Artisten ausgehalten hatte, wurde, weil er diesem Geld und eine Uhr stahl, zu vier Wochen Gefängnis verurteilt. — Ein hiesiger Arbeiter erhielt wegen Verübung ruhestörenden Lärms 6 Mark Geldstrafe ev. 2 Tage Haft. — In zwei anderen Sachen erfolgte Freisprechung.
):( Hersfeld, 6. November. Das Ergebnis der am 2. November stattgesundenen Viehzählung ergab 273 Pferde und 268 Stück Rindvieh.
):( Hersfeld, 6. November. Der Herr Regierungspräsident spricht im heutigen Amtsblatt dem Kaufmann Herrn Julius Jung zu Hersfeld seine Anerkennung dafür aus, daß er am 19. Juni d. Js. bei der Errettung des Schlossers H. Busch aus Schenklengsseld vom Tode des Ertrinkens in der Fulda in tatkräftiger und selbstloser Weise mitgewirkt hat, indem er dem Maler Heinrich Willhardt zu Hersfeld bei desfen Bemühen, den Busch an das Land zu bringen, erfolgreich Beistand leistete.
):( Hersfeld, 6. November. Der gestrige Austrieb zum Viehyrarkr war schwach. 256 Rinder und 308 Schweine waren dem Markte ausgebracht. Der Handel mit Rindvieh ging nur langsam und die Preise blieben zurück. ■— Aus dem Schweinemarkt war der Handel bei ziemlich hohen Preisen lebhaft. — Der nächste Viehmarkt findet am 24. November statt.
):( Hersfeld, 6. November. Ein sehr trauriger Fall, der allen Müttern die alte Mahnung ins Gedächtnis ruft, kleine Kinder, und sei es auch nur für kurze Zeit, nicht unbeaufsichtigt an Orten zu lasten, wo sie mit Feuer oder Licht in Berührung kommen können, hat sich gestern im benachbarten Friedlos ereignet. Die Ehefrau eines dortigen Arbeiters war, nachdem sich ihr Mann nach Hersfeld zur Arbeit begeben hatte, gegen 7 Uhr Morgens in das Dorf gegangen, um dort einen Einkauf zu machen, und hatte ihre beiden IV2 und 3Vs Jahre alten Knaben in ihrer ganz am Anfang des Dorfes gelegenen Wohnung allein gelassen, während im Ofen Feuer brannte. Das Haus hatte sie verschlossen. Nach einiger Zeit bemerkte ein Nachbarsjunge Qualm in der Wohnstube, in der sich die Kinder befanden, und schlug Lärm. Der älteste Knabe hatte sich aus Fenster geflüchtet und wurde herausgehoben. Darauf drang eine ältere Frau, nachdem sie den Hausschlüssel gefunden hatte, in die Wohnung, riß hier einen brennenden Bettvorhang ab und entdeckte dann, nachdem sich der Rauch etwas verzogen hatte, neben dem Ofen die gänzlich verkohlte Leiche des andern KindeS. Von den Kleidern, die das Kind angehabt hatte, waren nur noch die verkohlten Strümpfe zu bemerken. Den Schmerz der schnell herbeigerufenen Mutter, die ihren jüngsten Knaben als vollständig entstellte Leiche wiederfand, kann man sich denken. Wie das Kind mit dem Feuer in Berührung gekommen ist, weiß man nicht bestimmt. Wahrscheinlich hat es, wie der ältere Junge angibt, Papier in den Ofen gesteckt, und hat dann das brennende Papier wieder herausgezogen, wobei sein Kleidchen Feuer fing.
* Verliehen: dem Major a. D. Frhrn. v. Eschwege zu Braunschweig, bisherigem Bezirksoffizier beim Landwehrbezirk H e r s f e l d, der Kgl. Kronenorden 3. Kl.
h Niederaula, 5. November. Vorigen Montag fand dahier im Saale des Gastwirtes Stein die amtliche Herbst- konferenz der Lehrer des Oberschulinspektionsbezirks Hersfeld I statt. Sehr angenehm berührte es, daß auch der Herr Landrat von G r u n e l i u s die Konferenz durch feine Gegenwart beehrte. Zunächst hielt Herr Lehrer Müller mit den Schülern der dasigen Fortbildungsschule eine mit Beifall ausgenommene Lehrprobe. Nachdem er kurz gezeigt, welche Stoffe eine Pflanze zu ihrem Ausbau nötig hat, gab er Belehrungen über die Gewinnung, Eigenschaften und Behandlung des Stalldüngers, der Anlage einer Dungstätte u. dgl. Nach Beendigung der Lehrprobe hielt der Vorsitzende, Herr Kreisschulinspektor Pfarrer Gönner wann zu Kruspis eine ergreifende Ansprache über die Worte Match. 5, 13: „Ihr seid das Salz der Erde." Nach weiteren kurzen Verhandlungen ergriff der Vorsitzende nochmals das Wort zu einem längeren Vortrag, um zu zeigen, welche Ausgabe die Fortbildungsschule hat, woraus sie ihr Augenmerk zu richten habe, und wie die einzelnen Gegenstände behandelt werden müssen, wenn der Zweck erreicht werden soll. Alle Teilnehmer fühlten sich durch diese Konferenz, die ihnen neue Anregung gegeben, recht befriedigt und neu gestärkt.
Neukirchen (Kreis Ziegenhain), 4. November. Dieser Tage wandte ein Schwälmer, der von hier nach der Scheid- lache fahren wollte, ein sonderbares Mittel an, um den Zug an der ihm zusagenden Stelle zum Halten zu bringen; er stellte sich am Bahnübergang nach Röllshausen aus den Bahnkörper und winkte dem ankommenden Zuge, daß er an- halten solle. Um den Mann nicht totzufahren, wurde seinem Verlangen entsprochen, doch wurde er an der Schechlache nicht ausgesetzt, sondern mit nach Treysa genommen, wo seine Personalien festgestellt wurden. Der Spaß wird dem Manne reichlich teuer kommen.
Huherlusstier unserer Kriegsschule.
Oktober und November sind die Monate des Reiters! Felder und Wiesen sind abgeerntet und mit frohem Wagemut, offenem Auge und festem Gottvertraueu gehts über Gräben und Hecken, Mauern und Zäune.
Am Montag hatte sich eine stattliche Zahl von Reitern auf dem Stelldichein bei Oberrode versammelt. Außer dem Offizierkorps der Kriegsschule, sahen wir die Herren Braun- Oberrode, Arnold Rechberg, Julius und Carl B a u m a n n und andere Herren. Die Jagd ging durchs Solztal über zum Teil recht grobe Hindernisse, dann inS Fulda- tal und dauerte der flotte Galopp etwa 20 Minuten.
Inzwischen hatte sich auf dem Exerzierplatz eine große Zahl von Zuschauern eingefunden, unter anderem war das ganze Gymnasium vertreten, um sich am Anblick deS schönen Sports zu erfreuen, zumal später die Fähnriche unserer Kriegsschule auch noch ihre Reitsertigkeit zeigen sollten. In Equipagen, Autos, zu Pferde und zu Fuß waren Freunde und Bekannte hinausgeeilt. Eine Fährstelle über die Fulda erleichterte den Zugang zum Rennplatz. Besonders stattlich präsentierte sich ein chicker Viererzug, gelenkt von Freiherr» vonSchenk- Buchenau. 2 Minuten nach Beendigung der Jagd hatten sich die mitreitenden Herren der Kriegsschule am Start ausgestellt, da jetzt der Kamps um Ehrenpreise begann.
Als Richter fungierten die Herren Major Haevernick, Bürgermeister Strauß, Freiherr von Schenk- B u ch e n a u, Fähnrich v. D i p p e, Husaren-Regiment 10, Haub 0 ld, Sächs. Feldart.-Regt. 12 und v. Heydebreck, Füs.-Regt. 80. Das Feld der Reiter kam in scharfer Pace herangeprescht.
Es waren gleichwertige Parallelpreise ausgesetzt, für eigene und für Dienstpferde. Hinter den Siegern folgen die übrigen Reiter so dicht auf, daß das Preisrichteramt ein recht schwieriges wurde. Als erste gingen durchs Ziel: die Herren Oberleutnant v. G 0 r r i s f e n, Hess. Drag.-Regt. 23 und Schmidts, Jns.-Regt. 16; als zweite Oberleutnant Naendrup, Jns.-Regt. 176 und Hauptmann Baün, Württ. Feldart.-Regt. 65; als dritte Oberleutnant S t e u d n e r, Feldart.-Regt. 21 und v. Oheimb, Jäg.-Batl. 6 und als vierter Oberleutnant Witte, Jns.-Regt. 150.
Nun folgten 8 Reiten der Fähnriche, von denen nur der kleinere Teil Pferde erhalten konnte, worüber das Los entschieden hatte.
Um die Ungleichheit der Leistungen der Pferde durch Gewandtheit der Reiter ausgleichen zu können, hatten diese verschiedene Ausgaben erhalten, welche unterwegs zu lösen waren. Zum Beispiel mußte an einer Stelle abgestiegen werden, um die bisher ungesattelten Pferde zu satteln, die Reiter selbst hatten dabei Helm auszusetzen und Säbel um- zuschnallen und dann mehrere Hindernisse zu nehmen, ehe sie ans Ziel gelangten. Die nächsten mußten eine ausgestopste Puppe mit aufs Pferd nehmen, die nur widerwillig den Ritt mitmachen wollte. Andere zogen ein Hemd über und fetzten sich eine Zipfelmütze auf, was einen sehr vergnüglichen Anblick gewährte. Ein neuer Tric bestand darin, einen Schlips um- zubinden; ferner mußte ein Bleistift angespitzt und ein Zitat aus einen Zettel geschrieben werden. Andere Fähnriche sollten wieder einen Knopf an ein Stück Tuch nähen, oder mußten eine Nadel einfädeln. Die letzten addierten auf einem Zettel fünfstellige Zahlen. Mit großer Heiterkeit verfolgten die Zuschauer diese Scherze, denen sich die Reiter mit Eifer und Geschick Hingaben.
Als Sieger gingen durchs Ziel: die Herren Zichner, Feldart.-Regt. 5, Heldbek, Württ. Drag.-Regt. 25, Justi, Feldart.-Regt. 62, Tatarescu, Gren.-Regt. 12, Teltz, Fußart.- Regt. 3, Franke, Jnf.-Regt. 71, Pohl, Jns.-Regt. 161, Wolf, Jns.-Regt. 116.
Nun kam noch ein sehr scherzhaftes Gänsetreiben, an welchem sich 10 Fähnriche mit schön verzierten Gänsen beteiligten. Als erstem gelang es Herrn Fähnrich Roters vom Jns.-Regt. 117 seinen Gansvogel durchs Ziel zu steuern unter rauschendem Beifall aller Zuschauer, besonders der jungen.
Die eben genannten 9 Sieger bestiegen dann nochmals die Pferde, um in einem Endkampf recht wertvolle Preise zu erringen. Diesmal bestand die Ausgabe darin, unterwegs eine Zigarette anzuzünden und sie brennend durchs Ziel zu bringen. Den ersten Preis erhielt aus der Hand von Fräulein Anna Rechberg, welche einen schönen Pokal stiftete, Herr Roters, • den zweiten Herr Tatarescu und den dritten Herr Pohl.
D e Preisverteilung erfolgte im übrigen unmittelbar nach dem Rennen in dem Erfrischungszelt durch Offizierdamen. — Wenn es auch der Sonne nicht gelang, die Novemberwolken zu durchbrechen, so war das Wetter doch recht günstig und windstill, das Geläuf ganz vorzüglich und bewährten sich die auf dem Platze neu errichteten Hindernisse gut, so daß die gesamte Veranstaltung das Bild einer frischen von Mut und Gewandtheit getragenen, ansprechenden Körperübung bot, die Herz und Faust stählt.
Und wenn unser Blatt — als eifriges Mitglied deS HerSfelder Reitervereins — sich noch eine Bemerkung erlauben darf, so glauben wir, daß sich diese hübsche, reiterliche Hubertusveranstaltung auf den Einfluß unseres Hersfelder Reitervereins zurückführen läßt, was wir mit aufrichtiger Freude begrüßen! Gehören doch die Herren Richter und alle mitreitenden Civilherren, dem Vorstand des HerSfelder Reiter- vereins an 1 Sch.
Letzte nachrichten.
London, 5. November. Der Lordpräsident deS Geheimen Rats Carl of Crewe hielt heute abend in Surbiten eine Rede über die Krisis im nahen Osten, in der er aus- führte, England wünsche für die konstitutionelle Bewegung in der Türkei freien Spielraum, gleichzeitig habe es zu siebenten» daß in jenem Teile von Europa viele und mannigfaltige Interessen habe. Es gäbe nicht eine europäische Großmacht, die nicht den Frieden aufrecht zu erhalten wünsche.
Paris, 5. November. Im Laufe der Unterredung, die der deutsche Botschafter heute nachmittag mit dem Minister Pichon hatte, sprach der Botschaster die Hoffnung auS, daß eine vermittelnde Lösung den beiden Regierungen erlauben werde, den Zwischenfall von Casablanca zu regeln. Minister Pichon antwortete, er habe die Hoffnung nicht aufgegeben, daß eine Lösung angenommen werde, die für beide Länder gleich ehrenvoll sei.
Paris, 6. Nov. Der Temps behauptet, daß man in Berlin nach einer Ablenkung der großen Aufregung suche, die durch die neuen Steuerpläne hervorgerusen sei. Die deutsche Regierung müsse wissen, daß die französische Regierung in der Affäre von Casablanca niemals daran gedacht habe, die Ehre Deutschlands anzutasten. In diplomatischer Hinsicht habe übrigens Deutschland die Hände nicht frei. Es wäre eine große Unvorsichtigkeit, einen Waffenstreit zu riskieren, während Oesterreich voll mit dem Orient beschäftigt sei, Rußland eine nationale Revanche suche und Frankreich militärisch und moralisch bereit sei, seine Würde zu verteidigen, England eine unbestreitbare Ueberlegenheit zur See besitze und Italien immer weniger geneigt sei, sich für fremde Zwistigkeiten zu opfern. Journal des Debats erinnert an die schiedsgerichtliche Beilegung des Zwischenfalls von Hull und meint, damals fei vor der Verkündung des Urteils weder ein Bedauern gefordert noch ausgedrückt worden. Deutschland könne sich mit einer ähn- lichen Regelung des Zwischenfalls von Casablanca zufrieden geben.
Kirchliche Nachrichten.
Sonntag den 8. November.
Vormittags V2IO Uhr: Herr Superintendent Sch äfft.
(Abschiedspredigt.)
Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst (Sonntagschule.)
Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer Schröder.
Am Schlüsse des Vormittagsgottesdienstes Kirchenkollekte für die Wiederaufrichtung der Mission in Deutsch-Südwest- afrika.
Vormittags V2IO Uhr: Gottesdienst in Petersberg.
Achtung« ,
Cs werden vielfach JNachabmungen von JMaggis altbewährter Stürze angepriesen. JMan verlange daher stets ausdrücklich :
MAfitll» Würze
denn sie ist unerreicht in Reinheit, Stürzekraft uud daher Billigkeit.
Uerdingung.
Sit Aschler-, Wasser-, Glaser- u. Auftreicherarbeiten M Neubau eines Pfarrhauses in Braach .
sollen in einem Los vergeben werden. Die Zeichnungen und VerdingungS- unterlagen liegen im Geschäftszimmer der Kreisbauinspektion in Hersfeld zur Einsicht aus.' Verdingungsanschläge können gegen porto- und bestellgeld- freie Bezahlung der Schreibgebühr von 1,20 Mark von dort bezogen werden.
Die Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Verdingungstermin, welcher am
Donnerstag den 26. d. Mts.
vormittags 10 Uhr
im Geschäftszimmer der Kreisbauinspektion stattfindet einzureichen.
Die Zuschlagsfrist beträgt 3 Wochen.
Hersfeld, den 6. November 1908.
__Nuigliche Kreishauichektiau.
Rechnungsformulare
liefert Ludwig Funks Buchdruckerei.
v
DEUTZ
23Sä
--------- Kaiserpreis.
Mehr als
86000 Deutzer
mit über
730 000 PS in