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erstenmal in ihrer ganzen Ausdehnung im Betrieb gewesen, und wir haben jetzt das Ergebnis der Betriebsleistungen der ganzen Strecke vor uus. Die Roheinnahmen aus dem öffent­lichen Verkehr mit Ausschluß des Militärgutsverkehrs in Mark und die entsprechenden Leistungen des Betriebes stellen sich im Personenverkehr aus 7124,70 Mark, im Güter- und Tierverkehr auf 42474 Mark, zusammen also auf 49598,70 Mark.

Der Konflikt zwischen Hollandund Vene­zuela trägt noch immer einen rein diplomatischen Charakter. Zwar hieß es, die holländische Regierung habe die Blokade der Venezuelanischen Küste angeordnet, eine offiziöse Meldung aus dem Haag bezeichnet indessen dies Gerücht ausdrücklich als unbegründet. Weiter erklärt die Meldung, eine solche Demonstration zur See sei wohl vorbereitet, aber nicht aus- gesührt. Bevor die niederländische Regierung aus ihre zweite Note nicht den offiziellen Text der Antwortnote des Präsi­denten Castro erhalten habe, werden sie keinen entscheidenden Schritt tun.

Die Balkankrisis befindet sich im allgemeinen auf dem alten Flecke, jedenfalls hat sich die Kriegsgefahr einst­weilen nicht verschärft. Speziell haben nunmehr in Konstan­tinopel direkte Verhandlungen zwischen den Delegierten der bulgarischen Regierung und der Pforte wegen der Anerkennung der Unabhängigkeit Bulgariens seitens der Pforte begonnen. In Belgrad arbeiten die Mächte mit diplomatischem Hoch- drucke, um die dort herrschende Kriegslust zu dämpfen, doch bleibt der Erfolg noch abzuwarten. Die ferbijche Regierung hat aus die von den Vertretern Englands, Rußlands, Frankreichs und Italiens gemachten freundschaftlichen Vor- stellungen, im Interesse des Friedens sich aller Maßnahmen zu enthalten, die den Frieden gefährden könnten, die Antwort erteilt, daß sie trotz der Erregung der öffentlichen Meinung, die übrigens wohl verständlich sei, eine korrekte Haltung beobachten werde, und daß Serbien im Vertrauen aus die Gerechtigkeit der Großmächte eine gerechte Entscheidung in Bezug auf die in seiner Note vom 7. Oktober an die Groß­mächte erhobenen Reklamationen erwarte. Das heißt also, Serbien besteht auf seinem Verlangen nach einem Stück Bosnien und verschiedenen sonstigen sür ihn günstigen Grenzberichtigungen," womit es jedoch kaum Glück haben dürste. Die wieder beendigte Sondermission des serbischen Kronprinzen Georg hat für die Ansprüche Serbiens weiter gar keinen Erfolg gezeitigt; man hat an der Newa dem Kronprinzen Georg und seinen Begleitern wohl der Sympathien Rußlands versichert, aber zugleich deutlich durchblicken lassen, Serbien könne auf mehr als eine moralische Unterstützung Rußlands nicht zählen. Einen erheblicheren Erfolg wird wohl auch der serbische Minister Milowanowitsch von feiner poli­tischen Rundfahrt durch Westeuropa schwerlich mit heim­bringen. Aus Paris wird gemeldet, daß er am Montag mit dem Minister des Aeußern Pichon im Beisein des serbischen Gesandten eine lange Unterredung über die Balkanangelegen­heiten hatte.

-Im Provinz u. Nackbargebiet

* Vom Justizministerialblatt ist eine Statistik der bei den preußischen Justizbehörden in den Jahren 1896 bis 1908 be­schäftigt gewesenen Referendare veröffentlicht worden. Während am 1. Juli 1896 die Zahl 3506 betrug und die Steigerung bis zum 1. August 1906, also in 10 Jahren, 100 pCt. erreicht hatte, indem die Zahl auf 7003 Referendare gewachsen war, belief sie sich am 1. August d. Js. bereits auf 7528. Die durchschnittliche jährliche Steigerung im Jahrzent 1896 bis 1906 ist daher mit etwa 350 anzusetzen. Im Jahrgang vom 1. August 1906 bis zum 1. August 1907 steigerte sich die Zahl von 7003 auf nur 7182. Der Zuwachs betrug daher 179 und war bei weitem niedriger, als er feit 1896 bisher zu verzeichnen war. Wenn aber daraus, so fügt die Köln. Ztg. hinzu, die Hoffnung auf ein dauerndes Nach­lassen des Andrangs zum juristischen Studium feit etwa den Jahren 1902/1903 den Jahren, in denen der Zuwachs der Jahre 1906 und 1907 die Universität bezogen haben dürfte herleiten wollte, so würde diese Hoffnung schon im folgenden Jahre 1907/1908 einen argen Stoß erlitten haben, da der Zuwachs in ihm auf 346 gestiegen ist, und damit wieder die Zuwachsquote der früheren Jahre erreicht hat. Die Zahl der Referendare des Kammergerichtsbezirks steht mit 1242 an der Spitze und umfaßt den sechsten Teil aller Referendare der 14 Oberlandesgerichtsbezirke. Köln stand 1906 an zweiter Stelle, Breslau an dritter, Hamm an vierter. Infolge der Neuerrichtung des Oberlandesgerichts Düsseldorf haben Hamm und Köln ihre Stelle vertauscht. Hamm hat jetzt 856, Breslau 845 und Köln 838 Referendare. Die geringste Zahl weist Posen mit 204 Referendaren aus. Düsseldorf hatte am 1. August 1907 381, am 1. August d. J. 451.

* Am Donnerstag, den 5. November, finden in den Morgenstunden internationale wissenschaftliche Ballon auf» stiege statt. Es steigen Drachen, bemannte oder unbemannte Ballons in den meisten Hauptstädten Europas auf. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er jedem Ballon beigegebenen Instruktion gemäß den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und an die angegebene Adresse sofort telegraphische Nachricht sendet.

Hanau, 2. Nov. Der Feldwebel Günther vom In fanterie-Regiment Nr. 166 hat sich heute erschossen. Der Selbstmord steht nicht mit dienstlichen Angelegenheiten im Zusammenhang.

Niederzwehren, 2. Nov. Ein bedauerlicher Unglücks­fall ereignete sich heute vormitttag. Die Ehefrau des Arbeiters Hucke begab sich heute früh aus ihr Feldgrundstück und ließ ihr vier Jahre altes Kind auf einem Tuche vor dem Herd in der Küche sitzend, allein zurück. Bei ihrer Rückkehr fand sie das Kind arg verbrannt in der Küche vor. ES ist anzu- nehmen, daß glimmende Kohlen aus dem Herde auf daS Tuch gefallen sind und dasselbe angezündet haben, wodurch die Kleider auch Feuer fingen. Das Kind ist auf dem Transport ins Landkrankenhaus gestorben.

Altenbeken, 2. Nov. Eine in Lemershagen im Haus­flur eines Wirtshauses mit Zustimmung des Wirtes von Fremden abgesetzte Kiste erregte wegen deS unaufhörlichen Gebelles des Hundes Argwohn, man öffnete dieselbe und fand einen mit Mord- und Einbrecherwerkzeugen bewaffneten Mordgesellen vor, der in jeder Hand eine Pistole drohend hoch hielt. Der 8jährige Knabe deS Metzgermeisters Stein- brink zu H. vergnügte sich mit Abrutschen auf dem Treppen- geländer, wobei er abfiel und einen komplizierten Beinbruch

Heiligenstadt (Eichsseld), 2. November. Ein seit drei Jahren schwebender Rechtsstreit von prinzipieller Bedeutung, oeffen Ausgang nicht nur in der ganzen Stadt, sondern auch den weitesten Kreisen auswärts und von auswärtigen Stadt» 110 ^andgemeindeverwaltungen mit größter Spannung er­

wartet wurde, ist am 28. Oktober von dem 1. ZiviHenat des Oberlandesgerichts in Naumburg endgiltig entschieden worden. Zur Speisung der städtischen Wasserleitung waren mehrere 8/< Stunde von der Stadt entfernt liegende Waldquellen benutzt worden, die ihr Wasser früher bemj Geisledefluß zuführten. Die Wasserinteresfenten der Geislede (die Mühlenbesitzer und die Papierfabrik von Lovis Söhne) behaupteten, daß ihnen ein Teil ihres Betriebswassers von der Stadt entzogen und dadurch ihre Wasserkräfte verringert seien. Zunächst klagten die Firma Lovis Söhne und der Mühlenbesitzer Kellner gegen die Stadt. Sie klagten vorläufig nur einen Teilbetrag deS ihnen durch die Wasserentziehung entstandenen Schadens ein mit dem Anträge, ihren Anspruch zunächst dem Grunde nach für berechtigt zu erklären.^Aus Grund des Gutachtens des Wasserinspektors Diete in BeeSkow, nach welchem lediglich das zutage getretene Wasser abgesongen worden fei, wurde die Stadt von der 1. Instanz, dem Landgericht Nordhausen ver- urteilt. In der Berufungsinstanz, dem Oberlandsgericht in Naumburg, hat eine nochmalige eingehende Beweisaufnahme stattgefunden. Von dem Obergutachter, Regierungsbaumeister Thürnau in Minden, ist ein sehr umfangreiches Gutachten erstattet worden, wonach lediglich unterirdische Wasseradern gefaßt sind, deren Abfangen nach wiederholten Reichsgerichts- entfcheidungen zulässig ist. Auf Grund dieses Gutachtens hat das Oberlandesgericht in Naumburg die Klage zurückgewiesen und den Klägern die Kosten (die sich auf mehrere Tausend Mark belaufen) auserlegt. Da in zahlreichen Stadt- und Landgemeinden, welche Wasserleitungen bauen ließen, ganz ähnliche Verhältnisse wie hier bestehen und vielerorts^ der Ausgang dieses Rcchtstreits abgewartet wurde, um dann in gleicher Weise wie die hiesigen Müller gegen die Kommunen vorzugehen, wird diese für die Stadt und den Stadtsäckel günstige Entscheidung des langwierigen Prozesses großem Interesse begegnen.

Heiligenstadt, 1. Nov. Ein Unfall ereignete sich heute nacht in der hiesigen Zementsabrik. Der Arbeiter Merling geriet zwischen die Zahnräder und erlitt eine furchtbare Ver­stümmelung. Ein Fuß ist völlig zermalmt. Der Verun­glückte wurde in das Krankenhaus der barmherigen Schwestern geschafft.

Vom Eichsfelde, 1. Nov. Gestern abend zwischen 7 und 8 Uhr hatten wir auf dem Hochplatean des Obereichs- feldes eine hochinteressante, überwältigend fchöne Naturerscheinung, nämlich ein sog. St. Elmsfeuer. Besonders von Wachstedt und dem hochgelegenen Schloß Gleichenstein aus wurde das seltene Naturschauspiel gut beobachtet. Entzückend war es, zu sehen, wie die dunkelroten Lichtflammen gleichsam aus der Erde stiegen, Plötzlich ihre grellen Strahlen ausbreiteten und bis­weilen in rasender Geschwindigkeit die Fläche durcheilten. Die Glut der Erscheinung nahm nach 7 Uhr immer mehr ab, gegen 3/48 Uhr konnte man aber noch zwei herrliche Lichtherde am westlichen Horizont wahrnehmen. Merkwürdig bleibt es, daß die Erscheinung des Elmsfeuers ohne nachfolgendes oder be­gleitendes Gewitter austrat. Das ist zwar auch schon früher, z. B. im Jahre 1893, beobachtet worden, gehört aber zu den größten Seltenheiten.

Laasphe, 1. November. Der Wärter der hiesigen Bullenstation, welcher erst seit dem heutigen Tage als solcher angestellt ist, wurde heute morgen von einem überaus traurigen Unfall betroffen. Als derselbe zum erstenmale die Bullen füttern wollte, wurde einer derfelben wild und riß dem Wärter den Leib auf, sodaß die Gedärme hervortraten. Nach Ansicht des ArzteS hat eine Uebersühxung in die Klinik keinen Wert, da der Bedauernswerte doch nicht mit dem Leben davon- kommen dürste.

Frankfurt a. M., 2. Nov. Der Wormser Fabrikbe­sitzer Reinhart wollte mit zwei Damen und einem Herrn einen Automobilausflug von Wiesbaden nach Frankfurt unter­nehmen. Auf der Landstraße hinter Erbenheim versagte die Steuerung, und das Automobil fuhr gegen einen Baum, dann gegen eine 80 Zentimeter dicke Mauer, die umgerissen wurde; hierauf fuhr es die Böschung hinunter auf eine Wiese und wurde nochmals gegen einen Baum geschleudert. Die beiden Damen gerieten unter das Automobil und waren sofort tot. Dem Fabrikbesitzer Reinhart wurde der Brustkorb einge­drückt. Der mitfahrende Herr Stumpfer und der Chauffeur erlitten ebenfalls schwere Verletzungen. Reinhart ist Mitinhaber der Lederfirma Doerr u. Reinhart, und ein Sohn desMorm- ser Landtagsabgeordneten. Bon den beiden getöteten Damen ist die eine die Pensionsinhaberin Dahm aus Wiesbaden, die andere ein Fräulein Vahsen, die in der Pension wohnte.

Frankfurt a. M., 2. November. Im Sadtwald wurde gestern der 60jährige Kaufmann Eduard Knädgen aus Höhr i. Westerw. erschossen aufgesunden. Im hiesigen Lokalbahnhof wurde gestern abend ein 40jähriger Kohlenträger aus Offenbach, dessen Name noch nicht festzustellen war, durch frühzeitiges Abspringen von einem noch fahrenden Zuge über­fahren und getötet.

Suhl, 3. November. Aus der Strecke Oberhof-Zella ließ sich gestern mittag ein Liebespaar, der 23jährige Her­mann Hetrich und die 17jährige Frieda Hartmann aus Zella, von einem Personenzug übersahren. Beide wurden auf der Stelle getötet.

Duderstadt, 3. November. Tödlich verunglückt ist der Gepäckträger Malbom aus Göttingen, der einen Möbel­transport übernommen hatte. An einer abschüssigen Stelle des Weges ist er unter die Räder gekommen und überfahren worden. Der Kops des Verunglückten wurde glatt vom Rumpf getrennt und im Straßengraben gefunden.

Erfurt, 2. Nov. In der königlichen Gewehrfabrik sind umfangreiche Diebstähle an Gewehrteilen ausgedeckt worden. Bis jetzt sind zwei Depotvizefeldwebel, ein Arbeiter und ein auswärtiger Agent verhaftet. Weitere Verhaftungen stehen bevor.

Uermischtes.

Leipzig, 2. Nov. Heute nachmittag wurde im Hause Windmühlenstraße Nr. 21 das Ehepaar Friedrich mit zertrümmerten Schädel tot aufgesunden. Es liegt offenbar Raubmord vor. Alle Behältnisse in der Wohnung waren herausgerissen und durchsucht. Es fehlen Geld, Schmucksachen und Kleidungsstücke. Die Tat scheint vormittags gegen 8V2 Uhr begangen worden zu sein.

Magdeburg, 2. Nov. Heute nachmittag stieg der Ingenieur Grade mit seinem Flugapparat zum erstenmal aus. Der Apparat hob sich anfangs 1V» Meter hoch und flog 50 Meter weit. Bei dem dritten Versuch stieg er nach 100 Meter Anlauf bis acht Meter Höhe und durchflog 6070 Meter. Durch eine Schwenkung kam der Apparat zu einer allzu schnellen Landung, wobei die Schraube und die rechte Flügelspitze brachen.

L i e g n i tz, 2. Nov. Die 39jährige Frau des Arztes Schultz begoß sich mit Petroleum und zündete sich an. Sie starb nach qualvollem Leiden.

Bartenstein, 2. Nov. Die drei Kinder deS Be­sitzers Kroll in KramerSdorf im Alter von vier und zwei Jahren und sieben Monaten haben in der Abwesenheit der Eltern den Erstickungstod gesunden. DaS Unglück ist anscheinend dadurch entstanden, daß eins der Kinder brennende Kohlen aus dem Kochherd entnahm. Ein sofort hinzugezogener Arzt konnte nur den Tod der drei Kinder feststellen.

Himmels-Erscheinungen im November.

Die Sonne, die sich am Anfang des MonatS nur noch 23 Grad über unsern Horizont erhebt, steigt immer weiter auf ihrer Bahn durch die Sternbilder deS Tierkreises hinab. Dementsprechend nimmt auch die Länge des TageS bedeutend ob. Im täglichen Leben macht sich dies dadurch besonders fühlbar, daß auch die sog. Zeitgleichung am 3. November ihren größten Wert erreicht. Dadurch wird unser Nachmittag um 33 Minuten kürzer als der Vormittag.

Der Mond ist gerade am ersten Tage des MonatS im ersten Viertel. Am 8. November ist Vollmond. Bald nach Mitte des Monats, wo das letzte Viertel eintritt, geht der Mond zu spät auf, um noch bequem beobachtet werden zu können. Am 5. November steht er in der Nähe des Saturn und am 17. November nahe dem großen Planeten Jupiter. In den Morgenstunden des 21. November wird er mit MarS und Venus zusammen nahe dem hellen Sterne Spika in der Jungfrau ein interessantes Bild geben.

Von den P l a n e t e n ist Saturn am besten zu beobachten, da er am Anfang des Monats schon gegen Sonnenuntergang aufgeht. Wir blicken feit Anfang des Jahres gegen die Süd­seite seines Ringfystems. Dann folgt Jupiter im Sternbilde des Löwen, der gegen 2 Uhr morgens aufgeht. Am 25. No­vember ist der AuStritt des vierten Mondes aus dem Schatten des Planeten leicht zu beobachten (um 5 Uhr 40 Minutm morgens). Venus wird anfangs um 3Vs Uhr morgens, gegen Ende um 5 Uhr sichtbar. Der rötliche Mars fällt den ganzen Monat schon von 5 Uhr morgens an im Sternbilde der Jungfrau auf. Ende des Monats stehen die beiden letzt­genannten Planeten nur etwa l1/* Grad voneinander ab. Merkur erreicht am 13. November seine größte westliche Ent­fernung von der Sonne und ist um die Mitte des Monats von 6 Uhr morgens ab zu sehen. Er steht dann im Stern­bilde der Wage.

Besonders berühmt ist der November durch seine Stern- schnuppensälle. Unter diesen sind die Leoniden, die etwa vom 13.15. November vom großen Löwen auszugehen pflegen, am bekanntesten. Bis zum Jahre 902 n. Chr. lassen sie sich geschichtlich zurückverfolgen. Leider ist der Hauptschwarm durch die Störungen der großen Planeten soweit abgelenkt, daß die Erde nur noch mit einer geringen Zahl von Teilchen zu- sammentrifft. Das gleiche Schicksal hat auch einen andern Sternschnuppenschwarm getroffen, nämlich den der Adromeden, die nach ihrem Ausstrahlungspunkte, dem Sternbildc der Andromeda benannt werden.

Außer dem Kometen Morehouse, 1908 c, von dem wir bereits berichteten, ist jetzt noch der Komet Tempel-Swift in den allergrößten Fernrohren zu sehen. Er hat eine Umlaufs­zeit von 6V2 Jahren und wurde am 30. September von Javelle auf der Nizzaer Sternwarte gesunden.

Der Fixstern Himmel zeigt am östlichen Horizont schon die berühmten Sternbilder unserer Winternächte. Genau im Osten geht der prachtvolle Orion auf. Ueber ihm steht der Stier mit den Plejaden und Hyaden. Auch die Zwillinge kommen schon herauf. Den Westhimmel ziert noch für kurze Zeit das große Dreieck WegaDenebAtair. Nur der letzt­genannte geht für uns unter, die beiden ersten befinden sich schon innerhalb deS Kreises der Cirkumpolarsterne. Hoch im Süden fällt besonders das W der Kassiopeja ins Auge. Weiter nach Süden kommen dann die Andromeda, der Pegasus und die Fische.

Letzte Nachrichten.

Petersburg, 3. November. Wie die Petersb. Telegr. Agentur anders lautenden Nachrichten gegenüber meldet, nehmen die Verhandlungen zwischen dem Petersburger und Wiener Kabinett ihren völlig normalen Fortgang. Gegenwärtig wird hier die Antwort der österreichisch-ungarischen Regierung auf das mitgeteilte Projekt des Konferenzprogramms erwartet, das ihr in der von London festgestellten Form übermittelt worden ist. ____________

Belgrad, 3. November. Gestern nachmittag explodierte in der Militärfeuerwerkfabrik zu Kragujewutsch eine Granate. Ein Offizier und 20 Arbeiter wurden verletzt, davon acht schwer.

Remiremont, 3, November. In ZainvillierS wurde eine Weberei, in^der 650 Arbeiter beschäftigt waren, durch einen Brand zerstört. Sechs Arbeiter sind verschwunden. Der Schaden beträgt mehrere Millionen.

Newyork, 3. Nov. Tast ist mit großer Mehrheit zum Präsidenten gewählt worden.

Berlin, 3. November. Der nationalliberale Abgeordnete Bassermann hat mit Unterstützung der anderen bürgerlichen Parteien eine Interpellation im Reichstag eingebracht: Ist der Reichskanzler bereit, für die Veröffentlichung und die Mit­teilungen des Kaisers im Daily Telegraph sowie für die in derselben aufgestellten Tatsachen die gesetzliche Verantwortung zu übernehmen? Die Interpellation wird Donnerstag zur Verhandlung kommen und vom Reichskanzler beantwortet werden. Auch die Freisinnigen beabsichtigen eine Interpellation einzubringen.

Böhmisch-Kannitz, 3. Nov. Bei dem gestrigen Zusammenstoß zwischen Deutschen und Tschechen wurden zwei Deutsche leicht und einer schwer verletzt.

Warschau, 3. Nov. Als nachmittags in einer Vorstadt eine für einen Bau bestimmte 20 Meter hohe Ramme unter Leitung deutscher Ingenieure an eine andere Stelle geschafft werden sollte, stürzte die Ramme von beträchtlicher Höhe aus die Straße herab. Ein vorüberfahrender Omnibus wurde zer­trümmert und eine junge Dame getötet. Fünf Frauen wurden schwer verletzt. Durch das Einstürzen der Ramme explodierte der Dampfkessel und der Maschinist wurde schwer verwundet.