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andere Volkskrankheiten gesammelt werden. Die in der Reichs- druckerei in Zweifarbendruck hergestellten Marken mit dem Bild der Königin Luise und der Prinzessin Viktoria Luise sind außer­dem technisch und künstlerisch so wohlgelungen, daß sie allge­mein Freude hervorrufen werden, einen Schmuck für jeden Brief bilden und sich vortrefflich zu Weihnachtsgeschenken eignen, besonders auch für Kinder, deren Interesse für Wohl­tätigkeit und Nächstenliebe man leicht durch Sammlung dieser und ähnlicher Macken erwecken kann. Wohlfahrtsmarken sind zu beziehen: durch die Königl. Preuß. Lotterie-Einnehmer, durch die mittels Plakat kenntlich gemachten Papiergeschäfte, auch durch alle Spezialgeschäfte, zahlreiche Zigarrengeschäfte, endlich auch durch die Geschäftsstelle des Vereins für Wohl- fahrtsmarken, Berlin W., Schellingstr. 16.

(Neue Rückfahrkarten.) Anstelle der bisherigen Doppelkarten (eine für die Hin-, eine für die Rückfahrt) werden Fahrkareen nach einem Muster eingeführt, das sich aus zwei Teilen zusammenfetzt. Von diesen dient der untere Teil für die Hinfahrt und der obere für die Rückfahrt. Diese neuen Fahrkarten werden nun mit der Farbe der betreffenden Klassen bedruckt und zwar tragen sie diese auf der Vorderseite des oberen Teils, während die Vorderseite des unteren Teils weiß gehalten ist. Die ganze Rückseite der neuen Karten zeigt eben­falls die betreffende Farbe der Klaffe, für die sie gelöst werden.

):( Hersfeld, 3. Dezember. (Schöffengericht.) Ein Dienstknecht aus Sorga wurde wegen unbefugten Dienst- verlassenS zu 3 Mark Geldstrafe eventl. 1 Tag Haft verurteilt.

Ein hiesiger Schlossergeselle wurde wegen unentschuldigten Fehlens bei einer Feuerwehrübung mit 3 Mark eventl. 1 Tag Haft bestraft. Ferner wurde gegen die Burschen verhandelt, welche in der Nacht vom 11. zum 12. Juli d. Jr. die An­lage« am Tageberg beschädigt hatten. Es wurde dicserhalb bestraft: Der Schuhmacher Sänger mit 2 Monaten Gefängnis und drei Tagen Haft. Der Arbeiter Rödel, der Schlosser Schäfer und der Fabtikarbeiter Günter mit je 4 Wochen Gefängnis. Diese exemplarische Strafe wird hoffentlich für alle diejenigen, denen es einmal gelüsten sollte, fremdes Eigen­tum, insbesondere die städtischen Anlagen zu beschädigen, eine dringende Warnung sein. Das gilt auch für die, welche es nicht unterlassen können, Schutzhütten, Bänke und Tische in den Anlagen zu bekritzeln und zu beschädigen.

V Gershansen, 3. Dezember. Bei der am 1. d. Mts. stattgefundenen V i e h z ä h l u n g, die sich in diesem Jahre nur aus Pferde, Rinder, Schafe und Schweine erstreckte, wurden in der hiesigen Gemeinde 13 Pferde, 170 Rinder, 11 Schafe und 132 Schweine gezählt. Im vorigen Jahre wurden von den genannten Tiergattungen 12 Pferde, 174 Rinder, 13 Echafe und 125 Schweine gezählt. Die Zahl der Pferde hat sich also um ein und die der Schweine um 7 Stück vermehrt, dagegen haben sich das Rindvieh und die Schafe verringert und zwar das Rindvieh um 4 und die Schafe um 2 Stück. Von dem sanften Schaf haben wir also hierorts kein Dutzend Tiere mehr, und die Liebhaber von einem guten Hammelbraten haben für die Zukunft nur noch schwache Hoffnung, ihr Lieb­lingsgericht noch längere Zeit und wenn auch selten auf dem Tische zu sehen. Ebensowenig werden die Mütter ihren Kleinen das schöne Liebchen beim Einschläfern noch singen können: Echlas, Kindchen, schlaf, da draußen geht ein Schaf; denn weil keine Schafe mehr verhanden sind, so können die Kleinen auch kein solches Tier mehr sehen, und das Liebchen hat, weil den Kleinen unverständlich, feinen Zweck verfehlt. Die Zäh­nung erfolgte von Gehöft zu Gehöft mittels Eintragung des durch wickliche Zählung ermittelten Viehstandes in die Zähl- kartm. Durch die Viehzählung soll festgestellt werden, ob durch die inländische Viehzucht die für die Ernährung unserer vielen Millionen betragenden Einwohnerzahl nötigen Fleischmengen ausgebracht werden können, oder ob wir ausländische Einfuhr nöttg haben. Sollte deshalb unsere heimische Viehzucht mit der steigenden Einwohnerzahl nicht ebenwohl steigen, so werden Mittel und Wege geschafft werden, daß die Viehzucht auf die entsprechende Höhe gebracht wird, damit sie zur steigenden Ein­wohnerzahl im richtigen Verhältnis steht.

Cassel, 2. Dezember. Gestern nachmittag gegen 2 Uhr ereignete sich in der Weserstraße ein trauriger Unglücksfall, dem ein junges Menschenleben zum Opfer gefallen ist. Das vor dem Hause Nr. 26 mit andern Kindern spülende 4jährige Söhnchen des städtischen Arbeiters Dosa wollte in dem Augen­blick über die Straße laufen, als die Pferdebahn herannahte. Das Kind fiel hin und geriet mit dem Kopf unter die Räder des Pferdebahnwagens. Das Gehim wurde blos gelegt und der Tod des kleinen Wesens trat aus der Stelle ein.

Biedenkopf, 3. Dez. Der Arbeiter Weiß aus Banse, der in der Birlenbacher Hütte bei Geisweid beschäftigt ist, ver­unglückte dadurch, daß er mit flüssiger Schlacke übergossen und schwer verbrannt wurde.

Marburg, 2. Dez. Die Meldung verschiedener Blätter, daß das hiesige Jägerbataillon Nr. 11 nach Rudolstadt ver­legt werden soll, entbehtt jeder Begründung. In der Eisen­bahn Marburg-Creuzthal wurden drei bewaffnete Kroaten, die im Siegerlande Einbrüche begangen hatten, im Schlafe über­rascht und festgenommen.

Orb, 2. Dez. Bei einem Scheunen-Neubau im hiesigen Hospital verunglückte der 16jährige Maurerlehrling I. Bangert von hier. B. fiel vom Gerüst und erlitt außer inneren Ver­letzungen sehr gefährliche am Hinterkops und an den Händen. Der Bedauernswerte wurde in bewußtlosem Zustande, in dem er heute noch liegt, in das Hospital verbracht. Es ist noch Hoffnung vorhanden, den Jungen am Leben zu erhalteu.

Hanau, 2. Dezember. Auf der Domäne Patershausen bei Heusenstamm trug sich zwischen dort beschäftigten Russen und Polen eine Messerstecherei zu, nachdem vorher dem Brandwein stark gehuldigt worden war. Der 20jährige Knecht Michael Sztruban stach mit einem dolchartigen Messer blind- lings auf den im Bett liegenden Russen Matfchek Calonew ein, der schwere Verletzungen erlitt, so daß an seinem Aus­kommen gezweifelt wird.

Hammelburg (Rhön), 1. Dezember. Ein im Wickelschen Hosgnte zu Wartmannsroth bedienstetes Mädchen tötete sein neugeborenes Kind und vergrub es im Stalle.

Schlüchtern, 1. Dezember. Bei der voriger Woche erfolgten Vergebung des Tunnelbaues SchlüchternFlieden erhielt den Zuschlag die Firma Grün und Bilfinger aus Mannheim mit 6 Millionen Mark. Das höchste Angebot hatte die Firma Niedermeier u. Götze aus Stettin mit 14 Mill. Mark, das niedrigste hatte die Firma Kemp aus Karlsruhe mit 43/< Millionen. Beworben hatten sich 1012 Unternehmer.

Schmalkalden, 2. Dezember. Heute abend um Va? Uhr wurde beim Bahnübergang oberhalb Weidebaum das Geschirr des Selterswasserfabrikanten Matthias aus Tambach von einem aus der Richtung Kleinschmalkalden kommenden

Güterzug überfahreu. Der Wagen wurde total zertrümmert, ein Pferd getötet, der Kutscher schwer verletzt. Der Kutscher hatte scheinbar geschlafen und daS Herannahen des Zuges nicht bemerkt.

Erfurt, 3. Dezember. Wegen Waffendiebstahls in der königlichen Waffenfabrik sind bisher sieben Personen verhaftet worden. Weitere Verhaftungen stehen bevor.

Sein Patent

Von Rosa Gerheusser-Stuttgart.

Also du bestehst darauf, es wieder einmal mit deinem unglückseligen Patent zu probieren?" sagte mit halb ge­ärgerter, halb spöttischer Stimme die kleine Frau, als ihr Mann sich von ihr verabschieden wollte, um seinen Freund aufzusuchen.Gewiß, Grete", antwortete ihr Gatte, ruhig, aber bestimmt,du weißt, meine ganze Seele hängt daran!" Und dein ganzes Vermögen hängt auch daran und ist beinahe alles daran verloren gegangen!" ergänzte Frau Grete. Wo will das hinaus! Aber ich sage jetzt nichts mehr, ich lasse dich deine Wege gehen!"

Sie seufzte, setzte sich anS Fenster und starrte in den Abendschein hinaus und versuchte zu schweigen, aber schon nach einigen Sekunden begann sie wieder.Mama war heute nachmittag da und hat mir wieder den Kops voll gejammert, und sie hat eigentlich recht! Es sei nur gut, meinte Mama, daß wir keine Kinder hätten! Ich könne ja im schlimmsten Falle zur Mama zurück gehen; denn niemand könnte von mir verlangen, meinte Mama, als einzige Tochter eines wohlhabenden Mannes, meinem Mann am Bettelstab zu folgen! Ja, das hat Mama gesagt! Meine Jahresrente, die ich von den Eltern bekomme, darfst du nicht auch noch riskieren, das wäre geradezu Sünde, hat Mama gesagt l" Ganz warm hatte sich die kleine Frau gesprochen; Mama hatte es ihr zu verstehen gegeben, daß es ihre Pflicht sei, ernstlich mit ihrem Mann zu sprechen, ehe der letzte Rest feiner Vermögens verloren gehe.

Darüber kannst du ruhig sein, Grete, ich habe noch nie einen Heller von deiner Jahresrente für mein Patent ge­braucht !" Wenn die Stimme des jungen Mannes etwas gereizt klang, war eS gewiß zu entschuldigen, Frau Grete wollte etwas antworten, aber die Worte blieben ihr in der Kehle stecken, als sie den traurigen, halb vorwurfsvollen Blick in ihres Mannes Augen sah: sie wandte sich rasch dem Fenster zu, biß sich auf die Lippen und sagte nur:Ich werde mich heute früh zur Ruhe begeben, du kommst ja doch nie vor Mitternacht nach Hause! Gute Nacht, Max!" Ich habe mit meinem Freunde zu arbeiten, wie du weißt, Grete! Gute Nacht!" Er war fort.

Dieses verflixte Patent!" stieß die kleine Frau aus und ballte heimlich die Hand zur Faust,es wird noch unser ganzes Eheglück untergraben! Was habe ich noch von Max? Den ganzen Tag träumt er und brütet über sein Patent und arbeitet mit seinem Freunde, bis Mitternacht noch! Uner­hört! Für einen Augenblick durchzuckte sie der Gedanke, ob Max wirklich bis so spät in die Nacht hinein mit feinem Freunde arbeitete? Aber im nächsten Augenblick schämte sie sich dessen nein, solche ehrliche Augen konnten nicht lügen!

Das ganze ansehnliche Vermögen ihres Gatten war in den drei Jahren ihrer Ehe verbraucht und alles für dieses verflixte" Patent, und ihr Gatte war noch nicht geheilt von feiner fixen Idee, daß Patent ihnen noch ein großes Vermögen einbringen werde! Da mußte doch einem Engel die Geduld reißen, und sie war gewiß kein Engel, daS ge­stand sich Frau Grete offen und ehrlich, obwohl ihr Gatte sie so oft einen Engel genannt hatte in der ersten Zeit ihrer Ehe! Ach, diese schöne Zeit, wie schien sie heute so lang, lang her, und sie waren doch erst drei Jahre verheiratet!

Ja, das Patent war an allem schuld, an all' den kleinen Sticheleien und Zwistigkeiten zwischen dem jungen Paar. Langsam zogen kleine Wolken an dem sonnigen Himmel ihrer Ehe auf, immer mehr und mehr zogen sie sich zusammen, bis es eines schönen Tages zu einem regelrechten Donner­wetter kam. Der junge Mann erklärte seiner kleinen Frau, daß er nicht unter ihrem Pantoffel stehe, und warf ihr vor, daß sie kein Verständnis für sein Denken und Trachten und Hoffen habe; und Frau Grete spielte die Beleidigte und schwor sich, kein Wort mehr mit ihrem Manne zu reden, wenn er nicht endlich jetzt von seinem aussichtslosen, verflixten Patent lassen wolle! Er mache sich ja ganz lächerlich, wer wollte etwas von seinem Unternehmen wissen! Und die Regierung vollends, die hätte was Bessere- zu tun, als sich um sein einsältiges Patent zu kümmern! Das waren Grete- letzte Motte, als sie das Zimmer verließ und in recht unwürdiger Art die Tür hinter sich zuschlug.

Sie vermied es auch in den folgenden Tagen, wo nur möglich, ihrem Manne unter die Augen zu kommen. Erst alS Max inS Geschäft gegangen war, frühstückte Frau Grete; zu Mittag mußte sie wohl oder übel erscheinen, aber daS Mahl wurde wortlos eingenommen. Abends zog sie sich in ihre Gemächer zurück mit der Miene einer Märtyrerin.Mag sie nur noch eine Zeit lang so schmollen", dachte Max;den ersten Schritt zur Versöhnung tue ich nicht, sie hat mich beleidigt, nicht ich sie:"

Das gleiche dachte auch Frau Grete, und sie glaubte, daß Max doch endlich zur Vernunft tommen und sein Patent fallen lassen werde. Ach, sie war ja ganz bereit, ihm wieder von Herzen gut zu sein, wenn er nur reuig undpatentlos" zu ihr zurück käme!Ach!" seufzte sie,wäre er nur nicht Ingenieur! Zeppelin hat ihm den Kopf verdreht! Er ist sein Abgott! Er hat Max auf die Idee gebracht, es mit seinem Patent zu versuchen!" Sie war diesem großen Manne, dem die ganze Welt zujubelte, nicht hold! Sie wollte gegen» wärtig keine Zeitung mehr zur Hand nehmen, weil auf jeder Seite der Name Zeppelin zu lesen war, deshalb wußte sie auch gar nicht, daß der große Erfinder seine kühne, lange Fahrt begonnen hatte.

Es war ein wunderschöner Sommertag, der 4. August 1908! Frau Grete war der Hitze der Residenzstadt entflohen und schon in aller Frühe mit der Elektrischen aus den Hasenberg gefahren; mochte ihr Gatte heute allein zu Mittag essen oder im Restaurant! War sie doch gezwungen, diesen Sommer in der Stadt zu bleiben, daS Reisegeld war ja wieder einmal von diesemPatent" verschluckt worden!! Diese dumpfe, drückende Stadtluft hielt sie aber nicht aus, und sie war froh, einen triftigen Grund zu haben, tagsüber abwesend zu sein.

Die gnädige Frau ist heute wieder in den Wald für den Tag", meldete das Dienstmädchen, als Max zu Mittag heim- kehrte. Mit einer ungeduldigen Gebärde setzte er sich an den einsamen Mittag-tisch. Wie lange sollte dieser Zwist noch dauern? fragte er sich; wollte seine kleine Frau nicht zur Vernunft kommen? Ließ sie sich so sehr von ihren Atem

beeinflussen, die gar kein Verständnis für sein Unternehmen hatten! Wie saß doch sonst Grete so liebevoll besorgt um ihrenMänne" beim Mittagsmahl und hatte oft selbst seine Lieblingsspeisen bereitet, und wie strahlte sie und freute sich, wenn er ihre Kochkunst lobte und sich's so recht schmecken ließ! Sein Herz krampfte sich zusammen, als er an das liebliche, sonnige Gesicht feiner kleinen Frau dachte und jetzt! Wie war es nur möglich, daß eine Kluft sich zu öffnen drohte zwischen ihm und seiner Grete, die sich nur aus Liebe geheiratet hatten, die einander alles waren in den ersten glücklichen Jahren l Was würde er nicht tun, um das trauliche, glückselige Verhältnis zwischen ihnen wieder herzu­stellen! Nur das eine konnte man nicht von ihm verlangen, sagte er sich, daß er von seinem Patent lasse! Das war zu viel!! (Schluß folgt.)

(Schwere Unglückssälle bei der Illu - m i n a t i 0 n i n W i e n.) Am Dienstag, um 6 Uhr abends begann in Wien zur Feier des 60jährigen Regierungsjubiläums die Illumination, zu der aus allen Bezirken ungeheure Massen auf den Ring und in die anderen Hauptstraßen strömten. Der Burgring war bald so dicht besetzt, daß der Verkehr vollständig stockte; auf den übrigen Teilen des Ringes bewegten sich die Massen langsam, aber in der von der Polizei vorgeschriebenen Gehordnung. Als aber der Andrang immer stärker wurde und die Menschenmassen gleichzeitig von allen Seiten herbci- strömten, konnte die Ordnung nicht mehr aufrecht erhalten werden. Namentlich vor der Burg, vor dem Parlament und auf dem Stefansplatz wurde die Situation sehr gefährlich, zumal trotz der Warnung der Polizei viele kleine Kinder mit­genommen worden waren. In dem Park zwischen den Hos- Museen kam im Gedränge eine große Menge zum Sturz über ein Geländer; der Landtagsabgeordnete Stölzel wurde von der flüchtenden Masse tot getreten. Gleichzeitig werden über hundert weitere Unglückssälle gemeldet, darunter viele Beinbrüche. Wie festgestellt ist, sind während der Illumination im ganzen vier Personen an Herzschlag gestorben. Eine von diesen hatte außerdem Verletzungen erlitten. In 104 Fällen wurden Rippen- brüche festgestellt, von denen zwei schwerer Natur sind. Zwei Personen wurden in das Krankenhaus gebracht. Ueber die wunderbar wirkende Illumination wird noch berichtet: Feen­haft wirkte das Rathaus, dessen gotisches Maßwerk bis zur Spitze deS hohen Mittelturms von außen durch Scheinwerfer und von innen durch elektrische Lampen klar ausgeprägt er­schienen. Von dem Parlament, dessen klassische Umrißlinien durch elekttische Lichtreihen betont waren, wurden die Gruppen der Pallas Athene mit den allegorischen Gestalten durch Schein- werser abwechselnd mit bunten Lichtern bestrahlt. Eine starke Wirkung übte der Schwarzenberg-Platz aus, wo der Hochstrahl­brunnen inmitten der prächtig beleuchteten vornehmen Paläste feine bunten Wasser spielen ließ. Die Votivkirche erstrahlte in rotem bengalischen Lichte. In der innern Stadt bildete neben den Palästen des Adels und den Geschäftshäusern, die in der Verherrlichung des Kaiser-Jubiläums durch elektrische Licht­effekte wetteiferten, den Anziehungspunkt der Stephansturm, der bis zur Spitze von innen durch weißes elektrisches, von außen durch rotes bengalisches Licht herrlich durchleuchtet war. In den andern Stadtteilen zeichnete sich die Mariahilfer Straße durch die Lichtwirkungen der großen Geschäftshäuser aus. Außerdem hatten in allen Stadtteilen die Bewohner fast ohne Ausnahme ihre Fenster durch Kerzen, teilweise auch durch elektrische Glühlampen erleuchtet. Kurz, Wien erstrahlte in einer nie gesehenen Lichtfülle zu Ehren des Kaisers Aus dem Ring ballte sich die schaulustige Menge zu beängstigenden Massen zusammen, deren Kopfzahl die Polizei auf 1200 000 schätzt. Man konnte nur langsam vorwärts kommen; je näher man aber dem Burgtore kam, um so mehr staute sich der Menschenstrom. Viele Leute hatten, entgegen dem polizeilichen Rate, Kinder mitgenommen, die wenig sahen und viel litten. Frauen wurden unwohl und mußten aus dem Gedränge ge­führt werden. Vor dem Burgtore trat, je länger, je mehr, völliger Stillstand ein. Plötzlich versagte die elektrische Be­leuchtung der Burgtore. Die Menge wurde von einer Panik ergriffen und stob auseinander; viele nahmen den Weg durch die Anlagen zwischen den beiden Museen gegenüber dem Burgtor; einige kamen an der niedrigen Rafeneinsassung zu Falle, andere stürzten wieder über diese hin, so daß bald ein Menschenknäuel angehäuft war. Unter den Gestürzten befand sich auch der Abgeordnete Hölzl, ein beliebter Herr; als man ihn aufheben wollte, war er tot. Eine ältere Dame, die gleich­falls zu Falle kam, verlor das Bewußtsein und starb unter den Wiederbelebungsversuchen. Ein dritter Todesfall, wie es scheint jedoch lediglich insolge von Herzkrämpfen, ereignete sich beim Stephansdom. Dort brach eine junge Dame tot zu­sammen.

Letzte Nachrichten.

Berlin, 3. Dez. Nach dem neuen Militäretat werden vom 1. Oktober 1909 das Infanterieregiment 16 von Hanau nach Diez, die Jägerbataillone 4 und 10 von Diez nach Naumburg und Goslar, das 1. Bataillon deS Infanterieregi­ments 96 von Naumburg nach Gera und das 1. Bataillon des Infanterieregiments 165 von Goslar nach Quedlinburg versetzt. _______________

Bellun 0, 3. Dez. Durch einen Bergrutsch wurden heute vormittag dreißig Gebäude des Dorfes Pra bei San Lucano zerstört. 27 Personen sollen getötet, 9 verwundet worden sein.

Tokio, 3. Dez. Insolge eines Taifuns strandeten gestern in der Kawatsu-Bay 35 Fischerboote; 350 Fischer sollen den Tod gesunden haben.

Kirchliche Nachrichten.

Sonntag den 6. Dezember.

Vormittags V2IO Uhr: Herr Pfarrer Nolte von Ransbach.

Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst (Sonntagschule.)

Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer Weitzmann.

Vormittag V2IO Uhr Gottesdienst zu Petersberg.

Mittwoch den 9. Dezember Abends 8 Uhr: Gottesdienst in der Hospitalskapelle.

Hierzu Nr. 49 desIllustrierten Sonntags« blattes" und Nr. 23 derIllustrierten Land­wirtschaftlichen Beilage".