anwandlung, mit einem offenen Bekenntnis bei ihrer neuen Herrin einzutreten — besann sich indes, daß es rücksichtslos gegen die Leidende wäre, sie nach einem Tage, der vielleicht ohnehin zu anstrengend für sie gewesen sei, mit so unfreundlichen Mitteilungen zu überraschen. Und indem sie sich eingestand, daß die Offenbarung der Wahrheit voraussichtlich ihres Bruders und ihren eigenen Abschied aus dem Hagenschen Hause zur Folge haben mußte, schien es ihr besser und schicklicher, den Morgen abzuwarten. Sie empfand kein schwächliches Mitleid mit sich selbst — und in diesen schmerzlichen Minuten auch keins mit dem Bruder, dessen Leichtsinn sie beide in eine so unwürdige und unmögliche Situation verstrickt hatte. Ihr wäre es lieber gewesen, keine Nacht mehr unter dem Namen ihrer Mutter, den sie mit der reinsten Absicht und aus einer Rücksicht auf die Vorurteile ihrer Familie, die sie nun für durchaus falsch halten mußte,
in dem fremden Hause zuzubringen. Ja, es war ihr, als würde es ihr körperlich wohler tun, sich den kalten Nachtwind um das Haupt wehen zu lassen und einsam durch die Schneelandschaft zu fahren, um irgend einen Nachtzug zu erreichen, als hier in der warmen weichen Lust der von unten bis zum Dach behaglich erwärmten Villa zu bleiben und in dem schönen Zimmer, das man ihr angewiesen hatte, ein schlaflose Nacht, voll trauriger Erinnerungen und bittere Kümmernisse zu verbringen. Doch nachdem sie unmittelbar, vor Christines Tür ein letztes Mal überlegt, kam sie zu keinem anderen Schluß, als daß sie das Unvermeidliche auf sich nehmen und heute abend noch schweigen müsse. Erika trat, nicht beruhigt, aber doch minder festig erregt uud mit leidlich erhelltem Gesicht bei Christine Hagen ein. Die Gelähmte hatte sich aus ihre Chaiselonge ausgestreckt und der Tisch mit der schönen empor- und niederzuschraubenden Lampe, die Vetter Heinrich eigens für sie hatte herstellen lassen, war ihr zu Häupten gerückt. Unter der Lampe lag ein Buch, sie hatte lesen wollen, schien aber nur geruht und geträumt zu haben. Jetzt hielt sie ihre großen Augen voll aus die Eintretende gerichtet und die bleichen Lippen des leidenden Gesichts lächelten der neuen Gefährtin ein so herzliches Willkommen entgegen, daß Erika in Erinnerung an alles eben Erlebte und Beschlossene ihren Herzschlag stocken fühlte. Denn ihr klarer Blick ermaß die Fülle des Vertrauens und rührender Neigung, mit der Christine Hagen ihr entgegen kam und sie sagte sich, daß ihr Geständnis Vertrauen und Neigung schwer erschüttern und wahrscheinlich zerstören würde. Trotzdem vermochte sie es nicht über sich, jetzt zur stillen Abendstunde, aus die sich Christine so ersichtlich gefreut hatte, sich kälter und rückhalten- der zu zeigen als zuvor. Sie ging willig auf das Gespräch über die Gewohnheiten, die stillen Genüsse der Leidenden ein und hörte mit einem gewissen Schmerz die wiederholte Versicherung, daß Christine sich auf nichts so lebhaft freue, als auf die Stunde, in der sie morgen oder übermorgen Erika mit ihrem Vetter Heinrich Hagen bekannt machen könne. „Sie müssen wissen, liebste Erika, daß er der Beste unserer ganzen Familie ist! — Er ist Teilhaber am Geschäft, ein Kaufmann wie mein Vater und mein Bruder, aber von ganz anderer Sinnesart! Ich würde im Jammer meines traurigen Zustandes vergangen sein, wenn ich ihn nicht von früh auf zur Seite gehabt hätte. Und nicht nur ich, nein, alle Leidenden, auch die Aermsten haben einen Anspruch aus fein Herz und seine Hilfe, er ist ein Mensch, bei dem uns anderen nichts zu wünschen bleibt. Ihm freilich muß man mehr Glück wünschen — und was er Glück nennt, ist nicht leicht und nicht zu