preußischen Staat und untersteht der Königl. Berginspektion I in Königshütte, welche ihrerseits wieder der Königl. Bergwerksdirektion Zabrze unterstellt ist. Leiter der Grube ist Kgl. Bergwerksdirektor Wiester. Ihrer Förderung nach ist die König-grube die zweitgrößte von ganz Oberschlesien. Ihre Jahressörderung von 2,182,387 Tonnen Steinkohlen wurde im letzten Jahre nur von der ebenfalls fiskalischen Grube „Königin Luise" bei Zabrze um zirka 400,000 Tonnen über- troffen. Aus der Königsgrube sind rund 7000 Arbeiter be- schästigt, davon mehr als 5000 unter Tage.
Fleischkost und Pflanzennahrung.
Alle Stoffe, die unseren Organismus ausbauen, müssen auch in unserer Nahrung enthalten sein. Aber dieser Forderung schließt sich unmittelbar eine zweite an: die Form, in der uns beispielsweise Eiweiß oder Stärke geboten wird, muß so beschaffen sein, daß mit einer verhältnismäßig geringen Kraft- leistung der Organismus und von seinen Teilen zunächst der Magen sich in den Besitz der Nährstoffe setzen kann. Noch wichtiger als die Frage der Nahrhaftigkeit ist also auch die Frage der Verdaulichkeit. Die Beurteilung der Verdaulichkeit spielt namentlich für die große Gruppe von Nahrungsmitteln eine Rolle, die dem Pflanzenreiche entnommen sind. Fleischnahrung, die leider wegen des teuren Preises nicht jedermann in ausreichender Menge zugängig ist, wird ziemlich allseitig vom Organismus ausgenutzt, vegetabilische Stoffe dagegen in weit geringerem Grade. Die pflanzlichen Zellen, die von der Zellulosemembrane umschlossen sind, müssen erst von letzterer Zeit befreit werden, um für uns genußfähig zu werden. Trotz feinster mechanischer Zerkleinerung aber wird noch nicht der Inhalt jeder Zelle verdaut. Unverdaute Stärke ruft namentlich bei Kranken, deren Magen nicht in der normalen Weise funktioniert und deren übrige Verdauungsorgane geschwächt sind, schwere Darmaffcktionen hervor; auch die Belastung des Körpers mit der an sich schon unverdaulichen Zellulose, die für den Gesunden belanglos, ist sür den Kranken zu verwerfen. Daher sind selbst die feinsten Auszugsmehle — denn sie enthalten sowohl Zellulose, wie noch in Zellulose eingeschlossene Nahrungspartikel — noch kaum für die Ernährung des Kranken zu brauchen. Quaker Oats aber, ein Haferpräparat, bei dem nur die verdaulichen Stoffe aus dem Hafer herausgezogen und bei dem von vornherein die unverdaulichen Stoffe nach Möglichkeit ausgeschlosien werden, genügen selbst den strengsten An- sorderungen sür Kranke, Rekonvaleszenten und auch Säuglinge — für letztere als totaler oder mindestens partieller Ersatz von Kuhmilch, die nicht zu jeder Zeit und an jedem Orte ein- wandsfrei zu beschaffen ist — wird mit großem Erfolg das obige Haferpräparat gereicht. Die weite Verbreitung der Quaker Oats ist aber dem Umstände zu verdanken, daß dieselben infolge ihrer vielseitigen Verwendbarkeit zu Suppen und Mehlspeisen in den allgemeinen Consum übergegangen sind und in vielen Haushaltungen einen Bestandteil der täglichen Nahrung bilden. Der Nährwert der Quaker Oats ist ein ganz bedeutender. Analysen haben einen Eiweißgehalt von 16 Proz. ergeben, der also mit dem des Fleisches den Vergleich aushält und den Nährwert aller anderen Getreidemehlpräparate übertrifft.
Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.
In der am 14. Oktober beendeten Berichtswoche haben Kriegsbesürchtungen am internationalen Getreidemarkte zeitweise Steigerungen veranlaßt und in Rückwirkung davon hat sich auch hm Berliner Markte vorübergehend eine Befestigung geltend gemacht. Aber die für eine Abschwächung in Betracht kommenden Momente haben nach erfolgter politischer Beruhigung schließlich ihren Einfluß aus die Preisgestaltung wieder gewonnen. In den Vereinigten Staaten haben die Weizenbestände im Gegensatz zu der gleichzeitigen Periode des Vorjahres weiter zugenommen und nähern sich der vorjährigen Höhe. Aus Argentinien und Australien lauten die Meldungen über die Ernteaussichten andauernd recht günstig. Die nach Europa schwimmenden Weizenzufuhren haben sich wieder vermehrt. In Deutschland hatte bisher der ungewöhnlich umfangreiche Export den Preisen für Brotgetreide eine Stütze geboten. Nachdem aber nunmehr die Kauflust des Auslandes fast ganz aufgehört hat, ist die Tendenz am Berliner Markte recht lustlos geworden. In Weizen waren die inländischen Zufuhren wegen der die landwirtschaftlichen Kräfte beanspruchenden Kartoffel- und Rübenernte nur gering, die Preisforderungen des Inlandes zeigen sich auch wenig nachgiebig, was angeblich zum Teil seinen Grund darin hat, daß man wegen des durch die Dürre sehr hart gewordenen Bodens Besorgnisse für die Herbstsaaten hegt. Von Roggen kommt mehr Ware nach Berlin. Das Stocken des Ausfuhrgeschäfts bei teilweiser Zurückregulierung früherer Abschlüsse, die Anhäufung von Lägern an der Küste insolge Abnahme der Verladungen Und ziemlich bedeutend inländischer Versand drücken aus den Preisstand. Braugerste ist viel nach dem Westen verkauft worden, aber die Berliner Brauereien, die noch ansehnliche Bestände haben, bleiben zurückhaltend. Futtergerste wurde von Rußland billiger erlassen. Hafer wurde wegen der Erntearbeiten aus der Provinz nur mäßig angeboten, die Preisforderungen zeigen sich auch wenig nachgiebig, aber das Aushören des Exports und Offerten aus den Küstengegenden übten einen Druck aus. Mais stellte sich im Einklang mit dem Ausland gleichfalls etwas billiger. Am letzten Tage der BcrichtSwoche waren die Notierungen für
Lieferung im Dezember die folgenden: Weizen 204,50 Mark, Roggen 177,00 Mark, Hafer 165,00 Mark, Mais 158,50 Mark.
Vermischtes.
Essen (Ruhr), 13. Okt. Der Schmiedemeister Werner erschoß in einem Gebüsch bei Baldenev seinen achtjährigen Sohn und ließ sich dann von der Bahn überfahren. Der Beweggrund zur Tat kennt man nicht.
— Ein kugelsicherer Stahlpanzer, der an die Erfindung des Mannheimer Schneidermeisters Dove erinnert, ist dem Beyer. Kurier zufolge von einem Münchener namenS Keil gemacht worden. Der Panzer hat die Form eines StahlkorsettS, daS im Gewicht von 5Ve bis 6 Pfund hergestellt ist, und durch Federkraft der Stahlstreifen und deS entstehenden Luftdruckes die abgeschoffene Kugel auf eine Entfernung von 10 Meter zurückgeschleudert und total zersetzt. Auf dem Militärschießplatze in Neu-Freimann bei München landen dieser Tage Proben statt, wozu große achtschüssige Browing- pistolen, wie sie die Münchener Schutzmannschaft führt, benutzt wurden. Die russische Regierung soll dem Erfinder bereits 200 000 M. geboten haben. Auch das preußische und das bayrische Kriegsministerium sollen sich sür den Erfinder interessieren. Für die in allen Staaten zum Patent angemeldete Erfindung zur Verwendung für Kriegszwecke muß der Panzer ein Gewicht von zehn Pfund bekommen und erst noch umgebaut und neu erprobt werden.
— (De n Schwiegers ohn erschossen.) Am Bahnhof in Neuötting Oberbayern geriet, der aus Altötting stammende Kaufmann Steinhäuser mit seinem ihn abholenden Schwiegersohn, dem Bäckermeister Stummer in Streit und schoß ihn tot. Steinhäuser, der angeblich nur einen Schreckschuß abgeben wollte, stellte sich selbst der Gendarmerie.
— Einer Lehrerin in Hannover ist der folgende Entschuldigungszettel zugegangen: „Geörtes Schulsreulein I Indem meine Tochter LiSbeth gestern über Ohrenschmerzen klagte, da wird Ihr woll ein Ohrwurm ins Ohr gekrochen sein und hat sich auch noch erkältet. Zu diesem Zweck liegt sie im Bett und schwitzt mit aller Hochachtung Frau Neumann, Mutter."
— D er Bocksdorn oder das Lycium gehört zu den altmodischen Gewächsen, die immer mehr „Vcrgang nehmen". Keiner wills mehr dulden, weder der Schmied am freien Platz neben der Dorfschmiede noch der Bauer am Wege, wo es früher dichte Hecken und Gehege bildete, und an der dörflichen Kulturgrenze, wo Hof oder Garten aufhören und das Feld beginnt. Und doch paßte sich die alte Bocksdorn- hecke mit der sperlingsgrauen Farbe der Rinde ihrer langen Zweige der des Staubes aus der Landstraße an, und ihre fast gesuchte Liederlichkeit harmonierte ausgezeichnet mit den halb „versackten" Lehmscheuern und den alten krummen Wegen, an denen sie wucherte. Der Teufel hatte sie gepflanzt, denn er brauchte die langen, fadenförmigen Ranken zum Nähen; sie hießen deshalb Teufelszwirn. Allerlei unordentlich Volk fand hier sicheren Unterschlupf. Vor allem die Spatzen hielten da ihren Reichstag ab, und schon von ferne tönte dem Wandersmann wüstes Geschimps aus dem Gebüsch entgegen. Aber auch bessere Leute verschmähten den „Sperlingskrug" nicht, und der Zaunkönig macht ihn zu seiner Residenz. Denn da gab es manchen Winkel, der den Schüchternen gegen allerlei Untier wie Katz und Habicht Schutz bot. Nun ist das alles anders geworden. Axt und Spaten haben die krause Hecke fortgeräumt, und der steife, nüchterne Drahtzaun, der keinem Vogel Schutz gewährt, erhebt sich an deren Stelle. Und jetzt, da wir den alten Landstreicher im „fadenscheinigen Gewände" vertrieben haben, vermißt ihn nicht nur der nistende Vogel, sondern auch wohl hier und da ein Mensch, der für landschaftliche Eigenart ein offenes Auge besitzt. Einmal im Jahr war der wilde Zigeunerbursche sogar schön: wenn der Frühling auf die Berge stieg und ihm die kleinen lilafarbenen Blüten wie Sternchen ins Haar flocht.
— (Schlangen im p ortugiesischenOberhause) Bor einiger Zeit erzählte man sich in Lissabon, daß Arbeiter, die sich im Oberhause mit dem Transport von Dokumenten zu beschäftigen hatten, unter diesen Dokumenten Schlangen gesehen hätten. Diese Geschichte wurde verlacht, und man hörte nichts mehr von den Schlangen. Als nun vor kurzem sämtliche Dokumemte nach den Archiven des Ministeriums des Innern gebracht werden sollten, schoß zwischen ihnen plötzlich eine flachköpfige Schlange auf und biß einen der Arbeiter in die Lippe. Der Mann starb unter furchtbaren Schmerzen innerhalb einer halben Stunde. Seine Leiche war ganz schwarz geworden bis zur Unkenntlichkeit aufgeschwollen. Die Schlange hatte sich sofort wieder zwischen die Dokymente geflüchtet, und niemand ist zu bewegen, mit der Sortierung sortzusahren.
— (Ein my steri öser Mord.) Im Walde bei Tobrathofen im Württembergischen Allgäu wurde die 23jährige Dienstmagd Schuhwerg erhängt aufgesunden. Sie war zum Beerensuchen dorthin gegangen. Die gerichtliche Leichenschau hat ergeben, daß das Mädchen zuerst erdrosselt und dann an dem BaUm aufgehängt wurde, um einen Selbstmord vorzu- täuschen. Der ledige Maurer Moritzgell ist unter Mordverdacht verhaftet worden.
— (Unwetterschäden in Südfrankrei ch.) Durch einen Sturm, der mit Hagelschlag verbunden war, und
durch eine Wasserhose wurden im Departement Herault große Verwüstungen angerichtet. Mehrere Häuser wurden zerstört. Einige Flüsse traten aus ihren Ufern, und der Verkehr der Lokalbahnen ist unterbrochen. Der Schaden ist beträchtlich.
Hetzte Nachrichten.
Lille, 15. Oktober. In der Nähe deS Bahnhofs Templeure stürzte ein Brückenpfeiler ein, an dessen AuSbesierung eine Anzahl Arbeiter beschäftigt war. Zwei Arbeiter wurden getötet und mehrere verletzt.
Stuttgart, 15. Oktober. Im Lautertal bei Gehingen fiel der Kaufmann Doll mit seiner Frau im Nebel einen Abhang hinunter. Der Mann konnte sich schwer verletzt nach Haufe begeben. Die Frau wurde nach langem Suchen tot aufgefunden,
L a Rochella, 15. Oktober. Das Unterseeboot Fre-nel ist beim Einlaufen in den Vorhafen auf Grund geraten und gesunken. Die Bergungsarbeiten sind sofort in Angriff genommen. _________
Die britische und die niederländische Regierung haben zahlreiche Kriegsschiffe auf die Suche nach den noch fehlenden Ballons „Hergesell" und „Plauen" geschickt.
Saloniki, 15. Okt. Das dritte türkische Armeekorps in Monastir, Janina und Skutari wurde mobilisiert. In Saloniki sind auch die Reservisten einberufen worden.
Söul, 15. Oktober. In Kantoo (Nordkorea) haben chinesische Truppen eine von japanischen Soldaten besetzte Polizeistation beschossen. Daraushin kam es zu einem Gesecht, das mehrere Stunden dauerte. Die Zahl der Getöteten und Verwundeten ist unbekannt. DaS japanische Auswärtige Amt erhob Vorstellungen in Peking, und wofern nicht unverzüg. lich Genugtuung gegeben wird, werden japanische Truppen wahrscheinlich die Grenze überschreiten.
Grimsby, 16. Okt. Gestern langte h er der Fischer- dampfer Vinolia mit dem Ballon St. Louis an Bord an, der von ihm in der Nordsee aufgefischt worden war.
Berlin, 15. Oktober. Die Stadtverordneten bewilligten für die Ausschmückung der Linden beim Einzug der Prinzessinbraut 20 000 Mk. Die Sozialdemokraten stimmten dagegen.
Halle, 15. Oktober. Die Provinzialsynode beschloß vor Festlegung deS Osterfestes durch den Oberkirchenrat die Bildung eines interkonfessionellen, internationalen AuSschusseS von Sachverständigen aller christlichen Staaten und Kirchen deS gergorianischen Kalenders anzustreben.
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Kirchliche Nachrichten.
Sonntag den 18. Oktober.
Vormittags V2IO Uhr: Herr Pfarrer Schröder.
Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst (Sonntagschule.)
Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer Feyerabend.
Mittags 12 Uhr: Gottesdienst in Petcrsberg.
Ev. Männer- u. Jünglingsverein.
Sonntag 8 Uhr: Geselliges Beisammensein.
Donnerstag 8% Uhr: Bibelstunbe.
Sonnabend 8% Uhr: Gebetstunde.
Jugendabteilung Sonntag Nachmittag 3Va—6 Uhr.
Jnngfraueuverein Sonntag von 4—6 Uhr sämtlich im Vereinshaus.
Hierzu eine Beilage, sowie Nr. 42 des „Illustrierten Sonntagsblattes" undUr. 20 der „Illustrierten Landwirtschaftlichen Beilage."
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