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Herzsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Sernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 123. Dienstag, betT 20. Oktober 1008.

Amtlicher teil.

Mit bezug auf die Allerhöchste Verordnung vom 2. Oktober 1908, durch welche die beiden Häuser des Landtages der Monarchie auf den 20. Oktober d. Js. in die Haupt- und Residenzstadt Berlin zusammenberufen worden sind, mache ich hierdurch bekannt, daß die besondere Benachrichtigung über den Ort und die Zeit der Eröffnungssitzung in dem Bureau des Herrenhauses, hier Leipzigerstraße Nr. 3, und in dem Bureau des Hauses der Abgeordneten, hier Prinz Albrecht­straße Nr. 5/6, am 19. Oktober d. Js. in den Stunden von 9 Uhr früh bis 8 Uhr abends und am 20. Oktober d. Js. in den Morgenstunden von 9 Uhr früh ab offen liegen wird.

In diesen Bureaus werden auch die Legitimationskarten zu der Eröffnungssitzung ausgegeben und alle sonst erforder­liche Mitteilung inbezug auf diese gemacht werden.

Berlin, den 4. Oktober 1908.

Der Minister des Innern. I. V.: gez. Holtz.

* * * Hersseld, den 15. Oktober 1908. Wird veröffentlicht.

I. 10692. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

^Cassel, den 6. Oktober 1908.

Der unterzeichnete Bezirksausschuß hat in seiner heutigen

Sitzung, nach Vortrag der Sache, beschlossen:

Die Schonzeit für Rehkälber auf dasganze Jahr 1908 auszu dehnen. G. A. 1363/08.)

Der Bezirksausschuß zu Cassel. gcz. Unterschriften.

*

Hersfeld, den 14. Oktober 1908.

Wird veröffentlicht. *

Die Herren Bürgermeister und Gutsbezirksvorsteher ersuche ich, obige Bekanntmachung auch auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntnis zu bringen.

I. I. 10631. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Bekanntmachung.

Die diesjährigen Herbst-Kontrollversammlungen

im Kreise Hersfeld finden wie folgt statt:

gu Hersseld I

(Turnplatz an der Hainstraße) Montag, den 2. piovember 190$,

Vormittags 9 Uhr

für die Mannschaften aus der Stadt Hersfeld, Hof Wehneberg.

gu Hersfeld II

(Turnplatz an der Hainstraße)

£ulu$ Glück.

Erzählung von Ernst Clausen. (Fortsetzung.)

Als Viktor Hittfeld, der den Hansnarren schmunzelnd quittiert hatte, wieder inS Haus schlüpfen wollte, stieß er mit dem Gemeinderat Trinius zusammen.

Na, Herr Baumeister, gut amüsiert? Das ist recht! Wie gesagt, Sie sind uns stets willkommen!"

Viktor mußte der ganzen Familie noch die Hände schütteln und den Damen beim Einsteigen behülflich fein, ehe er seinen Rückzug fortsetzen konnte.

Es war ein schwerer, aber schöner Tag gewesen. Lulu saß neben Tante Franziska im Wagen und hörte und ver­stand sehr wenig von dem, was ihr Vater sagte, der in seiner üblen Laune über Trinius und Konsorten schalt, bis er endlich meinte, daß doch wirklich eine Stirn dazu gehöre, wenn ein Mensch wie dieser Hittfeld sich mir nichts, dir nichts in eine wildfremde Gesellschaft dränge.

Da erwiderte Lulu ganz energisch:Aber warum denn nicht, Papa? Ein wahres Glück, daß er noch kam! Man sieht doch mal ein anderes Gesicht! Assessor Tietenhofen zum Beispiel ..."

Na, was ists mit ihm?"

Langweilig ist er, zum Sterben langweilig, Papa? Ich glaube, der Mann hat nie einen eigenen Gedanken!"

Kinderei! Eigene Gedanken! Als wenn's darauf an- käme! Unruhige Köpfe gibts heutzutage mehr, als gut ist, auch bei uns in Krottcndorf!" brummte der Doktor.

Lulu schwieg. Aber zu ihrem Erstaunen fühlte sie, wie Tante Franziska nach ihrer Hand tastete und sie kräftig drückte.

Bisher war der Doktor für die Schwester unfehlbare Autorität gewesen. Um so mehr war Lulu über diese Sym­pathiekundgebung der Tante erstaunt und zugleich erfreut.

Aus jeden Fall", wagte Fräulein Franziska einzu- werfen,ist der junge Herr Hittfeld ein Mann, der weiß, was

Montag, den 2. piovember 190$,

Nachmittags 3 Uhr

für die Mannschaften aus den Gemeinden Kathus, Gutsbezirk Oberrode, Petersberg mit Kühnbach, Gutsbezirk Wilhelmshof, Sorga mit Sölzerhöfe, Gutsbezirk Bingartes mit Johannesberg, Meisebach, Kalkobes, Gutsbezirk Eichhof, Eichmühle, Heenes, Hermannshos.

gu Friedlos

(bei Gast Wirt Grebe)

Dienstag, den 3. piovember 1908,

Vormittags 9 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Friedlos, Reilos, Mecklar, Meckbach mit Kneipmühle, Gerterode, Rohrbach, Tann.

gu Obergeis

(bei G astwirt Ernst)

Dienstag, den 3. piovember 1908,

Nachmittags 3 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Allmershausen mit Hof Hählgans, Aua, Biedebach, Gittersdorf, Obergeis und Untergeis.

gu Heimboldshausen

(bei Gastwirt Echtermeyer) Montag, den 9. piovember 1908,

Vormittags 980 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden HcimboldShausen, Ausbach, Harnrode, Gethsemane, Philippsthal, Röhrigshof mit Nippe und Unterneurode.

Zu Heringen

(S ch u.l p l a tz)

Montag, den 9. piovember 1908,

Vormittags 11 Uhr

für die Mannschaften aus den Gemeinden Bengendorf, Heringen mit Hof Füllerode, Leimbach, Lengers, Widdershaufen und Wölfershausen. Die Mannschaften aus Kleinensee erscheinen in Hönebach.

gu Friedewald

(auf dem Schloßplatz) Dienstag, den 10. piovember 1908,

Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Friedewald mit Hof Weißenborn, Herfa, Lautenhausen mit Hof Oberneurode und Hillartshausen.

gu Schenklengsseld

(bei Gastwirt Kroneberg) Dienstag, den 10. piovember 1908,

Nachmittags 3 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Conrode, Dünkel- rode, Malkomes, Motzfeld, Oberlengsfeld, Ransbach, Hilmes, Lampertsfeld, Landershausen, Schenklengsseld, Schenksolz, Unter­weisenborn, Wehrshausen und Wüstfeld.

sich gehört. Mich hat noch kein Assessor zur Francaise aufge- fordcrt."

Ach was, ein Windhund ist er, der nicht einmal feine Doktorrechnung bezahlen kann", knurrte der Doktor, den der Grimm über den Widerspruch der Damen jede Fassung ver­lieren ließ.

Da hielt der Wagen. Die Damen verschwanden in ihren Zimmern und Weishaupt ging gewohnheitsmäßig noch ein­mal in seine Stube, um nach etwa eingelaufenen Postsendungen zu sehen.

Auf seinem Schreibtisch lag ein kleines, leichtes Paket. Absender: E. von Ellerntal, DreSden" buchstabierte er heraus.

Merkwürdig, ganz unbekannter Name! Er konnte nicht widerstehen und öffnete rasch.

Ein zusammengelegtes Päckchen Briefe fiel ihm entgegen und obenauf lag ein BegleitschreibenHochverehrte, gnädige Frau!"

Weishaupt stutzte und sah die Paketadresse noch ein­mal an.

Da stand ganz deutlich:An Frau Doktor Lulu Weis­haupt."

Das war also eine Sendung an eine Tote, die er vor fünfzehn Jahren begraben hatte! Er blickte unwillkürlich zu dem Porträt auf, daS im flackernden Licht der Kerze Leben zu bekommen schien.

Hochgeehrte, gnädige Frau!

Beim Ordnen des Nachlasses meiner Mutter fand ich beifolgende Briefe mit der Bestimmung: Nach meinem Tode zurückzugeben an Frau Doktor Weishaupt in Krottendors! Ich erfülle hiermit den Willen der Dahingeschiedenen, ohne zu wissen, gnädige Frau, in welchem Verhältnis Sie zu meiner unvergeßlichen Mutter gestanden haben I"

Der Doktor ließ den Bries sinken. Richtig, daS war die Handschrift seiner Frau und der Poststempel des obersten Brieses bewies, daß er ein Jahr nach seiner Heirat mit Lulu Steinhauer versaßt worden war. Er drehte das verschnürte Päckchen einigemal in der Hand, öffnete dann ein Schreib-

gu Oberhaun

(bei G a st w i r t K i e l) Sonnabend, den 14. piovember 1908,

Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Eitra, Hilperhausen, Kohlhausen, Oberhaun, Roßbach, Rotensee, Sieglos, Unterhaun und Wippershain.

gu Niederaula

(K i r ch p l a tz)

Montag, den 16. piovember 1908,

Mittags 12 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Asbach, Beiershausen, Hattenbach, Kerspenhausen, Solms, Stärklos, Gutsbezirk Engel­bach mit Hof Sternberg, Kruspis, Mengshausen, Niederaula, Niederjossa und Holzheim.

gu Kirchheim

(bei Gastwirt Nutzn)

Montag, den 16. piovember 1908,

Nachmittags 330 Uhr

für die Mannschaften aus Den Gemeinden Allendorf, Frielingen, Gersdorf, Gershausen, Goßmannsrode mit Hof Sicbenmorgen, Heddersdorf, Kemmerode, Kirchheim mit Weich und Eichmühle, Kleba, Reckerode, Reimboldshausen, Rotterterode mit §of Beiersgraben und Willingshain mit Hof Löscher.

Zur strengen Nachachtung für die beteiligten Mannschaften fügt das Bezirkskommando folgende Bemerkungen hinzu:

1. Zu den Herbst-Kontrollversammlungen haben zu er­scheinen :

a) diejenigen Mannschaften, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1896 eingetreten und des­halb zur Landwehr bezw. Seewehr II. Aufgebot- übergeführt werden.

b) sämtliche Reservisten und Dispositionsurlauber.

c) die zur Verfügung der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften.

d) sämtliche Invaliden der Reserve mit Ausnahme der dauernd abgefundenen Ganzinvaliden.

2. Die Einberufung zu den Kontrollversammlungen findet lediglich durch diese öffentliche Aufforderung und durch Ausrufen in sämtlichen Ortschaften statt.

Die Nichtbefolgung der Berufung zu den Kontroll­versammlungen hat Arrest zur Folge.

3. Die Mannschaften aus einzelnen, hier nicht genannten Höfen, Mühlen u. s. w. werden zu den Ortschaften ge­rechnet, zu deren Gemeinden sie gehören.

4. Die Mannschaften haben den Militärpaß und das FührungSatlest mit zur Stelle zu dringen.

5. Gesuche um Befreiung von der Kontrollversammlung sind rechtzeitig bei dem Hauptmeldeamt deS Königlichen Bezirks-Kommandos in Hersseld anzubringen und können nur durch das Bezirks-Kommando genehmigt werden.

tischsach und legte es dort zu den andern pietätvoll aufbe- wahrten und sauber geordneten Briefen seiner Frau.

* *

*

Doktor Weishaupt war von der entscheidenden Gemeinde­ratssitzung, der die Bürgermeisterwahl vorangegangen war, nach Hause gekommen, müde, erschöpft und im Grunde miß­mutig.

Der Triumph, den Assessor durchgebracht zu haben, wurde stark verdunkelt durch die Niederlage der von ihm organisierten Opposition gegen die Kurhauspläne des Architekten Hittfeld und in zweiter Linie gegen die Wahl des Bauplatzes aus dem Grundstück des unangenehmen GemeinderatS Trinius.

Doppelt erregt war der Doktor vielleicht deshalb geworden, weil er bei den beiden letzten Punkten nicht mit gutem Ge­wissen und blankem Schilde gekämpst hatte, wenn er das auch natürlich nicht eingestand.

Aber heimlich flüsterte im inneren Herzen doch die gute Stimme, die selbst ein ganzes Leben im Krottendorfer Welt- schwunge nicht ertöten konnte, nämlich, daß hinter den guten Gründen, die er gegen Bauplan und Bauplatz ins Feld geführt hatte doch persönliche Interessen verborgen waren.

Die Niederlage mit dem Bauplatz hätte er schließlich über­wunden, aber daß dieser Architekt mindestens ein bis zwei Jahre hier bleiben würde, verursachte ihm ernste Bedenken. Ein Mann ohne soziale Stellung, der nicht einmal feine Doktorrechnung begleichen konnte und über dessen Dasein Lulu Freude empfand, blieb für ihn ein steter Anlaß zur Beun­ruhigung.

Als der junge Baumeister vom Ergebnis der Gemeinde­ratssitzung Nachricht bekam, stürzte er aus dem Hotel fort. Er brauchte frische Luft und Bewegung, es war ihm zu eng im Zimmer.

Er hatte bei den Bauplänen manche Nacht durchgearbeitet, sein Bestes gebend, hatte allen Gemeinderäten Besuche gemacht, sich von Weishaupt beinahe h'Mauswerfen lassen aus den Ge­filden des Kasinoballes und trotzdem immer noch gefürchtet, daß man ihn zurückweisen würde.

(Fortsetzung folgt.)