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Zernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 139.
Donnerstag, den 36. November
1908.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 23. November 1908.
In den letzten Tagen haben sich die Diphtheritiserkran- kungen im hiesigen Kreis wieder erheblich vermehrt, sodaß in einzelnen Orten das Auftreten der Krankheit als epidemisch bezeichnet werden muß. Die dagegen getroffenen Maßnahmen können nur dann erfolgreich fein, wenn die dazu berufenen Behörden innerhalb des Kreises voll und ganz ihre Pflicht tun. Ich weise die Ortspolizeibehörden daher wiederholt auf eine genaueste Befolgung der Bestimmungen des Gesetzes betr. die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten und der dazu er- gangenen Aussührungsbestimmungcn hin. Vor allen Dingen erwarte ich, daß die dem Herrn Kreisarzt zu machende Mitteilung von einem Krankheitsfall ungesäumt erfolgt. Ich verweise in dieser Beziehung aus meine Verfügung vom 12. d. Mts. I. 11245 a (Kreisblatt Nr. 135.)
I. I. 11 933. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Bekanntmachung
Zum Verding der Landwege-Unterhaltungsmaterialien für das Etatsjahr 1909 — Kreis Hersfeld — sind nachfolgende Termine festgesetzt:
1) Hersfeld, Freilag den 27. November 1908 vormittags 10 Uhr
in der Peter Wolff'fchen Gastwirtschaft (Breitenstraße) für die Ortschaften: Hersfeld, Mecklar, Meckbach, Friedlos, Reilos, Rohrbach, Tann, Biedebach, Meijcbach, Heencs, Gittersdorf, Hof Hählgans, Untergeis, Obergeis, Asbach, Kohlhausen, Roßbach, Eichhos, Bingartes, Unterhaun, Oberhaun, Eitra, Petersberg, Wilhelmshos, Oberrode, Sorga, Kathus.
2) Niederaula, Montag den 30. Novbr. 1908 nachmittags 3 Uhr
in der Stein'fchen Gastwirtschaft für die Ortschaften: Reckeroqe, Kirchheim, Gersdors, Willingshain, Goßmannsrode, Rotterterode, Gershausen, Reimboldshausen, Kemmerode, Allendorf, Kleba, Hattenbach, Niederaula, Kerspenhausen, Mengshausen, Engelbach, Solms, Beiershausen, Hilperhaujen, Stärklos, Kruspis, Holzheim.
3) Schenklengsfeld, Freitag d. 4. Dezember 1908 vormittags 10 Uhr
in der Steinhauer'schen Gastwirtschaft für die Ortschaften: Schenklengsfeld, Wippershain, Wüstfeld, Oberlengsseld, Rans- bach, Landershausen, Malkomes, Schenksolz, Hilmes, Unrer- weisenborn, Wehrshausen.
4) Friedewald, Freitag den 4. Dezember 1908 mittags Val Uhr in der Zinn'schen Gastwirtschaft für die Ortschaften: Friede
Vetter ßeinricb.
Novelle von E. R a t h m a n n.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Nach allem, was ich von meiner künftigen Freundin weiß, wird sie darauf, wie sie von der Bahn abgeholt wird, keinen Wert legen, aber ich werde Papa dankbar sein, wenn sie von vornherein mit einer gewissen Auszeichnung behandelt wird", ließ sich die ältere Tochter des Hauses Vernehmen. „Ihr Bild hat mir so großes Vertrauen eingeflößt als je ein Menschengesicht — und ich hoffe, neben ihr neu aufzu- leben !"
Heinrich Hagen sah erstaunt auf seine Base, die den Rest ihres Glases Wein so entschlossen leerte, als tränke sie auf das Wohl der Unbekannten, von welcher er zum ersten Male hörte.
„Von wem ist denn die Rede, liebe Christine?" fragte er halblaut, doch immer noch so laut, um nicht von der ganzen stillgewordenen Tafel verstanden zu werden.
Der Kommerzienrat sah von seinem Teller in die Höhe, betrachtete die kranke Tochter wie den stattlichen Neffen mit verwunderten Augen und rief ungeduldig noch aus den gefüllten Backen heraus:
„Wovon habt Ihr denn eigentlich während der vertraulichen Stunde im Wintergarten geredet — wenn Du von der großen Neuigkeit des Tages nichts weißt, Heinrich?"
„Ich hatte vergessen, daß Heinrich unsere Entscheidung nicht kannte", antwortete etwas zaghafter als vorhin Chnstine. „So habe ich ihm von allem Erdenklichen und nichts von der Hauptsache erzählt. Am Tage vor Deiner Abreise, Heinrich, haben wir uns über eine neue Gesellschafterin für mich geeinigt. Du weißt, daß mir so viele Angebote nicht gefielen — weder Briese noch Photographien — aber wie dies eine Gesuch und dieS Bild ankam, da war ich keinen Augenblick mehr im Zweifel — Du Mußt das ernste und doch so liebe Gesicht sehen — gleich nachher, Heinrich — Du wirst meiner Meinung sein, daß ich gut gewählt habe."
wald, Nippa—Röhrigshöse, Heimboldshausen, Motzfeld, Lauten- Hausen, Hillartshausen, Unterneurode, Ausbach, Gethsemane, Harnrode, Lengers, Leimbach, Philippsthal, Herfa, Heringen, Widdershausen, Wölfershausen, Kleinensee.
Die Bedingungen und Steinmengen werden in dem Termin bekannt gemacht.
Hersfeld, den 20. November 1908.
Der Landes-Bauinspektor Lylander, Baurat.
♦
Hersfeld, den 23. November 1908.
Vorstehende Bekanntmachung des Landesbauamts hier bringe ich zur gefälligen Kenntnis der Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises.
Ich ersuche diese Bekanntmachung in ortsüblicher Weise (durch die Ortsschelle) zur öffentlichen Kenntnis der Gemeindeangehörigen zu bringen und letztere zur Beteiligung an dem Verding zu veranlassen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses
A. 6132. von Grunelius.
Hersfeld, den 14. November 1908.
In der heutigen Kreisausschußsitzung wurden gemäß § 18 deS Gesetzes vom 12. März 1881 betr. die Abwehr und Unterdrückung der Viehseuchen, ai$ den sachverständigen Eingesessenen des Kreises folgende Herren als Schiedsmänner für das Jahr 1908 gewählt:
1. Rentner Peter Heil in He^Sfeld,
2. Oekonom Friedrich Friedrich daselbst,
3. Oberamtmann Suntheim daselbst,
4. Oekonom Franz Roll daselbst,
5. Gutsbesitzer Richard Braun zu Oberrode,
6. Amtsrat Freife zu Bingartes,
7 Bürgermeister Stuckhardt in Kohlhausen,
8. Bürgermeister a. D. Nuhn in Asbach,
9. Oekonom Johannes Jakob Schenk in Kerspenhausen,
10. Oekonom Philipp Schäscr in Mengshausen,
11. Gutsbesitzer Friedrich Boß in Kirchheim.
12. Oekonom Meister zu Hof Beiersgraben,
13. Landwirt Johannes Claus in Mecklar,
14. Gutsbesitzer August Hoßbach zu Hof Weisenborn,
15. . Gutsbesitzer Adam Führer in Lautenhausen,
16. Gutsbesitzer Georg Gliemroth sen. in Wölfershausen,
17. Gastwirt Georg Ruch in Widdershausen,
18. Landwirt Georg Weitz in Harnrode,
19. Bürgermeister Lingemann in Philippsthal,
20. Ackermann Rudolph in Ausbach,
21. Schmied Scheer in Schenklengsfeld,
22. Oekonom Adolf Reinhard in Unterweisenborn,
23. Landwirt Heinrich Rüger daselbst,
24. Bürgermeister Wilhelm Brandenstein in Heimboldshausen,
25. Bürgermeister Ludwig Mohr in Conrode.
26. Bürgermeister Groscurth in Unterhaun,
27. Landwirt Asmus Burghardt in Ransbach.
„Gott im Himmel, Christine, wie Du Dich gewaltsam in große schöne Erwartungen hineinredest", sagte Tante Cordula mit drolliger Geberde. „Nun ja, das Fräulein sieht recht gut aus, recht hübsch meine ich. Aber am Ende, wenn sie kommt, ist sie wie jede andere: steif, verlegen, überall merkt man, daß sie nicht aus gutem Hause kommt und alle ihre Bildung ist aus der Leihbibliothek! Wie eine wirklich feine Dame nimmt sich keine aus."
Der Kontrast zwischen dem schläfrigen, breiten Gesicht, der plumpen Gestalt, der fetten Stimme deS alten Fräuleins und ihren hohen und hochmütigen Worten war so stark, daß selbst Kommerzienrat Hagen, der gern jedes Duell mit der Schwägerin vermied, sein lautes Auflachen nicht ganz in einem plötzlichen Hustenansall verstecken konnte.
Herr Heinrich und der junge Offizier ihm gegenüber wechselten einen Blick, in dem jeder erkannte, daß der andere dasselbe dachte.
Christine aber gönnte der unholden Tante keine Antwort, sie flüsterte nur:
„Heinrich, Du mußt das Bild des Fräuleins sehen — sie sieht so herzgewinnend und vornehm aus, als wenn ihr der angeborene Seelenadcl aus den Augen spreche, und ich fürchte, wenn es sich um Feinheit und Takt handelt, fo sind wir es, die vor ihr zurückstehen müssen. Ich fühle schon Sympathie für sie, weil sie einen Vornamen hat, der Dir lieb ist. Sie heißt auch Erika."
Und für die ganze Umgebung hörbar, setzte sie hinzu: „Erika ist ein prächtiger Mädchenname, finden Sie das nicht auch, Herr v. Gravenreuth?"
„Und ob ich es finde!" rief der Leutnant in einer Art Aufwallung. „Von wem ist die Rede, gnädiges Fräulein?"
Fräulein Eva aber, der auS irgend einem Grunde das allgemein gewordene Gespräch nicht behagen mochte, warf schnippisch dazwischen: „Mir sind die kurzen Vornamen lieber!" und setzte dadurch ihren Nachbar in komische Verlegenheit.
„Gewiß, meine Gnädige — mir auch — es kommt alles aus die Fälle an" — beteuerte der junge Offizier: „Ich
Die Ortspolizeibehörde hat die Schiedsmänner für jeden einzelnen Schätzungsfall aus der Zahl dieser Personen zu ernennen. Die Schätzung erfolgt durch die aus dem beamteten Tierärzte und zwei Schiedsmännern gebildete Kommission. Die Schiedsmänner sind von der Ortspolizeibehörde eidlich zu verpflichten. Dasselbe gilt, wenn an Stelle des beamteten Tierarztes ein nicht beamteter Tierarzt zugezogen wird, für diesen, sofern derselbe nicht im Allgemeinen als Sachverständiger beeidigt ist.
Die den Schiedsmännern als Ersatz für Reisekosten und Auslagen zu gewährende Vergütung wird im Verwaltungswege festgesetzt und aus der Staatskasse bestritten.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben die vorstehend genannten Personen.von der aus sie gefallenen Wahl alsbald in Kenntnis zu setzen und denselben dabei zugleich zu eröffnen, daß sie verpflichtet sind, auf amtliche Requisition erforderlichenfalls an allen Orten des Kreises Abschätzungen vorzunehmen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
A. 6034. I. V.: Fellinger, Regierungs-Reserendar.
nichtamtlicher teil.
W Weilst her MfMnrdit in Knolonil.
k Kein geringerer als der berühmte Feldmarschall Lord Roberts hat im englischen Oberhause am Montag wiederum die FrMe eines möglichen Einfalles eines deutschen Heeres in England aufgerollt und die beschleunigte Verstärkung des englischen Landheeres in einem von dem Oberhause zu fassenden Beschlusse verlangt und dazu auch die Zustimmung der ehrwürdigen Lords mit großer Mehrheft erlangt. Da kein Mensch in Deutschland an einen Angriff auf England denkt, und vom deutschen Kaiser in England selbst über die friedlichsten Gesinnungen Deutschlands gegenüber England öffentliche Zu- sicherungen gegeben worden sind, so verbietet es eigentlich die nationale Würde, daß wir in Deutschland vom politischen Standpunkte über diese englische Gespenstersurcht vor Deutschland viele Worte verlieren, zumal Lord Roberts für diese Wahnvorstellung vieler Engländer nicht viel neues im englischen Oberhause hervorgebracht hat. Er hat nur gesagt, daß die deutsche Flotte im Stande sei, ein Heer von zweihundert- tausend Mann in verhältnismäßig kurzer Zeit in England zu landen, und zwar von den französischen Häfen aus. Lord Roberts nimmt also an, daß Deutschland erst Frankreich noch einmal niederschlagen und dann sich über England hermachen will. Solche Ausführungen erwecken in Deutschland ein vergnügtes Lächeln, da solche Pläne in Deutschland noch nicht
möchte sagen, die längeren Vornamen flößen mehr Ehrer" bietung, die kurzen mehr feurige Neigung ein."
Und Herr v. Gravenreuth neigte sich zu dem jungen Mädchen, das beifällig lächelte, er schien die Absicht zu haben, seine seit dem Eislauf unterbrochene sichtliche Bewerbung um die Gunst der jungen Dame entschieden wieder auszu- nehmen.
Allein die hübsche Schmeichelei, mit der er Fräulein Evas Aufmerksamkeit wiederum auf sich zu lenken hoffte, erstarb ihm auf den Lippen, als die halblaute Fortsetzung des Gesprächs zwischen Heinrich Hagen und seiner kranken Cousine an sein Ohr klang.
„Du hast hoffentlich nicht bloß um des Vornamens willen Dich zum Engagement der Dame entschlossen, liebe Tina", hatte der junge Fabrikherr gesagt. „Wie heißt Dein Paradiesvogel mit seinem bürgerlichen Namen und wo kommt er unmittelbar hergeflogen, um sich von Dir verwöhnen zu lassen und hoffentlich auch Dich zu verwöhnen?"
Und Fräulein Christine hatte erwidert: „Erika Müntrr nennt sich mein Paradiesvogel und direkt fliegt er von Berlin nach unserem Zaun und ich hoffe, sobald Du sie kennen gelernt hast, nie wieder eine so zweifelnde Miene zu sehen, wie Du sie jetzt machst."
Wie Chnstine den Namen ihrer künftigen Gesellschafterin nannte, schlug eine jähe Röte in dem Gesicht Bodo v. Graven- reuths empor und mit offenbar ängstlichem Blick lauschte der Leutnant zu der älteren Tochter des Hauses hinüber. Da das Gespräch zwischen Heinrich und Chriitine Hagen gleich darauf mit einem zustimmenden Nicken des Ersteren schloß, so wandle sich der junge Offizier wohl erneut zu seiner Nachbarin, und versuchte den Ton wieder anzuschlagen, in dem er seit Tagen mit dem jungen Mädchen verkehrt hatte. Aber für alle in seiner Nähe war es ersichtlich, daß er besangen blieb und mitten zwischen dem Geplauder mit Eva anderen Gedanken nachhing.
Auch Heinrich Hagen schien halb geistesabwesend zu sein, wenigstens fiel es ihm schwer, sich an dem Gespräche über Geschäftösachen zu beteiligen, das der Oheim Kommerzienrat