Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich

1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. wa

Der Anzeigenpreis beträgt für den Baum einer ein» gespaltenen Zeile lopfg., im amtlichen Teile 20psg. Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.nsi^nai«

Herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 130.

Donnerstag, den 5. November

1908.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 2. November 1908.

Im Monat Oktober d. J s. sind diesseits den nach­bezeichneten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:

A. Jahresjagdscheine:

am 1/10. dem

i/io.

i/io.

i/io.

2/10.

3/10.

6/10.

6/10.

7/10.

7/10.

8/10.

10/10.

10/10.

10/10.

16/10.

17/10.

17/10.

19/10.

22/10.

23/10.

23/10.

27/10.

27/10.

28/10.

30/10.

30/10.

31/10.

9/10.

13/10.

22/10.

22/10.

22/10.

24/10.

26/10.

26/10.

26/10.

26/10.

28/10.

7/10.

a. entgeltliche:

Gastwirt Jakob Stein in Niederaula, Kaufmann V. Seelig in Hersfeld, Auszüger Heinrich Stollberg in Niederjosia, Gerichtsassessor Höcker in Schenklengsseld, Kellner Aloys Becker in Niederaula, Rentier Johannes Harnickel in Hersfeld, Bürgermeister a. D. Georg Braun in Hersfeld, Landwirt Philipp Schäfer in Mengshausen, Landwirt Georg Heuser jun. in Lautenhausen, Kaufmann Julius Ehrhardt in Hersfeld, Gutsbesitzer Martin Licht zu Hof Kahlhausen bei Wehrshausen, Küfer Johannes Opfer in Holzheim, Küfer Heinrich Opfer in Holzheim, Gastwirt Ludwig Eydt in Niederjosia, Oberstleutnant von Kameke in Philippsthal, Ziegeleibesitzer C. Grenzebach in Niederaula, Schneider Johannes Rosenthal in Ransbach, Domänenpächter Carl Baumann zu Eichhof, Landwirt Carl Reinhard in Unterweisenborn, Gastwirt Jakob Nuhn in Niederaula, Landwirt Conrad Rudolph in Leimbach, Ziegeleibesitzer Johann Adam Schenk in Niederaula, Gerichtsassessor Funk in Hersfeld, Privatier Rudolf Braun in Hersfeld, Beamten Martin Grebe aus Frankfurt a/M., Bergwerks-Direktor August Rosterg in Heringen a/W., Gastwirt Heinrich Grebe in Friedlos.

b. unentgeltliche:

Königl. Förster Prescher in Gershausen,

Sippe! zu Mecklar,

Oberförster Diedrich in Heringen a/W., Hegemeister Bode in Hönebach,

Forstausf. Dalchow in Heringen a/W., städtischen Oberförster Pfannkuchen in Hersfeld, Königl. Förster Hoff in Heimboldshausen, Bettenhausen in Ransbach, Forstaufseher Kranz in Philippsthal, Förster Neuschäser in Hattenbach, Forstausseher Stiebeling in Hersfeld.

B. Tagesjagdscheine:

Kaufmann Friedrich Stück in Hersfeld,

Uom Bär und Bieneben.

Die Geschichte einer Jugendliebe.

Von Fritz Skowronnek.

(Fortsetzung.)

Zwischen ihr und Hans herrschte ein eigenartiges, kindlich naives Verhältnis von Zärtlichkeit. Wenn sie abends kam saß sie stets neben ihm. Er nahm ihre Hand, legte sie in seinen Arm und zeigte ihr seine Karten.

Was meinst du, Bienchen? Sollen wir Mutter über- trumpfen und Sieben in der Oberfarbe ansagen? Nein? Ach Bienchen, du bist ein Banghase. Muttchen, ich sage Sieben an. Das hältst du, also acht. Acht Solo oder gehst du mit, Vater? Gut? Also Lotus! Den dreizehnten Stich machen wir durch einen dummen Streich. Siehst du, Bienchen, wer wagt, gewinnt."

Zeitig, lange vorher, ehe die Kartenpartie beendet war, Pflegte Czecha zu verschwinden. Zum Abschied strich sie Hans über den dunklen Krauskopf oder gab ihm nach Jungenart einen Klaps auf die Schulter. Er nickte nur dazu und rief feinen Hund an.

Tory, geh mit, bring die Squaw nach Hause. Gute Nacht, Bienchen, schlaf süß, mein Kerlchen!" ,

Die Eltern hatten manchmal über dies Verhältnis, das wie die harmlose Vertrautheit zwischen Bruder und Schwester aussah, gesprochen. Ebenso hingen ja auch die jüngeren Buben deS Forsthauses an Bienchen. Sie war ihre Vertraute in allen Nöten und ganz besonders, wenn beim Erklettern eines Baumes die Hosen einen Schaden erlitten hatten, der nur durch eine sehr geschickte Nadel zu verdecken war. Bei HanS war es wohl noch etwas anderes. Da schien sich eine Neigung zu entwickeln.

., Der Förster meinte, es wäre gut, mit dem Jungen recht­zeitig ein ernstes Wort zu sprechen, um diese Entwicklung wit einem Male abzuschneiden. Die Mutter widersprach elsrig.

Es ist so köstlich, wie sich die Neigung der beiden so un­

am 13/10. dem Militär-Jntendantur-Sekretär Berge, z. Zt. in Herfa,

28/10. Kaufmann Friedrich Stück in Hersfeld. Der Königliche Landrat von GruneliuS.

HerSfeld, den 31. Oktober 1908.

Die Königliche Oberzolldirektion in Casiel hat Klage darüber geführt, daß die Totenlisten von einigen Standesämtern nicht rechtzeitig eingereicht werden. Ich weise deshalb mit Bezug aus die Verfügung vom 18. März v. Js. (A. 1262) erneut darauf hin, daß die Totenlisten vierteljährlich (in den ersten zehn Tagen der Monate April, Juli, Oktober und Januar) dem Erbschaftssteueramte einzusenden sind.

Die Königliche Oberzolldirektion hat ferner den Wunsch ausgesprochen, daß die Spalte 14 der Totenlisten durch Ein­tragung der ungefähren Höhe deS Nachlasses auch dann aus- gesüllt wird, wenn Kinder von beiden Eltern oder der unehe­lichen Mutter beerbt werden. Soweit den Standesbeamten die Verhältnisse nicht selbst bekannt sind, werden sie durch.Be- ftagen der Anmeldenden zu dieser Angabe in den meisten Fällen in der Lage sein.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

J. A. 5757. von GruneliuS.

Zugelaufen ein schwarzer Spitzhund mit weißer Brust. Meldung deS Eigentümers beim OrtSvorstand in Lengers.

nichtamtlicher teil.

.....

Das Naisev-Interview.

Am Sonnabend, unter dem Eindruck der Mitteilungen der Norddeutschen Allgemeinen" hatte ein großer Teil unserer Presse die Nerven verloren. In einigen Blättern kam es sogar zu richtigen hysterischen Ausbrüchen, sie sahen den Bau des Deutschen Reiches zusammenstürzen, sie glaubten sich mitten in einer allgemeinen Katastrophe. Seitdem ist die Besinnung, wenn auch erst teilweise, wiedergekehrt. Man besieht ruhig den Schaden unb erkennt mit Erstaunen, daß das Deutsche Reich noch so fest dasteht wie vorher. So schwächlich ist sein Ge­rüste wirklich nicht, daß nun alles zusammenfallen müßte, weil sich eine, gewiß wichtige Stelle als schadhaft gezeigt hat. Sache vernünftiger Bauleute ist es nicht, wie ein Haufen alter Weiber zu zetern und die Hände zusammenzuschlagen, sondern, sei es auch mit einem kernigen Fluch, an die Arbeit zu gehen und den Schaden auSzubessern.

Einige Blätter, zu unserm Bedauern gerade auch solche, die sich mit Vorliebe national nennen, haben in diesen Tagen eine Sprache gegen den Kaiser gesührt, die von Ehrfurcht so weit entfernt war wie von Gerechtigkeit. Sie scheinen in der

bewußt naiv äußert. Wir ändern daran nichts, wenn wir mit rauher Hand cingreifen. Wir bringen eS ihnen nur zum Be­wußtsein"

Denkst du nicht daran, was daraus werden kann?"

Ja, Vater! Ich halte es für kein Unglück, wenn Hans die Liebe zu dem Mädchen auf die Universität mitnimmt. Und offen gesagt: ich würde unter anderen Umständen keine bessere Schwiegertochter wünschen. Doch darüber brauchen wir uns jetzt noch keine grauen Haare wachsen zu lassen. Also stören wir die Kinder nicht! Der Schmerz der Enttäuschung, der auf dieses Idyll folgen wird, werden sie früh genug kennen lernen."

Frau, du nimmst die Sache zu leicht. Der Junge kann nach seiner Mutter schlagen, die neun Jahre auf ihren Heide­läufer gewartet hat."

Ach, Adam, weshalb sollen wir uns heute schon den Kopf darüber zerbrechen! Laß sie doch in ihrer Unschuld mit­einander verkehren, wie es bisher gewesen ist. Wenn es nötig werden sollte, werde ich schon eingreifen. Vorläufig haben wir noch keine Ursache dazu."

Die zwei Jahre in der Prima waren HanS wie im Fluge vergangen. Er hatte gewissenhaft gearbeitet und galt als der beste aller Schüler. In dem kleinen Städtchen, das mit und zum Teil auch von seinem Gymnasium lebte, war man da­rüber sehr genau unterrichtet. Man kannte die Aussichten der Primaner, die inS Examen stiegen, bis ins einzelne. Dieser war in Französisch schwach, jener in Mathematik. Er durfte keine fchristliche Arbeitverbiegen", sondern mußte eingut" machen, um die Schwäche zu kompensieren. Sogar die burschikosen Schulausdrücke waren in die Sprache der Städter, die sie stets von ihren Söhnen und Pensionären hörten, über­gegangen.

Von Hans Neureuter stand es fest, daß er im Schrift­lichen mindestens drei gutschmettern" würde. Er machte zwar ab und zu einen dummen Streich, aber daS schadete ihm nichts.

So hatte er in den Schulstunden, während des Unter-

Vorstellung zu leben, als sei es ihre Aufgabe, den Kaiser zu erziehen", und sie fordern Verfassungsänderungen, falls ihre Mittel derErziehung" unzureichend wären. Wir lehnen diesen ganzen Gedankengang als eine Verirrung ab und beklagen es tief, daß gerade bei diesem Anlaß es die erwähnten Blätter über sich gewonnen haben, das treumonarchische Gefühl ihrer Leser mit so unsinnigen Ideen zu verwirren. Stehen sie den Anschauungen des Kaisers so fern, um nicht zu erkennen, daß er bei seinen Aeußerungen im Kreise der -englischen Henen ein sehr ernstes und bestimmtes politisches Ziel im Auge gehabt hat? Der Kaiser wollte, das ist jedem aufmerksamen Leser deS Artikels imDaily Telegraph" ohne weiteres klar, der in England so verbreiteten Stimmung entgegenarbeiten, daß es früher oder später zu einem kriegerischen Zusammenstoß zwischen unseren beiden Ländern kommen müsse. Er wollte bei ein­flußreichen Männern den Gedanken befestigen, daß wir friedlich miteinander leben müssen und daß kein Grund zu Mißtrauen gegen die deutsche Politik vorliege. Das war unter anderen Umständen ein nützliches Beginnen.

Und es hat auch tatsächlich genützt, solange die kaiserlichen Motte, wozu sie zunächst bestimmt waren, in privaten Kreisen weitergegeben wurden. Die englischen Herren waren von der nützlichen Wirkung so sehr überzeugt, daß sie den Aeußerungen des Kaisers die weiteste Oeffentlichkeit geben wollten. Nun erst machte sich der Fehler der Akustik geltend. Was im Privat- gespräche von guter Wirkung ist, kann, im Parlament oder in der Presse ausgesprochen, von den schädlichsten Folgen sein. Das ist eine alte Erfahrung und sie hat sich hier wiederholt. Ist daraus dem Kaiser ein Vorwurf zu machen. Zweifellos nicht. Denn über die Wirkung seiner Aeußerungen für den Fall der Veröffentlichung hat er ja gerade das Urteil seiner politischen Berater er deren und Hüt durch eine Verkettung schlimmer Umstände nicht erlangt.

Die Blätter, die den Kaiser wegen des Interviews und seiner Wirkung in der Oeffentlichkeit so scharf mißbilligten, tadelten nun mit noch stärkerer Erbitterung, daß ehrlich mit­geteilt worden ist, wo die wirkliche Schuld lag. Haben sie kein Gefühl dafür, daß es Felonie gewesen wäre, den Kaiser öffentlich einer falschen Beurteilung seines Volkes ausgesetzt bleiben zu lassen, um einen zwar beklagenswerten, aber doch nicht unkorrigierbaren Fehler des Amtsbetriebes zu verbergen? Der Reichskanzler hat nur seine Pflicht getan, indem er ehrlich erklärte, wie die Dinge sich ereignet haben. Und er hat die Verantwortung und seinen Teil der Schuld vor aller Welt übernommen. Alles weitere ist Sache der Amtsdisziplin und wir meinen, daß die Presse nicht gut tut, in diese inneren Angelegenheiten der Behörde Hineinzugreifen und weniger vor­nehm als der Kaiser zu sein, indem sie nun noch ein persön­liches Opfer auf den Markt zu schleifen sucht. Der Reichstag, der gewiß die Angelegenheit vor sein Forum ziehen wird, hat keinen Anlaß, den Bahnen zu folgen, auf die sich die Berliner und auch ein Teil der Provinzblätter in der ersten Erregung gestürzt haben. Das Wohl des Reiches wird nicht gefördert,

richts, alle seine Lehrer mit dem Bleistift abfonterfeit. Die Zeichnungen waren nicht nur sprechend ähnlich ausgefallen sie erhoben sich sogar zu äußerst drastischen Karrikaturen, durch Uebertreibung der besonderen Eigentümlichkeiten. Sie gingen natürlich in der Klasse von Hand zu Hand und wurden von einem jungen Lehrer, der sich durch die Darstellung seiner großen Nase beleidigt fühlte,beklappt". Das H. N. in der Ecke verriet den Verfasser.

Hans ging sofort nach Schluß der Stunde zumDirex", bekannte seine Schuld und bat um milde Strafe. Sie fiel sehr mild aus, denn die älteren Lehrer fühlten sich nicht ge- kränkt, sondern amüsierten sich weidlich über die gelungenen Karrikaturen. Und einige Wochen, nachdem HanS zur Uni­versität abgegangen war, hingen sie unter GlaS und Rahmen im Konferenzzimmer.

Schon Mitte Februar begannen die schriftlichen Arbeiten. Hans wanderte an jedem Morgen vergnügt zum Gymnasium und kam noch vergnügter nach Hause. Die Arbeiten hatten ihm keine Schwierigkeiten geboten. Er befolgte auch den Rat der Lehrer, sich nicht durchOchsen" die Frische zu rauben; er wanderte in dm Wald oder fuhr im Kahn auf den See.

Ebenso hielt er es in der Zeit bis zum mündlichen Examen. Er nahm wohl seine Bücher vor, aber abends kam er zeitig aus seiner Bude und forderte die Eltern zu einem gemütlichen Spielchen aus. Die Mutter machte beim erstenmal Einwen­dungen.

Er schüttelte lachend den Kopf.Ich werde vom Münd­lichen dispensiert."

Und wenn du nicht dispensiert wirst?"

Dann werde ich antworten: Was in den Büchern drin steht, weiß ich. Mehr können dieSchuster" nicht fragen."

Am Tage des mündlichen Examens kam er lustig pfeifend die Treppe herunter, präsentierte sich den Eltern in dem neuen Frackanzug und küßte sie herzlich zum Abschied.

Ich hoffe, die Sache wird programmatisch verlaufen. Wenn Ihr mir den Wagen nachschickt, könnt Ihr in einer