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Für Vieh, dessen Besitzer nicht auf dem Gehöfte wohnt, z. B. bei Pensionsstallungen, Droschkenpferden und dgl. ist da, wo es steht, von dem Pensionsinhaber oder dem Hauswirte eine besondere, auf den Namen des ViehbesitzerS lautende Zählkarte auszustellen; es darf also nicht einer anderen viehhaltenden Haushaltung hinzugerechnet werden. Ebenso sind in Gutsbezirken für das Vieh des Gutsbesitzers, welches in Vorwerken eingestellt ist, auf den Namen deS Besitzers lautende besondere Zählkarten auszufertigen. Dieses Vieh darf ebenfalls nicht beim Hauptgute gezählt werden, sondern nur da, wo es steht. Gleiches gilt für das Leutevieh. Ist dieses auf dem Gute in einem Stalle gemeinsam untergebracht, so müssen auch diese Tiere getrennt in auf den Namen des betreffenden herrschaftlichen Tagelöhners lautende Zählkarten eingetragen werden.

Ausgenommen von der Aufzeichnung sind nur diejenigen Viehstücke, die vorübergehend anwesend sind (also z. B. Pferde in der Ausspanne u. dgl.). Derartige Viehstücke sind durch den Haushaltungsvorstand zu zählen, bei dessen Haushaltung sie sich regelmäßigerweise befinden, von der sie also am Zäh- lungstage nur vorübergehend abwesend sind.

Am 1. Dezember gekauftes Vieh hat stetS der Verkäufer, nicht der Käufer anzugeben.

Schlächter (Metzger) und Händler haben auch das bei ihnen stehende, zum Schlachten oder zum Verkäufe bestimmte Vieh anzugeben, eS sei denn, daß es erst im Laufe des 1. Dezember gekauft ist; trifft das letztere zu, so ist das Vieh nicht aufzuführen, da es bereits von dem Verkäufer angegeben worden ist.

Viehherden, insbesondere Schafherden, sind stets in der Gemeinde bezw. dem Gutsbezirke zu zählen, wo sie sich auf Weide oder in Fütterung befinden. In die Zählkarten ist der Name des Eigentümers einzuttagen. Die Zählung bewirkt der Hirt oder Pfleger. Ist ein solcher nicht vorhanden, so muß der außerhalb der Gemeinde usw. wohnende Besitzer sein Vieh selbst zählen.

Die Ergebnisse der Viehzählung dienen den Zwecken der Staats- und Gemeindeverwaltung sowie zur Förderung wissenschaftlicher und gemeinnütziger Zwecke. Insbesondere soll festgestellt werden, ob durch die heimische Viehzucht die für die Volksernährung nötigen Fleischmengen gewonnen werden können. Zu Steuerzwecken werden die in den Zähl­karten enthaltenen Angaben in keinem Falle verwendet. Nach Feststellung der Ergebnisse durch das Königliche Statistische Landesamt in Berlin werden die Zählkarten vernichtet.

Die Erreichung des bedeutsamen Zweckes der Zählung hängt zum großen Teile von der Mithilse der Bevölkerung ab. An diese wird daher die dringende Bitte gerichtet, das Zähl- geschäft durch bereitwilliges Entgegenkommen den Zählern, Ortsbehörden usw. gegenüber zu erleichtern. Wenn auch die Zählkarten in erster Linie von den Haushaltungsvorständen oder deren Stellvertretern selbst auszufüllen sind, so bedarf es doch außerdem einer großen Zahl freiwilliger Zähler, die bei der Ausübung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit die Eigen- schaft von öffentlichen Beamten besitzen. Es steht zu erwarten, daß wie bei früherenZählungen so auch diesmal sich in genügender Zahl Männer finden werden, die bereit sind, dieses Ehrenamt zu übernehmen; sie würden damit dem allgemeinen öffentlichen Interesse einen wesentlichen Dienst leisten.

Endlich ist noch in geeigneter Weise, namentlich durch Besprechung in den Gemeindeversammlungen und in den Schulen sowie durch die amtlichen Blätter und die Tagespresse welch' letztere sich durch Abdruck' dieser Ansprache oder durch Verbreitung einer sonstigen entsprechenden Belehrung ihrer Leser ein großes Verdienst erwerben würde der Zweck der bevorstehenden Zählung zur möglichst allgemeinen Kenntnis zu bringen. Namentlich würde daraus hinzuweisen sein, daß die in den Zählkarten enthaltenen Angaben lediglich zur Förderung wissenschaftlicher und gemeinnütziger Zwecke, in keinem Falle etwa zu Steuerzwecken dienen. Die Veröffent­lichung der Ergebnisse wird so gehalten werden, daß die An­gaben des einzelnen Haushaltungsvorstandes darin in keinem Falle mehr erkennbar sind.

Die Aufbereitung der Ergebnisse der Zählung ist dem Königlich Preußischen Statistischen Landesamte in Berlin SW. 68, Lindenstr. 28 übertragen worden. Diese Behörde wird zur Behebung etwa austauchender Zweifel bezüglich Einzelheiten der Zählung auf jede an sie gerichtete Anfrage bereitwilligst Auskunft erteilen.

Hur Jn> und Ausland.

Heute vormittag um 9 Uhr begab Se. Majestät der Kaiser Sich im Automobil nach Berlin und hörte im

abends nach der Stadt ging, warum und weshalb, sondern ließ ihn gewähren. Wenn er jedoch in seiner ruhigen Art in einer Sache die Entscheidung getroffen hatte, dann war daran nicht zu rütteln.

Etwas Trotz im Herzen war HanS davongegangen. Er hatte es sich so schön ausgedacht. Zwei Jahre im Seminar zwei Jahre danach die Wiederholungsprüfung dann besam er eine selbständige Schulstelle mit 300 Talern Gehalt und etwas Land. Davon konnten zwei Menschen sorgenlos leben.

Als die Tür sich hinter ihm geschloffen hatte, schob der Förster die Brille aus die Stirn und sah seine Frau an, die am Fenster saß und Strümpfe stopfte.

Sag mal, Mutter, waS ist dem HanS in die Krone ge­fahren? Wer mag ihm den verrückten Gedanken in den Kopf gesetzt haben?"

Frau Förster ließ die Hände in den Schoß sinken und hob den Kopf. Ein feines Lächeln spielte um ihren Mund. Das kann ich dir ganz genau sagen, Adam. Der Junge hat Heiratsgedanken. Ja, ja, dem liegt die Czecha im Kopf und im Herzen. Er will nur deshalb so schnell zu Brot kommen, um sie heiraten zu können. Lach nicht darüber, es ist dem Jungen bitter ernst damit. Das schadet aber nichts es macht ihn verständig und hält ihn von dummen Streichen ab."

Der Förster lachte nicht mehr.Du hast recht, Mutter' Ich habe mich schon manchmal gewundert, daß er mit seinen siebzehn Jahren so wenig dumme Streiche macht. Es ist nur die Frage, ob nicht etwa daS Mädel ihm die Raupen in den Kops gesetzt hat"

Nein, nein, Adam. Darüber können wir beruhigt sein! Zur Sicherheit werde ich einmal aus den Busch klopfen!"

Es dauerte einige Tage, bis Czecha zur Schummerstunde erschien. Frau Förster erzählte ihr so beiläufig, daß HanS die Idee hätte, mit dem PrimanerzeugniS abzugehen, um Dorf- schullehrer zu werden.

Das Mädel schüttelte den Kops.DaS wär die größte

Königlichen Schlosse die Vorträge des Staatssekretärs des Aus­wärtigen AmtS und des Chefs des Marinekabinetts. Um 11 Uhr wurden auf dem Lustgarten die Rekruten der Garnisonen von Berlin und Umgegend feierlich vereidigt. Am Portal 4 hatten sich die Generalität und Admiralität, darunter General- seldmarschall v. Hahnke und Generaloberst von Lindequist, und der Kriegsminister versammelt, ferner die Militärbevoll­mächtigten und die fremdherrlichen Offiziere. Der Kaiser er­schien zu Pferde aus Portal 4, hinter ihm der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich sowie die Herren des Hauptquartiers. Der Kaiser ritt die Front der Truppenteile ab, überall guten Morgen wünschend. Dann hielt der Kaiser bei dem Altar, neben ihm der kommandierende General v. Kessel. Nach der Ansprache der Geistlichen beider Konfessionen erfolgte die Ver­eidigung. Hierauf hielt der Kaiser mit weithin vernehmlicher Stimme eine Rede. General v. Kessel brächte ein dreimaliges Hoch auf den Kaiser auS; die Musik spielte die Nationalhymne. Ein Vorbeimarsch der Fahnenkompagnie mit den Fahnen folgte. Darauf ritt der Kaiser nach dem Schloß zurück.

Das Preisgericht zur Entscheidung über die Zuerkennung der Preise in der vom Berliner Verein für Luftschiffsahrt als Bevollmächtigtem des deutschen Lustschifferverbandes am 11. Oktober veranstalteten diesjährigen Ballon Wettfahrt um den G o r d o n - B e n n e t t - P r e i S der Lüste ist am Sonnabend zusammengetreten. Der erste Preis wurde zuerkannt dem schweizerischen Ballon Helvetia, Führer Gcneralstabsoberst Schaeck, der zweite Preis dem englischen Ballon Banshee, Führer Dunville, der dritte Preis dem belgischen Ballon Belgica, Führer Geerts.

Die Fortsetzung der Auszüge auS der allgemeinen Be­gründung zur R e i ch s s i n a n z r e f o r m, die von der Nord­deutschen Allgemeinen Zeitung veröffentlicht werden, bringt jetzt die Bestätigung der Meldung, daß die Aufhebung der Fahrkartensteuer und die Wiedereinführung des billigen Orts­portos von der Regierung vorgeschlagen werden wird. Beide Reformen sollen vom 1. April 1910 ab in Kraft treten.

Die Reichstagskommission sür die große Gewerbe- Novelle verhandelte im weiteren Verlaus der Beratung über den Antrag der Sozialdemokraten, das Gastwirtsgewerbe unter die Geltung der Arbeiterschutzbestimmungen der Gewerbeord­nung zu bringen. In § 154 der Regierungsvorlage wird es davon ausgenommen. Neben einer Reihe anderer Schutzvor­schriften bett, die Arbeitsordnung, die Arbeiterausschüsse usw. verlangt der sozialdemokratische Antrag besonders eine elf- stündige Ruhezeit für Frauen und jugendliche Arbeiter im Gast­wirtsgewerbe. Bekanntlich schreibt die Bundesratsbestimmung eine Mindestruhezeit von acht Stunden vor; von Vertretern der bürgerlichen Parteien und der Regierung wird betont, daß ein Sprung aus elf Stunden das Gastwirtsgewerbe ruinieren und jedenfalls das weibliche Personal herausdrängen würde. Die Sozialdemokraten verweisen demgegenüber darauf, daß die Bundesratsverordnung sich nur auf das Bedienungs­personal, nicht aus das ganze Dienstpersonal bezieht und daß es sich bei diesen Bestimmungen der Gewerbeordnung übrigens nur um Betriebe mit mindestens zehn Angestellten handle, die sehr wohl für Ablösung sorgen könnten. Der Antrag der Sozialdemokraten wird abgelehnt, ebenso ein weiterer Antrag, das Verkehrsgewerbe unter diesL Vorschriften aufzunehmen. Die Beratungen werden am Dienstag fortgesetzt werden.

Die antideutschen Exzesse in Laibach gelangten in der österreichischen Delegation gelegentlich der Beratung des HeeresbudgetS zur Sprach? und veranlaßten eine scharfe Debatte. Hierbei gab Kriegsminister v. Schönaich seinem tiefen Bedauern über diese Vorgänge Ausdruck. Schließlich ge­nehmigte die Delegation zunächst das Ordinarium und dann auch das Extraordinarium des Heeresetats. Die empörenden Ausschreitungen der Tschechen in Prag gegen die dortigen Deutschen Studenten haben in Außig, Böhmisch-Leipzig, Brüx, Saaz und Teplitz wiederholte Gegendemonstrationen der Deutschen gegen die Tschechen hervorgerufen. Anderseits kam es in dem vorwiegend tschechischen Königinhos zu Gewaltätig- keiten gegen das deutsche Bevölkcrungselement.

Kronprinz Georg vonSerbien wurde vorigen Freitag vom Kaiser Nikolaus in Schloß Peterhof in fast ein- stündiger Audienz empfangen. Ueber ihren Verlauf verlautet noch nichts, doch dürfte sich die Hoffnung Serbiens auf eine tatkräftige Unterstützung seiner Ansprüche auf Bosnien von russischer Seite, nach den Stimmungsberichten aus Petersburg zu schließen, schwerlich erfüllen. Bemerkenswert ist es, daß der erwähnten Audienz des serbischen Thronfolgers beim Zaren weder der russische Minister des Aeußern, Jswolski, noch der erste politische Begleiter des Kronprinzen, der frühere serbische Ministerpräsident Pasitsch, beiwohnten.

In Bulgarien erhebt sich plötzlich eine unvermutete

Dummheit, die er begehen könnte. Ihr werdet es ihm doch nicht erlauben, Tantchen?"

Nein, nein, Kind. Dafür haben wir nicht die Opfer ge­bracht. Er soll sein Abiturium machen und studieren"

Damit war die Sache erledigt.

Am Tage darauf brächte Hans sein Osterzeugnis. Er war als erster nach Prima versetzt. Daß er versetzt wurde, hatte ja keinem Zweifel unterlegen. Aber daß er den Daumlehner, der ihn manchmal überflügelt hatte, untergekriegt hatte, machte ihn stolz.

Der Vater nickte mehrmals, als er das Zeugnis las. Dann stand er aus und ging zum Gewehrschrank. Darin hing an einem Nagel eine Büchsflinte schon seit sechzehn Jahren, aber noch niemals war sie zur Jagd benützt worden. Mit dem Gewehr in der Hand drehte der Förster sich um.

Mein Sohn! An deinem zweiten Geburtstage habe ich die Flinte beim Scheibenschießen gewonnen oder vielmehr erkämpft, denn mein Freund Schulemann hielt mir harten Widerpart. Damals bestimmte ich, daß du sie bekommen solltest, wenn du mir die rote Mütze brächtest. Ich will sie dir schon heute geben, weil du ja Schulmeister werden willst und sie dann sehr notwendig brauchst . . ."

Mit einem Jubellaut fiel Hans dem Vater um den Hals. Es war schon lange seine geheime Hoffnung gewesen, das Gewehr in die Hand zu bekommen. Die Stichelei auf den überwundenen Zukunftsplan nahm er mit in den Kauf.

Und der Förster hatte gut gerechnet. Wenn etwas im­stande war, dem Jungen über die schweren Gedanken, die ihn noch immer beschäftigten, hinwegzuhelfen, so war es die Freude an dem Gewehr und das Verlangen, es aus den Schießstand mit den Grünröcken im Wettkampf zu erproben. . . .

Er war überdies schon mit sich ins Reine gekommen. Das Abiturium wollte er machen, dann stand ihm, wie der Vater gesagt hatte, die ganze Welt offen. Dann kam er in die große Stadt, wo so viele Menschen Lohn und Brot fanden. Sollte sich da nicht auch für ihn eine Stellung finden, die ihn bald auf die eigenen Füße stellte? ....

Er hatte schon mit zwölf Jahren die damals noch seltene Kunst des Stenographieren- erlernt und darin eine ziemlich

Opposition gegen die Erhebung Bulgariens zum Königreich. In der bulgarischen Sobranje verlas der Führer der dreiund­zwanzig Deputierten starken Agrargruppe einen Protest gegen die Proklamierung Bulgariens zum Königreich. Der Protest bezeichnet die Proklamierung ohne Befragen der Sobranje als eine Verfassungsverletzung, für die die Minister verantwortlich seien. Der Redner kündigte zugleich eine Obstruktion der Agrargruppe an. An den vollzogenen Tatsachen wird aller­dings auch dieser sonderbare Protest der bulgarischen Agrarier nichts mehr ändern.

Aus K o n st a n t i n o p e l, 31. Oktober, wird gemeldet: Auf den Befehl, daß fünf Bataillone der hiesigen ersten und zweiten Division, welche die Mdizbesatzung bildete, nach Dsched- dah abgesandt werden, hat gestern abend eine Kompagnie gemeutert. Die Soldaten verließen bewaffnet die Kaserne Taschkischla in Pera und nahmen in der Nähe der Kaserne Ausstellung. Sie erklärten, daß sie nach Hause wollten oder nur, wenn die ganze zweite Division nach dem Hedschas ver­legt würden, mitgingen. Um der Meuterer Herr zu werden, erhielt das von Saloniki eingetroffene Schützenbataillon, das in derselben Kaserne untergebracht ist, heute früh den Auftrag, mit Musik, angeblich zum Exerzieren, auszurücken, in Wirklich­keit aber die meuternde Kompagnie zu umzingeln. Während der Umzingelung begann die meuternde Kompagnie zu schießen. Das Schützenbataillon erwiderte das Feuer. Es wurden un­gefähr 1000 Schüsse gewechselt. Es blieben 9 Tote und 7 Verwundete auf dem Platze. Nach Umzingelung hat sich die Kompagnie ergeben' Sie wurde entwaffnet und interniert. Sensationelle Darstellungen des Vorfalles und die Angaben über große Verluste sind unbegründet.

Aus Marokko wird ein neuer deutsch-fran­zösischer Zwischenfall gemeldet. In Tanger drangen Soldaten der von französischen Instrukteuren ausgebildeten Polizei in die Mühle eines deutschen Schutzbürgers ein und verlangten, daß ihnen Korn unentgeltlich gemahlen werde. Da dies verweigert wurde, bedrohten und beschimpften sie die arabischen Angestellten des Mühlenbesitzers. In diesem Fall liegt das Unrecht klar auf Seiten der eingeborenen Polizisten im französischen Dienst, sodaß wohl irgendeine Genugtuungs­leistung der französischen Regierung für den deutschen Schutz­befohlenen erwartet werden darf.

Aus Provinz u. Nackbargeblet

):( Hersfeld, 2. November. Im Gelände unterhalb des Oberstberges wurde heute Nachmittag von 12Va Uhr an ein Hubertusrennen abgehalten, das zum Teil vom Hers­felder Reiterverein, zum Teil von der hiesigen Kriegsschule ver- anstaltet worden war. Es wurde zunächst eine Jagd geritten, die bei Oberrode ihren Anfang genommen hatte; an ihr be­teiligten sich Offiziere und Herrenreiter. Alsdann fand eine Jagd mit Auslauf statt, geritten von Offizieren der Kriegs­schule. Ihr folgte ein scherzhaftes Jagdreiten der Fähnriche, das unter den zahlreichen Zuschauern besondere Heiterkeit er­regte. Ebenso scherzhaft nahm sich das dann folgende Gänse- rennen über 100 m aus. Eine Anzahl Gänse waren an Teilchen gebunden und wurden von Fähnrichen, die die Gänse führten, durchs Ziel getrieben. Zum Schluß fand ein Rennen der Sieger aus den vorerwähnten Scherzrennen statt. Wir werden über den Verlauf des Rennens im Einzelnen in nächster Nummer berichten. W ®

V Hersfeld, 31. Oktober. In der heutigen Ver­sammlung des KreislehrervereinsHersseld, die um 3A4 Uhr nachm. durch Herrn Ackert eröffnet wurde, hielt Herr Kimpel-Cassel einen ausführlichen Vortrag über den neuen Entwurf des Lehrerbesoldungsgesetzes. Redner ließ die Lichtseiten der Vorlage deutlich hervortreten, hob aber auch die leider weit überwiegenden Schattenseiten des Entwurfs nachdrücklich hervor. Durch das neue Gesetz in seiner jetzigen Form werden wohl die seither mindestbesoldeten Lehrer um einen anerkennenswerten Betrag ausgebessert, aber die anderen Lehrer in den Orten mit einer Einwohnerzahl bis 25 000 er­halten entweder gar keine oder doch nur eine so geringe Zu­lage (50 Mk.), die man doch in der heutigen Zeit, bei oft recht erheblichen Gehaltsverbesserungen anderer Beamten, nicht als Verbesserung ihrer gegenwärtig keineswegs rosigen materiellen Lage betrachten kann, ja, in 361 Orten von mehr als 2000 Einwohnern werden die gegenwärtig gezahlten Gehalts­sätze sogar herabgesetzt. fAuch in Hersfeld wird nach der neuen Vorlage das Gehalt jeder Lehrerstelle 50 Mk. weniger be­tragen, als bisher. Die sogenannten Ortszulagen, welche das Gesetz für Lehrer in Städten mit 25 000 und mehr Einwohnern Vorsicht, sind nur dazu angetan, die Gehaltsbezüge in diesen

bedeutende Fertigkeit erworben. Wenn er sich soweit fort- bildete, daß er trotz der schnellsten Rede zu folgen vermochte^? Mit der ihm eigenen Energie fing er an, daran zu arbeiten. Die jüngeren Brüder mußten ihm, obwohl manchmal recht ungern, vorlesen, er saß und schrieb nach.

An jedem Sonntag saß er in der Kirche, um die Predigt in seinen krausen Zeichen wörtlich aufzunehmen. Bald war er so weit, daß ihm kein Wort fehlte.

Es war eigentlich ein reiches Leben, das er führte. Nach Schluß der Schule gab er zwei, drei Privatstunden. Dann gings nach Hause und sofort an die Schularbeiten. Mindestens einmal in der Woche fuhr er nachts mit seinem Kumpan, dem Holzmeister, fischen. Am Sonntag führte er seine Büchsflinte spazieren. Abends vereinigte sich die ganze Familie an dem runden Tisch unter der Hängelampe zu einer Partie Whist oder Boston. Dazu erschien manchmal auch Czecha, die im Forsthause ein seltener Gast geworden war. Das Wäsche­nähen hatte sie aufgegeben. Durch die Fürsprache ihrer mütter­lichen Freundin hatte sie bessere Kundschaft gewonnen. Sie wurde reihum von den Gutshöfen der Nachbarschaft in An­spruch genommen und hatte so viel zu tun, daß sie mit der Zeit geizen mußte. Der Verdienst hatte sich so weit gehoben, daß sie der Tante Jettchen eine Frau zur Aufwartung halten und noch etwas zurücklegen konnte.

(Fortsetzung folgt.)

Ein Gattenmord wurde am 28. Oktober Abends in Frauend orf bei Stettin verübt. Dort hat der Arbeiter Kräge bei einem Streit in der Wut seiner Frau einen Messer­stich in die linke Brust versetzt, der tödlich wirkte. Nach der Tat hat er die Leiche in den Kanal geworfen, wo sie, nur mit dem Hemd bekleidet, am nächsten Morgen aufgefunden wurde. Als man zur Wohnung kam, um den Mann sestzu- zunehmen, fand man die Tür verschlossen. Da er gutwillig nicht öffnete, schickte man sich an, die Tür mit der Axt zu sprengen. In diesem Augenblick sprang der Mörder aus dem Fenster, lief zur Oder und stürzte sich hinein. Es gelang, ihn wieder aus dem Wasser zu ziehen und dem AmtSvorstande in FraUendorf zu überliefern.