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herrfelder Kreisblatt

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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 137.

Donnerstag, den 39. Oktober

1908.

Amtlicher teil.

Aus Grund des § 131 Absatz 2 der Gewerbeordnung (in der Fassung des Gesetzes vom 30. Mai 1908 R. G. Bl. S. 356) habe ich

1. den Prüfungszeugnissen des bei der Reichsdruckerei in Berlin für die Gewerbszweige des Buch-, Stein-, Licht- und Kupferdrucks, der Schristsetzerei und Schriftgießerei, der Buch­binderei, der Gravierkunst und Galvanoplastik bestellten Prüfungsausschusses:

2. den Prüfungszeugnissen der bei den Haupt- und Nrben- Werkstätten der Königlichen Eisenbahnverwaltung innerhalb Preußens für das Schlossergewerbe bestellten Prüfungs­ausschusses :

3. den Prüfungszeugnissen über die Abgangsprüfungen bei den Königlichen Fachschulen für die bergische Kleineisen- und Stahlwaren-Jndustrie in Remscheid, für die Eisen- und Stahl­industrie des Siegener Landes in Siegen, für Metallindustrie in Jferlohn, für die Kleineisen- und Stahlwaren-Jndustrie in Schmalkalden, die Wirkung der Zeugnisse über das Bestehen der Gesellenprüfung beigelegt. Diese Wirkung bezieht sich zu 1 und 2 auf die dort bezeichneten Gewerbe, zu 3 bei den Schulen in Remscheid, Siegen und Schmalkalden aus die Gewerbe der Schlosser und Schmiede, bei der Schule in Jserlohn auf die Gewerbe der Kunstschmiede, Werkzeugschlosser, Metallgießer» Ziseleure und Graveure.

Vorstehende Bestimmungen treten mit dem 1. Oktober 1908 in Kraft. Zu dem gleichen Zeitpunkte werden die Erlasse zu 1. vom 13. Juni 1902 (H. M. Bl. S. 247), zu 2. vom 19,. Dezember 1902 (H. M. Bl. S. 433), zu 3. vom 16. März 1904 (H. M. Bl. S. 88) sowie der Erlaß vom 23. Juni 1904 (H. M. Bl. S. 341), betreffend die Wirkung der Prüfungszeugnisse der auf Grund des Runderlasses vom 21. Mai 1904 (H. M. Bl. S. 328) gebildeten Prüfungs­kommissionen für das Husbeschlaggewerbe, hiermit ausgehoben.

Die nach diesen Erlassen den angeführten Prüfungszeug­nissen beigelegte Wirkung, daß ihre Inhaber nach Vollendung des 24. Lebensjahrs in den betreffenden Handwerksbetrieben zur Anleitung von Lehrlingen berechtigt sind, kommt somit gemäß § 129 der Gewerbeordnung (in der Fassung des Ge­setzes vom 30. Mai 1908, R. G. Bl. S. 356) für die vom 1. Oktober 1908 ab ausgestellten Prüfungszeugnisse in Wegfall. (I. Nr. IV. 9709.)

Berlin W. 66, am 27. August 1908.

Der Minister für Handel und Gewerbe.

I. A.: Dr. N e u h a u s.

* *

*

Der Schlußabsatz meiner Bekanntmachung vom 11. Oktober 1904, wonach den Prüfungszeugnissen der staatlichen Kommission zur Abhaltung der Hufbeschlagsprüfung die Wirkung beigelegt ist. daß sie ihre Inhaber nach Vollendung des 24. Lebens­jahres zur Anleitung von Lehrlingen in Handwerksbetrieben

Uom Bär und Viencken.

Die Geschichte einer Jugendliebe.

Von Fritz Skowronnek.

WaS wird aus dir mal werden", pflegte die Frau Förster mit mißbilligendem Kopfschütteln zu sagen, wenn Czecha atemlos in die Stube stürmte, und strich ihr die wirren Haare aus der Stirn,du bist ja noch wilder als meine JungenS."

Und die Frau Förster hatte recht. Das kleine Mädel war eine wilde Hummel. Mit ihren Puppen mochte sie nicht spielen, sie hatte keinen Sinn dafür. Sie kleidete sie aus und warf den ausgestopsten Balg, nachdem sie den Inhalt unter- sucht, in die Ecke. Lieber sprang sie hinaus, um mit den Söhnen des Försters Neureuter Klipp und Ballschlag zu spielen. Oder sie zog mit ihnen und den andern Dorjkindern in den Wald, wo die Kämpfe zwischen Indianern und Trappern aus­gefochten wurden. Dort war sie stets die Squaw des Schwarzen Bären, der von Hans, dem ältesten Försterssohn, sehr energisch dargestellt wurde.

Er war nur ein Jahr älter als sie, aber der einzige, dem sie sich in ihrer Unbändigkeit unterordnete. Ihre Tante Jettchen, ein älteres Fräulein, bei dem sie in Pension war, hatte gar keine Gewalt über sie. Die Eltern wohnten weitab über der Grenze in Polen, der Vater hatte dort ein Gut gepachtet und nach dem Tode von Czechas Mutter eine Polin geheiratet, mit der er nicht sehr glücklich lebte. Um wenigstens Czecha vor ihrem Einfluß zu bewahren, hatte er sie in die Heimat zu einer entfernten Verwandten, in das kleine Dörfchen Wiersba zu Tante Jettchen gebracht, von wo sie die Schule in der nahen Stadt besuchen konnte.

Zu den Ferien ließ der Vater sie nicht nach Hause kommen, nur einmal hatte er sie zu Weihnachten abgeholt, um mit ihr

Fest auf deutsche Art zu begehen. Ein- oder zweimal im kam er auf einen Tag zu Besuch. Er hatte bei schlechten «egen zehn Meilen zu fahren und konnte oder wollte seine Wirtschaft nicht ohne Aussicht lassen.

deS Husbeschlagsgewerbes berechtigen, wird hiermit auf­gehoben. (A. n. G. 1239.)

Cassel, am 18. September 1908.

Der Regierungspräsident.

J. V.: gez. Schenk zu Schweinsberg. * *

*

Hersfeld, den 20. Oktober 1908.

Wird veröffentlicht unter Bezugnahme auf meine Bekannt­machung vom 9. November 1904 Kreisblatt Nr. 131.

I. I. 10106. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Der Saatenftand Mitte Oktober 1908.

Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld.

Begutachtungsziffern (Noten): 1 sehr gut, 2 gut, 3 Mittel, 4 = gering, 5 = sehr gering

Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt­schaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.

I B c 9476 M. f. L. l b 3646 M. d. J.)

Fruchtarten usw.

Durchschnitts-

Anzahl der von den Vertrauensmännern ab­gegebenen Noten

noten

für den

Staat

meg.-«ez.

<N CO ^1 1Q

Cassel

T-1 I <N I M [ 1 1O

Winterweizen

2,8

3,0

2 1 1

Sommerweizen .

Winterspelz (Dinkel) .

2,1

Winterroggen .

2,7

2,8

112 1

Sommerroggen.

Sommergerste .

Haser ....

Erbsen

Ackerbohnen

Wicken

Kartoffeln .

2,6

2,8

2 2 2

Zuckerrüben

3,0

3,1

1

Winterraps u. -Rübsen

2,4

2,6

1 1 1

Flachs (Lein) .

Klee ....

Luzerne

Wiesen mit künstlicher

Be-(Ent-)wässerung

Andere Wiesen .

Königlich Preußisches Statistisches Landesamt. Dr. Blenk, Präsident.

Hersfeld, den 26. Oktober 1908.

Unter dem Pferdebestande des Landwirts Daniel Holstein in Niederthalhausen (Kreis Rotenburg) ist die Influenza (Brustseuche) ausgebrochen.

I. 11030. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Her-feld, den 26. Oktober 1908.

Am 1. November d. Js. wird die dritte Rate

Dann saß Czecha die ganze Zeit über still an seiner Seite, hielt seine Hand und schmiegte sich an ihn. Der Vater, ein stiller, ernster Mann, erzählte ihr von daheim, prüste ihre Zeugnisse und lobte sie, wenn er einsah, daß sie in der Schule gut vorwärts kam. Das konnte der wilden Hummel aller­dings niemand nachsagen, daß sie nicht fleißig war. Sie kam am Nachmittag nicht eher zum Vorschein, als bis sie ihre schriftlichen Arbeiten mit aller Sorgfalt erledigt hatte. Aus­wendig zu lernen, hatte sie nicht nötig. Was sie einmal ge­hört oder gelesen, stand in ihrem Gedächtnis fest. Deshalb hatte der Vater bestimmt, daß sie nach Beendigung der Schule das Seminar besuchen und Lehrerin werden sollte. Damit glaubte er, ihre Zukunft am besten sicher zu stellen.

Kurz vor ihrer Einsegnung traf Czecha ein schwerer Schick­salsschlag: ihr Vater wurde von einem Knecht, den er fort­gejagt hatte, hinterrücks überfallen und auf den Tod ver­wundet. Sie erhielt die Nachricht erst, als der Vater bereits tot und begraben war. Bleich, mit verstörten Augen kam sie in das Forsthaus, barg ihren Kopf in den Schoß der Frau Förster, die das Kind trotz aller Unbändigkeit lieb hatte, und weinte sich still aus.

Das entsetzliche Ereignis, das ihr mit dem Vater den ein­zigen Rückhalt geraubt hatte, wandelte sie völlig um. Nach­dem der erste heftige Schmerz überwunden war, besprach sie mit der mütterlichen Freundin gefaßt und verständig, was mit ihr nun geschehen könnte. Zu ihrer Stiesmutter zurückkehren wollte sie nicht. Er war ohnehin zweifelhaft, ob die Frau etwas aus dem Schiffbruch der Familie retten würde. Das war, wie man später erfuhr, in der Tat nicht der Fall. Die Stiefmutter hatte das Wenige, waS der Besitzer des Gutes nicht mit Beschlag belegte, zusammengerafft und war wegge­zogen, ohne sich um die Stieftochter zu bekümmern.

Der Tante Jettchen konnte sie auch nicht zur Last fallen. Die kleine Rente, die daS kränkliche Fräulein aus einem Ver­mächtnis bezog, reichte nach dem Wegfall der bisher gezahlten Pension zum Unterhalt zweier Menschen nicht auS. Doch die warmherzige Försterssrau schaffte, wenigstens fürS erste, Rat. Sie spendete selbst, so viel sie bei ihren geringen Mitteln ver­mochte, und fand auch bei guten Menschen so viel Hilfe, daß

der für das laufende Rechnungsjahr zu entrichtenden KreiS- st e u e r fällig. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises ersuche ich, gefälligst dafür Sorge zu tragen, daß dieser Zahlungstermin seitens ihrer Gemeinde-Kassen genau eingehalten wird.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses. von Grunelius.

Gefundene GegenSande:

Eine Handsäge. Meldung des Eigentümers beim Orts­vorstand in Asbach.

nichtamtlicher teil.

Abgeordnetenhaus.

Das preußische Abgeordnetenhaus trat am Montag nach fast einwöchiger Vertagung wieder zusammen, um nunmehr seine eigentlichen Verhandlungen aufzunehmen. Zunächst fand die bei Beginn jeder neuen Session erforderliche Wahl des Präsidiums statt; sie ergab die Wiederwahl des bisherigen Präsidiums v. Kröcher (kons.), Dr. Porsch (Zentr.), Dr. Krause (nat.-lib.) Durch Zuruf erfolgte die Wahl der Schriftführer, womit das Bureau des Hauses konstituiert ist. Nunmehr wurde in die Generaldebatte über die BeamtengehaltSreform eingetreten, und zwar vorerst über die Besoldungsvorlage. In der Diskussion wurden mehrfache Einzelheiten der Vorlage von verschiedenen Seiten einer mehr oder weniger abfälligen Kritik unterzogen, doch gilt trotz-.em das Zustandekommen deS Ge­setzes als gesichert. F^.la.'.gLinister v. Rheinbaben teilte? im Laufe der Montagsverhandlung mit, daß die Vorarbeiten für die Vorlage betreffend den Wohnungsgeldzuschuß noch nicht beendet seien. Geplant werde eine neue Klasseneinteilung aus Grund der tatsächlich gezahlten Mieten, die von dem gegen­wärtigen Zustand erheblich abweiche. Die oberen und mitt­leren Beamten würden eine Aufbesserung von 50, die unteren von 33Vs Prozent erhalten.

K Stätten Der slavischen Frage.

Die gefährliche Unruhe in Serbien, die auffällige Reise des serbischen Kronprinzen nach Petersburg und dessen Empfang durch den Zaren Nikolaus, und dann vor allen Dingen die wüsten und fanatischen Angriffe der Tschechen auf die deutschen Studenten in Prag, sowie auch die Feind­seligkeit der übrigen slavischen Natiönchen in Oesterreich gegen die Deutsch-Oesterreicher zeigen die gefährliche Erscheinung, daß sich mit den orientalischen Wirren auch die große slavische Frage regt, die einst Rußland zu lösen unternommen und als seine große Mission im Orient bezeichnet hat. Die Tumulte der Tschechen in Prag gelten daher nicht nur dem

sie Czecha zur Einsegnung einkleiden konnte. WaS darüber hinaus übrig blieb, reichte bei äußerster Einschränkung gerade auS, die Waise ein Jahr vor NahrungSsorgen zu schützen. An einen weiteren Besuch der Schule oder gar des SeminarS war gar nicht zu denken. Die Vierzehnjährige mußte eine Beschäftigung, einen Beruf suchen, der ihr bald Unter­halt gab.

Czecha, die in wenigen Wochen ein ruhiges, ernstes Mädchen geworden war, verzichtete mit blutendem Herzen auf den Plan, Lehrerin zu werden. Die Energie ihres Charakters, die jetzt erst zutage trat, ließ sie nicht nur diese Enttäuschung überwinden, sondern auch den richtigen Ausweg finden, ob­wohl er von ihr eine ganz bedeutende Selbstverleugnung forderte.

Denn bis dahin war sie mit den Töchtern der besten Ge­sellschaft zur Schule gegangen und hatte mit ihnen gesell­schaftlich aus gleichem Fuß verkehrt. Jetzt schied sie sich frei- willig von ihnen und ging in ein Geschäft, um Schneidern und Putzmachen zu lernen.

Mit fünfzehn Jahren, wenn andere Mädchen noch als Kinder sorglos durchs Leben hüpfen, saß sie an der Näh­maschine, die sie auf Abzahlung gekauft hatte, und nähte Hemden. Der Verdienst war nicht groß, aber er schützte sie vor Nahrungssorgen. Meistens mußte sie auch einen Teil der Nacht zu Hilse nehmen, weil die Tante sehr hinfällig geworden war und am Tage ihrer Fürsorge bedurfte.

Als die Trauer um den Vater überwunden war, lebte der Frohsinn ihrer Natur wieder auf. Der Krieg mit Frankreich war auSgebrochen. Bald kamen die ersten Siegesnachrichten. DaS gab den Bewohnern des Dörfchens willkommenen Anlaß, sich abends bei einer Witwe, die eine kleine Gastwirtschaft unterhielt, zusammenzufinden. Die Männer kamen mit der langen Pfeife, die Frauen mit dem Strickstrumpf. Zuerst wurden die Berichte auS der Zeitung vorgelesen. Dann feierte die Jugend die Siege durch ein Tänzchen. Ein uraltes Spinett mit dünner Stimme lieferte die Musik.

Gustav Sänger, ein angehender Seminarist, verfügte in seiner Kunstfertigkeit zwar nur über drei Tänze, aber den Mangel an Abwechslung ersetzte er durch Ausdauer. Und