einmal geträumt werden. Wir erinnern dabei auch an ein berühmtes Wort von dem verewigten Generalfeldmarschall v. Moltke, der über eine Kriegsfrage zwischen England und Deutschland einmal gesagt hat, daß er schon wisse, wie er hunderttausend Soldaten nach England hineinbringe, aber er wisse nicht, wie er die deutschen Soldaten wieder Herausbringe. Deutsche Kriegspläne gegen England vom Standpunkte des Angriffs sind also durch ein Landheer bis auf weiteres ein Unding, und der wackere Lord Roberts hat nur deshalb jährlich 20 Millionen Pfund Stcrl. für die Landesverteidigung mehr verlangt, um England in den Besitz eines halbwegs leistungsfähigen Landheeres zu bringen. Als geschickter Politiker benutzt er dazu die immer noch in England vorhandene Furcht vor einem deutschen Angriffe und er weist zu diesem Zwecke sogar darauf hin, daß in sechs Jahren Deutschland nach England die größte Kriegsflotte haben werde. Dabei hat aber der wackere Lord ganz vergessen, daraus hinzuweisen, daß die englische Kriegsflotte auch in sechs Jahren noch doppelt so groß als die deutsche sein und es sür absehbare Zeit auch bleiben wird. Man hätte eigentlich annehmen sollen, daß Lord Roberts auf den bevorstehenden Bau von Lustkriegsschiffen in Deutschland Hinweisen würde, denn der Vorsprung Deutschlands auf dem Gebiete der Luftschiffahrt liegt den Engländern auch schwer aus dem Herzen und das Gespenst von dem Auftauchen zehn großer deutscher Lustkriegsschiffe vor den eng- • lischen KriegShäfen hätte vielleicht in England noch besser gewirkt, aber davon hat der brave Lord Roberts nichts gesagt und seine Gespenstcrfurcht richtet sich nur in der Hauptsache gegen den Einmarsch eines deutschen Landheeres in England. Nicht alle Mitglieder des englischen Oberhauses teilen ja diese Meinung des Lord Roberts, und selbst vom englischen Regierungstische aus sind seine Ausführungen wegen der gegenwärtigen politischen Lage getadelt worden. Trotzdem ist aber der erwähnte Antrag des Lords vom Oberhause angenommen worden, und wir müssen in Deutschland fortgesetzt mit dem unbegründeten Argwohne Englands gegen die deutsche Friedenspolitik rechnen. An der Fortdauer dieses Argwohns hat bekanntlich auch der deutsche Kaiser großen Anstoß genommen, aber nachdem nun den Engländern auf alle mögliche Arten hundertmal erklärt worden ist, daß Deutschland eine Friedenspolitik auch gegenüber dem britischen Jnselreiche verfolgt, verbietet es unsere Würde, immer und immer wieder den Eng- ländern diese Versicherungen abzugeben und ihnen in demütigender Weise als Friedensapostel noch extra nachzulausen. Deutschland treibt trotz stärkster Rüstung nur eine Friedenspolitik und wird seine Waffengewalt nur zur Abwehr seindlicher Angriffe benutzen.
Reichstag.
Der Reichstag führte am Montag die Generaldebatte über die Reichsfinanzreform bei recht schwach besetztem Hause weiter. Zunächst ließ sich Abg. Wiemer von der sreisinnigen Volks- partei vernehmen. Seine Ausführungen waren teilweise der Frage der Neuregelung der Matrikularumlagen gewidmet und forderte er weiter möglichste Sparsamkeit besonders bei der Marine, bei der Heeresverwaltung und bei der Kolonialver- waltung. Betreffs der einzelnen Steuerprojekte erklärte Wiemer, daß seine Partei zu den meisten derselben noch keine bestimmte Stellung nehmen könne, doch bezeichnete er schon jetzt das Branntweinmonopol, die Tabakbanderolensteuer, die Wein- steuer, wenigstens in der geplanten Form, die Gas- und ElektrizitätSsteuer als sür seine politischen Freunde unannehmbar. Im übrigen erkannte er aber die Notwendigkeit einer gründlichen Besserung der Rcichsfinanzen an. Der nachfolgende Redner, der Reformparteiler Zimmermann, mahnte ebenfalls zur Sparsamkeit in den verschiedenen Zweigen der Reichsverwaltung, sprach sich sür die Nachlaßsteuer, die Wehrsteuer und die Branntweinsteuer aus, verwais jedoch die Tabaksteuer in ihrer geplanten Form, ebenso die Inseraten-, Gas- und Elektrizitätssteuer. Dafür befürwortete er eine Reichs-Ein- kommen- und Vermögenssteuer, eine Erhöhung der Börsen- steuer, eine Umsatzsteuer sür Großmühlen und einen Aussuhrzoll auf Kali und Kohle. Abg. Schröder von der freisinnigen Vereinigung kritisierte den Finanzreformplan der verbündeten Regierungen nur ganz im allgemeinen, und zwar ziemlich abfällig. Der Reichsparteiler Gamp stellte sich dafür um so freundlicher zu dem Reformplane, wenngleich er Bedenken gegen verschiedene der vorgeschlagenen neuen Steuern äußerte. Der letzte Redner aus dem Hause, der süddeutsche VolkS- Parteiler Payer polemisierte hauptsächlich gegen das preußische Kriegsministerium wegen der Schwierigkeiten, welche dort dem Grafen Zeppelin bei der Bezahlung der Summe für die Uebernahme des Zeppelinschen Luftballons durch das Reich
von seinem Sitze her mit dem heimgekehrten Neffen zu führen begann.
Indes bemerkte der Onkel nichts von seiner Zerstreuung und schloß mit der gastlichen Frage:
„Du bleibst doch zum Diner und den Abend bei uns, Heinrich?“
„Nein, Onkel Robert", antwortete Heinrich, aus einem langen Nachsinnen auffahrend, während dessen er in die Perlen in seinem Champagnerglase niederblickte, „ich reite alsbald nach dem Frühstück heim, ich habe einen Berg Briefe vorgefunden und muß ein paar Stunden arbeiten. Wenn die Tante erlaubt, komme ich Sonntag zu Tisch und am Sylvesterabend wie immer zum zweiten Anzünden des Weihnachtsbaumes wieder zu Euch."
„Wie immer!" gab die Frau Kommerzienrat zurück. „Du hast im vorigen Jahre beim Sylvesterpunsch und diesmal gar am heiligen Abend gefehlt, Heinrich, — man weiß ja kaum noch, wann man auf Dich zählen kann! Und soll es freuen, wenn Du wenigstens dieses Mal Wort halten wirst!"
Der junge Fabrikherrr ließ mit guter Miene das erneute Zürnen Frau Marthas über sich ergehen. Seine Base Christine aber, die ihm betrübt zuflüsterte: „Du reitest wirklich bald hinweg. Ich hoffte, Dir Fräulein Münter vorstellen zu können — und Deinen Schutz sür sie zu gewinnen", erwiderte er leise: „Eben dem ersten Eintritt des Fräuleins in daS Haus möchte ich ausweichen! Ich mag nicht sehen, daß man sich solch einem armen Wesen gegenüber spreizt und sie von vornherein zu demütigen trachtet, nur deshalb, weil man vor Hochmut nicht weiß, wie man sie empfangen soll. Ich mag eS vollends nicht sehen, seit Du mir gesagt hast, daß sie Erika heißt. Der Name regt mich schon auf. Ich weiß wohl, daß ich ein Narr bin, Schwesterherz, aber Du kannst Dir wohl denken, daß mich die vergeblichen Reisetage innerlich ein wenig nervös gemacht haben."
ES währte immerhin noch eine halbe Stunde, bevor das festlich reiche Frühstück zu Ende ging und eine weitere halbe, ehe dem jungen Fabrikherrn, der inzwischen mit seinen Tanten, mit Fräulein Eva und dem Leutnant von Gravenreuth in
bereitet würden. Regierungsseitig griffen die preußischen Finanzminister v. Rhein babcn und der Reichsschatzsekretär Sydow zur Verteidigung verschiedener Einzelheiten der Reichsfinanzreform in die Diskussion ein.
Wr In- und Busland.
Berlin, den 24. November
Die „N. A. Z." schreibt: Ein Berliner Blatt macht Angaben über Reisepläne Sr. Majestät des Kaisers, sür das kommende Frühjahr, deren Einzelheiten bereits feststehcn sollen. Wir können diese Mitteilungen als erfunden bezeichnen. Bei diesem Anlaß möchten wir den Wunsch wiederholen, daß die Zeitungen sich der Mühe unterziehen mögen, Notizen über Rcisepläne deS Kaisers vor der Veröffentlichung durch Nachsragen an zuständiger Stelle aus ihre Richtigkeit zu prüfen. — Se. Majestät der Kaiser hütete heute wegen einer Erkältung das Bett.
Der Kaiser hat eine neue Vorschrift für das Gewehr- fechten der Infanterie genehmigt, die an die Stelle der bisherigen Bajonettiervorschrift tritt. Durch KabinettSorder ist, wie die Allg. Armee-Korrespondenz meldet, ein neues Exerzier-Reglement und eine Schießvorschrist für die Fußartillerie genehmigt worden. Die neuen Vorschriften befinden sich im Druck und werden in einiget Zeit den Truppenteilen zugehen. Die Hauptleute der Fußartillerie heißen von jetzt ab nicht mehr KompagniechesS, sondern Batteriechefs.
Die im neuen M a r i n e e t a t enthaltenen Erhöhung der fortdauernden und einmaligen Ausgaben ist vereinzelt als überraschend hoch bezeichnet worden, speziell die Vermehrung der einmaligen Ausgaben für Schiffsbauten und Armierungen um fast 50 Millionen Mark gegen daS Vorjahr. Dem gegenüber ist darauf hinzuweisen, daß der Mehrbedarf für das kommende Jahr bereits vor 12 Monaten bei der Begründung der Marinevorlage für daS Jahr 1908 dem Reichstage mitgeteilt wurde. Für Schiffsbauten und Armierungen in 1909 waren damals vorgesehen 226,8 Mill. (-s- 55,8), während jetzt gefordert werden 219,8 (-J- 48,8). Die tatsächlichen Forderungen für daS kommende Etatsjahr bleiben danach um 7 Millionen Mark zurück, während die Vermehrung resp, der Ersatz des schwimmenden Materials sich genau mit der gesetzlich festgelegteu Vermehrungsrate deckt.
Wie halbamtlich berichtet wird, haben die Zustände in dem östlich von Okavango gelegenen Teile des südwestasrika- nischen Schutzgebietes, dem sogenannten Caprivi-Zipfel, in letzter Zeit die ernste Aufmerksamkeit des Gouvernements in Windhuk, wie auch der britischen Kolonial-Verwaltungs- behörde in Südafrika in Anspruch genommen. Es hat nämlich ein fortgesetzter Zuzug lichtscheuer, größtenteils weißer Elemente dorthin stattgefunden, die namentlich die östliche Ecke des Caprivi-Zipsels als Zufluchtsort benutzen und durch Aasjägerei den dortigen Wildstand aufs schwerste schädigen. Auch eine Reihe äußest schlecht beleumundeter Ansiedler, die an der Grenze aus englischem Gebiet sitzen, treibt dort ihr Unwesen und unternimmt insbesondere Jagdraubzüge in daS deutsche Gebiet. Gouverneur v. Schuckmann hat deshalb, um die Ausrechterhaltung der Ordnung und die Erhaltung des Wildbestandes im Caprivi-Zipfel nach Möglichkeit zu sichern, den Zutritt dorthin durch eine Verordnung vom 16. Oktober d. I. verboten. Zu ihrer Durchführung ist der bisherige Distriktschef in GababiS, Hauptmann Streitwols, mit zwei Weißen (einem Feldwebel und einem Sanität-sergeanten), sowie zwölf Polizisten nach dem Caprivi-Zipfel entsandt worden.
An der Wiener Universität haben blutige Schlägereien zwischen deutschen und italienischen Studenten stattgefunden, wobei die Italiener die Angreifer waren; sie feuerten sogar mit Revolvern aus die deutschen Studenten. Etwa 20 Studenten wurden verletzt; drei Italiener wurden wegen schwerer Körperverletzung dem Landesgericht eingeliesert. Der Senat verfügte die einstweilige Schließung der Universität.
An dem französischen Gelbbuch über Marokko interessieren Deutschland am meisten die Depeschen betreffend die Verhandlungen wegen der Entschädigung für Casablanca, ferner die Frage der deutschen Schutzbefohlenen, welche durch die Tötung des Deutschen Larbid durch die Schaujah angeregt wurde. Dann folgten die Ereignisse vor und nach dem Sturz des Sultans Abdul Aziz sowie die Verhandlungen, welche wegen der Anerkennung des Sultans Mulai Hafid geführt wurden. Der Ton der deutschen sowie der französischen Depeschen ist in diesem Gelbbuch sehr entschieden, doch schließen alle mit der Perspektive, daß der deutsche und französische Standpunkt in der Marokkosrage sich gegenseitig genähert
den unteren Saal hinabgestiegen war und die Weihnachts- bescherung gemustert hatte, durch Martin gemeldet wurde, daß sein Pferd vor der Tür stehe. Heinrich eilte noch einmal die Treppe empor, um sich oben von der kranken Christine in ihrem eigenen Zimmer zu verabschieden und ihr zur ersten Begegnung mit ihrer neuen Gefährtin eine gute Stunde zu wünschen.
Christine sagte ihm da, daß der Wagen zum Abholen der erwarteten Gesellschafterin längst nach der Station abgegangen sei und beinahe schon auf dem Rückweg sein könne, was Heinrich Hagen veranlaßte, seinen Abschied noch zu beschleunigen, um nicht am Ende doch dem Einzüge des Fräulein Münter in der Villa beiwohnen zu müssen. Die Vorweisung des Bildes war in der Hast seines Abschiedes auch vergessen worden.
Ueberrascht bemerkte Heinrich, aus Christines Zimmer tretend, daß auf dem Vorflur der Leutnant von Gravenreuth wartete und eben Martin den Auftrag gab, ihn bei dem gnädigen Fräulein anzumelden.
Noch indem Heinrich sich unten von der Rätin und seiner jüngeren Cousine Eva verabschiedete und sein Pferd bestieg, stand ihm der wunderlich befangene Gesichtsausdruck vor Augen, den er an dem soldatischen Gast des Hause heute schon ein paar Mal und eben jetzt wieder wahrgenommen hatte.
Er fühlte sich versucht, bevor er seinen Fliegenschimmel in Gang setzte, dem hübschen, srühreifen Evchen eine Warnung zuzuflüstern.
Aber wie sie jetzt neben ihm stand, den Hals des Pferdes streichelnd, und ihn selbst, den stattlichen Vetter, liebenswürdig anlächelte und dabei doch einmal ums andere über die Ausgangstreppe der Villa zurückblickend, ob Herr v. Gravenreuth noch nicht wieder auftauchen wollte, mußte er über daS kindliche Huldigungsbedürfnis der jungen Cousine lächeln und sagte sich selbst: sie spielt noch mit allem — eS ist gefähr- licher, sie zu warnen, als sie ungewarnt zu lassen. So nickte er, nachdem er vor Tante Martha noch einmal den Hut gezogen, dem schönen Cousinchen zu und sagte: „Guten Abend, Evchen. Iß nicht zu viel Bonbon-, Kind, und glaube von
haben. Zu dem Streite um die Fremdenlegionäre liegt bereits eine Gerichtsentscheidung vor, die aber als eine endgültige noch nicht anzuerkennen ist.
Die Aufhebung der persischen Verfassung durch den Schah ist zur Tatsache geworden. Der Schah hat in einer Proklamation erklärt, daß in Zukunft unter keinem Vorwande mehr ein Parlament einberufen werden solle, da die Gründung eines Parlaments dem Gesetze des Jslain widerspreche. Immerhin habe er im Interesse der Gerechtigkeit die nötigen Anweisungen gegeben, um die Gerechtgikeit zu pflegen. Diese Weigerung des Schahs von Persien, feinem Versprechen gemäß ein neues Parlament zu berufen, ist nach einer „Times"°Meldung aus Teheran von der russischen und von der englischen Gesandtschaft aus nicht bloß als Eidbruch, sondern als Beleidigung Rußlands und Englands bezeichnet und mit der Androhung ernstester Vorstellungen beantwortet worden.
Wie aus Paris gemeldet wird, sprach sich der Kriegsminister Picquart im Heeresausschuß der Kammer für Batterieen zu vier Geschützen aus und begründete sodann die seit langer Zeit vorbereitete Vorlage sür die Artillerievermehrung, nach welcher die Zahl der Artillerieregimenter von 40 aus 64, die Zahl der Batterieen von 506 aus 634 erhöht werden soll. Die erforderlichen Mannschaften sollen durch die bereits seit einem Jahre durchgeführte Erhöhung des Artilleriekontingents, durch die Verringerung der reitenden Batterieen von 50 auf 16 und durch die Abschaffung der Artillerieregimentsmusiker gewonnen werden. Jedes Armeekorps würde nach Verwirklichung dieses Programms, das eine jährliche Mehrausgabe von 9 Millionen und eine einmalige Ausgabe von 8 Millionen für Pserdeankäufe verursachen würde, 120 anstatt 92 Geschütze besitzen, die reitenden Batterieen nicht mitgerechnet.
Bus Provinz u. Nachbargebiet.
* (Die Einlösung der alten Taler.) Dem Taler, der im vorigen Jahre aus unserm Münzsystem ausgemerzt worden ist, war noch eine Frist von einem Jahr bewilligt worden, innerhalb der er zum vollen Werte von drei Mark eingelöst werden konnte. Diese Frist ist am 1. Oktober verstrichen, und die Inhaber von Talerstücken können ihren Besitz von diesen Mttnzstücken nur noch zum Silberwert veräußern, wenn sie nicht vorziehen, ihm durch längere Lagerung Liebhaber- oder Seltenheitswert zu geben. Die Veräußerung der Taler zum Silberwert ist indes ein sehr verlustreiches Geschäft, da dieser Silberwert nicht einmal die Hälfte des früheren Umlaufwertes beträgt, sodaß der Taler heute nur noch zu etwa 1,40 Mark abzusetzen ist. Obwohl das Geschick, dem der Reichstaler verfallen ist, wiederholt in der Presse besprochen worden ist, gibt es doch immer noch Leute, zu deren Kenntnis die neuen Verhältnisse nicht gekommen sind, und zwar sind das solche Kreise, die ihre Ersparnisse nicht in Obligationen anzulegen gewöhnt sind, sondern sie talerweise dem ehrwürdigen Sparstrumpf anvertraut haben.
* (Freiwillige Jäger.) Beim Kurhessischen Jäger- Bataillon Nr. 11 in Marburg a. d. Lahn werden zum Herbst zweijährig Freiwillige angenommen. Vorbedingung ist volle Sehschärfe, durchaus kräftiger Körperbau, widerstandsfähige Atmungs-Kreislauforgane, sowie gutgebildete Füße (nicht Plattfuß) und Größe im allgemeinen nicht unter 1,60 Meter; Handwerker, wie Schneider, Schuster, Schreiner, Maler, Buchbinder, Steindrucker, Gärtner, sowie Landwirte werden bei der Anmeldung bevorzugt. Diejenigen jungen Leute, die angenommen zu werden wünschen, wollen sich unter Vorlage eines bis 31. März 1909 giltigen Meldescheines an einem Mittwoch oder Sonnabend vormittag in Marburg (Kaserne) zur ärztlichen Untersuchung melden. Auswärtige Untersuchungen können nur in ganz besonders begründeten Fällen genehmigt werden. Schriftliche Anfragen vor der persönlichen Meldung beim Truppenteil sind zu unterlassen.
m Hersfeld, 25. November. Der Genuß von rohem Fleisch und rohenEiern ist keineswegs so empfehlenswert, wie es der Laie meistens annimmt, weil rohes Eiweiß, das hauptsächlichste Nahrungsmittel in beiden, im allgemeinen dem gekochten gegenüber als schwerer verdaulich bezeichnet werden muß. Denn der menschliche Magen ist nicht in der Lage, rohes Eiweiß als solches zu verdauen, er muß dasselbe vielmehr auf chemischem Wege zum gerinnen bringen, bevor er es verdauen kann, und leistet also eine zweifache Arbeit gegenüber der einfachen bei Aufnahme von gekochtem Eiweiß. Dazu kommt beim rohen Ei, daß dessen flüssiges Eiweiß im Magen Kugelgestalt annimmt, mithin gegenüber der Menge nur eine sehr geringe Angriffsfläche den Magensäften bietet, aus welchem Grunde meistens ein großer Teil
allem, was Dir Schönes gesagt wird, immer nur den Hun- dersten Teil."
Heinrich durchritt im Schritt das Stück des Parkes, das an einen mächtigen Fabrikhof stieß, trabte an den hohen und langgestreckten Gebäuden vorüber, die heute von seiertägiger Stille umhaucht waren, und erreichte die Landstraße, die durch den Wald zu der etwa einer Stunde entfernten Eisenbahnstation lief.
Der Buchenwald, der dichter überschnell war als die Gärten und Anlagen um die Papiermühle und die stattliche Villa des Kommerzienrates Robert Hagen umfing ihn bald mit dem silbernen Glanz und Dust, den die letzte halbe Stunde des kurzen Wintertages über die Kronen der beschneiten und be- eisten Bäume breitete. Zu beiden Seiten der Straße waren Schneemauern aufgeschaufelt, über die hinweg der Reiter in die leise webende Dämmerung und das lautlose Rieseln und Stäuben des Schnees zwischen dem Unterholze hineinsah. Durch die hochragenden Stämme hindurch und über ihnen glänzte ein hellgrauer Himmel mit wenigen dunkelrötlich angehauchten Wolken, scharfe Kälte für Abend und Nacht verheißend.
(Fortsetzung folgt.)
— (Folgenschwerer Einsturz in einer Volksschule.) In einer ungarischen Dorfschule hat sich gestern ein schweres Unglück ereignet, bei dem zahlreiche Kinder sehr verletzt wurden. In der Ortschaft Dorozsma nächst Szegedin stürzte gestern nachmittag während des Unterrichts im großen Unterrichtssaale der dortigen Volksschule die Decke ein. Zahlreiche Kinder wurden teils schwer, teils leicht verletzt. Mehrere Mädchen wurden sterbend ins Spital befördert. In der Ortschaft herrscht größte Verzweiflung. Die Schuld an dem Unglück trägt der Bischof von Weizen und Patron der dortigen Kirche und Schule. Die Schule war schon lange baufällig, und die Bevölkerung wendete sich wiederholt an den Bischof, eine neue Schule zu erbauen.