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5 ersterer UreiMatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 135. Dienstag, den 17. November 1908.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 12. November 1908.

Ein Spezialfall gibt mir Veranlassung die Ortspolizeibe­hörden wiederholt auf die Bestimmungen des § 6 der allge­meinen Aussührungsbestimmungen zu dem Gesetze betr. die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten vom 15. September 1906 aufmerksam zu machen. Sie haben hiernach von den Anzeigen über den Ausbruch von übertragbaren Krankheiten, die ihnen aus Grund des § 1 der gedachten Bestimmungen zugehen, jedesmal ungesäumt unter Ueber- fendung der betreffenden rotenKartenbriefe, dem Herrn Kreisarzt Mitteilung zu machen. Auch haben sie letzteren, wenn sie auf andere Weise von dem Ausbruche einer der in dem § 1 genannten Krankheiten Kenntnis erhalten, hiervon ungesäumt zu benachrichtigen.

Ich erwarte, daß sich die Ortspolizeibehörden die genaue Beachtung dieser Bestimmungen in Zukunft angelegen sein lassen.

I. 11245 a. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 12. November 1908.

Mit Einzahlung der am 1. d. Mts. fällig gewesenen HD Kreissteuerrate sind noch mehrere Gemeinden und Guts­bezirke im Rückstände.

Die betreffenden Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises ersuche ich deshalb, gefälligst dafür Sorge zu tragen, daß die Zahlung der rückständigen Beträge nun­mehr noch alsbald, spätestens ab er b is zum 18. d. M t s., bei der Kreiskommunalkasse hier bewirkt wird.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: von Grunelius.

Hersseld, den 11. November 1908.

Unter dem Schweinebestande des Landwirts und Bürger­meisters Rößing in Kerspenhausen ist die Rotlausseuche aus­gebrochen.

I. 11 576. Der Königliche Landrat.

I. V.: T h a m e r.

Hersseld, den 12. November 1908.

Unter dem Schweinebestande der Johannes Räuber in Hattenbach ist die Rotlausseuche ausgebrochen. 1. 11 607. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Uom Bär und Bitncben.

Die Geschichte einer Jugendliebe.

Von Fritz Skowronnek.

(Schluß.)

Wie im Traume ging Hans die Straße entlang. War es möglich? Das war Czecha, die schmale unscheinbare Czecha? War sie verheiratet?

Er hatte absichtlich nie nach ihr gefragt, niemand hatte ihm etwas von ihr erzählt. Zu Hause war sein Erstes, daß er seinen jüngsten Bruder danach fragte.

Der lachte ihn an.O, das ist ein feines Fräulein geworden! Die hat eine große Werkstatt und verdient viel Geld!"

Ich dachte, sie wollte den Priester, den Sänger heiraten?"

I, wo denkst du hin! Der soll sich einen Korb geholt haben . . ."

Mit Mühe zwang Hans sich zur Ruhe. Aber als die Sonne im Westen stand, nahm er Flinte und Stock, um, wie er sagte, in den Wald zu gehen.

In Wirklichkeit führte ihn sein Weg nach Baraunen zu Gustav. Hans erschrak, als er dem Jugendfreunde gegenüber- stand.

Wie hatte der Mensch sich verändert! Er war noch nicht dreißig und sah aus wie ein Fünfziger, der von Not und Sorge frühzeitig gealtert ist. Mit müder Handbewegung lud er feinen Gast zum Sitzen ein.

Womit kann ich dienen?"

Gustav, weshalb so kalt? . . , Grollst du mir?"

Grollen? Das dürfte wohl nicht das richtige Wort inn. Ich habe mich um das Mädchen beworben, daS du verschmäht hast, nicht einmal, sondern Jahre hindurch. Und

in meinem Herzen ein Hoffnungsschimmer. WaS du von mir? Mir auch das Letzte, woran ich mich klammere, entreißen?"

nichtamtlicher teil.

Vor fünfzig Jahren.

In dieser Zeit sind 50 Jahre verflossen, seit König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, ein Fürst von glänzender geistiger Begabung und reichem Gemüt, gezwungen durch ein heim­tückisches Leiden, die Herrschergewalt an seinen Bruder, den Prinzen Wilhelm, abgab. Dieser hatte schon vorher während einer längeren notwendigen Erholungsreise den König vertreten, von jetzt ab führte er die Geschäfte als allein verantwortlicher Regent und leitete damit einen der ruhmreichsten Zeitabschnitte unserer vaterländischen Geschichte ein.

Als Prinz Wilhelm die Regentschaft übernahm, war sein erstes Wort an seine Minister, sie müßten ihm helfen, die Fahne Preußens hochzuhalten. Dies tat damals not nach einer Zeit, die unserm Vaterlande manches Mißgeschick gebracht hatte. Als eisriger und fachmännisch nach jeder Richtung hin erprobter Soldat wie als politisch weitblickender Herrscher erkannte er, daß vor allem andern Preußens Heer mächtig und angesehen sein müsse, um stets, wenn es die Geschicke der Völker und ihre Stellung in der Welt gilt, ein schweres Gewicht in die Wagschale werfen zu können. Seit jenen Tagen, in denen er als jugendlicher Prinz während der harten Bedrängnis durch Napoleon in Königsberg von den Fenstern des Schlosies aus eifrig das Exerzieren der Soldaten beobachtete, gehörte all fein Denken, Sorgen und Tun dem Heere an. Nicht wie einen hergebrachten und ihm vermöge seiner hohen Geburt zu­kommenden Schmuck trug der Prinz und nachherige König und Kaiserdes Königs Rock^; nein^ dieses Ehrenkleid war verwachsen mit seinem innersten Wesen und dessen natürlicher Ausdruck: er war der tüchtigste und treueste Soldat, ein Muster für jeden seiner Untergebenen.

Das Ziel, welches er vom ersten Tage seiner Regentschaft an mit eiserner Beharrlichkeit verfolgte, hatte er mit seinen ge­treuen Mitarbeitern schon vorher reiflich erwogen und feine Verwirklichung als die Grundbedingung der ferneren Groß­machtstellung seines Landes erkannt. Im allgemeinen verfuhr er nach dem mehrfach von ihm ausgesprochenen Grundsätze, daß es nicht gut sei, an dem Alten und von den Vätern Ererbten unbedacht zu rütteln, namentlich müsse man sich hüten, Veränderungen allzu rasch vorzunehmen, das wirklich Veraltete und nicht mehr Nutzbringende werden die Zeit schon selbst beseitigen. In dem Punkte der Heeresvermehrung in der er Preußens Heil und wie die Ereignisse der nächsten zwölf Jahre in überzeugender Weise gelehrt haben mit Recht sah, aber hielt er eine völlige Neuordnung des Vorhandenen für geboten und führte sie trotz aller Hindernisse, die sich ihm ent- gegenstellten, zielbewußt zu ihrer Vollendung. Daß er hierbei, seinem Grundsätze getreu, nichts überstürzte, das ist einer der Gründe, die seiner Schöpfung zum Siege verhalsen. Schon im Sommer 1858 war nach mehrfachen Besprechungen mit

Er setzte sich an den Tisch und stützte den Kopf in die Hand.

Hans saß ihm stumm gegenüber.

Er war so verlegen, daß er nicht wußte, was er sagen sollte.

Eine Grausamkeit war eS gewesen, zu dem Menschen zu gehen, der immer in seinem Schatten gestanden, dem er auch jetzt noch im Wege stand.

Ein dunkles Gefühl hatte ihn zu Gustav geführt. DaS war der einzige, mit dem er über Czecha sprechen konnte.

Endlich hob Gustav den Kopf.

Was sitzt du noch hier? Eil doch, flieg doch zu ihr Du brauchst nur die Hand nach ihr auSzustrecken sie wird dir um den Hals fallen, ohne zu fragen, ob du sie heiraten willst. Nachher kann ich sie ja aus dem Schmutz auf­heben. Geh ich ertrage es nicht länger. Geh. du Narr! der die treueste Liebe mit Füßen tritt. Nein, bleibe ich habe dir noch was zu sagen!"

Seine Stimme versagte, er mußte nach der Tischkante greifen, um sich festzuhalten.

Nach einer Weile fuhr er mühsam fort:Hüte dich daS Mädchen ist Wachs in deinen Händen! Aber hüte dich."

Gustav, was denkst du von mir?"

Willst du als ehrlicher Mann um sie freien?"

Ja, das will ich."

Dann geh und schieb es keine Minute auf. Du stiehlst sie ihrem Glück ab."

Tief erschüttert schritt Hans den Weg zurück. Neben diesem Menschen war er sich so klein vorgekommen er, der gelehrte Doktor der Philosophie, neben dem einfachen Dorf- schullehrer.

Aber je weiter er ging, desto mehr beeilte er seine Schritte. Die Eltern sahen ihn erstaunt an, als er früh zurückkehrte und so hastig inS Zimmer trat.

Na, mein Junge, was ist dir?"

Ach, Mutter, mir ist das Glück begegnet. Ja, wirk­lich und ihr sollt eine Tochter bekommen, Ihr kennt sie, ja Czecha. Gönnt mir doch das Glück! Ich

dem General von Roon eine Denkschrift ausgearbeitet worden, in welcher Weise die Ausgestaltung des damals an Infanterie, außer 4 Garderegimetern und einem Garde-Reserveregiment, 32 Regimenter zu je 3 Bataillonen und 8 Reserveregimenter zu je 2 Bataillonen zählenden Heeres vorzunehmen sein möchte. Die ureigenste Arbeit des Prinzregenten in den Herbstmonatcn 1858 war es, den Roonschen Plan bis in alle Einzelheiten zu durchdenken und zu verbessern, ehe an seine Ausführung geschritten wurde.

Die ernste, mühevolle, nach außen aber nicht hervortretende Tätigkeit während des Jahres 1858 sollte bald ihre Früchte tragen. DaS nächste Jahr brächte einen Krieg der Franzosen und Italiener gegen Oesterreich. Der Prinzregent bereit, feinem deutschen Bundesgenossen Hilfe zu bringen, ordnete die Mobil­machung des preußischen Heeres an, welches aber nicht mehr zum Eingreifen gelangte, da Oesterreich sich beeilte, nach den ersten Niederlagen von Magenta und Solserino Frieden zu schließen. Bei der Mobilmachung seines Heeres tat nun der Prinzregent den für Preußens und Deutschlands Größe entscheidenden Schritt, indem er die Zahl der Infanterie- regimenter mit einem Schlage' verdoppelte. Das preußische Heer zählte von da ab 9 Garde-Kund 72 Linien-Jnfanterie- regimenter zu je drei Bataillonen, eine Macht, die das damals von seinen Gegnern unterschätzte Preußen befähigte, nach dem vorbereitenden Kampfe vom Jahre 1864 um die meer- umschlungenen Elb-Herzogtümer Schleswig-Hollstein zwei Jahre später mit Erfolg gegen eine bedeutende. Uebermacht um die Vorherrschaft in Deutschland zu ringen.

Das war die Frucht der im Jahre 1858 durchdachten und gefaßten Entschließungen. Sie ist daS Verdienst des Prigzregenten und späten Königs Wilhelms I., der nicht nur verstand das Schwert zu schmieden, sondern auch es zu schärfen, indem er ein ebenso starkes, wie kriegstüchtiges und von hohem Geiste beseeltes Heer schuf. Von ihm konnte er als deutscher Kaiser mit Vertrauen sagen:Ich weiß, daß die Armee immer das bleiben wird, was sie bisher war und jetzt ist, wenn sie weiter festhält an den drei Grundsäulen ihrer Tüchtigkeit, am Ehrgefühl, an der Tapferkeit und am Gehorsam."

Aus ]n- und Ausland.

Berlin, den 12. November.

Aus Donaueschingen, 15. November wird gemeldet: Der Generaladjutant Seiner MajeNät des Kaisers, General der Infanterie, Graf v. Hülsen-Haeseler, Chef des Militärkabinetts, wurde gestern abend von einem Schlaganfall getroffen und ist alsbald gestorben. Se. Majestät der Kaiser haben infolge des gestern abend erfolgten Todes Seiner Exzellenz des Grafen Hülsen-Haeseler die Reise nach Kiel aufgegeben, fahren heute vormittag um 11 Uhr von Donaueschingen nach Baden-Baden, nehmen dort von 2 bis 8

habe sie geliebt, so lange ich denken kann ich habe nein, sie hat unser Verlöbnis gelöst, weil sie Euch nicht kränken wollte, weil sie mich davon abhalten wollte, mein Studium auszugeben. Ich glaubte, ich könnte sie vergessen. Nein, Vater, Mutter, heute habe ich sie gesehen"

Mein Kind, du bist großjährig, du brauchst nicht nach uns zu fragen"

Was soll das heißen? Was habt Ihr gegen Czecha?"

Wir dachten, du willst höher hinaus."

Ja, Mutter, ganz hoch hinaus, bis in den Himmel meines Glückes. Wollt ihr es mir nicht gönnen? Ich habe euch wenig Kummer und Sorgen gemacht, ja, manche Menschen meinen, Ihr könntet aus mich stolz fein. Wollt Ihr mir nun das bißchen Glück nicht gönnen?"

Der Vater stand auf und schloß ihn in die Arme.Nein, mein Junge bring uns die Tochter, wir werden sie herzlich empfangen, weil sie dir so lieb ist und weil sie dich so lieb hat. Die Mutter hat schon vergessen, wie es ist, wenn zwei Menschen sich so recht von Herzen lieb haben. Liehst du, jetzt besinnt sie sich"

Er ging zur Küche und rief hinaus, daß der Wagen sofort angespannt werden sollte.

Und du, Mutter, richt' die Wohnung so her, daß man weiß, daß heute ein Freudentag für unseren Aeltesten und für uns ist."

* *

*

Czecha hatte den ganzen Nachmittag in einer seligen Un­ruhe verlebt. In ihr war die Hoffnung erwacht. Es erschien ihr förmlich als selbstverständlich, daß HanS kommen müßte. Wenn ein Wagen angerasselt kam, sprang sie ans Fenster. Früher als sonst entließ sie ihre Mädchen, steckte in ihrem Wohnzimmer drei Lampen an, deckte den Tisch und schmückte ihn mit einem Blumenstrauß. Dann holte sie eine Flasche Wein und zwei Gläser.

Jetzt kam wieder ein Wagen angefahren. Mit einem Ruck hielt er vor ihrem Hause. Sie preßte beide Hände gegen die Brust gegen daS Herz, das ihr sagte, wer da kam, », sie kannte noch seinen Schritt.