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Herrscher Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 140.
Sonnabend, den 28. November
1908.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 24. November 1908.
Die Herren Bürgermeister, welche meine Versügung vom 7. September 1882 — Ziffer 2 — I. 11 638 — Kreisblatt Nr. 72 — betrifft Bericht über die stattgehabte Ausräumung der Flutgräben sowie Ent- und Bewässerungsanlagen, noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist vonlängstens 8 Tagen erinnert.
1. 11 914. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, -Regierungs-Referendar.
Hersfeld, den 25. November 1908.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche meine Verfügung vom 20. Oktober d. Js. I. Nr. 10 829, Kreisblatt Nr. 125 — betrifft Erreichung des Verzeichnisses über die Viehseuchen-Abgaben — noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist von 8 Tagen erinnert. I. 12 039. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, Regierungs-Referendar.
Hersseld, den 20. November 1908.
Der Schreiner Wilhelm Hofmann zu Kathus ist als Leichen- schauer für den Gemeindebezirk Kathus heute von mir eidlich verpflichtet worden. I. 11494 a. Der Königliche Landrat,
I. A.: Fellinger, Regierungs-Referendar.
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Hersfeld, den 24. November 1908.
Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Johannes Räuber zu Hattenbach ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.
I. 11 943. Der Königliche Landrat.
I. A.: Fellinger, Regierungs-Referendar.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Die R e i ch s s i n a n z r e s o r m hat während der Berichtswoche den Gegenstand einer erstmaligen Beratung im Reichstage gebildet. Der Natur der Sache nach konnte zunächst nur die grundsätzliche Stellung der einzelnen Parteien in den Darlegungen der verschiedenen FraktionSredner ihren Ausdruck finden, während das Detail der Kommissionsberatung vorbehalten bleibt. Hier und nicht im Plenum ruht das Schwergewicht der Entscheidung. Man darf sich daher auch durch die stark oppositionelle Haltung einzelner Parteien und das im Grunde genommen negative Fazit der bisherigen Plenar- Verhandlungen nicht beunruhigen lassen. Wenn irgendwo, so gilt hier das Wort, daß nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Mit größter Entschiedenheit aber müssen die von freisinniger Seite, wenn auch leise und schüchtern unternommenen Versuche, die Reichsfinanzreform zum Gegenstand eines Kuhhandels zu machen, zurückgewiesen werden. Wer die Not des Vaterlandes zu benutzen strebt, um parteipolitische Vorteile herauszuschlagen, handelt unnational und hat fürderhin nicht mehr das Recht, sich zu den nationalen Parteien zu zählen. Hoffentlich bleiben sich daher unsere linksliberalen Parteien der Pflichten bewußt, die ihnen ihre Zugehörigkeit zum nationalen Block auferlegt. Ihre bisherige Haltung während der Blockära berechtigt ja einigermaßen zu solcher Hoffnung.
In einer eigentümlich unangenehmen Situation befinden sich gegenwärtig unsere Ultramontanen. Kaiser Wilhelm hat bekanntlich eine Abordnung unter Führung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz von Schorlemer-Lieser an den Papst gesandt, um diesem Glückwünsche zu seinem Jubiläum zu übermitteln. Der Papst soll nun, wie berichtet wird, dieser Abordnung gegenüber sich dahin ausgesprochen haben, „daß unter der weisen Regierung des deutschen Kaisers die deutschen Katholiken in voller Freiheit ihrem Glauben leben könnten." Solche von höchster autoritativer Stelle ausgesprochenen Wahrheiten sind naturgemäß unsern Zentrumsintranfigeants, die das Märlein von der Unterdrückung der katholischen Kirche in Deutschland zur Befestigung ihrer Herrschaft aufrechtzuerhalten wünschen, höllisch unangenehm. Die Zentrumspresse bemüht sich daher auch krampfhaft, an den päpstlichen Worten herumzudeuteln und ihre volle Authentizität anzuzweifeln. Es tritt auch hierbei wieder die charakteristische Erscheinung zutage, daß der Ultramontanismus die Autorität des Papsttums nur soweit anerkennt, als diese zur Förderung und Unterstützung seiner parteipolitischen Bestrebungen geeignet erscheint. Wir aber wollen uns jenen päpstlichen Ausspruch für alle Zukunft merken und ihn sorgfältig unserem Waffenarsenal zur Abwehr ultramontaner Angriffe einverleiben.
Eine erfreuliche Nachricht ist während der verflossenen Woche aus unseren Kolonien zu uns gelangt. Die Regierung hat eine Expedition nach dem sogenannten Caprivizipsel, dem nordöstlichsten Teile Deutsch-Südwestafrikas, ausgesandt, um dieses Gebiet von dem sich daselbst aufhaltenden lichtscheuen Gesinde! zu säubern und den dortigen reichen Wildstand vor der Gefahr seiner allgemeinen Vernichtung zu sichern. Weiterhin würde es sich dann um die wirtschaftliche Erschließung und engere Angliederung jenes Gebietes an den übrigen süd- westafrikänischen Kolonialbesitz handeln. Gouverneur v. S ch u ck m a n n hat sich während der kurzen Zeit seiner Amtstätigkeit schon manigfache Verdienste um Deutsch-Südwestafrika erworben, so insbesondere durch die von ihm bewirkte Reise des Hauptmanns Franke ins Ovamboland, die dank der hervorragenden Tüchtigkeit des genannten Offiziers von glänzendstem Erfolg gekrönt gewesen ist. Mit der Inangriffnahme der Ausschließung des Caprivizipfels hat der Gouverneur der Reihe seiner Verdienste ein neues wertvolles Glied hinzugefügt.
In unserem befreundeten Nachbarreiche Oesterreich- Ungarn hat der leidige Nationalitätenhader wieder einmal recht häßliche Blüten gezeitigt. In Wien haben italienische Studenten ohne irgendwelchen Anlaß aus ihre deutschen Kommilitonen mit Revolvern geschossen und dadurch mehrere Verwundungen herbeigeführt. Selbst ein Blatt wie die „Wiener Arbeiterzeitung" gibt seiner Empörung hierüber mit folgenden Worten Ausdruck; „Sich kaltblütig mit Waffen aus- zurüsten wie Wegelagerer, Revolver mitzubringen in die Universität, die von jedem Studenten Ehrfurcht heischt, und auf Alters- und Studiengenossen zu schießen, das war keine unüberlegte Ausschreitung mehr, das war eine Abscheulichkeit. Weder die Professoren noch die-Studenten. der Wiener Universität sind daran schuld, daß die italienische Hochschule nicht errichtet wird, noch können sie die Errichtung durchsetzen." — Auch in Prag ferner ist es wiederum zu argen Ausschreitungen des tschechischen Pöbels gegen deutsche Studenten gekommen. Der deutsche Volksrat in Böhmen, dem die Organisation der nationalen Selbsthülfe des Deutschtumes in diesem Kronlande obliegt, hat eine höchst bemerkenswerte Kundgebung an die deutsche Arbeitgeberschaft Böhmens erlassen, in der die deutschen Arbeitgeber aufgefordert werden, keinem Tschechen Arbeit und damit Gelegenheit zur Niederlassung in Deutschböhmen zu geben. Hoffen und wünschen wir, daß dieser Aufruf recht sorgfältige und tatkräftige Nachahmung finden möge.
In P e r s i e n macht der Schah starke Anstrengungen, um den Sieg der Reaktion wieder zu einem vollendeten zu machen. So hatte er durch eine Proklamation die Aufhebung der verliehenen Verfassung vollzogen. Auf Betreiben Rußlands und Englands aber sah er sich genötigt, diese Proklamation wieder zurückzuziehen. Es ist uns nicht recht klar, von welchen Beweggründen sich die genannten Mächte hierbei leiten lassen, das eine aber wissen wir, daß bei den unentwickelten Kulturzuständen Persiens jede Art von Parlamentarismus daselbst zu einer Farce werden muß, die in ihrer grotesken Lächerlichkeit geeignet erscheinen dürfte, selbst noch die sogenannten „Volksvertretungen" der Balkanstaaten weit in den Schatten zu stellen.
Advent.
Es ist Advent, und bald glänzt märchengolden Der Christbaum, wie in Bethlehem der Stern, Die Kerzen glühn, als ob sie sagen wollten: „Jetzt wird es Licht auf Erden nah und fern! O öffnet eure Brust der segensholden Der süßen Liebe, die euch folget gern! Der schneebeglänzte Winter herrscht auf Erden, Doch Liebeslenz soll s euch im Herzen werden."
Ihr eilt, das Haus mit Weihnachtsglanz zu schmücken,
Und emsig regt sich wieder eure Hand, Der Kinder Herz mit Schätzen zu beglücken, Die eure Liebe, für sie suchend, fand;
An ihrer Freude wollt ihr euch erquicken, Zurückschaun in der Kindheit sel'ges Land, Euch winkt ein Fest, so hell wie Märchenträume, Glück duften euch die lichten Tannenbäume.
O denkt daran, es gibt auch dunkle Räume, Da jubelt nicht beglückter Kinder Chor, Da sprossen keine goldnen Weihnachtsbäume, Die Händchen strecken sehnend sich empor, Doch all die süßen, stillen Kinderträume, Als Wahrheit treten nimmer sie hervor: Wie herb muß Leid ein Muttcrherz erfüllen, Kann sie nicht einen Wunsch des Kindes stillen!
Da ift's an euch, die ihr mit vollen Händen Der süßen Gaben Fülle heimwärts bringt.
O wollt von eurem Schatz der Armut spenden, Daß auch in ihre Nacht ein Lichtstrahl dringt I Wenn in der hcil'gen Nacht sich Hütten fänden, Wo nicht zum Himmel auf ein Jauchzen klingt,
Müßt' es nicht schmerzvoll euch die Brust bewegen? O gebt ein Schelflein nur von eurem Segen?
Seht ihr die Hütten dann im Festeskleide Und überall ein friedlich Weihnachtsglück, Auf euch nur strahlt mit seiner Himmelssreude Der Segen, den ihr spendet, zurück. Wenn ihr befreit ein Herz aus trübem Leide, Nur seliger strahlt euer eigner Blick; O zaudert nicht, stillt sehnendes Verlangen, Gebt hin, ihr werdet mehr dafür empfangen!
Erwin von Waldenburg.
Reichstag.
Im Reichstage wurde am Dienstag und Mittwoch die erste Lesung der ReichSfinanzreform-Vorlage durch die Jnter- pellationsverhandlungen über die Katastrophe in der Zeche „Radbod" einstweilen abgelöst. Aus der Diskussion des ersten Verhandlungstages, des Dienstag, ist hervorzuheben, daß der Staatssekretär des Reichsamtes des Innern, v. Bethmann- Hollweg, die Einführung von Arbeiter-Kontrolleuren in den Bergmännischen Betrieben verhieß, sowie eine einheitliche Regelung der Berggesetzgebungen der Einzelstaaten zur erhöhten Sicherung der Bergarbeiter in Aussicht stellte. Am Mittwoch nahm als erster Redner vom Tage der konservative Abgeordnete Graf Kanitz das Wort, das jüngste Grubenunglück in Westfalen zu besprechen. Abg. Gothein von der Freisinnigen Vereinigung erörterte als Sachverständiger — Herr Gothein ist in seinem bürgerlichen Berus Bergrat — eine Reihe von Einzelheiten im bergmännischen Betriebe und gab hierbei verschiedenen Beschwerden, welche der sozial- demokrat $n^, der selber yH^oiLeiter ist, in der vorangegangenen Sitzung gegen ■ Die* Zechenverwaltungen des Ruhrgebietes erhoben hatte, Recht. Im übrigen erklärte Abg. Gothein die Bereitwilligkeit seiner parlamentarischen Freunde, sich an einer parlamentarischen Enquete über die Zustände im deutschen Bergbau zu beteiligen. Der ihm nachfolgende Zentrumsredner, Abg. Schiffer, schweifte bei seiner Besprechung der „Radbod"-Katastrophe zum Sprachenparagraphen des Reichsvereinsgesetzes ab und wies darauf hin, daß von diesem schweren Unglück gerade eine große Anzahl fremdsprachiger Arbeiter mitbetroffen worden seien. Nun griff wiederum Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg in die Debatte ein, um sich ebenfalls über das angeschlagene Thema vom Sprachenparagraphen zu verbreiten und darzutun, daß dieser Paragraph keinen Wiederspruch zu den Erklärungen darstelle, welche er, der Staatssekretär, früher zur Sprachenfrage abgegeben habe. Er betont vielmehr, wie er immer dafür eingetreten sei, daß das Sprachengesetz gerade im Westen deS Reiches, im Ruhrgebiete, wegen der dortigen gemischten Arbeiter- bevölkerung zur Anwendung kommen müsse. Die Darlegungen des Regierungsvertreters wurden auf sozialdemokratischer Seite mit großem Lärm ausgenommen, und Abg. Ledebour (soz.) rief dazwischen hinein, daß Herr v. Bethmann-Hollweg den Reichstag planmäßig irregeführt habe, welche Aeußerung dem genannten Abgeordneten einen Ordnungsrus zuzog. Im weiteren Verlaufe der Debatte ergriff der preußische Handels- ministcr Delbrück das Wort, um die scharfen Angriffe, welche der sozialdemokratische Abgeordnete Hus am Schlüsse der Dienstagssitzung gegen die preußische Regierung gerichtet hatte, zurückzuweisen. Die Mittwochsdebatte endete mit persönlichen Bemerkungen.
Am Donnerstag wurde in Anwesenheit der Staatssekretäre Shdow und Dernburg und des Unterstaatssekretärs Twele die Generaldebatte über die Finanzreform fortgesetzt. Haus und Tribünen wiesen starken Besuch aus. Als erster Redner wendet sich Abg. Speck (Zentrum) in mehrstündigen Ausführungen scharfer Tonart gegen die Vorlage, die, wie wohl niemals eine Vorlage, allerorten Unwillen erregt habe. Redner sucht, durch häufige Beifallskundgebungen seiner Partei unterbrochen, die Mängel des Gesetzentwurfs darzulegen, indem er zur Stützung seiner Behauptungen vornehmlich die Finanzverhältnisse des Auslands zum Vergleich heranzieht.
Aus Jn« und Ausland.
Berlin, den 26. November
Die Erkrankung Sr. Majestät desKaisers nimmt den gewöhnlichen Verlauf. — Ihre Kaiser iche und Königliche Hoheit die Frau Kronprinzessin besuchte heute die Aquarellausstellung in der Akademie der Künste. Später fand sich auch Sc. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz ein. Die Herrschaften nahmen die Ausstellung, die am 29. d. M. geschlossen werden wird, mit großem Interesse in Augenschein.
Durch Allerhöchste Bestimmung ist soeben die Einführung des landwirtschaftlichen Unterrichts in der Armee genehmigt worden. Dieser Unterricht bezweckt die Stärkung der Liebe zur heimatlichen Scholle und die Erweiterung der Kenntnisse für den Beruf. Der Unterricht erfolgt versuchsweise, und zwar nur an dienstfreien Nachmittagen. Die Teil-